Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2264 (10.6.1925)
- Date
- 1925-06-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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» Nr. E0M Mcn. Oie billige eisegepäckversicherung tcl 67-208 im Tuchlaub^nhof Privatwirtschaft eingeschränkt werden." § 10 erhielt die nachstehende Fassung: „Das Nachgeordnete Organ kann die Besokgnng eine r Weisung ableh ne n, wenn die Weisung entweder von etitent unzuständigen Organ erteilt wurde oder die Befolgung gegen strafgesetzlichc Vorschriften verstoßen "würde." Mir den restlichen Teil dieses - Absatzes, der die Amtsverschwiegenheit rgÄt, Kviv8 die Bundesregierung zu einer neuerlichen For- 'NtMerung ausgefordert. Dasselbe gilt für 8 21 (neuer Absatz des Artikels 95), der die Erleichterungen regeln sollte, die den öffentlichen Angestellten für die Ausübung eines Landtag-Mandates und die Bewerbung um ein solches Mandat gewahrt werden sollen. Kr die die Stellung des Bundespräsidenten behandelnden Artikel wird eine Bestimmung eingebaut, lösche den Titel „Bund e sp r äsiden t" schützt. In Hinkunft wird der Titel Präsident" für Bereinsöbmänner oder Vorisitzende des Bevwalltnngsgerichtshofes, Mtiengesellschaften usw. nicht zulässig sein. Den Präsidententitel wird eben, um unliebsame Verwechslungen ausznschließen, mir der Bundespräsident führen dürfen. Der Absatz 2 des Artikels 97, welcher von der Zustimm u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g z u L a n d e sgesetzen handelt, die bei der Vollziehung die Mitwirkung von Bundesbehörden vorsehen, soll so formuliert werden, daß der Bundesregierung eine achtwöchige Frist für die Erteilung dieser Zustimmung gegeben wird. G estrichen wurde § 18 (zu Artikel 56). Vorgeschlagene Ergänzung: ,/Du-rch Bundesgesetz kann jedoch bestimmt werden, daß Mitglieder des Nationalrates und des Bundesrates, die a u s d e r Partei, auf deren Liste sie gewählt wurden, a u s s ch e i d e n oder ausgeschlossen werden, ihres Mandates verlustig werden." Berichterstattung Mer Senf. Die nächste Sitzung des Nationalrates findet Mittwoch den 17. d., 2 Uhr nachmittags, statt. Nach Schluß der Nationalratssitzung tritt der Hauptausschuß zusammen, um den Bericht der Bundesregierung über die Vechandluugen in G e nf entgegenzuuchmen. Anschluß und SonaufSderatton. Ein Bortrag Dr. Seipels in Zürich. Zürich, 8. IJjiitirtr. (Pelster Lloyd.) Der gewesene österreichische Bundeskanzler Dr. Seipel, der sich auf seiner Reise durch die Schweiz iu Zürich auWlt, sprach heute vor Preßvertretern oingehenid über eine Reihe aktueller Fragen. Einleitend bemerkte Dr. Seipel,!daß er nach seinen Erfahrungen in Genf Preßkonferenzen für eines der besten Mittel des iZusammenavbeitens zwischen Presse und Politik halte. Der Zweck seiner Reise in fremde Länder sei nicht zuletzt der gewesen, den Dank Oesterreichs für die diesem inr und nach dem Kriege geleistete Hilfe zu übermitteln, er wollte aber auch die reichen Erfahrungen, die er während seiner Amtszeit sammeln konnte, anderen Mitteln, denn die gegenwärtige Lage mache es notwendig, immer wieder auf die Erfahrungen der letzten Jahre aufmerksam zu macherr. Dar Judentum auf der Jahrtausend- Ausstellung in Köln. Die rheinischen Judengemeinden sind die ältesten auf deutschenr Boden, daher hat die jüdische Abteilung der Ausstellung, die die Räume 36 bis 38 einnimmt, eilt besonders umfangreiches Material anfzuwei'sen. Die Geschichte der rheinischen Juden reicht bis in die Römerzeit zurück; das früheste Zeugnis für ihre Anwesenheit im Rheinland ist eine Urkunde-K o nst a n ti n s des Ersten aus dein Jahre 321 der heute üblichen Zeitrechnung, die in einer Photographie vorliegt. Jener frühesten P eriode gehören auch die Grabsteine an, die teils in Abbildungen, teils ilit Abgüssen und Originalen vertreten sind; die schönsten stammen aus Köln, Speyer und W o r m s. Eine große Anzahl interessanter alter U r k u n d e n, Mit. prächtigen Siegeln versehen, verartschaulicht die mannigfachen Schicksale der rheinischen Juden in den folgenden Jahrhunderten, und zwar in Erlässetr, Privilegien, Schutzbriefen usw. von F ü r ste n u n d g e i ft lichen H erre n rheinischer Städte. Bor allem ist das sogenannte I n d e n s ch r e >i n s b u ch aus dem 14. Jahrhundert zu nennen, ein Verzeichnis des Grnndbesitzes der- Jude n, das ans 'der alten Kölner Laurenzpfarre stammt. Die Reihe solcher Urkunden führt bis ins 17. uttb 16. Jahrhundert, sowohl in Verordnungen für gatize Gemeinden als auch in Schutz- und Geleitbriefen, Konzessionen, .Heiratsurkunden usw. für einzelne Personen. Für die jüdische G eiste s g es ch ichte im Rheinland haben sich verhältnismäßig wenig Zeugnisse erhalten; sie sind teils in den Zeiten der Inden- Verfolgungen vernichtet, teils durch die häufigen Auswanderungen überall verstreut worden. Trotzdem zeigt die Ausstellung eine Menge prächtiger, illustrierter Handschrift e n a ti s d e m 13, u n d 14. Jahr h u n d e r t. _üTicnct Morcken-qertung._ Dr. Seipel gab auch hier wieder seiner Ueberzengnng Ausdruck, daß es in der Politik wie in der Wirtschaft viel mehr, als man gewöhnlich glaubt, auf das Geistige, auf die Erkenntnisse sowohl wie auf die Stimmung in der Bevölkerung ankomme. Er ging sodann auf die Frage des Anschlusses Oesterreichs au Deutschland über und meinte, man werde in Oesterreich nie aufhören, das Anschlußvcrbot in den Verträgen von Versailles und Saint-Gert^ain als eine ungehörige Inkonsequenz zu betrachten. Damit wurde in die genannten Verträge eine Bestimmung aufgenommen, die weder durch wirtschaftliche noch durch nationale Gedanken gerechtfertigt sei, sondern nur auf das Prinzip dev Kräfte abziele. Andererseits aber verurteilte Dr. Seipel eine österreichische Politik der Drohung mit dem Anschluß an Deutschland. Auf die Frage, ob das heutige Oesterreich lebensfähig fei, sagte Dr. Seipel, er wolle diese Frage nicht mit ja ode r nein beantworten, aber bemerken, daß diese Lebensfähigkeit auf Jahrzehnte hinaus eine Aufteilung Oesterreichs verhindern könne. Er glaube, daß die Entwicklung Europas in der Richtung einer kontinentalen Politik gehe, die letzten' Endes die Grenzen entwerfen werde. Es sei von der größten Bedeutung für die Zukunft nicht nur Oesterreichs, sondern auch ganz Europas, daß in Ae europäischen Probleme baldmöglichst Klarheit komme. Die Konsolidierung Europas 'bestehe vielleicht darin, daß man die Dinge, die nicht notwendig zusammengehören, auch nicht für alle Zeiten miteinander verbinde. Je mehr man die Natur zu ihrem Recht kommen lasse, desto mehr Konfliktstoffe werden beseitigt werden. Einstweilen sei jedenfalls der Völkerbund das für die Verwirklichung aller Interessen wichtigste Organ. Dr. Seipel wurde auch über feine Meinung in der Frage der D o n> a u lk o n f ö d e r a t i o n befragt. Hier wollte der Kanzler zunächst feiststellen, daß diese Föderation in Kreisen der Wirtschaft und der Legitimisten abgel e h n t werde. Immerhin könnte stch ergeben, daß man in Oesterreich eines Tages den Vorschlag mache, alle Nachbarstaaten zu einer wirtschaftlichen Annäherung zu bewegen. Schließlich erklärte Doktor Seipel, über das Verhältnis zum tschecho-slowakischen Außenminister B e n esch befragt, daß jede Etappe der Annäherung willkommen, jedoch nur als ein Stück des Weges zum Ziele zu betrachten sei. Wieder ein Todesopfer der ungarische» Genre. Budapest, 9. Juni. (U-ng. Tel.-Kmr.-Bur.) In der Nähe von G ü n s an der Grenze verfolgten die Zollwächter drei Zuckerschmuggler. Da diese der Aufforderung, halt zu machen, nicht Folge leisteten, machten die Zollwächter von der Schußwaffe Gebrauch. Einer der Schmuggler wurde hiebei ge töte t Die beiden anderen sind entkommen. Eine Untevsuchun'gskommission hat festgestellt, daß die Zollwächter zum Wasfengebrauch berechtigt (!) waren. Die Identität des Todesopfers konnte noch nicht festgestellt werden. Morddrohungen der französischen Raiionalisien. Gegen Minister Schrameck. Paris, 9. Juni. (Havas.) Jnfo'lge eines in der ,Metion Fvaucaife" erschienen Artikels Gharles M a u r r a s', in dem der Minister des Innern S ch r a m e ck wegen der B efchlag nähme von Waffen bei -Mitgliedern der Liga „Action Francaise" mit d e m Tode bedroht wird, ist gegen M a u r r a s das g e r i ch t l i ch e B e rfahren eingeleitet worden. die von dem eifrigen Bibelstndinm der rheinischen Juden und -zugleich von ihrem tiefen Verständnis für die gleichzeitige, allgemeine Kunst zeugen. ' Die wundervolle vierbändige rheinrscheMaimon i d e s h a n d s ch r i s t des 14. Jahrhunderts (aus Budapest) kann sich den schönsten gotischen Pergamenten an die Seite stellen. Schwungvolle Initialen, zierliche Illustrationen schmücken sie aus; Helles ^old, leuchtendes Blau und zartes Rosa sind die Gvundtöne der harmonisch zusammenstimmenden Farben. Daneben finden wir besonders schöne Hagadas, die die Geschichte des Auszuges aus Aegypten enthalten, unter ihnen eine mit prächtigen Bildern aus dem Besitz des Urgroßvaters von Heinrich Heine, wahrscheinlich dieselbe, die der Dichter im „Rabbi von Bachara ch" beschreibt. Endlich finden wir noch alte Hagadas in Rollenform Mit hübschen Tuschzeichnungen und Aquarellen ans der Zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Die geschichtliche Literatur dev rheinischen Juderr wird repräsentiert durch die sogenannten M emorbücher; dies waren Synagogen- und Gemeindeerzeugnisse, die aber auch Berichte besonderer Taten und Leistungen einzelner enthalten. Von dem jüdischen Minnesänger S ü ß k i n d b o it T r i m b c r g, aus dem 13. »Jahrhundert, wird ein Bild gezeigt. Dem 16. Jahrhundert gehören mehrere Drucke und Stiche, zum Teil aus der Sammlung des Prof. Kisch, au,, von beiten besonders die Holzschnitte aus Johann P f e f f e r k o r n 's Jugendspiegel interessant sind. Originalhandschriften von H e i nes „Atta Troll" uub „Rabbi von Bacharach" erinnern an den großen Dichter. ^Jm gleichen Raum links ist sodann eine einzigartige Sammlung kostbarer, jüdischer K n l t u s g e r ä t e ans alten, rheinischell Gemeinden aufgestellt. Thoravorhänge und Gebetteppiche aus wertvollell Stoffen, reich 'bestickt und mit Goldbrokat besetzt, schmücken die Wände. 10. Juni 1925 Sekte 8 j|liiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiujn)||| SS AAAAA/Ws 1 Bequeme S wwww IIII11IH Teil- | Zahlungen! i | Erhflltlich nur in Lüden mit diesem Schild | ^tllllllllllllllllllllZentrale: Wien, I. Llebiggasie 5llllinillllllllllllF Set SlcherheitHakt. D«s Junktim mit dem Einttitt DeutschlandA in den Bölkerdund. Paris, 9. Juni. In einer Meldung der Agence Havaaus Genf wird festgestellt, daß die Regierungen von Paris und London darüber einig sind, zu erklären, daß der Sicherheitspa kt erst nach der Zulassung Deutschlands in den Völkerbund in Kraft treten werde. Der Abschluß des Paktes werde für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund nicht als Bedingung gestellt, aber Deutschland wird i n den V ö l k e r b und a u f g c n o m m eit s e i u müssen, ehe der Sicherheitspakt in Kraft trete. Dev Termin des Eintrittes Genf, 9. Juni. (Schw. D.-A.) Da der Eintritt Deutsch» lands in den Völkerbund als Bedingung postuliert wurde, beschäftigt man sich in Genf lebhaft mit der Frage, ob dieser Eintritt noch in der b e v o r st e h e n d c u V ö l k e rb 'tl n d v e r s a m m l n n g i m S e p t e m b e r Tatsache werden wird. Wenn man auch die Möglichkeit ernsthast ins Auge faßt, zweifelt man etwas daran, ob die deutsche Regierung 'sich bis zu diesem Zeitpunkt entschließen werde, ein formelles E i n t r i t t s g e s u ch zu stellen. Man hofft jedoch, daß es in den kommenden Monaten gelingen werde, die Angelegenhleit zur Reife zu bringen. Biel hänge natürlich davon ab, wie die deutsche Regievnng die ihr kürzlich zugegangene Note über die Entwaffnung beantworten und ob sie die darin gestellten Forderungen erfüllen werde. Da die durch die Friedens- Verträge eingegangenen A b r ü st u n g s v e r p f l i ch>- t u n g e n zu den internationalen Verpflichtungen gehören, die Deutschland gemäß dem Friedenvertrag erfüllen müsse, um in den Bölkevbnnd eintreten zu können, sei hier eine Hauptbedingung für die Zulassung zum Völkerbund zu ef' blicken. _ Painleve Ulegt nach Marokko.. Paris, 9. Juni. (Havas.) Im Mvuisterrate teilte Mi« ursterpräsident Painleve mit, da'ß er abends im F l u gz e u g in Begleitung des Unterstaatssekretärs für Luftschiffahrt Laurent E Y u a c nach Marokko a b r c i s e ti 'wird. .!* Der Ministerpräsident ist heute nachmittags un 6 Uhr nach Ma>rcMa abgereist. Der Ministerpräsident benützt bis Toulouse die Eisenbahn und reist von dort in Flugzeug über Barcelona und Malaga nach Fez, tun er mit Marschall Liautey die Lage in Marokko besprechen will. Die Fährt Paris—Fez wird 24 Stunden dauern. Er gedenkt, längstens Dienstag wieder in Par^ zu sein.- Davor prangen in Glasfchränken alle Teile des Thora« schmuckes: Schilder, Bekrönungen, Behänge und Thorazeiger, die schönsten aus Mainz, Worms, Bonn und Heidelberg. Sie sind kunstvoll in Silber und Gold getrieben; besonders schön sind die Stücke aus der Rokokozeit. In einer Nische ist eine vollständig hergerichtete Tafel für den Borabend de's Pessachfeiftes zu scheu. Das m o devne rheinisch-jüdische K u n!stg c w erbe ist durch Metallarbeiten des Frankfurter Kütlstlers Leo Ho ro Witz vertreten. Ein Glanzstück der Abteilung aber ist die herrliche Sammlung von alten jüdischen Trauringen aus dem Besitz des Hofjuweliers Koch aus Frankfurt; auf dunkolvotem Samt erglänzen die seltensten Stücke aus feinstem Goldfiligran, mit bunten Edelsteitien und Emailleeinlagetr verziert. Daneben liegen alte Brautgürtel, silbergetvieben, mit reichgeschmücktetc Schnallen und Spangen. Die jüdische Baukunst im Rheinland wird in zahlreichen Photographien rheinischer Synagogen vevanfchaulicht, die mit der ältesten rheinischen Synagoge in Wornts beginnen und mit dem modernen Prachtbau von Essen a. d. Ruhr enden. Einige Altäre, holM'schnitzte Bänke und Schreine zeigen die Entwicklung der Jnnenbauten. Als Wandfries ist über den Bitrinetl eine Folge von vergrößerten Wiedergaben der Stiche von K i r ch n e r und Picard angebracht, die Szenen aus dem jüdischen Leben 'darstellen. Mehrere Originalporträrs zeigen bevühmte jüdische Männer de's Nheinlauds aller Zeiten. Von jüdisch-rheinischer Malerei 'sind zwei Bilder von Oppenheim von der Mtte des vorigen Jahrhunderts, zu nennen, der Segen des Rabbi und eine jüdische Trauung. Eine Anzahl von PhotograPhietk zeigen Bauten und Einrichtungen jüdischer Wohlfahrtspflege im RtzeiMnd. i-i,!