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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-12 · Heft 2266 (12.6.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2266 (12.6.1925)
Date
1925-06-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Stf. 8366 Wien, *|$Mwto,g F»... ..—.-■■■■ — -------- Krau Fergusion alles vermeiden würde, waS zu einem Konflikt mit ihnen führen konnte, und darum jeden Gesetzentwurf zeichnen tvürde. So brachten sie eine Vorlage ein, nach der nicht nur jeder Abgeordnete und Senator für seine Person, sondern auch für seine Verwandtschaft freie Eisen bahn fahrt auf allen Linien des ausgedehnten Staates Texas haben sollte. Aber sie hatten sich bei der Frau verrechnet. Sie übte ihr Vetorecht ans und die Vorlage fiel. Beide Gouverneure, Man»' und Frau, fanden, daß sic zu sthr den „schlechten Geruch unschönen, persönlichen Vorteils Hätte". Es ivar eine mutige Tat, denn die Ehegatten mußten sich klar sein, daß sie dadurch viele verletzen, auf deren Wohlwollen sie angewiesen waren. Jedoch die Senatoren hatten ein menschliches Rühren, die "Abgeordneten wollten an Edelmut nicht hinter ihnen zurückstehen und beide Körperschaften nahmen die Amnestievorlage an, durch die Jim Fergusson die bürgerlichen Ehrenrechte sowie die Fähigkeit, Ehrenämter zu bekleiden, wiedergewann. Als Frau Ma dieses Dokument mit ihrer goldenen Feder Unterzeichnete, sagte sie: „Ich habe, seitdem ich Gouverneur bin, meinen Namen unter manche Vorlage gesetzt, aber dies ist der glücklichste Fe der zug, den ich je gemacht habe." Die Leute von Texas sind begierig, wa Jim in Zukunft unternchuren wird. Wird er bei der nächsten Gouvernenrswahl gegen seine Frau kandidieren? Das Glück der Ehe würde cs nicht stören. Jedenfalls steht ihm der Weg nach oben wieder offen. kine Kontunttuttarriere. Bankhaus Roth und Kormos. In der zweiten Hälfte Jänner vorigen Jahres erregte in Budapest der Zusantmenbvuch des Bankhauses Roth u. Comp, großes Aufsehen. Die beiden Chefs der j$irnia, der jetzt 28jährige Geza Kor nt o s und der jetzt 27jä>hr,ge Armin Roth, waren vor vier Jahren noch arme, unbekannte .Handlnirgsgehilfen. Sie haben dann durch Valutenhandel ein großes Vermögen erworben und in Budapest ein Bankhaus gegründet. Es unterhielt in Wien, Prag und Berlin Filialen. Die beiden Chefs des Bankhauses lebten den großen Gewinnen entsprechend auf g r ö ß t e nr In ße, hatten mehrere Automobile und galten demnach als unermeßlich reich. Im Herbst 1923 begann auch die Situation des Bankhauses Roth u. Comp, ungünstig zu werden. Um sich aufzuhclfen, gründeten die beiden die Merkantilbank und gewannen kapitalskräftige Leute für das Geschäft. Eines Tages waren die beiden jungen Bankiers verschwunden. Ihren Passiven von 22 Milliarden ungarischer Kronen standen Aktiven in bcr .Höhe von 15,5 Milliarden gegenüber. Die reiche Garderobe der Flüchtlinge, die aus mehreren Dutzend Anzügen, mehreren hundert Kraivvtten und mehr als 200 Paar Schuhen bestand, wurde beschlagnahmt, ebenso die fünf Autos. Armin Roch, der sich bei der französischen Fremdenlegion anwerben lassen wollte, wurde in Algier angehalten, allein, da die Geschädigten die Transportkosten nicht tragen wollten, wieder frcigelassen. Ms er dann später in Friedrichshafen anftauchte, wurde er dort verhaftet und nach Budapest gebracht, wo er mittlerweile auf freien Fuß gesetzt worden i'ft. Indessen hatte sich die Lage i>ec Firma wesentlich gebessert, da die Effekten, die sie in Kost genommen, auf etwa ein Drittel ihres seinerzeitigen Kurses gefallen waren. Der Steckbrief gegen den Kompagnon Roths, Geza Kormos, war aber noch in Kraft, und auf Grund dieses Steckbriefes ist Kormos Mittwoch in der Josefstadt verhaftet worden. Wienerwaldttzpen. Der Intellektuelle. Sein Blick ist düster, sein Wort ist ernst, sein Wasen atmet finstere Entschlossenheit. Die Zähne zusammengepreßt, schreitet er festen Schrittes mit männlicher Gefaßtheit dem Schicksal entgegen, das im gegebenen Augenblick irgend ein Kogel oder ein Jausenplatzerl. Er ist fest entschlossen, den Frühlingszauber fach- und zweckgemäß in sich aujizunchnum. "Nichts kommt den: getragenen Ernst gleich, mit dem der Intellektuelle eine Wogmarkieruug verfolgt. Zunächst wird sie in der Karte „erhoben", feierlich fostgestellt, daß sie rot, daher Boeder grün noch blau noch gelb ist. Sodann erfolgt die Ermittlung, von wo sie ihren Ausgang nimmt. Fühlt bei Weggabelungen, wie üblich, die Markierung, so findet ein Kmvsilinm statt, das an Ernst und Gewichtigkeit von den gewiegtesten Internisten nicht übertroffen iverdcn kann. Worauf mit Mchrheitsbeschluß die einzuschlagende Richtung bestimmt wird. Stellt sich dann, wie üblich, heraus, daß man nach Preßbaum kommt statt ans die Sophienalpe, so beweist man einander gegenseitig, daß man nach alle»: Regeln der Logik das einzig Richtige getan. Daß dieses einzig Richtige cm falscher Wog gewesen, schadet nicht viel — die Vernunft hat gesiegt, der Geist die Materie untevgskriogt. Ob man dabei auf den Tulbinger Kogel kommt oder nach Kalksbnrg, ist nebensächlich. Hüpft ein Rotschwänzchen über den Weg oder jauchzt ein Kinderstimmchen, so huscht der Schatten eines Lächelns über das toteruste Gesicht des Intellektuellen. Aber er läßt sich nicht hemmen. Die Augen starr aus die maigrünen Bäume, die prangenden Wiesen gerichtet, schreitet-er schnurgerade in die Fvühlingspvacht hinein. Er nimmt heute Malenjubel zu sich in genau bemessener Dosis. Singt der Intellektuelle, dann wird den: entsetzten Zeitgenossen auch nicht eine Strophe geschenkt. Und ivären es 22, sie müssen alle daranton,men. Pardon wird nicht gegeben. Was aber das Gchabeu des „Geistigen" an Fröhlichkeit vermissen läßt, holt die Kleidung «in. Sie bedeutet den Gipfel der FarbenfreNdigkeit. 'Rotgoivürfelte Janker, grün ansgoschlagene Hosen, blaue Fichrmannskittel, gelbe Zipfethanben. bnntverzierte „Haferlschuhe", staansteirische Hütein - alles ist zu sehen. Und wie herrlich stimmt zu der Pracht die solide Hornbrille! Bon den Dirndln soll lieber geschwi-ogen ioepden. Es ist besser so. _Wiener Moeaenzettrms._ Mitteilungen am dem Publikum. «I.«», »u MMn: |A n Bureau: Otip.irm.HpamiMp»piw Jwp «N.W.,,/r Letzte Nachrichten. Still««' zllsammrabrllch. 9« Millionen Mark ungedeckte Verbindlichkeiten. Berlin, 11. Juni. (Tet.-Klvmp.) Udber die Gefamtschnld des Stinncs-Konzerns erfährt die ,-Bossische Zeitung" aus .Hamburg, daß sich die Gesawtverpflichtungen des Konzerns nach zuverlässigen Mitteilungen auf 155 Millionen Rentenmark belaufen. Davon seien 110 Millionen kurzfristig e, im Juni und Juli fällige Verbindlichkeiten. Etwa 20 Prozent der Gesamtsumme sind durch Rembours und Waren gedeckt, tveitere 20 Prozent finden Deckung in vorhandenen Forderungen. Es bleibt also eine Schuldenlast von 9 0 Millionen Renten mark zu decken. Tic B a n k e n, die an den letzten Konferenzen teilnahmeu, sind den ^Hamburger Nachrichten" zufolge bereit, 5 0 M i l l i o n e n Renten m a v k auf sechs Monate Sicht zu geben, gegen V e xp fä ndu ng der vorhandenen Sicherheiten. Für die restlichen 4 0 Ai illionen wird ein K o n s o r t i u nt gebildet, dessen Leitung die Dar inst ü d t c r B a u k und die N a t i o n a l b a n k übernehnten. . Die R e i ch 's b a n k unterstützt die Transaktion. Erngänger. Der männliche Eingänger wandert allein, weil's da schneller geht, weil er keine Gesellschaft gefunden hat, oder weil er mundfaul ist und findet, daß die Berge nicht dazu da sind, um über sie zu reden. Der weibliche beweist. Immer dasselbe. Daß sie ,/genau so gut" allein gehen kann wie ein Aöann. Ihr Blick, ihr Ausschreiten, der Torr, mit dom sie ihre „Eierspeise mit einen, Glas Milch" als Mittagessen bestellt, bedeutet ein Prinzip. Sie rennt ans dem ganzen Woge Vorurteile um. Meistens solche, die gar nicht da sind. Die Gemütlichen. Sic reden. In milden Fällen vom Wetter, von den Butterpreisen, von Kochrezepten, in schlimmen von Politik. Sie erzählen, daß Emil wibder einen Stofs gekanst hat, der nichts wert ist, daß die Geschäfte nicht gehen, daß man steigen muß wenn man auf einen Gipfel kommen will. Sie reden 28 Stunden im Tag und niemand kann sagen, daß sie „ivas g'fagt" haben. Man „red't ja nur so". Wenn sie genug geredet haben, legen sie sich ins Gras und essen. Grüülich und mit Liebe. Der Witzbold der Gesellschaft zerschlägt eine Flasche an einem Baum. Die Glasscherben knirschen dann so angenehm unter den Tritten der Vorüborgeheiwen. SchevKafte Damen bohren heimlich'Zündhölzchen in Zigaretten. Zündet man sie an (nicht, die Damen, sondern die Zigaretten), so flammt es auf, der Raucher erschrickt, die Gesellschaft heult vor Bogeistermvg. Zieht ein Gotvitter auf, so erzählt Papa Geschichten, wie es „mindestens fmffhundcrtmal" um ihn herum emgeschlagen habe. Aber ihn habe das „gar nix gemert". Der hoffnungsvolle Knabe fragt jedermann, wie cs Hm gehe. Sagt der Befragte: ,-schlecht", so bekommt er die Antwort: „foamt rat' i dir, laß dir's besser gchon!" Auch dieser Geistesblitz schlägt ein. Einmal, dreimal, achtmal. Mama sagt: „Bei mir gibt's kan Genierer net." Und legt sich zum Mittagsschläfchen. Vater folgt ijhrem Beispiel. Die Tochter kichert mit einem Anbeter. „Hält' die Pappen!" flötet Mama träumerisch. Papierfetzen, Koteletteknochen, Orangenschalen rahmen das holde Familienbild ein. Es sieht aus wie ein vom Winde zerzauster Mischanfen. („Bei mir gibt's kan Genierer net.") Liebespaare. Sie waren mit dem Auto gekommen. Jedermann mußte die Tatsache sofort zur Kenntnis nehuum, denn er —- Typus Geschäftsmann, nicht allzu weit der Sechzig, glattrasiert, nach der allerletzten Mode gekleidet — erzählt unaufhörlich von seinem Chauffeur. Sie — blutjung, Typus Flitscherl — ziert sich bei jedem Bissen. Wahrscheinlich hält sie das für Bildung. Er erzählt Anto-Raubcrsgcschichten, sie lacht immer an der falschen Stelle. Beide sind sehr stolz. Er auf die Eroberung, sie ans das Auto. — Am lauschigen Plätzchen, von juibgem Waldesgrnn umgeben, sitzt ein Jüngling mit seiner Maid. Und die Holde spricht: „Wenn du mich wirklich gern hast, dann laßt du mir die neuen Zähn' machen." — Nach der Mittagsrast bereiten die zwei den Abmarsch vor. Er zieht sich eine Strickhanbe über die glatten Haare, sie holt das Laboratorium anö dem Täschchen und versieht sich mit zartem W-angenflaum und Rosenlippen. Er knurrt Mischen den Zähnen: „Wie kann man sich so blöde Schuh' anziohen auf a Partie?" Sie ärgert sich, daß die Ondulation schon wieder äufgagangen ist. Oh, daß sie owig grünen bliebe . . . Die Dame, auf die die Gelsen gehen. Sie kann sich vor Staunen darüber nicht fassen. Ist es nicht merkwürdig? Ans momaubcn, nur gerade auf sie. Filchet sich jemand in der Gesellschaft, der fvststellt, daß sie wahrscheinlich „süßes Blut" habe, dann ist alles gut. Die Dame kichert, fühlt sich gefchmeichelt und beruhigt sich- Sonst erzählt sie noch beim Umsteige,, am Mariahilfer Gürtel, daß die Gelsen „auf" niemanden nMK>Wollten —- auch schon vor 16 Jahren — und damals -MpMb ij, Kritzendors . . . Ist es nicht merkwürdig? " Y K- M. 12. Jnni 1925 Seite 8 Wien, 12. Kali- * Die Gemeinde Baden kauft die Kaiservilla. Ans Badest bei Wien vnrd uns berichtet: In der dienstägigen Gemeinderatssitzung wurde über einen Antrag verhandelt, die Kaislervilla, frühere Löwenstein-Villa, neben dem Kurpark anznkaufen. In dieser Villa hat während des Krieges Kaiser Karl mit seinem Hofstaat gewohnt. Nach dem Umsturz hatte die bekannte Schanspielcritt Else R n t t e r s h c i m die Villa gepachtet und in derselben ein SpieHölle errichtet, welche dann später ausgehoben wurde. Die Stadtgemeinde braucht diese Villa zur Ertveiternng des Knrparkcs. Ueber Antrag des Bürgermeister- K o H nt a n n wurde beschlossen, bei der Kreditanstalt für Handel und Getverbe ein Darlehen von 200.000 Dollar auszuneh- >nen, rückzahlbar bis Oktober 1026, bei, einer Verzinsung von 12 Prozent pro anno. Bon diesen, Darlehen werden 2,7 Milliarden .Kronen zum Ankauf der Kaiservilla, der Rest zur Tilgung einer schwebenden Schuld und Asphaltierung von Straßen verwendet. * Der Bundesvräfideut in der Hygieneausstellung. Vor einigen Tagen besuchte Bundespräsident, H a inisch die Hygieneausstellung im Messepalast, über die er sich sehr lobend aussprach. Das besondere Interesse des BundesPräsildLNten erregte der eigenartige Aufbau des Ausstellungsobjektes der Odol- Kompagnie. Er be,ichtigte teit Odol-Aufbau mit größtem Interesse und zeichnete die Firma durch die Eintragung seines Namens in das „Goldene Buch" der Gesellschaft aus. * Jugendgottesdienst. Der Schlußsugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend .rm Schuljahr 1924=455 findet an, Samstag den 16. d. um 3 Uhr nachmittags in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen statt. * Jüdisches Realgymnasium, Wien, 2. Bez., CastelleMsse Nr. 35. Anmeldungen für die 1. bis 7. Klasse in der Zert zw,- schen 12 und 1 Uhr. * Organisation der jüdischen Angestellten in öffentlichen Diensten Oesterreichs. Die diesjährige Generalverfamnünng welche am 23. Mai stattfand, war sowohl von den aktiven als auch von den im Ruhestand befindlichen öffentlichen Bediensteten stark besucht, ,em Beweis, welch großes Interesse von seiten der Angestellten dieser Organisatron entgeaengebracht wird. Der Obmann, Amtsdirektor Josef Pisk, erstattete den Tätigkettsbericht. wonach es dem scheidenden Ausschuß trotz der germgen zur Verfügung stehenden Mittel gelungen ist, eine Reihe w,rtschaftlichcr Wohlfayrtsaktionen m,t Erfolg zu führen. Amerrkanische Hilfsaktion. Verkauf von Schuhen, Wäsche und Kleidern zu besonders ermäßigten Preisen.) Durch, Vermittlung der Organisation wurden 20 erholungsbedürftige Kinder der M,tglieder in verschiedenen Heimen untergebracht. Im Zuge der Äbbanaktion wurden wiodecholt Schritte bei den zustehenden Dienststellen unternommen und günstige Erfolge erztelt. Me Hilfsfondseinrichtung hat sich segensreich erwiesen und wurde von den Mitgliedern vtelsach in Anspruch genommen. Ein überaus günstiges finanzielles Ergebnis wurde durch Veranstaltung von Geselligkeitsabenden erzielt. Die Ausführungen des Obmannes sowie des Kassiers, Dr. Stern, wurden mit Befriedigung zur Kenntnis genommen und dem ausscheidenden Ausschuß Dank für seine zielbewußte Arbeit ausgesprochen. Bei den hierauf vorgenommenen.Neuwahlen für das Jahr 1925—26 wurden folgende Herren in die Leitung, beziehungsweise Ausschuß gewählt: Amtsdirektor Josef Pisek als Präsident, Oberbaurat S tan ko wer als B^epräsident, Inspektor Sträußler als Schriftführer, Bahnrat Dr. Stern als Kassier. Ausschnßmitalieder: Dr. Koritschoner, Oberbahnrat der amtlichen dLachrichtenstelle, Direktor Diekmann, Oberinspektor Engel, Assistent Rosen, Oberoffizial Werber, Hofrat Dr. Marx. Oberinspektor Lcfchner. Postcrmtsdirektor Kmdsbrunner, Neuer und Frey. * Die rasenden Motorräder. An der Ecke der Döblerhofgasse und Simmeringer Hauptstraße ist gestern der 19jährige Schlosser Anton Novara aus Mannersdors dem 27ja>hr,'gell Hilfsarbeiter Anton Leutner aus Höflem in das Motorrad gerannt; dadurch kamen beide zu Fall und Novara erlitt erhebttche Quetschungen am rechten Arm, Leutner Wunden an der Stirne und im Gesicht. Die Rettungsgesellschcrft brachte beide ins ©Spital. . * Leuchtgasvergistrrng. Das 22jährige Kmdcrfränlein Stephanie Kollmann wurde gestern früh von ihrem Dienstgeber in dem mit Leuchtgas erfüllten Schlaframn in der Böcklinstraße bewußtlos anfgefunden. Der Hahn der Gasleitung stand offen. Ob Unfall oder Selbstmordversuch vorliegt, ist noch nicht bekannt. * Gotteslästerliche Reklame. Die Madonna ans Reinhardts „Mirakel", Frau Maria Carmi. mit ihrem richtigen Namen Fürstin Marchiabelli, hat vor einiger Zeit chren früheren Impresario, den bekannten Unternchmer Morrts Gest, ans 600.000 Dollar Schadenersatz wegen Beleidigung verklagt. D,e Fürstin beschwert sich darüber, daß Reklame für sie ohne ihre Zustimmung gemacht würde und daß diese Propaganda zun, Teil gotteslästerlicher Art gewesen ist. Die Agenten verbreiteten nämlich auf Deranlasiung Morris Gefts die echt an,erikamsche Nachricht, Maria Carmi hielte sich vom Himmel für die Rolle der Madonna auserwählt; sie habe ihrem Jnrpvesaria mit dem Zorn und der Strafe Gottes gedroht, falls er die Rolle der anderen Darstellerin, Lady Diana Cooper, übertrage. Die Geschichte von ihrem Streit mit Lady Diana, die abwechselnd mit ihr die Rolle der Madonna gespielt hatte, erklärt Frau Caruri für reine Erfindung. Diese Art i>er Reklame, so heißt es in ihrer Klage, habe sie lächerlich gen,acht und ihr Ansehen als Schauspielerin schwer geschädigt. * Die erste hebräische illustrierte Zeitschrift in Erez Israel. In Jerusalem erscheint feit eiinigen Wochen unter dem Trtel „Hamisrach" eine illustrierte Halbmonatschrift. die erste hÄräische Zeitschrift dieser Art in Erez Israel. In den vorliegenoen ersten zivei' Nununern sind die wichtigsten Ereignisse im Lande im Bilde festgehalten. Die Bilder sind gut und gewähren ein instruktiven Einblick in das tägliche Le-ben der Bevölkerung von Erez Israel und des nahen Orients überhaupt. Das Blatt beschränkt sich jedoch nicht nur auf die bildliche Berichterstattung über die Vorgänge im Lande selbst; Errungenschaften der Wissenschaft und Technik in aller Welt werden durch Illustration registriert. Die Redaktion des „Hamisrach" befindet sich in Jerusalem, Musrarastraße. * Eine Erfindung für Verbrecher! Der Knall oiues Ätevolvevschusl'eä in der Nacht hatte bisher -für den Shützen den Nachteil und für sein Opfer den Dorteil, daß meist sofort d,e Polizei auf dem Platze erschien. Das Gute an diosem verräterischen Gesetz der Attestik beftaud ferner darin, daß , es »nanchen Revolverhelden vor seiner Tat -nvückschrecken ließ. Dies dürfte nun auchöverr, tvenn die Meldung richtig ist, daß in Amerika geräuschlose Revolver fabriziert werden. Kürzlich wurde in Gravensend an der Themseuttindung bei einen, sefttichen Anlaß ein Mann von drei Individuen ausgeran«bt, oknre daß einige in der Nähe stehende Leute das gerieste gehört l>atten. Wohl aber sahen sie die Täter entfliehen und das von drei Kugäln getrofferre Opfer zuijammenlbvechen. Msbald nahnren sie die Verfolgung auf. Als jedoch der Vorderste der Verfolger die Täter beinahe eingvholr hatte, kehrte sich einer von den Dreien mn, gab einen Schuß ab; der Verfolger sank getroffen zu Boden und wiederum hatte niemand auch nur die gerinpste Explosion gchört. Jeder Fortschritt, der die Menschheit wirktwh vorwärts, d. h. auf eine höhere Stnlfe bringt, isst zu begrübe^ aber die BervoWrmmMng der Mordtechnik hat ent-

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