Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2275 (21.6.1925)
- Date
- 1925-06-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I Polen: 3C» gioszy | Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder ln einer Verschlelsstellc fTrafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma G o 1 d schmied, I.. Wollzelle II Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Ts ch echo-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen hei Preis« erhOhungen Vorbehalten Wiener Morgenreitmig iPreU 25 ai England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.100Lew?. Schweiz und das übrige Ausland monaflicli Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D uckerel lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 2275 Wien. Sonntag. 21. 8««11825 7. galjrgang S BERLINER - 8 STADTHÄUSER B □ zum sofortigen Abschluss zu kaufen gesucht. 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Seit jüngster Zeit bildet die journalistische TätMeit von Lord Birken he ad, des gegenwärtigen Staatssekretärs für Indien, den Gegenstand lebhafter Diskussionen und es wurden diesbezüglich bereits mehrere Interpellationen an die. Negierung gerichtet. Die Vereinigung der britischen Journalisten beschloß mm einstimmig, dagegen zu P r o t e st i e r e n, daß Minister der Krone Prcßartikel gegen Bezahlung liefern. Die Aufmerksamkeit der Regierung und des Ministerpräsidenten wird mit größtem Nachdruck daraus gelenkt, wie unumgänglich notwendig es sei, aktiven Ministern die Ausübung des Journalismus als Nebenbeschäftigung zu verbieten, dä dieser neue Brauch mit den hohen Traditionen des englischen öffentlichen Lebens nicht im Einklang steht. Sie Kongretzdislussion. Die mopgige Mittagsausgabe der „Wiener Morgenzeitung" wird in Fortführung der Diskussion über die Fragen des kommenden Zionistenkongresfes unter anderem die folgenden Aufsätze publizieren: Dr. Georg Weiner: Für die Jewifh Agency. Heinrich M a r g u l i e s: Die Dampfwalze für die Spekulation. Bruno R a b i n o w i tz: Ein ernstes Wort an die Opposition. Dr. Mayer Ebne r: Zionisten und Non-partisans. M^r^Nanfped^^fer: Auf schiefer Bahn. Ser deutsch-polnische zollkrieg. Deutschland schlägt ein provisorisches Uebereinkommen vor. Berlin, 20. Juni. (Wolfs.) Die deutsche Regierung hat heute der polnischen Regierung den Entwurf eines detallierten provisorischen Handelsabkommens zugehen lästert, der die M e i st b e g ü n ft igungfür beide Länder hinsichtlich ihrer Ein- und Ausfuhr in zolltarisarischer Beziehung vorsieht. Bei grundsätzlicher gegenseitiger Aufhebung aller Einfuhrverbote gewährt Deutschland hinsichtlich der durch die wirtschaftlichen Verhältnisse bedingten Ausnahmen Einsuhrkontingente. Für Kohle wird ein monatliches Einsuhrkontingent von 100.000 Tonnen deutscherseits zugestanden. Sollte sich jedoch die Warschauer Meldung bestätigen, daß die Polnische Regierung Einfuhrverbote gegen deutsche Waren erläßt, würde die deutsche Regierung sich vor schwerwiegende Entschlüsse gestellt sehen. Polen zu Verhandlungen bereit. Warschau, 20. Juni. (Tel.-Komp.) Der polnische Ministerrat hat beschlossen, von einem Zollkrieg mit Deutschland Abstand zu nehmen. In der gestrigen Sitzung des Politischen Komitees wurde von seiten der Regierung mitgeteilt, sie habe sich aus Anraten des Vorsitzenden der polnischen Handelsdelegation für die Fortführung der deutsch-polnischen Wirtschaft s Verhandlungen bis zum Zustandekommen eines Provisoriums ausgesprochen. Ser Aufruhr i« Wim lest sich. Die kommunistische Wühlarbeit mißglückt? London, 20: Juni. (Reuter.) Aus Schanghai wird gemeldet, daß . die f r e m b e N s e i n d l ich e, Pr op a g a n d a fortdauere. Die Lage in Schanghai ist ruhig. Der Beschluß, die Banken und Geschäftsläden wieder zu eröffnen, scheint die allgemeine Lage günstig zu beeinflussen. In Nanking ist jed'e Gefahr beseitigt. In Fötschöu ist ein antrjapanischer Boykott beschlossen worden. In Kanton nimmt die kommunistische Agitation zu. Die Lage in Peking ist unverändert. Nach anderen Meldungen steht in Kanton und Hongkong der Generalstreik unmittelbar bevor. Die Boykottpropaganda in Hongkong scheint bisher wenig Erfolg gehabt zu haben. In der Stadt herrscht Ruhe. Der amerikanische Vizekonsul 8t Kiu-Krang hat mitgeteilt, daß die Chinesen einen Engländer, einen Schweden und einen Polen mißhandelt haben. Ferner teilte er mit, daß das Streikkomitee von Schanghai aus Sowjetrußland eine Unterstützung von 10.000 Pfund Sterling erhalten habe. Entgegenkommen der Mächte in der Frage der chinesischen Ausländerkonzessionen. London, 20. Juni. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung aus Peking haben die Mächte dem chinesischen Außenministerium mitgeteilt, daß sie bereit seien, neue Unterhandlungen über die Regelung der Lage in Schanghai zu eröffnen, trotzdem die bisherigen Unterredungen zu keinem Resultat geführt hätten. Sofern die chinesische Regierung es wünsche, seien die Gesandtschaften bereit, ihren Regierungen die vollständige Reorganisation der internationalen Konzessionen in Schanghai vorzuschlagen. Der neue Sowletgesanvte 1« Wien. Moskau, 19. Juni. (R. T.-A.) Der Botschaftsrat der Londoner isowjetrussischen Botschaft Jan Bersine ist zum bevollmächtigten Vertreter der Sowjetunion in Oesterreich ernannt worden. Bersine war 1919 Volkskommissar für Unterricht der lettischen Sowjetvegierung, wurde 1921 bevollmächtigter Vertreter der Sowjetunion in Finnland und war zuletzt Botschaftsrat in London. I Die Brücke. —y. Wien, 21. Juni. Die vergangene Woche hat das Bild der weltpolitischen Entwicklungsmomente um ein Bedeutendes bereichert, aber nicht im guten Sinne. Der Aufstand in China ist in raschen und breiten Fluß geraten, der Krieg in Nordafrika bedroht das Prestige Frankreichs in gefährlichem Maße, der Sicherheitspakt, der in Berlin vorgelegt wurde, hat bereits Drohungen Rußlands zur Folge gehabt. Das gesamte Einflußgebiet der europäischen Politik ist von einer Gärung erfaßt, über deren Umfang und Tiefe sich die vor der Geschichte Verantwortlichen, die Führer des politischen und kulturellen Lebens, keine Rechenschaft geben. Mit ihnen lebt die ganze abendländische Menschheit in den: trügerischen Wahn, daß die Erscheinungen, die bald in der Nähe, bald in der Ferne aufbrechen, nur lokal abzugrenzende und einzuschränkende Vorfälle sind; der innere Zusammenhang aller dieser Eruptionen, eines der Resultate des Weltkrieges und seiner von: Grund ans verfehlten Liquidierung, bleibt der Mehrheit der Kulturwelt verschlossen. Sie glaubt noch immer an ihre Superiorität und sie will es nicht zur Kenntnis nehmen, daß sie sich bereits inmitten einer Revolution von kosmischen Dimensionen befindet. Sie hat selbst die Grundlagen geliefert. Die großen technischen Erfindungen und Entdeckungen der letzten Jahrhunderte, von der Lokomotive über das Telephon bis zu den Hertzschen Wellen sind auch zur gleichen Zeit die bestimmenden Momente einer politischen Umwälzung gewesen, ohne daß dies den Zeitgenossen klar geworden wäre. Die drahtlose Radiographie beweist, daß das Wort, der Laut allgegenwärtig sind. Und wo es das Wort ist, ist es auch der Gedanke. Ideen und Jdeenkoinplexe kreisen um den Erdball und wenn sie sich auch nicht sofort zur Tat verdichten, so bleiben sie doch hier und dort haften. Die guten wie die schlechten. Wobei kaum jemals mit 'Sicherheit und allgemeiner Gellungskraft zu sagen wäre, was gut und was schlecht ist.' Aber diese technische Entwicklung vermag nichts zum Guten zu wenden, solange nicht die politische mit ihr gleichen Schritt hält. * Alte, festgegründete Throne hat der Weltkrieg gestürzt, ganze Reiche sind von der . Erdkarte geschwunden, rings um Europa mit 'seiner Pratension ringen sich neue; kaum noch bewußte politische Kräfte an die Sonne —/ stets gleich und unverändert bleibt die Methodikder Politik der europäischen Völker, in deren Leben noch nicht die Notwendigkeit der europäischen Politik aufscheint. Als hätte es nie den Massenkrieg gegeben, der neben den Millionen von Gewehren auch die Millionen von Gehirnen in Bewegung gebracht har, der die farbigen Rassen zur Austragung europäischer Kortflikte heranzog und. sie lehrte, daß das herrische, befehlende, unantastbare Abendland nicht unverletzbar ist und daß seine Hegemonie zur Lüge wird, wenn feste, griffsichere, nervenlose Fäuste das Gefüge antasten. Und indes die europäischen Staaten mit ihrer Diplomatie, ihrem Geld, ihrer Presse und ihrer Demagogie wider einander stümpern, indes sie daheim Minoritäten unterdrücken, nationale, konfessionelle und soziale Schützengräben aufwerfen, wächst ihnen draußen an der Peripherie ihres Einflusses riesengroß die Gefahr heran, die sich ihrer Technik, ihrer Waffen und ihrer politischen Mittel bedient. Es sind Schüler, die den tabetisch gewordenen Lehrer schlagen wollen. Seit es eine europäische Geschichte gibt, ist sie voll der Lüge, der Heuchelei und des Zynismus gewesen. Sie hat die materiellen Kräfte der ganzen Welt an sich gezogen, aber sie hat sich nicht begnügt, sie zu annektieren. Nein, sie hat diese Akte ideologisch und idealistisch verklären wollen. Sie hat den Objekten ihrer Künste sicherlich große und sogar befreiende Werte gegeben. Der chinesische Lokomotivheizer, der indische Babu-Telegraphist, der arabische Chauffeur sind ohne Europa undenkbar, und sie würden vielleicht undenkbar bleiben, wenn die abendländische Funktion in Weg- Abbazia PALACE-HOTEL BADE-SAISON ERÖFFNET! Abbazia^ 602 FEINSTE KÜCHE! MODERNSTER KOMFORT! QENBRALDIREKTION; HANS HÜBNER