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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-26 · Heft 2250 (26.5.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2250 (26.5.1925)
Date
1925-05-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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GÄe 3 Wien. Mn-tag Wiener Morgerizeitung 26. Mm 1626 Die Sozialdemokaten bei «Mel. Die Mödling« «-Me. tul>d unserem Glauben entstammt, wird die offiziellen Beziehungen zwischen ihnn und der; Juden Palästinas in keiner Weise beemträchtigen. Die Grundsätze Herbert Samuels. Die Ernennung Lord Plumers zum Oderkommissär Lwn Palästina gibt Anlaß, an die autoritative Ansprache des ersten Obcrkornirrissärs von Palästina, Sir Herbert Samuel, zu erinnern, die er nach seiner Ernennung im Juni 1920 an die Vertreter der Presse richtete. Sir Herbert Samuel legte die G r u u d s ä tz c, nach denen der britisch' Oberkommissär in Palästina zu regieren habe, in den folgenden Worten dar: ,>Es ist eine hehre Aufgabe, am Aufbau des heiligen Landes nlitzuarbeiten; ich nahm diese Aufgabe mit Freuden auf mich. In Palästina wird die vollkommene Religionsfreiheit aufrecht erhalten iver-den. Diehciligen Stätten der großen ligionen werden jede unter der Kontrolle der eigenen Anhärrger stehen. Es wird e i n c Z i v i la d m i rr r st ra- 1 i o u int Sanfte geschaffen; die höhere n P o st e n werden mit fähigen und erfahrenen britischen Beantten besetzt werden; die anderen Posten werden der Landesbevölkerung ohne Unterschied des Glaubens offen stehen, Für die Anfrechthaltung der Ordnung wird alles getan, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes wird aktiv gefördert werden. G em ä ß b e m Beschlr» s sc de r alliierten und assoziierten Mächte werden At a ß n a h m c n ergriffen w e r d e n, u m das Jüdische Nationalheim in P alä st i n a Wieder a u f z u b a u c n. Die Sehnsucht des jüdischen Volkes in den letzter! 2000 Jahren, deren letzter Ausdruck d i e m o d e r n e z i o n i st i s ch e Bewegung ist, soll endlich erfüllt werden. Die hierzu unternommenen Schritte werden auf die Rechte der gegenwärtigen nichtjüdischen Einwohnerschaft volle Rücksicht nehmen. Das Land bietet einer weit größeren Bevölkerung als der jetzigen Raum; Palästina wird mit Wegen, Eisen- 5 ahne n, Häsen und elektrischen Anlagen versorgt, der Boden wird kultiviert, verwüstete Landstächen werden wieder der Kultur zurückgeivonnen, Wälder werden gepflanzt, die Malaria ausgerottet, Stadt- und Dorfinduftrien gefördert werden. Unter diesen Umständen wird eine von außen eiugorvauderte Bevölkerung den» Lande nicht nur nicht zunr Schaden, sondern zu großem Nutzen auch für die gegenwärtige Einwohnerschaft werden. Die Einwanderung wird im Verhältnis zur Entwicklung und zur Aufrwhmsfähigkeit des Landes vor sich gehen. E r- Ziehung und g c i st i g e Entwicklung werden in der Weise gepflegt werden, daß die Hoffnung erstehen wird, daß aus dem he'jigen Lande moralische Kräfte zu Nutzen der gesamten Menschheit aiisstrahlen werden." Sir Herbert Samuel schloß: „Dies sind die Ziele, die die britische Regierung unter der Kontrolle des Völkerbundes bei der Ausführung des ihr übertragenen Mandates über Palästina zu befolgen versuchen wird." Ein neuer Heiter der Palästinensischen Polizei. Jerusalem, 24. Mai. Der Tetektivinfpektor der Londoner Polizei, Josef Brafthorst, wurde zum Leiter der Polizei der palästinensischen Regierung ernannt und soll demnächst seinen neuen Posten antreten. Für eine südisch-arabische Konferenz. Jerusalem, 23. Mai. (I. T. A.) Der bekannte arabische Führer M u s a A b d i n aus R a m l e y fordert die jüdischen Kolonisten in einem offenen Schreiben ans, sich mit Vertretern des Arabertums zueinerKonter e r» z zu vereinigen. Die Konferenz soll alle Fragen der Politik von der Erörterung ausschließen und sich nur Fragen der Wirtschaft, insbesondere mit Bezug aus die Verbesserung der Landwirtschaft im Laude, widmen. Musa Abdin, der behauptet, von weiten arcrbrs ch cu Kreise n ermächtigt zu sein, schlägt die Bildung eitles Äumitccl aus Araber n und Juden vor. welches die Konferenz vorbereiten solle, die ihrerseits ein ständiges Komitee, das sich mit der.Verbesserung der Wirtschastsbedingungen in Palästina zu befassen haben wird, einsetzen soll. Christliche Araber Palästinas erbitten Spaniens Intervention. Jerusalem. 33. Mai. (I. T. A.) Eine Abordnung bc: christlichmrabischen Bevölkerung voll Bethlehem besuchte am 18. d. den Kardinal Casanova, der jetzt in Bethlehem als Führer einer spanischen Pilgergriippe weilt, und ersuchte ihn, die spanische Regiernrrg dazu zu bewegen, daß Spanier» die Angelegenheiten der Araber Palästinas und ihrer» Einspruch gegelt die Politik des jüdischen Nationalheimes gegenüber dem Völkerbund vertrete»» soll. Kardinal Casanova gab der Abordnung das Versprechen, daß er das spanische Volk und die spanische Regierung über die Gefahr, die das jüdische Nationalheim für die Christercheit bedeutet, aufklärert tvird. Im Zuge der Untersuchung über die blutiger» Ereignisse in Mödling wurden gestern in Wim »vettere Verhaftungen hakeukrruzlerischer Verdächtiger vorgenonMe». Zugleich verfügte der Untersuchungsrichter in Mödling, LarAesgerichtsvat Dr. B o m b i e r o, die Verhaftung von sechs fozialdentokratischen Arbeitern, die beschuldigt wurften, an dem Uebcrfall auf den Techniker Schüler (dem cs übrigens bereits besser geht) tcilgeuommcu zu haben. Diese Maßregel rief in der Arbeiterschaft große Erregung hervor, die sich zunächst in kleinen Streits Lust machte. Der saziawemokpatische Parteivorstarw trat gestern früh in Wien zu einer Sitzung znfammeu. Nach der Konferenz begab sich eine Abordnung zum Bundeskanzler, lieber die Aussprache berichtet die Sozialdemokratische Korrespondenz: „Mittags erschienen im Austrage des Mia!demokratischen Parteivorstandes die Abgeordneten Dr. Bane r, Dr. Danneberg, Tr. Deutsch, Dr. Eisler und Richter soivie Landesrat Hellmer beim Bundeskanzler Tr. Ramek und dem Bi^kanzler Dr. Waber. Die Abordnung mochte die Vertreter der Nogierung aus die n ng e h c u r e Erregung aufmerksam, die iii Mödling und ludt darüber hinaus Platz gegriffen habe, weil Montag früh eine Anzahl von Vertrauensmännern völlig grundlos verhaftet worden ist. Der Unter - sttchnngsrichter, ein bekannter Hak e u k x e lt 5 ie r, führt die Untersuchung vffenknndig so parteiisch, daß cs notwendig erscheint, ein anderes Gericht mit der Untersuchung zu.betrauen. Schließlich erinnerte die Abordnung energisch all die schon tm Nationalrat erhobene Forderung, daß die H a k e n k r e u zl e rz e n t r ale ans dem Gelb ä n d e d e s f r ü ih e r e n Eise n b a h n mint st e r i n m s sofort entfernt werde. Der Bundeskanzler setzte sich sofort mit dem zuständigen Staatsanwalt ins Einvernehmen und teilte dann der Abordnung mit, das Verfahren werde so >b c s ch l e u n i g t werden, daß die Errchastnng der Vertrauensmänner noch an» Nachmittag erfolgen weifte. .Die weitere Unterstrchrsng werde durch das Wiener L a n d e s g e r i ch t geführt werden. Bezüglich der Entfernung der Hakenkreuzlerzenträle ans dem Gsbmlde am Schillerplatz erklärte der Kanzler, daß er bereits Schritte h i e zu e i n g e l e i t e t habe. Die Abordnung erklärte, daß die Partei ihr weiteres Berih alten davon abhängig machen werde, ob das gegebene Versprechen nunmehr ehestens erngehalten werde. Schwierigkeiten -er Kabinetts Painleve. Der fatale Marokkokrieg. — Gerrüchte über Dernisstonsavsichten Caillaux'. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 25. Mos. Der Marokkoseldzug, in den Frankreich hineingeraten ist und der sich als weit schwierigeres Unternehmen darstellt, als auch die gewiegten militär»- schen Marokkokenner, wie Generäl L i a u 1 e y, gedacht hatten, hat das Kabinett Pa in lebe in eine schlvierige Sit Nation gebracht, da die Sozi alisten, welche die gegenwärtige Regierung unterstützen, wegen der Marokkoangelegenheit, beziehungsweise ihrer militärischen Austragung, Schwierigkeiten ' machen. Es wurde eine Reihe von Interpellationen über den Marokkoseldzug eingebracht; die wichtigste ist die des SvzrMten R e n a u d e l. Diese Interpellationen hätten schon in der heutigen Kammersitzung behandelt werden sollen, doch haben die Sozialisten gemäß dem Wunsche der Regierung sich damit einverstanden erklärt, daß ihre Interpellation ans Mittwoch vertagt werde. In diesem Sinne hat auch die Kammer heute, entgegen dem Anträge der Kommunisten, die Marokkointerpellation sofort zu behandeln, mit« 312 gegen 78 Stimmen entschieden Die Gruppen des L i n k s - K a r t e l l s haben erklärt, haß sie eine Tagesordnung votieren würden, worin der Regierung das Bertrauon ausgesprochen wird, sie werde die Ehre und die Rechte Frankreichs i m R a h in e n der bestehenden Verträge ausrochterhalten und die Befriedung der R i f - G r e n z e verwirklichen. Die wundeste Stelle des Kabinetts Painleve ist nach ivie vor die Finanzpolitik. Das Budget wird jetzt im Senat verhandelt, der gegenwärtig das Budget des Finanzministeriums betät, welches Pro l025 mit 23 Milliarden präliuliniert ist: davon sind 10 Milliarden, das sind säst zwei Drittel des Gesarntbndgets, für die Verzinsung der Staatsschuld bestimmt. Der Finanzausschllß des Senats hat diese Budgetpost angenonnnen. Im Se»»at »nacht sich eine anscheinend r» n n a ch g i e b i g e Opposition gegen die Bndgetpläne des Finanzutinifters C a i l l a n z; geltend. Und da dieser die Führung seines Portefeuilles davon abhängig »»»achte, daß es ihn» geli»»ge, für seine Finanzpolitik auch die Majorität des Senate) zu gewinnen, so taucht mit ziemlich großer Bestimmtheit das Gerücht auf, daß Cat isla ux zu d e »n i s s t 0 n i e r e u beabsichtigt. Tatsächlich sirrd die Verhafteten, unter ihm»» die Vertrauensmänner, um 5 Uhr nachmittags cnthaftet worden." Die Namen dieser Arbeiter lauten! H 0 f m a n n, Spe nadel, Pvr tenädor, Piplisch, Za Udler, Kalma n und N 0 w a f. Eine Kundgebung der Kommunisten. Wegen der Vorfälle i»» Mödling hatte»» die Km»rmundsten für gestern nachmittags eine Masse»»verfammlnng vor dem Rathaus oin'beruifen. Sie forderten die Arbeiter Wiens auf, von ihren Betrieben weg zur Kundgebung vor dem Rerthauz»» zichcn. Die „Arbeiterzeitu»»-g" hat jedoch schor» in ihrer SountagSmlmmer evklärt, daß es sich hier um ein ikommunistisches Manöver handelt. Die sozialdemokratische Arbeiterschaft lehrrte cs auch tatsächlich ab, an dieser Km»ldgeb»»»»g teilzu»»eh»nen, und so evschienen nur etwa 600 Kommunifteü, dar»l>»ter viele Jnge»»dliche. Die Versammlung war für halb 6 Ichr angesagt, lvrlrde jedoch wegen des erwartete»» „Aufmarsches der Arbeiterschaft" aus den Betrieben erst um dreiviertel 7 Uhr eröffnet. Aber trotz des späten Versamiitlungsbeginnes »vurder» der Teilnohmer nicht mchr. ES sprachen die Kom'»m»niste»»sührer Haas, Fiala n»»d mifcm, die sehr radikale Forderinrgen stellten. Nach etwa halbstündlger Dauer wurde die Versammlung geschlossen. Die Teilnehmer forinierten sich ui»d zogen in geschlossenen Reihen über de»» Ri»»g, begleitet vor» noch mehr Neugieriger» und einen» großen Wacheallfgebot. Be.irn Schillerplatz ur»d den übrigen Zrrgärrge»» zu dem chernaligen EisonbahrrrnUristertrun, wo die Hakenkreuzler ihrer» Sitz haben, tvaren WaWordmls ausgestellt, »»»»» ein Eindringer» der Kmirrnunisten zu vechindern. Auf de,n Schwarzenbergplatz löste sich dann der flöcmmi* strationszug auf. Hakenkreuzlev und Hakenniisler. Fn der gestriger» „Reichspost" ist Zu läsen: Unsere Hakerrkreuzler. Die „N. Fr. Pr." dam 24. d. schreibt: „Der Stadtpark ist aestern abends politisiert worden. Unsere Hakeukrenzler empfanden plötzlich das unlbezwirrgl.iche Bedürfnis, sich dort zusammenzulsinden, und aller Welt, rramentlich aber dem Restaurateur vom Kursalon *u beweisen, daß sie die Stärkeren, die Einflußreicheren sirrd..." Ob es nicht „Hakennasen" heißen soll?.; Es ist reichlich unvorsichtig von der ,MeichsPost", an die Nasen der Herren Seipel, Mataja, Jertzabetk pstw zu vergessen. Uobrigens ist in der heutigen Senatssitzung ein Demrssionsschreiben des Senators Gigon zur Verlesurrg gelangt, der zurückgetreten ist, um C a i l l a u je ft e u & i n* tritt in den Senat zu ermöglichen. Ungünstige Meldungen uns MaroOko. Paris, 25. Mai. (Havas.) Der „Temps" meldet aus Rabat: Sechs französische Posten in der Gegend von T a u n a t und M u l a Y - A i n, die tagelang von den Rrslertten eingeschlossen waren, sind geräumt worden, um den fliegenden Kolonnen, die sie mit Lebensrnitteln versorgten, größere Freiheit zu geben. Die Gruppe Gambay hat Verstärkungen, erhalten, um es ihr zu ermöglichen, die Pläne des Feindes in bezug aus Kisfane zu»n Scheitern zu bringen. HIndenburg« „Mehrheit". Berlin, 25. Mai. Gestern hat die Neuwahl des olbenburgischen Landtages stattgefunden. Das Ergebnis kann als sylnplomatisch angesehen »verden, weil es die Stärke der Parteien nach der Reichspräsidenten» wähl andeutet. Für den R e i ch s h l 0 ck der Rechtsparteien »vurden be> der Roichspräsidentenwahl 96.800, Lei der gestriger» Wahl mte 48.600 Stimmen abgegeben, was einen B 0 r l u st von fast 50 P r 0 z e n t der Stimmen bedeutet. Die Weimarer Koalition erhält im neugewählten Landtag 84 Sitze, denen nur 16 Sitze der Rechten gegenüberstehen. Auch Henrh Barmat freigelassrn. Berlin. 25. Mai. (WM.) Wie der amtliche preußische Pressedienst von zuständiger Stelle erfährt, hat dev Untersuchungsrichter auf Vorstellung der Verteidiger unter Aufrechterha'ltung des Haftbefehles die Freilassung Henry Barmats gegen Lei>stung einer Sicherheit von 10.000 Mark angeockuet. (Julius Barmat wurde, wie gemeldet, tziM» gestern freigelassen.). Horthhr Sozialdemokraten. Bildapest, 25. Mai. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der Lan'desa,lösch,»h der s0z iald0 n»okratischen PaM ■lx»t heilte abouds öeMo-ssen, daß die ParillamentAfvartimil in die Nationalversammlung z-urückrehvetz soll, um den schärfsten Kmnps gegen den WaWeifovMNd» tvnrf der Regierung wieder aufzunehmen. Zionisten! Leistet den Schekel! An Cuch, Gesinnungsgenossen, liegt e«, daß «nsere Landesorganisation beim 14. Nouisteakongreß mit einer starken Delegation erscheint!

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