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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-24 · Heft 2248 (24.5.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2248 (24.5.1925)
Date
1925-05-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Serke 3 Wien, Sonntag Wletter n. Mai mb Nr. 2040 erstens wegen der ungeheuren Kosten, und zweitens, weil wir «jf diese Art zu wenig Menschen im Lande airsiedeln können. Dauern, nicht Forstpersanal brauchen wir jetzt im Lande. Es ist mir eine sehr traurige Genugtmmg, datz ich sio viÄfach recht behalten habe." ,Mie kommt es, Herr de Liome, datz die von Ihnen vertretonen Ansichten so wenig zur Kenntnis der zionWchen Ooffentlichkeit gekommen sind?" „Es ist dies ein langes, tranriges und selbst mysteriöses Kapitel der neuesten zionistischen Geschichte. Sie wissen, datz ich auf Ersuchen der Exekutive rm Herbst 1920, zusammen mit JMus Simon, Mister Szold und Dr. Sonne, die wir die sogenannte Reorganisationskommrssisn bildeten, eine eingehende Untersuchuidg der zionistischen Politik und Kolonisation in Palästina anstellte. Trotz der Schwierigkeiten, die uns in den Weg gclogt wurden, ist es uns gclimgen, ein genaues Bild der palästinensischen Wirtschaftslage und ihrer Fehler zu erlangen. Wir halben dann nach besten Wissen und Gewissen erneu eingcherrtzen Bericht abgosatzt, der nicht nur alle Fehler rmd Jrrtümer feststellt, sondern auch die Grundlagen des ökonomischen Aufbauplanes enthält. Diesen Bericht haben wir pflichtgemäß in London der Exekutive vorgelegt." Das Aktion-» komitee wurde nicht einbcrufcn, um von diesemDericht Kennt» niZ zu erhalten. Dieser Bericht wurde dem Karlsbader .KrM» groß nicht vorgslagt, nur eine polemische Erwiderung darauf gelangte zur Kenntnis der Delegierten. So wurde die Erkennt - uis der Wahrheit verhindert. Ein trauriges und mysteriöses Kapitel der neuesten zionistischen Geschichte. „Wie denken Sie, Herr de Lieme, über die Frarge der Erweiterung der Jowrsh Agency?" ,,$n irgend einer Form müssen alle jüdischen Kreise, die an dem Palästinaaufbau teilnehmen wollen, Gelegenheit zur Mitarbeit finden. Es wäre jedoch ein unverzeihlicher, nicht wieder gut zu machender Fehler, wenn man bei dieser Gelegenheit die Zionistische Organisation, das heilige Erbe Theodor Herzls, zersprengen wollte. Was bedeutet denn heute die Jewish Agency? Man lese einmal darüber den Rapport der Permanent Mandate Commission. Wie ist denn die Position der Jewish Agency, wenn auch eine arabische Agency mit den selben Befugnissen dazu kommen soll, wie noch immer beabsichtigt wird? Die Jewish Agency hat keine positiven Befugnisse und die erweiterte Jewish Agency wäre nichts anderes als eine aus Zionisten und Nichtzionisten bestehende Exekutive, wobei die Kontrolle der Zionistischen Organisation bis auf Null reduziert wird. Ich habe mir früher gedacht, daß eine gemischte Jewish Agency dazu beitragen könne, die so notwendige Reorganisation unserer Arbeit zu fördern; ich fürchte aber jetzt, daß ich mich darin getäuscht habe. Es ist nicht zu verkennen, daß systematisch dahin gestrebt wird, eine Agency zu konstituieren, bei der die nichtzionistischen Mitglieder keiner Körperschaft Rechenschaft schuldig sind. Es würde nichts anderes dabei herauskommcn, als, wie ich in Holland schon jetzt sehe, eine schlechte Notablenpolitik. Für die Entwicklung der palästinensischen Ansiedlung ist sicher die Heranziehung aller in und für Palästina arbeitendes Kräfte in eine Körperschaft nötig; aber die Heranziehung von solchen, die nur bereit sind, ein paar schöne Worte für bereits geleistete Arbeit zu widmen, ist eine Politik, die ich schon für überwunden gehalten habe. Nebrigens ist mir nicht klar, wie die Tätigkeit der Jewish Agency sich praktisch gestalten soll, und bis jetzt habe ich nicht konstatieren können, daß man si chan leitender Stelle auch nur einigermaßen jene Klarheit verschafft hat, die man schon damals hätte haben sollen, als" man die Verhandlungen mit nichtzionistischen Körperschaften begonnen hat. Von Verhandlungen kann man eigentlich nicht reden, weil bisher nichts anderes stattgesunden hat, als ein Nachgeben an die Forderungen der Nichtzionisten." „Sie wissen, Herr de Lieme, daß ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung Palästinas und auch der Zionisten in 1 werde, daß sie es nicht erleben werde, ihr einziges Kind unter die Chuppah zu führen. Eitel ist des Menschen Mühen, sich seinen Siwug, sein Ehepaar selbst zu suchen und zu wählen. Und ich glaube, daß der Allgütige im Himmel bereits bestimmt hat, daß ich in nicht allzu ferner Zeit eine Frau heimführen soll, um mit ihr gemeinsam ein gottgefälliges jüdisches Heim zu errichten, in dem die göttliche Schechina, der Heiligenschein der Allmacht ruht. Ihr seid Wohl schon begierig zu wissen, worin ich diesen „Fingerzeig Gottes" erblicke? So höret denn teure Eltern, wenn mir auch die Hände zittern vor freudiger Erregung, während ich es niederschreibe. Vor einiger Zeit kam eine Nichte meines Rebben hierher zu Besuch. Um es Euch gleich zu sagen und besonders Dich, allerliebste Mutter, zu beruhigen, sie ist aus einer Jichusfamilic. Ihr Vater ist der vor kurzem verstorbene Schaz-Maz von P . . . und ihte Mutter, soll leben, ist eine Enkelin vom berühmten Chaskele Lhasa«, der nicht nur ein berühmter Sänger, sondern auch ein Lamdan, ein Gelehrter war. Die Mutter des Mädels ist die Schwester unserer Rebezin. Du siehst also, liebe Mutter, es ist eine gute Familie. Was soll ich Euch von dem Mädchen selbst sagen? Wißt Ihr, was mich an ihr gleich nach unserer ersten Begegnung so gefangen genommen hat? Sie erinnerte mich sofort an meine geliebten Eltern. Sie ist von so kleinem Wuchs wie der liebe Vater bis hundertundzwanzig Jahre und üppig und beleibt wie Du, teure Mutter, Dein Licht leuchte. Und da sagte ich mir, daß sie zu mir passe und würdig sei. Eure Tochter zu werden und Euch mit Enkeln nach Eurem Geschmack zu bescheren. Soll ich Euch noch schildern, wie unsere erste Aussprache von statten ging? Es war zwischen Miucha und Maariw, chir mußten noch einige Zeit auf den Einbruch der Nacht, auf das Erscheinen der ersten drei Sterne am Himmel warten. Leah, so heißt die Nichte des Rebben, stand in der Tür des Beth-- Hamidrasch und betete. Als sie geendet hatte, fragte ich der Diaspora die von Ihnen propagierten Ideen vollkommen billigt? wie würden Sie sich dcizn stellen, wenn die Majoori tat des Kongresses, in Anbetracht des Versagens der jetzigen Leitung, von Ihnen verlangt, daß Sie an der Spitze der palästinensischen Exekutive Ihre Ideen in die Wirklichkeit umsetzen?" „Diase Frage, die schon so oft an mich gestellt wurde, IW sich nicht so direkt beantworten. Mit diesen Tendenzen ist viel gespielt worden, tun die öffentliche Meinung zu beeinflussen. In Amerika erzählt man zur Beruhigung und Anfpeitschnng der Keren Hajcssod-Zeichner, de Lieme gehe nach Palästina. Vielmals habe ich in Zeitungen gelesen, daß Verhandlungen zwischen der Exekutive unb mir stattgefunden hätten. Selbst II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 i;/. v ■ Sensationelle Pfingst Angebote Crepe de ckine Crepe Marocaine 0 Marquisette Eponge Waschstoffe aller Art für Sommerkleider Ungemein reichhaltige Auswahl , Neueste Dessins, glatt und bedruckt Alle Farben u. Breiten. Ferner Batiste, Opale ete. für Wäsche und Blusen, Badeanzüge, Schwimmtrikots, Bademäntel, Frottierhandtücher, Strumpf- und Wirkwaren, Leinenu. Weisswaren, Damen- und Herrenwäsche, Regenmäntel, Vorhänge, Teppiche, Bettdecken etc. eie. 1074 Ausserordentlich billige Preise / Besichtigen Sie die. Schaufenster und die sehenswerte Innendekoration (am Sonntag) und überzeugen Sie sich von der Konkurrenzloslgkeit unserer Angebote m Qualität und Preis! sie, wie lange sie noch hier bleiben werde. Sie blickte mir mit ihren kleinen Augen ins Gesicht und errötete züchtig. Dann fragte sie lachend: . . . „Warum erröten Sie, Feiwel, wenn Sie mit mir sprechen? „Ich erröte ja gar nicht", antwortete ich, wobei ich fühlte, daß meine Lippen bebten. „Ich wollte soeben Sie fragen, warum Sie rot werden, so oft ich Sie anspreche". Und dann lachten wir beide. Ich erschrak, denn ich habe selbst noch niemals so gelacht und habe auch noch nie ein Mädchen so lachen hören, wie Leah gelacht hat. Ich war froh, daß im Beth-Hamidrasch mit dem Maariw begonnen wurde und wir wieder beten konnten . . . Geisbern nun sagte mir der.Rebbe, daß es Zeit.wäre, ans Heiratenzu besten, denn „es sei nicht gut, daß der «Mensch allein bleibe". Geradezu verblüfft war ich über den Scharfblick des Rebbe, als er hinzufügte: ,/Deinen Wunsch, Leah zu heiraten, billige ich. Du bekommist ein gutes, from-ines Weib, und 'wenn du noch einige Zeit fleißig lernst, werde ich mich bemühen, daß du' bald di« Hatorah bekommst und als Nachfolger des Paters von Leah Schaz-Maz in P... wirst." Ich küßt« zitternd die Ha-nd des Rebben und noch bebend vor freudiger Erregung schreibe ich Euch diesen Brief. Jetzt sähe ich erst, wie mir die hohen Verdienste meiner Ettern beistehen und wie der liebe Gott den sehnlichsten Wunsch .meiner guten Mutter, ihren Feiwel glücklich als Schwiegersohn einer hochangesehencn.Familie zu sehen, in Erfüllung gehen läßt. Mögen diese Zeilen Balsam sein auf' die Herzenswunden der Mutter und möge bald kommen die Erlösung für uns und für Zion, Amen. Euer glückstrahlender Feiwel." D-er Brief Feiwvls war durchaus nicht Balsam aus die Herzenswunde von Sure Mannsbild. Er beschleunigte das Siechtum der in ihren Hoffnungen getäuschten Frau. Nein, Schaz-Maz (die Abkürzung von Schbliach Zibbur Mitglieder der Exekutive haben in Holland darüber Gerüchte verbreitet. Ich kann nur feststcllen, daß diese Gerüchte und Zeitungsnachrichten, in denen sogar genau bic Rede von den von mir ausgestellten Bedingungen war; vollständig der Phantasie entspringen und als merkwürdige (wahrscheinlich „politische" oder „diplomatisches Ballons d'essays gewerie, lverden müssen. Uebrigens werde ich dem jüdischen Dolle und dem Palästinaaufbau zu jeder Zeit und auf jede Weise als einfacher Soldat oder anders mit meinen ganzen Kräften dienen." Aus krez gfrael. Der Besuch Edmond Rothschilds. Aus Jerusalem wird uns geschrieben!: Den ersten Willkommensgruß bei seinem jetzigen Besuch in Palästina erhielt der Baron Edmond de Rothschild von der Zionistischen Paläftinaexekutive. Dieser Gruß, den Kolonel K i s ch namens der Exekutive am 8. d. in hebräischer Sprache übermittelte und der beu Baron in Beirut erreichte, lautete: „Dem berühmten Wohltäter Baron Edmond de Rothschild übermittelt die Zionistische Exclkutive in Palästina gemeinsam mit dem gesamten Iischuw die herzlichsten Willkommensgrüße. Wir seihen seinem: bcvorst-c-henden Besuch in Erez Israel mit Freude entgegen."' Jur Bureau der Exekutive lief am 10. d. folgende Antwort ein: ,/Jch freue mich, Ihnen bald auf dom Boden. Palästinas für Ihre Wünsche danken zu können. Edmond Rothschild." Am Sonntag landete der Baron in Tan tu. rah, wo man für diese Gelegenheit eine besondere Landungsbrücke angelegt hatte. Er fuhr sogleich nach Sichren Jakob weiter, einer der ersten Kolonien, die seine Freigebigkeit -bedacht hatte und die den Namen seineis Vaters trägt. Nach einen: Gottesdienst und offiziellen Empfang in der Synagoge besichtigte der Baron die Kolonie. Am Nachmittag wohnte er der offiziellen Eröffnung des Landerziehungsheimes für Mädchen bei, das das Palästina-WaisenPomitee in Mein Schefoja bei Sichron Jakob unterhalt. In Gegenwart des High C o m -m i s s i o n e r § wurde die Zeremonie von Lady Samuel vollzogen. Der Baron drückte in einer kurzen Rede sein Bedauern über die nahe bevorstehende Abreise des High Eomurissioner aus. Der letztere pries in warnten Worten den Wohltäter Palästinas, der -bei allen als „Der Baron" bekannt ist und den noch in später Zeit die -Geschichte unter diesem Rainen nennen wird. Nanren-s der Exekutive der Zionistischen Organisation begrüßte Herr Sokolo w den Baron in einer durch ihre ernste Beredsamkeit sehr eindrucksvollen Ansprache. Herr Ussischrin sprach von den: glückverheißenden Zusammentreffen, das bei der gleichen Feder den Barmt, den edelsten Vertreter aufbauettder Wohltätigkeit, den High Commissi-oner, die politische Verkörperung des Willens des britischen Volkes in bezug auf Palästina, und Herrn Sokolow, den Aeltssten der jüdischen Nationalisten, hier vereinigte. Während S i r H c rbe rt un- Lad h Sa m ue l -in Sichron übernachteten, kehrten dev Baron und die Baronin auf ihre Jacht nach Tantuvah zurück, um am nächsten Tage die Folge von Besuchen und Emlpfä-ngen in den vcrschicdenett Kolonien und industriellen 'UuternHmunglM' S a m a r i a s fortzusetzen. - Der Baron in Tel-Awiw. Tel-Awiw, 31. Mai. (I. T. A.) Am 17. d. traf Baron Edutond de Rothschild und Baroneß de Rothschild in Tel- A w i w ein-. Der Empfang durch die Einwohner und More Zedek — Bovbeter und Lehrer des Rechtes), ein Mädchen für alles irr einer armseligen Gemeinde, war tticht das Ziel ihrer Träume, wenn sie an die Zukunft ihres Fei-lvel dachte. Sie ergab sich beisiegt. Die Mechutenes einer verhungerten SchazMaz-Witwe zu sein, war ein Hohn auf ihre 'hochgehenden Pläne. Es' war zu viel. Cs brach ihr da's Herz. Sie starb als die gewesene zukünftige Mechu^ lenes von Re>b Mayer EHrenveich.,, * / Feiwel 'bekam die Hatarah, uajchdenr er sich mit Loah verlobt hatte. Dann wurde er Schaz-Maz in P..., uachbent er Leah und sich vertraglich verpflichtet hatte, für die Witwe seines Vorgängers und ihrer vier Kinder einschließlich Leahs zu sorgen. Und Leah gebar dont Feiwel in zweijährigen Abständen sechs Kinder, vier Knaben und zwei Mädchen. Die Knaben lvaren lang rtnd dürr wie Feiwel und die Mädirfwit klein und kugelrund wie Leah. Nute Schneider zog nach P... und war auch dort einvielbeschäftigter Schneider. Zwei feiltet Enkelkinder, «Israel und Pinchas, wuchsen in seiner Werkstatt heran. Besonders Pinchas zeichnete sich durch seine Nadelfertigkeit aus. ,-Siehst du, Pinchas, int Haft die Geschicklichkeit deines Vaters. Er hatte alle Anlagen, ein berühmter Schneider zu werden. Eure Großmutter, sie soll für utt& in jener Welt beten, hat es anders gewollt und auch der liebe Gott hat es anders 'befohlen..." Und Feiwel war dreißig Jahre Schaz-Maz in P... So lange 'hat noch kein Sichaz-Wrz in P... gewirkt. Sie starben alle früher. Als Feiwel starb, eilteu alle Schaz- Maz im weilen Umkreis herbei. und hielten ihm warme Nachrufe, priesen ihn glüÄich, weil er gottergeben, bescheiden und anspruchslos dreißig Jahre lang Schaz-Maz in P... sein konnte und darin sein häMes Mick erblickt hatte... Ende.

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