Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2248 (24.5.1925)
- Date
- 1925-05-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981333--22865-3010323- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seiie 6 Wien. 'Somrtflfl n. Mai mr Nr. 2248 I ZÜRICHER SEIDENWARENHAUS, I. Bauernmarkt Za | Ae gudeitfmse in Rumänien. Es soll gleich einleitend gesagt werden, daß de: Verfasser dieses foift 800 Seiten ff irrten Werkes *) zu«m ersten Make fett Versuch gemacht Hai, den gefamten Fragetrkonrplex des Judeuproblems in Rumänien in erschöpfender und klarer Waffe zu >bchondcln. Er Hai für diese Arbeit das gesamte vorhandene Quellcnmateria-l zusanmtengotra.(ren und ans diese Weise mehr die jnristische als die gechichMchc Seite der Jud<nfrage in Rumänien berücksichtigt. Das Werk führt ans in die älteste Epoche der Judenstedlungen in Rumänien ein, <>lsa in die Zeit Traians, und gibt uns eilte genaue Darstellung der Rechtslage der Juden in Rumänien bis zur neuen Lronstitution in diesem Staate int Jahre 1023. Es behandelt also eine Zei:-- epoche von schier 2000 Jahren. Die Arbeit ist als Dissertation auf der juridischen Fakultät in Panis entstanden. Ohne scde 'Uobertroi-bung kam: gesagt werden, daß dieses Werk einen Gcueralkodex bildet, itt welchertt alle M>dizcs, die die Judenfrage in Rumätvien rechtlich regeln, cntstrlteit sind. Es ist ein vorzügliches Nachschlagewerk für den Historiker, den Juristen, den Politiker und den Laien. Kein Geringerer als der frangöstsche Gelehrte A. de Lapradellc schrieben diesem Buche das Vorwort. Der Autor dieses Werkes, Dr. Joses Berk owtcz, lebt in Bukarest als Sohn des bekannten Bankiers Ely Berkowicz und hat tote kein zlveiter Gelegenheit gehabt, die Juldenfrage in Rumänien an -Ort und Stelle zu studieren. Die Arbeit Dr. Berkowicz' zerfällt in drei?lbschnittc: 1. Die Lage der Juden in Rumänien bis zum Rogulainentul Organic (1834). 2. Die Lage der Juden in Rumänien in der .Periode des Regulamentül Organic bis zur Pariser Konvention (>1856) und 3. Die rumänische Judensraye im Lichte dar europäischen Politik. Einen merkwürdigen Zug kann man beim Lesen dieses Buches konstatieren: Apologie. Der Autor schreibt neben der wissenschaftlichen Kodifikation aller Judengesetze in Rumänien gleichzeitig eilte große Apologie für soitt Volk. Er sucht gleich Jos-ephus Flavins in seine,n „Gegen Apion" den Beweis für das hohe Lllter des jüdischen Volkes, für .sein Autochthonentum zu geben. Der Autor stcht hier unter einer förmlichen Psychose des „Fremden", denn als solcher wurde der Jude im Lause von Jcchrhu-ndevten in R-tmtänien angesehen. Er sucht den Beweis zu erbringen, daß die Juden twch vor den Rumänen im Gebiete des heutigen Rumäniett wohnten. Die Bewoise gelingen ihm nur teilweise. So berichtet uns der Autor unter Bezugnahme auf ganz unverläßliche Quellen (Jakob Psanter: Maskeret Zion, Bukarest 4877) von Vorgefundenen Münzen mit dem Bilde des Juda Makkabi oder aus feiuergeit im Gebiete des heutigen Chotti-n (Beßarabieit), woraus er den Schluß zieht, daß schon damals Juden in dieses Gebiet kamen. Es bedarf keiner besonderen Begründung für Eine Sensation ohne Gleichen Ist das Spezialangebot für diese Woche Jedeimann der Kinin, erspurt Geld! Wir Saldanwaran« oOOin Shantung geblümt S 6.80 Rohseiden in allen Farben und nstur . . S 680 und 8 4.80 Original Japan-Pongis, 95 cm 8 4.— CrSpe de Chine, in alten erdenklichen Farben von . 8 9.— Pariser Neuheiten bunter Qeorgettes u. Foulards v. 8 9.— Seidenrips und Moirereste für Taschen .... 8 3.80 Ottoman für Mantel . . 813.— Unser Prinzip: offerieren: Waachwaran t Bunte Marocains für Kleider 8 9.80 Franz. Opale, dessiniert 100 cm breit.8 4.80 Seidcn-Lelnenrlps, gestreift und kariert, 100 cm. 8 6.80 8 8.80 Hunderte Stücke Eponge aller Arten von . . 8 3.90 Voll-Marquisette . . 8 3.80 Waseh-Marocaln in prachtvoller Ausmusterung, 100 cm breit 8 440 Der Erfolg spricht für lfarkauf p r Kassa iu in ros-Pralsan die SttchhaMosigkeit dieser Dülvesse. Es genügt die Tatsache, daß Inda Mäkkabi überhaupt keine Münzen Prägte, und dann lassen Vorgefundene Münzen in oinein Gelbiet auf die Anwesenheit dos betreffenden Volkes in dieser Zeit noch nicht schließen. Auch der Weite Balve is ist fchr hinkend: Iu die 127 Provinzen des AchaÄveros von Persien rmd Medien zieht der Autor auch das Douaugebiet ein. Diose Beweis« vortragen keine historische Kritik und sind förtnlich bei den Haaren herboigezogett worden. Tatsache ist, daß die Juden zur Zeit Traians bereits Gebiete des heutigen Rumäniens ausgesucht haben: sie wurden namentlich von den Goldbergwerken in Siebenbürgen angezogen. Namen wie Dhalmus, Jidowa, Jidowisz-ia weisen aus das Vorhandensein von Juden in diesen Gebieteit hin. Int 15. Jahrhundert schrieb Johannes Lebel aus Transitilvanieu 'das in Hexametern albgc-faßte Gedicht „De Oppido Thal-mus", in welchen! er sich ans Quellen beruft, die heute nicht im.hr existieren, und den Nachivois erbringeu will, daß die Stadt Thalm-us im ersten nachchristlichen Jahrhundert von Dezebalus den Juden überlassen wurde. Diese Quelle hat der Autor nbersohcn. In der ganzen geschichtlichen Epoche . beschäfligen. das öffentliche Leben in Rumänien zwei Probleme: die Bauern- und die Judciisrage. Die crsterc wurde durch die gegenwärtig durchgeführte Agrarreform gelost, die letztere tvurde nicht in -ihrer Gänze und bc.fiiviittto. geregelt. Die Fechtstellung der Jn- *) fosepü Eerlcorvicr. vocteur en Droit. La Qucstion des Israelites en Roumanie. Etüde de son Histoire et des divers problemes de droit Outelle Soulcve, These retcnue par la Faculte de droit de Paris. Jouvc & Cie., Editeurs Paris. den bekamtteu Wegen von Cholin und Suozatoa den Warenaustausch zwischen Morgen- und Abendland. Im Jahre 1817 erfolgte die abermalige Kodifizierung des Jndenrechtes itt der Moldau durch Calimachi und in der Mnntinea durch Ca r adg in. Die Lage der Juden in Rumänien ist zu dieser Zeit eine verhältnis-mäßig gnle. Dies sollte nicht lange dauern. Im Jahre 1831 überninrmt Rußland das Protektorat über Rumänien und der Gouverneur Kiiselew gibt dem Lande das erste konstitutionelle Statut. (Regulamen-tu-l Organic.) In diesem wurde die Judenfrage nach moskowitifchem Muster gelöst. Dort heißt es: ,-Politischer Rechte kömveu sich nur Christen orthodoxen Glaubens erfreuen oder diejenigen, welche diesen Glauben annehmen." Die revolutionären Bestrebungen der Achdtmdvi-erzi-gerijahr.' beseitigen dieses Jndeuges-etz und verkünden die allgsmeiite Freiihei:. Die Gesandtenkonferenz in Konst an t in op c l. weld)e nach dein Krimkriege im Jahre 1866 zuisaut-mentrat, regelt Sie Rechte der Bevölkerung in ganz--liberalem Sinne: „Sämtliche Klassen der Bevölkerung ohne Unterschied der Geburt und Religion -gonteßen die gleichen zivilen Rechte." Diese Gteichberechdigung sollte wiedovnm nicht lange dauern. Die Pariser Konvention hat die Judensrage in An« lchnung an das RegulMMNtul Organic geregelt. Dort heißt es: „Alle Moldauer -und Muntenter sind gleich vor dein Gesetze bei der Sie «erb ela st nng und sind alle gleichutäßig zu Staatsämkevn zulzulassen." Rur die Moldauer und Ättunten-ier der chrifMchen Religion goniießen politische Rechte. Mit dom Besteigen des Thrones durch Alexander Johann Cu za wird auch -im Kodex Zivil die Judenfr-agü in d?m Sinne geregelt, daß jeden: einzelnen das Recht zusteht, an den Füisten ein Gesuch zu machen, und lvemr er sich zehn Jahre hernach brav auff-ühvt, dann kann er auf Initiative des Fürsten das Bürgerrecht erlangen. Mit der Thronbesteigung des Fürsten Carol im Jahre 1866 erfährt die Judenfrage eine VersckMmmovung. ,ßlur Fremde ch r i st l ich-eit Gl a ubrns können d'ie Einbürgerung erlangen". So ging cs bis zuut Berliner Vertrag^ 1878, dieser regelte die Judenfr-age int Sinne der vollen Gleichberecht-igung. Die rmnänische Regierung scherte sich -in der Folgezeit toenig rr-m diese Verordminigen und die Judenfrage blieb bis zum Satn t-Ger m a-iner Fr-iedensvertrag -im Jahre 1920 ungelöst. Durch das ganze Gewirr von Gesetzen und Verordnungen führt -uns der Autor bis zur vollständigen Emanzrpation der Juden, wie es der Saritt-Germainer FriedenSvertrag vorgeschen hat. Das Werk Bevkteviez' hat neben seinem wissenschaftlichen Wert auch eine politische Bedeutung. Er Haiden in Rumäuien erfährt ihre erste Kodifizierung im 17. Jahr ........ hnndert. Das damalig^'Judenrecht stand mter dem Einfluß! den rechtlichen Teil der Jndenfrage in Rumänien lückeulos!be des kanonische'ü Rechtes; beifpielstocife konnte eilt Jude für -bandelt. Bleibt noch für den HSstorik-er die Behandlung dei seine Vergehen durch die Taufe ^lbsolution erhalten. Im Jahre 1653 orts-olgen die cvsten Judctmtassakers auf rum-ü-nischeiu Boden durch den in R-uutänten oin-gedvilugenen Kosakenhetutattn Bogdau Chmelnicki. Nach seinem Abzüge besserte sich die Lage der Juden. Sie trieben unter der Türken-Herrschast einen toeita-uSgedchnten Handel und bemittelten auf -der ökonomischen Seite der Jndenfrage zurück. Wird diese ^raigcwie auch das goist-ige Lelbetr der Juden in Rnmänien einen rick-t-igen Interpreten finden, damt ist die Geschichte der Juden iu Ruutänictr evschöpfend behandelt. Dr. Berikolvicz hat das Fu-ndament gelegt. . Dr. Manfred Reife r. (Nachdruck verboten.) , Mische Reiseerinnerungen. Ban C. Z. Klöhel. Der» Verfasser bereiste -im vengaugenen Jahre als Korrespondent einer der größten deutschen Zeitungen die Türkei, Persien und Rußland. Was hier an jüdischen Erlebnissen auf einer großen, fast is-cchs Monate währenden Reise durch ferne Gegenden aivsgezeichnet -werden soll, entstammt nicht liebevollem systematischen Suchen nach jüdischen Menschen -und Dingen, sondern ist itt des Wortes buchstäblichster Bodeu-tung fast „am Wege au-sgolesen". Der Anlaß zur Reise kant überraschend, wenige Tage mir blieben zur Vorbereitung für die Fahrt,- deren Dauer nnd Verlau-s ungewiß waren. Hinzu kommt, daß die sttvnaliftische Aufgabe, die dem Verfasser gestellt war, ihn an eine Gruppe deutscher Auswanderer band, die ihr Heil in Persicn versuchen wollten. So waren chm Reiiseweg un-d Rorsetempo vorgetschpteben und nicht von chnt hing es aib, oib und wo sich Gelegenheit bat, mit Inden in Berührun-g zu -kommen. Bleibett cs also nur Episoden, -die dem Züsall zu danikcn sind, so werden diese jüdischen Rsiseeriim-erungett dcunoch willkommert sein. Einfach aus dem Grunde, weil wir dankbar geworden sind für jede Kunde und sei sie an sich noch so bedeutungslos, die uns aus Gegenden kommt, wo Inden in einer Vereinssainnng leben, die nur gelegentliche Verbindung mitder Hauptmasse des Judentnms gestattet. Mit Eifer sind die Reiseschriftsteller aller Nat-ionett dabei, das Weltbild nach deut Kriege aufznzeichmn. Wo -ist -der jüdUfche Kreis, der jüdisck-e Mäzen, -die jüdische Akademie, die nach Wmtsch nnd Vermögen ln der Lage -wären, das Bild -der jüdischen Welt seit 1018 zeichnen zu lassen? Wo -der jüdische We-ltroisende, der sich dieser Ausgäbe unterzöge? Vis beide gesunden sind, wird jeder, der draußen in der Wel: jüdische Dinge sieht nnd darüber berichtet, eine N'ichtige Aufgabe erfüllen. 1. Türkei. Die Konstantinopler Judenschast war vor dem ^tri-ege zahlreich und i-m allgemeinen äußerst wählhäbend. Sie ist beides heute nicht mehr im gleichen Maßß. Die Stadt hat unter den veränderten Verihältnissen schlver gelitten; vor allem wirtschaftlich. Die Fregucnz des Hafens -ist erschreckend gesunken, sie beträgt -kaum noch die Hälfte der vor dam Kriege. Die Türkei ist heute ein völlig verarnttes Land und die türkische Politik steckt das wenige noch vorhandene Geld s-ast ausschließlich in die kriegevischen > Untevuehnumgen, zu denen sic gezwu-ngeit ist oder sich gezwungen glaübt. Es kommt über hinzu, daß der europäische Teil Kvnstant-inopels, Pera tmd Galata, der Hanptsitz des europäischen mrd jüdischeit HäMertnnts, dex türkischen Regierung kies verhaßt ist. Die Türkei ist vom Nationallisierungsfieber ergriffen, und in Kleinasien hat sich nach Ausrot-tung der Armenier und Ans- -treitbung der Griechen ihr vöMsches Ziel bis zu einoni getvissen Grad erreicht. Die Udberstedluug von Regierung und Paulanten-t nach Angora hatte ihre Ursache tncht nur darin, daß man nach SchloifiMg der Dardainellettforte jeder Flotte preiSgege'ben wäre, die -den Hafen forciert, sondern auch in dem Bestreben, aus'der „europäischen^ Atimosphäre Konstan-ti-nopels herauszukommcn. Und wenn die Boischafter der Großmächte sich energisch -tocigevit, ihre R-csrdenzen Ebenfalls in das anatolische Bevguost zu verlegen, so tücht nur, well sie ihreit herrlichen Palais am Bosporus nachtrauern, sondern tveil sie die küMsche Regierung zwinget: wollen, sich der europäischen Atm-ofphäre nicht ga-nz zu cntzichen. Diese Verhältnisse haben zur Folge, daß auch über der Kon'stantinopler Jttden-schaft sich dn-ukle Wolken zUsamntenziehen ündie. Stznpimung dort sehr gedrückt ist. Zlwar von einem Antisontitis-mus in der europäischen Bedcu-tu-n.g des Wortes kann auch in der neuen Türkei uicht die Rede sein. Es wird den Türken stets unvergessen bleiben, daß ihr Land seilten Juden gegenüber seit Jahrhunderten eine Toleranz bewiesen hat, die das gesamte christliche Europa 'beschämen mußte. Die neu-e Türkei hat (aus dem Papier der Verfassung wenigstens) die Trenuun-g von Staat und Kirche ansgefprochen, -das Kal-rfat äbgoschafft und -die Rel-igion zur Privabsache erklärt. Sie kann also noch weniger als zur Zeit der Padiischcchs antisemitisch aus religiösen Rücksichten heraus seiu. Ob sich aber nicht aus der noncsten in-nerPoMschen Emstellung der Tübkei zu ihren nationalen Minoritäten auch den türkischen Juden gegenüber eine Konstellation ergibt, die nicht in ihrent Wesen, wohl aber in ihren Wirkungen einem Wirtschastsanti« s c m i t i s m n s ähnlich sieht, das ist eine Frage, die heute tt-och keinesfalls entscheidend beantwortet -werden kann, -die aber ernst genug ist, um die Betroffenen in eine» Zustand dauernder Erregung zu setzen. In welcher Weife sich diese Frage auswibkt, sei an einem kleinen Beispiel gezeigt. Nach einem kürzlich erschienenen Negier-ungsstatut dürfen ausländffche Firmen, die -m der TüM ilciedeblassungsrecht besitzen, mit Ausnahme dos te-chnilfchen Persotvalls und der lleitenden Persönlichkeiten nur Türken beschäftigen. Das gilt sowohl für die Arbeiterschaft wie für das kaufmännische Personal. Nun merke man ivohl: cs genügt nach diesem Statut nicht, Ottomane zu-fein, das heißt türkischer Statsbürger, sondern nran mnß Atrgchöri-ger der türkischen Rasse sein. Dieser Vorschrift haben sich bereits alle Ba>,vken und Versicherungsgesellschaften «in Koustantinopel fügen müssen. Die Maßnahme ist in erster Linie -wohl gegen' die Kousta-nti-nöpler Griechen gerichtet, die man -im Gegensatz zu den kleinasiaÄschen nicht anslveisen kann, nnd die im Handel eine bedeutende Rolle spielen, aus der umn sie zu verdrä-ngen sucht. Getroffen worden aber in gleicheim Maße die Juden, die ebenfalls zwar ,-Ottomanen", aber keine „£üt®äni" sind. Jedenfalls herrscht in den jüdischen Krebsen Kon.sta-ntino-' Pols eine nicht unberechtigte Nervosität. Die ganze zoirischaftlliche und Politische Entwlckbnng der Dür-kci ist nicht dazu angetan, Beruhigung emtveten zn lassen, rir Eines Tages gingen ein Paar christliche Reisolamcra den und ich über die Große Brücke nach St-antbul hinüber, uiin im Basar Einkäufe zu machen. Als wir drüben einen Augenblick stehen blieben, um uns zu orientieren, trat ciin kleines, etwa ztvöls Jahre altes Bürschchen auf uns zu, gekleidet wie ein kleiner onstliischor Gentleman, m-rt tadellos gobü-geltem Tavbnsch auf dem Kopf, nnd sagte auif englisch, das; er ganz zu unserer Verfügung sei. Als wir vor Derblüffu»i.g nicht gleich autwovteteu, wiederholte er seine Begrüßung auf französisch. Da ein Führer durch den Basar uns in der Tat willkoiumeu war, nahnten Wir an. Ich ha-tte auf de,t e-rfteu Blick gesehen, daß dieses vive ^Kerlchen sicherlich kein Türke war, aber über seine jüdische Abstamm-ung war ich mir nicht ganz sicher. Ich benützte einen Moment, -wo wir allein miteinander waren, nm „Schalom alejchem" zu ihm zu sagen. Er sah mich groß an, zupfte mich am Aevuvel und ging schnell voran, so daß zwischen uns nnd meinen Reifekameraden ein ziemlicher Vorsprung war. Me sind Jude, mein Herr?" „Ja, und -du bist auch einer." ,/Äewiß, und ich freue mich schr, oi-nen deul-schen Juden getrofstn zu halben. Sind Ihre Fveuude auch Juden?" Ich verneinte. Der Meine dachte etinige Ange »Micke an-> gestrengt nach, Dann sagt« er: