Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2268 (14.6.1925)
- Date
- 1925-06-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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' Skr. SZM Men, Sonntag Wiener Moraenzeiluna Gelbe S 14. Juni 1025 WEGEN UMBAU) mmsn mmmniMi uvmmifm mumm ßlLUCKFIT BtNÜJZiNSifAUCH UNSER LAGER GUT DASS SIE GEWARTET HABEN WIR GEREN JE TZT SÄMTLICHE R.EST- ETC. ZÜM TEIL BIS ZUR HÄLFTE UNS SERER SELBSTKOSTENPREISE AB. ßfsmm I sie die \m WSmSJAUHENSU ümmm UCFNthFISl 9 b9 WEM mi&itUQHl E/IEISE Mödjen-ealais KAISERSTRASSTE Ui- 113-115 Der Aufruhr in Khina. Kanton wieder ton Besitz der Regierungs- Irutzpen. Hongkong, 13. Ju>nr, Die Truppen der geflüchleEerrRegierurr'g begannen am Freitag svutz das Borttbardeme nt Kautons. Der Angriff erfasste mittags VW allen Seiten. Abends hatten sie Kanton eingenommen. Die Trnpperrabtevlnngen ivaren von russischen Offizieren kommandiert. Die chinesische Scefahr-orunion bereitet, tvie aus Hongkong gemeldet wird, den G en e ra I ft r c i f für den ÄO. Ä. vor. Zahlreiche Matrosen, rnsbefonde-re der Küsten«- hkutzdampfer, stehen ibereits im Ansstand. Der MaroNokrieg. Die Spanier wieder geschlagen. Madrid, 13. Juni. (Havas.) Amtlich wird gemeldet: Der Druck der Rifleute verstärkt sich im Westen. Die Spanier haben starke feindliche Abteilungen, die die Linie im Sektor HoSmar zu durchbrechen versuchten, zuriickgeschlagen, wobei sie ihnen empfindliche Verluste zufügten. Der französische Bericht. Paris, 13. Juni. Nach einer Meldung der Agence Havas auS Rabat besagt das offizielle Communique, daß die Lage an der französischen westlichen Marokkofront unverändert \tft. Ein Posten ist wieder verproviantiert worden. Im mittleren Frontabschnitt erhielt der Feind gegenüber von Taunat Verstärkungen. Die französischen Flieger haben die feindlichen Stellungen bei diesem Ort häufig und mit Erfolg beschossen. Im Osten haben den Franzosen treu gebliebene Stämme, unterstützt durch einen Zug von auf Automobilen montierten Maschinengewehren, den Versuch eines Einfalles in der Gegend von Gerreudu zurückgewie.sen. Ministerpräsident Paiinleve hat heute die in Uezzan und Umgebung stationierten Truppen inspiziert. Der politische Kamps in Bulgarien. 3194 Verhaftete. Sofia, 12. Juni. (Bulg. Tel.-Ag.) Im Sobranje erklärte der Kriegsminister, daß die Gesamtzahl der Verhafteten 31 9.4 beträgt. Gegen die Verhafteten, die sehr schwer belastet seien, wurde das gerichtliche Verfahren eingeleitet; die zur Beschleunigung des Prozeßverfahrens getroffenen Maßnahmen, wie insbesondere dieVermehrungdeS PerfonalSderKriegSgerichte, lassen eine rasche Beendigung des Verfahrens erwarten. Sechs Todesurteile. Sofia, 12. Juni. Im Prozeß gegen den früheren Chef der Militävwerkstätte, Oberstleutnant Miltenow und issine Mitangeklagten wurden M i l k n o w, ferner der flüchtige Major M l l t e n o w, der flüchtige Hauptmann K r o t n o w sowie drei flüchtige Anarchisten zum Tode verurteilt. Bon den übrigen Angeklagten erhielten zwei Kerker st rasen, einer wurde zu einer Geldstrafe verurteilt und seine Dienstentlassung ausgesprochen. Aufsätze Bialiks über Sprache and Literatur. .An die allgemeine Tatsache, daß die wahren Dichter nicht nur die großen Sprecher, sondern auch die „Wortführer" einer Natron find, kann man denken, wenn man die Essays*) Bialiks liest, die oben in der Uebertvagung von Viktor Kellner erschienen find. Vorwegnehmend kann über die Uebertragung allZ^soilche nur Rühmendes gesagt werden. Man merkt ihr allerdings die Uebersetzung an, aber aus ihrer eigenen Absicht, keine deutsche Umgestaltung zu gelben, sondern das Spezifische in Stil und Ausdruck nach Möglichkeit durchtönen, zu lassen; und bic§ ist ihr dank einer außerordentlichen Sorgfalt irr der Anpassung des deutschen Ausdrucks, der dennoch immer rein bleibt, vortrefflich «gelungen. Derr Anissätzen selber wird man wohl am meisten gerecht, weml man vom künstlerischen Schwung aus, der einige davon selbst zu kleinen Kunstwerken stempelt, auch die oft bildhafte Art der Formung «ihres Inhalts versteht. Hier, ist ja nicht, wie bei Achad Haani, als dessen Schüler sich trotzdem Biallik betrachtet, in logischer Bedachisamk-eit Gedanke an Gedanke gereiht, das herrschende Element bilden vielmehr künstlerische Phantasie und rhetorischer Schwung, welche allerdings hie und da der Strenge der konkreten Ueberlegung «einigen Abbruch tun. Reichlich überwogen wird dies aber durch das immer geisteslebendige Erlsühlen, das in starker Jdeenkvast wurzelt. Derr Gegenstand der Essays bilden Sprache und Literatur in lebendiger Einheit, im Zusammenhang von Geschichte und Gegenwart, in Durchdringung des geistig Nationalen und Persönlichen. In dieser Beziehung stellen sich als Perlen der nenhebräische,r Literatur überhanpt und zugleich als wertvolle Perförrliche Dokumente ihrer. Geschichte die Aufsätze über Mendele dar-. Spuren urschöpsevischer Kräfte zeigt uns der Dichter in der Art, wie der schlichte und «große Erneuerer der nenhobrätschen (und jüdischen) Literatur das Material der Sprache erst gleichsam aus dem Urgesteirr herauslsormt; etwas Diesrnenschliches, Rätselvolles blickt ihnr aus den letzten Erdentagen des gveiserr Freundes entgegen. Ein tiefer bewußtes Berstäudn-is zeigt Bialik, der große SpvaclMustler, für das Phänomen der Sprache selbst, welche zwischen den Abgründen des drrrch die Sprache .Verhüllten, Urr- *) CH. 4t. Bialik: „Essays." Autorisierte Uebevsetzung aus dem Hebräischen von .Viktor Kellner. Berlin 1920. Jüdischer Verlag. aussprechbaren gegeugt wird und nur in fortwährendem Leben und Verwandlung auch des kleinsten Ausdrucks richtig zu erfassen ist. („Offenbarung und Verhüllung «in der Sprache.^ Im Mittelpunkte der nationalen Erneuerung steht für Bialik das Wiederaufleben der hebräischem Sprache im Gefamtbereich alles Menschlichen, die Befreiung vom Galuth der Sprache. So registriert er, vielleicht Mit einiger UebertreiAing des Liebem den, ganze Generationen der neuen Dichter und Schriftsteller. Weil ihm aber der Geist dev Sprache in organischem Zusammenhänge Mit dem ganzen BoMsgeist steht, erweitert und ergänzt sich ihm das Lrteratuvproblem durch die Forderung, an einem bedeutsamen historischen Wendepunkt das zerstreute Literaturgut dev ganzen Geschichte wieder einmal zu sammeln und aus der Zerstreuung in den verschiedenen Spracheu heimzuholen, auf jener volkspädagogischen Grundlage, daß, die unsichtbaren Grundlagen einer solchen Samnrel-arbeit wissenschaftlich, -ihre offenbare Form populär zu sein habe. Allerdings befaßt sich Bialik hier mit dem verschiedenen Geist der nur «durch das nationale Band zusammengehaltenen Schöpfungen gar nicht und ftreift nur das an sich vielleicht noch wichtigere Problem der Aufnahme der Erzeugnisse der ganzen Weltliteratur. Eine spezielle Aufgabe hat sich Bialik selbst für die Epoche der neuhebräisch-sp-anischen Dichtung gefetzt, welche der an seinen eigenen Namen anknüpfenden Erneuerung, ja in mancher Beziehung verwandt und dennoch so fremd gogenüberstcht. Daß es .Bialik mit -allen literarischen und organisatorischen Absichten um -ni-chr als „Literatur" zu tun ist, zeigt z. B. der Brief an die Herausgelber des „D'wir", einer neuen, in Berlin erscheinenden Zeitschrift iu hebräischer Sprache. Er be-gvüßt ganz in Achad Haamschen Sinne ein Unternehmen, welches eine „Wissenschaft des Judentums", die das Judentum bis jetzt «als Wissenschaftsge-genstand, d. h. als ein totes Vevgangenheitsobjekt bchändvlt hat, nr-it der im Osten lebendigen Literatur und den Problemen des jüdischen Lebens wieder verknüpfen wolle. Gin Aufsatz behandelt das nenhebräische Theater, dem er, wie dies einst Lessing irr bezug aus die deutsche Schaubühne getan, -eine erzieherische Rolle zuweist. . Borr feilbst wachsen so die Literaturprobleme über sich hinaus, so z. B. in dem Aufsätze über Halacha und Agodas, als die zwei an die talinudische Litera Sir anknüpsenden Grund» elemente des jüdischen Geisteslebens, für welche Bialik eine künstlich getremite Beurteilung ablehnt, indem er die Grundtendenz der Halacha als die für die Lebeusverwirklichnng notwendige Ergänzung der im Geistig-Phantafiomäßigen verlveilerHen A-goda betrachtet. Ein lebndiges Erfassen des Künstlerischen überhaupt spricht aus dem Aufsatz Wer Pasternak, dessen Beziehungen zu Leo Tolstoi besonders interessant sind und dessen künstlerische Rückkchr zum Judentum B-ialik mit großer Freude begrüßt. _ Ernst Müller. Jas „Rase« der Moleküle". Von S. Meisels. Ich lese da kürzlich einen Auffatz, in denr das kräftige Wort Christian Morgensterns vom „Rasen der Moleküle" mit dien Lehren Freuds in Verbindung gebracht wird. Mit dem Nasen der Moleküle will gesagt sein, daß alles geistige Schaffen, daß das Schöpferische im Menschen dem stärkeren Kreislauf des Blutes, den rascheren Schwingungen der BluitmoleMe zuzuschreiben sei. Ich möchte daraus hrnweiisen «odey, richtiger gesagt, dararr erinnern, daß die Lehre vom ,Itafen der Moleküle" — «um das schöne Dichterwort Morgensterns beiznbehalten —,an die Theorie Cefare Lombrofos anknüpft. Nach der Theorie Lombrosos sind die meNschlich«en Gedanken, die erha>ben«sterr Ideen, die göttlichen Träume, die man in früheren Zeiten als die Inspirationen eines höheren Wesens betrachtete, nur der Ausfluß eines heftigen Zuströme ns des Blutes ng:ch den: Kopfe. " ,Das Blut ist die Seele." Aus diesen schlichten Bibetsatz baut Lombröso seine Theorie vom Genie und seinen Schöpfungen. Während Aristoteles den Sitz der Seele in das Herz verlegt, Plato in das Gehirn, Descartes in die Zirbeldrüse, Kant in das in den Gehirnhöhlen enthaltene Wasser, erklärt Dombroso das Blut als die Seele «des «Menschen, als das Werkzeug -rmserer Sinnesempfindnrtgen «und unserer Gedanken. Das Blut ist die Seele, die unseren Körper in lebende,in Zustand erhält. Solange das viel Sauerstoff enthaltende hellrote Blut der Arterien vom Herzen -in die übrigen Deil-e des Körpers strörnt, solange das dunkle, sauerstoffarme Blut der V-enen zu Herz und Lrlirge fließt, kurz, solange das «Blut seinen Kr-eislaiuf vom Herzen bis in die kleinsten Teile «des menschlichen Körpers macht, so lange -ist Leben in unserem Leib. Hört die Bkttkreisrmg auf, so entflieht die Seele «rrrrd der Körper ist tot. Bei Dichterrr -und Denkern ebenso wie «hei Geisteskranken, meint mm Lombroso, strörnt das Blut in bedeutender Menge zum Gehirn, mit arideren Worten: es rasen die Moleküle, und dies ist es, was de-n Menscherr zum Geistesgrößen oder auch zn«nr Geisteskrankvit macht. Nur