Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2267 (13.6.1925)
- Date
- 1925-06-13
- Page
- Seite 2 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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V Wien, Samstag Ucherer Beflissenheit und Sachkenntnis die Vorbereitung des neuerlichen Massenmordes. Alte spannen die technische und chemische Wissenschaft vor den Streitwagen. Alle wissen, daß der Krieg der Zukunft nicht mit den verhältnismäßig harmlosen Maschinengewehren und Rieserweschützen geführt werden wird, daß er keine Frontlmien kennen wird, sondern im furchtbarsten Sinne des Wortes Frontgebiete. Das Hinterland wird die Front sein mrd die Vergiftring wird weniger die Kombattanten, als die arbeitenden Massen, die Frauen und Kinder, ja selbst die Wälder und Getreidefelder erfassen. Bon den Mitteln, die die Forschung liefert, wird der Generalstab im Namen des überfallenen Vaterlandes ohne kleinliche Sentimentalitäten Gebrauch machen, wie das die höhere Ehre des Patriotismus gebietet. Er wird dazu um so bedenkenloser greifen können, als ja die Parteien des Böllerfri^ens, die Führer des Proletariats, die Fabrikation von Waffen, Gasen und Kriegsmaschinen als integrierenden Bestandteil der heimischen Wirtschaft vor allen ruchlosen Anschlägen der unenttvegten Friedensschwärmer schützen werden. Es war immer Krieg, lautet die Formel, und die sie predigen, erkennen nicht, wie sehr sie damit gegen das Prinzip an sich sprechen. Die Menschheit oder vielmehr ihre Führer waren immer zu denkfaul, nur auf ein anderes Mittel zur Schlichtung ihrer Streiffragen zu verfallen. Dieses Vakuum der Logik besteht fort und die Beschlüsse der Genfer Konferenz sind nur eine neuerliche Kompromittierung der Idee vom Frieden. Sie künden, daß die Kriegsbestic nicht krepieren will, daß sie lediglich einen Pelz trägt, den man ju waschen versucht, ohne ihn naß zu machen. __ Aus der valSstinenM-arabischen Presse. R. Ierusale nt, 8. iJuni. Die nationalistische arabische Presse ist unermüdlich ht der Verhetzung der Bevölkerung, und je geriltger ihre Erfolge sind, desto eindringlicher werden ihre Beschwörunzen. Besonders stark ist jetzt die Agitation unter den - o d e n b c s i tz e n d c n Arabern, um sic von Bodcn- -crkäusen an Juden abzuhalten. In der letzten Zeit wird dieser Bodcnboykott zu einem heiligen Krieg zur Rettung des Bodens gestempelt. Die Araber sollen von der r c t i g i ö s c n Seite her gepackt werden. Die ara-bi- 'chen Blätter haben für Araber, welche Besrtzteile an Juden oerkaufew oder solche Verkäufe vermitteln, einen Pranger eingeführt, indem sie die Namen solcher Araber in 5c,t Blättern veröffentlichen. Allerdings folgen die seriösen arabischen Zeitungen dieser Aufforderung nicht. Auch von Aegypten her -wird das Feuer geschürt. Eine ägyptische irakische Zeitung erzählt, daß sie sich in der Frage des Bode «Verkaufes an Juden an den Scheich Mohammed Mahdi Abu al Asim, eines «der hervorragendsten lllemas in Aegypten, „dem mehr als 70 Millionen Muselmänner der ganzen Welt gehorchen", gewendet halbe. Die Frage lautete, wie sich Allah zu dieser Fratze verhalte und wie die Abgesandten Allahs über die Juden und die Zionisten denken, welche den Boden Erez Israels „mit Gewalt erobert" und die Bevölkerung durch den -Ankauf ihres Bodens irregeführt haben, um die ohemaligen Besitzer zu vertreiben und aus -dem Lande ein jüdisches Nationalheim zu machen. Auch wurde gefragt, welche Strafe derjenigen harre, die mit diesen Juden Mit freundschaftliches Verhältnis aufrechterhalten und ihnen bei ihren Käufen als Vermittler behilflich seien. Die Fetwa des hohen Würdenträgers halbe — so schreibt das Blatt — gelautet, daß die Juden, die nach Erez Israel ei-nwandern, um dort ein jüdisches Nationalheim zu gründen, mr Sinne Ser Worte des Ulema, denen gleichgustellen sind, die irgend ein muselmännisches Land mit Gewalt erobern. Die Muselmänner und ihre Bruder, die christlichen Araber, haben sich -daher jenen wie einem Volke von Räubern gegenüber zu benehmen. Aehnliche Aussprüche werden auch von anderen geistlichen Größen siticrt. Scheich Abu al Asim verweist auf einen Vertrag, seit das .Haupt der Gläubigen Omer ibn al Retaib seinerzeit mit den in Erez Israel wohnenden Christen geschloffen habe. Die Grundbedingung dieses Vertrages war, daß das Leben und Vermögen der Christen nur dann geschützt werde, wenn sie mit den Arabern gemeinsam den Juden den Aufenthalt im Lande unmöglich machen. Er schließt seinen -'Aufruf wie folgt: ,Feder christliche Araber, der sich mit Juden -befreundet oder ihnen seinen Boden verkauft, wird als Verräter und Vertragsbrüchiger betrachtet, -und die Palästinenser sind verpflichtet, ihnals aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu betrachten. Auch jeder Mu-selmann, der mit Zionisten sich befreundet, wird als außerhalb des Islams stehend betrachtet, darf nicht unter Muselmännern -begraben -werden, und es ist verboten-, für sein Seelenheil zu beten. Die Vermittler -von Verkäufen von Boden der Muselmänner und Christen an Juden sind den Verkäufern selbst gleichzustellen." Allerdings -muß -hinzugefügt werden, daß auch dieser Druck bisher wenig Erfolg gehabt hat. So beklagt sich „Fcleftin", dessen Propaganda sich speziell in der Richtung bewegt, daß reiche Araber die kleinen Besitze der Fellachen aufkausen mögen, um die armen Kleinbauern aus der Zwangslage, ihren Zwergbesitz an Juden verkaufen zu müssen, zu retten — daß die re i che n Efe ndi s -bloß den ersten Teil der Aufforderung befolgen, indem sie die Vodenflächen von -den Fellachen z u satu nt c nkaufe». So habe ein sehr reicher Araber jüngst über Drängen nationalistischer Volksgenoffen große Bodenflächen von den Fellachen gekauft, aber kurze Zeit darauf Wiener Mne»enzettitNH. 13. Juni Mo M. AM Holhmd«ir«m 14 einen Teil des neuerworbenen Besitzes mit dem schonen Reingewinn von 88.000 Pfund wieder -weiter verkauft und auf diese Weise den Boden den .Juden in di« Hände gespielt. * Der neue administrative Chef der Erez-Jsracl-Regierung Kolonel Sy an es l)at seinen neuen Posten noch nicht bezogen und die nationalistische arabische Presse beginnt schon gegen ihn zu schüren. Sie kann es nicht verwinden, daß -ihr Liebling, der Zionfftenfeind Gott-verneur S to r r s, nicht zum Leiter der Zivilverwaltung von Erez Israel ernannt wurde. So schreibt „Felestin": „Die Oeffentlichkeit fragt sich, rvarum -nicht Sir Ronald Storrs, der Gouverneur von Jerusalem, zum Generalsekretär-der Regierung ernannt wurde. Seine jetzige Stellung ist doch eine höhere, als diejenige Kolonel Symes bisher tvar. Daraus wird nun der Schluß gezogen, daß Sir Ronald Storrs für einen höheren Posten außerhalb Erez Israels auserschen fei. Bor einiger Zeit -war das Gerücht verbreitet, daß er zum englischen Botschafter in Japan ernannt lvevden wird, aber die letzten Telegramme brachtet: bereits die Ernennung des Herrn E a r r. der im Oberkommiffariat für Aegypten eilte hohe Stellttttg einuimmt, zum Botschafter in Japan. Soll etwa Sir Storrs ttach Aegyptett versetzt werden? Die Ernennung des Kolonel Symes ist übrigens für jedermann unerwartet gekommen. ES ist immer üblich gewefett, daß der Oberkommissär sich seine Beamten selbst bestellt. Der neue Oberkommissär für Erez Israel hat aber sein Amt noch gar nicht angetreten. Die Ernennung des neuen Generalsekretärs ist also durch Sir Herbert Samuel bewerkstelligt worden, der -hiezu die Zustimmung des Kolonialamtes erwirkt hat. Wird nun der neue O-berkommissär dieser Ernennung zusti-mmen?" Nach einer Feststellung der Persönlichen Vorzüge des neuen Generalsekretärs setzt das genannte Blatt fort: „Er ist ein verständiger Verwaltungsbeamter. Beurteilen tvir ihr: aber nach seinen Taten im nördlichen Gouvernement, so ergeben sich den Interessen -der nationalen Araber durchaus ungünstige Vorzeichen. Er hat sich durch feittc starke Hand und Gewalttätigkeit anläßlich der arabischen Demonstrationen in. Haifa und durch seine Mäßigkeit den Ju-den gegenüber bekannt gemacht. Nur ihm -ist es zu danken, daß im nördlichen Gouvernement die zionistische Kolonisation so vorgeschritten ist, -daß es bald zu einem rein zionistischen Gouvernement uing-e- -wandelt sein wird. Wir können ihm auch die Worte, die er in der Abschiedsversammlung in Haifa für das Ruthenberg-Werk und für die Verdienste, die Ruthenbevg sich um Haifa erworben habe, gefunden hat, nicht vergessen. Es ist übrigens möglich — schließt „Felestin" seinen Hetzartikel —, daß die Ernennung Kolonel Symes mit der Absicht erfolgt ist, Lord Plumer vor eine fertige Tatsache zu stellen und daß da-bei die Zionisten im Spiele sind." '* Die arabische Zeitung „Al Gesirah" meldet, daß Lloyd George erklärt habe, in absehbarer Zeit nach Erez Israel zu reffen, und^fügt hinzu: Lord Balfour derjenige, der die krankende Deklaration verkündet hat, so fft Lloyd George andererseits der Urheber dieses kränkenden Planes gewesen. Nun denn, wir glauben kaum, daß die Bewohner Erez Israels Lloyd George einen besseren Empfang bereiten werden als sie Balfour zuteil -werden ließen." * Die Führer der arabischen natiotmliistiischen Bewegung hatten, wie bereits kurz berichtet wurde, beschlossen, üm aus die englischen politischen Kreise bester ern-wirken zu können, eine englische Zeitung zu gründen, die ausschließlich den Jntereffen der Araber in Erez Israel gewidmet sein soll. Aber auch dieser Platt findet -b5 der arabischen Bevölkerung keinen besonde-ren Anklang. In einer seiner letzten Nummern beschwert sich ,Felestin" bitter über die Jndolettz der Araber. Geplant ist die Schaffung einer Aktiengesellschaft mit 5000 Aktien, und nur mit schwerer Mühe — so stellt iw6 Blatt fest — konnten bisher unter der gesamten arabischetl Bevölkerung 580 Aktien placiert werden. ,Felestin" beklagt das u-m so mehr, alH ja die Absicht bestehe, das neue Blatt als Eigentum des gesamten arabischen Volkes ins Leben zu rufen, damit die Führung seiner politischen wirtschaftlichen Interessen nicht mehr wie Li's jetzt.-von einzelnen Privatpersonen. sondern von der gesamten Nation 'besorgt und dirigiert werde. An der syrisch-palästinensischen Grenze. Jerusalem, 11. Juni. (I. T. A.) Am 5. d. versuchten vier Chaluzim aus Polen die Grettze von Syrien nach Palästina aus illegalem Wege zu überschreiten. Sie wurden von palästinensischer Polizei ausgegriffeu und verhaftet. Auf dem Wege zum Polizeiamt machten sie einen Fluchtversuch. Dreien gelang es zu entkommen, loähvend der vierte vor: -der verfolgenden Polizei zwischen bcn Aesten eines Baumes aufgefunden wurde. Als. er dein Befehl, vom Bauute henmtetWisteigen, nicht Folge leistete, schoß die Pgjt^ei auf ihn und vertu u rt d e t e ihn schwer, „ Die «u»landrde«tschen und die Fudensrage. Berlin, 11. Juni. (I. T. A.) Im Verein für das Deuts ch r u m i nt A usland spielt sich zurzeit ei« Kampf um die Zulässigkeit der Aufnahme jüdischer Mitglieder ab. Die Ortsgruppe Pirna des Vereins hat den folgenden Antrag gestellt: Der Landesverband Sachsen wird beauftragt, der Hauptversammlung in Kufstein den Antrag einzubringen, daß künftighin nur diejenigen deutschen Männer und Frauen Mitglieder des Vereines werden können, welche in der Lage sind, ihre deutsche Abstammung nachzuweisen; dieselben müssen rein deuffchen Blutes fein und dürfen auch nicht mit Jude« verwandt, verschwägert oder sonst wie versippt fctit. Dieser Antrag ist in der Landcsvevbandstaguug rn Dresden angenommen worden. Die Leitung des Landesverbandes Sachsen hat daraufhin angeordne*. die Ortsgruppen sollten überall außerordentliche Mitgliederversammlungen abhalten, um festzustellen, ob der Landesverband bei der Kufsteiner Tagung derartigen Anträgen zustimmen sollte. In dem Begleitschreiben wird dringend vor der Annahme dieser Anträge gewarnt, tveil sonst der Verein für Deutschtum im Ausland in antisemitisches Fahrwasser geleitet würde. Mit der Annahme der Satzungsänderung biege der Verein zwangsläufig in die Bahn der völkischen Vereine und Parteien ein und gebe seine politische Neutralität aus. Durch die Annahnte würde das Fortbestehen des Vereine's überhaupt bedroht. Es wird darum gebeten, den Landesvorstand zu beauftragen, in Kufstein gegen den Antrag auf Satzungsänderung zu stimmen. Ler deutsche Nationalfeiertag. Berlin, 12. Juni. (Wolfs.) Der Reichstag begann die zweite Beraturtg des Haushaltes des Reichsin n e n m i n i st e r i u M 's über den Posten ,/Nehalt des. RetchSinnenminffters". In Verbindung damit steht der Gesetzentwurf, womit der 18. Jänner zum Nationalfeiertag bestimmt wird, ferner ein Gesetzentwurf, der den Mitgliedern des auswärtigen Ausschusses zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung auch in der Zeit vom Schluß des Reichstages bis zum Zusammentritt des neuen Reichstages die Immunität sichert, Die Leiftnngeu der preußischen Staates ffit die Wischen Gemeinden. Berlin, 10. Juni. (I. T. A.) Die Herren Dr. A. Klee uno Dr. Köllens ch er haben im Namen der Mischen Volkspartei beim preußischen Landesverband Mischer Gemeinden den folgetchen Antrag gestellt: ©cm Preußischen Landtag liegt der Notetat für 1935 vor. In ihm ist für jüdische Gemeinden nichts eingestellt, während -der ordentliche Etat, der erst im Herbst zur Verhandlung gelatigt, im Ext-raordinari-nm 300.000 Mark Vorsicht. -Dem preußischen Landesverband Mischer Gemeindett geben wir hiervon Kenntnis und effnchen ihn, schleunigst bei der Preußischen St-aatsrogicvnng und bei den Parteien des Landtages dahin vorstellig zu »verden, daß im Hinblick aus die dringende Not der Gemeinden -und des Verbandes die 300.000 Mark auch schon in dem Not^ elat eingestellt werdet,. Hiermit darf unserer Stellungnahme tznm Hauptetat hinsichtlich des Anspruches aus StaatLa-uweils-ungen nach Art und Höhe nicht -vorgegriffen werdet,. Die ungarischen Mordskandale. Budapest, 12. Juni. Zu Beginn der heutigen Sitzung der Nationalversammlung kam es zu großen Lar-msze nen, weil-die Sozialdemokraten die von der Polizei verhinderte Bokränzung der Gräber Somvgyis und Baesos vor der Tagesordnung zur Sprache bringen wollten. Da ihnen weder dom Präsidenten n-och vom Hause selbst die Erlaubnis hiezu erteilt wurde, brachen sie in stürmische Zwischenrufe aus. Diese wurden von der Re. gierungspartei anfänglich mit Rnhe aufgettotnmen, bis schließlich ein derartiger Tumult entstand, daß -die Sitzuttg -suspendiert werden nmßte. Nach Wiederaufnahme der Sitzrtug wurden ztvei sogialdemokratische Abgeordnete aüsgeschloffen. Sodann sprach der sozialdemokratffche Abgeovdttete Emmerich Ghörkh. Er führte aus, daß die vom Jmnrumtatsaüsschuß inkriminierten .Aeußevungen des Abgeordneten Farkas keineswegs eine Beleidigung des Reichsverwesers beinhaltett. Selbst wenn man sich auf den Standpunkt stelle, daß dem zeitweiligen Staatsoberhaupt derselbe Grad von Unverletzlichkeit gebühre-wie dem König, habe der Abgeordnete Farkas nichts Strafbares begangen, da er nicht den Reichsverweser, sondern den ArmeeoberkomMandanten kritisiert habe. Die Handlungen Horchhs, aus die sich die Kritik des Abgeordneten bezog, fallen in die Zeit, als Horthy noch nicht ReichSverweser, sondern Oberbefehlshaber der nationalen Armee war. Da das gegenwärtige Staatsoberhaupt bekanntlich tticht i-m Wege der Thronfolge zu seiner Würde etnpovgestiegen fft, wird es sich -die Opposition nicht nehmen lasten, seine Handlungen tu der Zeit vor seiner Reichsverweserschast zu kritffieren. Es darf nicht vergeflen werden, daß Nikolaus Horthy derjenige war, der die österreichisch-ungarische Kriegsflotte dem Feind übergeben hat. Ebensowenig können die Untaten vergessen wevdett, die mit dem Namen Horthys i n S i o f o k v e r k n ü p f t sind. Der Abgeordnete Farkas hat nichts gesagt, tvas für die RegierunHstgt^jt des PMitzxffchen ÖbeHauptes beleidigend m