Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2275 (21.6.1925)
- Date
- 1925-06-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette ff Ufr. ffffm Men. Sonntag Wiener Moraenzettunst. 91. Juni 1!E) Zionistisches Lokalkomitee Dienstag, 23. Juni, halb 8 Uhr abends Olympiasäle // I. Rotgasse IMS über fall käme. Aber diese Errungenschaften flössen aus der Expansion der Technik/ nicht aus dem Willen der Politik. Und das nimmt ihnen den Charakter des Geschenkes und verleiht ihnen die Tragik der Danaer. Die asiatische Seele, die zum Kampfe gegen Europa sich rüstet, hat noch nicht den äußeren, einheitlich wirkenden Ausdruck des in ihr schlummernden Hasses gefunden, sie ist noch nicht in ihrer Gänze bis zur Offensive militarisiert. Selbst wenn sie dies wäre, so luiirbc dies noch nicht die höchste Gefahr für Europa bedetlten. Der Negativismus ist politisch unbrauchbar. Er ist nur Krieg, aber nicht mehr. Die Gefahr würde erst dann zmn Kulminierungspunkt reifen, wenn das positive Ideal der Einigung Asiens formuliert werden könnte. Damit hat es noch gute Wege, und das ist ein Glück für die weiße Welt, der ein Zeitvorsprung zur Erkenntnis ihrer Fehler gegeben wird. Sie muß rechtzeitig zwischen sich und den Orient einen Vermittler stellen, der, unbelastet von den Sünden der aktiv betriebenen politischen, nationalen oder sozialen Unterdrückung, eine neue Formt des politischen Seins und des Zusammenlebens sucht. Diese Funktion kann nur das jüdische Volk auf sich nehmen, das sich in Palästina sein nationales Heim aufbaut. Der Völkerbund hat diesen Plan sanktioniert und unter feilte Garantie gestellt. Es ist unmöglich, daß die Männer, die die Ratifizierung des Mandates Vornahmen, nicht an diese große Mission gedacht hätten. Und selbst wenn dies der Fall wäre, so hätte sie die wirtschaftliche und kulturelle Leistung des Zionismus in Palästina daran gemahnt. Tatsächlich haben Persönlichkeiten wie Balsour und Rappard dies erkannt. Die jüdische Arbeit, die dem Weltverkehr ein neues Gebiet altgegliedert hat, die, wenn sie ungestört bleibt, nach Ausbau der Eisenbahnlinien von Palästina aus ganz Mittelasierk, eilt riesiges, heute noch steriles Gebiet, aufschließen wird, ist berufen und geeignet, die Aussöhnung des Orients mit dem Abendland durchzuführen. Sie wird die Grundlagen schaffen, auf denen sich eine europäische und neben ihr eine asiatische Politik erheben kann. Die Lvvofition in der Zionistischen Srsanisatton. Keine „Krise". In einer Anzahl mitteleuropäischer Blätter, so im „Prager Tagblatt", in der „Bossischen Ze r tung" und in der „Neuen Freien Pressc", finbcf sich unter dem Titel „Krise im Zionismus" eine Ierusalemer Meldung folgenden Inhaltes: Sekt der Ernennung des neuen englischen Ober-' kommiffärs für Palästina bereitet sich eine weittragende politische Krise innerhalb des Zionismus vor. Die Tatsache, daß Feldmarschall P l u m e r ohne Befragen und ohne Kenntnis der Zionistischen Exekutive ernannt wurde, gilt als schwere Bloßstellung der Exekutive, beziehungsweise ihres Präsidenten Weizmann. Gegen diesen richtet sich die Agitation einer an Zahl und Bedeutung rasch zunehmenden radikalen Partei innerhalb des Zionismus, die vor kurzem von Jabotinsky, dem Führer der jüdischen Legion im Weltkrieg, gegründet worden ist. Für den Inhalt und die starke Ausbreitung dieser Agitation sind Aeußerungen der palästinensischen Presse wie die folgenden bezeichnend: Die bisher regierungsfreundliche „Palestine Weekly" nennt die Ernennung Plumers einen Faustschlag ins Gesicht der Exekutive, wodurch bewiesen werde, daß diese und Weiznurnn nicht mehr das Vertrauen der englischen Regierling besitzen. Weizmann müsse daraufhin demissionieren. Tie drei hebräischen Tageszeitungen von Palästina protestieren wörtlich dagegen, daß England Palästina als Kronkolonie behandle. Die Schuld daran trage Weizmann mit seiner nachgiebigen Politik. Die Zeitungen propagieren nachdrücklich die neue radikale Partei, der übrigens führende Mitglieder des europäischen Zionismus angehören, so der frühere österreichische Abgeordnete Stricker, der in der letzten Zeit viel genannte polnische Abgeordnete Grünbaum und der frühere litauische Minister S o l o w e i tschik. Diese Partei wird voraussichtlich auf dem vierzehnten Zionistenkongreß, der im August in Wien stattsindet, versuchen. Weizmann zur D e m i ss i o n zu veranlassen. Die Debatten dieses Kongresses werden also die politischen Grundlagen der Bewegung und insbesondere and) ihr Verhältnis zu England berühren. Zu dieser Meldung ist zu bemerken, daß in der Zionistischen Organisation, wie nur natürlich, o p p o s itiottcllc Strömungen bestehen, die auch auf dem Kongreß, wie auf jedem bisherigen Kongreß, zum Ausdruck zu kommen lvünschen und zu diesem Zweck vor kurzent in Berlin eine Konferenzgemeinschaft als taktischtechnische Maßnahnte gebildet haben. Die „Wiener Morgenzeitung" hat dariiber eingehend berichtet und auch das Programm dieser Opposition veröffentlicht. Es ist unrichtig, daß diese Partei von Jabotinsky gegründet worden ist, der an der Berliner Sitzung gar nicht teilgenvmmen hat. Es ist falsch, daß sich diese oppositionellen Gruppen auf die Person Weiztltanns eingestellt haben. Ihnen handelt es sich, wie jeder Opposition, einzig und allein um die Durchsetzung ihrer prinzipiellen Anschauungen. Es sind Meinungsverschiedenheiten, die die Methode betreffen, nicht aber das Prinzip. Es istdaher gänzlich falsch, von einer Krise im Zionismus zu sprechen. Der Zionismus ist eine Idee, die heute fester steht denn je, und gerade darum kann sich die Organisation die tiefgreifende Behandlung ihrer Probleme gestatten, ohne eine Krise befürchten zu lnüsscn. Was die in der Meldung zitierten Pressestinunen betrifft, so wäre es wieder falsch, aus ihnen eine Uebereinstimmullg der Ansichten in Erez Israel folgern zu wollen. Die jüdische Presse hat dort, so wie die „Wiener Morgenzeitung" in Wien, eine freie Diskussion über die Fragen des Kongresses eröffnet, in deren Verlauf, genau so wie in Wien, Stinnnen für und gegen die Politik der Exekutive zu Wort kommen. Der Gewährsmann der eingangs erwähnten Zeitungen, der oppositionell eingestellt zu sein scheint, hat nun die seiner Meinung am besten entsprechenden Aeutzerungen herausgegriffen. Das ist ein Vorgehen, das wir bedauern, müssen, weil die politische Ocffentlichkeit ein grundfalsches Bild von der tatsächlichen Situation erhält. Bevorstehende Erklärungen Balfours. London, 20. Juni. Lord B a l f o u r, der bekanntlich nach denr Tode Curzons zum Vertreter Euglands im Bölkerbundrat ernannt wurde, trägt sich mit der Absicht, vor der Völkerbundkommission der beiden Häuser des Parlamentes Erklärungen über die Fragen des Palästinamandates abzugebcn. Er will die Gelegenheit wahrnehmen, die vielfach geäußerten Befürchtungen, die sich in der ziorkistischen Oeffentlichkeit in Zusammenhang mit der Ernennung Lord P l u m e r s zum Obcrkommissär, zeigen, zu zerstreuen. .^piiLBäiLi: Gummimäntel, Gummis huhe und Gummiwaren aller Art zu Fabrikspreisen! SPIRMANN & HOROWITZ Wien, II. Bez., Taborstrasse Nr. U b — Telephon Nr. ‘47-0-86 Re Wische Nationalversammlung ln Srez Israel. Dir dritte Session. Jerusalem, 10. ,Jum. (I. T.-A.) Am 16. b. wuvdc in Jerusalem die dritte Session der Jüdischen Nationalversammlung (Assefat.Haniwcharim) eröffnet. Der Vorsitzende verlas ein Begrüßungsschreiben des Obevkommissärs Sir Herbert Samuel. Dr. Thon erstattete Bericht über die Tätigkeit des WaadLeunri, Kolonel Kisch berichtete über die politische Lage. Hierauf trat matt in die Diskussion über die Rechte der Frauen, über die sich eine sehr erregte Debatte entspann, ein. Die Redner der Majorität spracheit sich mit aller Entschiedenheit für das Frauen recht aus, die Vertreter des M i sr a ch i. und der anderen orthodoxen Gruppen sprachen dagegen. Die Debatte wurde immer erregter. Die Vertreter des Misrachi, der orthodoxen AschÄnasim, der Jemeniten und der Mehrheit der Sephardim verließen den Sitzungssaal. Sie hielten noch an demselben Abend eine eigelle Sitzung ab und proklamierten formell die Begründung einer n n a b hängigen R a t i o n a lv e r s a m m l u n g der orthodoxett Juden. Die Frage der Rechte der jüdischen Frauen -hi Palästina war lange, Zeit Gegenstand scharfer Mcinungsverschiedenhciten zwischen der orthodoxen mtb nichtorthodoxen Jude «heit Palästinas. Die Bereinigung für die Gleichberechtigung der jüdischen Frau forderte, daß in Erbschaftsangelegenheiten die Frau demMannegleichg e st eilt und dem Rabbinat das Recht entzogen werde, . in Crbschaftsattgelegenhetten zu entscheiden. Die Rabbiner Ostrofsky und Assaf wollten -das Erbrecht der Frau mit dann gelten lassen, lvenn ein Vermächtnis des Erblassers zugunsten der Tochter vorhanden ist, andernfalls feien nnr die Söhne erbberechtigt. Die Misrachisten forderten ihrerseits, es sollen bei bcn Behörden jüdische Vertretungen bestehen, die ixi'ü Recht haben, Zivilehen und Zivilchesche idnngen siir ungültig zu erklären. _ Sie hebräische Universität in Jerusalem. Eine Bücherschenkung des preuhrschen Unter» richlsntirristeriums. Wie I. T. A. berichtet, hat das preußische U nterrichtsmiu : steri n nt beschlossen, der hebräischen Universität in Jerusalem eine große Gücherschenkungzuübermitteln. Die Büchersammlung, die demnächst nach Jerusalem abgehen wird, enthält -unter anderem H a u d s ch r i f t e n k a t a l o g e der preußischen Staatsbibliothek, Titeldrucke, U niversi täts- und Schulschr iften, ferner Biv-liotheksdoublett e n und Dissertationen der preußischen Umversi^ läteif. Der amerikanische Unive rsit ät s st ist u »tg sfonds. New-Aork, 17. Juni. (I. T. A.) Die vom Vovsitzcnde»r des Univevsrtätskuratoriums Dr. Mag ne's während seines kurzen Aufenthaltes in New-Aork eingeleitete Aktion für den Stiftungsfonds der hebräischem Universität brachte, wie bereits berichtet, 800.000 Dollar sowie jährliche BeitragsKusicherungeu von 14 0.0 0 0 D o l i a r. Bon dem Betrage spendete Mr. Felix M. Marburg 500.000 Dollar, Mr. Sol. R o s e n b l o o m 250.000 Dollar. Unter dem Vorsitz Felix M. Marburgs wurde eilt Komitee für die hebräische Universität gebildet, dem auch Loui^ Mars hall angehört.__ 9er erste Berbandstag des Preußischen Landesverbandes. Berlin, 20. Juni. (I. T.-A.) Der aus den Wahlen vom 1. Febvttar 1926 hevvorgegangene erste Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden tritt heute nachmittags um halb 4 Uhr im großen Plenarsaale des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße 3, zum erstenmal zusammen. Die Tagung, ist auf zwei bis drei Tage berechnet. Die Verhandlungen sind öffentlich. Bei den am 1. Februar I. I. vollzogenen Wahlen zum Preußischelt Landesverband jüdischer Gemeinden entfielen: aus die rein litbe.ra.le Liste 50 Sitze, aus die rein konservative Liste 5, auf die. Liste der Jüdischen Volkspartei 24, aus die Liste der Poale Zion 2, religiöse Miitelpartei 6, Zentralverein 4, gemeinsame Liste der Konservativen und Liberalen 6, gemeinsame Liste der Konservativen und der .Jüdischen Volkspartei 7, gemeinsame Liste der Konservativen, Zionisten und Qstjuden 4, ahne Parteizugehörigkeit 9 Sitze. ^_ Staatsbelttag für die Israelitischen Kultnsgemeinden Bayerns. Münchelt, 19. Juni. (I. T.-A.) Int lbayvischen Landtag wurde der Zuschuß für den Verband israelitischer Kultusgemeinden in der Hohe von 50.000 Mark für 1924, von 60.000 Mark für 1926 mi>t 13 gegen 12 Stimmen genehmigt. Dagegen stimmten Kommunisten, Sozialdemokraten, Deutschnationale und DsntschvöNsche. Reue Uonlstenverhaftungen in Rußland. Riga, 19. Juni. (I. T.-A.) Soeben ist dir Nachricht eiugetroffen, daß in Wdoskau 41 Personen, meist Angehörige der Hitachduth-Bewegung, unter ihnen R a b i u owitsch, Meyer, Lev in und Engels, unter der Be schutdigung zioni stis che r Be täti g u ng verhaftet wordeir sind. Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt Donnerstag den 25. Juni, 7,9 abends Uhr im Hotel Continental, Wien, II., Toborstrosse Nr. Die Schicksalsfrage des Zionismus Redner; Nahum Goldmann, Berlin Oberbaurat Robert Stricker Wien ttairW Segen Vorweisung d« Scfackclqoittung