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Wiener Morgenzeitung · 1925-06-06 · Heft 2260 (6.6.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2260 (6.6.1925)
Date
1925-06-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite '4 Wien, Samstag Sie Morde in den Wäldern von Gzatmar. Eine sensationelle Wendung in der Reinitz. Affäre. Der auffckhenerregende Preetz gegen den in Szatnwr wohnhaften Jakob Reinitz, welcher beschuldigt wird, in den Wäldern im Grenzgebiet um Szatmar mehrere Menschen ermordet und beraubt zu haben, hat bekanntlich mit der Verurteilung des Reinitz zu lebenslänglichem Äerser geendet. Reinitz, ein frommer Jude, der während der mehr als ein Jahr dauernden Nmtersnchung und bei der Verhandlung hartnäckig seine Unschuld beteuerte, hat gegen das Urteil die Nichtigkeitsbeschwerde erhoben. Nun ist, wie die Bukavester ,Z> i m i n e a t a" meldet, in der Affäre eine sensationelle Wendung zu verzeichnen. Der Chef des KrrminalbuveauS der Pvlizeipräfektur, Aosiee Pongracz, hat aus Grund eingehender Erhebungen unter qnbereqn festgestellt, daß hex MMschttkdigte Dein i o n o v i e s im Jahre 1923 eine große Taschenuhr nrit 'Doppelkette trug. Diese Uhr siel bei DomionovieS, der sich plötzlich auch luxuriös kleidete, damals auf. Pongraez ließ den Bruder des ermordeten Solomon Leibvlwitsch zu sich komuren und dieser erkannte Uhr und Kette des Demionoyics als seinem toten Bruder gehörig. Domionovies wurde neuerlich einvernommen und legte ein umfassendes Geständnis ab. Er gibt an, daß er gemeinsam Mit Reinitz und Bodnar Lerbowitsch und Lecher ermordet habe. Die Mordtaten soll Reinitz verübt haben, während er urck» Bodnar mithalfen. Bemerkenswert ist, daß Demionovics den Reinitz. mit dom er bei der BerhaMnng in Szatmar konfrontiert wurde, nicht erkannte; Bodnar erkannte Reinitz aus den ersten Blick. Da Reinitz gegen das Urteil die Richtigkeitsbeschwe rde überreicht hat, wird das neue Boweisma-terial in der Verhandlung den Gegenstand eingehender Erörterung bilden. K« FakuMsglltachten Aber Rothfto«. Der Zahntechniker Roth ft o ck, der Hugo Bettauer erschossen hat, wurde bereits von den Gerichtspsychiatern untersucht, doch hält man es für nötig, ein medizinisches Fakultätsgwtachten über seinen Geisteszustand einzuholen. Zn diesem Zwecke wurde Rochstock den Psychiatern übergeben, die den Fall erst längere Zeit beobachten wollen., Rochstock befindet sich natürlich nicht mehr im Untersuchungsgefängnis. Hier sei nur daran erinnert, daß auch der Mörder Novo fad psychiatriert und schließlich ohne weiteres gerichtliches Verfahren auf den Steirchof gebracht wurde. Da der Fall Rochstock schon der zweite ist, wo bei einer politischen Mordtat Dementia praecox (Jugendirvsinn) des Täters erhoben wird, läge es im Interesse des Ansehens der Gerichte, daß diesmal trotz der Gutachten der Gerichtspsychiater und der medizinischen Fakultät, den Goschwornen Gelegenheit gegeben werde, sich selbst ein B-ld von dem Geisteszustand des Mörders zu machen. Wiener Mornenzeltung. 6. Juni IM Nr. M Zum sofortigen Knrgebrauch: Thermia*Palaee mit allen Badern im Hause. Prima Komfort. Für Mittelstand Hotels mit Pension au Kc 45.—. — Von Wien 4 Standern direkter 7, u g. «Mf.t Ptfttza».«»rea«.>X., «Is»rstr.»,rel. B0.9.8B Daselbst Schlamm für Vorkuren zu Hause. um Polizeipräsident Schober fflr die «eUvng» gesellschaft. Eine Rede im Radio. Polizeipräsident Schober hat gestern abends halb 7 Wr von der R a d i o s e n d e st a t i o n im Ministerium für die Rettungsgesellschaft, deren Präsident er ist, in einer Rede an die Wiener geworben. Ex führte unter anderem aus: Die Rettungsgesellschaft hat Samstag und Sonntag ihren diesjährigen Sammeltag. Während ihres mehr als 43jährigen Bestandes hat die Rettungsgesellschast fast ununterbvochen mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfen müssen. Sie hatte nie fixe Einnahmen, sondern war immer nur auf zufällige und freiwillige Spenden, angewiesen. Dabei hat die Rettungsgesellfchaft seit ihrem Bestände schon einer halben Million Bewohner Wiens Hilfe geleistet. Diese Hilfe ilft nicht nur die denkbar schnellste und rationellste, sondern auch eine kostenlose. Wenn e'S auch gelungen ist, die Zahl der Mitglieder von 1129 im Jahre 1916 auf 45.638 im Jahre 1920 zu erhöhen — sie sank im Jahre 1934 wieder auf 15.053 — so bildet doch nur der seit 1920 eingeführte jährliche Sammeltag die finanzielle Grundlage der Rettungsgesellschast. Ohne erfolgreichen Samnöeltag würde die Rettungsgesellschast aus hören. Im Vorjahre wurden mehr als zweieinhalb Milliarden gesammelt. Ich hoffe, daß der diesjährige Sammeltag hinter dem Ergebnis des Borjahres nicht zurückbleibt! Las Schachturnier in Marirnbad. Marienbad, S.,Juni. (Tschech. Preß-Bur.) In der vorborletzten Runde des internationalen Schachmoisterturniers wurden folgende Ergebnisse erzielt: In dem SpiÄ Hajda— Przepiorka konnte effterer -in einen: Damengambit eine bessere Position erlangen, di« er nach gutem PchWonSspiÄl -n einem Gewinn ausbaute. Tor re verklor in einer Damenbauernparbie gegen Spielmann. OPoeenSty verlor gegen Reit. Unentschieden endeten die Partien Ni ein-ow i tsch—Tar takower rmd Marshatt—Michvll. IanowSkY gewann gegen Sämisch in einem Damen« bauernspiel, nachdem er die Dame geopfert hatte. Grün seid und Rubin st ein einigten sich nach einem Damengambit auf Remis. Die Partie Thomas—Aales wmde unterbrochen. Stand nach den letzten Spielen: Riem-owitsch 6-8, Mar- Hall, Reti und Rubinstein 9, Tartakower 8 (1), Dorre 8, Spielmann Iß, Grünfeld 7, Przepwrka 6, Thomas 5 (1), Opoeensky und Btztes iß M tzäMch iß, Janowsch 4, Micheg ßt Hajda 2. Arteriosklerose heilbar? Durch ein llalbsleberserum. Wie aus Toronto lÄanada) gemeldet wird, berichtete Dr, W. I. Mac Donald in der letzten Sitzung der dortigen .Medicial Associaton" ausführlich über eine von ihm gemachte Entdeckung, die geeignet ist, allgemeine Aufmerksamkeit zu erregen. Es handelt sich um ein neues Verfahren zur B ek ä-m p f u n g der A r tc r i e n v e rssa l k u ng vermittelst eines S e r n m s, das der kanadische Arzt ans der Kalbsleber gewonnen hat. Dr. Mac Donald versichert, daß von 33 an Arterienverkalkung leidenden Patienten, die er nach dent neuen Verfahren behandelte, bei 32 der normale Mutdvuck wieder hergestellt wepden konnte. Es bleibt natürlich albzuivarten, was fiir Erfahrungen andere Acryle mit dem neuen Mittel machen werden. :p Dazu schreibt uns unser ärztlicher Mitarbeiter: Ter moderne Zug in der Therapie geht dahin, durch Injektion artfremden Eiweißes wie Milch, Serum und ähnlicher hochwertiger EiweißveMnduugen Heilung zu erzielen. Durch diese Behandlungsart gelingt es, einen beträchtlichen Teil der akuten Infektionskrankheiten zu verkürizen. Doch ist diese therapeutische Methode mit hohen Fieberattacken vech-unden, denen nur ein gesundes Herz- und Gefäßsystem Widerstand leiste,! kann. Ob nun bei einer so schweren Erkrankung des Gefäßsystems, wie sie die A r t e r i os k l e r o s e darstellt, dieselbe Niethode Anwendung finden kann, ist sehr fraglich. Doch darf nicht vergessen werden, daß bei äußerst gering bemessener Dosierung der therapeutische Erfolg vielleicht ohne starke Tenlperaturerhöhungen zu erreichen wäre. Diese Methode bedarf einer genauen klinischen Nachuntersuchung. Re Spaniolen in Bosnien. Bon Oberst a. D. Hugo Piffl. Nach der in den Jahren 1492 und 1490 erfolgten Vertreibung der Juden aus Spanien und Portugal wandten sich die heimatlos Gewordenen teils nach Afrika, teils nach dein osmanischen Reich, aber zum Teil auch nach einigen anderen europäischen Ländern, in denen größere Duldsamkeit herrschte. Im türkischen Reich herrschte damals Sultan Bajaset der Zweite, der den Vertriebenen ein Asyl gewährte. Auch die Sultane Selim der Erste und Suleman der Zweite bestätigten den Neuangekommenen die gleichen Rechte, wie sie die übrigen Nichtmohammedaner besaßen. Die Eingervanderten übernahmen sehr bald die Führung der ganzen Judenschast; ihre Hanptsltze befanden sich in der Hauptstadt, in Saloniki, Adrianopel »uit> Nikopolis an der Donau. Der bedeutende Gelehrte Josef Caro schreibt schon um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, daß an der bulgarischen Donau zahlreiche Spaniolen wohnten. Anno 1614 übernahm der Pascha Mehmed Baltadschi den Statthalterposten in Bosnien und mit ihm kam fein Geldgeber, der Spaniole Naphtali-Beu-Mcindschur, welcher die Erlaubnis erwirkte, daß sich etwa dreißig Spaniolen aus Saloniki >n Sarajevo niederlassen durften. Ein eigenes Stadtviertel, die „Tschifut-Hana", wurde in, Herzen der Stadt für die Juden cingeräurnt, weil sich die MuSlimanen beklagten, daß die unter Ihnen verstreuten Juden viel Lärm verursachten und sehr leichtsinnig mit'dem Feuer umgingen. Trotzdem wohnten viele Juden auch tveiterhin in anderen Gassen. Die Tschisnt-Hana hieß bei den Juden „Cvrtio" (Hof) und die Christen nannten sie Awlija, was ebenfalls Hof bedeutet. Offiziell wird die Spaniolengeineittde alS fophardische bezeichnet. „Sepharad" soll nämlich im Hebräischen „Spanien" be deuten. Mit den zahlreich namentlich aus Ungarn eingewanderteii abendländischen Juden, -den Aschkcnasim, Pflegen die Se° Pharden fast gar keinen Verkehr. Sie besitzen ihre eigenen Synagogen, und uäßerst selteri kam eö zu ehelichen Verbindungen zwischen den zu Zeiten fast „feindlichen Brüdern". Untereinander sprechen die Spaniolen ausschließlich das spanische Idiom, das allerdings mit türkischen, slawischen, portugiesischen, italienischen und hebräischen Brocken vermischt wurde. Während der österreichischen Herrschaft dürften auch deutsche Benennungen gekommen sein; denn kein Volk hat so bereitwillig deutsch, gelernt und es überraschend fließend rind richtig gesprochen wie die Spaniolen. Sie sind geistig sehr begabt. WaS ihre körperliche Beschaffenheit anbelangt, so unterscheiden sich die meisten von ihren abendländischen Stammesgenossen; man würde schr viele für Albanesen, Griechen oder Serben halten. Es gibt zahlreiche schöne, hohe Männer unter ihnen, die nur selten fett sind; ebenso finden sich »»nter den Mdchen viele schöne mrd liebliche Erscheinnngeii, zuweilen auch Blondinen, nur ab und zu Rothaarige. Die Männer haben dunkelbraunes oder schwarzes Haar und ebensolche Aulgen. Die Frauen sind viel kleiner, meist zart gebaut und neigen bei reichlicher Ernährung zur Fettleibigkeit. Die Spaniolen haben sehr früh verschiedene Vereine gegründet; als eiticti der ersten die „La Lyra", Soeiedad oantar de loS Indios espanwles, einen Gesangverein, dem auch viele Mädchen angehören, va Benevolencia uns El Pragrcsjo tz» st.h'u schon an dreißig Jahre. Eine Zeitschrift „Aldorada' (Dämmerung), in fpanio.'ifchcr Sprache gedruckt, erhielt fid mir ein ^ahr. Als in Bosnien eine konstitutionelle Berfassuns eingcführt wurde und die Inden aus ihrer Mitte einen Abge ordnecen wählen sollte», nahmen sie den Kandidaten der erst sei' IW zngewanderten Aschlenasi,n nicht an, sondern dnweten nn bedingt nur einen ans Ihrer Mitte gewählten Abgeordneten. Si> wählten blau-weiß;>,r Nationalfarbe, und als im Jahre 191f [..tfaifer Fron; Josef der Erste in Sarajevo weilte und die Haupt gotteshänser jeder .tknnfessivn besuchte, konnten sich die Inder rühmen, daß er zwei Synagogen mit seinem Erscheinen beehr: hatte, nämlich sowohl lene der „österreichischen" wie die der ,.spanisd)en" Israeliten. In letzterer wurde der Monarch vor blan weiß gekleideten Mädchen begrüßt, die ihre leider immer mehr verschwindende orientalische BolkStrad)t angelegt hatten Diese Kleidung ist der türkischen ähnlich und besteht bei den Riännern aus türkischen Kniehosen, die wegen des orientalischet' Nisderhockens rückwärts in eine Art Beutel enden. Aelterc Leute tragen auch Pluderhosen, die bis zum Knöchel förmlich: 'Säcke, „Schalwarc", bilden. Bei gewissen Feierlichkeiten mtf mein die Dschuba, einen langen Uc'berrock, der auch mit Pel« gefüttert war. Die Farbe oller war schwarz, nur die Leibhindc war etlvas bunt gehalten, ohne aber rote Farben zu zeigen. Den Fez duldeten die Türken bloß in dnnkelroter Farbe, die fast in* Schwärzliche spielte. Die Mädchenklei,dun,g war völlig nach rürtlschem Schnitt. Die Schalware waren voll Falten und sehr malerisch, die Bluse zeigte oft Puffärmel, das Oberleibchen sah wie eine Weste aus. Tie Frauen Unterscheiden sich von den Mädclum schon durch ihre Kopfbedeckung. Während die Mädchen einen kirschroten Fei trugen, schmückte den Franenkopf ein Käppchen, das eigentlich mir ein handbreites Seidenband war, an dessen unterem Rand eine Menge winziger dünner Mütizen dicht aneinander gereiht wären, Pie die sogenannte „Frontera" bildeten.. Meist wnr-deu keine Schalware, sondern tveite Röcke und eine spanische Weste getragen. Auf dem Kopfbandc, dem Tocado, quoll oft eine breite und schr lange Wollquaste hervor, aufigelüstes Haar vortäuschend. Selbst Frauen, die schon längst moderne Kleider trugen, hielten noch am Tocado fest, Schr alte Spaniolmnen trugen aus der Straße noch große weiße Umhängetücher crls Erinnerung an jene Zeiten, wo sich auch die Nichttürkinnen verhüllen mußten. Die Greise sind in chren laug herabwallendeu Mänteln und mit dem betnrbanten, von Dilberl-aaren umsäumtcn Kopf wahrhaft patriarchalische Erscheinungen, die Greisinnen gulurütige, freundliche Mütterchen. Die Spaniolen zeiigen sich zumeist als liebenswürdige nvd nritcr-nchmende Geschäftsleute, die mit ihren altmodischen, bescheidenen Läden, „Dutschans", zufrieden waren, entgegen den Serben, die ftüh begannen, großstädtische BerkanfSränuie elnzurichten. Es mag bemerkt werden, daß die Spaniolen gute Soldaten waren und viele von ihnen sich im Weltkriege Auszeichnungen erwarben. Manchen hochbetagten Spaniolen erfaßt die Sehnsucht, sein Leben im Lande seiner Väter zu beenden. Er ordnet alle seine Verpflichtungen, bvdinigt sich von seinen Erben eine Rente aus, nimmt von Vevtvandten und Bekannten Abschied und reist ins gelobte Land. Manchmal ist cz eine ganze Reihe von Droschken, die die ehrwürdigen, festlich gekleideten Greise zum Bahnhof fährt, wohin zahlreich^ Glaubensgenossen eilen, nm den Scheidenden ein letztes Lebewohl zuzurnfeit. Hochinteressant ist der Begräbnssplatz der Spaniolen. In Sarajevo befindet er sich a„ einer steilen Berglehne und ist uneingezäunt. Jedes Grab ist mit schweren, roh behonenen Stein Prismen und oft mächtig großen, halbrunden Blöcken bedeck!, dir in vielen Fällen nach einer Seite eingesunken sind. Tie neuesten Gräber übevbieten die ältester» wohl zehnmal an Größe und zeigen vorne eine kurze Inschrift in hebräischer, an den Seiten In deutscher und slawischer Sprache. Sie sind auch zuweilen von einem einfachen Gitter umgrenzt. Der riesige Grab stein ist symmetrisch und sorgfältig behauen. Die Toten werden in dem nicht sehr tiefen Grabe in sitzender Stellung beerdig: (? Die Red.) Mit dem Ausheben des Grabes wird erst dann begonnen, tvenn sich der Leichenzug in Bvtvegung setzt. Die Frauen müssen lvohl in lautes Jammern auSbrechen, dürfen aber den Sarg nicht begleiten. Dieser ist ein niedriges offenes Behältnis, in dem der Leichnam, nur mit Sackleinwand umwickelt, liegt, die mit Bindfaden umschnürt und mit einem schwarzen Tuche bedeckt lvird. Die begleitenden Trauergäste tragen brennende Kerzen und wechseln sich im Tragen des Sarges ab, nm auf diese Art dem Entschlasenen die letzte Ehre zu erweisen. In der Nähe des Frledhafes bleibt der Zug stehen, alles wendet sich gegen Westen und betet einen Augenblick. Am Grabe angelangt, wo bereits Krampen und Schaufel in Tätigkeit sind, wird die Tragbahre ans einen der vielen Steinblöcke gelegt, ei» Borbeter bringt einen Sack, dem er fünf Gebetbücher, e-bensoviel Gebetmäntel und eine Anzahl Münzen entni'NMt und an noch vier Kollegen verteilt.. Diese legen die Mäntel an, einer erfaßt bcu anderen beim Rockzipfel und mm wird der Sang, während mem das Chadodschalied singt, mehrmals umschritten und nach jeder Runde eine Münze auf den Toten gelegt, von dem unterdes das Tuch abgenommen worden ist. Daun wird je eine sehr lauge Wachskerze am Kopsuno Fußende zwischen die niedrigen Sargbrettchen eingeklemmt. Nach Beendigung dieser Zevvnwnto wartet alles aus die Fcrtlgstelltmg der letzten Ruhestätte des Verblichenen. Die Gäste tragen schlechte Alltagskleider, zeigen aber sonst möglichst keine Trauer. Mar» ruht In» Grase aus, albanesische Verkäufer von Labemitteln bringen ihre Ware mit und machen keim schlechten Geschäfte. Endlich ist das Gvab bereit, den stilleri Bewohner aufjurrehmen. Man hebt die Leiche aus dom Holzbehältnis und setzt sie nach Vorschrift bei, worauf die aus sehr leichtem Mate« rial primitiv verfertigte Bahre zerhackt und der Tote mit den Spänen bedeckt wird. Nach einem kurzen Gebet kollern die Schollen herab und das Begräbnis ist zu Ende. Wenn ei» Spaniole die Grabstätte seiner Lieben besucht, lehnt er die Stirne

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