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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-21 · Heft 2245 (21.5.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2245 (21.5.1925)
Date
1925-05-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Dien, DomterskLg Wiener Morgenzeitung. 21. Mai 1925 Sette S Was m Ungarn Schmähung ist. Kn verbrecherisches Urteil Oes Töreki-Tenates. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 20. Mai. Der Töreki-Senat des Strafgerichtes verhandelte heute einen merkwürdigen Prozeß wegen Schmähung des ungarischen Staates und der ungarischen Nation. Als Angeklagter erschien vor dem Strafsenat des Präsidenten Töreki der 32 Jahre alt« Gemifchtwarenhändler Alois Fried mann aus Aszod. Friedman» wird zur Last gelegt, daß er im August des vorigen Jahres in der Auslage seines Ladens eine Wassermelone zur Schau gestellt hat, in die er mit einem Messer das ungarische Wappen und darüber — statt der heiligen Stephanskrone — den Dav ids schi ld, den ,Mögen David", eingeritzt hatte. Zu bemerken ist, daß dieses jüdische Wahrzeichen nicht einmal genau gezeichnet war; der Stern hatte nicht sechs Ecken, sondern nur vier. Trotzdem erblickte die Staatsanwaltschaft m der Zeichnung auf der Wassermelone eine beabsichtigte Herabsetzung des ' Symbols der heiligen Stephanskrone über den: .ungarischen Wappen. In der heutigen Verhandlung bestritt Alois Friedmann jede beleidigende Absicht gegen die Stephanskrone. Er hatte aus Langweile mit seinem Taschenmesser Figuren in die Schale der Melone einzuritzen begonnen» ohne ü b e r h a u p t z u wissen, -welche Figuren daibei heraußkommen werden. Er hatte keine Ahnung, daß er mit dieser Spielerei eine strafbare Handlung begehe. Der Gerichtshof unter Vorsitz Törokis fand de» Angeklagten des Verbrechens der Verunglimpfung des ungarischen Staates und der Nation schuldig und verurteilte den unglücklichen Melönenzeichner zu einem Jahre Gefängnis, fünf Millionen Kronen Veld strafe dreijä'hrige-nl ■ onzcssionsverlust und dreijährigem Verlust aller Politischen Rechte. . In der Begründung des Urteils führte der Vorsitzende Töreki aus, daß die heilige Stephanskrone ein Symbol des ungarischen Staates sei. Wer dieses Symbol verspotte, mache .sich der Schmähung des Staates und der Nation schuldig. Das Doppelkreuz bilde einen Bestandteil der heiligen Krone; wer daher das Kreuz entfernt und statt dessen ein anderes religiöses SynOol setzt, verletzt nicht nur das ungarische Nationalgefi'chl, sondern auch die religiöses Gefühle der christlichen Bevölkerung des Landes. Ter Staatsanwalt gab sich mit dem Urteil zufrieden. Alois Friedmann, der Melonenzeichner aus Aszod, legn Berufung ein. Men — keine Kommunistenzenttale. Eine Erklärung Dr. Malajas. Im Verlaufe einer Rede, die Außenminister Doktor M a t a j a gestern in einer Wä-Hlevdersammlung beim „Auge Gottes" hielt, kam er auch auf die gegen Oesterreich geführte Kampagne zu sprechen, durch die Oesterreich als ein N e st kommunistischer Verschwörer in aller Weilt ausgeschrien wird. Der Minister gab zu, daß W i e n eine äußerst wichtige K u r i e r st a t i o n für Moskau 'bedeute, da sich hier wichtige Routen treffen. Angesichts der enorrnen Gefährlichkeit der bolschewikischen Propaganda sei es selbstverständlich eine der wichtigsten Pflichten der Wiener Polizei, alle Begegnungen, Zusammenkünste, Reifen und Transporte auf das Intensivste zu überwachen, eine Pflicht, welcher die Wiener Polizei in vollstem Ausmaße Nachkomme. Die Wiener Polizei und ihr ausgezeichneter Chef, der gegenwärtig in den Vereinigten Staaten -wevlende Präsident Schober, genießen in der ganzen Welt ein ausgezeichnetes Renont-mee, so daß man ihr nicht gerade in diesem Falle eine mit den Polizeiausgaben unvereinbare Naivität zumuten würde. »Mir rechnen", sagte der Minister, ,^rber auch mit der werktätigen Unterstützung der Polizei aller anderen Staaten. Wir sind zu einer solchen Kooperation bereit, ja wir ersuchen um dieselbe. Insbesondere sind wir bereit, die ausgezeichneten Einrichtungen, die .bei uns bestehen, den anderen Nationen zur Verfügung zu stellen. Dom, was wirklich geschehen könnte, sind wir scharf aus den Fersen. Was darüber hinaus erzählt wird, ist Roman t i k." Die Mitteilungen, die da und dort in der OeffeM-ichkeit geinacht wurden, enthalten denn auch nahezu nichts Konkretes. Wo sich auch nur eine Spur davon fand, sind wir selbstverständlich oer Sache nachgegangen, aber du lieber Gott! Das waren entweder Phantasie oder verzerrte und ausgebauschte Dinge. Besonders gefährlich aber sind jene Meldungen, die besagen, daß bald diese, bald jene Regierung der Balkanstaaten bei uns interveniert hätte, um über die Wiener Umtriebe Beschwerde zu führen. Das ist absolut unrichtig, und ich teile hier mit, daß, so lange ich im Amt lbin, weder die jugoslawische, noch die bulgarisch«, noch die rumänische Regierung auch nur einen Schritt der In tervention gemacht hak Jugoslawien nimmt die österreichischen Erklärungen zur Kenntnis. Belgrad, 20. Mai. (Tel.-Kowp.) Der stellvertretende Außenminister Jovan Marko die erklärte heute vor Pressevertretern, die jugoslawische Regiernüg habe die Erklärungen des österreichischen Gesandten H o f f i n g e r in der Angeilegenheit der angeblichen llommnnistenzentrale zur Kenntnis genommen. Die bringe diesen EEävungen volles Vertrauen nitgegen und fei überzeugt, daß ver österreichischen Rezievung von irgend welchen komumnisiischen Umtrieben in Men nichts bekannt sei. Die jugoslawische Regierung beabsichtige auch nicht, weitere Schritte in Wien;u unternehmen. Der jugoslawische Gesandte in Wien, Dr. Milo-! e w i c, trifft morgen in Belgrad ein, um der Regierung ibcr laufende 'Angelegenheiten Bericht zu erstatten. Man üiwnit an, daß der Gesandte auch über die Frage der a ngeblichen Komm uni st en zentrale in Wien Berichten wird. _________ Erhöhung der Bagatellgrenze. Der zur Beratung der beide» Zivilprozeßik o v e l l e n (Prozeßbeschleunigungsgesetz und fünfte GerichtSrutlastmigsnovelle) eingesetzte Unterausschuß des JustizaüSschusseS hielt gestern eine Enquete ab. Die Besprechung lieferte daS Erzebnts, daß von der G e s e tz w e r d u n g der Prozeß- »eschleunigungSnovelle abgeraten wurde. Die in der G e r i ch t S e n t l a st u n g S n o v e l l e vorgeschlagenen Bestimmungen fanden größtenteils die Zustimmung der Teilnehmer und es wurden mehrfache Anregungen zu Verbesserungen gegeben. So wurde angregt, die Kompetenz der E i n z e l r i ch t e r z u e r w e i t e r n, die Bestimmungen über die A b l e h n u n g v o n R i ch t e r n zu verschärfend ie Mutwillens st rase zn erhöhen und dieGrenze fürBagatellsachen von 80 »ufIOOSchillinghinaufzusetzvn. Eine Gefahr für Pensionisten. B erwaltungsgerichtshof hat, wie seinerzeit beiüchiet, mit feinem Erkenntnis über ein« PensionÄfvage eine Entscheidung gefällt, die als übeerauS folgenschwer bezeichnet werden muß. Diese Entscheidung betrifft den Manipulanten der Staatsdruckerei Anton Müller, der nach einer 30jährigen Dienstzeit am 1. Jänner 1915 in den dauernden Ruhestckw versetzt wurde. Der Ruhegenuß wurde ihn: aber mit Ende April 1919 wegen seiner Zugehörigkeit zur polnischen Nation eingestellt. Ein Ansuchen von ihm an das Finanzministerium wurde a:n 20. August 1924 mit der Begründung abgewiesen, daß er keinen Anspruch aus e i uen SKuhegenuß hübe, we il er von Eltern st a m m e, die ans Polnischem Gebiete w o h n h a s t waren. Er müsse daher nach Art. 4 des von Polen alb- -eschlofsenen Staatsvertvages als p o l n i s ch e r Staatsangehöriger anerkannt werden. Auf den Art. 4 stützte sich auch der BevwaltungSgerichtshof mit feinem Erkenntnis. Müller wendete ein, daß dieser Vertrag in Oesterreich nicht knichgemacht wurde, so daß er von ihm keine Kenntnis erhielt. Daraus erwiderte der Verwaltungsgerichtshof, daß Oesterreich kein Bertragsteil war. Oesterreich komme öfter in die Lage, Gesetze und Verträge «nzmvenden, die nur vm Auslände kundgomacht wurden. Weiters wurde noch angeführt, daß für Müller ' der Art. 261 de 8 Friedensvertrages in Anwendung komme, de: besagt: „Die Bezugsberechtigten von Zivil- oder Militärpersonen des ehemaligen österreichischen Staates, die auf Grund des gegenwärtigen Vertrages, sei es als Staatsangehörige eines anderen Landes als Oesterreich anerkannt sind, sei es zu solchen Staatsangehörigen werben, können aus dem Titel ihrer Pension keinen Anspruch an die ö st erreich i s ch e Regierung stellen." Müller hatte für Oesterreich optiert und glaubte damit seine Pension gesichert. Moses Optionsrecht ist aber durch den polnischen Staatsvertrag hinfällig geworden, da für die Staatszugehörigkeit maßgelbeud ist, „daß er von Eltern stammt, die aus derzeit polnischen: Gebiete wohnhaft waren". Die Gefahr, trotz Option die Pension in Oest err e i ch zu verlieren, besteht auch bezüglich der in Jugoslawien und Rumänien geborenen altösterreichischen Staatsbürger. Das Finanzministerium hat im Falle Müller sich freiwillig bereit erklärt, noch durch drei Monate die Pension zu bezahlen und davon die polnische Gesandtschaft in Kenntnis zu setzen. Heute Schekeltag! Das Zionistische Landeskomitee teilt uns mit: Heute findet der Schekeltag für ganz Wien statt. Die zionistischen BeMssektionen, Sondcrverbände und Jugendgruppen werden auf diesem Wege neuerlich aufgefordert, mitaller Intensität an der Schekelaktion zu arbeiten. Gemäß den seinerzeit ergangenen Vorschlägen des Zionistischen Landeskomitees sollen sie heute mit Hilfe von freiwilligen Mitarbeitern in sämtlichen Bezirken Schkalim verkaufen. Mir bringen ferner in Erinnerung, daß die bisher verkauften Schkalim sowie die ekngegangenen Parteisteucrbcträge ehestens mit dem Bureau z»l verrechnen sind. Luiker aus vem Sonnenlicht. Entdeckungen amerikanischer Chemiker. Washington, 20. Mai. (Tel.-Kvmp.) Handelssekretär H o o v e x kündigte in einer Rede aufsehenerregende Entdeckungen amerikanischer Chemiker auf dem Gebiet der synthetischen L e b e n s m i t 1 e l e r z e u g u n g an. Insbesondere handelt es sich um ein Verfahren der Znckererzengung im Wege der Durchleuchtung von F o^r m a l d e h y d, mit Sonnenstrahlen. Die Fortschritte der amerikanisschen Chemie würden alsbald durchgreifende Umwälzungen ans dem Gebiete der gesanrten amerikanischen und europäischen Lebensmittelindustrie Hervorrufen. Das Prinzip dieser Mitteilung ist schon seit längerem bekannt. Bersuchsanordnttngen für das Laboratoriumsexperiment, nach denen Zucker aus Formaldehyd (einem Derivat der Alneisensäure) durch Eiinwirkung der Sonnenstrahlen entsteht, sind bereits mehrfach in Fachzeitschriften veröffentlicht worden. Es scheint, daß man nunmehr in Amerika über diese theoretischen Versuche hinaus ein Verfahren ausgearbeitet hat, das die Erzeugung beliebig großer Mengen von Zucker ans dem Ausgangsmalerial gestattet. Kurzschluß auf der New-Borker Uniergrundbah». Panikszenen. — Zahlreiche Verletzte. New-Pork, 19. 'JDta-i. (Wolfs.) Auf der Grand-Zentralstation der Untergrundbahn entstand während der verkehrsreichsten Morgenstunden infolge Kurzschlusses eine P-Eik in einem überfüllte» Zuge. Etwa 75 P e r s o u e u, zmmist Frauen und Kinder, wurdet: in dem van R a u ch :: n d F l a n: m e u er ::- gehüllten Zuge verletzt. Es spielten sich schreckliche Szenen a>b. Biele Frauen und Mädchen warfen sich zu Boden oder suchten verzweifelt den Ausgang zu erreichen, andere würben durch die Fenster geschleuderte oder n i e d e r g e t r e t e n. Durch das Erlöschen der elektrischen Lampen wurde die Panik noch verstärkt. Vielen wurden die Kleider vom Leibe gerissen. Die Verletzten fanden zuerst in den benachbarten großen Hotels Aufnahme, wo die Foyers und Speisesäle zeitweise in Hospitäler vevwandelt waren. Fünf' Männer, die, um sich selbst zu retten die F rau e n zu r ü ck st i e ß e n, wurden von der Polizei niedergeschlagen. Von den angrenzenden VmtderLilt-Hoiels ließen die Angestellten Leitern in den Schacht der Untergrundbahn hinab und. halsen dabei mit, die Passagiere durch einen Notausgang aus die Straße zu bringen. Einer inerteren Meldung zufolge soll sich die Zahl der Verletzten auf 200 belaufen. Der Polizeibericht spricht von 100 Verletzten, 66 Personen mußten sich in ärst liche Behandlung 'begeben. Schwere Erkrankung der Frau Keftranek. Frau Stephanie Keftranek, die Witwe des vorgestern so plötzlich aus dem Leben geschiedenen Großindustriellvn Wilhelm Kestrauok, ist in der Nacht auf gestern lebensgsfälhvlich erkrankt. - Ungefähr ukn Mitternacht vernahm die Tochter der Frau Kestranek, die mit ihrer Mutter gemeinsam in: Hause PetteukofeiMsse 1 wohnt, ein schweres Röcheln dom Lager ihrer Mutter her. Sie wurde sehr besorgt und berief sofort -den Arzt Dr. De lug, der augenblicklich den sehr gefährlichen Zustand der Frau Keftranek erkannte. Er ließ die R e t t u n g s'g e s e l l s ch a f t verständigen, die auch mit einem Hilfszug erschien. Auch Prof. Dr. Jehle wurde berufen. Die drei Aerzte untersuchten die Frau Keftranek und kamen zu dem einstimmigen Beschluß, daß hier m schwerer Fall von Urämie vovliege. Frau Kestranek wurde zur weiteren Behandlung in der Wohnung belassen. Der Zustand der Patientin ist sehr ernst. Die Krankheit ist eine Harnvergi ft u ng, die mit Nierenschwache zusamimenlhängt und sich in Kopfschmerzen. Schwindel, Angstgefühl und Erbrechen, im vorgeschrittenen Stadium durch Delirien, tiefe Betäubung, Krämpfe und Lähmungserschemungen kenntlich macht. Mn Lieberdrama i« Hernals. Mord und Selbstmordversuch eines Wehrmannes. Aus der Wohnung des 21jährigen Wehrmannes Franz Karas, 17. Bez., Sautergasse 13, wurden Dienstag nachts die Detonationen mehrerer Schüsse gehört. Als man eindrang, fand man Karas mit einer Schußwunde an der Schläfe. Neben ihn: lag seine Geliebte, die 21jährige Elisabeth Braunthaler, mit einer Schußwunde hinter dem rechten Ohr. Beide waren bewußtlos. Karas hat seine Geliebte nnd dam» sich angeschossen. Karas ist der Sohn eines Aiistrekchermeisters in Hernals. Er hatte feit Jänner ein Liebesverhältnis mit der Brannthaler, weswegen ihm sein Vater oft Borwürfe machte. Karas war schon seit längerer Zeit von seinem Trnppenkorper ferngeblieben. Dienstag nachmittags erschien der Anstreicher in der Wohnung der Brannthaler, holte seinen Sohn und forderte ihn auf, sofort zn seinem Truppenkörper einzurücken. Ter junge Karas hörte die Vorwürfe kurze Zeit an, dann kehrte er m seiner Geliebten zurück, bei der auch eive Freundin weilte. In der Stacht hörte die Freundin, die im selben Zimmer nächtigte, die Schüsse. Man fand bei Karas einen A^bschiedsbrief, in den: er mitteilt, daß er mit seiner Geliebten Selbstmord begehe. Diese Mitteilung scheint aber falsch zu sein. Die Freundin bezeugt nämlich, daß die Brannthaler niemals Lebensüberdruß gezeigt habe ,und daß der Tat kein Streit voraus» gegangen ist. Der Abschiedsbrief ist nicht datiert. Elisabeth Brannthaler ist gestern abends ihren Ver» letznngen erlegen. Der Zustand des Karas ist schwer

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