Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2248 (24.5.1925)
- Date
- 1925-05-24
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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flfo AAS_Wien, Sonntag Wiener Msrnenzeitrmz. 8000 Kronen her Stück, bezahlte jedoch den Kaufpreis nicht. Schließlich wird konstatiert, daß die Bilanz der Nordisch-Oesterreichischen Bank vollkommen falsch war. Die Bezeichnungen „Reservefonds", „Außewrdentlicher Reservefonds" usw. stellen nur leere Worte dar. Um droivicrtel drei Uhr wurde das Bewoisvcvfohren geschlossen. Morgen vormittags um 9 Uhr werden die Schluß- Vorträge gehalten. Die Entscheidung Liber das Bankgebäude. Zn gleicher Ze.it mit der Verhandlung vor dem Straflandesaerichte fand gestern vor dem Berwaltungsgerichtshofe eine Verhandlung statt, in welcher die Nordisch-Oesterrsichische Bank als Beschwerdeführerin gegen die Gemeinde Wien auftrat. Das Gübäude auf der Seilerstätte 22, iit welchem die Nordisch-Ocsterreichische Bank untergebracht sst, gehört dom Bundesschatze. Es ist das letzte Altwiener Haus, welches in die Daulinie vorspringt; zur Zeit der Tüvkenbclagevung war das Haus eme Kanone n s ab r x k. Das Aerar hat der Bank das Gebäude gekündigt, woge.gen diese Einspruch erhoben hat. Der Kündigungsprozeß .ist noch nicht bcenoct. Im Jahre 1923 nahm die Bank an, diesem Gebäude umfassende Adaptierungen vor. Zum Abschlüsse gelaugten jedoch diese Bauherstellungen nicht, weil der Magistrat dieselben mit der Begründung inhibiert«, daß diese Bauherstellungen einem völligen U m b a u gleichkämen und zu einem solchen die baubohövdliche Bewilligung nicht vorlicge. Gegen diese von der Baaroberbehörde bestätigte Gnsscheidung brachte die Bank die Beschwerde an den Vertvaltungsgerichtshof ein. Insbesondere wurde gegen die Nichtzuerkenlmng der aufschivbenden Wirkung Beschwerde erhoben. Der Vertreter der Gemeinde Wien wies darauf hin, daß die Bank die Bauarbeiten ohne Wissen der Baubehörde hinter einer Verschalung fortsetzte, weshalb die Gemwin.de Wien gegen die Bank einen Beftttzstörungsprozeß einbrachte, der vom Bezirksgericht Innere Stadt und vom Landesgerichte zugunsten >der Gemeinde Wien entschieden wurde. Der VevwaltnngZgerichtshof (Vorsitzentder Senatspräsident Dr. Locker) schloß sich diesen Ausführungen an und wies die Beschwerde als unbegründet ab. Tausende Abonnenten haben wir bereits durch ein wertvolles und passendes Geschenk erfreut und jeder Leser der «Wiener Morgenzeitung», der die Bezu^sgebühr für ein Jahr im vorhinein bezahlt, erhalt gratis in drei eleganten HalbleinenbSnden Graetz / Geschichte der Juden Ansser der Jahresgebilhr sind ifir Versandspesen noch ö.-K 26,000 zu bezahlen Die Geschichte einer Ausweisung. Der Wiener Großkaufmann mtd Industrielle I. F. war von der Pollizeidirektion im Vorjahre ausgewicsen worden. Dieses Erkenntnis wurde von dom Verwaltungsäerichtshofe, weil die Tatumftän'de der Abschaffung uicht bezeichnet waren, aufgehoben. Die Poligcidircktion hat nun mrt Entscheidung vour 19. AugNst vorigen Jahres neuerlich den Industriellen, welcher in der' Angelegenheit der Porp Hy r it-A.-G. verwickE und gegen den ein Strafverfahren anhängig war, doelches jedoch eingestellt wurde, auf Grund des Gesetzes vom 27. IM 1871 ausgewiesen. Dagegen hatte >der AusMwicifene einen Rekurs erngobracht, in welchem er darauf verwies, daß ihm auch diesmal wieder die seine Abschaffung bodvüindonden Tatumstaud nicht bezeichnet wurden nud überdies M den Ausführungen, mit denen er gegen die voll der WirtschastspolMi erhobenen Angriffe zu entkräften versucht halbe, uicht Stellung genoinrnen wurde und ihm keine Gelegenheit zur Bevantwortlmg geigüben wurde. Der »Magistrat Wien als pMtische Lan-desbehörde hatte anl 18. Februar dieses Jahres den Rekurs zurückgewiesen und die Ausweisung bestätigt, weil der Beschwerdeführer uicht die S t ä a t s b ü r g e r s cha f t in Oesterreich besitze und sein Aüsenthalt im Albschaffungsgebiet aus Gründen der öffentlichen Ordnung sich als unzulässig darstelle. Gegen diese für Mn Jahre ausgosipvochone Abschaffung ergriff der Kaufmann die Beschlverde an den Verwalinngsgerichtshof wegen Maugelhastlgkeit des Verfahrens, weil dein Beschwerdeführer im Zuge des Verfahrens kein Parteigchör gewährt wurde und weil sowohl das Msch-aiffungsevkenutnis wie auch die Bevu-fungsentscheidung jedtveder konkreten Begründung entbehren und weil ihm unmöglich gemacht wurde, gegen die von der Wirsschaftspolizei erhobenen Aitwüvfe eingehend Stellung zu nchmen. Der Bersassnn'gsgerichtshof unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Schuster hob die Entscheidung neuerlich wegen Mangelhaftigkeit des Verfahrens auf. In der Begründung wurde ausgeführt, daß allerdings die Endcheidung nicht der Begründung entbcihre, daß aber zu den Emlvänden des Beschwerdeführers nicht gehörig Stellung genommen wurde. Schmuhkonkurrenz. Heinrich Kozmian, Inhaber der t-Antofahrfchulc, hatte gogett die Inhaberin der Autosa'livschule Rumpler die EhrenbelechignngsVlage eingebracht, weil sie ihn der Schlnutzkonkurvenz geziehen halbe. Sie warf ihnT auch vor, er habe sich, als er aus ihren Diensten trat, selbst ein Zeugnis geschrieben und sich erltgogen feinen Bcrsprochmlgeu in ihrer nächsten Nähe ei,re Fahrschule erdichtet und vor ihrern Tore (feine Reklamezettel verteilen 'lassen. Die von Dr. Josef Berger jnn. verteidigte Angeklagte führte den Walhrheitsbeweis für ihre Behauptungen, der ihr auch zur Gänze gelaug. so daß sie fr e ig eis pro ch en wurde. Auch das Berufungsgericht schloß sich diesem Urteil an und verurteilte den Kläger überdies zur Zahlung der Gerichtskosten. Arreststrafe für Verunglimpsung jüdischer Aerzte. Aus Bvody in Polen wird uns berichtet: Anläßlich der letzten- Wahlen in die Krankenkasse hatte der hiesige antisemitische RoKvojverband eine WählerveMMinlung elnber»ifen, in der unter starken Hetzen gegen, jdie Juden für eine antisemitische Kandidatenliste agitiert wurde. Besonders auft-eizend war die Rede des juirgen Grafen Bochenski, der die jüdischen Aerzte der Krankenkasse in 'ehrenrühriger Weise verleumdete. In, Namen der in ihrer Ehre gekränkten Kassenärzte strengte der Chefarzt der Kasse gegen den Grasen B o ch e n s k i die Ehrenbeleidigungsklage an. Die vor einigen Tagen staltgefnirbene Gerichtsverhandlung endete mit der Verurteilung des Grafen Bochenski zu z e h n Tagen A r r e ft. Bolkswirt. gnflatlonsmentaMSt. «ine wirtschaft-psychologisch« Studie. Bon Dr. Michael Sussan. - Bei der Betrachtung der Wrrtschaftsentwicklung der einzelnen Länder läßt sich nicht eine gewisse Nervosität verkenmn. Man kann dies ganz klar in Oesterreich beobachten, wo der P e Is s i m i s nt us die Oberhand gcwonmn hat, wo sich int »veiten Kreisen die Ansicht festgesetzt hat, daß der Gang der österreichischen Wirtschaft mchessveokündond sei, daß ihr Zuscmmtenbruch mit Gotvißheit zu erlvarten sei and daß aus der Krise überhaupt kein Austveg möglich sei. Jedes Wirtschaftssynchtont, das bei ruhiger Betrachtung als gimstig angesehen werden könnte und in normalen Zeiten als „vorteilhaft" für die Wirtschaft erklärt worden ist, wird jetzt von der verkehrten Seite beurteilt und unbedingt als negatives Ergebnis getvertet. Es ist zweifellos, daß jede wirtschaftliche Erscheinung neben ihrer Hellen Seite auch eine dnnkle Kclhrscite hat, je nachdem, von welchem Gesichtspunkte sie betrachtet wird. Der Pessimist Übersicht teils aus Kurzsichtigkeit, teils aus falscher Einstellung die Lichtseiten der wirtschaftlichen Erscheinung und findet nur die Schattenseiten heraus. Dies ist nur daraus zu erklären, daß die psychische Einstellung des Beobachters eine derartige ist, daß sie keine anderen Gesichtspunkte für die Beurteilung der Tatsache zuläßt. Diese Ericheinung ist nicht nur in Oesterreich zu beobachten. Sie tritt in demselben, vielleicht sogar m stärkerem Umfang auch in Frankreich auf, wo in weiten Kreisen die Ansicht vertreten ist, 'daß die Finanzrefovm dom französischen Fiskus iibevhaupt nicht Hessen könne. Man kann sie in Deutsch - fand finden, ,mi. breite Schichten der Bevölkerung die Meinung vertreten, daß die deutsche Wirtschaft infolge der Durchführung des Dawes-Planes zum dauernden Siechtum vevurteiilt sei. Sie läßt sich sogar in England nicht verkennen. Sie findet ihren Ausdruck, abgesehen von den pessimistischen Pressestimmen, unter anderent a>nch in der Haltung der cinjctJteit Börsen, die infolge des Ueberhandnehmens des Pessimismus des Publikums zur Lethargie verurteilt sind nud täglich neue Kursabbröckelungen vornehmet,. Dieser Pessimismus ist so stark, daß er selbst sehr günstige Akomente, die in anderen Zeiten die Börsen zu Hausseflammen entzündet hätten, jetzt direkt kalntiereud aus das Börsenlsben wirken. Die Uvsache dieser völligen Wandlung in der Anschauung über die Wirtschaftsentwicklung liegt in erster Reihe in der völlig geänderte,, wirtschaftspsychologischen Einstellung nraßgeberider Schichten des Wirtschaftslebens^ Sie hat ihre Wurzel in erster Reihe in den schlechten Erfahrungen, welche in den ersten Nachkriesjahren gemacht wurden. Als die Währungen der ess^olnen Staaten imnter mchr und mehr in die Tiefe sausten, als festgefügte alte Wrvsschaftsgelbäude kläglich zusarnmenbvachen und starke, fcstfundievte Wirtschastssubjosse zu TvümnterhaufLN wurden, während im Wivbel >der Ereignisse wirtischastsschtvache, ungeschälte Wirsschaftsindividuen auf fast nicht mähr übersehbare Wwsschaftshöhen hinaüfgewirbelt wurden und die Fülle ihrer Reichtümer „ngehoure Mengen bildete, da hat sich eine Menialität hcrausgelbildet, die mit dom Gesamtnainen „I u s l a t i o n s p s y ch o l o g i e" belegt wurde. Es verkörperte sich in ihr die völlige Lossagung von den bisherigen Ersahrungen der Wirtschaft'sentwickluug. Es kam in ihr eine Betrachtung zum Ausdruck, welche die Gesetze der Wirtschaft völlig mißachtete und der Ansicht »var, daß nur ditrch ntüglichst rasche und widerstandslose Anpassnng an die Nachkriegsverhältnisse der Wirsschaft der Erfolg erzielt werden könne. Dies tvar die optimistische Seite der Mentalität, die in der Spekulatiou ausqrtete, im tvaghalsigen Devisenu>rid Effektenhandel die Schaffung großer Reichtümer erhoffte, die aber an das Erlöschen der Haussezeiien der Börse nicht glauben wollten und tut grenzenlosen, keine Schranken kennenden Konsum sich auslöbie. Doch auch eine p o s s intistische Seile verlbarg sich in dieser Inflationsinenialitäi. Es war die Reaktion als Folge des Zusantntettbrnches der' alten Wirsschaftsfundamente. Die Auswirkungen tvarett in dett veufchiedotten Ländertt auch verschieden. Während sich in Deusschland iürs Gefühl der nnbedingten Berelettdung zeitweise geltend machte, hatte sich in Oesterreich der Bettlerstandpnnkt eingenistet. Es war die Mentalität des Wirsschaftsindividnunts, das nnbedingt der Ansicht ist, daß es nicht ans eigenen Füßen stehen, daß es auf die Unterstützung angowiasen sei und daß es nur in dam Anschlüsse an ein größeres WirtschaftsgebLttds feilte Rettung sehen ikönue. Mit diesem Bettle r st a n d p u „ k t hatte man doch auch einige Erfolge erzielt. Man hatte die DAikerbmtdanleihe mit dem Appell für eint dem Un-tergalvge geweihtes Volk begründet, tro<-dem schon damals bekannt war, was jetzt allgonteitt anerkann, ist, daß eigentlich die Völkeribundanleihe sür sänitliche Staaten ein ausgezeichnetes Geschäft sei. Mit diesen. Arg,,,nenten. hat bis jetzt Oosterreich noch nicht a,ssgerälllint. Noch immer fühlen sich manche seiner Wirtschaftssaktoren in vielen Fällen mehr, als hissehesschende Bettler, denn als sMständige, ans eigene,, Füßen stehende Wirtschaftssubjekte, die nichts zu erbetteln haben, sondern eher als gleichstarke Subjekte getvertet werden sollten. .Eme einzige.Ausnahme ließe sich vielleicht in der letzten Zeit Wstellen. Es war dies die Verhandlnnvg ivegen der Entrieruttg. der EloktrlsizieruitgLmffeihen für die Eisenbahnen, ivelche bekanntlich als Geschäft u,td nicht als Alntosen getätigt werden soM. Diese Anleihe ist nicht zustande gekommer,. Nicht dostvegen, 'wöil die Außenstcheyden die . österreichische Wirtschaft nicht für vertrauenswürdig genug hielten, sondern weil!das Kontrostkonlitee des Völkerbnn-deS die Ansicht vertrat, daß die Reste des VötkerbundkraditeS für diese Zwecke ebenso verivendet werden könnten. Sonst aber mad>te sid) in Oesterreich Zweiter die. pessssnitzWe WrsschaftWMoloZie geltend, die aus _24. Mrt 1025_ S«te IS dieser glllentalitä, heraus die Existcnz.insähigkeit Oesterreichdeduziert. Die SpekulatiousmeNtalilät — es ist dies die positive Seite der Jnslationspsychologie -- ist bereits gewichet,. GS bedurfte daz»t der furchtbaren Niederlage der Spekulation mt Vorjahre. Dadurch ist eine gründliche Heilung erzielt worden, die wohl auch ihre günstige Wirkung aus die Zukunft haben dürste. Doch die Krise, welche die.se Wendung der SpMlationspshchologie verursacht hat, hatte andererseits zur Folge, daß die negative Seite dar JnflattonSpsychoiogie, die altgebliche Ueberzsugung vont der Lobensuinsähigkeit der eigenen Wirtschaft, mit so stärker anwuchs. Es halben sich groß-: Kreise, die bisher der optimsstischen Seite der Jtfflatioms Psychologie zuneigten, numnchr denn entgegengesetzten Extrem Angewendet. Dies äußert sich tu ed.ter Unmasse von Erscheimutgen. Abgesehen davon, daß der jetzige Zustand der Wiener Börse dies ganz kraß zum Ausdruck bringt, zeigt es sich auch in den pessimistischen Ansichten über die weit»« Wlrtschaftsentwickliung. . Mit wirffcha.ftspstM>logsschen Evscheinuugen ist wie mit anderent psychologischen Evscheinmngen nicht zu rechten oder zu polentisieren. Man muß sie vielmehr als Tassachen hinnehmen nrnd ihre Wandlungen abwarten. Es sst dies sine Sache der Zeit und der Entwicklung. ZwesselloS wird diese pefsiursstische Seite der Juflationspshchologie mit der Zeit ebenfalls fchtvmden. Damt wird auch eine andere Atsschauung über die Wirsschaftsetttwicklunra Platz greifen, eine Pivchologie, die der normalen Wirtschaft cnsspricht. kuglands Wirtschaftskrise. Aus London wird geschrieben: Die Erwartung der Ko«» servativen, daß nach dem Sturze Mac Donalds eine Regenerierung der Wilrtschaft beginnen würde, hat sich nicht erfüllt. Eine konservative Regierung ist nun seit sechs Monaten am Rnder und die Zahl d»r Arbeitslosen ist um 140.000 höher als vor einem Jahre. Gleichzeitig zeigt der HandelsausweiE für die letzten sechs Monate nirgends das geringste Anzeichen dafür, daß wirklicher Fortschritt in der Erholung von der schweren Krise gemacht worden ist, die mit dem Jahre,1921 über die britische Wirtschaft hereingebrochen ist. Wenn die Textilindustriett sich svährend der letzten Monate etwas erholt haben, so zeigen andererseits die Kohleninimstrre, die Schiffbau- und die Maschmenbauindustrie, die Eisenmrd Stahlindustrie eine geradeztt beispiellose Depression, wie sie der Regierung schwere Sorgen bereitet und gegenwärtig Gegenstand eingehendster Beratungett zwsschen .detn Premiermmister, den Arbeitgebern und den Gcwerkschaftsführcm der betroffenen Industrien ist. In den Werftett der Tyne, der Wear, Hartlepaols und der Does wird gegenwärtig keibt einziges Handelsschiff gebaut. Bon den 108 Hochöfen der Nordostküste sind im Augenblick nur 96 im Betrieb und ein gwßes Werk nach dem anderen schließt dort seine Tore. Der'Wert der Ausfuhr von Kohle ist in den ersten vier Monaten dieses Jahres, verglichen mit dom gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres, um 7 WMionen Pfund Sterling znrückgegaugen, der von Koks und fabriziertem HeiMaterial um über eine Million (oder beiinahe um 50 Prozent) und dev von Eisen und Stahlfabrikaten um über zwei Mllionen. Und immer mchr drängt sich hier der Verdacht auf, daß man es dabei nicht mit etwas Vorübergehendem zu tun habe, sondern daß dauernde Ursachen zugrunde liegen. Für die Kohlenindustrie ist das kein bloßer Verdacht, sondern eme Gewißheit. Sie muß sich mit der Tassache absinden, daß Oel die Kohle immer nvehr vom Meere verdrängt, und zwar so, daß der Verbrauch von Bunkerkohle in den Hattdelsschiffen in dem Zeitraum von 1914 bits 1924 um ein Drittel zurückgegangen ist, und daß damit eine Bewegung einsetztc, die rapide Forsschritte machen wird, und man muß durch bessere Organisation der Kohlengewinnung und bessere Verwertung der geivonnenen Kohle diese Kraftquelle sür die britssche Industrie, deren Suprematie ganz auf billiger Kohle ansgebaut war, wieder billiger machen, wenn sie sich im internativnalen Wettbewerb behaupten soll. Um den ganze» Druck der schweren Sorgen recht zu verstehen, welche die Gestaltung des britischen AußetchandleS seit dem Krieg der Regierung und allen unterrichteten Kreisen bereitet, »nutz man sich vergegenwärtigen, daß kein Land Europas weniger selbstgonügend ist als dieses Britannien. Es muß die Hälfte der LebenSmitteil, die es braucht, um seine Bevölkerung ernähren zu können, und, abgesehen von Kohle, beinckhe den ganzen Betrag der Rohstoffe, die seine Industrien verarbeiten, von auswärts einführen und kann die enormen Summen, die das kostet — etwa 560 Millionen Pfund Sterling jährlich für Lebensmittel und 960 Millionen für Rohstoffe --- nur durch Ausfuhr seiner Manufakturen und Kohle wie durch seine sogenannten unsichtbaren Exporte decken, welch letztere in der Haupssache aus den Zinsen seiner Kapitalanlagen im Ausland und den Kolonien und aus den Kommissionen für di!e Dienste bestehen, die es als Verfrachter, als Bankier und so werter dent Ausland leistet. Vor dem Kriege bot das keine Schwievigkeiten und die sogenannte Handelsbilanz, mit anderen Worten, da- Verhältnis des Einkommens aus der sichtbaren und unsichtbaren Ausfuhr zu den Ausgaben für die Einfuhr stand im letzten Jahre vor dem Kriege mit 180 Millionen Pfund Sterling zugutssten Britanniens. 1923 betrug dieses Saldo nur noch 97 Millionen Pfund Sterling, letztes Jahr noch N Nrillionen und im laufenden Jahr droht es,' den Nullpunkt zu überschreiten. Irr den vier abgelaufenen Monaten Aberstiog der Wort der Eintfuhr den der Ausfuhr um nicht weniger als 140 Millionen Pfund Sterling, mir wenn man den Wert der unsichtbaren Ausfuhr nach den Berechnungen des Handelsamtes auf > 100 Millionen Pfund Sterling setzt, bleibt immer noch ein Defizit von 40 Milllonett Pfund Sterling. Es ist unnötig, im einzelnen ausztfführen, wie katastrophal eine Fortdauer dieses Prozesses für das wirtschciftliche und politische Leben Steifest* niens wäre, Me WWMMW AarferM, hex fMeve KorL-