Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2260 (6.6.1925)
- Date
- 1925-06-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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M. 2200_Men, SamSkag «n den Grabstein, verharrt eine Weile in dieser Stellung und legt dann einen Stein auf das schlichte Denkmal. Die Gräber Vleiben sonst unberührt; die ältesten Seine sind fast vier Jahrhunderte alt. , In der Tscharschiwa, dem ungemein originellen Geschäfts- und Handwerkerviertel der morgenländischen Städte, fitzen meist ziemlich viele Spaniolen als Händler verschiedener Gattung und auch als Handwerker. Oft konnte man Flickschuster, Klempner und Kurzwarenhändler mit der zufriedensten Miene der Welt in großen Kisten hocken sehen. Ja, auf einer solchen Kiste, in der zwei Lokale durch einige Bretter von einander geschieden waren, saß ein spaniolischer Flickschuster und arbeitete flink darauf los, während auf dem übriggebliebcnen Oberteil der Kiste die Waren eines Töpfers ausgestellt waren und in einem Winkel des Töpferladens ein Kaffedschia (Kaffesieder) etabliert war. Und alle diese Leute vertrugen sich großartig, nie gab es Streit, obwohl sie keine Ahnung von KomnmttiSmus hatten. Spaniolen waren früher auch die Apotheker, eigentlich nur Drogisten; heute noch gibt es in der Tscharschija zwei solche handtellengroße Du'schams (Läden), m denen sich der — nie geprüfte! — Herr Magister kaum rühren kann. Seine Ware ist freilich fast nur für die bosnischen Bauern bestimmt. Biele Spaniolen sind während der österreichischen Besetzung Bosniens sehr reich geworden, haben sich schöne Prachtbauten errichtet — und die Tschifut-Hana geht ihrem Verfall entgegen. Im Familienleben wird das vierte Gebot gewissenhaft beobachtet. Im Verkehr der Bekannten untereinander ist man sehr höflich. Aeldere Männer werden mit „Sensor", Jünglinge mit „Bachur" angefprochen. Mit den Behörden vertrugen sich die Spaniolen sederzei't gut und unter den Verbrechern ist ihr Prozentsatz der kleinste. Dasselbe gilt von den unehelichen Geburten. Von den Türken hatten die Juden nie zu leiden; ja, als einmal ein despotischer Statthalter eine Anzahl einkerkern ließ, ohne daß sie etwas verbrochen hatten, rotteten sich die Türken zusammen und befreiten die Gefangenen. Eine Hauptaufgabe der Juden war die jedesmalige Instandsetzung der für durchreisende Würdenträger beveitgehaltenen, aber leeren Wohnungen. Von den spcmiolischen Gelehrten war der „C h a ch a m Z e w i" wohl der bedeutendste. Er stammte aus Öfen in Ungarn, wohin viele Spaniolen mit der Osmaneninvasion gekommen waren; er wanderte nach Eroberung der Stadt durch die Kaiserlichen nach Sarajevo und von dort nach Amsterdam, wo er vor allen: gegen den berüchtigten kabbalistischen Abenteurer Nechemija Chia Chajon, einen in Sarajevo um 1660 geborenen Spaniolen, auftrat. Dieser reiste als kleiner Knäbe nach Palästina, lernte dort Talmud und kam mit 18 Jahren in seinen Geburtsort zurück. Doch hatte er bei den spaniolifchen Kultusgememden kein Glück, da er für einen Schwindler und Abtrünnigen erklärt wurde. Ec wandte sich daher nach großen Städten, soll angeblich auch von Kaiser Karl dom Fünften empfangen worden sein, und veröffentlichte in Berlin zwei kabbalistischtbeosophische Schriften. „Der Schild", Zionistisches Eonleurstudententum. Bon S. H. Rauchwerger. So erfreulich es ist, daß sich die jüdische Oeffentlichkeit mit dem Problem des zionistischen Couleurstudententums zu befassen beginnt, so bedauerlich ist es, daß von allen Fragen, die für das Wesen und die Existenz dieser zionistischen Organisationen von Bedeutung sind, gerade die ziemlich nebensächliche der Aeußerlichkeiten ins Zentrum der Diskussion gestellt wurde. Man kann über diese Frage gewiß verschiedener Meinung sein, das Farbentragen als zum äußeren Betriebe der Korporation gehörig betrachten oder als unjüdische Assimi- 'lationserscheinung ablehnen, von ausschlaggebender Bedeutung für die jüdischen Verbindungen kann diese Frage nicht sein. Ich selbst teile zwar durchaus die von Herrn Dr. Ehrlich vertretene Ansicht, daß die deutsche Burschenschaft im Tempel und 'in den jüdischen Versammlungen deplaciert ist, lehne aber die Konklusion, daß die Aeußerlichkeiten, die das jüdische Couleurstudententmn begleiten, ernste zionistische Arbeit vechindern, ganz entschieden ab. Diese Relation zweier einander durchaus' nicht ausschließender Dinge wird von Couleurgegnevn gerne geschaffen, ist aber nichtsdestoweniger falsch. ' Die Frage des Favbentragens kann nur, wie Herr Hecht in der „Wiener Morgenzeitung" richtig ausgeführt hat, historisch gewertet werden. Als die ersten jüdischen Studenten vor 10 Jahren ihr nationales Bewußtsein fanden, übernahmen sie von der deutschen Studentenschaft die ausgezeichnete Organisationsform der Verbindung und damit auch das Farbentragen. Dies ist um so erklärlicher, als es damals doch das Abzeichen des idealen, für die Freiheit und Zukunft seines Volkes kämpfenden deutschen Burschen war. Solange die jüdischen Verbindungen das Farbenrecht aus der Aula hatten, war es auch ein ausgezeichnetes Werbemittel und schon als solches zu rechtfertigen. Seither haben aber die Verhältnisse eine völlige Aenderung erfahren. Die deutschen Studenten, die heute Farben tragen, stehen im reaktionären, antisemitischen Lager, sind Hakenkreuzler und haben durch ihre „Aktionen" und ihr Gehaben die Farben in den Augen der ganzen Welt herabgesetzt und entwürdigt. Ist e8 da noch opportun, an einem an sich vollkSfremden und jetzt in den Kot gezerrten Brauche festzuhalten? Auch das andere Argument gilt heute nicht mchr. Seit die jüdischen Verbindungen ans den Hochschulen entrechtet und ihrer Farben entkleidet wurden, hat diese Tracht anfgchört, ein wirksames Werbemittel zu sein. Einen Beweis hierfür liefert die Tatsache, daß sämtliche sarbentragenden jüdischen Korporationen unter katastrophalem Nachwuchsmangel leiden. Wenn auch die Ursachen für das Fernbleiben entsprechender Mitglieder auf einem anderen Gebiete liegen, konnte doch daö Favbenrragen diese Sorge zumindest nicht vechindern. Damit sind wir bei der viel wichtigeren Frage des Nachwuchses angelangt. Da ist die Situation folgende: Wiener Moraenzeilunfl. y. $um IUBS> wmt Die Wiener zionistischen Verbindungen haben die Krise, in die sie durch den Zusammenbruch Oesterreichs mit allen Folgen, der materiellen Not der Derufsstellung und der Vei> schlechterung der Hochschulüerhältnisse gekommen sind, zum Teil bereits überwunden. Das bezeugt die gesteigerte Regsamkeit auf allen Gebieten des jüdischen Lebens, z. B. die intensive Mitarbeit am Keren-Hajessod-Drive, an der Büchersammlung für unsere hebräische Universität, au der imposanten Feier im Konzerthauö, der eigene glänzende Kommers anläßlich der Universitätseröffnung, ihre Mitarbeit im Welt- Vevbande jüdischer Studenten und in der ,^'udäa", die Vorarbeiten für den Weltverband zionistischer Studenten, die ausgezeichnete Nationalfondsveranstaltung der „Makkabäa", die Erfolge der ,Adria" in der Jugend- und Sportbewegung, das großangelegte Stiftungsfest der „Unitas", das der jüdischen Mensa einen namhaften Betrag einbrachte, die Beteiligung mehrerer Verbindungen an der aktivkstisch-revisionistischen Bewegung und vieles andere. Die Fülle geleisteter Arbeit wurde von einer sehr geringen Zahl zionistischer Couleurstudenten erzielt, die damit eine außerordentliche Belastungsprobe glänzend bestanden haben. Auf die Dauer aber können die Verbindungen wirklich ersprießliche Arbeit nur dann leisten, wenn die Sorge um den Nachwuchs wegfällt und sie wieder so stark wie in der Vorkriegszeit werden. Nun hat aber der Zuwachs brauchbarer Mitglieder in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen nachgelassen. So hat der Zerfall der Monarchie zur Folge, daß Nichtwiener, die in der Vorkriegszeit den. Grundstock der Verbindungen bildeten, die Wiener Hochschulen nicht mehr in genügender Anzahl besuchen. Ferner hat die Revolution viele Studenten in die Reihen der sozialdemokratischen Partei gezogen. Aber auch die Entwicklung und die Erfolge des Zionismus halben Veränderungen hervorgerufen, die der studentischen Bewegung, soferne sie keine Umstellung vornahm, nicht förderlich waren. Die Jmnttgrationsmöglichkeit in Palästina und der ungeheure Geldbedarf der Kolonisation haben naturgemäß den Chaluz und andererseits das geldgebende Bürgertum in den Vordergrund des öffentlichen Interesses gestellt, während die Verbindungen als Träger ideeller und moralischer Werte vorderhand an Interesse verlieren mußten. Wollen nun die Wiener Korporationen darangehen, sich entsprechenden Nachwuchs zu sichern, müssen sie sich den geänderten Verhältnissen anpassen und vor allem eine Unrstellung vornehmen, die dein Wiener Boden Rechnung trägt. Als erster Schritt wäre eine stärkere Beteiligung an den Arbeiten der Bezirksseklionen notwendig. Es wäre dies eine Aufgabe für die Alten Herren, die' bedauerlicherweise in verhältnismäßig nur geringer Zahl Beitritt zu den lokalen Organisationen suchen. Als eine Notwendigkeit von ausschlaggebender Bedeutung erscheint mir ferner eine stärkere Verbundenheit mit der Wiener Jugendbewegung. Wäre diese gegeben, so könnten die in Wien studierenden 6000 jüdischen.Mittelschüler, von denen nur ein lächerlich geringfügiger Bruchteil zionistisch organisiert ist, ein unerschöpfliches Reservoir für die Verbindungen bilden. Spricht man im Einzelfalle mit einem jüngeren Studenten, um ihn zum Eintritt in eine Korporation zu bestimmen, natürlich nicht mit einem aus der großen Zahl der Mitteilungen nur dem Publikum. Wlader au haben! Orlg.franz.ZlgarellGnpapler JOB Bureau: U/Isn, «III. Skodagasse 18/2 inst* kn Froh n leiten "" SOS Graz Billige Pauschalpreise l Chefarzt Dr. S. Walas SCHUFBERG-8AD Wiens schönstes Licht-Luft-Bad » 360 m Höhe Schwimmbassin Spiel- und Sportplätze Linie E„ und 13 der städt Strassenbahn 1025 WOHNUNG mit Wanzen wird erst wohnbar, wenn si' mit SALFORKOSE einzig radikale UngeziekervertiUnng. de,inst,irrt ist. Binnen sech. Stunden auch m möblierten Wovnungen ohne Sachbelchüdigung Vollständige Ausrottung samt Brntl SW I. 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Denn gerade durch die Tendenz, durch strengste Auslese und ebensolche Erziehung, durch den Zwang, nicht bloß Worte zu machen, zu debattieren und zu diskutieren, sondern hinter jedeS Wort die Tat zu stellen und für Wort und Tat in gleicher Weise stets bis zur letzten Konsequenz einzu stehen, gerade dadurch erzielt die Verbindung die Heranziehung eines Elitejudentums, welches wir heute sowohl in Erez Israel, wo das allerbeste Material gerade gut genug ist, als' auch im Galuth notwendiger denn je brauchen. Da diese Tendenz von dom geistigen Inhalt der Verbindung nicht loSznlösen ist, muß auf jene jüdischen Hochschüler, die sich daran stoßen, eben verzichtet werden. Anders steht es mit dem Vorwurf des „nicht mehr Zeit« gemäßen". Dieser gilt wohl den bereits besprochenen Aeußerlichkevten der Verbindung: dem Farbentragen und ähnlichem. Diese Frage, die ich als nicht unbedingt zum Wesen der Verbindung gehörig betrachte, wird weit überschätzt. Ich bin davon überzeugt, daß eS einem geistig hochstehenden Nachwuchs in sehr kurzer- Zeit gelingen müßte, wirklich Ueberlebtes abzustreifen und die neue Form einer jüdischen studentischen Gemeinschaft aufzuibauen. Er dürfte unbedingt mit dem vollen Verständnis und der Unterstützung der Alten Herreit rechnen. Allerdings müßte auch eine zionistische Jugend, die Sinn für die Forderungen hat, die die derzeitige Situation des Zionismus an sie stellt, den Weg in die Korporation aus eigenem suchen. Denn gerade jetzt, wo unsere Führer durch teu ungeheuren Kapitalbedarf Palästinas gezwungen sind, nichtzionistischen Gruppen Konzessionen p machen und Rechte der zionisti schen Partei der Jewish Agency zu überantworten, erwächst den -jüdischen Verbindungen, die das Recht der Jugend, keine Koni promisse zu kennen, zu ihrem Prinzip gemacht haben, auss neue ihre traditionelle Aufgabe, die radikalsten Verfechter der zionistischen Idee zu sein. Es zeugt für das hohe Verständnis einiger Verbindungen für diese Aufgabe, daß sie sich restlos zum AktiviSmuS Jabotinskys bekannt haben, der heute das konsequenteste Bekenntnis zum Judenstaatsprogramm Herzl's darstellt. Eine zionistische Studentenschaft, die ihre Pflicht, Hüter und Rückgrat eines unverwässerten Zionismus zu sein, erkennt, darf sich nicht durch Aeußerlichkeiten beirren lassen und sollte ihr Arbeitsfeld dort suchen, wo sich die Ideen Herzelr am reinsten erhalten haben: in den Verbindungen. Wien, 6. Juni. * Der Ehikaqoer Philanthrop A. G. Becker gestorben, Dieser Tage verstarb in Chikago, wie I. T. A. berichtet, der bekannte jüdische Finanzmann und Philanthrop A. G. B e ck e r. Der Verstorbene wanderte 1666 aus Polen ein und begann seine Laufbahn in Chicago als Laufbursche der Deutschen Nationalbank. 1874 begründete er schon selbst eine Bank und ward bald daraus leitender Direktor einer Anzahl großer Industriefirmen, wie Wostinghouse Electric, Manufacturing Company, Saint-Louis- und ^n-Francisoo^Efferlbahngesellschaft. Becker war Mitglied de§ Amerikanisch-jüdischen Komitees. Direktor einer Anzahl jüdischer charijativer Institute und spendete bei jeder Gelegenheit große Summen für Wische Hilfszwecke. Sein Sohn. James H. Becker, war der erste europäische Direktor des Joint Distribution Committee. * Versteigerung der Bibliothek Gottfried Eißler. Wie bereits gemeldet, findet Montag den 8. d. im Auktionssaale Dr. Schwarz', 1. Bez.. Habsburgergasse 3. die Versteigerung der berühmten Bibliothek Gottfried E i ß l e r S statt. Diese Bibliothek, das Resultat einer langen, hervorragenden Swmmlertätigkeit, zeichnet sich vor allem durch Erstdrucke Goethes, darunter Widmungsexemplare, zahlreiche Einblatt drucke, Erstausgaben Schillers, der Romantiker und neuerer Literatur aus. Ueberaus interessant sind auch die Drucke des 19. Jahrhunderts, Kunstpublikationen und die Sammlung der Viennenfia- und Austriacawerke. Den Abschluß der Bersteigevung werden Kupferstiche. Lithographien, Ansichten und Por trätS bilden. Die administrative Leitung liegt in den bewährten Händen der beiden großen Häuser Grlh ofer u. Rausch bürg und Dr. Ignaz Schwarz. * Mtt dem Auto auf den Vesuv. Wie italienische Blätter berichten, soll der Plan, eine AutomolbUtraße ans den Vesuv zu bauen, nun ernstlich in Angriff genommen werden. Mau will damit weniger den Privatautomobilen die Möglichkeit schaffen, auf den feuerspeienden Berg zu gelangen, als durch Autoomnibusse für die gewöhnlichen Reisenden eine bequeme Auffahrtsmöglichkeit bieten. Bisher ist eine Auffahrt auf den Vesuv nur durch die Bahn der Cook-Ges. gegeben, deren hohe ..um Heute Samstag, 7 Uhr abends 5.*l.“rsü.““l".wnl,ir."5»,»«««» [Hohe Warte in Flammen! Absohlada-Ko'ossalfauarwork unter La'tuna dar BrUder Pinto. — Billigst« ermSssIgt» Pralaa l — VorH«r MllltSrkonzert »,.p, Restliche Karten nur. Mo'ei Union. Liebenbergdeuktnal, Schottentor, Börse, NuÖdortersTraJöenkreuzung(Viadukt) u.ab7Uhr Hohe Warte (liierauch stebpeu/ - m,.... Schluß Tramway nach allen Richtungen p Wagenaufstellung: Silbergasse und neiligenstHdterstraße . ... Iilllllllllllilllllllllillllllllllll Warnung: Einziges offizielles Programm nur am Sporipiau selbst erhältlich, alles andere Irrefübrun.! ||||!!||H!l'i!iUit! ^70664