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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-07 · Heft 2261 (7.6.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2261 (7.6.1925)
Date
1925-06-07
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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WM j M«, Gomcksg Wiener Morae«zettmt«. 7. 1« Me. DU ZOrkhtr Stldcnhsus vereint mit Seidenu. Textil-Export SaWllllltllVI l.« lavsniiNrM Nr. r» Sin Raubmord «ttf der Laodftraße. Im Hause Steingasie Nr. 3 wurde gestern dt« Werkfüchrer-witwe Barbara Mitura, bk dort eine klein« Wohnung mit ihren beiden Söhnen, dem Kellner Adolf und dem Avmenrot Alois Mitura, bewohnte, von ihrer Cousine Joseftne Kaiser ermordet anfgefuechen. Die mutmatzliche Mörderin, die aus dem Burgenlaich stammende Ajährige Hausgehilfin Josefme Haider, befindet sich bereitin Hast. Frau Kaiser sch heut« mittags ein« fremde Frau über den Hof gehen, die einen der Frau Mitura gehörigen Koffer trug. Bald danach kam die Unbekannte ohne Awffer zurück, trat in die Wohnung der Frau Mitura ei« und verlieb sie wieder mir einem Bündel. Frau Kaiser schöpft« Verdacht; sie sah die Fremde noch, die im Vorbeigehen sagte: ,Lch komme gleich wieder," das Haus verlassen und gegen den Rennweg zu gehen. Frau Kaiser trat in die Wohnung ihrer Tousme ein und fand Frau Mitura auf dem Boden inmitten einer großen Blutlache liegend. Das Ktchmeit war in größter Unordnung. Sie lief nun auf die Straße und eilte unter ständigem Rufen: „Rennt'S -er nach!" der Unbekannten nach. Der Ersenhändler Adolf Fried mann verfolgte, so schnell ihr: feine Beine trugen, die Unbekannte bis in da- Hau- Stemgasse Nr. 12, wo sich die Haider in einem Strohschupfen unter den: Stroh versteckt hatte. Friedmann nahm sie mit Hilfe einiger Passanten fest und übergab sie der Wache. Unterdessen hatte fich ettre Polizeikommission am Tatorr eingefunden, sie konnte nur mehr den Tod der Frau Mitura feststellen. Die Unglückliche hat eine gräßliche Wunde mit Zertrümmerung der Schädeldecke vorne an der rechten Stirnseite und an der linken Seite sowieeine zweite gräßliche Hiebwunde am Hinterhaupt erlitten. Das Moödinstrument, eine blutbefleckte Holzhacke, lehnte an der vom Zimmer ins Kabinett führenden Tür. Die Haider leugnete bei ihrer ersten Einvernahme aus dem Kommissariat die Tat und gestand nur, von einer gewissen Anna Wagner, deren Bekanntschaft sie am letzten Sonnt ig im Prater gemacht haben will, dazu gedungen worden zu sein, aus dem Hause Stemgasse drei Pakete abzuholen. Ob diese Anna Wagner wirklich existiert oder nur in der Phantasie der Haider lebt, ist noch nicht festgestellt. Seit drei Tagen hatte man im Hause Steingasse 3 eine Frau bemerkt, die fast vom frühen Morgen big zum späten Abend bei Frau Mitura zu weilen pflegte. Sie schien ein« gute Bekannt« der Frau Mitura zu sein. . Wie später festgestellt wurde, hat die Haider das kleine Koffert mir Wertsachen der Fra« Mitura knapp nach der Tat bei dem gegenüber etablierten Mttchmeier Rißt eingestellt. Das Koffer! enthielt Eßbestecke und Wäsche aus dem Besitz -er Frau Mitura und dazu noch das Flaisch und das Grünzeug, das di« Frau kurz zuvor eingekauft hatte. Weiter wurde ermittelt, daß früher eine andere Frau, die zu der Haider zu gehören scheint, ein Paket weggetragen hat. Cs war in eine Bettdecke der Frau Mitura gehüllt und enthielt außer Federbetten noch Schuhe der Frau Mitura. Auch eine Einkaufstasche mit Habseligkeiten der Frau Mitura haben entweder die Haider allein oder sie mit ihrer Helfershelferin, von der sie spricht, bei dem Anstreichermeister Kalander, Stsmgasse 10, eingestellt. In -er Wohnung der Ermordeten wurden drei weitere Bündel gesunden. Sie enthielten unter anderem die in eine Bettdecke gehüllt« Pendeluhr aus der Wohnung der Frau Mitura. Trotz aller dieser sie schwer belastenden Momente bleibt die Haider dabei, die Tat nicht ausgeführt zu haben, sondern von -er chr bis zum Sonntag unbekannten Frau in die Wohnung bestellt worden zu sein. Ms man die Haider im Kommissariat untersuchte, fand man an ihrem Leib unter den Kleidern gewickelt sin Kinderdeckchen, einen Tischläufer und sann in den Taschen ein Seidentuch und eine Autouhr sowie drei chinasilberne Eßlöffel aus dem Besitz der Mitura. Daß die Haider ». »m Blute gctoatet .laben mich, das aus den Todeswunden der Mitura strömte, bewies eine Untersuchung ihrer Kleider. Der Strumpf am rechten Bein wies Blutspritzcr auf und auf der Fußsohle, zwischen Leder und Bern, war eine dicke Kruste frische» Blutes, ein Zeichen, daß die Haider mitten in der Blutlache gestanden sein muß. Die Haider war schon einmal ivegen KindesinordeS in Untersuchung, tvurdc jedoch nur wegen Grburtsverheimlichung zu einem Monat Arrest verurteilt. Nachts wird uns berichtet: Bei den eingehenden Verhören im Sichecheitsbureau hat die Haider ihre Verantivor-tung zunächst mehrfach gewechselt. Sie gab zuerst an, daß «me Frau namens Wagner mit khr zusammen den Raub bei ive’.; Mitura unternehmen wollte. Sie seien von der Mitura üb'rrascht worden, worauf die fremde Person, die Wagner. d:r Mitura mit der Hacke einen Hieb über die Stirne versetzt haben soll. Tatsache ist, Saß die Haider schon um 10 Uhr vorm^taas gesehen worden ist, als sie die Schärfe der Hacke im Hof« prüft«. Zn später Nachtstunde hat sich nun die Haider, nachdem sie zuerst abermals eine fremde Person als Haupttäterin voryegeben hatte, entschlossen, ein vollkommenes Geständnis abzulegen. Sie ließ die Fiktion von der Mitar-Veil uiio der eigentlichen Täterschaft einer Bekannten gänzlich fallen und gestand, daß sie die Tat ganz allein ansgeführt hat. leecliten Sie untere dleswMinnlticlie* l.f Tu«hlaub«it Nr. Sommer-Angebote! Burettselde in Farben S «.SO Jipan-Seld«, 93 cm breit .84.- Ja Rohwlde.S 4M Ia R ftMld« aest alft. . S 730 300 Farben Crtpa de Chine und Georgette 100 cm breit von «8.- Foultrd, neuert. Denlns S 8.80 Seidenrlps für Mantel . S13.— Die neuerten pariser Mode- Neuheiten in enormer Auswahl. 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Für die Kongreb- PosWartvn ist die Wahl des Sujets voMommen freigegsben Sie war es. die der Frau den Hieb versetzt hat, der sie hinstreckte. Sie hat sie dann in das Zimmer Md ins Kabinett geschleift, nachdem sic ihr vor dem Küchenherd, bei dem sie;usammengesunken, noch „ein paar Schläge" versetzt hat. Dann hat sie alles allein weggetragen, bis sie bei dem vierten Weg entdeckt und verhaftet wurde. Der 14. Nouistenkongreß. Lle Bestimmungen für Kongrebbrsucher. . Das Bureau des 14. Zionistettkongresses übermittelt uns seine erste Mitteilung, der unter anderem zu entnehmen ist: Der 14.' Zionistenkongreß beginnt am 18 August 1626 (28. Aw i'iW, in Wien. Gastkarlcn. Wie anläßlich des 12. und 13. Zionisterrkongresses findet auch zum bevorstehenden 11 Zioinsteuilongreß eine Verteilung der G a st k a r 1 e n durch das Kongreßbureau an einzolue Personen nicht statt. Die Gasttarten werden vielmehr für jedes Land lediglich durch die Zentralen der Landesverbände, bezw. durch die Landesbureaus der Sondervevbände ausgegcbeu. Wer also Gasttarten bestellen will, hat sich unverzüglich mit der in Betracht kommenden Landesorganisation in Verbindung zu setzen. Die Ausgabe von Bestellungen an das Kongreßbureau ist volilkommen zwecklos; sie würden vom Kongreßbureau an die.Zentragen der Landesverbände znrnckverwiesen. Personen, die bereits Bestellungen an das Kongretzbureau zu einem früheren Zeitpunkt gerichtet haben, mögen dieselben umgehend bei den für sie in Betracht kommenden Landes- und Sonderverbänden nochmals einreichen, da ditzs^ibeu sonst. keine^Berücksichtigung finden können. Dopp elbestellungen, d. h. Kartenbestellungen bei zwei oder mehreren LandeSovganisationen, sind unzulässig und ziehen die Streichung der betreffenden Bestellung nach fich. In den Ländern, in denen neben der LandeSovgamsation Sonder« verbände bestehen, haben die Landesorganisationen durch Vergleichung ihrer Bsstellerlisten mit derjenigen der Sonderverbändc für eine Vermeidung von DoppeLbestellungen zn sorgen. Pressekarten. Es wird ausdrücklich daraus hmgswiesen» daß die Abgabe von Pressekarten im Hinblick aus die beschränkten räumlichen Bechältnisis des KongreßfaabeS nur in begrenzter Anzahl und im Einvernehmen mit den Landes- und Sonderverbanden erfolgen kann. Jedenfalls können nur die wichtigsten jüdischen und nicht-jüdischen Zeitungen berücksichtigt werden. Gesuche um Zuweisung von Journalistenkarten haben nur dann Aussicht aus Berücksichtigung, wenn ihnen ein« Erklärung der Redaktion beigefügt ist, woraus hervorgoht, daß die Redaktion den betreffenden Herrn, und zwar ausschließlich diesen, mit der Berichterstattung über den Kongreß betraut. Diejenigen Redakteure, Vertreter und Korrespondenten wichtiger jüdffcher und nichtjüdischer Zeitungen, die sich ohne Beifügung einer solchen offiziellen Bescheinigung nrit der Bitte nm Ueberlassnng von Journalistenkarten an daS Kongreßbureau gewendet haben, werden dringend ersucht, sofort nachträglich eine solche Bescheinigung einzusenden, da ansonsten Ähr Ansuchen unberücksichtigt bleiben müßte. Das jkongreßbureau wird sodatln anfangs Juli denjenigen, die im Sinne obiger Ausführungen um eine Pressekarte angesucht haben, Mitteilen, ob sie eine solche erhalten. Lloyd Triestino / Triest w«>—18—8^—inennarm nnn ii——aiwea Ej R«8«lm88i8*r FusSBler» und Warendlenat von TRIE8T nach Hermen. Türkei Dalmatien, Qrlaahonland, Syrien, den SetHwarxan* Moer•Häfen, Indian und dom fornon Oaton Ocneralagentur: Wien, I. Kärntner ring 6 Re fehlende Arbeitsvermittlung. Wenn man das ganze Jahr hindurch die ArbettSvermltt» lungssbclle schmerzlich vevmi'ßt, beim Anbruch des Sommers wird dieser Mangel zu einer Beschämung, deren Dual sich täglich erneut. Denn jetzt beginnt sozusagen die Saison morte des Mitgefühls, die Jahreszeit, in der man von angenehmeren Dingen sprechen will als vom Hunger der Blinden und Kranken und in der das Elend eigentlich nicht zeitgemäß ist. Menschen, die man aufsucht, um von ihnen für irgend einen Bc^ dürftigen Geld zu bekommen, sind von der Frage, ob sie zuerst nach Gastein und dann nach Biarritz gehen sollen oder ob nicht die Dolomiten der Schweiz vorzuzieheit wären, derartig in Anspruch genommen, daß man es feübft als Gemütsroheit empfindet, ihren anziehenden Godankengang mit der Schilderung eines Elendsfalles zu underbrechen. Dann kehrt man mit leeren Händen nach Hanse zurück und traut sich kaum, den Hi-lfesuchenden wieder zu begegnen. Denn wenn man früher immer noch sagen konnte: „Such' dir eine Arbeit; wenn du den redlichen Willen hast, so wird sich dir auck) etwas bieten", so kann nran als ehrlicher Mensch jetzt eigentlich nur sagen: „Kleide dich ita Lumpen und geh' betteln!" Wie schwer «s aber ist, Menschen diesen Rat zu geben, die voll .Hoffnung und Vertrauen um Hilfe kommen, davon macht sich wohl memcmd eine Vorstellung, der es nicht miterlebt hat. Da sind vor allem die sogenannten „Mittelständler". Sie habe» immer noch ihre Lage nicht voll erfaßt und sind imnver von neuem in ihren Vorstellungen um ein paar Jahre zurück. Ge genwärtig halten sie etwa bei ISA) — der Zeit der großen Mit-- telstandsaktionen, der fieberhaften Jumperstrickerei, der Erholungsheime. Damen kommen und teilen mit, sie hättet: sich „entschlossen", Näh- oder Stickarbeit zu übernehmen, da ja „Arbeit doch keine Schande" sei. So richtig diese Erkenntnis ist, so löblich der Entschluß, es bleibt nichts übrig als eine Absaige in mildester Form. Da kommt eine Frau, die einen gelähmten Mann, zu Haust liegen hat, der junge Lungenkranke, aus der Heilstätte geradewegs in den Hunger entlassen, «in« Mutter von zwei jungen Studenten. Jahrelang hat die ganze Familie gc darbt, um den beiden begabten Söhnen ein Hochschulstudium zu ermöglichen. Jetzt, da sie vor den letzten Prüfungen steheit, ist der Vater ,^rbgebaut" worden und die Mutter will zu ihrer HauSarbc.it noch irgend eine Heimarbeit übernehmen. Was sich versetzen ließ, fft versetzt worden, nun nmß aus andere Weise Rat geschafft werden. ,^Jch Hab' mir gedacht", sagt sie mit ktampfhafter Forschheit, „wirst oben Heimarboiteri»». Oder Km derfräulein. Oder was sich sonst bietet." Es ist wicht leicht, der tapferen Frau klar zu machen, daß sich gar nichts bietet. Auch bei dem alten Reisenden ist das nicht so einfach. Ein Unfall hal chm die Ausübung seines Berufes unmöglich yemacht, der Sohn, der ihn erhielt, war Beamter einer „Krach-Bank". Aus Krücken schleppt sich der alte Mann heraus, breitet seine Zeug nisst aus und bittet mi>t ausgehobenen Händen: Arbeit. Er will Adresien schreiben, «r will Dtarken auskleben trotz seiner Mittelschulbildung, er will Geschäftsbücher führen oder Drucksovtcn zählen — ganz gleichgültig. Nur der Hölle der Untätigkeit will er entrinnen. Man muß ihn achstlzuckend wvgschicken. Ist man mitleidig, so weist man ihn an keinen anderen Fürsorger Denn der kann ihm schließlich auch nur mit demselben Achsel« zucken und denselben Redensarten antworten. Und di« gewinnen wahrhaftig nicht durch die Wiederholung. Dabei wäre der Versuch einer Arbettsvermittlung, ins« ^sondere für Frauen, keineswegs von vornherein aussichtslos. Gerade weil die Allgemeinverhältnisse ungünstig sind und die Frauen der Mittelschichten vielfach gezwungen sind, die Haus arbvit ohne ständige Hilfskraft oder doch mit unzulänglicher Hilfe zu besorgen, gerade dadurch lväre so manche Arbeitsmöglichkeit für willige Hände gegeben. Zum besten Beweis find die sogenannten „Heimschwestzern" twtz verhältnißmätztg hoher An prüche sehr gesucht. Jüdische Heinffchwestern, die bescheidener in ihre» Forderungen und dabei bereit wären, sich den beson deren Bedingungen des jüdischen Hauses anzupasstn, könnten ichcrlich auf ausreichende Beschäftigrmg rechnen. Es ergibt sich ja oft genug die Notwendigkeit, während kürzerer oder längerer Zeit für die Hausfrau eine Vertreterin suchen zu müssen — ein Wochenbett, das im Entbindungsheim abgchalten wird, eine Krankheit, dile Spitalsbchandlnng erfordert, eine dringende Reise. In all diesen Fällen bricht im Kleinhaushalt eine Panik aus. Sie könnte vermieden werden, wenn man die Möglichkeit 'hätte, eine verläßliche, erfahrene und bereitwillige Hilfskraft nach Nottvendigkeit für Stunden. Halb- oder Ganztage zu cn gagieren, die die HauSfrauenarbeit besorgt und schon durch ihre Anwesenheit 'dem „großen Kladderadatsch" vorbewgt. Aber es gibt noch andere Arbeit. Da nmß Wäsche gestickt, Strümpfe gestopft, Kinderkle-idchen genäht werden. Früher besorgte das -öe Hausfrau mit ihver Hausgehilfin, vielleicht mit einer einfachen Hausuäherin. Jetzt würde die Vielgeplagte gerne dve zottrau ben-e Arbeit abgeben, wenn die Preist nicht gar zu hoch wären und — wenn nicht di« lästige Notwendigkeit des Aussii'^

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