Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-06-03 · Heft 2257 (3.6.1925) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2257 (3.6.1925)
Date
1925-06-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981342--22954-3010421
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

iWntff WsrUNffHiettANG. 3.!Junr 1ÄS6 M. SW Süden and Araber in krez Israel. Lloyd George und Wekzmann ln einer Londoner Mischen Bertammlung «M»_W!«„, MNIvsP Horthy am Pranger. Lr. W i e n, 3. Juni. Die Anklage der Urheberschaft des Doppelmovdes an den sozialdemokratischen Journalisten Somogyi und Bacso gegen den Reichsvcrweser von Ungarn, Nikolaus v. Horthy, wurde schon unmittelbar nach -er Mordtat erhoben. In Ungarn flüsterten es die Leute einander Zu und in der Redaktion des Budapester sozialdemokratischen Organs — später auch in anderen ungarischen linksradikalen Blättern — quälten sich die Redakteure Tag um Tag damit ab, die Mordanklage gegen Horthy in Redewendungen zu formulieren, die von jeden: Leser verstanden würden. Bei der Staatsanwaltschaft fand diese journalistische Geschicklichkeit stets volle Würdigung, denn sie enthob die staatliche Anklagebehörde der peinlichen Pflicht des Einschreitens gegen die Ankläger wegen Verleumdung des Reichsverlvesers. Wußte und weiß man doch auch bei der Budapester Staatsanwaltschaft, daß das Staatsoberhaupt Ungarns der Urheber der grausamen Ermordung der zwei sozialdemokratischen Redakteure ist uiü> ein Prozeß zum Schuhe der Ehre und des Allsehens Horthys unfehlbar dem Allsehen des Landes schwereren und furchtbareren Schaden zu fügen mußte, als wenn man lloch so kompromittierende Andeutungen übersieht. Die Budapester Staatsanwaltschaft ist daher bisher allen Versuchen, die Frage der Schuld Horthys an der Erinordung unschuldiger Menschen ins Rollen zu bringen, behutsarn aus denr Wege gegangen. Im Ausland hat lnan allerdings diese zarte Rücksicht für den Mörder in der königlicheil Hofburg von Ofen nicht walteil lassen. Die „Wiener Morgenzeitung" hat in unzähligen Artikeln die Rolle Horthys nicht nur bei der Ermordung Soulogyis und Bacsos, sondern auch bei vielen andereil Greueltaten, die auf sein Geheiß an Juden uild Arbeitern begangen wurden, cinlvandfrei festgestellt und die Publizistik der Weststaateil gezwungen, sich mit der Horthy-Fragc als einer Frage der Zivilisation, der Menschenwürde und des Rechtsgefühls zu befassen. . Denn nicht allein das abscheuliche Hinmordcn zweier Journalisten, die in schwerer Zeit ihre Pflicht erfüllten, belastet das Gewissen dieses bloßgestellten Oberhauptes einer überwiesenen Mövderbandc. Bor: dem Tage, an dem der Admiral des Kaisers in Siofok die oberste Herrschaft an sich gerissen und sich die Macht eines Herrschers usurpiert hatte, bis zu seinem Einzug in die königliche Hofburg ist sein Weg mit Mord, Raub, Plünderung und Brandstiftung bezeichnet. Auf dem blutigen Weg von Siofok nach Ofen hat dieser lnlfähige Abenteurer bei unzähligen, grundlosen Hinrichtungen oon Juden und Arbeitern persönlich assistiert, seine Mordkameraden zu immer widerlicheren Grausamkeiten aufgemuntert, ist mit seinen: „Siegesschimmel" über .die Leichen unschuldiger Menschen hinweggeritten und hat an die von ihm eingesetzten und in entlegeneren Gebieten „arbeiterlden" Pogronldetachements belobende Anerkennungsschreiben gerichtet. Dabei vergaß er aber nicht, das widerrechtlich angeeignete, gesamte Silber des von ihm befehligten Admiralschiffes unter verläßlicher Deckung in seinen Privatbesitz zu bringen. Seine Mitschuldigen hat Horthy durch Alnnesticll für bereits begangene Verbrechen und Zusicherung vo:: Straffreiheit für künftige, „patriotischer Errcgllng" entspringende Vergehen, wie durch ihre Versorgung a:rf Staatskosten zum Maulhalten verpflichtet. Die Sozialdemokraten und die bürgerliche Opposition hatte Horthy nicht zu fürchten, da er sich inzwischen das Gesetz über dje Unantastbarkeit seiner Person und seiner Wahl zum Reichsverweser auf Lebensdauer votiere:: ließ. So hätte dieser ehrenwerte Massenmörder in Frieden seine usurpierte Macht genießen können, wenn unter den Mitwissern seiner Missetaten sich nicht auch einer seiner ehemaligen Minister befände, der als Führer der Legitimisten Ungarns an Horthy nicht nur dessen Verbrechen au unschuldigen Bürgern und Proletariern, sondern auch den Eidbruch gegen den König auszusetzen hat. Dieser ehemalige Horthy-Minister, Edmund Bcniczky, ist in: Besitze aller Beweise der Schuld Horthys an der Ermordung der Redakteure Somogyi und Bacso und seiner Mitschuld an allen Greueln in Transdanubien und im Tonau-Theiß-Gebiet, und sucht seit der Schlacht, die Horthy seinem König Karl bei Budafok geliefert hat, sein Beweismaterial gegen den verhaßten Usurpator in die Oeffentlichkeit zu bringen. Die Konlödie mit der Entbindung Beniczkys von der Pflicht des Amtsgeheimnisses ist bekannt. Da Beniczky als gewesener Horthy-Minister aus Erfahrung weiß, wie es in solchen Fällen genlacht wird,-brachte er seine Zeugenaussage, ehe er zu Gericht ging, zu Papier llnd übergab je ein Exemplar dem legitimistischen Blatte und einer Anzahl von politischen Freunden. Man kann nicht wissen. Es sind schon andere unangenehme Zeugen gegen Horthy „baden geschickt" worden. Nun ist der Skandal ausgebrochen. Die Mordanklage des getvesenen Ministers des Innern ist erschienen, der anklagende Zeuge ist verhaftet. Alles, was wir seit Jahr mrd Tag über Horthy schrieben, wird von seinem eigenen Minister bestätigt. Die bezahlte in- und ausländische Horthy-Presse versucht vergebens, durch eine neue Wüchelosixsteit die Wucht und die Wahrheit dieser Anklagen mit dem HinN^eis darauf abzuscl^vächen, daß die Anklage Beniczkys ein Vorstoß der Legitimisten sei. Ist Horthy etwa weniger Verbrecher, weil es ein Legitimist ist, der hiefür den untrüglichen Beweis er» bringt und nur zusammenfassend feststellt, was schon bisher ein offenes Geheimnis Nicht die Staats-? , Am 25. Mai sy«d, irüe I. T. A. berichtet, inLo « don eine von der Jüdischen historischen Gesellschaft Veranstaltete Gedächtnisfeier za Ehoen des verstorbenen Histo-vikerS Artur Davis statt. DK Gedenkrede hielt Mr. Philipp Guedella. Der nengewÄhlte Präsident der Gesellschaft, der Dichter Israel Zangwill, führte den früheren Premier Mr. Lloyd George ein. Sodann bestieg Lloyd George die Tribüne und führte ungefähr aus: Während des Krieges richteten die Alliierten ciitctt Appell an das jüdische Volk. Sie waren znm Teil von natürlicher Sympathie und Bewunderung inspiriert. Alle lernen ln der Schule jüdische Geschichte. In der Schule, dir ich besuchte, wurde die Geschichte der Juden bester als die Geschichte der eigenen Landes gelehrt. Ich kann von allen Könige:: Israels erzählen, ich ztveilflc aber, ob mir mehr als die Geschichte von sechs britischen Königen bekannt stt. Die Geschichte und die Literatur der Mischen Raste dauert bis in den Heutigen Tag fort, beeinflussen und formen noch heute den menschlichen Charakter und die menschlichen Handlullgen. Die Völker der Alliierten horchten auf, als der jüdische Appell 31t ihren Ohren kam. Sie wußten, daß die Juden ein kleines, aber kraftstrotzendes Volk wären; alle großen Dinge kommen von kleinen Bokkern. Die britische Nation hat nur für die Gegenwart nicht das geleistet, was das kleine Mische Volk geleistet hat, ivelches noch zu großen Dinger: vusevsohen sein mag. Die Verfolgung hat die jüdische Kraft gestählt, deshalb konnte rnan sie nicht zerbrochen. Darunr hofften auch die Alliierten, daß ihnen die Mischen Sympathien viel nützen werden. Ich bin Dr. W e i z m a u n viel Dank schuldig, daß er mich zum Zionismus bokshrt >hat. Dr. Woizmann, der durch seine Kunst als genialer Chemiker den Alliierten große Dienste erwiesen hat, indem er zum Beispiel Mikroben zog, die Hol; in Alkohol, Mais und Roggen in Zucker verwandelten, wurde gefragt, was inan ihm zu Dank tun könne. Weizmanu erwiderte: Tut etwas für ü: e i n Volk! Er lehnte Gold und Ehren ab und bat um die Wiedera u fr : ch t u n g s e i n c s V 0 l ke s i m e ig eu e n La u d. Keiner hat einen solchen Eindruck iu der n i ch t j ü d i s ch e n Welt hervorgerufen wie Dr. Wolzmann.- Er war der stärkste Advokat der jüdischen Sache. Dr. Weidmann weiß es, fuhr Lloyd George fort, daß man niemand aus Palästina vertreiben kann, der nicht freiwillig gchen 'will. In Palästüm «wohnen nicht mt In* de«, sondern auch 600.000 Araber. Eg ift dort genug Raun» stir eine neue, große Bevölkerung. Araber und Jude« haben dort Platz. Die Araber haben gär keinen Grund, die Juden daran zu hindern, diejenigen Täler fruchtbar zu Machen, itt denen einst ihre Säuger fange»:. Die Juden wissen, daß man der Unterschrift Großbritanniens unter der Äastour-Deklaration trauen kann. WelcheParteiaUchzurRogiarustg k 0 m n» e u w i r d, d i e U u t e r s ch r i f t G r 0 ß b r i t a nniens und dessen Verpflichtung weiden h 0 ch g e h a l t e n w c r d e u. Nachdcn: Obermbbiner Dr. Hertz den: Redticr für feine Worte, die tiefen Eindruck gemacht hatten, den Dank der Versammlung ausgesprochen hatte, ergriff als letzter Redner Dr. W e: zma n n das Wort. Er sagte: „Die Geschichte der Taten von Dwvid Lloyd George f ü r d a s j ü d t f ch e V 0 l k ist lwch nicht beendet. Sie wird mit dem Spaten in beit Täler it u «t H ü g e l n Palästinas von den besten Söhnen des jüdischen .Volkes ci »gegraben. Das jüdische Volk würde nie und nimmer sein Hein: auf fremden Rücken aufbauen wollen. Es hat genug Unrecht am eigenen Leibe erdulden müssen, um :wch den Wille:: zu h.rben, anderen Unrecht tun. Kein I ude will, daß der Araber durch ih/- le ide. Aber zwischen Juden u-nd Arabern stehen d andere Kräfte, ' ■ dunkle Kräfte, die nichts mit den Juden oder Arabern gemein haben, aber int T r ü b c n fischen wollen. Sollten sich Juden unb Araber -von Angesicht zu Angesicht treffen, sie lvürdeu fühlen, daß sie Vevtvaudte find, die viel Gemeinsames in Vergangenheit und Gegenwart haben. Ich 'wünsche. Lloyd George könnte uns den Weg finden helfen, mi! den Arabern in Freundschaft zusammenzuarbe-iten, es jmir.de ein Weg sein, Vernicht allein zum Aufbau Palästinas, sondern auch zun: Wöhle aller Länder des Ostens fuhren würde. In diesem für mich so ernsten Augenblick möchteich den Wunsch laussprechen, daß Lloyd George das nationale Helm besuchen rnöge, um sich dort persönlich den Dank zu holen." Lloyd George erwiderte,.er nehme die Eiw ladungan. ' ■’ Jüdische Volksversammlung Heul« Mittwoch, 3. Juni, präzise */,<? Uhr abends, im Festsaal des Magistrat. Bezirksamtes, VU„ Jjermanng. 36 „Der 14. ZlonistenkQim ln Men" Redner: Rabb. Dr, D, Feuehtwang 10998 Anittä Müller-Cohen Dr, /. H. Körner, Präsident der „Hakoah" Di« Einberufer: Die Bezirks* u. Fürsorgerate der Bezirke VI bis VlU form in Ungarn steht jetzt zur Diskussion, sondern die durchaus nicht innere Angelegenheit Ungarns, ob es noch länger geduldet werden darf, daß ein Movdanstifter und Schutzherr von Massenmördern an der Spitze eines Landes stehe, mit den: zivilisierte Staaten Politische und finanzielle Verträge auf Treue und Glauben schließen sollen. Graf Bethstn ist mit einen: politischen Konzept nach Genf gefahren, in ivelchcm der Fortschritt zur Rechtsordnung, der angeblich in Horthy-Ungarn zu verzeichnen sei, eine wichtige Rolle svielt. Auf diesem Fortschritt sollte ein Gebärwe finanziellen und politischen Vertrauens aufgeführt tverden. Die Anklagen Beniczkys sind die entsprechende Erläuterung und treffende Beleuchtung dieses Fortschrittes. Wenn es im zwischenstaatlichen Leben ein Ehrgefühl gibt, wird n:an in Genf u:w in allen Staatskanzleien den: Regierungschef nur die Antwort erteilen können, die wir seit fünf Jahren in die Forderung zttsannnenfasten: Das Oberhaupt der Verbrecherbande muß von seinem Platz verschwinden und mit seinen Komplizen und Henkern auf die Anklagebank gebracht werden! Erst dann wird Ungarn wieder verhandlungsfähig werdeu! Sie Mordanklage gegen Horthy. Eine Possierliche Motivierung für die Verhaftung Perriezkys. Budapest, 2. Juni. (U. T. K. B.) In der Angelegenheit Beniezky wird im Wege des Ungarischen Telegraphen- Korrespondenzbureans folgendes amtliche Communique veröfsen-tlicht: Wegen des im „Az Ujsag" m 31. Mai unter der Ueberschrift „Beniczkys Aussage über de« Szomogyer Mord" erschienenen Artikels haben die ztlställdigen Behörden sofort die zur Ahndung erforderlichen gesetzlichen Maßnahmen getroffen. Gegen BeniezfY wurde wegen des Vergehens falscher Beschuldigung, Beleidigung des Reichsverwesers und Verletzung des Amf^- geheiNlnistes, gegen den ,?Az Ujsag" ivegen Vergehens verbotener Veröffentlichung Patz Per fahren einLk^ leitet. Wie den ersten Privatnachrichten gegenüber stlstgöstellt iverden kann, steht die gestern erfolgte Verhaftung Beniczkys mit der ifäMkation im ,-Az UUag" in keinerlei Zusammenhang <!). BeniqM) wurde in Haft ge non: men, weil er eine vierzehntägige Gefängnisstrafe zu verbüßen hat, die ihn: wegen Verleumdung des feinerzeitigen HonvMninisters S r e t e r auferlegt worden ift. Wie man Hoethy-Ungavn beurteilt. Paris, 1. Juni. Im „Journal des De bat's" befaßt sich heute Gauvain mit der Lage in Ungarn im Zusaulmenhang mit der Reise des Grafen Bethlen nach Genf und sagt: Der ungarische Ministevprästdsnt reist nach Genf, um den BMevbund in Anbetracht der wirtschaftlichen Lage Ungarns milde zu stimmen und neue Erleichterungen für die Sanierung Ungarns zu erlangen. Die >derzeftige ungarische Regierung verdient e s a b e r u i ch t, >dgß ihr irgend welche Erleichterungen getvährt werden, denn dqs Regime Horthy ist ein solches, wie es in Deutschland etwa ein Ladendyrff repräsentieren würde. Gauvain unterzieht hierauf das ungarische Wahlgesetz einer scharfen Kritik und sagt, daß Ungarn von e'mer O l igarchie mit allen Mitteln» der Tyrannei, regiert werde. Dieselbe Regierung, heißt es in dom Artikel weiter, die mit ihrer finanziellen Lage das Mitleid! der Welt zu erlvecken sucht, unterhM mit ungeheuren Kosten eine starke Armee und gibt große Summen^ aus, um ihren Kreaturen Stellungen zu verschaffen. Gauvain weist schließlich auf verschiedene ungarische^ Vereinigungen hin, die als Ziel die territoriale WiederheHellung des alten Ungarn vor Augen halben^ und bemerkt, ldaß soeben eine neue Liga zur Angliedevwng des zur Tschecho-Slowakei gehörigen früheren Oberungarn an Ungarn gegründet worden sei, die keinen anderen Zweck verfolge, als einen Aufruhr gegen! die Prager Regierung anzuzettÄn, was eine Nlerkwürdige Vorbereitung für die Beistvebungeni des! Grafen B «t h l e n dein: Völkerbund Lei, Die RehMMenm» des Rabbiners Schavira. Der Revisiousprozeß abermals verschöbe». Warschau, 1. Juni. Am 29. Mai sollte beim Obersten Militärgericht in Warschau der Revistonsprozetz des Plocker Rabbimrs S cha p i r a stattfinden, welcher, wie bekannt, im Jvhre 1980 von: Feldgericht wegen aygeMchev Spionage standrechtlich erschossen lvorden war. Vertreter der Familie des Rabbiners Schapira ist der Seftndeputierte Dr. Hartglas, der die Revision des Prozesses energisch betreibt. Die RwisionSverhaMung im schon einige MM angesetzt, wurde aber ünnm wiche« vMchoben. Awch d« Ml den 29. Mi angesetzte BerhcmMvg vor de« OvtzyM

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.