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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-13 · Heft 2267 (13.6.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2267 (13.6.1925)
Date
1925-06-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I Polen; aO groftgyl Wi en: Zum Abholen ln der Expedition, IL Taborstr. 1-3, oder in einer verschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf ln Wien durch die Kolporteure der Firma Qol dschmied, 1., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling T sch echo-Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4 Zloty. Deutschland: Mon. Qm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei Preiserhöhungen vorbehslien Wiener Morgmzettimg iPrels 20 al England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien:Mon.l00Lew£. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, H. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3*19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Österreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Rr. 2267 Wie». Samstag, IS. Sunt 1928 7. Jahrgang Sie Stinnes-Lawine rollt. I« Zusammenbruch des Stinner-Konrernr befiegelt. — Me deutsche Wirtschaft ernstlich bedroht. - Reue Konzerne vor der Gefahr des Zusammenbruches. Von unserem Berliner Berichterstatter. .WEDO »Orlpnilir. DEBRECZINER für Wiederverkäufer III., Heumarkt 6,Tel. 95483 Berlin, 12. Juni. D>er Zusammenbruch der Stinnes- Unternehmungen zieht immer weitere Kreise. Mit jeder Stunde wird immer mehr offenbar, auf welch schwachen Füßen das ganze Stinnes-Gebilde gestanden war. Es wird nunmehr klar, daß die Bankenhilfe von 100 Millionen Goldmark für die Sanierung des Stinnes-Kottzerns tt i ch thin rei ch e u werde. Es werden viel höhere Mittel herhalten müssen. Doch ist es schwer, sie zu beschaffen. Mittlerweile hat auch die Berliner B ö r f c sich von den Erklärungen des Bankenkonsortiums nicht beruhigen lassen und in einem Zustand der Nervosität verfallen, der das Aergste befürchten läßt. Es wird befürchtet, daß ungeheure Mengen von Stinne's-Aktien in Kürze dem Aiarkte zur Verfügung gestellt werden dürften. Infolgedessen sucht sich das Publikum seiner deutschen Aktien zu entledigen. Die deutschen Pauken können an der Börse Nicht mehr in dem Maße eingreifen, wie sie es ursprünglich beabsichtigt hatten, da ihre liquiden Mittel für andere Zwecke bereit bleiben muffen. Außerdem haben sie auch kein Interesse, daß die Stinnes-Aktien in derselben Kurshöhe gehalten werden, da. sie gewiß sind, daß sie sie in ganz kurzer Zeit um eiqen viel billigeren Preis werden übernehmen müssen. Das- Debakel an der Berliner Börse ist infolgedessen ungeheuer. Wenn es vorläufig nicht zum Ausdruck kommt, so goschlicht dies nur darum, weil vorläufig die Kontermine zögernd vorgcht und in den nächsten Tagen mit um so erhöhter Verve eingreifen dürfte. Es stellt sich nunmehr heraus, daß der Stinnes-Konzern in seinenr innersten Kern vollkommen faul war, so daß es sogar Mühe kosten wird, die ursprüngliche Position der Familie Stinne's zu halten. Beispiellos schlecht haben Hugo Stinnes und seine Nachfolger gewirtschaftet. Die Kredite wurden bei den meisten Unternehmungen völlig überspannt. Dabei waren sie in einer furchtbar ungeschickten Weise ausgenommen. Es war seit langem vorauszusehen, daß bei einer solchen Kreditpolitik ein Windhauch genügen würde, um das ganze Kartenhaus des Stinnes-Konzerns zusannnen stürzen zu lassen. Es zeigt sich, daß Großmäuligkeit und Leichtsinn hier verantwortungslos gelaust haben. Mittlerweile melden Gerüchte, daß auch andere große Konzerne entschieden ins Wanken erraten sind. Der Kern der deutschen Schwerindustrie ist völlig erschüttert. Diese Schwerindustrie, die überflüssige Gelder für Hakenkreuzler und Hetzorganisationen übrig hatte, nm jüdische Existenzen zu vernichten, fühlt sich in ihrer eigenen Existenz ernstlich bedroht. Die ganze Montanindustrie des Rheines zittert um ihre Existenz. Tyfsen hat in den letzten Tagen 3000 Arbeiter entlassen. Weitere Entlassungen folgen auf. allen' Gebieten. Gerüchte melden von ernstlichen Schwierigkeiten Krupps in Essen, des Wolsf- Konzerns, des Sichelkonzerns und einer Reche weiterer Konzerne. Die deutsche Wirtschaft macht jetzt das denkbar schärfste Fieber durch, das die verantwortungslose Wirtschaft Stinnes' ausgelöst hat. Attentatsvläne gegen einen französischen Minister. Beschlüsse des KaHinettsimtes. Paris, 12. Juni. (Havas.) Im heutigen Kabinettsrat, der unter Vorsitz des Justizministers Steeg tn Vertretung des Ministerpräsidenten Painleve abgehalten wurde, erstattete Minister des Mutzern Br Land einen Bericht über die in Genf mit der englischen Regierung zustande gekommenen Einigung. Die Antwortnote auf das deutsche Memorandum fei den alliierten Negierungen mitgeteilt worden und werde binnen kürzester Zeit der deutschen Reichsregiernng übermittelt werden. Justizminister Steeg machte sodann Mitteilungen Über die gegen den Nationalisten Maurras wegen Todesdrohungen gegen ein Mitglied der Regierung — den Innenminister Schramek — eingeleitete Untersuchung. Der Kabinettsrat gab seine volle Zustimmung zu den Maßnahmen sowohl in dieser Angelegenheit als auch zu allen Borkehrungen gegen jedwede Aufforderung zur Anwendung physischer Gewalt, von wo immer sie kommen möge. (Minister Schramek hatte in den Lokalen der faszistischen Verbände Waffen beschlagnahmen lassen.) Charles Mauras, der Ehefredakteur der nationalistisch-antisemitischen „Aktion Franeaise", halte den Minister Schramek in einem offenen Brie-f mit dem Tode bedroht. Finanzminister Caillaux verwies neuerlich ans die Notwendigkeit, die Staatsausgaben mit äußerster Entschlossenheit durch jene Maßnahmen und . unter jenen Bedingungen einguschränken, die er jüngst erörtert hätte. Der Kabinettsrat beschloß einstimmig, sich vollends dem Werke Caillaux' anzufchließen. Hlndenburs an die Religionsgenosienschasten. Berlin, 12. Juni. (Wolfstj) Der Reichspräsident empfing heute die Vertreter der Religionsgemeinschaften zur Entgegennahme ihrer Glückwünsche anläßlich seines Amtsantrittes. Als Vertreter des Landesvevbandes der j ü d i s ch e n Ge me i n d e n gelobte. Kammergerichtsrat L. Wolfs dem Präsidenten namens der deutschen Juden, weiter hingebend und eifrig an den vaterländischen Aufgaben mitznavbeiten. Der Reichspräsident erwiderte mit einer Ansprache, worin er unter anderem sagte: ,^Jch danke Ihnen herzlichst für die Worte der Begrüßung, die Sie als Vertreter der Religionsgemeinschaften soeben an mich gerichtet haben. Ihre von gleicher Gesinnung getragenen Erklärungen erfüllen mich mit großer Befriedigung. Ich gebe Ihnen bei dieser Gelegenheit erneut die Versicherung, daß ich in meinem hohen Amte mit gleicher Gewissenhaftigkeit alle Bekenntnisse und Weltanschauu n g e n achten und stets den Geist innerer Volksgemeinschaft schützen werde. Wenn ich einen Wunsch daran schließen darf, so bitte ich Sie, diesen gemeinsamen Empfang durch den Vertreter des Deutschen Reiches nicht nur alf eine bloße Form anzusehen. Wie Sie sich, meine Herren, hier zusammengefunden Haben, so möge sich auch in den Reihen der Kirchen und Gemeinschaften stets der Sinn für Versöhnlichkeit finden, ohne den die Zukunft nicht gefördert werden kann." Me Moutagsausgabe der „Wiener Margenzeitung" wird unter anderem enthalten: Nahnm Goldmann: Probleme und Aufgaben des 14. Zionistenkongresses. D r. KonradPrunner: Die Krisis. Ing. Iizchak Wachsmnun: Was will die Hitachduth? Benjamin Akzin: Die Stellung der Studentenschaft im Zionismus. Bes.: Adolfine Prohaska so- L Opernring 3 — 5 (gegenüber Staatsoper) '"vorzüglichen schwarzen und weissen |1 „ ,40Piozent 0 uni1 Ersparnis an Kaffeebohnen erreichen Kaffeehäuser, Bars,Hotels etc. mit der „ETERNA-EXPRESS-KAFF EEMASCHINE“ ^GEFIAWERKE A.G., WIEN,1 "Ä“ Der verbotene Mord. —y. Wien, 13. Juni. Die Genfer Waffenkonferenz hat zwei neue Beschlüsse gefaßt. Der eine verpflichtet die munitions- und waffenerzeugenden Staaten, sechs Monate nach jeder Lieferung von Motorflugzeugen und Luftschiffahrtsmaterial eine Aufstellung der Quantitäten und der Verteilung aus die Bestimmungsländer veröffentlichen. Der zweite verbietet den Gaskrieg. Die Kinder, sie hören es'gerne. Der pazifistische Gedanke ist doch bis in das Konferenzzimmer vorgedrungen und er veranlaßt Beschlüsse und Resolutionen, die sich ganz hübsch ausnehmen, die vielleicht sogar bis zu einem gewissen, von der Politik bestimmten Grad ausgeführt werden. Wenn z. B. von einer englischen Fabrik Motoren nach dem Kontinent ausgeführt werden, die etwa offiziell siir Griechenland bestimmt sind, so wird man binnen sechs Monaten erfahren, ,daß sie nach Griechenland gekommen sind. Sollten sie von dort nach Marokko gelangt sein, so ist das nicht die Schuld des Exportstaates. Aber man wird doch wenigstens zur Kenntnis nehmen, daß der gute Wille vorhanden war. Das' Verbot der Anwendung tödlicher Gase und Bakterien sieht so aus, wie der bekannte Beschluß der Dorfgemeinde, die Feuerspritze zwei Tage vor jedem Brand zu reinigen. Das Verbot war schon einmal, von der ersten Haager Friedenskonferenz, ' feierlich verkündet worden, was die Armeen nicht hinderte, mit Gelb- und Grüngas zu operieren. Den Anfang machte die deutsche oberste Heeresleitung und es entspricht vollkommen diesem historischen Verhalten, daß die Genfer Konferenz ihren Beschluß aus Antrag Deutschlands gefaßt hat. Deutschland hat sich nämlich im Friedensvertrag verpflichtet, die Erzeugung der chemischen Kriegsmittel einzustellen. Es kann aus der Not eine Tugend machen und die Auguren rings im Kreise heben zustimmungsmurmelnd die gepflegten Hände. Einstimmig angenommen von 45 Staaten. Bis zum nächsten Krieg. Amerika, das aus der Konferenz vertreten ist, erzeugt sein Lewisit unangefochten und seelenruhig weiter. ■ 45 Staaten einigen sich auf zwei Protokollbestimmungen, die nur Wert für die Zeis des Friedens — und selbst das in sehr" eingeschränktem Ausmaß — besitzen, die aber im Ernstfall automatisch in dein großen Grab verschwinden. Diese augenzwinkernde Heuchelei gehört in das System, wie es nach dem Krieg zur Herrschaft gelangt ist, wie es geübt wird, um den Frieden, der nach fast fünfjährigem Blutvergießen denn doch einmal geschlossen weiten nmßte, zu sabotieren und nicht üppig Iverden zu lassen. Alle Völker haben die Greuel dieser Jahre gesehen und miterlebt. In allen Staaten ist die Gesetzgebung andauernd mit Fragen der Liquidierung befaßt, hat täglich mit der Ordnung der Ansprüche von Heimatlosen, verarmten Rentnern, Witwen und Waisen zu tun — und dieselben Minister und Parlamente erörtern mit Iveittms größerer und sogar ehr- Kleider-Voile in allen Dessins und Farben, per Meter Ulf 19.800 lüff Schiffmann II. Taborstraße 48 Telephon 47-1*70 En gras En dataii

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