Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2248 (24.5.1925)
- Date
- 1925-05-24
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Sonntag Seite 12 Wiener Moraenzeituiis. 94. Mai 1925 «K_ MM svr. ZSew * Sommerartion des Keren Kaiemeth. Ebenso wie im 8erqanqerwn Jahre beabsichtigt der Keren Kajemeth auch Heuer M» Sommer eine iuteniswe Propagandatätigkeit in den Badern und den Sonrmevfrilschen zu entfalten. Die Erfahrungen der früheren Jahre haben gezeigt, daß speziell für den Keren Kajemeth in einer Reihe von Badeorten günstige Chancen vorhanden sind. Als Veranstaltungen im Laufe der Bade- und Reisesaison sind vorgesehen: 1. Vorführung des neuen Paläskinafklms. Dieser Film ist in sehr wirksamer Weise dadurch ergänzt worden, daß die Eröffnung der hebräische,, Universität unter Anwesenheit Lord Balfours dein vierten Teil hinzugefügt wurde. 2. Vorträge bekannter Redner. & Künstlerische uich gesellschaftliche Veranstaltnugen. Um eine wirksame An-nühnng der vorhandenen Möglichkeiten durchznführen, ist es notwendig, daß jeder Zionist dem Keren Kajemech rechtzeitig mitteilt, welchen Badeort er anfsncht und zu welcher Zeit er sich dort aufhält. Der Keren Kajemeth wendet sich daher an die Zionisten mit der Bitte, ihnr umgehend die Gesinnungsgenossen betanntzugeben. die im heurigen Sommer einen Badeort aufsuchen werden, damit er in der Lage ist, sich mit ihnen direkt ins Einvernehmen zu setzen. * Jüdisches Realgymnasinm, Wien. 2. Be§.. Castellozgasse 38. Anmeldungen für die 1. dis 7. Klasse täglich Mischen 12 und 1 Uhr. _ vereine, BortrSge und Versammlungen. Z i o n i st i s ch e B e z i r k s s e k t i o u Alsergrund. Dienstag. 8 Uhr abends, im aroßen Saale der Bezirksvertretung, 9. Bez., Währingerstraße 13. Be^sanrnrlung. Tagesordnung: Der 14. Zionistenkongreß. Referenten: fträu Anitta Müller-Cohen, Herr Dr. Jakob Meiner. — Leseuitb Redehalle jüdischer Hochschüle r. Dienstag, viertel 7 Uhr abends, im Hörsaal 35 der philosophischen Fakultät der Universität, Bortrag von Dr. Armand Kaminika: „Marcus Aurelius' Betrachtungen und die Ethik der Psalmen". — Beth waad I'i wrim, 9. Be,z., Türkenstraße 9. Heute Ausflug. Treffpunkt beim Liebenberg-Dcnkmal (Schottentor) um halb 3 Uhr. — Verein Erez Israel, 2. Bez., Zivkusgasse 33. Heute, halb 3 Uhr nachmittags, Ausflug. Treffpunkt Schottentor. Gäste willkommen. — Zionistische Fr aNeuorganisation. Mittwoch Schawuoch-Gartenfest mit künstlerischen Vorträgen und Tanz im Cafe „zur Pratevfee", Hauptallee 5. Beginn 1 Uhr. Gäste willkommen. -k- S^iale Vereinig«»« jüdischer Aerzte in Wien. Fürsorge a kt io n für bedürftige jüdische Aerzte und Mediziner (Berufsberatung, Stellenvermittlung, Ausbildung, Emigration usw.). Sprechstunden jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 11 Uhr vormittags im Vereinslokal, 8. Bez., Bennoplatz 1a. Schülerfest. Die Bereinigten Verbände jüdischer Eltern Wien 18. und 19. veranstalten unter Mitwirkung des jüdischen Turnvereins Döbling aus Anlaß der Lag b'omer-Feier heute im Kasino Zögernitz, 19. Bez., Döblinger Hauptstraße 70, ein Schülerfest mit reichhaltigem Programm. Gast-Männerriege des MaAabi 9. am Barren. Beginn 3 Uhr. der Abscheu des Renaissancemädchens davor, daß der Geliebte heimtückisch den Tod verabreichen wollte, statt in Freiheit (und Schönheit) mit ihr zu stevbcu, nicht unbegründet ist. Er haucht seine Seele aus und sie kehrt auf das Schloß zurück, allwo sie der Herzog bereits verzweifelt suchte. „Wo ist -der Schleier?" ist seine erste Frage. Beatrice führt ihn hin, wo sie den Schleier zurückließ. Dort entdeckt er den geliebten toten Dichter und betrauert ihn sehr. Deatriicens Bruder, ein Soldat und brav, reitet ihre <Ä)re durch einen Dolchstoß. „Des Lebens Maß ist Fülle und nicht Zeit," lautet das letzte schöne Wort des Herzogs. Diese Renaissancetragödie Schnitzlers hingegen ist trotz der Buntheit des dramatischen Geschehens, trotz der zahlreich in Bewegung gesetzten Figuren und trotz des farbensatten Renaissaneegewandes mehr langwierig und wortreich als inhaltsschwer und ergreifend. Hier ist Zeit das Maß, nicht Fülle. Das Opus, nach dem lebensvollen, scharf geschliffenen „Grünen Kakadu" und vor dem Einakterzyklus ,/Lvbendige Stunden" entstanden, zeigt wohl die Hand Schnitzlers, aber diese Aufführung des Burgtheaters, Erfüllung einer Ehrenpflicht dem Dichter gegenüber, erweist, daß nichts verloren ging, wenn dieses Drama länger als 25 Jahre nicht auf den Spiel-plan kam. Hilde Wagen er ist eine merkwürdig blasse, unbedeutende Beatrice. Dieses nüchtern-kühle, traumhaft-sicher über Abgründe hintanzende, über nichts erstaunende Geschöpf, da8 lvohl der Dichter nicht gestalten konnte, aber von ihrem Liebhaber Filippo sehr eingehend schildern läßt (dritter Akt), müßte an eine Persönlichkeit geraten wie etwa Elisabeth Bergner oder (vielleicht) die Orska. Auch ihr Partner, Herr Andersen, reicht nicht hin. Kein Dichter aus der Renaissanvez-eit. Auf der Höhe bloß Herr A s l a n als Herzog — ein glaubwürdiger, gereifter Kenner und Genießer des heißen, köstlichen Trankes ,Leben" —, ferner der hochbegabte, von edler Jugend überschännrende Herr Löhner, ein feuriger Rächer der besudelten Familienehre, und Frau Aknah iln der Rolle der Courtifane Lukrezia, die mir die wertvollste des Stückes zu sein scheint. Herr Direktor Herterich, der Spiellei-ter, hat die lebendigen Auszüge des zweiten und das Bacchanale des vierten Aktes reich und eindrucksvoll gestellt. Die Liiebesnacht in den Gärten des Herzogs, mit dem beleuchteten, herrlichen Palast im Hintergrund und vonr südlichen Mernerchimmel überdacht, ist ein Meisterstück der Regie und des Malers Remr'igius Geyling. Artur Schnitzler wurde sehr gefeiert und wurde ungezählte Male vor den Vorhang gerufen. :. Otto Abel es, vielt Liebe, und Sachkenntnis zus-ammengeftellte An Hottest« spezifisch jüdischer Musik, ssowohl boWet als auch iiüstrumen- •tder. Es umfaßte polnische nud vuAsch-jüdische Volkslieder in der Bearbeitung von Engele, Schitomirski, Streicher, Milner u. a., ebenso Proben des spaniolischen und jemenitischen Volksliedes, wie auch die moderne Vertonung Meier Malmen (von Seiälit, resp. Milner). Ms Proben der jüdischen Instrumentalmusik waren einige Koinpositionen für Violine und Klavier angesetzt, tvelche Konzertmeister Barisson in meisterhafter Weife interpretierte. Herr Raissoff war in der Wiedergabe -der Lieder ausgezeichnet, er versteht es, den Charakter des Volksliedes auch auf dem Podium zu wahren, iwährend er in den Psalmen (dies besonders in dem „EliMi" von Seialit) seinem lyrischen Tenor den richtigen dramatischen Ausdruck zu geben wußte. Kffm. Eine ständige jüdische Kunstgalerie in London. Am 17. d. wurde in London in den nenettvorbenen Lokalitäten der Gesellschaft für jüdische Kunst „Den Uri" die von dieser Gesellschaft begründete ständige jüdische Kunstausstellung feierlichst eröffnet. Der Vizepräsident der Gesellschaft, der bekannte Künstler Alfred A. Wol m a r >k, hielt eine feierliche Ansprache, in der er daraus hinwies, daß die Gesellschaft vor wenigen Jahren nicht etwa von den reichen Juden Englands, sondern von Juden aus der arbeitenden Klasse begründet worden ist. Mitteils zueamimengesparten Schillingen wurden den jüdischen Künstlern ihre Werke abgekauft; jetzt, nach zehn Jahren, kann man den erstell Versuch machen, den Traum von einer ständigen jüdischen Kunistgal-erie in London, zu verwirklichen. Mr. Wolmark erwähnte den Plan des Präsidenten der Gesellschaft „Beil Uri", des Dichters Israel. Zangwill, eine« jüdischen Kunst.ompel gegenüber den: Britischen -Museum zu erbauen, der die besten Werke jüdischer Kullst cmfn-chmcn soll. Hierauf sprach Chacham Dr. Moses Gast er, der anregte, daß der Galerie auch Bibeln:, Hagadah-Holzschuitte und Gegenstände des jüdischen Rituals einverleibt werden sollen. Die Galerie enthält u. a. ein großes Gemälde von Samuel Hirs^lliberg, Mei Statuen von Pros. Glttenstein („Der Messias" und „Israel Zangwill"), nvchrere Werke des berühmten PräraffaÄiten Simeon Solomon, Werke Von David Bömberg. Isaak Lichtenstein. L. Pilichowski. In Argentinien werden jüdische Schauspieler gesucht. Das Jüdische* Theater in Buenos Aires gibt in einer Zuschrift an div jüdische,i Blätter in Europa bekannt, daß jüdische talentierte Schauspieler und Schauspielerinnen aus dem Operetten- und dramatischen Fach jetzt Gelegenheit haben, in Argentinien Engagenrent zu finden. Bewerber mögen, ehe sie die Reise antreten, sich mit einem Schreiben an die unten angegebene Adresse wenden. Der Zuschrift müssen Zeitungskritiren oder Empfehlungsschreiben von i-nt jüdischen kulturellen Leben bekannten Persönlichkeiten beigeschlossen fein. Nur Schauspieler und Schauspielerinnen mit Talent und guter Reputation mögen sich bewerben. Die Zuschrift soll außer den Personalien ^Name, Mter, Geburtsort, gegenwärtiger Wohnort) auch ausführliche Daten über Bühnenvergangenheit, Repertoire usw. enthalten. Die Zuschriften samt Bedingungen sind zu richten an: Jüdisches Theater, Miete 1484 Jrigoyen, Buenos Aires. Radioprogramm. Sonntag den 24. Mai. 11 bis 1 Uhr: Wiener Eymphonieorchester. 4 bis Uhr: Konzert. — lJ.ß Uhr: Arbeiter-Mandoltnenorchester. (Uebertragung aus dem Konzerthaus.) — %10 Uhr: Heitere Abendmusik. Montag den 25. Mai. 4 bis 5 Uhr: 'Märchen. — 5 Uhr: Konzert, Die heitere Ouvertüre. — Uhr: Sagen. — 3/ß bis V49 Uhr; Englischer Sprachkurs. — 'Iß Uhr: Konzertakademie. Bühne und Kunst. Schnitzlers „Ser Schleier der Beatrice". (Burgtheater.) Filippo Ft ein italienischer Dichter aus der Renaissancezeit. Die Lijeder, die er jüngst für seine Braut sorntt-e, erkennt er nicht wieder, wenn sie sein Freund zur Laute singt. Denn seilt drei Tagen liebt er Beatrice. Vorwürfen, weil er die Verlobte verließ, ist Filippo nicht zugänglich. ,Menn ich schuldig bin, so ist die Jugend ein Geschenk der Hölle, ist Schönheit Sünde und das Glück ein Gift:" Seine Geliebte mißt er nicht mit gleichem Maß. Beatrice erzählt ihm einen Traum: Sie sei Herein geworden und der Herzog von Bologna habe sich über sie geneigt, um sie zu küssen. Filippo ist empört, daß seine Bealtride von einem anderen träumen konnte, und weist ihr die Türe. „Nur deine Hand/berühren, macht mich schaudern." Worauf das 16jährige Bologneser Kind — keine heiße, frühreife Julia, sondern ei>n unbekümmerter Blondkopf, den „nie des Daseins Wunder -namenlos erschreckte" — prompt antwortet: „Fühl' ich, daß ich nicht sein kann ohne dich und Hab' zu sterben Lust, so komm' ich wieder." Und geht. Filippo aber -tröstet sich mit Mei florentini'ifchen Courtisanen. Die Orgie, im Renaissanoestil mit Musik und Wein gefeiert, ist verrauscht. Er schickt die süßen Weiher weg und richtig kommt Beatrice zurück. Ihr Traum ist 'in Erfüllung gegangen. (Der Mt, da sie des Herzogs. Braut wurde, ist prachtvoll, des dramatischen Dichters Schnitzler würdig. Aber er ist der zweite, und es folgen noch drei! Akte nach.) Von der Hochzeitsfeier, eine Lnstnacht für die Bologneser Jugend vor der Schlacht mit dem grausamen Borgia, schlich sie unbemerkt in Filippos Haus, von einer Sehnsucht getrieben, von der weder sie noch Filippo noch das PMiknm nach dem, was in der Zwischenzeit vorgmg, sich Rechnung legen können. Es kam einfach über sie. Oder sie hat sich, als sie Herzogin ward, daran erinnert, daß sie gelegentlich zmn Zweck gemeinsamen Sterbens den Poeta laureatus abholen werde.. „Wie -dunkle Schleier liegt um dich der letzter: Stunden Rätsel, schwer gefaltet! Lass' sie zur Erde gleiten, gleich wie -den, der dsr das Haupt umhüllt!" Diese Aufforderung Filippos, die befolgt wird, ist für den Fortgang der Handlung nicht ohne Bedeutung. Nach einer Prüfung Beatricens, ob sie auch wirklich kam, um mit ihm zu sterben — er gibt vor, ist den Wein, den sie soeben mit chm trank, Gift getan zu haben —, sieht sich Filippo veranlaßt, allein Gift zu -nehmen. -Obwohl Aus den Theatern. Burgtheater. Morgen, 7 Ubr abends, J ittSont* mernachtstrau m". Dienstag »DerSchleierder B e a t r i c e". Akademietheater. Morgen, V,8 Uhr abends, „Der D a m e n k r i e g". Dienstag „Soll man es s a g e n8" StaatSoper. Morgen, 7 Uhr abends, „Ariadne auf N a x o S". Dienstag „Das Mädchen ans dem goldenenWesten". Deutsches Volkstheater. Heute verabschiedet sich Max Pallenberg in „Die Schlacht bei Waterloo". Alexander M o i s s i, der auf der Fahrt zu den Kölnischen Festspielen in Wien kurzen Aufenchalt nimmt, wird Freitag den 29. d. in „D e r l e b e n d e L e i ch n a m", SamStag in„DerGraf vonCharolaiS" und Sonntag in „D i e W o l l u st d e r A n st a n d i g! e i t", „Er ist an allem schuld" und „Die schlimmen Bubeninder Schule" spielen. Kleines Theater in der Annagasse. Ab Dienstag den 26. d. wird Louis Verneuils Lustspiels „Karussell" aufgeführt. Kammerspiele. Morgen und Dienstag, lfß Uhr abends, StrindbergS „Rausch" mit Maria OrSka. Dienstag nachts Premiere der Bilderreihe „Fünf Minute» Liebe". Theaterin berJosef stabt. Dienstag den 26. d., 7*8 Uhr abends, Erstaufführung von „I u a r e z und Maximilian", dramatische Historie von Franz Werfel. Wiener Bürgertheater. Freitag den 29. d. findet die 450. Aufführung von „Gräfin Mariza" statt. L u st s p i e l t h e a t e r. Die amerikanische SensatiouSkomödie „S a m F e x" von Frank R o l a n d wurde zur Aufführung erworben und - gelängt Mitte Jr»ni mit Josef Jarno in der Hauptrolle zur Erstaufführung. Ein Fetischistendramä. Direktor Geher hat das dreiäktige Drama einer Leidenschaft „Hände" von Kurt Sonnenfeld (nach dem gleichnamigen Roman des Verfassers) zur Uraufführung für die K a m m e r s p i e l e erworben Das Drama behandelt das Problem des Fetischismus. Das Stück gelangt im Juni zur ersten Aufführung. Mulford-Gemeiude. Mittwoch den 27. d.. halb 8 Uhr abends, im VortragSsaale der „Scholle". 2. Bez., Liltenbrunngasse 1, „Helle Totenfeier eines Unsterblichen" zum 34. Todestage Prentice Mulfords. , Ein Denkmal für Chaim Solomon. Die Föderation der PÄnifchen Juden in Amerika hat beschlossen, dem ersten jildischen Einwanderer ans Polen ein Denkmal zu setzen. Der erste jüdisch-pollniis-che Einwanderer hieß Chaim Solomon und zeichnete sich in den Befreiungskriegen als amerikanischer Patriot ans. In einem den Vertretern der Neiv-Borker Presse geyenen FrnWück wurden die preisgekrönten Modelle gezeigt. Den ersten Preis erhielt das Modell des Bildhauers Anton Schaaf, den zweiten der Bildhauer Aaron Goddelman. Das Denkmal wird in-Madisorr Syuare ausgestellt werden. Jüdische Musik in Jiu-me. Ans Fiume wird m:s geischrieben: Am Sonntag den 1-7. d. veranstaltete die hiesige rührige Lokalorganifation, der Ciroolo gi-ovanile eibraico, einen Abend modemer jüdischer Musik, dessen Ansführuttg in den 'bewährten Händen des beika-ninten Tenors Gregor Raiskoff Mevy Halevh) unter Mltwivknna der Tri-eftiner Professoren E. Bar-isfon (Violine), D. Namaculr (Klavier) und G. Zueeokii (Harmonium) lag. Das Prvgvanrm bot elne mit Serichtssaal. Re verkrachte Hakenkreuzbank. Untersuchungsverfahren gegen die Zeugen. Zu Beginn der gestrigen Verhandlung verkündigte der Vorsitzende den Beschluß des Grichtshofes, >daß der von 'der Bevkerdignng neuerlich em-gebrachte Vertagungsanirag abgelehnt worden sei. Gleichzeitig teLlte Hofrat Dorr mit, daß be.i dem gleichen Gerichte ein Untersuchungsverfahren gegcn die bisher als Zeugen vm Pvazesie gegen Waldegg aufgerufenen vier Pevsouen. Felmarfchallleutnant C z a p p, Generalmajor H u s s a r e k, Generalkonsul van Roven und Ejnar Lind, anhängig sei, und zwar wegen derselben Delikte, die gegen Waldogg Vovliegen. Dann wurde wieder van Rohen verhört. Tluf die Frage des Bovsitzenden, vb er im Sommer des vorigen Jahres den Eindruck hatte, daß die Bank passiv sei, antwortete der Zeuge: Nein, nur illiquid. Im übrigen kann ich nur betonen, daß ich an die Passwität der Bank nicht geglaubt habe. Sonst hätte ich nicht noch am 26. September 60 Millionen der Bank zur DevDgnng gestellt. — Staats rnWalt: Wann wurde Ihnen klar, das, sich die Bank in schwieriger Lage befindet? — Zeuge: Im Mmrat Mai, als wir die Sitzung bei Waldegg in MArling abhielten. — Staatsanwalt: Sie sollen Waldegg hinsichtlich der Zukunft der Bank in Sicherhett gewiegt und ihm gesagt haben, daß Sie jedesmal Geld bis zu zwei Milliarden zur Verfügung stellen können. — Der Zeuge stellt dies entschieden in Abrede und erklärt, Wald egg sei immer übertrieben optimistisch gewesen. Mtzf eine Jvage über -das Svndikwtskont-o sagt der Angeklagte, daß das erste Jnslch-Geschäft mtt Aktien der Bairk nicht zugunsten -des Lago Lenquist, son-dern des Zeugen van Rohen abgeschlossen worden sei. Bei diesen Worten wendet sich van Rohen wütend gegen den Angeklagten und ruft: Hoher Gerichtshof! Das ist die gemeinste Lüge, dke in dieser Sache vorgekommen ist. Die Verteidigung stellt den Antrag aus Vernehmung des Konkursrichters Cucovic darüber, daß von den ungefähr 2000 Ausgleichs- und Konkursfällen, bei denen der Sachverhalt ähnlich wie im Falle der Nordisch- Oesterreichischen Bank tvar, nicht ein einziger zur Erhebung einer Anklage führte. Der Staatsanwalt spricht sich gegen den Antrag aus uno bemerkt, daß er in 80 Prozent von den vom Konkursgericht zur Anzeige gebrachten Fällen einen Strafantrag stelle. Auf den Vorhalt des Verteidigers, in den grützten Fällen, den der Depositenbank, Lomvardbank, Industrie bank, wo die Gsifek-tenkasse vollkommen leer tvar, sei keine Anklage echöben worde-n» erwidert der Staatsanwalt: Leider nicht. Der letzte Antrag des Verteidigers wurde vom Äerichtshoif gleichfalls a b g e l e h n 1. Die Buchfachverställdigm' Josef Neumann und Leopold Spitz evstatteten hierauf ihr Gutachten. Es werden dann an die Sachverständigen -ümvge Fragen gerichtet. Es wird festgestellt, daß die Bank eine Post von 360 Millionen an die Baufirma nicht in barem, sondew -durch einen Wechsel beglich. Dieser Wechsel ging nicht ein, dagegen wurde Waldegg, der für die Eiulö urrg des Wechsels haftete, mit 360 Millionen gutgoschriehon. E r behob auch diese Sumnn«. Des wetteren verkaufte Waldegg 180.000 Stück Aktien an die eigene Bank zu je 6000 Kronen und lbchob den Gegenwert. Er selbst kaufte diese Aktien seinerzeit um Der 14L Zionistenkongres« i.xm Wien «Ub».