Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2248 (24.5.1925)
- Date
- 1925-05-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. MS Wien, Sonnlag Miene« Moraen^eitttnq. 24. Mar 1925 Sette $ SIE SIND BESTENS BERATEN man» echtem unoleum um« Hit Mwabtretbarciii Mutter in grosser Auswahl zu bekannt soliden Preisen und fachmännischer Verlegung in meinen Spezialhäusern. Palastinaausbau und Felvish Agencv. Ein Gespräch mit Nehemia de Lieme. Unser Mitarbeiter Dr. Paul Diamant hat ans ferner Reife durch die jüdischen -Zentren des W'stens eine Reihe führender jüdischer Persönlichkeiten über ihre Anschauungen zu beit aktuellen jüdischen Angelee^nheiten befragt. Er stellt rrns die nachfolgenden Aufzeichnungen über ein Gespräch mit Herrn Neihemia de Lieme, dem früheren Mitglied der Zionistischen Exekutive. Direktor des Jüdischen Nationalfonds und langjährigen Führer der holländischen Zionisten, zur Verfügung. Die Lleußernngerr de Liemes werden nicht verfehlen, in der zionistischen Oeffentlichkeit die größte Aufinerksamkeit zu erregen. — Die Red. „Welches ist Ihre Ansicht, Herr de Lieme, über die politischen und ökonomischen Fortschritte in Palästina?" Ich bin in der traurigen Lage, keine w e s e n t l i ch c n oder entscheidenden Fortschritte zu scheu. Ich habe die Bedeutung der Balfour-Deklaration nie überschätzt und habe immer gewarnt, in dem Leicht zu begeisternden jüdischen Bolle allzu große Hoffnungen zu erwecken. Man macht im 20. Jahrhundert nicht jüdische Politik wie in den Zeiten des Sabbatai Zebi — aber die Unterzeichnung des Weißbuches im Jahre 1922 durch Weitzmann, die eine Zustimmung zu sehr großen Einschränkungen der Balfour- Deklaratilon bedeutete, ist meiner Meinung nach eine gewaltige Verschlechterung der völkerrechtlichen Grundlage unseres Aufbauwerkes. Eine traurige Bestätigung dieser meiner Ansichten gilbt der Bericht der Permanent Mandat Commission des Völkerlbundes, der der jüdischen Oeffentlichkeit noch viel zu wenig bekannt ist. Und nun zur wirtschaftlichen Frage: Ich war nie überzeugt, daß der Keren Hajessod imstande wäre, den jüdischen Aufbau Palästinas zu finanzieren, besonders nicht, daß es möglich tväre, in diesem einen Fonds alle Funktionen unseres Budgets zu vereiinigen. Ich meine da insbesondere das Budget der palästinensischen Schulen. Die Entwicklung der letzten Jahre und die wiederholten Konflikte mit dem Lichverstand haben die Richtigkeit dieser meiner Angaben bestätigt. Der letzte Konflikt war die nottvendige Folge des unsystematischen Keren-Hajessod- Bndgets. Die Exekutive war im Jahve 1921 der Meinung, daß es unmöglich wäre, eine Trennung zwischen Keren Hajessod und Schulbndget hcribeizuführen rmd wollte die Verantwortung für das Schnlbudget nicht, wie ich es vorgeschlagen habe, an den Waad L-eumi, die gewählte Vertretung der palästinensischen Jndenschaft, übertragen. Wir, das heißt die Mitglieder der Reorganisatilonskommissiion vom Jahre 1920—21, haben vorgeschlagen, das Schulbndget abzubauen und nur eine notwendige Subvention dem Spezialschulfonds des Waad Leunn zu geben. Wir Hattert Grund, anznnehmen, daß dieser palästürensische Schulfonds seine notwendigen Mittel, soweit sie nicht i!m Lande selbst durch Schulgeld aufgebracht werden, von A m e r i k a erhalten würde." ,Mar das eine bloße Vernnitung oder hatten Sie Gründe dafür, dies anzunchrnen?" Felwtz Glückskind. Die beschichte eines Lebensschirksals in drei Abschnitten.*) Von Jakob Kransz. Dritter A b s ch n i t t. Feiwel wird Schaz-Maz in P . .. und stirbt reich an Kindern und Ehren. Feiwel bezog die neue Jeschiwah mit dem festen Entschluß, sie die letzte Station seiner Studien werden zu lassen. Es war ihm bei seiner Abreise vom Hause nicht entgangen, daß seine Mutter unter dem Mißerfolg ihrer Versuche und Pläne, mit Hilfe ihres Sohnes eine Verschwägerung mit eitler angesehenen jüdischen Familie und damit eilte Art Standeserhöhung für sich herbeizuführen, in hohem Maße litt. Sie wäre für ihr Leben gern Ahnsrau geworden, von der kommende Generationen hervorragender, reicher,- angesehener Männer ausgehen würden. Je mehr sich dieser Traum verflüchtigte, je klarer ihr ihre eigene Ohnmacht gegen die Mittelmäßigkeit der Fähigkeiten ihres Sohnes zum Bewußtsein kam, desto lllehr schwand ihre' Energie, schwand die Spannkraft ihres einst so starken Willens, sich über ihre soziale Schichte zu erheben uitb aus der Frau des Nllte Schneider die Mutter des Gaons-Reb Feiwel oder des jüdischen Maglratell, Herrn voll Feiwel Glückskind, zu werden. Als gar Herllianll Groß, der Manufakturwarenhändler im Heimatstädtchen, der zur Zeit, als Feiwel noch als der künftige Schwiegersohll von Mayer Ehrenrerch galt, Hattodurchblicken lassen, daß auch er Feiwel gerne zum Schwiegersöhne genommen hätte, sich jetzt dagegen verwahrte, jenlals an eine solche Mesalliance gedacht zu haben, brach Sure vollends in sich zusanllnell. Aus Sure Mannsbild war ein schwaches, alterndes * Siehe „Wiener Morgenzeitnug" vom 20. April, 3., 10. NNd 17, Mai. H FLANIUDtCKEN STEPPDECKEN DOPPELBETTDECKEN TBSCHTEPPICME LAUFTEPPICHE VORHÄNGE BETTVORLEGER W. WEMBERHR XX.,Wailensteinstr.16 V., Schönbrunnerstr.l 05 X. ,Favoritenstr.98u.130 XXI., Hauptstr. 44 „Ich stützte mich bei meinen Behauptungen nie auf unbegründete Vermutungen, sondern wußte es ganz gewiß. Ucbrigens wurde doch das hebräische Schulwerk in Wien von der amerikanischen Jndenschaft ins Leben gerufen uub nachdrücklichst unterstützt. Das palästinensische Schulwerk, das begreiflicherweise um vieles populärer ist, hätte sicher — wie ich weiß — aus amerikanischen Zuschüssen seine finanzielle Grundlage erhalten." Ich will in diesem Zusammenhänge gar llicht von der Verpflichtung der Mandatsregierung sprechen, das jüdische Schulwerk ebenso zu fördern, lvie sie das arabische fördert, eilte Verpflichtung, der sich die Mandatsregievung, toemt man sie taktvoll, aber energisch daran erinnert hätte, nicht hätte entziehen können. Die Exekutive hat aber einen anderen Weg eingeschlageu: Sie hat die öffentliche Meinung vor und auf dern Karlsbader Kongreß so beeinflußt und bearbeitet, daß diese Budgetfrage zu einer Kulturkampffrage wurde. Gegen mich utld meine Freunde von der Reorganisationskonnni sson wurde der vollkommen unbegründete Vorwurf erhoben, daß wir Gegner des hebräischenSchnlwerkes in Palästina seien. Es wurde dann beschlossen, daß die Zioitistische Organisation die Verantwortung für das Schulbudget au keine andere Organisation übertragen dürfe. Dieser Beschluß, den *ch für sehr, sehr schlecht halte, hat schr viel Geld gekostet und in der Folge überaus schädlich gewirkt. Nichtsdestoweniger war aber die Exekutive gezwungen, das Schulbndget viel weiter abzubauen, als dies die ReorganisationskomMission beabsichtigt hatte. Der so traurige Lchrevstrcik in Palästina und die vollkommene Unstcherheit des palästinensischen Schulwesens sind die traurige Folge davon, daß man meinen guten Rat nicht befolgt hat. Eine sichere Beurteilung der Keren-Hajessod-Tätigkeit wird aus folgenden Gründen sehr erschwert: Die zionistische Organisation der -Vereinigten Staaten hat sich unabhängig von London gemacht, sich einen eigenen Apparat geschaffen und das Zvntvalbureau des Keren Hajessod in London hat daher wenig oder nichts zu tun. In Europa hat das Londoner Zentralbureau zwar Einfluß, doch vevwondet es diesen zum Eingreifen in interne zionistische Politik und viel weniger auf systematische Kereil-Hajessod-Propaganda, denn systematisch kann ich keine Weib, voll von Verbitterung geworden. Bloß ihre Zanksucht, die sie an an ihrem Körper dürren Nute ihrem Mann übte, war geblieben, nagte und verbitterte das Leben des kleinen, Immer häufiger wurde der Arzt Gast im Hause Eures, die immer so stolz darauf gewesen war, daß sie „den Sechel von einem Rebbe und die Gewure von einem Kosak" habe. In seiner neuen Jeschiwah wurde Feiwel mit allem Respekt, der einenr „alten Bachur" gebührt, aufgenomnlen. In der Judengasse wird nicht nur der, der viel, sondern auch der, der lange gelernt hat, geehrt. Der „Masmid", der Fleißige und Ausdauernde, fand nicht viel geringere Anerkennung, als der in: Schrifttum bewanderte „Boki" oder der mit scharfem kritischen Geist ausgestattete „Charis". Denn in allen diesen Menschen wurde letzten Endes reicht so sehr deren persönlichen Verdiensten, als vielmehr der Lehre und den: Wissen gehuldigt, denen diese Personen irgendwie gedient haben. Diese heilige Ehrfurcht vor dem Wissen an sich gibt sich am schönsten in der Art kund, wie ein Jude zwischen dem Menschen und dem Wissen, das er in sich ausgenommen hat, ftreugc unterscheidet, das Wissen sozusagen anthropomorphisiert. Läßt sich ein Jude dazu Hinreißen, sich über die persönlichen Charaktereigenschaften eines Gelehrten abfällig zu äußern^ wird er es nie verabsäumen, hinzuzufügen: „Seine Thora ausgenommen!" Er entkleidet gewissermaßen den Menschen erst seines Wissens, das ihn gegen ein schärferes Tadelwort immunisiert, lästert, entheiligt ihn, um das Recht der Mißachtung gegen ihn zu erlangen. Dieser schöne jüdische Charakterzug kam auch Feiwel zugute. Man respektierte die vielen Studienjahre, die er bereits hinter sich hatte um so mehr, als bekannt wurde, daß er von seinen früheren Lehrern Zeugnisse mitbrachte, in denen in diplomatisch-talmudischem Hebräisch bescheinigt wurde, daß Feiwel „ein Maßmid war, der mit allen seinen menschlich begrenzten geistigen Kräften sich Tag und Nacht abmtthte, um aus den Tiefen der Propaganda nennen, die — wie ich z. B. von Holland weiß — ein Raubban ist, 'unter Versprechungen an das Publikum, welche sehr pünktlich nicht eingehalten tverden. Ziehen wir einmal einen Vergleich zwischen Keren Kejemeth und Keren Hajessod: Der Keren Hajessod bringt jährlich ungefähr netto 500.000 Pfuud auf, der Keren Kajemeth annähernd 260.000 Pfund. Dabei ist der Wirkungskreis des Keren Kajonteih leider sehr beschränkt worden. Also der Keren Hajessod hat nur das Doppelte des Keren Kajmeth aufgebracht, trotz der Mitwirkung der konzentrierten Propaganda, trotz aller populären Führer, trotz Einstein, trotz nichtzionistischer Mitarbeiter ituo trotz ermutigender Erklärungen von nichtjüdischen Politikern. Demgegenüber ist die Arbeit des Keren Kajemeth wiederholt von zionistischen Führern beeinträchtigt worden, und trotz allem sind die Gelder des Keren Hajessod nur um das Doppelte höher als die des .Keren Kajemeth. Die übrigens ln Anbetracht der heutigen Armut des jndifchen Volkes nicht unbeträchtlichen Mittel, die durch den Keren Hajessod aufgebracht worden sind, sind leider in einer Weise verwendet worden, daß der Erfolg dom ansgewendeten Gerde in keiner Weise entspricht. Mann kann keineswegs behaupten — von einigen Siedlungen abgesehen — daß die Siedler mit dom palästinensischen Boden derart verwachsen sind, wie es beispielsweise die Rothschildschen Kolonisten in „B e n j a m i n a sind." „Ich hörte vielfach in Palästina, Herr de Lieme, die Aeußerung, Sie wären ein Gegner der genvisenschaiftlichett AtzbeitersiMung ans gomcmwirtschaftlicher Grundlage." Ich bin keineswegs der Feind der Arbeiter und Ghallnzim, als .den nian /mich vielfach hinstellt, sondern im ureigensten Interesse der Chalnzim behaupte ich, daß das von ihren Führern propagierte Wirtschaftssystem das g r ö ß t e H inde rnis für den ökonomischen Aufbau des Landes bedeutet. Uüberhaupt kann von den Formen der Kolonisation noch gar nicht die Rede sein, wenn die technische Grundlage -nvch nicht ansgedacht ist. Bis jetzt.fohlt diese Grundlage, überhaupt und die bisherige zionistische landwirtschaftliche Tätigkeit ist nichts anderes als ein permanentes Provisorium. Ich möchte darauf Hinweisen, daß der Rapport des von Weidmann zur Untersuchung nach Palästina gesandten Professors M e a d in den Hauptfragen eine vollständige Bestätigung der von meinen Freunden und mir vertretenen Ansichten bringt. Es ist noch in frischer Erinnerung, welche bitteren Vorwürfe man mir gemacht hat, weil ich im Jahve 1920 vor ü ö e reiltem Kauf der Emekböden wegen des zu großen Preises gewarnt habe. Der Schätznngsvapport des Keren Kajoineih bestätigt nun, daß die Emekböden um 50.000 bis 60.000 Pfund u'nnötigerweise zu teuer bezahlt wurden. ss Auch meine pessimistische Meinung über Dilb und die von unseren Sachverständigen propagierte Tervassenkultur int Gebirge Judah hat sich im Laufe der Jahre vollkommen bestätigt. Wir haben heute — ich betone heute — noch n.cht die Möglichkeit, den steinigsten Teil des Landes an'fznfovsten, Thora die in ihr verborgenen Schätze zu heben". Der Rabbiner gab sich denn auch alle Mühe, um Feiwel durch Zuweisung von Kosttagen und guten Lektionen nach Tunlichkeit aller Nahrungssorgen zu entheben, damit er sich ausschließlich dem Studium und der Vorbereitung zur Prüfung widmen könne. Und in der Tat war kaum ein Jahr vergangen, seitdem Feiwel die neue Jeschiwah bezogen hatte, als er voller Freude und seeliger Hoffnung an seine Eltern den folgenden Brief schrieb: „Meine liebe Eltern ad meah schanah! Euer letztes liebes Schreiben hat mich iufufern betrübt, als ich aus ihm ersehen nmßte, daß die liebe Mutter, soll noch lange leben, noch nicht gesund und wegen ihrer Krankheit sehr niedergeschlagen ist. Daß sie immer mehr abmagert und der Arzt sagt, daß er nicht wisse, was ihr eigentlich fehlt, braucht sie nicht zu beunruhigen. Der liebe Gott, der alle Wunden heilt, weiß, was Dir, liebe Mutter, fehlt und wird meine täglichen Gebete erhören und Dir eine vollständige Heilung vom Himmel schicken, eine Heilung des Körpers und eine Heilung der Seele. Amen! Ich bin glücklich, liebe Mittler, die Du mit solch unendlicher Liebe an Deinem jedes Verdienstes baren Sohne hängst, durch einige-freudige Mitteilungen zur Gesundung Deiner Seele und mit Gottes Hilfe auch zur Heilung Deines Körpers beitragen zu können. Ich habe meine Zeit hier nicht unnütz vertrödelt. Vor zwei Tagen habe ich meinem Rebbe die Prüfung als Schachet vorzüglich bestanden und gestern fand eine Vorprüfung zur Erlangung des Rechtes, in rituetleu Fragen Entscheidungen zu fällen, statt, nach welcher mein Rebbe in Gegenwart aller Schüler erklärte, daß ich bei ihm sehr viel zugelernt habe und bald auch die angestrebte Autorisation werde erlangen können. Ihr schreibt mir, daß ich an Tachlis, an ein'Zukunftsziel denken müsse, da ich schon ein älter Bachur im doppelten Sinne, ein alter Schüler und ein alter Junggeselle bin und die liebe Mutter von der Angst gequält •' •J -