Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-06-16 · Heft 2270 (16.6.1925) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2270 (16.6.1925)
Date
1925-06-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981355--23078-3010558
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 2270__'_Wien, Dienstag Set Aufruhr in ßhina. Eine chinesische Protestnote. Peking, 13. Juni. (Reuter.) Das Auswärtige Amt stellte der britischen Gesandtschaft einen Protest gegen die Schießerei i n H a n k a n zu, worin es heißt, das Anßenministemtnc habe mit großer Ucberraschung vernommen, daß, während die S cha ng ha i - A n g e l e g e rill) eil noch nicht geregelt gewesen sei, ein ähnlicher schrecklicher Vorfall sich in Hankau ereignet habe, „wo britische Freiwillige am 11. d. Maschinengewehre verwendeten, 8 Chinesen getötet, 11 verwundet intb damit die Gmndsätze der Menschlichkeit verletzt haben". Die Note erhebt formellen Protest und behält sich vor, weitere Forderungen zu stellen. Die englische Antwort. London, 16. Juni. (Tel.-Komp.) Wie aus Peking gemeldet wird, hat der englische Gesandte die Antwort seiner Regierung auf die letzte chinesische Note über die Ereignisse in Hankan überreicht. England erklärt, daß die chinesische Negierung unrichtig informiert wurde. Da die chinesischen Behörden die A u 'Ständer nicht genügend schützen, seien diese gezwungen gewesen, zum Selbstschutz zu greifen. Den englischen Behörden könne keinerlei Schuld zngeschrieben werden. Schließlich wird in der Note die chinesische Regierung ausgefordert, energische "Maßnahmen zum Schutz der Ausländer 5,1t treffen und den sremdenfe in blichen Ausschreitungen ein Ende zu setzen. Auch die japanische Negierung hat in Peking eine ähnliche Protestnote durch ihren Gesandten überreichen lassen. Chinesische Demonsivotionsmeetings. London, 16. Juni. (Tel.-Komp.) In Kanton hat die Wiedereinnahme der Stadt durch die frühere Besatzung zu G r c u e l s z e n e n geführt. Die bei der Eroberung der Stadt in Gefangenschaft geratenen Soldaten der Mnan- Urmee wurden auf grausame Art massakriert. In Peking fand gestern eine von 20.000 Chinesen besuchte Massenversammlung statt. Die Demonstranten zogen vor das Negiernngsgebäude und verlangten stürmisch den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit E n g l a n d. Alle Straßen, die zum Gesandtschaftsviertel führen, sind durch Barrikaden und Drahtverhaue abgesperrt und von Maschinengewehrabteilungen bewacht. Auch in Tientsin fand eine große Demonstration statt, an der 25.000 Chinesen teilnahmen. In Kiutstang und Hankan sind weitere e n g l i s ch c Kriegsschiffe eingelaufen. Japanische Zerstörer sind den Jangtsekiang flußaufwärts gefahren. Die getöteten Chinesen. London, 15. Juni. (Tel.-Komp.) Im Unterhaus erklärte Unterstaatssekretär Mac Neill auf eine Anfrage, daß bis jetzt 51 Chinesen getötet und 6 5 verwund e t wurden. Bon Ausländern sei bisher nur -ejue Amerikan erin verletzt worden. , --- Der Marottokrieg. - Neue Offensive gegen die Spanier. London, 15. Juni. (Tel.-Komp.) Wie aus Tanger gemeldet wird, haben die Kavylen eine Offensive gegen die spanische Front bei T e t u a n eröffnet. Es wird auf Leiden Seiten sehr verlustreich gekämpft. Die einheimische Bevölkerung verläßt das Kampfgebiet und flüchtet aus den Dörfern in die Umgebung Tangers. Painleves Rückkehr. Paris, 15. Juni. (Havas.) Ministerpräsident Pains e b e, der gestern in Malaga gelandet und heute mittags in Barcelona angelangt ist, hat nachmittags im Flugzeug die Weiterreise nach Toulouse angetreten und ist abends dort eingetrosfen. Bo» der Wiener ungarischen Gesandschaft. Wie die Politische Korrespondenz erfährt, hat der bisherige ungarische Gesandte Dr. Mafirevich denr jBrmdesPräside.utell Dr. Hämisch sein Abbemfnngsschreiben überreicht und reist am 21. Juni nach Prag ab, um dort die Leitung der ungarischen Gesandtschaft $it übevnehrnen. Der ne>ue rmgarffche Gesandte Graf Ludwig A m b r 0 z y v. Seden wird Ende Jmü in Wien eintressen. Irr der Zlvischenzeit ist Legationsrat v. Jobb mit der Leitung der Geschäfte der ungarischen Gesandtschaft in Wie«! betraut. Der Pariser Gesandte. Paris, 15. Juni. (Tel.-Komp.) Der österreichische Gesandte Ei chhoss wurde heute von denr Präsidenten der Republik empfangerr, denr er sein A b b e r n fungsschreiben überreichte. Präsident Dounlergue richtete an den scheidenden Gesandtell warrne Worte des Abschieds und der Anerkennung für seine diplomatische Tätigkeit im Interesse der französtsch-österveichischen Beziehungen. (Eichhoff wird, wie bereits berichtet, neben Meusdorfs und Pflügt Vertreter Oesterreichs beim Völkerbllud in Ge nf. — Die Red.) Dr. Seidel - Ehrendoktor der Innsbrucker Universitüt. Irr Anwesenheit des Bllndespräsidenten Doktor Ha in i sch, der Minister Dr. Schneider und Baug 0 i n sowie zahlreicher Politiker wurde gestern in Innsbruck Dr. Seipel zum Ehrendoktor der d 0 r t ig e n Universität pronroviert. Wiener Morfterizeituna._ 16. Juni 1925 Seite 8 Der Wöllersdorfer Skandal vor Gericht. Sin Sündenregister der Regierung. — Sensationelle Antlagen Hellmut Reumann«. Der gestrige Verhandlungstag gestaltete sich wieder st ü r m i s ch e r. Das Verhör mit dem Angeklagten Hellmnt N c n m a n n wilrde fortgesetzt. Nenmann leistete sich heftige A n s f ä l l e gegen A l d e r, P 0 ch w a d t nnd die R eg i e r u n g. Der Angeklagte wendet sich gegen den Vorwurf, n n r e ch t m ä ß i g e n G e w i n n zum Schaden von Wollersdorf sich zngceignet zn haben, und bemerkt: Der von der Anklage angenommenen Schadensziffer von rnnd 30 Milliarden tvürde eine Bereicherung der Metallnm um 1,6 Milliarden gegenüberstehen. Das ist eine vollkommene Verkennung des Herrn Sklarz. So dumm ist er nicht. Glaubt der Bund wirklich, nach dem was wir geschaffen haben, daß wir wegen einer Summe von 4,6 Milliarden zn Betrügern wurden, so ist es.unverständlich, daß derselbe Bund mit uns in voller Kenntnis der Verhältnisse einen Vergleich abgeschlossen hat, worin er uns statt der bisherigen 46prozentigen Beteiligung eine ölprozentige Beteiligung zugestanden hat. Es folgt sodann die Besprechung der einzelnen Hründttttgcn, wobei Nenmann feststem, daß er bei der Gründung der Glasfabrik nicht mitgewirkt habe. Der einzige Vertrag, bei dessen Unterfertigung er mitgewirkt habe, sei der Vertrag mit der „N e w a g". Dieser sei sehr sorgfältig durchberaten worden. Die Abverkäufe haben nur den einen Zweck gehabt, die Entschuldung der Wöllersdorfer Werke an die Metallnm. Der Angeklagte polemisiert dann gegen einzelne Behauptungen der Anklage. Er sagte: Wir haben nie unsere Position zum Nachteil des Bundes a u s g e n ü tz t. Wir haben in wenigen Monaten sechs Tochtergesellschaften geschaffen, die 16.000 Arbeiter beschäftigten. Das wäre eine glänzende Leistung für Deutschland gewesen und war es noch mehr für Oesterreich; und für das verpönte Wollersdorf sollte das nicht genug sein. — Dr. Katz: Ich werde beantrage^, den ehemaligen Bundeskanzler Dr. Seipel als Zeugen zu vernehmen, ob das Ziel, das ihm vorgeschwebt ist, erreicht wurde oder nicht. Der Angeklagte Neumann bespricht mm die Verhand- Utmgcit, die mit P0 chwa>dt und Alder geführt wurden, die aber 51t keinem Ziele führten. Mit Pochwadt deshalb nicht, weil er kein ernst zu nehmender Kaufmann ist. Vor kurzem hat er sich geäußert — ich kann das durch Zeugen Nachweisen —, daß er, wenn die Metallnm ihm vier Millionen Goldkronen als Abfertigung gibt, den Skandal beenden und die Niederschlagung des Prozesses gegen uns bewirken wird. Auch mit Alder gemeinsam zu arbeiten.' war uns nicht möglich, trotzdem sich' Regiernngsbeamte und trotzdem sich Minister Schürss persönlich dafür eingesetzt haben. Alder brachte einen ' geheimen Vertrag mit dem Bunde Das Hakenkreuz im Finanzministerium. FinanzministßL Dr. Ah rer hat gestern die Anfrage der sozialdelnokraNschen Abgeordneten über das Tragen des Hakenkreuz es durch Beamte des Finanzministeriums bei der Ausübung ihres Dienstes schriftlich beantworbet, Die Anfrage nahm auf einen Zeitungsartikel Bezug, in welchem der Kanzleibeamte Franz G 0 l >dbrunner des Finanzministeriums sich darüber beschwerte, daß er von einer Dame, die in seinem Bureau wegen einer Auskunft vovsprach, gefragt worden war, ob es in einem öffentlichen Amte gestattet nnd Sich', sei, ein Hakenkreuz zu tragen. In der.Beantwortung führte der Finanzminister aus: lieber den Gegenstand der Anfrage wurden sofort Erhebungen eiugeleitet, und es wurde durch entsprechende Bersiigungen innerhalb der Zentralstelle sowie an alle unterstellten Aemter und Behörden neuerdings darauf hingewiesen, daß das T r a g e u a l l e r nicht dienstlichen Abzeichen während der A u s ü b u u g des D i e n st e s und bei allen dienstlichen Anlässen, gleichgültig, ob die Bedienstete^ ein Dienstkleid tragen oder nicht, nicht statthaft und gegebenenfalls für die Abstellung von UiMkömmlichkeiten Sorge zn tragen sei _ Die Kommerzialisierung der Bunverforfte. Gestern wurde im Parlament eine Enquete über die Regierungsvorlage betreffend die Bildung eines Wirtschaftskörpers „Oesterreichische Bundesforste^ abgehalten, zu der Sachverständige der Landnnd Forstwirtschaft sowie Vertreter des Forstpersonals geladen waren. Aus ben Aeußernngen der Experten ging übereinftimmcnb hervor, daß gegen die Kommerzialisierung der Verwertung der W a l d p'r 0 d u k t e — nach Deckung des Bedarfes der Servitutsberechtigten bei einer konservativen, nach forstlichen Grundsätzen geführten Wirtschaft— keine Bedenken bestehen, daß aber bei der Bewirtschaftung des Waldes selbst die öffentlichen forstlichen und volkswirtschaftlichen Rücksichten maßgebend bleiben müf|en. Infolgedessen wurde übereinstimmend der Wunsch geäußert, daß der Staatsverwaltung, die zur Wahrung dieser Interessen in erster Linie berufen ist, ein entsprechender Einfluß auf die Bewirtschaftung der* Forste gewahrt bleiben niüsse. Uebereinstimmend ging auch die Meinung dahin, daß umfassende R e f 0 r m e n der V e r w a l t u n g der Bundesforste auf der Basis des heutigen Regimes möglich seien. zustande, in dem es wörtlich heißt: Der Bund verpflichtet sich, auf die Metallnm, insbesondere ans Herrn Sklarz einen Druck auszuüben, daß er zu den Bestimmungen, zu denen die Zusage der Metallnm notwendig ist, diese erreicht. Ich habe schon mit vielen Regierungen verhandelt. Mit der deutschen, der Polnischen und anderen, aber so hinterhältig wie die österreichische Regierung hat sich noch keine gezeigt. Hätten wir von diesem Geheimvertrag, der int Mai 1924 ge» schlossen wurde, früher Kenntnis bekommen, wir hätten damals sofort unser Bündel gepackt und hätten einem Staat, der von solchen Leuten regiert wird, sofort der Rücken gekehrt. Die Erfüllung des Alder-V er t r a ge s hätte nichll weniger zur Folge gehabt als eine völlige Auslce r « u g von Wollersdorf. Den Druck, den die Regierung damals Herrn Alder zngesagt hat, haben wir in der fürchterlichstell Weise verspürt. Die Nationalbank hat uitjcrc Wechsel zurückgewiesen, alle Banken haben uns den Kredit gesperrt. Sogar der Bankverein, der vertraglich verpflichtet ist, uns jederzeit einen Kredit bis zn 100.000 Pfund zu gewähren, hat dies unter dem Druck der Negierung verweigert. Wie kamen denn die Tochtergosellschastcu dazu, für den Kampf Alders gegen uns zur büßen? Das war die Unterstützung, welche die österreichische Regierung den österreichischen .Firmen in Wölkersdorf hat angedeihen lassen. Von hier rufe ich es in die Welt hinaus: Diejenigen Stellen, die allein an dem Unglück von Wöllcrs» dorf schuld sind, Alder nnd Pochwadt aus m a t e r i e l l e n Gründen, das Ministerium aber, um von seinen eigenen Sünden die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit abzulenken, dieselben Stellen, die dann den Wöllersdorfer Skandal genährt nnd geduldet haben, die sollten h e u t e a ü f d e r A n k l a g ebank sitzen, aber nicht wir, die ihr Bestes hergegoben und Tüchtiges geleistet haben. — Angekl. Neuhöser: Ich hätte auch noch etwas zu bemerken. Wir wllrden gobrandmavkt, weil wir die Ehrenbeleidigungsklage gegen den „Abend" zurückgezogen haben. Hören Die, Herr Hosrat, wieso es dazu gekommen ist. Ich war damals krank in München im Sailatorium. Da hat mir Dr. Benedikt te-legraphiert, er habe die Klage zurückgezogen, weil der Herr Bundeskanzler Dr. Ramek ihn darum gebeten habe. (Bewegung.) Oberfinanzrat Schwalbe bemerkt, der Bund hat mit Alder einen Vertrag und einen Zusatzvertrag geschlossen. Von einem Gcheimvertrag sei chm nichts bekannt. Die Angeklagten Neumann nnd Neuhöser entgegnen erregt: Wenn Sie wünschen, können wir Ihnen weitere Punkte des Goheimvertrages Mitteilen. Damit ist das Verhör mit dem Angeklagten Neumann 'beendet. Die Verhandlung wird hierauf unterbrochen. Der 14. zioniftenkongreß in Wien. Eine Konferenz jüdischer Techniker. Anläßlich des 14. Zionistenkongresses findet in der zweiten Auignsthälste in Wien eine Tagung jüdischer Ingenieure, die am Aufbau Palästinas interessiert sind, statt. Die ^Tagung soll sich mit der Gründung eines internationalen Verbandes jüdischer Ingenieure zwecks Regelung des Einflusses auf den technischen Ausbau, des Landes befassen. Konferenz der Zeirei Zion. Anfangs August findet in Wien die dritte albweltliche Konferenz der zionistisch-isozialistischen Parteien (Zeirei Zion) mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des Ve^bandsbuveaus; 2. Berichte der Landesparteien; 3. Unsere Bewegung, ihre Lage im Galuth und in lPalästina; 4. Unsere Verbindung und Mitarbeit mit der sozialistischen Arbeiter-Internationale; 5. Unsere Plattform z u m 14. Z i 0 n i st e n k 0 n g r e ß: a) Die zionistische Politik, b) die Iewish Agency, c) die Methoden 'der Palästina-Kolonisation und Budgetsragen, d) die Organisationsfraigen; 6. Jugendbewegung; 7. Organisation. Presse, Finanzen. Der Kongreß der hebräischen Lehrer. Das Bureau des ersten allweltlichen Kongresses der hebräischen Lehrer teilt mit: Samstag den 20. d. um 6 Uhr abends findet im Pädagogium, 1. Bez., Drahtgasse 4, 4. Stock, eine Generalversammlung s ä m t l i ch e r hebräischer Lehrer Wiens mit der TagesordnuM. Vorbereitung des Kongresses statt. ' * Eine „vornehme" Schmugglerin und Betrügerin Aus Budapest wird uns berichtet: Die Oberstadthariptmannschaft befaßt sich seit vorgesteru mit einer sensationellen Milllardenunterschlagungsaffäre, m deren Mittelpunkt eine vorläufig-ungenannte Dame der vornehmsten ungarischen Gesellschaft steht. Die zur Zeit in Wien lebende Dame wurde gestern nrit einem Komplicen, dem Sekretär eines Hocharistokraten, in Gstoahrsam genommen, nachdeni mehrere große W i e n e r Handelsfirmen gegen die Dame die Strafanzeige wegen großzügiger Kreditbetrügereien und Unterschlagungen erstattet hatten. Die Frau hat die Firmen um viele Milliarden geschädigt, indem sie ihnen in Anssicht stellte, Waren ans Oesterreich zollfrei li ach U ll g a tu z 11 s ch m u g g e l n. Die Kanfleute übergaben der Frau die Waren zur Beförderung, doch leugnete die Frau später glatt ab, jemals Waren übernornmen zu haben. Der Name der Schmugglerin /wird teils im Interesse der Untersuchung (!), teils ans gesellschaftlichen (?) Rücksichten, bis auf weiteres nicht genam-'^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.