Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2268 (14.6.1925)
- Date
- 1925-06-14
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2268 Wien, Sonntag Dir Larftellmgen im KLnstlerhans bleiben nur «och bis einschließlich 21. ib. fleoffttd. Ueber den „Wrener Bolkspreis' fftt wvbchenjeder ÄusstellungSbeiuchcr feine Stimme abgilbt wird <vm 16. d. entschieden. Die Stimmzettol für dissen Prell find bis längstens 12 Uhr mittags dieies Ta-geS a'bzngeben. Anfang Juli dürfte eine neu eingerichtete ständige Ausstellung eröffnet werden. Las Bühnenjubiläum der Frau GuHeil-Schoder. Frau Kamndersängerin Maria Gntheil-Schoder ersucht uns um Aufnahme folgender Zeilen: „Erst nach und nach wird cs mir möglich sein, all die vielen Zeichen der Sympathie und Verehrung am Tage meines Jubiläums durch einen persönlichen Gruß zu erwidern. Deshalb bitte ich, inzwischen einen allgemein herzlichen Xattlja^crt zu dürfen. Maria Gutheil-Schoder." Jüdisches Kknstkrkabareit, 2. Bez.. Praterstratze 60. Dienstag den 16. d. um viertel 9 Uhr abends findet eine Sondervorstellung mit ne-uem, gewähltem Programm unter Mitwirkung der Damen Dreiblatt, Dulitzkaja a. G., WeintrauL-Graf, Weitzberg a. G. und Zucker, «sowie der Herren 'Deutsch, Körner. Mei'selS, Mestol, Nachbar >und Streng statt, ^unt Schlüsse gelangt eine Travestie von Jakob Votuk Ha n Ski zur Aufführung. Serichtssaal. Ser Wöllersdorfer Skandal vor Serlcht. Die Einvernahme Reumanns. 'Nach Eröffnung der Sitzung stellt der Verteidiger Doktor Preß'bürg er noch eine Reihe von Anträgen. Die Zeugen sollen ibeweisen, daß die Elektr-o-lywerkäufe n i ch t durch Neuhöfer, sondern durch Direktor Futter getätigt wurden. Alle Entnahmen, die aus dem Konto Neuhöfer gemacht wurden, seien in den Wöllersdorfer Büchern offiziell gebucht worden. Damit war das Verhör mit Neuhöfer, das sechs Tage laug dauerte, beendet. Es begann die Einvernahme des Zwettangettagten Helmut Reumann. Neumann erzählt, daß er bis zum Jahre 1923 im B a n kfach e tätig war. Er sei ein angeheirateter Vetter des Sklarz. Ich 'bin — erklärt der Angeklagte — nicht im geringsten, Fachmann in der Metallbranche. Ich weiß nicht einmal, was Schrott ist. Ich war nur einer der Direktoren »er Mvtallum, deren es eine ganze Reihe gibt, muß aber z-nzeben, daß ich infolge meiner Beziehungen zu. Sklarz, infolge meiner Bekanntschaft in Fmarl-zkreffon eine besondere Stellung Lei der Metallum einnahm. Ueber die Finanzen der Metallum habe ich nicht verfügt. Es kann auch licht in Frage kommen, daß ich als.'finanzieller Direktor der Wöllersdorfer A.-G. angesehen werden kann. Das bin ich rre gewesen. Die Anregung zur Beteiligung am Wöllers- »ovfer Geschäft hat Sklarz von -der Firma Hech t u. Pfeiffer 'rhalten, die damals zur Metallum in keiner Beziehung stand. Außerdem hat Sklarz schon früher gelegentlich eines anderen Geschäftes durch - Pochwadt von WöÜersdorf erfahren. Später ergab sich ein Widerspruch zwischen Sklarz ind Pochwadt. Der Angeklagte erzählt, daß er, nachdem sich die D.erzle i chsv erhandlnngen zwischen Sklarz und »e-m Bunde, zerschlagen haben, einen Empfang ieim Handels- und Finanzminister und auf deren Veranlassung eine Sitzung mit -den Regierungsvertretern geiaht habe. Es häbe dann auch eine Pressekonferenz zur llnfklävung in den Wöllersdorfer Werken stättgeftmden. Aber »as fei alles zu spät gewesen. . Die Angriffe in den Zeitungen wurden immer stärker. Kurze Zeit darauf wurde die Anzeige bei der Staatsanwaltschafterstattet. Es ist ausgeschlossen, daß wir für alles, was geschehen, die Verantwortung übernehmen. Reumann bespricht die Richtlinien, welche für die Metallum bei Eingehen des Geschäfts maßge'bend waren. Sklarz hat nie den Standpunkt eingenommen, daß die Abverkäufe sogleich erfolgen sollen. Er hat den Bund esver trete rn, dem Handelsm in i st er und dem Bundeskanzler Seipel erklärt, wir haben große Beziehungen, unser Geschäft in Deutschland freut .uns nicht, wir wollen verbuchen zu industrialisieren. Wir werden ein 'Jahr Zusehen. Gelingt es uns in dieser Zeit, so hat es mit den A!bverkäufen keine Eile. Bors.: Wenn man daraufgekommen ist, daß .der Abverkauf durch die Wöllersdorfer Werke A.-G. praktischer gewesen ist, warum ist man bei der Ivprozentigon Provision für die Metallum geblieben. — Neumann verweist darauf, daß die Metallum 3,9 Milliarden an Zinsen gugelegt Hai. Auf Wunsch der Regierung wurden im Staatsvertrag aus den erwähnten optischen Gründen die 1'Spvozeutige Beteiligung nicht ausgenommen. Neumann verliest dann Telegramme Pochwadts, uin den unseriösen «Charakter der Pochwadtschen Forderungen darzulegon. Er bestreitet die Behauptung 'der Anklage, daß die Verträge absichtlich unklar konstruiert wurden. Es .gelangen daun einige Verträge und Protokolle zur Verlesung. — Dr. Fr ied stellt die Frage,.ob die Zei-tungs-, angriffo gegen Pochwadt nicht von Sklarz ausgegangen sind. — Der Krgeklagte Nvu-mann erklärt dies für ausgeschlossen. — Dr. Fried: Es wurde mir mitgeteU, daß Sklarz in Berlin dom Berichterstatter einer Wiener Zeitung die Angriffe gegen Pochwadt ins Stenogramm diktierte. Die Verhandlung wird niorgon fortgesetzt. Eine Zahlungsverpflichtung in Gott. Am 2. August 1909 hatte Frau Dorothea Müller von Frau Eimn-a Weiner eiil Darlehen von 33.000 K. in Gold ausbozahlt erhalten und hatte sich in einem Schuldschein verpflichtet, den Betrag und Wiener Moraemettrma. Der XIV.. Zionisten - Kongress natit! Die beste Vorbereitung und Orientierung gewährt das der Verhandlungen des M. -Koiinssas vom 6. bis 18. August 1923 in Karlsbad Preis: Halbleinen 8 10.—, Leinen 8 16.— Dieses Protokoll entrollt ein lebendiges Bild des Zionismus, aller seiner Parteien und Strömungen. Alle Beschlüsse des Kongresses werden stenographisch, bezw. in wortgetreuer vorzüglicher deutscher Uebersettang wiedergegeben. Der Leser lernt daher an der Quelle die verschiedensten Vertreter des Judentums und seiner Parteien kennen. Das vollständige Statut der Zionistischen Organisation mit den Reformen und Aenderungen des XIII. Zionisten - Kongresses bietet auch dem Fernstehenden die Möglichkeit, sich mit dem Aufbau und den Zielen der Zionistischen Organisation vertraut zu machen Durch: Buchhandlung R. Lowii (Versandabt.) Wien, 1. Fleischmarkt 1 6tt6 die vereinbarten Zinsen von 7 Prozent halbjährlich ini vorhinein effektiv in Goldmünzen der Kronen Währung zu bezahlen. Vor AnÄbrnch des Krieges Waren 10.000 K.. rücklbezahlt Worden. Die Dartel-eusgeberin und die Schuldnerin starben -und die Schuld war ans eine Realität der Dorothea Müller „effektiv in Goldmünzen" einverleibt worden. Nach Fälligkeit dieses Darleihensrestes von 23.000 K. klagten nun die Er>ben der Fron Weiner die Erben nach Frau Müller auf Rückzahlung des restlichen Kapitals und der Zinsen in Gold, da die Beklagten nur eine Schuld von 23.000 deutschösterreichischen Krönen anerkennen wollten. Das Zivillandesgericht unter Vorsitz des Hofrates Muhr hatte auf Zahlung in effektiver Goldmünze erkannt nn>d dem Streit einen Wert von 391,200.000 Ä. zugrunde gelegt, indem es auf dom Standpunkte stand daß die Schuld effektiv nicht in Goldmünzen, sondern in Papier bezahlt wurde., gleichgültig sei, weil, die Schuldnerin die Verpflichtung aus Rückzahlung in effektivem Gold übernommen habe, und auch der Umstand, daß. die Zinsen bis 1916 stets in Papierkronen, geleistet wurden, nicht zu der Meinung: berechtige, ' daß auf die Rückzahlungin Gold - verzichtet wurde. Auch die.Anschauung. -daß durch dre «Schumpeter-Verordnung vom 25. März 1916 .lediglich ein Anspruch auf-Zahlung in deutschösterrttchrscheu Banknoten nach dem Nennwert gegeben sei, trifft nicht zu, weil nach dieser Bollzugsanweisung -die Leitung in anderen Zahlungsmitteln, insbesmchere in klingender Münze, zulässig war.' Gegen dieses ittatfft hatten die Beklagten die Berufung an das Oberlandesgerrcht Wien ergriffen, welches unter Vorsitz ' des Hofrates^ Dr. Kaiser jvooch die Berufung zurücktzewiesen und dasUrteilaufZahlunginesfektivemGoldebestätigt'hat. Bo» der Schuld an einem tödliche« Autounglück freigesprochen. Bei der Verhandlung am 2. April l. I. D der Solchermeister Karl Beznaus wegen, unvorsichtigen mw raschen Fahrens mit seinem Auto „unter besonders gefÄ-rlichen' Umständen", -wodurch die Gvünwarenhandlevin Anastasia K.ramskh medergestoßen und ge tötest wurde, vom Landes-! aericht Wien zur Strafe des strengen Arrests in der Dauer von. sechs Monaten verurteilt worden. Gegen -dieses Urteil hat Beznaus durch seinen Vertreter Dr. Richard Preßburger die Berufung ergriffen. Der BerufungÄenat unter Vorsitz des Hofrates Dr. Jakob sprach -nunmehr den Angeklagten mit der Begründung frei, daß der Unfall nur au!f das Verschulden der Getöteten zuvückzuführen sei. Das Revolverattentat eines Mondsüchtigen. Der 32jähnge Privatbeamte Josef De ring er hatte am 7. Dezember 1924 geigen seine Gattin, mit der er im-Scheidungsprozesse sttrnd, und gegen seine Schwiegernrutter, bei der das Ehepaar wohnte/ drei Schüsse abgegeben, durch die seine Frau schwer ver-, letzt wurde. Er stellte sich dann selbst der Polizei und wurde von einem Schöffensenat unter Vorsitz des Hosrates Rmuisaner wegen schwerer Körperverletzung zu einem Jahre s ch w e r e rr. K e r k e r 8 verurteilt, oibwohl er ^zu seiner Bnteidigung angab, daß er zur Zeit der Tat seiner Sinne mcht Mvchtia war. da er mondsüchtiig sei. Die Tat wurde als Ver-' brechen der schweren Körperverletzung qualifiziert,, weil dre Gattin 'länger als dreißig Tage iihrenr Berufe — in diesem Falle ist es der einer „Hausfrau" — nicht Nachkommen könnte. Wegen der Aeußerung des Hoifrates Rwmsauer, rnan Müsse endlich ein Exempel statuieren, daß man in Hinkumt! reicht seine Privatangelegeuheiten mit dom Revolver austragen dürfe und wegen des Strafausmaßes erhob! der Verurteilte die Nichtigkeitslböschwerde mrd die BerusUM an den Leersten Gerichtshof. Sein Verteidiger. Dr. Bimstet«, stellte sich auf den Standpunkt, daß H a usfrau kei n Beruf sei. Der Oberste Gerichtshof unter dem Vorsitz des.Hof-' rätes Dr. S m o l i k - F i n g e r gab der Berufung gegen das Strafansmaß Folge unb setzte die Strafe auf acht Monate einfachen Kerkers herab. Die Nichtigkeitsbeschwerde.' wllrde vertvorfen. Die Brüder Kozdaz und Konsorten. Bor einem Schöffen-- sengt unter ^.Vorsitz des Hosrates Dr. Haerdtl wurde vorgestern die'seinerzeit'vertagte Verhandlung sogen den Handelsangestellten Otto- Ko zd a S, -dessen jüngeren Bruder Ernst Koztzas, den 18jährigen August Wilf-inger, den -ehemaligen RechtSanwaltsauwärtier Ernst Schneck und den Maschmentechniker Franz Pulitzer wegen Verbrechens des Betruges zu Ende geführt. Die Brüder Kozdas und Wrlfinger waren außerdem wegen Unzucht wider die Natur außeffoflL Wir habeil über die Vorgeschichte des Prozesses berichtet. Die Liste der Betrogenen errchielt 66 Namen von Peronen. Die Verhandlung endete mit' dem Freispruch des Schneck. Die übrigen Angeklagterl imtvbcn schuldig befunden und Otto Kozdas zu o re re i uh alb Jahren, Erlöst Kozdas zu d r e l z e h « Monat« h, Albgust Wilfinger zu acht Monaten und Franz Pulitzer «zu sieben Monaden schweren Kerkers vemrteilb. t 14. Juni 1935 SeW - Sollsmitt. Set Fetisch der Substanz. Betrachtungen zum Zusammenbruch Stinnes. Von Dr. Michael Äussan. Als Hugo Stinnes auf der Höhe seiner Macht stand, wurde von den deutfchelr Antisemiten mit Vorliebe auf seine spezifische wirtschaftliche Bttätignug verwiesen. Sie -betonten, daß Stinnes förmlich den arischen Gedanken des Stvebens nach der Materie verkörpere. Er habe nur nach der Substanz gestrebt und deswegen, 'weil er ein bodenständiges Industrieunternehmen nach dem anderen seinem Wirtschaftsg-obilde angekoppelt, deswegen, lveil er sich von, finanziellen Kombinationen ferngohalten habe, deswegen sei sein Konzerngebilde von bleibendem Wert. Es waren Gedanken, die in gewiffer Hinsicht auf den Fanatiker Ford zurückzuführeil sind, der doch ebenfalls denr Antlsenritisnms ungeheure Mengen von Rüstzeug geliefert hat. Stinnes war nach Ansicht der .tzakenkreuzler derjenige, der seine enge Verbindung mit der Scholle iit 'der Produktion zum Ausdruck brmgc. Sie hoben -dies besonders hervor, um den Gegensatz gegenüber der jüdischen Wirtschaft hervorzuheben, die sich angeblich mehr auf das Finanzielle verlege, bei der die Substanz uur eine rrntergeordnete Rolle spiele und nur der Profit auf Grund der kommerziellen Kombination die Hauptsache sei. Es soll hier nicht betont werden, daß diese antisemitische Behauptmlg vollkommen falsch ist, daß jüdische Mentalität -den Wert der Substanz .sehr hoch zn schätzen -weiß. Gerade das Beispiel des von den Hakenkreuzlern so stark angefeindeten Rathenair zeigt dies, dessen Vater das getixiltige, fest fundierte Gebäude eines ungeheurerr Elektriz-it-ätsgebildes geschaffen und der sich selbst in seiner 'wirtschaftlich-praktischen Betätigung fern von jeder Ideologie hielt und der Materie jederzeit die ihr gebührende Rolle einräumte. Doch die Antisemiten wollten damit in erster Reihe auf gewisie jüdische Finanzgrößen Hetzen, deren Wurzeln in der Finanz fest verankert sirrd. Sie haben auf den „jüdischen Kapitalisrnus" hingewiesen, der angeblich mehr in der Erfassung- -des Kapitals und in semer finanziellen Verwertung als in der wahrhaften Produktion seine Aufgabe sehe. Für sie war Hugo Stinnes das Symbol, das im Gegensatz 'dazu nur in der Substanz wurzelte. Stinnes selbst war von der Richtigkeit dieser Lobhudeleien auf seine -Taktik so überzeugt, ja förmlich durchdrungen, daß er in diesem Sinne fortwirkte und, statt die Gesetze der Finanz genau zn beobachten, statt den finanziellen Ulltergrund seiner Unternehmungen ernstlich zu prüfen und ihre finanzielle Konzeption zu erfaffen, immer nur wahllos die Substanz häufte. Er hat wohl im Verlaufe seiner Aktionen zu einzellnen Banken Beziehungen angeknüpft, doch hat er -die wirklichen. Potenzen der deutschen Finanz links liogen lassen. Er hat -sich nur kleine Banken botmäßig gentacht und dies nur deswegen, damit sie ihm förmlich zu 'seinem Substanzgebilde den Zucker liefern. Als substantielle Fundamente hat er sie nie betrachtet. Man könnte Stinnes als den „Fanatiker der Substanz^ aufehen, wie er gerade von /der modernen wirtschafisantisomitischen Theorie gepredigt -ivird. Als eine Reihe jüdischer Jnfiationsgvößen in Oesterreich und Deutschürnd zusammengebrochen war, wurde boit der antisemitischen Richtung immer wieder betont, daß dies einem Stinnes, trotzdem er Ebenfalls in der Zeit der Inflation seine Gebilde zum Großteil geschaffen hatte, unmöglich passieren könne. Es wurde erklärt, dies sei schon deswegen ausgeschlossen, weil der Konzern Stinnes allzu viel mit der Materie verknüpft sei und nichts mit dem labilen Einfluß der jüdischen Finanzen gemein habe. Die Ereignisse der letzten Wochen haben gerade dargelegt, daß auch diese Taktik eine voWommen verfehlte war. Der Fetisch der Substanz konnte gegenüber den anstürmenden Ereignissen nicht standhalten. Er ist zusammengebrochen, viel rascher und viel gründlicher als es bei den sogenannten, jüdisch-finanziellen Jnflationsgründungen der Fall ivar. Dadurch,.daß Stinnes allzu sehr an der Substanz gehängt, daß ex nie ihre Liquiderhaltung in Betracht gezogen hat, daß er ihre Durchflutung mit dem finanziellen Blute des Kapitals absichtlich oder aus Leichtsinn vermieden hatte, da- . durch, daß seine Nachfolger diese Handlungsweise des ver- ' storbenen Stinnes direkt sklavisch als Axiom befolgterr, ist es - zu diesem furchtbaren Eklat gekommen. Für Stinnes be- - deutete der Auftauf eines Kohlenbergwerkes den Besitz, von -* Kohle. Er bedachte nicht, daß für die Nutzbarmachung dieser Kohle Kapital und Arbeit notwendig sei, die tatsächlich nur durch das Mittel, der Finanz in der Form des Betriebs- - kapitals Kohle herbeigeschafft werden könne. Die beiden Jak- } toven der Produktion schaffen aus der Substanz «das gebrauchs-? und vevwertungsreife Gnt. Es ist dies ein. elemeni tarer Grundsatz der Nationalökonomie, der so alt ist wie die ' Wirtschaft selbst, den aber Stinnes immer außer acht gelaffen - hat. Dies wurde ihm van den Antisenriten zum Vorteil angerechnet, in der Wirklichkeit aber gereichte es ihm zum Ver-; derben.; Stinnes zog aus, um die Finanz zu verderben. Nicht ' deswegen, üoeil er sie als Finanz verachtete, tat er dies, j sondern weil sich in ihm der antisemitische Gwanke der Un- ' terjochung 'der Mischen Finanz regte. Zu diesem Ziveckr . hat er zwar nicht gescheut, mit dem kleinen rumänischen! Juden Chprut anzuknüpftn, um sich durch deffen Hilfe ein j großes Aktienpaket der Fürstenbevgfchen Handelsbank an-» l zueignen. Der jüdischen finanziellen Berater G o l d-! schmied und Salamonsohn hat er dabei nicht ent- - raten. Doch tvaren auch sie chm -nur Mittel zum Zweck. FLir - ihn war der Kantpf gegen die Finanz förmlich Leidenschaft, wie auch -der Kanvpf der Hakenkreuzler gegen die Juden in 18521279