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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-31 · Heft 2255 (31.5.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2255 (31.5.1925)
Date
1925-05-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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' Veite 3 Wien, Sonntag .GUMMIMANTEL, Spielbälle, Gummischuhe und Gummiwaren aller Art zu Fabrikspreisen! SPIRMANN & HOROWITZ Wien, II. Bcz., Taborstrassc Nr. 11 b — Telephon Nr. 47-0-86 Ruhe an den Wiener Hochschulen. Der gestrige Tag verlief an dcr Universität atnb Technik sowie an den übrigen Wiener Hochschulen in vollster Ruhe. Die Sperre hatte also die beabsichtige Wirkung. Ta jedoch Samstag der usuelle Bummeltag ist, fo hatte, um Zwischenfällen vorznbeugcu, ein Wachkcrdon am Vormittag die Universitätsrampc abgesperrt. Auch die Liebiggasse, wo sich die Mensa academiea befindet, und die übrigen .Seitengassen, welche zur Universität führen, waren mit starken Wachposten beseht. Es wurde jedoch nicht „gebuuum'lt" und die Wache.hatte keinen Anlaß, e-inzufchreiten. Arn Nachmittag wurde auch der größte Teil der Wache abgezogen. Am Vormittag sah man noch im Votiv- Park etliche Hakenkreuzgesellen und ein paar Komnmniste-n, die ans die Möglichkeit eines Kralvalles warteten. Doch fanden sie keinen Anlaß zum ,Eingreifen", da ihnen die aniveseu-de Wache zu stark war. Strafanzeige gegen den Rheinlandbund. Der aufgelöste Rheinlandbund hat in der Nacht von vorgestern aus gestern in den Straßen Wiens Plakate anschlagen lasieu, die eine „wahrheitsgetreue" Darstellung der Vorgänge in Mödling zum Inhalt hatten. Dort wurde die Behauptung ausgestellt, daß die cHaKnkreuzlcr in Mödling von den Arbeitern unter der Führung Müllers überfallen worden wären. Die Polizeidiraktion hat nun auf Grund dieser Plakate eine S trasa ngeige erstattet, da diese Plakatierung eine Fortsetzung der Berlins tätigkett davstellt, obwohl der Wehrbund Rheinland bereits aufgelöst wurde. Die Hakenkreuzpromenade im Stadtpark. Die Hakenkreuzler hielten auch gestern wieder im 2tadtpark ihre Promenade ab, hüteten sich aber angesichts des großen Polizeiaufgebots und der zahlreichen Arbeiter, die sich emgefnndon hatten, Rcrdanszenen hervorznrusen. Als sie sahen, daß sie in der Minderheit seien, steckten sie schnell ihre Abzeichen ein und nischten sich möglichst unauffällig unter die Besucher des partes. Nur zwei Bursche, die zu provozieren verachten. wurden zur AusweisIeistung angehalten. Re Mordprovaganda der Hakenttenzvreffe. PstrzerLiche Strafanzeige gegen das nationglsozialiftische Orgam Me an leitender Stelle ausgoführt üvivd, veröffentlichte gestern erschienene Nunrmer der Deutschen Arbeiterpresse", )es Parteiorgans der nationaltsozialistischen Partei, in Kvei Artikeln eine Liste mit Namen und Adressen mehrerer Wiener Publizisten, BanLeuten u-nd Großindustriellen, die sie ihren Anhängern zur „besonderen Beachtung" empsrchlt. Der Pvessestaatsanlvakt hat sich nicht 'bemüßigt gesehen, diese für jedermann deutlich erkennbare AM'ocherung zum Mord zu beschlagnahmen. Wie wir nunmehr erisahron, hat die Po lize id i r e kt r o n gegen Walter Gattermayer, der den ersten Artikel unterzeichnet hat, und gegen den Veranttvortlichen Redattteur ser „Deutschen Arbeiterpresse" , wegen gefährlicher Drohung und Aufreizung zu Feindseligkeiten gegen Nationalitäten und ReligionsgemeinschLsten die strafgerichtliche Anzeige erstattet. Ser Referentenentivurf der Sozialversicherung. Er l lärmige» des Ministers Rcfth. Gestern machte Minister für soziale Verivattung Doktor Ne sch in einer .Pressekonferenz Mitteilung über den soeben fertiggestettten Referentenentwurf der S'ozialo e r s i ch e r u u g. Danach wird das gesäurte soziale Versicherungswesen vereinheitlicht werben, so daß die den Unternehmer sehr kostspieligen Berechnungen der einzelnen Versicherungsposten entfallen. Die wichtigsten Bestimmungen des Entwurfes sollen eine grundlegende Acnderung >der K ranken v e r s i ch e r >u u g, der Invallidi tä t s-, dcr U n fa l lve r s i ch e r uitg vub der A x* b c i t sl o s e nv e r s i che r u ng 'herbei fühlen. Jeden: Arbeiter wird nach Erreichung des 05. Lebensjahres eine Altersrente zugesichert werben, so daß er nicht mehr auf den Bettel der Pfründenverforguug angewiesen ist. Diese neuen sozialpolitischen Errungenschaften der Arbeiterschaft werden die Industrie u m etwa 30 Pr >o \ e n t m c h r b e l a st e n als dies bisher der Fall war. Es sollen aber auch die Länder und G e m e i n d en für stärkere Be i t ra g sl e i st u ng he ränge zogen werden, da ihre Armensonds durch eine solche obligatorische Altersversicherung entlastet werden. Der Entwurf muß erst den Interessengruppen zur Stellungnahme übermittelt werden und kann frii'hestens nach den verschiedenen Abänderungen, denen er unterzogen werden wird, erst in: Jahre 1928 Gesetzeskraft erlangen. Wiener Moraenzeltunn._ Re Demission der polnischen Birepremierr. Ministerpräsident OrabSki Übernimmt die Leitung der Sektion für die nationalen Minderheiten. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeit»mg".1 Warschau, 30. Mai. Der Präsident der Republik Polen hat nach einer längeren Konferenz mit dem Minister Thugutt dessen (von uns bereits gemeldete. Die Red.) Demission angenommen. An Stelle Thugutts tritt keine andere Persönlichkeit in das Kabinett Grabski ein. Die Arbeiten der Sektion des politischen Komitees fiir die Angelegenheiten der nationalen M i n d c rh e i t c n werden unter der Leitung des Mini st c r- Präsidenten G r a b s k t fortgeführt werden. Sie sind in den Schul» und Konfessionsangelegenheiteu, wie ein Communique des Ministerratspräsidiums mttteilt, so weit vorgeschritten, daß in Kürze die definitiven Vorschläge der Regierung werden unterbreitet werden können. finden Wolfs Polen reife. Keine formelle Einladung der polnischen Regierung. LondöA» 30. Mai. (I. T. A.) Der Generalsekretär des auswärtigen Komitees der Anglo Jewish Assoeiety, Herr Lucien Wolf, ist am 27. Mai von London nach Warschau abgercist. Wie bereits gemeldet, ist Herr Lucien Wolf von der polnischen Regierung eingeladen worden, zwischen ihr und der polnischen Judenheit zu vermitteln. Herr Lucien Wolf ist aber von: Joint Foreign Committee instruiert worden, sich der jüdischen Gemeinschaft in Polen zur Verfügung zu halten und sich darüber zu informieren, wie weit Polen die Minorit ä ts b e st i m n: uitgcn des Völkerbundes einhält. Insbesondere soll er sich über die von per polnischen Regierung geplante Minoritätengesetzgebung unterrichten. Herr Lucien Wolf crlärtc vor seiner Abreise, es sei keineslvegs eine formelle Einladung der polnischen Regierung an ihn ergangen, und er habe auch nicht die Absicht, zwischen der Regierung und dem jüdischen Parlamentsklub zu vermitteln. Er gedenke, sich etwa 14 Tage in Polen aufzuhalten. Me Sura-Studenten. Kundgebungen für den Mörder Codreann. — Zusammenstütze. Bukarest, 30. Mai. (Tel.-Komp.) Gestern abends ist Universität'sProfessor Cu za, per Führer der rumänischen saszistischen Studenten, zusammen mit dem des Mordes an dem Polizeipräsidenten von Jassy beschuldigten und freigesprochenen Codreann in Bnkar est eingetroffen. Die .Studenten hatten zum Empfang große Kundgebungen vorbereitet. Prof. Cuza fuhr jedoch mit Codreann bereits um 11 Uhr nach Jassy weiter, ohne die Hauptstadt zu betreten. Nach der Abfahrt des Zuges wollten die Studenten manifestieren, wurden jedoch durch ein starkes Militäraufgebot daran gehindert. Es kam hiebei zu heftigen Z n sa m m e n stö ß e n zwischen den M a n t f c (ft a rite n und dem M i l i t ä r, wobei m e 1) r c r e Studenten verletzt wurden. Erst nach Mitternacktt war die Ruhe in 'der .Hauptstadt wiederhergestellt. Antiiapanische Kundgebungen in ftiiaintfsflJ. Die Polizei schießt. Schanghai, 30. Mai. (Reuter.) Hier kam es zu einer antijapanischen Kundgebung, bei 'der die Polizei auf die Menge schoß. Sechs Personen wurden getötet und zahlreiche andere verletzt. Etwa dreißig Demonstranten wurden. verhaftet. Die Ordnung ist Wiede rhergestellt. Ser englische Kommuniftenlongresr. Stinkbomben. London, 30. Mai. (Tel.-Korup.) Der kommunistische Kongreß in Glasgow wurde heute vormittags in Anwesenheit von 200 Delegierte» unter dem Vorsitz von Pollit eröffnet. ' Kurz nach Eröffnung der Sitzung luavf ein Unbekannter durch das Fenster zwei Stinkbomben in den Saal, die platzten und die Luft mehrere Stunden hindurch verpesteten. Der Vorsitzende wandte sich in seiner Eröffnungsrede vor allem gegen Namsay Macdonald, der niemals (!) ein wahrhafter Vertreter der englischen Arbeiterschaft gewesen sei. Jüdische Volksversammlung Mittwoch, 3, Juni, präzise lj%8 Uhr abends, im Fest- Isaal des Magistrat. Bezirksamtes, VU„ Her man ng. 36 „Der 14. Zionistenkongress ln Ulen“ Redner: Rabb. Dr, D. Feuchtwans io«s Anitta Müller-Cohen Dr. /. H. Körner, Präsident der uHakoahH Die Elnberufer: Die Bezirksu. Fürsorgeräte der Bezirke VI bis VUl 31. Mai 1925 m. sm fraget so« Schuhe! mH eingebautem y,Barson“-Gummi~Absatz Ein Komplott zur Ermordung Rakowskys? „Gvcning New'S" veröffentlichen in scnfationelleir Aufmachung die Meldung, daß ein Komplott zur Erm o r d u n g des russischen Geschäftsträgers Rakowsky zur Kenntnis des Stäatssekretariats des Innern gelangt fei, das nach einem Mann fahnde, der zu diesem Zweck aus Holland nach England gekommen Das franMche Budget erledigt. Einfuhr von ausländischen Valuten. Paris, 30. Mai. (Havas.) Dcr Senat hat mit 169 gegen eine Stinime das Budget für 1925 angcnonunen, das 32.970,000.000 Franken an Einnahmen und 32.690,000.000 Franken an Ausgabc n beträgt. Der U eberschuß au Ein na h m e n beträgt somit 2 8 0,000.000 Franken. Im Laufe dcr Debatte über das Finanzgesetz erklärte Fmvnzminifter E a i l l a n x, er luerde für einen Zeitraum von sechs Monaten die E rlaubnis zur Einfuhr van im Aus lande befind l i ch c n K a p i t a l t e n u n d ausländischen Valuten erteilen. Abdel Krim. Der verzweifelte Kampf Frankreichs in Marokko ist mehr als ein afrikchiischer Kolonialkrieg. Er ist eine Phase in dem großen Kampfe der muselmanischen Völker gegen Europa, in dem der Sieg seit Jahrzehnten auf der Seite der ersten ist: die Mohammedaner Indiens wissen es und beten regelmäßig für den Erfolg ihrer Brüder im Rif. Ein amerikanischer Journalist hat den Kriegsschauplatz besucht. Er fand ein muselmanisches Volk Weißen Stammes, vollkommen primitiv und seit Jahrhunderten von Europa unberührt. Aber die Beute, die die Spanier ihnen zurückgelassen haben, hat shrcn Geist aus einem'langen, selbstgenügsamen Schlummer geweckt und nie vorher geahnte Wünsche und Ansprüche zum Aufblühen gebracht. An der Spitze dieses Volkes steht ein wahrer Führer, der daS Land modernisieren will und dank seiner absolutistischen Macht seine Pläne rasch durchführt. Ordnung und Gesetz herrschen jetzt im Rif, die blutigen Zwistigkeiten zwischen Familien und Dörfern, die Tradition waren, sind beendigt, es gibt eine wirksame Justiz, die Sicherheit von Leben und'Besitz sogar auf den Straßen verbürgt. Der Führer, der den Spaniern und Franzosen Schlag auf Schlag versetzt ist Abd el Krim. Er plant den Vau von Eisenbahnen und Tramways, die Ausbeutung der Minen, die Errichtung von hohen, eleganten Häusern. Der,,Adjir", heute ein Haufen von zwanzig oder dreißig aus Steinen und Lehm gebauten Hütten, soll eine Stadt werden „wie London oder New-?)ork". Das Volk hat diese Visionen einer besseren Zukunft erfaßt und bespricht mit Sachkenntnis, lvie es die neuen' Erfindungen der Zivilisation werten will, „sobald. eS seine Freiheit wieder erobert haben wird". Das Kriegsmaterial, das nach jedem Zusammenstöße die Spanier regelmäßig zurückließen, wurde sorg-; faltig gesichtet und verwertet. Sechs oder sieben Telophonlinien, die natürlich aus spanischen Drähten und Apparaten bestehen, verbinden die Punkte, an denen gekämpft wird, mit dem Hauptquartier. Im Regierungsgebäüde werden Schreibmaschinen benützt. Der Sultan hat zwei Automobile und ein Motorboot. Die Truppen ziehen mit den modernsten spanischen Gewehren und Karabinern in den Kampf. < Abd el Krim ist heute dreiundvierzig Jahre alt. Er ,st ein Weißer, untersetzt, ein wenig hinkend, die Folge eines Fluchtversuches aus einem spanischen Gefängnisse. Seine Hände sind ungemein gepflegt, blutleer und von unendlicher Feinheit. Sein Gesicht wird von einem schwarzen Bart eingerahmt. Die leuchtenden Augen blicken seltsam starr unter halbgeschlossenen Lidern. Abd el Krim gehört einer Fanrilie an, die einmal in Marokko herrschte. Sein Vater war Richter und Adjir. Er selbst vollendete seine Studien in Fes und wurde Khadi in Melitta unter der Oberhoheit der Spanier. Das Ausland kennt er nur von einer Vergnügungsreise nach Malaga. 1916 wurde er von den Spaniern verhaftet und ein Jahr lang im Gefängnis gehalten, weil er damals von der Unabhängigkeit Marokkos gesprochen haste. Nach seiner Befreiung blieb er noch zwei Jahre in Melitta und kehrte 1920 in seine ursprüngliche Heimat zurück, wo sich bereits die ersten Anzeichen einer Revolte ankündigteu. Erst betraute ihn sein Stamm mit der Führung, dann schuf er eine Föderation aller Rifstämme, und als die Spanier, die eine Armee von 20.000 Mann gegen ihn führten, zuiu ersten Male in die Flucht geschlagen wurden, gründete er den Rifstaat. Seit August 1932 ist er Sultan. Seine Macht ist getreu dem inusclmauischeu Gesetz absolut, die Minister sind nur dem Sultan verantwortlich. Aber ein Rat, der aus den Häuptlingen der Stämme und einigen religiösen Würdenträgern besteht, hat beratende Stimme. Der Stamm Abd el KrimS« die Beul Uriagel, spielen in Marokko eine ähnliche Rotte, wie sie Preußen bei der Bildung eines einheitlichen Deutschland hatte. Seine Majestät der Sultan läßt im Ge^ spräche diesen Vergleich zu, aber mit einer Einschränkung: die Peni Uriagel halten sich, so versichert dcr Sultan, von dßn Moralischen Fehlern fern, die dem ilttlse Preußens

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