Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2275 (21.6.1925)
- Date
- 1925-06-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ewfe'4 Di«», Sonntag Wiener Morffen»elt«»«. Lbstntttton im lugoslawlschr« Pariameat. «elgrar, 20. Juni, (t«r..ÄoiMt).) Diinncrpolitis^- l^ge Hot heute abermals eine Verschärfung erfahren. Die bereits vorgestern begonnene Obstruktion wurde von der Opposition, tvelche damit die Verifizierung der 26 strittigen Rodie-Man'date erzwingen Wils, auch in der heutigen Sitzung der Skupschtina fortgefebt. Es kam dabei zu .so heftigen Szenen, daß die Sitzung zlveinml unterbrochen werden mußte. Im Sinne der Geschäftsordnung konnte nach der zweiten Unterbrechung die Sitzung nicht nrehr ausgenommen werden. Die Fortsetzung der Sitzung wurde auf M on tag vertagt. Paste' Befinden gebessert. Belgrad, 20. Juni. (Tcl.-Komp.) Im Befinden des Ministerpräsidenten Pa sie ist eine leichte Besserung emgctreten. Ein heute abends ausgegebenes Bulletin besagt, daß Pasic in der letzten Zeit ettvas starker an Gelbsucht gelitten habe, daß aber die Krankheit seit gestern zurückzugehen beginne. Sie kommuniftische Propaganda in Marokko. 120 Verhaftungen in Frankreich. Paris, 19. Juni, (.Havas.) Wie der „Matin" meldet lvurden auf Grund des Beschlusses der Regierung, die kommunistische Propaganda für Diarotto zu unterdrücken, in Paris und -Provinz 120 Verhaftungen vorgenommen. T-ie Staatsanwaltschaft prüft gegenwärtig die Akten bezüglich der zwei parlamentarischen Führer der komnmnistischeu Partei. (Unter anderen soll der kommunistische Deputierte D o r i o t verhaftet iverden. — Die Redaktion.) Ministerpräsident P a i n l e v e wird zu Beginn der Die nstagsitzung der Kammer eine Erklärung über Marokko abgeben. Die spanischen Niederlagen. Tanger, 19. Jum. (Havas.) Die Situation gestalte: sich in der westlichen spa nische n Z on e ernst. Die Aufständischen sammeln sich an Verschiedenen Punkten der Linie Ceuta—Tetuan—Larache. Sin Attentat a«f den polnische« Sizekovsul in Sffen. Berlin, 20. Juni. Wie die „Germania" aus Essen meldet, wurde gestern nachmittags im polnischen Konsulat von dem Polen B er gier auf den polnischen VizckonsulLechowski ein Rev olde ran schlag verübt. Bergier, der die polnische Staatsangehörigkeit verloren hat, wurde vom Bizekonsul in dieser Angelegenheit empfangen und gab im Verlaufe der Unterredung drei Schüsse auf den Vizekonsul ab. Eine Kugel traf diesen in der Bauchgegend. Der Täter versuchte zu entfliehen, wurde aber von herbeigeeilten Bureauangestellten festgehalten und später durch die Polizei verhaftet. Der Vizekonsul wurde ins Krankenhaus gebracht.- Sein Befinden hat sich inzwischen so gebessert, daß heute vormittags seine Vernehmung erfolgen konnte. Dritte Konferenz der Weltorganisation zionWfcher Frone». Die Weltorganisation Zionistischer Frauen (WomenS International Zionist Organisation), deren Exekutive unter dem Präsidium von Dr. Vera Weizmann, Mrs. Glich Eder, Mrs. Rvmana Goodman, Mrs. Rebötta Siefs, ihren Sitz in London hat, wird Mitte August, vor dem 14. Zionistenkongveß, chre dritte Konferenz in Wien abhalten. ' Das Konferenzbureau, unter Leitung der Frau Erna Patal, Frau Sophie Löwenherg, Frau Rebekka Weiner und Frau Dr. Perle Wechsler, da: bereits seine Ar beite» ausgenommen. Es sind Delegierte au« allen Ländern angekundigt. Die Orgauisgtiou $ i o n i st l s ch e x Frauen Oe st erreich s l^t aul 10. tiud 18. d. im Sitznngssaale der Israelitischen Knltnsgemeinde gvei allgemeine Frauenversamininngen ab gehalten. a»l Venen den Vorsteherinnen der Zionistischen Franen-Bezirkestktione». Mädchen- und Fugenvgru-ppen, die eingeladenen 'Vertreterinnen aller nainhaften nichtjionistischen Jranenvereine teilgenommen haben. Tie meisten erklärten sich bereit, an den Vorarbeiten mitziuvirleu nnd i»ach Entrichtung des F r a u e n s ch e k e l S durch gewählte Delogierte a,r der Konferenz teilzimehmen. Alle Zuschriften in Konferen,zangele.genheiten sind zu richten an die Adresse: Bureau der dritten Konferenz der Weltorganrsation Ziomstischer Frauen. Wien, 9.- Be;., Währingerstraße 2. Tür 32. Tel. 17.095. Durch Dr. Hoffbauars Beste Wirkung, ohne Diätewang, garantiert unschädlich Vom Volksgesundheltsamt bewilligt (Nr. 911) Kein Abführmittel K«)n« Schilddrüse Depot: APOTHEKE „ZUM RÖMISCHEN KAISER" WIEN, I. WOLLZBILB IS/5 Me die Agudah Bode» lauft. Zum Verständnis der Frage der Spekulation. Aus Jerusalem wird «ns geschrieben: Unter dem Titel „Ein Skandal" bringt ,/Haarez" folgende Mitteilung: ,Aor einem Jahre «hat die Gesellschaft Hachscharach .Haftschub 4000 Dunam Boden von dem Araber Ä b u Kissak um den Preis von drei Pfund pro Dunam gekauft und den Bode« an verschiedene Gruppen in Krakau und Wien weitergegeben. Bor kurzem kamen nun Vertreter des G e r e r R e b b e n nach Erez Israel und boten dein Araber für denfeliben Boden acht Pfund pro Dunam. Auf solche Weise wird jüdischer Bodencriverb zunichte gemacht. Die Delegierten des (Äerer Robben sind: Jakob Talmid, Kaminker, Jizchak Rinski und ein gewisser Warschawski. Bor mehreren Tagen habendas Rabbi nat in Jaffa und Jerusalem -und auch das Rabbi natsgericht des Rabbiners Sonnenfeld den Beschluß, gefaßt, diese Delegierten davor zu ivarnen, daß sie den Frevel der Ueberbietung begehen; die Delegierten verweigern aber gegenüber diesen. Rabbinatsschietztz'siprüchen den Gehorsam." Um zu ermesse«, lvelch geradezu, frevelhafte- Tätigkeit die Delegierten des Gerer Rebben in der vorn ,/.Haarez" geschilderten Skandalaffäre entfaltet haben, muß man die Geschichte dieses Bodenkanfes genau kennen. Ter Boden, um den es sich hier handelt, liegt in nächster Nähe von Petach - Tikwah. Sein Beisitzer, der Efendi A b u - Kissak, war der Anführer jener Araber, ivelche am 1. Mai 1920 den U e b e r f a l l auf die jüdische Kolonie Petach-Tikwaih machten, und wurde unter der Beschuldigung, den jüdischen Kolon! st e n Absalom Nissin ermordet zu haben, in Haftgesetzt. Für seine Enthaftung sollte er eine Kaution, von 5000 Pfund erlegen; das Geld tonnte er sich nur gegen Uebergabe des Verkaufsrechtes seines Bodens von einem christlichen Araber beschaffen. Van diesem Bevollmächtigten gewandte Hebraist Isaak Eduard Salkinson in Wien -hat es aus dem englischen Original ins Hebräische übersetzt und unter dem Titel „Uchiel ha-Kuschi" 1674 der Oeffent- Nchkeit übergeben. (Die Uvbersetzung 'hat neben dem hebräischen auch nachstehenden Titel in englischer Sprächet Ochello, the Moor of Venise, a Tragedy in five Parts bh Shakespeare, tranlated mtv Hebrsw by I. E. S. wich a Presace bh P. Smolensky.) Das erste Shakefpearesche Werk, das der hebräischen Literatur einverleiht wurde, war also das Eifersuchnchtsdrama, einzelne Stücke jedoch, wie der Sein- oder Nichtsein-Monolog. Partien aus den Soneten und andere sind schon viel früher ins Hebräische übersetzt worden. Das meistgelesene Shakefpearesche Drama war, wie mir von vielen Seiten versichert wurde, die Gewissenstragödie „M a c b e t h". Den Grund hierfür glaube ich in der Tatsache zu finden, daß sie Shakesspeare in deutscher Sprache lasen und die S ch i l il e r sche Uebertragung dieses Trauerspiels bevorzugten. Der Schiller-Shakcspearesche .Macbeth" ist denn auch in einer trefflichen hebräischen Uebertragung von Isaak B a r b, mit einer recht lesbaren Einleitung von dem Literaturkenner Alex. Langbank versehen, rn den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts erschienen. Die Uebersetzung aus einer Uebersetzung war übrigens bei den hebräischen Schriftstellern jener Tage nahezu die Regel. Mir ist sogar eine hebräisch« Uebertragung von Aoungs Dichtung „The conrplaint, or mght-thougthK" bekannt, zu der der Uebersetzer, der Gekehrte und Schriftsteller Chajrm Zwi Lerner, lediglich eine französische Aebersetzung benützte. Der genannte Salkinson hat ferner J o ttt c o und Juli a" ins Hebräische übertragen. Er hebrarsierte auch die Namen des berühmten Liebespaares und nennt das Werk „Rom we-Jael", Nanren, die im Hebräischen sehr schön und sehr hebräisch klingen und dadurch dem Werke ein eigenständiges Gepräge verleihen. Der ,^kaufma n n vonVenedig" ist unter, dem Titel ,Hassocher me- Vvnetz'ia" erschieuen. Dieses Lustspiel wurde allgemein im Ghetto als Shylock-Tragödie aufgefaßt. Bei der Lektüre dieses Stückes erging es ihnen oft wie dem von Karl Emil Franzos verewigten Pojaz, der bei einer Aufführung des ,Fkaufmcmnes von Venedig" während der Gerichtsszene ausfpringt und schreit: Mnem solchen rachedüvstigen Juden bin ich noch nie im Leben begegnet'." In ihrem Ghetioempfmden, das geschichtstreu den Juden nur als leidenden Märtyrer, aber nicht auch als handelnden Rächer gelten läßt, fänden sie die von der Gesellschaft gezüchtete Rachsucht Shylocks nicht einmal begreiflich. Hingegen sähen sie in ihm in jenen Szenen, wo er jammert und wehklagt und einer Welt von Feinden gegenüber seine Menschenrechte verteidigt, das Sprachrohr der gesamten leidenden Jndenheit. Merkwürdigerweise stellten sic oft Vergleiche zwischen Shylock und Nathan an. Die Abhandlungen, die sowohl in hebräischer als auch in deutscher Sprache über das Dhcma ,/Shylock und Nathan" geschrieben und gedruckt wurden, sind sehr zahlreich. Von allen fremdsprachigen Dichtern hat Shakespeare die besten hebräischen Uebersetzer gefunden. Er teilte nicht mit Racine. Goetihe und anderen das Los, von hebräischen Literaten völlig nnigedichtet zu ivevden. Die meisten hebräischen Shakefpeare-Uchersetzer hielten sich streng an das englische Original. Ganz besondere Anerkeninung verdient . die Üebersetznng des amle t" von I. Eh. Bor nst e i n, die in dvr Tageszeitung ,/hazefirah" in Fortsetzungen erschienen ist. Den „E o r i o l a n u s" nnd ö n i g Lear" hat David F r i s ch m a n n übersetzt: die Frischnrannsche Uebertragung stellt eine Glanzleistung hebräischer Uobersetzungskitnst dar. 21. Juni 1925_Nr. 287« des Abu Kissak crivarb die Hachscharath .tzasischub recht« mäßig 1000 Dunam und verkaufte den Boden an ein« Gruppe Krakauer Juden und an eine Gruppe des Wiener Sportklubs.Hakoah. Als uun die Bodenpreise stiegen, inszenierte Abu Kissak mit Hilfe eines christlichen Arabers, Mn stak im, mn an dem Boden bei Petach-Tikwah, für den die Berkanfsurkuude noch nicht ausgestellt ivar, noch mehr zu verdienen, folgenden Betrug: Er gab dem Mustakim ebenfalls eine Vollmacht, den Boden bei Petach-Tiklvah z« verkaufen. Da aber die Vorgeschichte dieser Vollmacht in Erez Israel bekannt war, so fand sich kein Mnehmer. Als nun die oben erwähnte agudistische Delegation des Gerer Rebben «ach Ere.z Israel kam. wurde ihr ebenfalls der Boden angeboten. Auch sie erfuhr die Dorgeschichtc dieses Angebotes «ud erklärte öffentlich, sie werde den Boden nicht kaufen. Einige Tage spater aber wurde he« kannt, daß diese Delegation von Mustakinr den Boden um acht Pfund pro Dunam gekauft habe. Im Kauf, vertrag zwischen Abu Kissaks erstem Bevollmächtigten und der Gesellschaft Hächfcharalh Hajischub ist ftir den Fall eines Riicktrittes vor der gesetzlichen Durchführung des Kaufes eine Konventionalstrafe von 1000 Pfund vorgesehen, welche Abu Kiffak natürlich gerne zahlt, da er bei dem zweiten Verkauf um fünf Pfund pro Dunam mchr erM, also insgesamt 20.000 Pfund Mehrgewinn hat. Es tvar bisher bei Bodenkäufen stets üblich, daß in der Zeit zwischen dem Abschluß des Kaufvertrages nnd dessen rechtsgültiger Eintragung dem Verkäufer keine Angebote genwcht wurden, Diesen Brauch hat die agudistische Delegation zum erstenmal durchbrochen nnd damit der Bodenspekulation in ihrer häßlichsten Form Tür und Tor geöffnet. Die Umgehung des bisher geübten Brauches bedeutet eine Gefahr für alle bisherigen Bodenkäufe, bei denen die rechtsgültige Uebertragung noch nicht erfolgt ist. Damit ist wohl deutlich genug bewiesen, wer die unlautevsten und verwerflichsten Mittel der Bodenspekulation in Erez Israel anwendet. Die Zeche müssen nun die Juden zahlen, welche auf diesem um fünf Pfund pro Dunanr teurer bezahlten Boden von der Agudah angesiedelt werden. Das nennt man Kolonisationspolitik! zwei guüilare der zionistischen Arbeit. Die Zionistische Organisatioir in der tschecho-ftowa. tischen Republik begeht dieser Tage den 60. GoburtStag zweier der ^besten und trouosten Mitarbeiter an denr nationalen Werke: Anton Glaser und Friedvich Mautner. Anton Glaser, der auch 4» der industriellen Welt der Tschecho-Stowakei hohes Ansehen genießt, gehört der Zionistischen Organisation seit dem ersten Tage ihres Bestandes an und wirkt mit klugem Rai und stets bereiter Opfersveu'digkeit an der Festigung der Organisation mit. Er tmlrdc im Jahre 1903 in das zionistische Distriktskonritee berufen,, an dessen Spitze er später trat. Er war einer der Gründer te* freien zionistischen Bereinigung und leitet seit einigen Jahren mit Tatkraft und Umsicht die Prager Bolksvorschußkassa. Anton Glaser, nebenbei benwrkt der Schwager des als Bühnenschriftsteller ibekannten Leipziger Arztes Paul Mongre, ist im Jahre 1863 in Saaz geboren. Die „Steuer Morgenzeitung", zu deren ältesten Abonnenten er gehört, schließt sich gerne dem großen Kreis derer an, die ihn zu seinem 60. 'Geburtstag beglückwünschett, den der liebenswürdige und vornehme Mann im vollste« Besitz seiner Kräfte feiert. Friedrich Mautner, der sich der zionistischicn Sache als reifer Mann anschloß, hat ihr als Begründer deS jüdischen Schuldere ines und als eifriger Kämpfer für 'den Ae Banknote. Bon Henry Barbuffe. Am Saum der weiten, düsteren Ebene, deren Farbe irgendwie on abgetragene Kleider gewähnte, verschwand das kleine .Haus im Zwielicht. Juliette spähte nach dem Großvater. Gleich eimr Rose überragte ihr hübsches Gesicht den morschen, hier und da mit Moos bewachsenen Zaun, den die Dämmerung so dttnkel färbte, als iväre ein Platzrgen darauf niedevgegangen. Alle Doge kam der Großvater von jener Seite, wo die Kamine der Stadt ihre feine Schrift auf das Gelb des Sonnenunterganges zeichnen. Bor Freude zitternd, erwartete auch Turko den Herrn, und sein schwarzer Pudelkopf, auf dem die Schleier des Abends rmr den Ausdruck der Liebe erkennen ließen, wendete sich von Zeit zu Zeit nach dem hübschen Mädchen. Da bemerkten sie und der Hund den alten Mann unter der Arbeitermenge, die aus den Vorstädten herauSströntte. Afti großen Schritten kam er; gestikulierend. Schon vom Fußweg her hörte man ihn lachen. Er schloß die Enkelin in die Arme, ohne seine laute Freude z>t dämmen. Drinnen in der niedrigen Stube zwittkerte er mit den Augen, fluchte vor Vergnügen und schlug mit der Faust so heftig gegen die Tischplatte, daß das blaugerahmte Fenster klirrte. Endlich sagte er: ,Hier hast du!" und warf mitten auf den Tisch einen Tausendsrankenschein. ,/Da sind 1000 Franken. Jetzt kannst du den großen Flaquard heiraten." — „Ach!" rief Juliette freudestrahlend, „Großvater, wie hast du das zustande gebracht?" Der Alte blickte listig drein. Nun, er hatte Ueberstunden gemacht. -Franken nur Frauken gespart. Das hatte Zeit gekostet, verdammt! Aber was! Das Geld war 'da; aian schuldete es nieniand. Die Kleine kannte Flaquard