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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-20 · Heft 2244 (20.5.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2244 (20.5.1925)
Date
1925-05-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Gert« 2 Men, Mi-tkvoch gatervralion ves PrSWumr der Kattasgemeinde. Das Präsidium der Kultusge.,neindc wurde vormittags noch tvahrend der Dauer der €^eiteu an der Technischen Hochschule durch die jüdische Studentenschaft von beit Vorfällen verständigt. Ter Präsident der Kultus- Gemeinde, Prof. Dr. P i cf, begab sich sofort in Begleitung er Vize Präsidenten Dr. Löwe n 'herz nnd Dr. O r nstein in das Unterrichtsministcrimn. Da der Minister abtvefend »var, wurden die -Herren an den Ministe rmlrat ^oberer, in dessen Ressort die Angelegenheit -der Technischen Hochschule fallen, gewiesen. _ In einer längeren "Aussprache legten die Herren den schärfsten Protest dagegen ein, daß die Affichierung einc's derartige« Aufrufes an dem Gebäude der Technik zugelassen tvorden war. Sie verlangten, daß der Aufruf sofort entfernt werde. Das Präsidium der Kultusgemeinde erklärte, daß es als der legitimierte Vertreter der Indenschaft erschienen sei und daß cs das Recht darauf besitze, die sofortige und ausreichende Satisfaktion zu verlangen. Die Behörden, die in dieser Angelegenheit zu sprechen haben, müßten nntbedingt zu erkennen geben, daß sie ein Borgehen mißbilligen, »velches sowM die staatsbürgerlichen Rechte der Inden al.i auch das Recht der Studemen auf L e h ru u d L e r nf r e i h e i t verletze. Es müsse vor allem die Technik < c d e r geöffnet werde n, damit die Stu donten die Möglichkeit erhalten, den Vorlesungen beizuwohnen und ihre Prüfungen abzulegen. Ministerialrat Habercr setzte sich sofort -mit dem Prorektor der Technischen Hochschule telephonisch in Berb'ndnng und erklärte dem Prästdrum der Kullus-Zcineinde, er rvcrde dem Minister sofort nach dessen Rückkehr über die Angelegenheit Bericht erstatten. Die vom Prorektor angevrdnetc Sperrung d e V T e ch n i k wurde, nachdem Ruhe cingctreten lvar, u> i e d c r a u f g e h v!b> e n. Me der Rektor berichtet. Der Rektor der Technik, Hofrat Saliger. hat an den Unterrichtsminifter Dr. Schneider den folgenden Bericht erstattet: „Hochgeehrter Herr Minister! Auf Ihre hantige telephonische Anfrage gestatte ich mir, über die heutigen Vorfälle wie folgt zu berichten: In einem Plakat, das an der Außemnauer der Hochschule beim Torcing a n g angebracht war, wurden die Studenten aufgefordert, alsRepressaliegegendiezahlr eichen groben Angriffe in einem Teile der Presse auf angesehene Mitglieder des Lehrkörpers für den heutigen Tag die Juden am Betreten der Hochschnle zu hindern. Tatsächlich hat sich in der Studentenschaft wegen einiger ganz unvcrantw o r t l r ch er H e tza% ti t cX, wo Hofrat Dr. Kobes in unglaubliche.r Weise beschimpft wurdc, und früherer zahlreicher Angriffe auf Rektor und P rofefforenschaft eine große Erreg u n g «bemerkbar gemacht, die -nun in der Verweigerung. des Zutrittes für die Juden ihrenAusdruck findet. Das Rektorat hat sich wegen dieser Vorfälle veranlaßt gesehen, um 3/dl Uhr die vorübergehende Sperre der Hochschule zu verfügen." Ae Wische Studentenschaft. Heute vormittags wird eine Abordnung des jüdischen Hochfchulausfchusses und des jüdisch-?> kademischen Technikerverbandes beim Rekivr der Technik vorsprechen und gegen die gestrigen Vorfälle Stellung nehmen. Ser Sttelk an der Hochschnle für Bodenkuttar. Auf der Hochschule für Bodenkultur herrscht vollkommene Ruhe. Die Vorlesungen werden n i ch t ab« g e h a l t e n. doch finden nach wie vor Prüfungen statt und auch die B i'b l i o the ks säl e stehen den .irbeitssreudigen Hörern zur Verfügung. Sas Frermaarergesetz ln Italien angenommen. Rom, 19. Mai. (Tel.-Komp.) Die Reglernngsvorlage yur Unterdrückung der gehe i m c n Gefells chaften, Die sich insbesondere gegen die Freimaurerei richtet, wurde l>cutc von der Karmner einstimmig mit 304 Stimnrcit angenommen^ Die Abgeordneten der verfassungsmäßigen Opposition und die K r i e g s t e i ln e h m e r hatten sich der Stirmnenabgabe enthalten. Mussolini säubert. Rom, 19. Mai. (Tel.-Komp.) Wie „Popolo d'Ztalia" anüindigt, wird die Regierung uoch in der lausenden Uammerscssion einen Gesetzentwurf zur Säuberung Der S t a a t s b e a m t e n s ch a f t von fasziftenfeindlich e it u n d a n t i n a t i o n a l e n Elementelt eillbringnt. Durch dieses Gesetz soll die fasst stische Rovolntio» unter dem Staats personal zur dollen Verwirklichung gebracht werden. Gegen alle denc Staate nicht treu ergebenen und nicht national gesinnten Beamten wird auf Grund des neuen Gesetzes mit der Entlassung vorgegangen lverdell können. Wiener Movaen^eltuna.___ Ae Borgiinge i« Bulgarien. Neue Prozesse. Sofia, 19. Mai. Gestern begann hier die Verhandlung gegen Adele N i k o l o w und ihren Sohn, gegen einen gewissen Mallet, das Ehepaar Leger, sämtliche Franzosen, sowie gegen den Bulgaren Peremliew, die angeklagt sind, die Attentäter I a n k o w und Mink o w und den Kommunistenführer Marko Friedmann nach dom Anschlag gegen die Kathedrale bei sich beherbergt und v e r st e ck t zu hobelt. Zu dem Prozeß sind 3V Zeugen, darmlter auch der zum Tode verurteilte Rechtsautna.lt Friedmann, vorgeladen. Der Staatsanwalt beantragte gegen alle Angettagteit, mit Ausnahme des Franzosen Mallct, die Todesstrafe. Am heutigen, ersten Verhandln ngstag tvurden Peremliew und der Franzose Engen Leger verhört. Peremliew ist Mitglied der agrarischen Partei. Cs ist kein einlvandfreier Beweis für die Schuld der Angeklagten erbracht. Adele Mkolow ist eine reiche Dame und bekannte Philanthropin. Sie will den verwundeten Friedman» ans Gründen der Menschlichkeit in ihrer Wohnung empfangen hüben. Der Prozeß dürfte »rvohrere Tage dauern. Die angecklägton Männer wurden dem Gerichtshof mit schweren Ketten beladen vorgeführt. Frau Rikolow und Frau Leger erschienen ohne Fesseln. FriednmnnÄ Berufung. Sofia, 19. Mai. Das K a ff a t i o n s g e r i ch t verhandelte gestern über die Berufttng des zum Tode verurteilten Kolmmmistenführers Friedman» in Abtvosenheit des Verurteilten. Das Urteil soll heute gefallt tverden, doch rechnet man ntit einer Verschiebung der Urteilssällung, weit Friedman» als Kronzeuge im Prozeß gegen Adele Rikolow und Genossen ummtbchrlich ist. In» Prozeß wegen des Attentates im Odeon- Theater wurden gestern die Verteidigungsreden für alle Beschuldigten gehalten. Sämtliche Angeklagten lciGnen ihre Schuld. Man erwartet das Urteil ft'ir morgan. Mittwoch. Verhaftungen. Sofia, 19. Mai. (Tel.-Komp.) In ganz Bulgarien nehmen die V e r h g f t u n ge n von K o m m u niste n oder der «kommunistischen Geisinnu-ng verdächtigten Personen ihren Fortgang. Besonders groß ist die Zahl der unter diasom Verdacht verhafteten Studenten und Gymnasial s ch ü I c r. In Varna beschlagnahmten die Behörden ein russisches Motorboot, dessen Kapitän bei der Eiuvernahme erklärte, er sei von gegen revolutionären Passagieren gezwungen worden^ aus Selbastopol nach Varna zu fahren. Es besteht jedoch der Verdacht, daß das russische Motorboot bulgarische Verschwörer an der Küste sammeln wollte, um sie nach Rußland zu bringen. Las deutsche Budget. Berlin, 19. Juni. (Del.-Koutp.) Reichsminisier Schiele teilte heute im Haushaltungsausschufse des Reichstages mit, daß der .Haushalt des Jahves 1925 rumd 95 Mrllrmren Goldmärik weniger erfordere als der .Hausihalt des vvrgarrgemn Jahres, und zwar 123,406.934 Mark. Die Ersparnisse sind 'hauptsächlich drrrch den Wegfall des außerordentlichen -Haushaltes und durch den Finanzausgleich hervorgcrulfen. Für wissenschaftiliche Zwecke werden im laufenden Etatjahr rund 8 Millionen Mark ausgewovfelr, für Schul- und Bildnngszwecke 2,416^000 Maick, also um 800.000 Mark -nrehr als fnt Vorjahre. Hiervon werden 3 Millionen Mark «der Notgenremschaist der deutschen Wiffenischaft zugciführt. Sie Mißtrauensanträge gegen das Kabinett Luther. Berlin, 19. Akai. (Tel.-Komp.) Nach den Kom-rnu.rnsten halben nnninohr auch die S oi a l d e m o k r a t e n eilt Mißtrauensvotum gegerr das Gesamtkabinett Luther im Reichstage eingebracht. Die Abstimunulg über diese Anträge sowie über die Billigungsfornrel, die von seitell der Regierringsparteien erwartet wird, wird m o r g e u nach Schluß der politischen Debatte im Reichstag erfolgelt. Dorn Reichstag ist heute die Z oll ta rif n oveikle zugegangen. BrekttcheU» für -iudeuburg. Berlin, 19. Aiai. (Wolff.) In der heutigen Sißrmg des Reichstages ergriff als erster Redner bei der ^Aussprache über beit Etat.des Auswärtigen der sozialistische Abgeordnet Breitscheid das Wort. Er erklärte zur W a h l H i n d e n b u r g s: Urvsere Gegnerschaft zrl-r Politischen >Au.ffassnng Hirrdenburgs hindert ruis nicht, dem PräsiderUcn der Republik den Respekt entgegenzichr'mgeu, der ihnr und seine,n Amt gebührt, solange er im Rahmen der beschworenen Verfassung bleibt. 20. Mai 1923 Rr. W44 Der Bodenkauf l« 8rej Israel. Sin offizielles Jnformationsburean. Aus I er usale m wird uns berichtet: Es wurde wiader» holl davau'f hingetoiosen, daß in, Rahmen der Organisation des Waad Leumt ohtc Wbt-ellinng für landw>irtschaft-lich< Angelegenheiten beistcht. In der letzten Zeit herrscht in der Galuch ein bofortders reges Jnberesie für die Siedlungen in Evez Israel .mrd auch die ltleign-ng, sich im Laude selbst anzullrnfen u»sd ständig niedcuzulasserr, hat eine cvfrerrliche Swigeerfahren. Aber gleichzeitig darmt «rußte die Kommission für Eirr,Wanderung und Landwirffchaft'liche Siedlungen des «Waat Lenmi mit Besorgnis die Wahrnchndung «rachen, daß Privat- Icut-e in «den verschiedenen Ländern der Galuth in der Absicht, sich in Ery; Israel' anzuisiedeln, Käufe von Bodenlsilen übschließen, die sie selbst aus oigorrem AnMnschein nicht kennerr, «von denen sie über auch rvicht wissen, ob sie auch wirklich den Ansorderungen für mit AnsiüÄuug, sei in f i n a n z i 11 »i <s x oder in wirtschaftlicher Beziehung, entsprechen. Die toenigsten von solchen Känsertr wissen zrurr Beispiel, ob der gclanfte Boden für die ihnen nnd ihren finanziellen Mitteln enGpreck>erride BÄvirtfchast'mrgsforin geoignct ist. Hieraus entstehen siir ötu Käufer die nnangoneihmsten und oft nicht wieder gnt-zmnachenden Folgen «ni> iiiberdies pflegen solche Personen, obgleich sie ihre Enttäuschung selbst verschuldet haben, die Schuko an ihrem Mißerfolg dam Lande «ub «den angeblich dort herrschenden Bechältnissen zu-zuschicbeu. Es war rum' höchste Zeit, daß die K o m m i ssio u j n i l>rndw'i rtschaftliche Siedlungen nnd Einwanderungen beim Waad Lenmi unter Heranziehunf von Vertretern des JifchiUvs und de-r;>mystischen Leitung cir offiziell cs Infor nr atio n s «bnrea n für Boden kauf und landwirtschaftliche Siedllnngen errichtet hat. Dieses Jirforimat'iansburean ist in der Lage imd auch bervrt, inr Bewrißtsein soiner Verantlvorchrmg allen, die sich i-n Erez Israel anfiedeln oder dort Boderi erwerben wolle», die jedem Spezialfüll cn.t!sprechrirdc a u s s ü h r l i che Juso rm a ti on zu ertoilen. Dieses Bureau, dem die besten Fachmänner angehören, wird aine ständige Verbindung .mit den Patäst i naänrt ern und sonstigen offiziellen Zentralämtern der einzelnen Länder aufrechtevhalten. Die Jnsormation erstreckt fich sowohl arrf die Siedln ngSmöglichkertien in den derschiederwn Kolonien wie auch auf den Wert des Bodens an der: oinzelnen Punkten nnd auf die Art «der Mrtfchaft, die dem Jrrfovmationsnchenden am besten errHprechen «lvürdc. Der Sitz des JnformationsburcanS ist in Tel-2lw«iw. Seine Adresse lautet: LandeÄormtoe für Einwanderungsangelegcv-' 'holten für die landwirtschwftlüche KammWon in DÄ-jAwiw. «in deuttcher Kampfer in tzrez Israel. k. Jerusalem, 18. Mai. Zum ersten Male seit dem Abschluß des Krieges ist dieser Tage ein deutsches Schiff mit 200 Touristen im Hafen von Jaffa eingelaufen. Vierzig Professoren von verschiedenen europäischen Universitäten, Welche als Delegierte am Internationalen Geographenkongreß in Kairo teilgenommen hatten, sind nach Erez Israel gekommen und besuchen die wichtigsten jüdischen Siedlungen. Die Gelehrten sprechen sich über das Gesehene außerordentlich lobend aus, und geben ihrer Ueberraschung über die großen Erfolge jüdischer Arbeit in der verhältnismäßig kurzen Zeit der Siedlungsbewegung Ausdruck. -er Fraatsaldatentag kaun Mt stattfinden. Weil der Kassier verschwunden ist. Berlin, 19. Mai. (Tel.-Konip.) Nach einem Augsburger Telegramm des „Berliner Tageblattes" sollte am kommenden Sonntag in A u g s b u r g d e r e r st c bayrische Frontsoldaten tag stattfindcn. Dieser Frontsoldatentag des Frontkricgerbundes ipurde aber auf unbestimmte Zeit verschoben, weil der Kassier der Ortsgruppe Arrgsburg des Bundes verschwunden ist. Der Vorstand der Ortsgruppe erklärt,der Kassier habe wo gen familiärer Zwistigkeiten Augsburg verlassen und dabei einen Teil der Akten des Bundes mitgenommen. _ Ja Albanien gibt er feine Apposition. Belgrad, 19. Mai. (Tel.-Komp.) Sonntag fanden in ganz Albanien die Wahlen in das erste albanische Parlamen t statt. Nach den bislher in Belgrad cingelangten Nachrichlen hat die ailbanifche Regierung einen v ö l l >r g e n Sieg errungen. Kein einziger vppositivlwller Abgeordneter nurrde geivähtt. In Albanien besteht das System der indirekte,' Wahl. _ eine Hinrichtung in Agram. Agram, 19. Mai. (Tel.-Kvmp.) Heute wurde hier der soinerzei-t zum Tode durch ^schießen vevurleilte Foldlivobel Rumpel -hmgerichtet. Rumpel hat vor einem Jahre seinen Freund, den Kauflnann K e l k e w i c, ermordet, beraubt, ihn daun in Stücke geschnitten und die Lcichenteile in die Laden eines Schreibtisches 'hirreinge zwängt. Der Exekution wohnten etwa 6000 Menschen bei. Rumpel zeigte sich fe hr klein ntü t ig und hoffte bis zum letzten AugoMick auf Begnadigung. Wichtig für alle Zionisten! Wichtig für alle Kongressdelegierten\ Diskussion über die Fragen des 14. Zionistenkongresses In der Montagsausgabe der „W i e n e r M o r g e n z o i t u n g*,.4

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