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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-24 · Heft 2248 (24.5.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2248 (24.5.1925)
Date
1925-05-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Gert« 2 Men, Sonntag ' ~ Wlemr MoraMzettuu«. 24. Mai 1925 fraget Schuhe! mH eingebautem „Berson^-Gummi-Absatz der Geist freiwillig und ohne ernsteil Widerstand degradieren läßt. Der Forschung sind die großen Gesichtspunkte, die Ideale des Umversalismus entwunden worden. Wofür wirkt sie? Die Philosophie arbeitet an der Begründung der nationalistischen Hypothesen, die Medizin will nicht den Menschen an sich, sondern nur den Bürger eines Staates schützen. Die Wissenschaft engt sich selbst ein. Im engen Kreis verengert sich der Sinn. Sie ist selbst schuld. Die Generation, die den großen Krieg angezündet hat, kann sich auf die Schulen berufen, in denen sie ausgebildct wurde. Die Generation von heute ist wieder in die Hände von geistigen Sklaven geraten, von Handlangern der Machtphrase und des Götzenkultus. Wie wird die Zukunft werden? Wohin gerät'dieses Europa? Es vergeudet seine Volkskräfte wieder in Rüstungen, kann aus dem Mißtrauen und aus der Angst vor Feinden nicht herauskonnnen und geht immer tiefer in den Verfall hinein. Es hat heute schon die Autorität verloren, ist wirtschaftlich zum Hörigen der Vereinigten Staaten geworden und muß vor dem Augenblick zittern/in tvelchenr der Orient den Gedanken der politischen Freiheit in feste Formen zu gießen sich anschickt. Europa lebt einstweilen nur von der politischen Inferiorität des Orients. Es fristet nur mehr sein Dasein. Es hat die Achtung vor dem Geist verloren und damit den Geist selbst. Die schärfste Charakterisierung dieses Zustandes ist der Befehl, den die Regierung des Landes Björnsons dem Forscher erteilt. Amundsen« Nordvolflug. Bisher keime weiteren Nachrichten. Berlin, 23. Mai. (Tel.-Komp.) Nach den aus Skandinavien eingetroffenen Meldungen liegen dort entgegen den amerikanischen Blättermclldungen seit dem Start Ämmtdsens zum Nordpol weitere Nachrichten nicht vor. Man zweifelt aber -nicht daran, daß er den N o r d pu l erreicht har und sich bereits wieder auf dem Rückweg befindet. Amundsen hat keine Radiostation mitgenommen, so daß direkte Nachrichten von chm nicht vorliege.n können. Bon den «beiden Begleitschiffen hat — gemäß einem Telegramm aus Oslo'— die ra m" die Fühlung mit ,-Hobby" verloren, die nicht «mit drahtloser Telegraphie ausgerüstet ist. Die Mitglieder der Expedition sind überzeugt, daß Amundsen glücklich zurückkehren wird. Es herrscht milde Temperatur und die Flug bedi ngungen -können als aus gezeichnet bezeichnet werden. ' ’ Norwegen „annektiert" den Nordpol. Kurz vor seinem Start -hat Amundsen von der norwegischen Regierung ein Telegramm erhalten, das ihn legitimiert, eventuell anzutreffendes Festland fü r Norwegen in Be si tz zu nehmen.. Amundsen hat darauf folgende Instruktion ausgege'ben: „I.nr Falle, daß den beiden Flugzeugen oder der Besatzung, die Fühlung miteinander verloren gchen sollte, setzt Nr. 24 nach der Verabredung unter Leutnant Diedrichsens Leitung den Flug fort. Leutnant Diedrichsen ist beauftragt, im Nanren Seiner Majestät des Königs von Norwegen eventuell entdecktes Land in Besitz zu nehmen." Die amerikanische Expedition. New-Aork, 23. Mai. (Tel.-Komp.) Die amerikanische Nordpolexpedition ist von hier aufgebrochcn. Ihr Kapitän ist der Hau Pt manu Donal Mae M illa n. Die Expedition begibt sich an Bord des Schiffes „Peay" nach dem Kap Hübbard, von wo sie in vier Flugzeugen versuchen wird, nach dem Vorbild Amundsens -nach dem Nordpol zu gelangen. Die Flugzeuge sind so konstruiert, daß sie 2000 Kilometer ohne Zwischenlandung zurücklegen können. : kirweltenmg der Kompetenz des Völkerbundes. In der Entwaffnungsfrage. London, 23. Mai* (Tel.-Komp.) Das Programm der kommendent Tagung des V ö lk e rb u n d r a t c s, der Ehambcrlain wieder persönlich beiwohnen wird, steht nunmchr fest. Es enthält wenige politische Punkte von Bedeutung, um so mehr, als der Bericht der Mossulkommission noch nicht vorliegt. Bon Wichtigkeit ist die Festsetzung der Funktionen des Bö l kerb u n d k o nt itecs, das in Zulu n ft die Aufsicht über die Entwaffnung der besiegten Staaten führen wird. Lord Robert C e c i l wird diesmal England wieder vertreten. Die Junitagung. Genf, 23. Mai. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der Völkerbuudrat wird am tt. Juni in Genf unter dem Vorsitz von Quinones de Leon (Spanien) zusammen treten. Auf der vorläufigen Tagesordnung stehen unter anderem die Behandltlng der Fragen betreffend die freie Stadt Danzig und dou finanziellen Wiederaufbau Oesterreichs und Ungarn s. . •*? Wahlen in Budapest. ' Demokraten, 91 Erwachende» ' i, 23. Mai. Die Zählung -der abgegebenen ettva 220.COu .. ..unen dauerte die ganze Nacht hindurch bi8 üt die 'Morgenstunden, so daß das Resultat endlich heute vormittags um 9 Uhr fcstgestcllt werdett konnte. Nach beit offiziellen Feststelluttgett wurden dort den durch Wahl zu besetzenden 260 Mumzipalratsmandaten 128 Demokraten (davon 54 Sozialdemokraten), 91 Erwachende, 33 Anhänger der Ripka- Partei und 8 Liberale gewählt. Da außerdem nach dem Gesetz cstne Anzahl von Korporationen und Instituten 21 Mit- Zliodcr entsenden, die vom Reichsvertvcscr ernannt werden, und 66 Persönlichkeiten kraft ihrer Stellung Mitglieder des Munizipalratcs sind, so ist eine Korrektur des Resultats im S i n ne Horth y s bis zu einem gewissen Grad möglich.;|e Das Ergebnis der Gemeinderatswahlen in Budapest beweist zttnächst, daß auch in Ungarn die Liquidierung der Revolution dieselben Wege geht wie tu allen übrigett besieglctt Staaten. Das Volk tvählt, soweit es in seiner Wahl frei ist, radikal rechts oder links. Die Zeit der Politik der Mitte ist noch iticht gekoinnten. Am allerwenigsten in Ungarn, wo die Regiermtg, welche jetzt die Politik der Mitte verkündet, dttrch allzulange extreme Rechtspolitik zu stark/belastet ist, um für eine verinittelnde Bersöhnungspolitik Vertrauen bei den Wählern findett zu können. In keinem anderen besiegten Staat hat eine rechtsoricntierte Regierung der Pogrompolitik dttrch eine noch so gut kaschierte Schwenkung die Gefolgschaft -der Wähler finden können. Auch in Budapest war es iticht anders. Oie Wähler wußten, daß das Pogromregime der Wolfs- Gruppe im Rathaus tticht dttrch eiwr verwässerte Komproittißpolitik, wie sie die von der Regierung unterstützte Ripka- Gruppc repräsentiert, sondern dttrch Zusammenschluß aller radikal dcnkendett Wähler der bürgerlichen und der proletarischen — zu einem S ä nbe r u u g s ib l o ck endgültig erledigt werde,: köttne. Es ist auch gar kein Jtveifel, daß die Wahlen von Donnerstag und Freitag diese radikale Erledigung gebracht hätten, toenn die Bethlett-Regierung nicht dttrch cm bewußt schlechtes Wahlgesetz und dttrch die Duldung von Wählte ch t s r a n b die freie Wahl von vortcherein illusorisch geinacht hätte. Desto d.'ntlicher für die Regiterung spricht das Ergebnis der Wahlen. Im Verlauf -des Wahlkampfes hat Graf Bethlen wiederholt gegen den dentokratischcn Block in der schärfftctt Weise Stcklnug gettommen und damit bckrtudct, daß es ihm uin die Einführtutg einer klaren, unzweidenttgen Politik -der Rechtsordttuug nicht ernst ist. Graf Bethlen braucht die Christlichuatiottalcn als Watiwan, als Geißel, die er über die Budapester schwingen kattn, toenn sie ihnt nicht parieren. Deshalb beließ er die 60 Birilsiintuien der Organisationen ttn>d Berbättde, die heute noch ittuner int rcchtssließenden Fahrtvasser segeln, imd sicherte sich durch die Ernenmutg von 21 Mitgliedern von vornherein die Beeinflussung der Kräfteverteilung iin Btldapester Gemeinderat. Der Kommentar des Ung. Telegraphen-tKorefpotrdenzbureans zu dem Ausgang der Wahlen läßt schon dnrchblicken, daß die Regierung die „auf christlicher Grundlage fußcttdett Fraktionen unter der Führung Wolsfs" von den radilkalcn Gruppen nicht überwältigett lassen wird. Bei dieser Zusammensetzung des Bulda- Pcster Gcnteinderates kann demnach von einer radikalen Aendernng des Kttrses noch nicht die Rede sein, und cs ist noch fraglich, ob der Gcnteütdcrat sich überhaupt arbeitsfähig erweisen wird. Vom politischen 'Standpunkt ans muß cs 'bedauert werden, daß die jüdischen Wähler sich atich dicsntal nicht zu einem einheitlichen Vorgehen zur NioderrntHmtg des Pogromkttrses haben anffchwingen können. Ein Dell folgte der zum Teil furchtsam überbürgerlichen, zum Teil persönlichen Politik Paul Sandors, ein anderer Teil schenkte den Lockrufen der dort Bethlen ins Treffen geschickten Ripka-Fraktion Glauben, und so kam es, daß der radikale Block nicht in jener Stärke aus dem Wahtkantps hervorging, die erforderlich gewesen wäre, eine Kursänderung im Budapester Rathaus herbeizttführen. Im übrigen ist cs auch tticht unwahrscheinlich, daß Bethlen, «der itn dieser Wahlschlacht die größtcSchlappe erlitten hat, auf feilte Niederlage ntil einem verschärften Rechtskurs reagieren, wird. Der Renegat als Erwachender. Budapest, 23. Mai. (Tel. Komp.) Der Privat beamt« Emmerich Remenyi, der gestern unter dem Verdacht, bent Regierungkontmissär R tpka eine Höllemuaschine in die Wohnnng geschickt zu haben, fostgeitomntetl ivorden ist, bleibt weiter in Hast. Die Behörden haben Remenyi eine Schrift probe abgenomtttett, unt feilte Schrift tnit der Adresse auf dein Paket ztt vergleichen, das die an Regierungskottmtissär Ripka geschickte Höllenmaschine enthiclit. Remettyi, ein rühriges Mitglied des Verciils der Erwachenden Ungarn, ist erst vor vier Jahren zunt C h r i st e n t n m ü b e r g e t r e t e n. Rentenyl hat schon einmal mit den Behördett zu ttin gehabt, als er im Jahre 1923 auf einem Ball des israelitischen Frauenvereitts in D u n a p e n t e l e Revolverschüsse gegen das 3ionistilche B°zirks!ektiou Leovoldstadt Marge» Montag, SS. Mi, 8 Uhr abendr Jüdisches Massenmeeting im Hotel Continental, tt., Taborstraße .Der Prozeß Stricker vor ven Geschworenen' Redner: Semeinderat Vr. Leon. Ptaschkes. Dr. gvfef Lötueuherz Vizepräsident der israei. Lktlitusgemeinve Juden, erscheinet zahlreich! 8ptelbSlle, QummimSntel unck Onmmiwaren aller Art zu Pabrlkspreisenl SPIRMANN & HOROWITZ U/1am IT Ha* TftfvtfelMeoA Mp 11 K Ballpublllum ckbgab, iveil der Zigeunevprintas sich weigerte, eht von Remenyi, dem getauften Inden, bestelltes antisemitisches Hetzlied zu spielen. Zwei Personen wurden damals durch die Schüsse RentenyiL verivundet. Der Staatsanwalt erhob gegett Remenyi die Anklage ans vorsätzliche Tötung, daß Gericht verurteilte chn jedoch nur tmgcn leichter Körper- Verl e tzn n g ztt einer Million Kronen Geldstrafe. Sntlarvung eines Aitualmordkomvlott» in Leheran. Teheran, 21. Mai. (I. L. A.) Die Polizei eMarvte in den BorpaMMgerv ein gefährliches Ritualmord- Komplott, das, tvenn es gslitNHen wäre, die schwevwiogandstetr Folgen für die Perssifche Judenheit gehabt hätte. Zwei Mohantmedaner brachten in der Nacht einen angetrun'kenett Genossen in eine schmale jüdische Gasse, in der sich vier Synagogen und Mazizollhbäckereteni befinden, und trafen Anstalten, ihn mkv Umständen zu errnorden, daß auf einen jüdischen R itnalmord hatte ge« schlossen ivevden könnet:. Das Opfer 'leistete Widerstand, er kamen zwei jüdische Frauen .heribei, worauf die Mörder die Flucht ergriffen. Sie wurden von der Polizei eruie-rt und verhaftet. Sie gestanden ihre Msicht ein, eine jüdische R i t u a l m o r d a f f ä r e heranjßubeschlvöreu. um Gelegenheit ztt Mord und Plünderung zu ha-beu. Wie cs in Persien gewöhnlich der Fall üst, entstand unter beni fanatisievten Pöbel itt Verbindung mit dieser abgewehrtcri Rltnalmordrutrige eine wirkliche Ritnalmordlegende, so daß die Judenheit in Gefaihr schwebte und von 'der Polizei geschützt werdet« mtlßte. Lord Plumer. Eine militärische Ernennung. London, 21. Mai. „Daily Telegraph" bemerkt zu der Ernennung des Lord Plumer zum ObeÄommffsär t, Evez Israel, daß diese Maßnahme aus Militär, politischen Erwägungen heraus ovsoligt fei. ©ti stehe in gÄvisisnt Zufammenhanjg mit den englifch-türki. schen Beziehungen und inÄbeisondere mit den Verhandln^ gen über die Mossulfrage. Es sei deshalb erfreu, lich, daß man einen Offizier von der Qualität des FÄd, marschalls Plumer aus einem so wichtigen Posten wisse * Die „Voff. Z-tg." meldet aus London unter dem 21. Kl Die gestern abends ganz überraschend bckanntgegebene Er. nenuung Lord Plumers zmn hohen Kammiflar fm Palästina wivd als umnittallbarc Folge der Zuspitzung der englisch-türkischen Beziehungen üe. zeichitei. Im Gegensatz zu bewußt irvofühvenden Meldutt. gen, die fortgesetzt aus dem Kotrtrnent über eine englisch türkische Annäherung vovbwitot wurden, gslaübr man in Lon'don, die Entscheidu-ng des BMevbnn'des übet die Mossülgvenze werde zur Folge haben, daß die Tüvkel auch die Teile des Mlajets Moffnl besetzt, auf die sie Alt. fpvüche erhebt, und die ihm im Schiedsspruch nicht zugesprochen wurden. In englischen militärischer! Kreisen hat man mit lebhafter Besorgnis das Truppen« uf. gebot von 120.000 Mann, das die Türken angeblich zur Niederschlllgung des KurdenausstaudeS vorgenommen halten, verfolgt, und hat davauf gedrungen, das einer der hervorragenden Heerführer in, Kriege wie Lord Pktmer cm eine Stelle im Orient geibrach wivd, von der aus er, ohne geradezu Kviegsrüstnngen zr treiben, doch alle militärischen Vorsichtsmaß. nahmen vorbereiten kann, die nach englischer Auffasirtn^ notwendig sind, um unliebsame Ueherraschuugen an bei Nordgrenze des Irak zu vermeiden. Da Lord Plrrmci ibereits im 68. Lebensjahre steht, stellt die UobernalM« dieses Postens ein schweres Opfer des alvten Herrn dar, >dai er anscheinend mun auf nachdrückliches Drängen des Königt rt'nd des Ministerpräsidenten übernommen hat, nachdoni Lord Allenby, der Eroberer von Palästina, es wcger feiner politischen Differenzen, mit dsm Kabinett in de» ägyptischen Frage abgelehnt -hat, Kairo mit Jerusalem zu vertauschen und sich scheinend in de» Schmollwinkel gurückzioht. Sie belgische Krise. Ein außerparlamentarisches Kabinett. Brüssel, 33. Mai. (Havas.) Der König hat den Bürgeo meister voll Brüssel Max mit der Bildung des Kabinettl betraut. Max hat es übernommen, einen Borsuch zu einer Lösung der Krise zu unternehmen, ttnd mitgeteilt, er be. absichtige zunächst zu untersuchen, ob es möglich sei, als Ausnahms- und UebergangSmatznahme ein außerparlamentarisches Kabinett zu bilden. 1 Julius Aarmat aus der Haft enüasseu. Berlin, 83. Mai. (Tel.-Kontp.) Auf die Boüstellungev der RechtSbeilstände Julius Barmats hm ift di« ursprünglich auf 200.000 Mark festgesetzte Kaution fü, dessen Haftentlassung vom Kammergericht auf 46.000 Mark ermäßigt worden. Da diese Summe durch die An. walte hinterlegt wurde, ist Julius Bavmat aus de; Eharite heute entlassen worden. Sein Bruder Henry Barmat befindet sich by KyMtlich noch m Untersuchungshaft.

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