Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2264 (10.6.1925)
- Date
- 1925-06-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Wiener Mornenzeituna. Kr. 2264 Men, Mittwoch 10. Juni 1925 Sette 5 Hven Mitteln verlvendct, um die vielen Aktionen )n föribettt, welche unter anderem dein ehrenden Gedenken der Mden gewidmet waren. Eine Anzahl von Vereinen — so der BechauSverei-n in Döbling — I)öt in ihretr Tempeln an besonderer Stelle Tafeln des Gedenkens errichtet, jedoch cm G e de n k ste i n, wie er von mir damals und jetzt Pan iHerrn Leo Kohn gedacht ist, fehlt bis heute. Vielleicht wird jetzt, wennstleich verspätet, auch der BorstaiNd der Wiener Kultusgemeinde, an deren Spitze jHerr General-Oberstabsarzt Prof. Dr. Alois P i ck steht, sich dieser Ehrenpflicht bewußt und veranlaßt ungesäumt die Errichtung eines der jüdischen Gemeinde Wien entsprechenden Gedenksteines an der Stelle, wo in Wiener Erde die Gebeine so vieler Mischer Helden vuhon." Sie Sieget der Marlenbader Schachturniers. Vier Juden als Preisträger. Dar Marienbader Schachturnier, welches soeben zu Ende gegangen ist, brachte eine bedeutsame Ueberraschung, indem .Aron N i e m z o w i t s ch nsben Akiba Rubinstei n an die Spitze der Preisträger gelangt ist. Niemzowitsch, der aus)Livland stanrmt, jetzt in Kopenhagen lebt und als Vertreter Winemarks am Schachturnier teilnahm, ist I u d e. Seit mehr als 15 Jahren ist er in der Turnievpraxis als einer der originellsten Spieler bekannt. In dem berühmten internationalen Schachturnier von: Jahre 1911 in San Sebastian erregte er Aufsehen, da sein glänzendes Spiel, dessen bizarre Eröffnungen zu der Zeit, da die neue Schachschule noch nicht bekannt war, besonders gefürchtet waren, Wjm die zweite Stelle unter den Siegern verschaffte. Im russischen Meisterturnier zu' Petersburg, dessen Beendigung bereits in den Beginn des Weltkrieges fiel, stand Niemzowitsch an der Spitze. In den folgenden Jahren spielte er mit wechselndem Erfolg, bis er im Jahre 1923 beim Meisterturnier in Kopenhagen wieder den ersten Preis errang. Im Schachturnier zu Baden-Baden, das kurz vor dem Marienibader Turnier stattfand, hat Niemzowitsch keine überragende Position erlangen können» um so bemerkenswerter ist der kräftige Stil, mit welchem er im Marienbader Turnier i'n die erste Reihe kam. 1 Akiba R ub ln st ein aus Lodz, der mit elf Zählern den gleichen Stand wie Niemzowitsch erreicht hat und mit chm den ersten und zweiten Preis teilt, hat durch seinen Sieg in Marienbad eine glanzvolle Leistung vollbracht, da er kurz vorher in Baden-Baden nach Aljechin den zweiten Platz erstritten' hatte. Rnbinstein ist einer der stärksten Positionsspielcr, welche heute auf den 64 Feldern kämpfen. Seit Jahren sind die Glanzleistungen dieses jüdischen Schachspielers aus Polen bekannt, der zu den gefürchtetsten Meistern des Schachs zählt. In den letzten Jahren schien eS, als wäre die Kraft dieses Großmeisters int Schwinden begriffen. Dazu kam noch körperliches Leiden. Nun hat Nnbknstein alle diese Befürchtungen durch feine glänzenden Erfolge in zwei aufeinanderfolgenden Turnieren widerlegt. Der dritte und vierte Preis des Marienbader Turniers gelangte über den Ozean. Der alte Schachkämpe Amerikas, Frank Mar sh all, welcher seit einem glanzvollen Siege im Turnier zu Cambridge Springs, wo er keine einzige Partie verlor, den Großmeistern beigezählt wird, hat in Marienbad seine unermüdliche Angtiffskraft bewiesen. Eine Schachsensation war der junge Mexikaner Torre, der schon in Baden-Baden durch seinen Dreizehn-Züge-Sieg über den wohlfundierten Schachtheoretiler Grünseid Aufsehen erregt hat. Am Turnier in Marien'bad waren unter 16 Spielern sechs Indent außer den bereits ertvähntcn ersten Preisträgern Rubinstein und N'mnzowitsch noch Reti und Tartakower, weiche ren fünften und sechsten Preis teilten, sowie S p i e 1 m a n n, der um einen Zähler hinter diesen beiden letzten Preisträgern zurüMieb, und der alte in Paris lebende. Meister Janowsky, dessen Glanzzeit freilich schon lange vorüber ist. Ae bebende Erde. EvdstSße in der Obersteiermark und Columbien. Zn Leoben und mehreren anderen Orten der Obersioiermark wnrde gesteht um 1 Uhr 87 Min. früh ein zwei Sekunden währendes Erdbeben verspürt. Das Beben war so heftig, daß die Bewohner aus dem Schlafe geiveckt wurden. Die Apparate der Wiener Zeutralanstalt für Meteorologie und Geodynamik registrierten dieses Nahbeben. Bogota, 9. Juni. (Wolfs.) Ein heftiges Erdbeben Hai sich hier sowie Nördlich und südlich von Bogota ereignet. Biele Gebäude und auch die Kirche sind erheblich beschädigt worden; die V e r 1 u st e a » Menschen- 1 o b e n ln Bogota sind gering. Die Städte I b e g « e und T o 1 c i m a sind hingegen anscheinend stärker in Mitleidenschaft gezogen worden. . Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltliche Mittetlnngen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet, Wien, 10. Juni. . „ ,f0t Schaffer — Mitglied einer aeologikchen Expedition tn Mexiko. Der Wiener Universitätsprofesfor F. L. Schaffer, mt sich als Gast kalifornischer Hochschulen im Westen der Bereinigten Staaten aushält, wird au einer unter der Leitung des Archäologen Prof. I. Ptjoans stehenden Expedition.nach der noch io wenig erforschten kalifornischen Halbinsel in Mexiko teilnehmerr. die hauptsächlich der Untersuchung der Urgeschichte des Landes dienen soll. Das Gebiet ge- Teiten der Erdoberfläche, die die jüngsten bebender Reliefs anfwelsen, die in ursachden häufigen Erderschütternngen stehen. lenden Veränderungen l Ich er Verbindung mit den Hebungen des Küstengebietes bis 1000 Metel sind in ganz junger Zeit erfolgt und werden sicher Aufschluß über manche wich l'che geologische Frage liefern. * Max Weil gestorben. Int Alter Von 04 Jahren ist gestern der Redakteur der Allgemeinen Oesterrelchischsu Korrc- . spondeni, Max W e \ l. einem schweren Herzleiden erlegen. Das Leichenbegängnis findet morgen um viertel 12 Uhr vormittags auf dem Zentralfriedhof (1. Tor) statt« Mitteilungen aus dem Publikum. SEMMERING in 1040 m Seehöhe Vollkommen reorganisiert und modernisiert Erstklassige Küche — Vorzüglicher Keller 500 Zimmer u. Appartements, 200 Badezimmer Das ganze Jahr geöffnet Erstklassige Heilanstalt Wiedereröffnung 27. Juni 1925 NEUE LEITUNG: Generaldirektor H. Eisler HOTEL ERZHERZOG JOHANH Sport* * und FamiHenhotel ln nächster Nähe der Sportplätze. 200 Zimmer. Bürgerliche Zimmer 957 Wieder zu heben 1 ■ A B u r e a ü: Orig, franz. ~ wmn, m». gkodagass« ia/2 s/ a9 JHeese^alast Wien r 3 Aussteilunsen Im iS Vorträge > Spczlalausstellung: „Kfndersplelzeug und Prauenfflniss“ Sportveranstaltungen s Konzerte Geöffnet an Wochentagen von 9 Uhr an Sonn* und Felcrtageh von 8 Uhr früh an Schluss täglich um 9 Uhr abends Eintrittspreis S 1- Eintrittspreis S1.- SCHIFBERG-MD Wiens schönstes Licht-Luft-Bad: » 360 m Höhe Schwimmbassin Spiel- und Sportplfils« Linien Eä und 43 der städt. Strassenbahn * Blutige Familienszene im Schrebergarten. Gestern vormittags hat sich in der Schrebergartenanlage auf dem Großen Bruckhausen in Floridsdorf, wo die Familie H e r n d l h o s e r eine Parzelle besitzt, eine Familientragödie abgespielt. Zwischen der Schiwiegermntter Anna Herndlhcher und ihrer Schwlvgertochtev Suisanne — deren Mann ist Schwerinvalide — bestand seit einiger Zeit Streit, der schließlich die ganze Familie in Mei Lager teilte. Gestern vormittags begab sich nun Susanne in die Schrübergartenanla>ge und feuerte auf die Mitglieder der Jam Ute drei Schüsse ab. Eine Kügel traf Iran Anna Herndlhofer an der linken Schläfe und blieb int Kopfe stecken. Ihre 22jährige Tochter Rosa hat durch Fußtritte, die ihr die' Schwägerin .p: fügte, schwere Berletznugen erlitten. Die Täterin wurde stnn Kommissariat gebracht, wo sie behauptete, die Tat deshaUb begangen zu haben, weil die Schwiegermutter ihren Mann und die Verwandten gegen sie anfhetze. Ertrinkungstod einer Wienerin in der Salzach Frau Hermine Kloß, die Gattin des Redakteurs des „Weltiblatt" in Wien, ist Sonntag bei einer Faltlbootsahrt, die sie mit dem FabriMeiter Hans Stru n?, ans Sachsen auf der Salzach unternahm, in der Nähe des Passes Lneg durch Itttiikippen des Bootes evtrnnken. Strunz konnte sich retten. Die Leiche der Iran Kloß wurde in Galling geborgen. * Mord in Purkersdorf. In der Nacht zum Montag, .zwischen dreiviertel 2 lind 3 Uhr, wurde in Purkersdorf der Bäckergchilfe Josef Zwickl in seinem Zimmer ermordet. Der Täter muß durch das Fenster der ebenerdigen Wohnung eingestiagen und auf dem gleichen Wege geflüchtet sein. Zwei Zeugen haben einen großen, starken Mann durch das.Fenster das Haus verlassen gesehen. Zwickt hatte ',n Ostern in Purkersdovf eine heftige Rauferei mit anderen Burschen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß die Ermordung des Bäckers mit dieser Rauiferei in Zusammenhang steht. * Das Wetter. Die Bewölkung hat zugenommen, die Temperatur ist gefallen. Die Voraussage lautet: Vorwiegend heit e r. etwas k li h I c r, lebhafte nördliche Winde. * Die Lebensmittelmärkte. Die Fleisch Importe in der Großmarkthalle waren gestern etwas günstiger als in den Vortagen: Ein,gelangt sind zwölf Waggons im Gewichte von 76 Tonnen. Der Verkehr hielt sich in ruhigen' Bahnen und es sind vorläufig keine Preisändernngen zu verzeichnen. — Der Naschmarkt bot gestern tu allen Geinnsesorten reichliche AuStvahl. Die Preise zeiget! abermals sinkende Tendenz. Namentlich Salat, Kohl und grüne Erbsen haben sich verbilligt. Kirschen lattgten In ziemlich ausreichenden Mengen ein. Gestern wurden die ersten Johannisbeeren sNibisel) ans den Markt gebracht. Die Eterzufnhren sind im Abnehmen, die Preise verfolgen daher die aufsteigende Richtung und stellen sich 14,6 bis 16 Groschen pro Stück. * Anuiclduiig von Borgarteudachern bei Gast- und Kafseehttufern. In der letzten Zeit haben Gastnnd Kaffeep^isbositzer vor ihren Lokalen ans Säulen ruhende Machen angebracht» um die dort sich aushaltenden Gäste gegen Sonne und iltegen zu schützen. Der Magistrat lnacht nachdriicklichst darauf altfttterksnin, daß derartige Placheudächer nur dann errichtet Wörden dürfen, lveiltt die lokalpoligeillche Bewilllgnua eittgsholt wird. GeschäftAente, die solche Anlagen chne Bowillignug Herstellen, müssen »eben der Bestrafung auch noch die sofortige Boieilüumg der iiicht geuehmigien Anlage gewärtigen. * Lrafiksperre am Donnerstag. Wie uns der Reich-» verband der Trafikanten mitteilt, haben die Wiener Trafiken morgen Feiertag) uw 10 Uhr vormittags zu sperren. * Im Donaukanal ertrunken. Ter uennlähriae Doisksschüler Josef Kaiser ist gestern nachmittags nächst-der Treustraße in de Donaukanal gefallen und erttnnken. * Richtlinien für Schülerreisen. Der Wiener Stadtschulrat hitt dieser Tage an die iihin untcirftellten mittleren Lchranstalten einen Erlaß gerichtet, in dem Richtlinien für Schülcrr-»ssen ausgestellt sind. Es soll darauf Wert gelegt werden, daß die auf solchen Ausflügen Praktisch erworbenen Kenntnisse rin Unterricht verwertet werden. Weiters wird die Anregung gegeben, in seder Klasse eine „Reisekasse" zu errichten, zu der die Schüler nach ihrer materiellen Leistungsfähigkeit beitragen sollen, Um auch d e n. M i nd e r dem it t el t en die Teilnahme an Schi'ileranÄlügcn zu ermöglichen. * Eintägiger Proteststreik der Mtttelschullehrer. Gestern fand der angekündigte Proteststreik der Mittebschullchrcr statt. Im Wademischen Ghmnasrum versammelten sich vormittags zahlreiche Mittelschulprosesfoken zu einer Protostverfommlunig. Den Vorsitz führte Professor N e u g e b a u e r. In einer Neso lrrtion wird erklärt, daß die Mittelllchullehrer durch die letzte Regelung der Besoldung der Dundesangestellten schwer ge schädigt wurden, da ihr Gohalt imr 20 Prozent niedriger ist gegenüber den anderen Beamten mit gleicher Vorbildung. Die versammelten Mrttelfchnllehrer fordern die Regierurrg ans, ihren gerechten Forderungen m willfahren und erklären, daß, falls dies nicht geschehen sollte, jede Verantwortung für die schwere Erschütterung, die dvnr SchnUbetricb dreht, abznlehneu. Die R e s o l u t i o n wird der Regierung durch eine De putation übermittelt. — Abends fand im großen Fest saalc des Maden,-schein Gymnasiums im 1. Bezirk .eine vom Verband der Elternvereine an den Mittelschulen einbevnfene Versanmtlung statt, in der es gleichfalls m einem P r o t e st c der Eltern gegen das Vobgeihen kam, das die Regierung gegenüber den Förderungen der Mitlelschullehrerschaft 'an den Tag legtt. * Heute „Pratr.rfahrt von einst". Der Korso beginnt um 3 Uhr nachmittags. Tribüneiffitze sind in allen Kartenbnreans erhältlich. Außer dem Wiener Jiakerabend im Waldsteingaricn findet im Etablissement „zum Marokkaner" eine Wäscher- und Jiakevsoiree mit Vorträgen, Kon«rt unid Tanz, ebenfalls zugunsten der Wiener Freiwilligen Rettungsigesellschaft ]tah. Mir ausreichendL Verkehrsmittei nach Schluß aller Veranitaltiinäen wurde vorgesorgt. Radjopro^ramm. Mittwoch den 10. Juni. 4 Uhr 10 Min. bis 6 Uhr 66 Min.t Nachmittagskonzert. — 6 Uhr bis 6 Uhr Lö'Min.: Stunde de, Frau. — 6 Uhr 30 Min. bis 7 Uhr r Dr. Erika Tietze: „Dü Jubiläumsausstellung des Künstlerbundes Hagen." — 7 lUn 46 Min. bis 8 Uhr 16 Min.r Englischer Sprachkurs. — 8 Uhr 30 Min.: Mörike-Abend. 1. Einleitender Vortrag, verfaßt vor. Gebeimrat Prof. Dr. Bischer. 2. Kammersänger Hans Duban' Lieder von Hugo.Wolf. 3. Lotte Witt r Rezitationen. 4. Konzertsangerin Josefine Stransky: Lieder von Hugo Wolf, Begleitung Er ch Meller. 6. Otto Treßler: Rezitation. — 10 Uhr: rO'nhtfTe l^Minekl. Vereine, Vortröge «nd Versammlungen. Z t o « i st.'i s ch r.S e k t i o n P r a t e r. Samstag dev 13. d., V2O Uhr abends, ick Sektionsüeim, 2. Bez., Jungstraße 8, zweite Berfackmlung Mit der Tagesordnung: Probleme des XIV. ZionistenkongreffeS. Redner: Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Josef Löwenherz. Anschließend Diskussion. — Ma irn 0 n i d e S - I n st 11 u t, 3. Bez., Hetzgasse 40. Heute, 6 bis 7 Uhr abends t Rabbiner Dr. A. K a m t n k a, Traktat Sanhedrin. 7 bis 8 Uhr: Derselbe, Matmonibes More Nebuchtm (über Entstehung der. arabisch-jüdischen Philosophie). Zion istische Jugendgrn'ppe Leopold stabt. Heute, ,J/t8 Uhr abends. 2. Bez., ZitknSgasse 33, P l e n a r b e r s a m ml u n g mit anschließenhem Referat des Herrn Dr Sanel Beer ■ - ' ' ....... -»-«..Ti...« oiiri, Bühne und Kunst. Sin paar Echnitzler-Glossen. Zur AuffuhLUng des „Schleier der Beatrice", ■"hm Heinpich Glücksmann. All die Menschen, die der Dichter Artur Schnitzler nach seinem Ebenbiide erschaffen hat, sind in Herz ltttb Geist, in Sinn und Blut, im Denken und Fühler: Wiener Kinder von gestern und hellte, auch wenn sie Kostüme ferner Zeiterr miö fremder Lande tragen, wie „die Frau mit dem Dolche" mtu ihre Maler, wie Aristokraten, Komödianten und Pöbel in der RevolilttonsgroteSke' „Der grüne Kakadu", wie die Schweizer Bürgersleute aus der „Pai:aeelsus"--Zeit, wie Casanova und seine Huldinnen nnd wie selbst die Pnppenwelt des „tapferen Cassian". Wie wahr das ist, mag den befvnders Scharfsichtigen offenbar werden, die ihm irr das von Cesare Borgia bedrohte, von Vernichtttngsschwi'ngett überschattete, van Lebens- und Liebesfieber geschüttelte Botogika des 16. JaychurtdertS folgen, das seiner Bühirendichtung „Der Schleier der Beatrice" den Schauplatz bietet. Wie weit scheint er sich da von 2Bicu nnd dem Wienertum, als dessen berufenster Künder er in der Literatur der Zeit steht,, entfernt zu haben. Aber das ist nur Schein. Stefarrsturnr und Kahlenberg ragen nicht in das Bild hinein, aber das Herz Wiens pocht in dvm Geschehen, dem Fühlen und Leiden, das es vor uns abrvllt. Hub in den ersten Fassrrngen, die der Dichter seinem Stoff gegeben, tvareir feijtc Menschen auch wirklich BoMntwiener und bewegten slch auf dem Wiener Erdreich. „Der Schleier der Beatxice" in seiner gegenwärtige Geistalt ist schon vor der JahrhNtldertwcltdo vollendet tvorden, hat also mehr als 26 Jahre darauf tvartcit müsset!, daß sich ihm das Tor des Vurgthearers euschließe, dem sein Schöpfer so reiche Chrerr gebracht. Aber schon zu Beginn der Ncrurziger Jahre hat sich Artnr Schnitzler mit dem Gegenstände beschäftigt und um 1892 daraus eine Im Altwiener Kostüm spielende heitere Pantomime gestaltet, ein Tanzlnstspiel, dessen wesentliche Harrdlung darin bestand, daß Pierrette, daS süße Wiener Mädel, eine. Christine im Reifroü und Fiitterjäckchen, sich wohl zwingen läßt, den Arlechino zu heiraten, aber chm von der Hochzeit weg zum Herzliobsten, dem Pierrot eut-- Huft. Und dieser Herzenskonflikt führt nicht zu tragischen 72992499