Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2267 (13.6.1925)
- Date
- 1925-06-13
- Page
- Seite 3 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, SamSlvg *T leite* Moraenzettun«. 13. Juni 1925 Seite 3 fef. E3W /are. Der Redner beantragt daher, das .Haus möge über pie angebliche Beleidigung des Reichsverwesers durch Farkas zur Tagesordnung übergehen und den Bericht des Jmmuuitätsausschusses über die Maßregelung des Abgeordneten Farkas ablehnen. Nach einer Entgegnung des Berichterstatters Rubi-nek Nahm das »Haus mit den Stimmen der Regierungsparteien den Bericht des Jmmunitätsausschusses über den A u sschluh des Abgeordneten Farkas von drei Sitzungen zustimmend zur Kenntnis. Schließlich meldete der sozialdemokratische Abgeordnete Pei-dl die Verletzung seiner I m m u n i t ö t an, die gestern, als er einen Kranz auf die Gräber Somogyis und Baesos niederlegen wollte, durch das Eingreifen der Polizei erfolgt sei. Die in ungemein ruhigem Tone gehaltenen Ausführungen Peidls wurden auch vom Kaufe wider alles Erwarten in voller Ruhe angehört und die Angelegenheit dem Immunitätsausschuß zugewiesen, der bis zum 16. d. über den Fall zu berichten haben wird. Sodann wurde die Sitzung geschlossen. Die Polizeikorrespondenz nreldet: Der Donnerstag verlief in Budapest in vollkommener Ruhe. Da die Bereitschaft der Polizei keinen Grund zum Einschreiten hatte, wurde sie in den Nachmittags stunden zurückgezogen. Die beabsichtigte D e in onstratio it d c r Sozialde nt okraten an den Gräbern Somogyis und Baesos wttvde von der Polizei! v e r h i n d e r t. Die sozialistischen Abgeordneten Payer und B a r n a i hatten Kränze mitgebracht, die von der Polizei beschlagnahmt wurden. Kleinere Gruppet: wurdet: von der Polizei -»hrte jeden Zwischenfall zerstreut. Senicjltt bleibt in Hast. Budapest, 12. Juni. (Tel.-Komp.) Der Atrklagesenat des Strafgerichtes hat in B e st ä t i g n n g der Entscheidung des Uutevsttchungsrichters verfügt, daß der frühere Innenminister B e n i c z k y wegen der Delikte der Beleidigung des Reich-sverwesers, der Verletzung des Amtsgeheimnisses und verbotener Veröffentlichung in tt tt t c rsuchungshaft zu verbleiben habe. Edmund Beniczky hat gegen diesen Beschluß Berufung eingelegt. Anfangs nächster Woche wird die königliche Tafel als oberste Instanz über den Fall Beniczky entscheiden. Ein geheimer Pronah-Proreß. Budapest, 12. Juni. (Tel.-Komp.) Heute morgens begann vor dem Budaposter Honvedgericht der Vcrleumdungsprozeß, den die Gattin des bekannten Oberstleutnants Paul Pro nah, geborne Gräfitt Alice Palffy- Da-uu, gegen drei G e n d a r m e r i.c o f f i z i c x c angestrengt hat. Die angeklagten Offiziere, die Gend-armeriehauptleute Laczkovits und Molnar und der Oberleutnant Tabh, haben die Ehrenbeleidtgung dadurch begangen, daß -sie zur Zeit des zweiten KönigsPutsches die Nachricht verbreiteten, Oberstleutnant Pronah sei unter dem direkten Einfluß seither Gattin, die früher c i n c Kofdame der Köyigin Zita war, der Sache Horthys untreu geworden und in das karli'stisch-e Lager übergetretcn. Bald nach Eröffnung der Sitzung wurde die Verhandlung .für die ganze Dauer des Prozesses für g eheim erklärt. Hansdurchsuchüngen in Budapest. Budapest, 12. Juni. (Tel.-Komp.) Wie „Az Est" -mitteilt, fanden geistern auf Verfügung des Ministers des Innern Hausdurchsuchungen in den Vereinslokalen der jHolzavbettergewerkschaft und der Gewerkschaft der Sattler und Riemer statt. Die Hausdurchsuchungen erfolgten auf Grund von Anzeigen bei dem Ministerium des Innern, wonach die genannten Gewerkschaften die Mitgliedsbeiträge für politische Zwecke verwenden.- Es stehen -weitere Requisttronen bei anderen Gewerkschaften bevor. Die Sozialdemokraten b e a b s i ch t i g e n, in der Angelegenheit eitte Interpellation an ben Mittister des Innern zu richten. Klebeisberg saniert die Pogrompreffe. Aus dem Religioussonds. Budapest, 12. Juni. Größte Entrüstung ruft in den politischen zlreisen, die nicht auf dent Boden -der rassenschützlerilschen Pogrom-Politik stehen, die Nachricht hervor, daß Kultus- und Unterrichtsmlnister Graf Kuno Klebelsberg zur Sanierung der beiden ex-trc»n rassenis-chützlerischen Blätter „Szoz a t" -und „N c p" aus b c nt 9t c l igio n s s o n -d s bedeutenden Sumimeu zur Verfügung gestellt und sich bereit erklärt hat, auch für ihre wettere Erhaltung Mittel ans dom gleichetr Fonds z-n verwenden. ,/S-zozat" und „Nep" sind die zwei Blätter, die bisher ungestraft Tag um Tag ganz offen zu Pogromen hetztet:, die jüdischen Opfer verhöhnten, huldigende Artikel «für die -Mörder und B-amlbeMverfer veröffentlichten, uttd so oft ein ÜbersiHrter Pogroncheld vor Gericht kommt, das Gericht durch Drohnngett terrorilsierett. „Szozal" und „Nep" agitieren att-ch täglich für ein Kabinett Klebelsberg, dem sämtliche Führer, der Erwachenden lin-garn als Mitglieder angöh-ören Men. Diese gattge Affäre ist auch darum vott Interesse, weil sie zeigt, daß die Pogrompresse, die i-mmevsort bchauptot, daß das christliche ungarische Bol«k hinter ihr stehe, sanier u tt g s-. b e «dürftig ist, bbwohl ihr der ganze Regiernugsapparat für die Pogrompropagcmda zur Verfügung steht «uu-d die Regievun-g der: übri-get: Blättern durch nngla-nbliche Schikanen die grötzteu «Schwierigkeiten in den Weg legt. Es hattde-lt sich hier offenbar wieder -mu eilte Ztüvettdun-g vieler Millionen für die Leiter dioser Blätter, die sich schon bisher aus beit Horthy-Kassett bereichert haben. Herbert Otto & Co. Interessenvertretung der iitflationsgesdiädigien Grundbesitzer und Hypothekengläubiger Berlin W 9, Linkstrasse 11 "• 1095 Bank-Konto: Berlin Sparkasse der Stadt Berlin, Oiro Kasse 2, Linkstrasse 7—8 Telephon: Liitzow 3744, Kurfürst 9755 Eaillaur perlangt Sparsamkeit. Paris, 12. Juni. (Tel.-Komp.) Caillaux hat an seine Ministerkollegen eilt Rundschreiben gesandt, das ans die B u d g e t e n t w ü r f e -der einzelnen Ministerien für 1926 Bezug hat. Caillaux zeigt sich über den B e r s ch w e n-. dungsg.eist, der aus den Voranschlägen hervorgehen soll, ganz entsetzt. Die Budgetanforderuugen werden durch-, Wegs minde st e tt s u m e i n D r i 11 e I he r abg ese tz t werdet: müssen. Er -werde diese Reduktionetl nach Anhörung der kompetenten Abteilungsvorsteher in den einzelnen Ministerien selber v o r n e h nt e tt. Wenn dadurch Beschlüsse des Parlaments verletzt würden, so müßten neue Gesetzesvorlagen ausgearbeitet werden, um eine Revision dieser Beschlüsse herbeizuführen. Frankreich müsse seine Lebenshaltung mit seinem Einkommen in Uebereinstimmung bringen, da sonst der Untergang des Staatsschiffes nicht zu vermeiden sei. Paiaieve ia Marotte. Fez, 12. Juni. (Havas.) .Ministerpräsident P a i nl e v e verließ um 6 Uhr 30 Minuten früh die Stadt und wird spät abends n a ch B e s i ch t i g u n g d e r F r o n t zurückkehreu. Ministerpräsident Painleve und Marschall L y a u t-e y arbeiteten bis sch ä t a b e n d s und haben die Lage einer Prüfung unterzogen. Das neue Algeervas. Madrid, 12. Juni. (Ha-vas.) Die s p a n i s ch - f r a nzösische Konferenz über Marokko wird am 17. d. in Madrid eröffnet. Belgien ohne Regierung. Brüssel, 12. Juni. (Wolfs.) Die Fraktionen der Rechten in Kammer und Senat sprachen Ponllet mit.63 gegen 62 Stimmen bet 6 Stimmeueuchaltttngeu ihr Vertrauet: aus. Angesichts dieses .Votums lehnte P o u l l e t beit ihm vom König erteilten Auftrag zur Bildung eines Ministeriums ab. Verttaaeasvotam für Baldwia. London, 12. Juni. (Tel.-Komp.) Das Unterhaus fetzte heute die Budgetdebatte fort und verhandelte die Vorlage der Regierung über die bevorzugte Zollbchandlung der aus den britischen D o m i n i o n s eingeführten Wäret:. Mehrere Redner der Labvur Party -sprachen sich gegen die Vorlage aus. Schließlich wurde die Politik der Regierung durch Annahme eines konservativen Antrages mit 277 gegen 93 Stimmen gutgeheißen. Der bulgarische Ikchier Miiew ermordet. Belgrad, 12. Juni. (Tel.-Komp.) Wie aus Sofia gemeldet wird, wurde der bekannte bulgarische Dichter Geo M i l e «w, den das Kriegsgericht in der vergangenen Woche zu einem Jahr Gefängnis verurteilt hatte, gestertt in der Umgebung von Sofia als f u r ch t b a r verstümmelte Leiche aufgefunden. Die Verurteilung Milews war wegen einer Reihe von Gedichten erfolgt, in denen Milew diebul garäsche Regierung aus das schärfste angegriffen und ihr Grausamkeit gegen ihr eigenes Volk vorgewgrfeü hatte. Wie erst jetzt bekannt gegeben twird, ist einer der Gvüuder des bulgarischen Bauernbundes, Jona Mato w, . -dem es gelungen war, aus der Haft zu entfliehen, a u f d e r Flucht erschossen worden. SttabeMmpfe ia Peking. London, 12. Juni. (Tel.-Komp.) Nach Aleldungen aus Peking haben sich gestern und heute neue «blutige Zusammenstöße ereignet. Die Straßenkämpfe haben auch tvährend der Nacht nicht ausgehört. In Han kau ist der Streik allgemein geworden. Die Streikendetr unternahmen wiederholte Angriffe auf ausländische Firmen. Die Polizei schoß auf die Demonstranten, von denett eine Anzahl verletzt wurde. In Schanghai beschlossen in einer Massenversammlung der Streikenden 25.000 Chinesen, die Arbeit nicht -wieder aufzunehmen, bevor sie nicht volle Genugtuung erhalten hätten. _ Sie Fiaaarverhaadiaagea zwischen Lesterreich «ad Ungarn gescheitert. Wie aus Bndape«st berichtet wird, sind die zwischen Oesterreich und Ungartt schwebenden Verhandlungen über die Regelung der Finanzfragen des Burgenlandes gescheitert. Die Angelegenheit komutt jetzt vor ein Schiedsgericht. Sa« Weingesetz. Der Ausschuß für Landttnd Forstwirtschaft hatgestern nach längerer Beratung das Wcingeseh in der vom Unterausschuß beschlossenen Fassuttg, wobei die Vorschläge der Landwirtschastskatnmcrtt und der beteiligten Interessenten entsprechende Berücksichtigung gefunden haben, angenommen. Die Berichterstattung an das Haus wurde dem Abg. E i s e tt h tt t übertrage,:. Sie Invaliden. Um die Eittstelluug arbeitsloser Invalider z>, be» schleunigen, hat der Minister für soziale Verwaltung gestern die Vertreter der Spitzenverbände von Industrie, Handel und Gewerbe zu einer Besprechung eingeladen. Hiebei wurde, wie amtlich mitgeteilt wird, zttnächst festgestellt, daß seit dem Erscheinen des Invalidenbeschäftigungsgesetzes, also in den letztet: vier Jahren, von ruud 10.000 mit Ginstellungsscheinen -beteilten Kriegsbeschädigten rund 8000 eingestellt wurden, hievon in Wien allein 5000. Nach einer im heurigen Winter infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise eittgetreteneu Stockung wurde im Monat Mai in Wien 139 Kriegsbeschädigte tt eine Arbeit vermittelt. Die Vertreter der Unternehmerverbände erklärten sich bereit, aus beschleunigte Vorlage der am 15. Juni fälligen Anzeige» der beschästiguugs- Pflichtigen Betriebe hinwirken zu wollen, damit eine intensive Einstellung von Kriegsbeschädigten crmöaltcht werde. Sie Sfterreichisch-ingosiawischen Handeirveriragsverhandlnnsen. Belgrad, 12. Juni. (Tel.-Komp.) Nach Mittei-lungen aus Regierun-gskreisen sollen die Handelsvertragsverhattd-lungen mit Oesterreich a nt 5. I n l i wieder au-sgenommen werden. Eine Rieseninsolvenz in Schweden. Stockholm, 12. Juni. (Tel.-Komp.) Eine der größte:^ schwedischen Ju-dustrieunternehmuugeu, die Aktiengesellschaft Adcrfors M u n k s u tt d, in der zahlreiche große Sägewerke zusammengefaßt sind, hat den Konkurs angcmeldet. Die Passiven betragen mehr als 48 Millionen schwedische K r o n e n. Der Hauptgläubiger i«st die Schwedische Nationalbank, bereit Forderungen an die bankrotte Gesellschaft sich auf 46 Millionen Kronen' belaufen. Eineinhalb Millionen Dollar für die hebräische Universität. New-Aork, 11. Juni. (I. T. A.) Dr. I. L. M a gcke s, der Dekan der hebräischen Universität in Jerusalem, der vor .wenigen Wochen in Sletv-Uork eintraf, um in Amerika Gelder für die Universität aufzubringen, teilt mit, daß es ihm gelungen ist, noch vor dem eigentlichen Beginn der Kampagne eineinhalb Millionen Dollar für die hebräische Universität zn sammeln. Londoner Tagung des Zentralkontitces des Judaistischen Instituts. Berlin, 11. Juni. Wie die I. T. A.'erfährt, wird am 22. d. in London das Zentralkomitee für das Judaistische Institut der Universität Jerusalem zn einer Konferenz zusammentreten. Gegenstand der Beratungen werden sein: die künftige Organisation des Instituts und die Nengründung, beziehungsweise Besetzung von Lehrstühlen. Auch aus Deutschland werden Delegiert anwesend sein. _ 6in Liebesdroma in Arad. Budapest, 12. Juni. (Tel.-Komp.) „Az Est" berichten von einer blutigen Liebestragödie in Ara d. Der gewesene Husarenoberle-utnant B a c z i l l a, der einen Scheidungsprozeß gegen seine Gattin führt, machte vor einigen Monaten die Bekanntschaft der Tochter eines ehemaligen Fiskaldirektors, Olga B a r a t h. Baczilla verliebte sich in -das Mädchen und versprach ihm die Ehe nach seiner erfolgten Scheidung. Mittlerweile übersiedelte der Oberleutnant in die Wohnung der Familie seiner Braut. Als nun Olga Barath vorgestern im Rock ihres Bräutigams einen Brief fand, worin eine Dame ihn ztt einem Rendezvous in e i n e r K o tt d i t o r e i einlud, machte sie detn Oberleutnant heftige Vorwürfe. Baczilla erwiderte, er sei des Verhältnisses mit Olga Barath übe rdrüssig und «ivolle mit ihr brechen und aus der Wohnung ausziehen. Als das Mädchen sah, daß Baczilla seine Sachen zu packen begann, ergriff es den Armeerevolver des Oberleutnants und feuerte einen Schuß gegett ihn ab, der ihm die Lunge d rt r ch b o h r t e. Darauf kehrte sie die Waffe -gegen sich selbst und schoß sich e i n e K u g e l in die Schläfe. Olga Barath war auf der Stelle tot, der Oberleutnant starb einige Stunden später im Spital an der erlittenen Verletzung. Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltliche Miitttlmtger sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. W i e n, 13. Jtln-i. * Hochsommerwetter. Gestern gab es in ganz Oesterreich einen ausgeisiprochenert H o ch«s o ttt nt ertag mit der bisher höchsten Temperatur des Jahres. Die Boraussag-e meldet: Vorwiegend heiter, später Tentperaturabitahtne. E Bkl Geld und Zeit sparen Sie, wenn Sie Wohnungen, Bureaus, Geschästshänser, Kaffeehäuser uslv. durch die epochale Evfindun-g „A «b s o r >b i tt e" reinigen l a s s r n. 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