Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-05-24 · Heft 2248 (24.5.1925) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2248 (24.5.1925)
Date
1925-05-24
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981333--22869-3010327
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 10 Wiener Morgenzettuna 24. Mai 1925 Nr. 2048 Wien, <D)wntag ÖWIiett erstattet und die Schaffung einer Föderation jüdischer Studenten in Italien beschlossen. Der Kongreß faßte eine scharfe Protestresolution gegen den Numerus clausus und die Numems elansiis->Bestrsbnngen in Ungarn, Polen und Rumänien. 8ln Au'orenprozeß um „8N. 8N". AuZ New-Jork wird uns berichtet: Bor einigen Lagen fand vor einem hiesigen Gericht eine interessante Verhandlung statt, in welcher festgestellt werden sollte, wer der Autor und Komponist des bekannten jüdischen Volksliedes „Eli, Eli" ist. Der Verleger Josef Äatz wurde von Herrn Sandler auf Bezahlung von einer halben Million Dollar als Autorenhonorar geklagt. In seiner Mage gab Sandler an, daß er im Jahre 1898 dieses Lied für ein New- Zjovker jüdisches Theater geschrieben u>nd die Musik dazu komponiert habe. Im jüdischen Theater wurde damals das Stück ,^Brüche" gegeben. Die Heldirr des Stückes, ein junges Juden- Mädchen, wird, weil cs sich weigert, die Taufe zu nehmen, zum Tode verurteilt. Der Regisfenr wollte nun, daß das Mädchen unter dem Galgen mit einem Lied Abschied vom Leben nehme. Dieses Lied habe nun Sandler unter dem Titel „Eli, Eli" (Mein Gott, mein Gott!) verfaßt ^und vertont. IN der Verhandlung bestätigten eine Reihe von Schauspielern die Autorschaft Sandlers. Der Herausgeber Katz führte dagegen den Beweis, daß „Eli, Eli" nicht von Sandler verfaßt und komponiert wurde, sondern ein Volkslied sei, das schon vor mehr als zehn Jahren in der Bearbeitung der jüdischen musikalischen Gesellschaft gesungen worden sei. Die Verhandlung gestaltete sich sehr interessant. Vor dem Richter stand ein Klavier und beide Parteien illustrierten ihre Behauptungen durch Borträge. Auch der Rechtsairwalt des Klägers war mit einer Geige bewaffnet, ans der er die Behauptungen des Geklagten musikalisch „widerlegte". Die Verhandlung, der zahlreiche jüdische Musiker, Sänger und Schauspieler beigewohnt hatten, wurde schließlich vertagt. Albert Kenver 80. Kunftauktlon. Jur Auktionssaal Albert K e n d e in der Kärntnerstraße Kr. 4 findet von Montag den 25. d. bis inklusive Donnerstag den 28. d. ab 3 Uhr nachmittags eine Versteigerung höchst interessanter Objekte statt. Eine ganze Reihe von Bornevkungen Zwecks Erwerbung besonderer Stücke liegt bereits ms. Wie immer im bewährten Auktionshaus Kende sind auch diesmal erstklassige Gemälde alter und neuerer Meister »orhanden, darunter besonders wertvolle Aquarelle und Niniaturen, außer Silber, Teppichen und KunstawbMar die populäre, aus 205 Blatt bestechende R i d i n g e r- ' Sammlung, aus Wiener Privatbesitz die von Sammlern gesuchten Alt-Wiener Ansichten und Antiquitäten für Feinschmecker. Den Kunstobjekten schließt sich eine große Bibliothek an, welche Werke aus allen Wissensgebieten lmfaßt und zum Teil aus dom Nachlaß der Baronin Anna schultes-Kleinniayern und des bekannten, jün gstoerstorbenen Sammilers und Bibliophilen Viktor S i l b e r e r tammrt. Für heute Sonntag den 34. d. von 10 bis 6 Uhr werden zur freien Besichtigung viele ausländische Sammler ervartet. Mitteilungen aus dem Publikum. u-r- Zrbmerren rheumatischer, gichtischer - und nervöser Art ,m« Togal wird von vielen Aerzten empfohlen. — Probepackung in allen Apotheken Lina Graubart Josef Weiss empfehlen sich als Verlobte Wien, im Mai 1925 Grell Schapira Oskar Topf Tulln Wien, XI. empfehlen sich als Verlobte Wien, im Mai 1925. Möbelfabrik J. Spira Feine <*> M». (II. MMlWM 1—2 Wohnungseinrichtungen (Ecke Karl Schweighofergasse Wieder zu haben! Orig. (ranz. Zloareltenpapler JOB Bureau: Wien. VIII. Skodagssse 19/2 DW^tMSH«! UlK "S^KTl MIVPBD'IU iytSDJ”B f'N »3 ’»s i y Dawill Wlndschauar, Wien, IX, Serivtengasse Export ntok allen Staaten 10 8329 nur K 29.000 Billigste Elnkaufsqmlle dir Strumpfwaren und Wäsche JOSEF SINOBR, II, Tlborilrail« Nr. 29 Oegr, 1910 639 Tel. «5-5-48 CaldenttrUmof« 24.000, 35.000, 48.ooo, 65.ooo, 75 ooo K 507 M. Heizer VI. Baslrk, Martahilferslrasse Nr. 89 II. Bezirk, Taborstrasse Nr. 18 (Hotel National) FAHRSCHEINE für alle in- und ausländischen Bahn- und Schiffslinlen?"»«"o>ehIa«hoa Verkehr abureau Wien, I. Frfedridisiruse 1, — Telephon 7500 3173 W KERSCHLS Ist Strand dt&ietlich asserzwieback zzssttiti! Wo nicht erhältlich direkt beim Erzeuger VITAMIN-BACKEREI LAURENZ KERSCHL WIEN, IX. SECHSSCHIMMEI.GAS8E 22 (Ecke Lustkandlgasse) 708 Ptovinzversand in 5-kgr.Paketen Erste Pressburgar Tales Weberei Versand nach allen Staaten Verlangen Sie Preisliste ABRAHAM SCHWARZ, Bratislava Kapuzinergasse Nr. 2 C. S. Ra RUDOLF GOLDSTEIN ist nicht nur anerkannter Talar-Schneider, sondern auch erstklassiger Herren-Schneider für feine Massbekleidung Wien, II., Taborstrasse Nr. 54 Telephon Nr. 45-6-29 DAS NEUE FREGOLI ÖUS feinstem französischen Sommer« Material, ist unentbehrlich für den Sommer ES ist außerordenUich leicht und bequem zu tragen und durch die Einzigartigkeit deS Schnittes bei allen Damen sehr beliebt Besonder» in der Linie geht FREGOLI in seiner erstklassigen Ausführung mit dem Zug der Zeit und erregt Interesse und Begeisterung. Jede Dame sollte vor Anschaffung ihrer Sommertoilette sich da» neue Fregoll bei Frau BLOCH, VII, NEUBAUGASSE 26 besichtige» Will' fllljQdische Kumt In Bildern ADOLF REIFENBERG WM! Preis: S 4.— An Hand von 107, zum Teil vom Autor selbst und zum Teil von der englischen Regierung und den archäologischen Instituten in Palästina aufgenommenen Illustrationen und eines einleitenden Textes durchschreiten wir den schönsten und stolzesten Teil unserer Geschichte: die Zeit der Freiheit, die Zeit, in der das jüd. Volk an seine Scholle gebunden, eine herrliche plastische Kunst geschaffen hat. Wir lernen alle Gebiete jüdischer Kunst ln dieser Epoche kennen: Architektur und Grabkunst, Keramik und Glas, Siegelstech- // kunst und Münzen // Wer ein lebendiges Interesse an jüdischer Kunst, ihrer Vergangenheit und ihren Möglichkeiten für die Zukunft hat, wird das auch äusserlich prachtvoll ausgestattete Büchlein mit grosser Freude lesen und die Abbildungen jüdischer Kunstwerke mit stolzer Bewunderung betrachten R. Lüult-Verlng / Men. l. Flelschmnrkt 1 indisches Künstler-Kabarett Hiuts um 7*9 Uhr abends Lustisar Abend mit Opernsänger Ignaz Körner. Max Strang und Direktor I. Deutsch Zur Aufführung gelangt; - „A Wa » of Ubsuh Ing“ Eintritt frei Eintritt frei Sie Wiener „Karriere". Bon Egon Dietrichstein. Ein Mann „in den besten Jahren", wie man so sagh bedient in einem Wiener Geschäftsburean die Kopierpresse. Der Mann ist heute etwa zwanzig. Denn die an sich uninteressante Tatsache, daß er zur Kopierpresse kam, ist erst iin Jahre 1940 eingetreten. Man kann ruhig sagen: Es war für ihn eilt Ereignis. Denn etwa 15 Jahre lang hat er keine Stelle gefunden, obgleich er in der Zwischenzeit wahrhaftig nicht müßig ging. Im Gegenteil: Er versuchte es mit allem Möglichen; er hatte sich mit Adressenschreibereicn -ebenso bemüh! wie um Botengänge und vorübergehend verdiente er auch damit einige Groschen. Dazwischen schrieb er Offerte an Handclsburcaus in schönster, reinster, kalligraphischer Ausführung: „Sollte mir das Glück zuteil werde,», eine Stelle «in Ihrem Hause zu erhalten, so würde ich . . ." Aber das Glück wurde ihm nicht zuteil. Schließlich — wir schrieben das Jahr 1940 — kam er in den besten Jahren zu einer Stellung, ans welche seine abgeschlossene Bürgerschnlbildniig Anspruch hatte: zur Kopierpresse und Postexpedition. Wäre er uod) ein junger Manu, mau könnte sagen: „El dient von der Pike." „Der junge Mann wird noch Karrierc machen." Er hätte, um Hoffnungen zu rechtfertigen, wie man sagt, diese Emsigkeit im Kopieren, Glätten des Briofpapieres und im zweimal täglichen Erscheinen beim Postschaltcr mil 16 Jahren entwickeln müssen. Was machte er nun mit sechzehn? Sagen Jütr kurz: Karriere! Mohr noch: Mit 16 Jahren erreichte er den Gipfel, allerdings auch den Abschluß seiner Karriere. Damals, als er vielfacher Milliardär war. Mehr brauchte er, mchr brauchte man überhaupt nicht. Er war das Glück der Familie. Das bescheidene Elternhaus verwandelte sich in eine Luxusvilla, selbst der Lieblingshund, der in den ersten Stadion des Ausstieges gekauft wurde, fuhr im Auto spazieren, der Schwester wurde eine Mitgift angelegt und die Vergnügungsreisen, auf denen das Hauspersonal vollzählig mitgenommen wurde, begannen überhaupt erst beim Modebad a la Biarritz. War der Herr Sohn noch ein Kind? Oder bereits ein Jüngling? Kümmern wir uns nicht darum, denn es ist gleichgültig. Er war ein Genie. Kein Gelehrter, kein Künstler, aber ein kommerzielles Genie. Denn das wirkliche Genie braucht ja nichts zu lernen. Raffael wäre bekanntlich auch ohne Hände ein großer Maler geworden. Und der Herr Sohn ivurde eben ohne zweitklassige Handelsschule ein kanfmännisches Phänomen. Der Vater hatte die höheren Schulen besucht, sich sein ganzes Leben geplagt und es noch immer zu keiner Villa, zu keinem Auto, kaum zu einem guten Geschäft gebracht. Der Herr Sohn verdiente im Dag viele Millionen und telephonierte aus dem Bett dem Bankier. Das war so ziemlich alles. Dann gründete er eine Ges. m. b. H. Und dan>n noch eine. Schließlich war er selbst Chef eines Bankgeschäftes. Wahrhaftig: Das pauspackbge, brave Büblein regierte Mer ein Heer von Angestellten. Und es war einer seiner vielen edlen Züge, daß er leutselig blieb und mit Leuten minderer Kategorie, wie mit Rechtsanwälten, Aerzten, wie ein Großer konversierte und den armen Teufeln sogar mit Börsentips aushalf, die sie mit Respekt vor seiner geistigen Kapazität und mit Kratzfußdevotion entgegenn ahmen. Den paradiesischen Frieden der Familie störte Nur ei» närrischer alter Onkel, der die absurde Ansicht äußerte, mau solle das Söhnchen in einen Schreibmaschinenburs schicken. „Wozu" sagte der Vater, seine acht Maschinschreiber wird er sich doch in den schlechtesten Zeiten halten können. Ebensogut hätte man Mzian in eine Zeichenschnle schicken können." Die schlechten Zeiten! Der närrische alte Onkel hat diese Hochgradigkeit der schlechten Zeiten nicht vorausgeschen. Die Billa, das Auto, der Hund wurden verkauft und das Bankhaus und die Ges. m. b. H. liquidierten. Noch Schlimmeres, noch Peinlicheres drohte: der Skandal mit Untersnchnngshaft, Betrngsanklage. Der alte närrische Onkel, der einzige, der einiges Bernwgen erhalten konnte, opferte sein Geld, um die Glänbiger zu einem Bruchteil zu befriedigen. Und nun begann der Herr Schn — nachdem noch einige „Finanziernngsgeschäfte" gründlich mißglückt waren — bchntsam mit der „Arbeit". Er mußte sich natürlich erst daran gewöhnen. Bor allen: daran, daß es nicht mehr um Milliarden, nicht um Millionen ging, sondern um Beträge, die er als Präsident kaum einem Bettler gegeben hätte. Er wandte sich — ungefähr einmal in der Woche — wieder „Geschäften" zu, konferierte und versuchte Gründungen und Neuemissionen. Es ging nicht. Die Flügel blieben gestutzt. Dan seinem Milliardenvermögen war ihm nicht einmal die Schreibmaschine geblieben, aber der Optimismus. Im Laufe der Jahre verlernte er zwar den Aberglauben, daß das zertrümmerte Glück jemals wiederkchren könnte, gewöhnte sich daran, eben eine Dinrnisten- und Statistenrolle im Leben spielen zu müssen, war beinahe zufrieden und seine Gemütslage sank nicht einmal — dies war das Erstaunlichste — unter die himmlische Milliardärstimmnng. Wenn ihn überhaupt etwas kränkte, so war es die Distanz, welche die Intelligenz, die an den Ratschlägen des „Schliefcrls" verarmt war, nun einlegte, aber auch diese Kränkung ging nicht oben tief. Trotz chronischer Geldschwierigkeiten ging Gm weder die angenehme, heitere Nervenruhe noch die Bügelfalte und der. mindestens anständige Anzug und seine Vorliebe für den Fußballsportbesuch verloren. Es störte ihn kaum, daß er seinen Sommevurlanb statt in Biarritz im KncheMad verbringen mußte, daß er ans einem Fmanzgenie ein mittelmäßiger, in keiner Hinsicht auffallender Mensch geworden war. Er ging wie Millionen Andere angezogen, lebte wie Millionen Andere, erheiterte sich wie Millionen Andere an den billigen Vor- Lyoner Seidenhaus 7 Satin da China . A 2.90 Marocalna.. .8 8.30 Saldanbouratta 1 4.20 Marocalna rayi.8 8.80 Cvigt dl Chlno . W 8.90 Alle Artikel «treten zu orig. Engros-Prelten abgegeben 45713111

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.