Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2248 (24.5.1925)
- Date
- 1925-05-24
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 2046 Wien, Sonntag gesetz geschaffen wird, das erst die moralischen Doranssetzungen für die Verlängerung sicherstellt. Abschließend ermächtigte die Konferenz die sozialdenwkratrschc« Abgeordneten, in Perhandlunge,i mit der Regierung und Len Regierungsparteien über die Regierungsvorlage einzugehen. Ue Rechtrvrattikanten drohe« mit Selbsthilfe. Freitag fand eine Dollversammlung des Vereins der Wiener Rechtspraktikanten statt, in der stürmisch verlangt wurde, daß die Rechtspraktrkanten zu den schärfsten Mitteln der Selbsthilfe greifen müssen. Es gehe nicht an, daß Arbeitslose ohne Vorbildung, dafür, daß sie nichts arbeiten, ebenso viel oder fast mehr beziehen wie Madomiker, deren Arbeitskraft im Gerichtsdienst täglich voll ausgenützt wird, sogar über das gesetzlich zulässige Maß hinaus. Es wurde beschlossen, der Regierung Forderungen in der Form eines Ultimatums zu unterbreiten. Die Forderungen der Rechts-Praktikanten dürften ülbrigens durch die Mitteilung der Regierung, daß den Rechtspraktrkanten nach einen: Jahre ein (Behalt von hundert Schilling gewährt und wegen der Uebernahme einer entsprechenden Zahl von Rechtspvaiktikanten in den richterlichen Vorbereitungsdienst -verhandelt iverden soll, zum Te iI erledigt sein. Mn entlassener Beamter. Die Anschuldigungen gegen den Leiter des, Wiener Palästina« amtes. Herr Rechtsanwalt Dr. Israel Wald mann sendet ans folge,ide Zitschrist: ^chr geehrte Redaktion) Als Vertreter des Herrn Dr. N. M. B laue r, Leiter des Palästinacimtes in Wien, erisuche ich Sie höpichst, folgende Erklärung zu veröffentlichen: In der Nummer vom 18. Mai 1935 des Wiener Movgenblattes „Der Morgen" erschien ein Bericht unter der Uebevschrift „Schwere Beschuldigungen gegen das. Palästinaamt. Die unlautere Geschäftsgobarnng des Vorstandes Doktor Mauer", der sich mit einem seit Wochen anhängigen Ehrenbeleidigungsprozeß befaßte. In diesem Berichte werden gegen meinen Klienten, den Herrn Dr. Blauer, ans Grund einer von einem gewissen Herrn Gustav Fischer bei den Behörden eingv'brachten Anzeige ehrenrührige Vorwürfe wiederholt, mit dem Bemerken, daß dieser Prozeß tm In- und Auslande mit großer Spannung verfolgt wird. Insbesondere wird dem Herrn Dr. Mauer vorgeworsen, daß er für sich einen ungebührlichen Nutzen aus der Geschäftsgebarung des Palästinaamtes zu sichern weiß, Eingänge ohne gehörige Buchung -und Quittung behält und schließlich einen Fehlbetrag von zirka 12 engl. Pfund in der Kasse des PalastinaamteL nicht aufzuklären vermag, trotzdem er in einer. Person Vorstand, Buchhalter und Kassier ist. Sämtliche Anschuldigungen, die seitens des Herrn Fischer gegen den Herrn Dr. Blauer erhoben wurden, sind aus der Lust gegriffen; ich habe auch im Aufträge meines Mandanten eine Anzeige wegen Verleumdung beim: zuständigen Strafgerichte gegen Herrn Gustav Fächer erstattet. Es liegt mir äbeitso wie meinem Klienten ferne, im Zuge eines anhängigen gerichtlichen Verfahrens Stimmung machen gu wollen und wir sehen dem Urteile des Gerichtes mit größter Ruhe entgegen. Herr Dr. Blauer ist am 20. Mai 1926 von einer Dienstreise aus Palästina zurückgekehrt und hat mir einer: Urteilsspruch seirwr zuständigen Bchörde in Jentsalem übermittelt, den ich hier im Auszüge folgen lasse. Herr Dr. Blauer hat nämlich in Palästnra eine Verhandlung aus Grund der insbesondere durch Herrn Fischer ausgestreuten Berlemndungen provoziert. Diese Verhandlung wurde unter Vorsitz eines Mitgliedes der Zionistischen Exekutive «nb gleichzeitigen Leiters der Emigrationszentrale in Jerusalem, des Herrn Professors A. Pick, bei Beteiligung der Palästinaümter Triest und Warschau durchgoführt und hat im Urteilsspruch folgendes stgestellt: „Aus Grund der Berichte, die die Emigrationszentrale über die Tätigkeit des Herrn Dr. Blauer, Leiter dos Pallästinaamtes in Wien, erhalten hat, bestätigt die Emigrationszentvale, daß gar kein Grund zu irgend welcher Beschwerde gegen die Art der Arbeit des Herrn Dr. Blauer vorhanden ist, welche Arbeit immer und selbstverständlich auch jetzt durchaus zufriedenstellend ist." Die Bücher des Palästinaamtes in Wien, die von einem speziell awgestellten Buchhalter und nicht von Herrn Dr. Blauer geführt werden sowie die Kassagebarung, welche ebenfalls von einer speziell augestellten Kraft und nicht von D r. Blauer versähen wird, wurden von einem Revisor des Palästinaaufbaufonds in London, Herr Moritz Lewh, einer gründlichen Prüfung unterzogen und einwandfrei befunden. Dadurch erledigen sich zumindest schon für die zionistische Ocfsenttichkeit die Vorwürfe des Herru Fischer;- die andere Öffentlichkeit wird durch das erwartete Urteil iu den: von. mir anhängig gemachten Strafverfahren gegen den Anzeiger über seinen wahren moralischen Wert genüge,ld aufgeklärt werden. Es widerstrebt meinem Klienten, sich -in eilte persönliche Polemik mit Herrn Fischer einzulassen, er glaubt es aber der Oeisfentlichkeit schuldig zu sein, mitzuteileu, daß Herr Fischer aus dem Dienste beim Palästinaamt, mifc zwar strafweise e n t l asse n wurde, und nicht den Mut -anfzubringen vermochte, sich seiner Vorgesetzten Bchörde beim Palästinaamt zu stellen. Herr Fischer flüchtete schließlich auch vor dem für diesen Fall eitrig und allein zuständig gewesene,, Parteigerichte der Zionistischen Larwespartei, dessen Entscheidung er sich vorher _Wiener Morftenzettung._ ausdrücklich in einer schriftlichen Erklärung unterworfen hatte. Indem ich Ihnen für die Berösfentlichnng bestens danke, zeichne ich mit vorzüglicher .Hochachtung Dr. Israel Waldnumn." * Das Zionistische Lan-eskomttee für Oesterreich teilt mit: In der Nummer von: 18. Mai 1936 des Wiener Montagblattes „Der Morgen" erschien ein Bericht unter der Anschrift „S ch w c r e B e s ch n l d i g u n g e n gegen das Palästinaamt. — Die unlautere Geschäftsgebar u n g d e s P o r st a n d e s D r. Blaue r", der sich mit einen: seit Wochen anhängigen Verleumdungs-Prozeß befaßte. Da in diesem Berichte gegen unseren langjährigen verdienstvollen Leiter -des Palästinaamtes .Herrn Dr. Nahnm Blauer aus Grund einer Anzeige des seinerzeit entlassenen Beamten, Herrn Gustav Fischer ehrenrührige Vorwürfe mit dem Bemevken vorgelbracht wurden, daß dieser Prozeß im:Jn- und Auslande mit großer Spannung verfolgt werde, stellen wir fest, daß die seitens des Herrn Fischer gegen Herrn Doktor Blauer und das Palästinaamt erhobenen Anschuldigungen nwahr und ans der Lust gegriffen sind. Insbesondere stellen »vir fest, daß die GeschästSgobarung des Palästiilaamtes ordnungsgemäß und st e t s einwandfrei war und ist. . Die Zionistische Landesorganisativn, der die aufopferungsvolle Tätigkeit des Leiters des Palästinaamtes, Herrn Dr. Blauer, bekannt ist, kann nur mit vollster Anerkennung die Art der Arbeit und die Geschäftsführung des unter seiner Leitung stehenden Palästinaamtes hewochelben. Gelegentlich der letzten Dienstreise des Herrn Dr. Mauer nach Palästina hat sich die Zionistische Exekutive in Jerusalem mit größter Anerkennung über die Arbeit deS Herrn Dr. Blauer, die sie als durchaus zufriedenstellend bcfnnden hat, ausgesprochen. Es n:uß uns nur Wundern, daß der Wiener „Morgen" gegen Herrn Dr. Blauer und das Palästinaamt Anschuldigungen vorgebracht hat, ohne sich vorher bei den kompetenten Stellen über dessen Tätigkeit informiert zu haben. Ferner stellen'wir fest, daß kein ernstes jüdisches Presseorgan des In- und Auslandes der Anzeige des Herrn Fischer irgend welche Beachtung geschenkt hat Uebergrkffe der Leitung der Wiener Hechalurorganikatiou. Der Hechaluz, üsterreichische.r Landesverband, ersucht uns um Aufnaihme folgender Mitteilung: Zu der am 14. d. unter -dem Titel ,,Uebergriffe der Leitung der Wiener Hechalugorganisati o n" erschienenen Zuschrift des Zionistischen Landes- Komitees haben toir folgendes, zu bemerken: 1. Es ist nicht richtig, daß die Leitung des Hechaluz seine Mitglieder zur Teilnahme an einem Demonftrationszug einer politischen Partei verpflichtet habe.,Jn dem erwähnten Beschluß deis Waad (Exekutive) und der Moazah (Rat der Vertreter der im Hechaluz organisierten Gruppen) lvar es zwar .als erwünscht bezeichnet, daß «möglichst viele Ehawevin: dem Gefühl der Zugehörigkeit zur Arbeiterschaft (nicht zu einer Partei) durch Teilnahme an den Feiern des 1. Mai Ausdruck gelben möchten; die Teilnahme selbst war den Mitgliedern des Hechaluz ausdrücklich freigestellt. - . . . 2. Es ist nicht richtig, daß die Ehaluzorganisation in letzter Zeit eine politische Tätigkeit entfaltet «habe, die ihren Aufgaben und ihrem Wesen widerspricht. Die politische Einstellung des Welchechaluz und somit der österreichischen Chaluzorganisation ist viellmehr immer klar gegeben und ebenso klar zum Ausdruck gebracht worden. Sie beinhaltet folgendes: 1. Der Hechaluz verpflichtet seine Mitglieder zum Eintritt in die Arbeiterorganisation in Palästina. 2. In der Galuch bringen die Mitglieder des Hechaluz ihre Zu- 24. Mai 1925 Seite 9 gehörigkeit zur Arbeiterorgarrisation durch Kauf von Arbcitcrschekelu zun: Ausdruck. Außerhalb dieses politischen Rahnlens, der durch die Beschlüsse der Weltorganisation Hechaluz bestirumt worden und für alle Landesverbände bindend ist, hat die österreichische Hechalu-zorganisation nie eine politische Tätigkeit entfaltet. 8. Durch diesen Rahmen war auch die österreichische Chaluzorganisation zun: Kauf von Arbeitcrschekoln verpflichtet. Um aber den Ehawerim, die nicht Partei,näßig organisiert tvaren, den Gewissenszwang zu ersparen, Parteischekcl kaufen zu müssen, hat die Hechaluzorgauisation mit der Hitachduth folgendes Abkommen getroffen: Die Hitachduth überläßt dem .Hechaluz Hitachduth-Schekel, die als HechaluzDugendschekel gestempelt werden und die für die Mahl zun: Kongreß als Stinnnen für den Hechaluz und die Jugendbünde gerechnet werden. Die als Hechaluz- Jugendschekel gestempelten Schekel sind als reine Ehal,^- . Jugeudschekel anzusehen und beinhalten keinerlei politische Äelluugnahme. Der .Hechaluz und die Jugendbünde sind völlig frei in der Wahl der Delegievten, ohne zu irgend «welchen Partei- oder fräktionsmäßigen Bindungen verpflichtet zu sein. Zum Kauf dieser Schekel «hat der Hechaluz seine Mitglieder, soweit sie «nicht parteimäßig organisiert sind, verpflichtet. 4. Der.Hechaluz, österreichischer Landesverband, ist eine in Oesterreich autorvome Organisation-, die nur dev: Welwerband Hechaluz und somit der Zionistischen Exekutive in London untersteht. Das Zusammenarbeiten des Hechaluz mit dem Landeskomitee war das freiwillige Zusammenarbeiten zionistischer Organisationen. 6. Die angeführten Beschlüsse waren von dem obersten geloählte,: Organ des Hechaluz (Moazah, Wevtreterrat) gefaßt worden und sind somit für alle Mitglieder des Hechaluz verbindlich. Bon einem Üebergriff in der Leitung kann somit nicht die Rede sein. * Wir haben zu dieser Berichtigung zu bemerken, daß sie keine ist, denn der in der Zuschrift des österreichischen Landeskomitees gegen den GhaluZvevband erhobene Borwurf, daß zugunsten einzelner Fraktionen Zwang auf die Mitglieder ausgoübt wird, bleibt unberührt. Es wird lediglich festgestellt, daß dieser Zwang von dev Wiener Leitung nicht selbständig, sondern auf Auftrag der Leitung des Weltverbandes ausgeülbt wird. Was unserer Ansicht nach die Sache nur verschlimmert. -Wenn die Herren sich daraus berufen, daß sie nur der Exekutive der Zionistischen Organisation unterstehen, so ist es eben hoch an der Zeit, daß die Exekutive den Weltverband energisch dazu Verhalts sich politisch streng neutral AN Verhalten und jede Agitation gegen die allgemeinen zionistischen Landesorganisationen und deren Schekel zu unterlassen. Das müsse im Interesse der im Hechaluz organisierten Chaluzim verlangt -werden, da in erster Linie sie unter einem Konflikt zwischen der Zionistischen Landesorganisation und dem Chaluzvevband zu leiden haben werden. Wenn in der Berichtigung festgestellt wird, daß der Hechaluz zum Ländeskomitee lediglich im Verhältnis freiwilliger Zusammenarbeit sieht, so mögen die Herren zur Kenntnis nehmen, daß «weitere Uebergriffe diesen freien Willen auf seiten der Zionistischen Laude'sorganisatioir zum Schwindel; bringen werden. - Jüdischer Stndentenkongreb in Florenz. Rom, A. S)!ai. (I. T. A.) Dieser Tage wurde itf Florenz «der erste Kongreß der jüdischen Studierenden «m Italien abgehalten. Vertreter der großen italienischen 'Universitäten tvaren zur Bogrühu-wg erschienen. Den Beratungen tooihnte auch als Vertreter des Weltverbandes Mischer Studenten Herr Steinig aus Wien bei. Es wurden Berichte über die wirtschaftliche Lage der jüdischen Studierenden m SCHUHNODELLHAU5 t GEGENOMÄ o. OEUKsTvOLKSTHEATeR. u T/v i er moderne ZJ. Bestes rlaicrial WHintnUbAilNä AnunerkMUMe BtdictrauC mums «mmoMruiJi