Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2257 (3.6.1925)
- Date
- 1925-06-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. sag a&a, M«iq, Nach der SemWon des polnischen Btzevnmiers. WaP^lDernNitz kein« weiteren VerrLn-evun- «n im Rattnett Grabski. — Sermtor Doktor Ringel ftotttttaf für dns Mzeministerium fiir Justiz. Mgendienst der .Miener Movgenzeiturrg".) Warschau, S. Juni. Eine AuSibveitung der Lkabirtettskrise als Fotze der Demission des BiAepremier's Grabski ist, wie Ihr Korrespondent von gut unterrichteter Seite erfährt, kaum zu erwarten. Den Vorsitz in der Sektion für die Randgebiete und die nationalen Minderheiten beim politischen Komitee des Ministcrratcs führt vorläufig, wie bereits berichtet, Ministerpräsident GvabSki selbst. In einem späteren Zeitpunkte soll an Stelle Dhugutts ein Min ister ohn e Portefeuille treten, der wieder die Angelegenheiten der Randgebiete übernimmt. Als Kandidaten für diesen Sitz im Kabinett werden der ehematze Justizminister Makowskt, der frühere Regierungsdelegierte in Wilna Roman und der Deputierte Barrel genannt. Der Rücktritt Dhugutts dürfte auch in den schwelteuden Verhandlungen zwischen der Regierung und heit Mischen Parlamentsvertretern über die die jüdische Minderheit ln Polen betreffenden Fragen keine Verzögerung bringen. (£ä scheint, daß die Erledigung dieser Fragen bereits in absehbarer Zeit zu erivarten ist. In diesem Zusa.nrmen- Hang ist auch die Meldung des „Kuvjer Lwowski" zu werten, daß der jüdische Senator Dr. Michael Ringel für das Portefeuille des Vize m i u i ft c r § für I u st i z ^«geschlagen ist. _ Luüen Mols in Warschau. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 1. Juni. Der Generalsekretär des Board of Deputies der englischert Juden, Lucien W o l f, ist Samslag den 30. Mar, fvi'ch, in Warschau eingetroffen, wo er als Gast des polnischen Außenmimstrs S k r z y n s f t weilt. Er hatte am Tage seiner Ankunft eine Besprechung mit den: sozwldemokratischen Sejmdeputievten Diamand und Herrn Natansohn. Sodann stattete Wolf dem englischen Konsul M w e M r I l e r einen Besuch ab und wurde vom Außenminister Skrzynski empfangen, mit dem er eine anderthalbstündige Unterredung hatte. Am Abend erschienen hei Mr. Wolf die Vertreter der polnischen Presse denen er u. a. erklärte, er sei über Ersuchen des Außenministers Skrzhnski nach Warschau gekommen, nur die mit ihm in Genf gepflogenen Besprechungen sortznsetzen. (Betreffs Auftrag, Inhalt und Ergebnis dieser Besprechungen wurde Wolf, wie seinerzeit ausführlich berichtet, sowohl vom Außenminister Skrzhnski im polnischen Parlament als auch vom Auslandskomitee des Board of Deputies in dessen Vollversammlung desavouiert. — Die Red.) Die Vertreter der jüdischen Presse waren bei der Pressekonferenz nicht erschienen. Mr. Wells erklärte den polnischen Pressevertretern, er wolle auch Krakau, Lemberg, Wilna und Bialystok besuchen. Sonntag fand eine neuerliche Besprechung zwischen Wolf und Minister Skrzhnski statt; ferner konferierte Wolf mit dem ehemaligen Delegierten Polens Leim Völkerbund, A s z k e n a g e, den Assimilanten D i ck st e i n und N a t a nfolhn. Eine Be'spvechung mit Vertretern des j ü d' ischen Parlamentsklub hat bisher n i ch t sta^ttgefunden. Der Obmann des Mischen Sejmklubs, Dr. Leon Reich, we'illt zurzeit n i ch t i u W a r s ch a u; wie verlautet, hat Mr. Wolf an Dr. Reich und den Deputierten Doktor Thon telegraphisch die Bitte gerichtet, nach Warschau zu kommen. Die Erwartungen, die Herr Lucien Wolf an seine Reise knüpfen zu dürfen glaubte^ scheinen sich nicht erfüllt zu haben; denn er läßt schon jetzt verlauten, das; er seinen Aufenthalt in Polen abkürzen -müsse und nur bis Freitag bleiben könne, da seine Anw e ferche it bei der Völkevbundtagung in Genf notwendig sei. Deputierter Gvunbaum. Warschau, 2. Juni. Der Deputierte Grünbaun,, welcher, wie bereits berichtet, seinen Austritt aus den, jüdischen Partlamentsklub angenteldet hat, hat lsich Sonntag ins Ausland begeben. Wolkenkratzer ln Fernsalem. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 2. Juni. Wie der Jerusalemer Korrespondent der ,P3osfischen Zeitung" berichtet, hat eine mucAmfcfye Gesellschaft an der der King-George-Straße in Jerusalem ein großes Derrain erworben und beginnt t>eu Bau eines Wolkenkratzerhotels, das angeblich elf Stock khoch werden und 80.000 Pfund Baukosten verlangen soll. Der Bauplatz allein hat 20.000 Pfund gekostet. •i* Wenn diese Nachricht, über derer, Inhalt uns bisher keine direkten Mitteilungen zugegangen sind, rvahr ist, so illustriert sie besser als alles andere die Fotzen der Bodenspekulation. Die durch die schrankenlose Spekulation verteuerten Grundpreise — in Jerusalem werden heute in den Geschässvierteln für die Quadratelle Bodens schon meist fünf Pfund gefordert — n»üfsen es über kurz oder lang dazu bringen, daß der Bau von niederen Häusern unrentabel wird und als ^Ausweg ans dieser Sackgasse bleibt — der Bau von Wolkenkratzern, die nicht nur das Stwdl'bild Jerusalems verschandeln iwürden. sondern auch de», Lliuratischerr Berhältlrissen des Qmm gar «W MWKD, Kll EW U die up , Wiener MöiMffzettimgk. r Die billige eisegepäckversicherung Im Tuchlaublnhof Tel. «7-20« sunden Mietkasernenverihältnisse entwickeln, die ihre fchädkickie Wirkitng im Orient noch verdoppoln, vom hygienischen, wirtschaftlichen und kulturellen Standpunkt aus ein schwerer Schaden für das neue Erez Israel. Wilsons Direprlifivent gestorben. New-Iork, 1. Juni. (Reuter.) Der gewesene Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Thomas Marshall (1913 bis 1921), ist, 72 Jahre alt, gestorben. (Mavfhall, der während der zwei Amtsperioden Wilsons Vizepräsident der Vereinigten Staaten war, ist politisch nicht hervorgetreten.) Bulgariens „Demobilisierung". Razzien in Sofia. Sofia, 2. Juni. (Butz. T.-A.) Die Regierung hat Befehl gegeben, daß die 10.0 0 0 Mann Milizfoldaten heute entlassen werden.' Die Behörden haben, da ihnen zur Kenntnis gelangt ist, daß sich eine Anzahl Verschwörer in Sofia verborgen hält, beschlossen,, vor der Entlassung der Milizsoldaten, die heute abends erfolgt, in der Stadt Hausdurchsuchungen vorzunehmen. Diese Maßnahme wird nur einige Stunden in Anspruch nehmen und während dieser Zeit ist der Verkehr in den Straßen nur mit besonderen Answeiskarte n gestattet. Die Stadt ist seit heute früh völlig von der Außenwelt a b g e s ch n i t t e n. Alle Geschäfte sind geschlossen. Wieder zwei Häftlinge erschossen. Sofia, 2. Juni. Der ehemalige Finanzminister im Kabinett Stambuliiski, Dr. Peter I a n e f f, und der ehemalige Minister und Präsident des Sobranje, Alexander Pot eff, sind, während sie aus den Sofioter Kerkern nach jenen von Küsteudil it verführt wurden, von den sie begleitenden Gendarmen im Zuge nied e rgesch o s se n worden. Die Gendarmen behaupten, sie hätten e's getan, weil die zwei Häftlinge zu en-tfliehen versucht hätten. ^IlllllllllllllllllllllllllUnlllllfl AAAAMAA Bequeme VWVVVW Teilzahlungen! Erhältlich nur in Laden mit diesem Schild j Tlllllllllllllllllllll Zentrale: Wien, I. Lfebiggasie Sl»IIIIIiI»»IIIIIIs^ Sie kntwastnungsnote. Ucberreichung Donnerstag. Berlin, 2. Juni. Wie die Blätter hören, ist die Uebergäbe der Note der Botschasterkonserenz zur Frage der deutschen Entwaffnung an den Reichskanzler für D o n n e r s t a g zu erwarten. Die Beröffentlichung ldes umfangreichen Schriftstückes soll, wie es heißt, bald daraus erfolgen. ' Wie ein Pariser Telegramm der Agence Havas mittcilt, wird dieNote der Botschafterkonftrenz an Deutschland in Angelegenheit der Entwaffnung /Unter anderem die Liste der militärischen Klauseln, gegen hie!sich Deutschland verfehlt habe, sowie die Aufzählung der n o t w e n d i g e n A b st e l l n n g s nr a ß n a h m e n deren Durchführung die Kontrollkommission überw a ch e n toird, enthalterr. In der Note wird weiter ausgeführt, Köln tverde gevärrmt Werder:, sqbald Deutschland die geforderten A b st e l l u n g e n v o r g e n o m m e n haben werde. HUkers französische RevenLen. München, 2. Juni, (Wolfs.) Wie die ,Münchener Post" meldet, hat das Oberlandesgericht die von Hitler eingelegte Revision im Prozesse gegen Sanitätsrat Dr. P i t l i n g e r a b g e w i e s c n. Es handelt sich dabei um den Vorwurf, daß Hitler und feilte Bewegung 1923 mit f r a n z ö s i s ch e nt Gelbe gespeist wurden, eine Behauptrtllg, die von dem verstorberten englischen Sozialdemokraterr Ai o r e l l ans Grrrnd einer u n b e str i tt.e n e n Information von Pariser Persönlichkeiten arrfgestellt wordert war. Dr. Pittinger war irr der ersten Jnstarrz s r e i g e s p r o ch e n worden. Sie österreichische Frage vor dem Böiter. bundrate. Herrte begirnrerr irr Gerrs die Berthartdlrrngen des Finanzkorrritees des BAkerbundes. Auf der Tagesordnung stehen u. v. die österreichiischert Angelegenheiten. Der Präsident der ' österreichischen Bundesbahnen, R. Gürtler, ist Atorrtag in Begleitrirrg des Ehefs der Elektrifizitzvungsfeltion, Dr. Ditt es, nach G e rr f gereist, wo sich bereits Doktivnschef Dr. Schüller befindet. Generalkommissär Dr. Z i irr m e r m a n begibt sich heute inr Flrrgzerrg zur Völkerbnndtagulig. Außerrillillister Dr. Ma ta ja, der diesmal Führer der österre-ichischen Delegation irr Gerrs sein wirdr reist heute gü ichfalls Ächin atz. 'S. ImliLNö SetteS Ratajas Futzkall dar Moskau. Er hat nur von theoretischer Möglichkeit gesprochen. Das Bundeskanzleramt, auswärtige Angel^geniheiten, hat am 2. Juni an die irr W i e n akkreditierten diplontatischen Missionerr nachsühende Zirkularnote gerichtet: ,/Jim Verfolge seines Zirkulars vom 23. Mai dieses Jahres beehrt sich das Bundeskarrizlewnrt, auswärtige Angelegercheiten, den in Wien akkreditierten diplomatischen Missionen eine am 26. Mai prsiblizierte E r klä r rt ng zur gefälligen Kenntnisnahme zu übermitteln. Alls dieser Publikation geht 'hervor, .daß der Bundesnrinifter für die ausloärtigen Angelegenheiten, Dr. Mataja, in seinen Enunziationen über die in Wien angeblich bestehende k o mm u rr isti s ch e Z e rr t r a l e lediglich die theoretische Möglichkeit einer eventuellert Verrverrdung des SolvjLiapparates für Pvopagandazwecke des „Komirrters" im Auge 'hatte, da sich in der Praxis irgend welche A n st ä n d e dieser Art nicht ergeben habe n." Angeisichts dieser Zirkularmitteiilung bezeichnete die hiesige Gesandtschaft der Union der sozmlistischert Sowjetrepubliken die arlfgetauchtert Mißverständnis^" als vollkommen aufgeklärt. rAerut rnart sich erinnert, mit welch schrnetternden Tönen Dr. Mitaja in seiner Rede beim „Auge Gottes" sich aller Welt als sicher tvirkerrder Bolschewikenschreck empfahl und nun diese de- und wehmütige Ablcugltungsnote liest, so muß einem um die Außenpolitik des Staates bange werden, der mit Herrn Dr. Mataja als A-ußemninister „befaßt" ist. Eine ähnliche Erklärung ist bisnurt höchstens einer afrilauischert Negerrepublik int Angesicht der droherrd auf die -Hauptstadt gerichteten Schisssgeschütze abgcnötigt wor^ den. Dr. Mataja, der als Bolschewikenibekämpfer anszog, muß nun vor den Vertretern Moskaus gleich eines chinesischen -Mandarin alter Schuile seinen dreimaligen Kotau machen. Hoffentlich lassen sich dr>e Russen mit dieser Dernütigung genügen und machen die Stornierungert der in Oesterreich erteilten industriellen Attfträge wieder rü-*^ gängig. _ 6iit türkischer Gesäte ter in Wie». Konstantinopel, 2. Juni. Wie die Blätter nteldcn, ist der Abgeordnete von Ersindschart trnd Präsident der türkischen Kommiffion fiir den Bevölkerungsaustansch, H a m d i Bei, zum türkischen Gesandten i n W ie^.ernannt worden^ Er soll sich nach Abschluß des türkisch-griechischen Vertrages auf seinen Posten begeben. Wechsel in der Wiener ungarischen Gesandt« schast. Budapest, 2. Juni. (U. T.-K.-B.). Der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister Konstantin M a s i r ev i ch wurde vom Reichverweser von der Leitung der u n g arischen Gesandtschaft in Wien enthoben tutb mit der Leitung der ungarischert Gesandtschaft in Prag betraut. Mit der Führung der Wiener Gesandtschaft wurde der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister Graf Ludwig Ambrozy beauftragt. Lelchter Rückgang der Arbritrlofigkeit in Wien. Ende Mai 70.722 Arbeitslose m Wien. Der Stand der im Bezüge der Arbeitslosenmtierstützung sehenden Arbeitslosen ist, wie die Industrielle Bezirkskommisision aus>weist, in der Zweiten Hälfte des Monats Mai wieder um ein G e r i n g e s z u r ü ck g e g a ng e n, und zwar 4mt 72.422 aus 70.722 Personen, ^darunter 23.440 weibliche. Die Zahl der beim Avbe'itsnachweis der 'Stadt Wien im Bezüge der Untevstützung Stehenden ist uw 44 auf 17.067 zurückgegangen. * Bor der Beileaung des Konfliktes ln der Textilindu. stri«. Bei den gestrigen Vevhandlurtgen der Vertreter der Textilindrustriellen mit den Vertretern der Gowerkschast der Textilarbeitevschaft gelangte man zu einer prinztpiellen Eirtigung. Beide Streitteile werden das Berhandlnngsergebltis ihren A-ustraggsbern zur A n n a h nt e empjehlert. Morgen findet eine Konferenz der Betriebsräte der Baumwollindustrie statt, in der über das Verhandlrmgsergcvnis beraten werdert soll. Das Resultat der gvstrigert Becharrdlun-gert wird vorlärt-fig noch für vertra-trlich evklärt. Wird die Einigungsformel angenomnten, dann werden die Streiks urtd Artssperrrrngen e i ngestellt und nach Wiederaufnahme der Arbeit die Details der Verhandlungert zu Ende gchührt. * Die Sterblichkeit in Wien. Int April sind ln Wien 2177 Peusonen Morlben. Im März betrug die Zahl der Berstoribenen 2246 urtd im April des vevgangerren Jahres sind m Wren 2373 Personert .qvstovbert. * Gemeinderat Angelt gestorben. Am Montag abends P in Wien nach längerer Krankheit der christlichsoziale GemerMerat Hans A n g e l i gestorben. Ter Berstorberre gehörte zu den ältesten Mitglieberrt des Wiener Gerneinderates. in den er zum ersten Male tm Jahre 190ü gewählt wurde. Seither gehörte er ultuntevbrochelt der Gctlteindevertretnng an, rn der e'- den neunten Bezirk vertrat. Ae Suche nach «mnndsen. Oslo, 2. Juni. (Havas.) Die Regierung hat beschlossen, zwei Marineflugzeuge nach Spitzbergett zu entsenden, u>m die N a r ch s o r s ch u n g e n n a ch A m u n dsen zu unterstützen. Man ist hier der Meinung, daß Annmdsen mit seiner Expedition nicht aus dem Lufttvege zurückkehren kann und den Versuch unternommen hat, z u Fu ß Atzitzhergen W evreiZeA. 869145563