Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2261 (7.6.1925)
- Date
- 1925-06-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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IÜm SRI« 5ÄSUH «CWvll^ WVllluOy Wiener Mornenchettunq L Juni 1925 UND VERGKÖSSERUNG MÜSSEN Will ÖEN GESAMTEN 1.STOCK UNSEHESHAUSES ^e KAU MEN UM DIE BAULICHEN ^VeWG VERÄNDERUNGEN VÖK ^i dH UM TM ,..............^NEHMEN KU DER ^_ DRINGLICHKEIT* HALBER SIOSSEN m m UJAHRS-um WIR DIESE WOCffSOMMERWARENZD WEMOWBILLIöEN PREISEN AB smtNmsomm IHHUWHtNMtllHU tlMDKLEIDEKfÄoo« Tutrrc STOff KLEIDE Hs KEJNSCHAFVOU.E QOVEMDATSCHOTTEN* I TS mriWTtl'MHSCHAE IMUL. NEUE MODELLE \MK,EWME* MmMRjOHSMENKlEIDEL ' tuniNtuiouL,iiutHwrK%niuiuoau/iotN HOHpitti l-l SCH. (mm. schA® I sailS&i sch.iö. CREPE DE CH INE ono WWEISSE (GLE! DE flf KLEIDE ft MODELLEX CREPE GEORimUllömAmMFWpUC, CREPE DE 1 p* ElSFR/lktCJNAIf HimJmHOttHEmnmiiMtwMBADEKaMfL 1 rAmttcutuvNALE iSCH. SS. 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Zu Begnm der Verhandlung teilte der Vorsitzende, Hofrat Dr. Hotter, mit, daß von den als Zeugen einzuvevnchntenden MbnPerialbeaarrten Soktvonsrat Wald statten vom Bundeskanzleramt seiner Amtsverfchwiegenhoitspflicht enthoben worden sei. Betzüglkich der anderen beamteten Zeugen werde er sich an die beiden zuständigen Ministerien tuenden. lRrneraldirMor Neuhöfer gab zunächst eine Schilderung seines Lebenslaufes. Mit der MetallMn-A.-G. sei er durch den Kommerzialrat H o l z m a n n von den ZePPclinWevken in Verbindung getreten. Am 22. Juli 1933 habe er von Sklarz ans Berlin einen Brief echalltcn, worin er ihm von bcu Verhandlungen wegen Uebornaihme der Wöllersdorfer Werke Mitteilung machte und ihm dort einen WirkungMoois anbot. Er habe dann die Wöllersdorfer Werke besichtigt und SMapz berichtet, daß .dort dieselbe Mißwirtschaft wie in den staatlichen Betrieben Deutschlands herrscht. Es lvaren zu viel Beamte da. Sttarz habe daraus de - merkt, er wevde mit den betrossenden Herren, des Ministeriums sprechen und für einen Abbau sovgen. Nouböfer gab ferner an, daß die Wöllersdorfer A.-G. bei de-r Errichtung der Gesellschaft 36 Milliarden Schu'lden hatte. ,/Schon in den ersten Wochen kam ich," sagte er, ,^ur Ueberzenguug, daß auf Grund des abgeschlossenen Vertrages eine Industrialisierung Wollersdorfs nicht möglich sei. Ich vevstäudigt>c schon am 31. August 1928 den Handelsminister Dr. S ch ü r ff von der Unmöglichkeit, diese n Vertrag c iu zu halten. Der Herr Minister antwortete mir, er wolle nur haben, daß die Schlote rauchen. Ich habe auch Herrn Gklanz gebeten, in ichmeinesP ost c n s zu entheben. In der folgenden BeriwaltungsratAsitznug am 6. September 1923 wunde mir m.itgoteU. ich könne beruhigt sein, der Bund habe das größte Interesse daran. Wollersdorf zu nouom Leben zu erwecken. Ich wurde beaniftragt, mit den in Frage komanenden Industriellen weiter zu verhandeln. Ich könne auch unter die 40 Prozent gehen. Daraufhin begann ich neuerüch ernstliche Verhandlungen." Der Angeklagte besprach nun ausjübrlich das Gründnugs- Projekt einer Dank, wodurch die ImdustriMsierung und Flottmachung der Wöllersdorfer Betriebe evnröglichr werden sollte. — Bors.: Das wäre doch immerhin ein Risiko des Bundes gewesen? — Auge kl.: Wir haben angenommen, daß die Industrie florieren werde. — Vors.: Tos wäre wohl die Bor- .cmÄsetzuing gewesen? — Ange-kl.: Ja, ein Kaufmann muß eben immer ein Optimist sein. Jedenfalls hätte der Bund kamt' auf die Tochtergesellschaften Maßen Einfluß nehmen können. — Angekl.: Ich konrme nun zu den Aktiven und Passiven. Ich halbe nach der mir vorgelegten Liste die MateviaGvstände geprüft und bim zu einem e rschreckenden Ergebnis gekommen. Anstatt 165 Mil- 'liardeit an Sachwerten halbe ich höchstens 50 Milliarden vorge-- funden. Verstehen Sie wohl, meine Herren, meinen Schrecken, -als ich Ende September zu dieser UeiberHeirguuig kam und sah, daß die Werte im Betrage von 500 Milliarden, die wir zu bekommen gchalbt hätten, ans rund 50 bis 56 M i l l i a r d e n gufammengeschmolzen waren. Ich -habe damals sofort Sektionschef Hillinger davon ve-vstäMgt. Er hat .mir darauf geantwovtot, es sei dies teNveife bei Abschluß der Verträge bekannt gewesen, teillwciise lvar cs in Besprechung mit Geheimrat Pochwadt vor unserer Zeit bükanntgeigeben tvorden. Ich wußte es jeden>jialls nicht. Hillinger hat schließlich erklärt, er werde die Sache prüfen imd uns entgegenkommend Tatsache ist, daß die Listen, die die Voraussetzung für den Abschluß des Vertrages wa-ren, falsch ivoren. Im ganzen sind seit dom Umsturz bis zum Juni 1922 Waren im Werte von 408 Milliarden Kronen von den staatlichen Jndnstriewerken verkauft worden. Unter den: Nachfolbgerogvme der A. E. G. wurden Bestände von rund 80 Milliarden vevkawst. Ueberdies hat die A. E. G. vom Staat einen Zuschuß von zelhn Milliarden erhalten und hat außerdem 90 Milliarden Schulden h i n t c r l a s s e u, so daß wir für die Zeit chrer Arbeitsporivde zu «iura« Abgang von 120 Milliarden kommen. Ich habe mir redliche M}e gegelben, aus Wöllersdovs zu retten, was zu retten -ist. Aber das Unglück war, daß wir nicht -da-ran rütteln konnten, was vor unlserom Eintritt vertraglich zugchagt war. Schon vor mtseronr Re-ginre sind Waren im Werte von einer halben Billion weggekommen. Ich lverde boweisen, daß diese Waren nicht mehr vochaurden wahren, als wir pintrafen. — Vors.: Aber die Werte, die tatsächlich verkauft wurdell, uvußten doch dagchoeseu sein, — A ngekl.: Güwiß, aber ich behaupte, daß auch diose Worte viel günstiger hätten vevkauist worden können, wenn nicht die alten Verpflichtn-ngen bostandell halten. In der Oesifentlichkeit wird uns iinnrer vorgetvorsen, wir wollten gar nicht industrialisieren, sondern nur forltra-geir. Ich halte es für meine Pflicht iuit Interesse meiner galizen Zlikunist hier zu beweisen, daß ich die Jndnstrialisrerung als die einzige Mögllichkeit für Wöllersdorf änsche. Damit wurde das allgemeine Verhör beendet. UWELIER MORIZ OESTERREICHER I» WIpplInginlraB« 29 Sltler Eingang besonders preiswerter Juwelen und Silbenuaren , Morgen Montag um 9 Uhr ^or'nnttags findet im Landesgericht 2, Hernalsergürtel Nr. 6 (Verhändlungssaal 4) nnker Vorsitz des Vizepräsidenten Hofratcs Dr. Biziste die Verhandlung über die Berufung unseres vewntwortlichen SchrMerters Jakob Krausz gegen das bekannte Urteil des Strafbezirksgerichtes 1 statt, womit er wegen Beleidigung des Lande'sgerichtes 1, begangen durch die Aufsätze unsres Blattes: über „D a s deutsch-arische Panama" zu einer Geldstrafe im Betrage von zehn Schilling verurteilt 'wurde. Dieser Prozeß, in welchem Gemeinderat Dr. Leopold P lascht es unserem Schriftleiter als Verteidiger zur Seite steht, wird Um so größeres Interesse erregen, als er die gegenwärtig viel erörterten Fragen der Bestellung des Jng.^ Oskar Roth zum S a ch v e r st ä n d i g e n i n d e r W ö l l e r sdorfer Angelegenheit und das Verhältnis dieses Sachverständigen zur Gefia behandelt. Bekanntlich wurde in der angeklagtcn Artikelserie die Tatsache, daß Ing. Roth 'das Amt eines Sachverständigen übernonmien hat, als ein „SachvevständigenlskanM") „Ri-esenskandal" usw. bezeichnet. Wir werden -über Verlauf und Ausgang dieses Prozesses -berichten. Die Gemeinde kaust Hduser gegen Leibrenten. Der Gememderat hat in der letzten Sitzung ohne Debatte einen Beschluß gefaßt, der von weittragender Bedentung ist. Zum ersten Male kaufte die Gemeinde Wien ein Haus in der Form, daß lebenslängliche Leibrenten de»l G e g e il w e r t bilden. Es handelt sich \m ein Gebäude i>m drittelt Bezirk, das drei Frauen gehörte. Eine dieser Frauen, die in Ungarn lebt, zog die Barauszahlung des auf sie entfallenden Drittels von 11673 Schilling vor. Die beidell allderen Franell beanspruchten eine Rente bis zum Lebeltserlde. Bort diesen beidell Frauen ist die eine 62, die andere 55 Jahre alt. Für die erstere ergibt sich eine Leibrente von jährlich l813 Schilling 4 0 Gros ch e n, für die ji'ulgere Frail, el>tsprechend der voraussichtlich längeren Dau?r des Reutenbeznges, ein Betrag voir 15 93 Schilling 90 Gr o s ch e u. Die Allszahl-tilg der Rentell erfolgt vierteljährlich im voraus. In den Abinachnllgetl ist eine Klausel eilthalten, nacf) der der Schilling mit der Goldkrone in Relation gebracht wird. Bei jeder Berällderllng hu Goldwert des Schillings erfolgt antolnatisch die Allpassurrg des Reu-teubczuges. Das iu Betracht kommende Haus har einen Fri«edonswcrt von ruub 267.000 Goldkronen. Die hypothekarische Belastung betrug 142.138 Goldkronen. SBanmttg an jüdische Auswanderer ans Polen. Die Wiener Israelitische Kültusge-meinde überm-itteit rrns folgenden Aufruf: Trotz wiederholter ernster und eindringlicher Wmuullgen nehmen jüdische Allswanderer aus Polen ihren Weg noch innner in großer Zahl über Wien, in der irrigen Meinung, hier leichter Auslvandeverzertrfikate zu erhalten als in ihrer Heimat, obzwar auch das hiesige Palästinaamt außerstande ist, diesen Zureifendeu solche Einwailderrlngszertifikate zu beschaffen. Diese Durchwanderer bleiben hier oft in der trostlosesten Lage stecken, sirld den größten Widervärtigkeiten ausgefetzt und weder die Kultüsgemeinde noch irgend eine andere Organisation sind imstande, ihnen in irgend einer Form behilflich zu sein. Sie erreichen durch ihren sinnlosen Zuzug nach Wien bloß, daß sie hier-Hals Arbeits- und Unterstandslose die Behörden beschäftigen und die ohnehin ungünstige Situation der Wiener Inden verschlechtern. Es ergeht daher nochmals an die geehrten Redaktionen der jüdischen Blätter und an die jüdischen Gemeinden nu-d Organisationen in Polen die allevernsteste Mahnung und Bitte, mit allerr Mitteln dahin zu wirken, daß AltSwanderer, die nicfjt schon von Haus aus im Besitz von Zertifikaten sind, unter allen Nrnständen den Weg über Wien m e i d e n mögelt, da ihrer hier nur die bitterste Ellttäuschung und großes Elend harrt, insbesondere sie die sofortige Ausweisung gewärtiger! müssen, gegen welche rveder die Kultusgenleinde noch andere jüdische Körperschaften ihnen Schutz zu bieten vermögen, da bei der herrschenden Arbeitslosigkeit die Behörden eine Steigerung der Zahl der 'Arbeitslosen zu verhindern bestrebt sein müssen. * Reue Straßennamen. Durch die Errichtung einiger, dreubanten jiub in Währung neue Straßen erschlossen worden. Die von der Geyergasse zllr Dürrwaringgasse in Gersthof fnhrellde Straße erhielt den Namen Spitzergasse nach dem Satiriker Daniel Spitzer, die Verbindung Mischen Schafberggasse und Bttchleilengasse wurde Hawelgasse, nach deiil tut Jahre 1923 verstorbenen Schriftsteller Rudolf Halvel beuanllt und die vom Eirde der Hawelgasse abzweigende Gasse erhielt den dkomen K a l b e ck g a s s e nach dem Musrkgelehrteu Max Kal deck. * Zionistisches Lokalkomitee. Dienstag Len 9. d., 8 Uhr abends, Sitzung.