Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2250 (26.5.1925)
- Date
- 1925-05-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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j Polen; 20 ttrosgy I Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer verschleisstelle 'Trafik) monatf. 5 Schilling Strassen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma G o 1 d sch m ied,!.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien Aid Oesterreich monatlich 5 Schilfitig Tschecho-Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland; Mon. Gm. 4» Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei Prel*- erhOhungen vorbehalfen iPreis ao a fflPicnec orgtnreiiung England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lre, Ru nänien: Mon. 170 L i, Bulgarien:Mon.lOOLewa, Schweiz und das übrige Ausland monailic'i Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstra-se 6-8 (D uckerei g. Steinmann) Oester: eichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 «r* 2250 a=s==s 9 E I) VORZÜGLICHEN schwarzen und weissen I ■ M JE CBE K nnH 40Prozent m Ersparnis an Kaffeebohnen 1 erreichen Kaffeehäuser, Bars, Hotels etc. mit der in . ETERNA-EXPRESS-KAFFEEMASCHINE“ II Ij^OEFIflWERKE A.G., WIEN,1 "iSÄ ISIoJ Expertise über Sesterreich. —y. Wien, 26. Mai. Im Juni sott eine Expertise des Völkerbundes über die Lage Oesterreichs stattfinden. Dieser von Oesterreich selbst im April vorgeschlagenen Prüfung liegt die heiße Forderung zugrunde, die den Inhalt aller Weisheit dieses Staates bildet: Es muß etwas geschehen. Ueber das Was gehen die Ansichten auseinander. Aber da man hier gewöhnt ist, immer in irgend einer vagen Hoffnung auf einen braven Onkel zu schweben, so meint man, der Völkerbund werde nach dieser Expertise, die doch nur die vorhandenen lausigen Zeiten-wird konstatieren können, die große Brieftasche öffnen oder irgend eine Wurzen finden, die das tut. Denn auf die Wurzenfängerei läuft hier endlich und schließlich alles hinaus. Das ist diesmal vergebliche Vorschußfreude. Den Mächten des Völkerbundes geht öS nicht gar so gut. Sie stecken selbst in Schulden; wenn sitz sich aber herbeiließen, für Oesterreich etwas Positives zu tun, so müßten sie vorerst darauf dringen, daß hiev Ordnung und Sicherheit hergestellt wird und daß Ereignisse von der Art, wie.sie erst vor fünf Nächten in den dunklen Straßen des Mödlinger Arbeiterviertels zu verzeichnen waren, unmöglich gemacht werden. Für dieses Verlangen müssen Garantien geschaffen werden. Kann die österreichische Regierung sie geben? Diese Regierung, disinnerlich uneins ist, aus den heterogensten Elementen besteht und sich in einer heillosen Situation befindet? Das, was in Mödling geschehen ist, hqt eine Spannung enthüllt, die kaum noch erträglich scheint. Der Aufmarsch der Rheinlandfyrmation in der ArbeitersiMung ist doch nur ein Symptom von vielen. Die Hakenkreuzler sind doch nur Exekutionsorgane von Gewalten, die sich einstweilen noch im Dunkeln halten, deren Ziel aber offen liegt: Sie wollen den Staat auseinandersprengen. Es ist unsinnig,, an Zufälligkeiten zu glauben. Es liegt vielmehr eine Reihe von Tatsachen vor, die wie Zahnräder ineinander greifen. Da. kommen plötzlich, so ohne weiteres, die Studenten der Bodenkulturschule daraus, daß ihr Pvofessorenkollegium vor einem halben Jahr den Ausschluß der Auslandsjuden, der vor wieder einem halben Jahr beschlossen worden war, aufgehoben habe. Das fällt ihnen gerade jetzt ein. Da führt die Hakenkreuzpresse plötzlich, ein paar Wochen vor Genf, eine giftige Sprache gegen den Minister Benesch und droht ihm mit der Mobilisierung der Straße. Der österreichische Gesandte in Prag muß nach Wien kommen, um hier vorstellig zu werden, und er muß schamrot in Prag referieren, daß Oesterreich genug Machtmittel besitze, um den Gast zu schützen. Dann erinnern sich die Techniker, daß einer ihrer Professoren vor einer Woche wegen einer Beschimpfung der republikanischen Freiheit und der „gewissen Rasse" von zwei Blättern angegriffen worden war, und sie schreiten zur repressiven Sperrung der Hochschule. Da reden die großdeutschen Abgeordneten plötzlich sehr viel vom Anschluß an Deutschland und spucken den Minister Benesch an. Die ganze Sache erschiene dumm, unsäglich dumm. Wenn man vom Bölbrrbund etwas haben will, dann darf mans doch nicht erpressen wollen. Sonst wird die Absicht gemerkt. Aber es handelt sich um viel mehr. Es handelt sich um einen Angriff auf das Völkerbundkabinett. Mit Straßenkundgebuttgen schlimmster Sorte soll bewiesen werden, daß Oesterreich lebensunfähig ist und daß ihm nur geholfen tverden kann, weüu es sich an das Hinden- Men, Aeustag, 26. Mai 1626 7. Sofitflons Lord Warner. Englische Presfekommentare. London, 23. Mai. (I. T. A.) ,M a n ch e st e r G u a rdia n" schreibt zur Ernennung Lord Plumers: Wir wollen abwarten, ob die Soldatenunifovm des neuen Oberkommissärs staatSmännischen Geist birgt. In Palästina , sind die Linien des Fortschrittes klar und einfach; Lord P lumer wird zweifellos in den Spuren Sir Herbert Samuels wandeln, der das Land so geschickt durch die ersten Schwierigkeiten hindurchgeführt und bei der Erfüllung der historischen britischen Deklaration auch die legitimen Interessen der nichtjüdischen Bevölkerung wahrgenommen hat. „Daily Telegraph" schreibt: Sir Herbert Samuel entfaltete in Palästina in einer wunderbaren Weise diejenigen Geistes- und Charaktereigenschaften, die ihn von jeher auszeichneten und ihm zu einer Karriere ununterbrochener Erfolge verhalfen, bis er der Nachfolger Lord Oxfords in der Koalitionsregierung Lloyd Georges geworden ist. Als Großbritannien das ihm vom Völkerbund übertragene Palästinamandat akzeptierte und damit die Ausgabe übernahm, in Palästina dem jüdischen Volke. eine nationale Heimstätte zu schaffen, sah jeder in Sir Herbert Samuel die geeignete Persönlichkeit für die Durchführung dieser Aufgaben, und seine Ernennung^ wurde in einigen Kreisen mit Begeiste- - vung ausgenommen. Eine in sich gefestigte Persönlichkeit wie Sir Herbert Samuel konnte sich durch seine Daten 'bald von dem absurden verdacht reinigen, daß seine Ernennung die Begünstigung der jüdischen Minderheit auf Kosten der anderen EI emente Paläst \ n a s bedeutete. Er regierte mit vollendeter UnparteKichkeit, er bedorzugte keine Konfession bei der Verteilung der Aomter und führte mit M ä ß igung und sicherem Gefühl die Politik der Balfour-Dekla ration durch. Das Land nahm unter seinem Regime eine ans Wunderbare grenzende wirtschaftliche Das Urteil im Prozeß Waldegg. Zwei Jahve schweren Kerkers. Der Prozeß gegen den Generaldirektor der zusammengebrochenen Nordisch-Oesterreichischen Bank, Otto W a l d e g g, wurde gestern nach sechstägiger Verhandlungsdauer beendet. Waldegg wurde des Verbrechens der Veruntreuung und des Vergehens der Krida schuldig befunden und zu zwei Jahren schweren, verschärften Kerkers verurteilt. Entwicklung. Sein Nachfolger, Feldmarchall Lord P l um e r, verfügt über eine vollendete militärische Erfahrung, und die Lorbeerkränze, die er in Messines und auf vielen anderen historischen Schlachtfeldern der Westfront erntete, sind die eines i n seinem B e r u f e v o l l k o m m e n a u f g e h e n d e n Soldaten. Kein anderer General beisitzt in weiterem Maße das Geheimnis, geliebt zu werden und vollkommenste Disziplin zu erhalten. Diese Eigenschaft wird für ihn als Administrator ebenso wertvoll sein wie sie dem Truppenführer genützt hat. Ihm wurde jetzt die Durchführung einer Aufgabe anvcrtraut, die vorzüglich eingeleitet wurde. „Jewish CHronicke" schreibt: Die Ernennung Lord Plumers zum Nachfolger Sir Herbert Samuels kam überraschend. Unter den zahlreichen Persönlichkeiten, die man gerüchtweise nannte, fehlte sein Name. Wir zweifeln nicht, daß Lord Plumer, der. sein Leben lang Militär war, die Angelc,gerchei.ten Palästinas strenge der walten und die In st r>ukt i o u e n des Kol onialamtes gehorsam erfüllen wird. Es muß zugegeben werden, daß die Kenntnisse und Erfahrungen des neuen Oberkommissärs auf einem anderen Felde liegen, welches mit seiner neuen Stellung, deren Hauptaufgabe her Wiederaufbau des jüdischen Nationalheims in Palästina ist, wenig zu tun hat. Diese Ausgabe ist mehr zivilen als militärischen Charakters. Wir können die Wahl einer Militärperson für diesen Posten nicht eine glückliche nennen, seitens der Juden aber wird hierüber kein Wort der Klage fallen. Die britische Regierung handelte bei der Ernennung Lord Plumers im Geiste des von der Zionistischen Organisation cckzevticrteu Memorandums von Churchill. In der Tat wurde der Welt gezeigt, daß nicht die Balfou-r» . Deklaration, auch nicht die Mandatspolitlk, sondern die P o li t ik d e s Wh i t e' Pap e r s gemacht wird. Ferner wurde dargetan, daß die Schaffung eines Nationalheims für das jüdische BE nicht die eigentliche Ausgabe ist, sondern man ist darauf bedacht, das Gesicht als Mandata r macht zu wahren. Man betrachtet Palästina als eine von Großbritannien verwaltete K r o n k v l o n i e. Deshalb schickte man einen Soldaten von hohem Range als Oberkommissar, 'da ja vom britischen Standpunkt hauptsächlich die militärische Bedeutung Palästinas in Betracht kommt. Es ist unnötig zu betonen, daß Lord Plmner als Oberkowmissär von den Juden Palästinas nt i t Respektu n d Auf m e r k s a m k e i t, i m G e i st e der Loyalitä t gegen Großbritannien ausgenommen werden wird. Die Taffache, daß er nicht unserem Volke burg-Deutschland anschließt. Es ist eme freche Intrige der Kreise, die draußen im Deutschen Reich den Angriff auf die Weimarer Republik vorbereiten und so viel Sturm säen, als sie nur können. Die Oeffentlichkeit Oesterreichs ist taffächlich in tiefste Unruhe geraten. Parteien und Regierung stehen ratlos. Sie haben den Unfug der bewaffneten Formationen geduldet, bis er das politische Gebiet verlassen und auf das kriminelle übergetreten ist. Das Spiel mit der Waffe war ihnen genehm. Atavistische Erinnerungen an die glorreiche Zeit der Burgmusik und der Schmelz- Parade wurden lebendig. Die Jugend ntarschierte, übte Paradeschritt und nebenher noch Schießen. Am beweglichen Objekt. Es wurde ja in tveiten Kreisen peinlich empfunden, daß dieses Unwesen immer weiter griff und heute bereits fast die gesamte Wiener Mittelschuljugendunter der Führung der „wehrhaften" Hochschüler militärisch organisiert ist und sogar das Brückenkopfbesetzen gelernt hat. Ganze Jahrgänge sind mit Trommelschlag und Kommando zum Kadavergehorsam erzogen und stehen als Material zur Verfügung. Es kann ihnen nichts geschehen. Wenn sie es zu bunt treiben, kommen sie vors Gericht (oder auch nicht) und werden freigesprochen oder der Steinhof tut seine schirmenden Tore auf. Die Jungens sind überzeugt, ihrem Volk zu dienen. Und sie warten auf „den Tag". Scheint er zu dämmern? Die Sozialdemokraten haben gestern dem Bundeskanzler und dem Waber erklärt, daß sie auf der raschesten Durchführung der Untersuchung und ans der Aushebung des Hatenkreuznestes auf dem Schillerplatz bestehen müßten. Beides hat der Kanzler zugesagt. Die Hauptforderung jedoch, die im Augenblick zu stellen war, die nach der sofortigen Entwaffnung der diversen Bünde und Formationen, wurde nicht erhoben. Weshalb nicht? Etwa darum nicht, weil der Bundeskanzler hätte erwidern können, daß dies doch der Landeshauptmann von Wien, der Bürgermeister Seitz, ans eigenem anordnen kann? Hoffentlich war dies nicht der Grund der Vergeßlichkeit. Und weil die Entwaffnung nicht erfolgt, gewinnen die Banden neuen Mut. Zwei Tage nach Mödling machten sie mit dem Revolver in der Tasche einen Ausflug in den Stadtpark. Wir sind mitten im Bürgerkrieg, knapp vor der Völkerbundexpertffe, knapp vor einer schwerwiegenden Entscheidung über Oesterreich. Pflügst-’ ' .' ' in Rcgcnmtintaln, Sommerstoffen, Damen-u. Herrenwäsche, Badekoatümen, Teppichen, Vorhängen etc. zu unerreicht billigen Preisen bei tt Schiffmann II. Taborstraße 48 Telenhon 47-1« 79 En gres fn detail