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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-17 · Heft 2241 (17.5.1925) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2241 (17.5.1925)
Date
1925-05-17
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Wien, Sonntag Wiener Morqen-ettrmg. Novität des DolkStheatergastspieleS, daS am 31. d. schließen wird. Während der S o m m e r m o n a t e bleibt das Kleine Theater geschlossen. I)(1 Teiles Wiener Stadttheater. Morgen. V,8 Uhr abend-, einmalige Aufführung von „Der Dieb" (I.e voleur) von Henry Bernstein mit Madame Simone. V a 4 c 1 n tt der Wien. Heute, V*8 Uhr abends, BO. Aufttthrung von „D e r O r l o w". Wiener Bürgertheater. „Gräfin Mariza bleibt auch im Juni täglich auf dem Spielplan. . Die Salzburger Festspiele finden in diesem Jahre in der loött zwischen 13. und 31. Anglist statt. Zur Anss-ührnng gelangen unter der Regie Max Reinhardts „Das Salzburger große Welttheater" von Hugo Hofmannstchal und „'Das Mirakel" von Karl Bollmoeller mit Paul .Hartmann, Eugen Klopfer, Lady Diana Manners (London). Amra Bahr-Mildenburg, Friedrich Kühne, Miß Rosam-ond Piuchot <)liew-Nork), Louis Rainer, Helene Dhimig und Else Wohlgemuth in den Hauptrollen. Dr. Karl M u ck wird im Stadttheater Mozarts „Don Juan", Franz Schalk Mozarts „Figaros .Hochzeit" und Bruno Walter Donizettis „Don PaSquäle" leiten. Das Orchester für die QpernanWhrnngen stellen die Wiener Philharmoniker, für den Ehor wurden Mitglieder des Wiener Staatsopernchores verpflichtet. Den Kartenverkauf besorgen außer der Festspielhausqemeinde Salzburg, Residenz, für Deutschland A. Wertheim. Berlin, und alle Filialen der bayrischen Hypotheken- und Wechselbank, für das weitere Ausland die American Expreß Company und Thos Coo'k u. Sohn, für Oesterreich alle Zweigstellen und Vertretungen des Oesterreichischen Verkehrsbureaus. Eine Uraufführung in Baden. Die Direktion des Stadt- Iheaters in Baden teilt uns mit, daß Ende Mail die neue einaktige, dramatische Oper „Aschermittwoch" von dem Wiener Komponisten Ludwig Gr über, Buch von Alfred Steinberg-Frank, zum ersten Male unter Leitung des Komponisten zur Aufführung gelangt. _ Rostand, der Jüngere. Maurice, der Sohn Edmont Rostands. tritt im Kabarett auf und trägt in einer Pariser Singspielhalle eigene Gedichte vor. Der Evbe des berühmten französischen Dichters ist zwar schon durch die Tantiemen der Wevke seines^ Vaters sehr gut gestellt, Ohrt aber ein derart verschwenderisches Leben, daß er zur Aufbesserung seiner Finanzen den Beruf eines Kabarettiers ergriff. Die Nummer hat schon durch den Namen des Vortragenden einen Bombenerfolg und Maurice Rostand wurde bereits für Amerika verpflichtet. Awertschenko. Eine Auswahl der berühmten Grotesken des kürzlich verstorbenen russischen Schriftstellers Arkadis Awertschenko wird in der nächsten Zeit, zu einem Bande vereinigt, unter dem Titel „Das russische Lachen" vom Verlag Vernäh, Wien, 9. Be;., Canisiusgasse 8—10, herausgegeben. Sehr geschmackvolle Ausstattung mit zahlreichen künstlerischen Illustrationen und einem Bilde der letzten Aufnahme des Autors. Einzia autorisierte Uebersetzung von dem intimen freunde Awertschenkos Maurice Hirschmann. Gerichtssaal. Die Tragödie von Fnzersdorf. Der Tod des Jrrenwärters Zaruba. ' In der Nacht zum 1. August 1924, ereignete sich, wie beeiichtet, in der Privatirrenanstalt Jnzersdorf bei Wien, rin tragischer Vorfall. Der dort internierte 23jährige Graf Bela V a y, erschlug den Wärter Leopold Zaruba, seinen Pfleger, der im selben Zimmer schlief. Nach dem Gutachten der Klmik und der Gerichtspsychiater ist Vay ein gefährlicher, schwerer Geisteskranker, der die Tat unter dem Einfluß massenhafter schreckhafter Sinnestäuschungen aus Versolgungswahniheen verübt hat, und daher für sie nicht v e r a n t w o r t l i ch ist. Hingegen haben die Erhebungen der Behörden ergeben, daß die Anstaltsleitung an dem schrecklichen Tob des Wärters durch mangelhafte Verwahrung des Geisteskranken Schuld trägt. Es wurde daher gegen den Leiter der Anstalt, den 51jährigen Dr. Edgar Fries die Anklage wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens erhoben. Tie Verhandlung gegen Dr. Fries fand gestern vor einem Schöffensenat des Landesgerichtes 2, unter dem Vorsitz des Landesgerichtsrates Wilhelm statt. Der Angeklagte wurde von Dr. Friedrich Hetzer verteidigt. Nach längerer Beratung verkündete der Vorsitzende den Freispruch des Angeklagten. In der Begründung wurde ausgeführt: Die Frage, ob der Angeklagte es an den nötigen Sicherheitsvorkehrungen zum Schube seines Pflegepersonals fehlen ließ, konnte ntcht bejaht werden. Der junge Vay war für gewöhnlich harmlos und willig und nur eventuellen Wutausbrüchen unterworfen. Nachdem der Wärter zweimal, einmal mit einer Tischlampe und einmal mit einer Wasserflasche von den Patienten attakiert worden war, habe Dr. Fries verfügt, daß der Wärter nickt mehr bei Vay zu schlafen habe. Zaruba habe aber auf alle Weisungen und Mahnungen nur erwidert, ec kenne seine Kranken besser, und habe weiter bei Graf Vay geschlafen. Ter Staatsanwalt hielt sich gegen 'ren Freispruch Bedenkzeit offen. Der Judenjunge und die Hausmeisterische. Der 17jährige jüdische Praktikant Erich K. geriet in die Liebesnetze der gleichaltrigen Hausmeisterstochter seines Hauses, Emilie B., und unterhielt mit ihr, mit Wissen ihrer Mutter, ein intimes Verhältnis. Emilie ist jung und hübsch und brauchte Kleider und Hüte. Erich rst ja in einem Seidengeschäft, er könnte das besorgen. Der liebestolle, unerfahrene Junge tat, wie ihm befohlen. Nach und nach entwendete er bei seiner Firma 80 Meter Seide und lieferte sie in der Hausmeisterwohnung ab. Die Hausmeisterin besorgte den kommerziellen Teil. Sie verkaufte die Ware und gab dent K. einen Teil des Erlöses, den er wieder für ihre Tochter verwendete Zwei Jahre stand er im Banne dieser.beiden -Frauen und mußte dann bemerken, daß seine Freundin Emilie es mit einem anderen Burschen hielt, einem vollwertigen Christen, nicht mit einem Iudenjungen, wie er einer ist. Er brach deshalb mit ihr. Ihre Mutter erklärte ihm, daß dies keiln Hindernis sei, ihr weiter Ware zu liefern und so lieferte er weiter. Endlich kam die Sache auf und Erich K. sitzt seit fünf Monaten in landesgerichtlijcher Untersuchungshaft. Gestern hatte er sich vor einem Schöffensenat unter Vorsitz des Hofrates Dr. Gold st ein wegen des Verbrechens des Diebstahles zu verantworten. Mit ihm waren Emilie und Marie B. wegen Diebstahl St ei ln ah me angeklayt. Das Verfahren gegen Frau Marie B. muhte ausgeschieden werden, weil sie nicht vedhandlungsfähig ist, da sie im W o ch e n b e t t liegt. Sie wird sich nächste Woche vor demselben Senate zu verantworten haben. Der von Dr. Fritz Flandrak verteidigte Erich K. tvar vollkommen geständig und gab an, daß Mutter und Tochter von der Herkunft der Seide wußten. Emilie B. leugnete dies und sagte, sie habe von K. nichts verlangt, das tue sie „prinzipiell" nicht. Der Gerichtshof verurteilte Erich K. zn fünf Monaten Kerker, öie durch die Unterj suckungshaft nahezu verbüßt sind. Emilie B. wurde freigesprochen. Die Folgen eines Hakenkrenzlerrummels. Ans Krems wird uns berichtet: Ein -eigenartiger Straffall, der bereits einmal durch ein fveisprechendes Urteil des hiesigen Bezirksgerichtes erledigt schien, kam dieser Tage vor einem Schöffensenat des hiesigen Kreisgerichtes unter dem Vorsitz des Hofrates Ohmayer zur Austragung. Im Dezember 1922 war es hier in einem Kaffeehaus zwischen mehreren H a k e n k r e u z l e r n einerseits und einzelnen Gästen andererseits zn einer heftigen Streitszene flcfomnten, die schließlich in Tätlichkeiten ausartete. Der Wöhrmann Heinrich Hoffmann, der anscheinend stark angeheitert war. hatte an einen Gast im Streit seine Mandoline zerbrochen und war dann durch euren Schlag aufs linke Auge anscheinend leicht verletzt worden. Nach der Angabe .Hofsmanns soll der hiesige Kaufmann Richard Schlesinger ihm den Schlag aufs Auge versetzt haben. Schlesinger wurde vor zwei Jahren deshalb beim Bezirksgericht wegen leichter Körperverletzung angeklagt, jedoch, da ein Verschulden seinerseits nicht nachgcwiesen werden konnte, freigesprochen. Nahezu zwei Jahre später stellte der Wchrmann Heinrich Hoffmann den Antrag, das Strafverfahren gegen Richard Schlesinger wieder aufzunehmen, und zwar diesrnal wegen Verbrechens der schweren Körperverletzung, da sich der Zustand des seinerzeit verletzten linken Auges wesentlich verschlimmert habe. Gegen Richard Schlesinger wurde nunmehr die Anklage wegen qualifizierter schwerer Körperverletzung vor einem Schöffensenat erhöben. In der Verhandlung stellte der Angeklagte entschieden in Abrede, seinerzeit den Hoffmann überhaupt angerührt zu haben. Es traten auch nicht weniger als zehn Entlast ungszeugen auf, welche nahezu übereinstimmend angaben, daß Richard Schlesinger bei der Rauferei nicht beteiligt war. Als Bclastmtgszeugin trat die Hilfsarbeit-erin Julie L u st i g auf. die angab, genau gesehen zu haben, daß der Angeklagte es war, der bei der Raufszene mit einem glänzenden Gegenstand einen Schlag gegen das Auge des Hofsmann geführt hübe. Der Kanzleibeamte des hiesigen Gerichtes, Rudolf T-i l l, gab an, daß einige Zeit nach dem Vorfall rhn der Angeklagte gefragt habe, was jemanden geschehen könne, der einen anderen niederaeworfen habe. Hierbei habe Schlesinger die Bemerkung gemacht, er sei damals provoziert worden. Der Zugsfnhvrr Heinrich Hoffmann bezeichnete ebenfalls den Angeklagten als Täter und verlangte an Schmerzensgeld einen Betrag von 1000 Schilling. Der Gerichtshof verurteilte den StitgcfLaoten wegen schwerer Körperverletzung unbedingt zu drei Monaten Kerker und verwies den Privatbeteiligten mit seinem Ersatzanspruch auf den Zivilrechtsweg. Der Angeklagte meldete durch seinen Verteidiger, den hiesigen Rechtsanwalt Dr. Adler, die Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung gegen das Strafausmaß an. Tragödie eines jüdischen Kriegsinvaliden. Aus Berlin wird berichtet: Der schwer kriegsbeschödigte Kaufmann Gustav Lewy hatte sich vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte wogen Diebstahls zu verantworten. Lewy war 1914 als Kriegsfreiwilliger -ins Feld gezogen, mehrmals verwundet und wieder hergestellt worden. Bei einem Vorstoß 1917 wurde er so schwer verwundet, daß er zum Krüppel wuvde. Vom linken Arm ist nur nodj ein Stumpf vorhanden, er hatte zwei Bauchschüsse, einen Kopfschuß erlitten, ein Deck des Oberkiefers ist ihm weggoschossen worden. Als Vize-Feldwebel hatte er das Eiserne Kreuz bekommen. Im Krankenhaus erhielt er Morphiumeinspritzungen und wurde durch ein zurückgebliebenes Nervenleiden dem Morphium zugeführt. Um seinen H u n g e r nach Morphium zu stillen, suchte er sich einen Gummistempel der städtischen Sparkasse anzueignen, wöbei er abgesaßt wurde. Die Gefängnisärzte stellten bei dem Angeklagten hochgradigen Morphinismus säst und erklärten, der § 51 müsse bejaht werden. Auf Antrag des Staatsanwaltes kam das Schöffengericht zu einer Freisprechung des schwergeprüften Angeklagten. DOROTHEUM Versteigerungs-Einteilung '“UV Pretiosen tttglloh; Jeden DI Sil* ber und ChJnasilber; Jeden Mi Brillanten* und Perlenschmuck im Franz-Saal. Verfallene Pretiosenpfänder der Pfandleihanstalt des Spar* u. Vor* schuss -Vereines „Luidstrasse1 % Wien, 111., Hintzerstrasse 2, Fr. den 22. V., der Pfandleihanstalt des Spar- und Vorschuss- V ereines »Landstrasse“, I., Wollzeile 27, Sa, den 23. V., der Pfandleihanstalt Gerhold uqd Weirich, 1., Wipplingerstrasse 24, Fr, den 29. V., jedesmal im Franz-Saal. Bebrauohsgegenstttnde tttglioh Im Ludwigstorff- und Kolowrat-Saal, ferner jeden Di und Sa im Hoch« Saal, jede» Ml Im Qlaihof. Verfallene Eifektenpfänder der Pfandleihanstalt Oerhold & Weirich, I., Wipplingerstrasse 24, Do, dea 23. V. im Hoch-Saal. Jeden Dl sohüne Wisohe, Kleider, Anzüge, Stoffe, Pelze, Felle; jeden Mi Photoapparate, Objektive, Mikroskope, Releizeuge, OperngfSeer, Feldeteoher, Sonrelbmaiohinen, | Fahrräder und Nähmatohlnen im Lüdwigstorff-Saal. Jeden Di, Ml und Fr Möbel, Bitder, Beleuchtungskörper, Oefen und Haushaltungsgegenstände Im Qlaehof. Jeden Mo, Mi und Fr, Kunstgewerbe, Oemälde, Antiquitäten und Perserteppiche im Hoch- Saal. Ml,den 20. V.: Sohönes Mobiliar, Periertepploha, Oemälde, Luster, Kunstgewerbe Im Franz-Josef* Saal. Qrossa Sonderauktion Im Franz*Jotef*8aal. Modernes Pracht- und Stiimobiliar (Schlaf-, Speise* und Herrenzimmer, Salons), antike Möbel, Luster. PenserteDpiche und Textilien, Oelgemälde und Aquarelle, kunstgewerbliche Arbeiten, Antiquitäten, Keramik, laponika und Varia. Do, den 28. und Fr, den 29. V. im Franz- Josef-Saal. (Besichtigung: So, den 24., von 10 bis t Uhr, Mo, den 25. bis Mi, den 27. V. von 10 bis V,6 Uhr im Franz-Josef-Saal). Automobile: Kraftfahrzeug« aller Art, Do, den 28. V. In der Üebernabmsstelle Ifir Kraftfahrzeuge, Wien, I.. Hanuiohgaaso 3, Tel, 71-9*31 (Zentralgarage). Briefmarken: Jeden Di und Fr sowie Mi, den 27. V«, Briefmarken in Sammlungen Serien und Einzel* stücken, VI. Marlahllfleritraua 73. BUohor: Alte Bücher, Austriaca, Viennensia, Oeschichte, Literatur, Kunst, Musikalien, Antographen von Mi, den 27. bis Sa, den 30. V, Im neuen Büoherauktlons-Saal, IX., Wihringerstrasao 2. Technische Gegenstände; Maschinen, Werkzeuge, Armaturen, Altmaterial, jaden Mi, VIII., Feld* gisse 6. Waffen: Fr, den 82. V.: Oewehre, Sportausrüstungen. Reit* und Sattelzeuge, Pelze, Uniformen im Ludwlgstorff-Baal. Täglich an Werktagen Schaustellungen von l Uhr in Beginn der Versteigerungen, wenn nichts anders vermerkt, um 3 Uhr. Denneratag, den 21. Mal (Christi Himmelfahrt) geschlossen. Näheres durch die „Mitteilungen“ und „Nachrichtenblütter'1. Das Dorotheum gewährt Darlehen in jeder Höhe auf Juwelen, Qold, Silber. Kunstgegenstände, Automobile, Bücher, Briefmarken, Pelze, Teppiche, technische Artikel und Gegenstände aller Art, Verwahrung * von . . Juwele», sonstigen Wertgegeastinden undUrkunden in der Hauptanstalt I., Dorotheerguie 17, sowie In allen Zweig« anitalteo. _17. Mai 1986_ Wt, SBH Volkswirt. Mrtschaftsslofirn. Börsenerregung. An der Wiener Börse herrschte in den letzten Tagen große Erregung. Die Komnnssionssirmeni hatten der Börfenkammer die Einführung des Termingeschäftes naihegelegt. Sie erhofften sich davon eine Belebung der Börse. Nicht nur das Publikum ist aktionAmüde, auch die Spekulation hat sich völlig zurückgezogen. Es soll ihr nun ein Lockmittel zur Betätigung geboten werden. Dies wäre das Prämien- und Stellagengeschäft. Dieses Geschäft, -das finit Frieden gang gäbe war, hat seine Bor- und Nachteile. Auf. alle Fälle regt es die Spekulation an. Seit Kriegszeiten herrschte die Tendenz, jede Spekulation der Börse auszuschalten. Als die Krise des Vorjahres ihre ersten Schatten warf, suchte man sie noch stärker einzudammen. Die strenge Handhabung des KoutermirreverboteS sollte jede Baissespekulation von vornherein uumögl-rch machen. Wenn jetzt ixte Prämiengeschäft eingeführt werden soll, wäre selbstverständlich damit auch die Aufhebung des Kontermineverbotes verbunden. Die Regierung und die Banken halten den Zeitpunkt für diese Maßnahmen für noch nicht gekommen. Die Regierung befürchtet, es könnten die Kurse beim freien Walten der Spekulation noch weiter sinken, trotzdem sie schon jetzt tief unter dem Kursniveau des Septemlbcr 1922, also des Datums, an dem die Stabilisierung der Krone begann, stehen. So etwas urbi et orbi zu verkünden, geht nicht recht. Also wurde vom Börfenkommlssär erklärt, England wünsche nicht die Ausdehnung der Spekulation in Oesterreich, infolgedessen dürfe das Prämienge'schäft nicht eingeführt werden. Wofür nicht alles das englische Diktat hevhalten mutz. Wo irgend ein Hindernis sich der Wirtschaftsentwicklung in den Weg stellt, immer heißt es, die ausländische Finanz behindere diese. England ist wohl gegen jede Ausartungen der Spekulation. Es ist ein offenes iGeheimnis, daß man in! Amerika, in welchem auch die Spekulation Wolkenkratzer«, höhen erreicht hatte, gerade vor zwei Monaten der Effekten» spekulation an der New-Aorker Börse absichtlich und be» mußt dadurch Einhalt gelboten hat,, daß die Diskontrate der Föderal-Reservebanken erhöht wurde. Alle Eingeweihten wußten, daß diese Maßnahme nur deswegen geschehen sei, unt die Spekulation und edingt zu untere m i n i e r e n. Dies ist in N-ew-Dork vollkommen gelungen« Die Folge war ein veritabler Börsenkrach. Auch tu Engk land Men sich gerade die Kreise der konservativen Sfoe* giernng gegen jede stärkere Entfaltung der Spekulation in diesen Zeiten gewendet. Die Echöhnng der enMcheN Diskontrate hat unter anderem auch ihre Spitze gegen diß Londoner Börsenspekulation gerichtet. Und wenn die engß lische Finanz das, was sie für sich für gut HAI, auch foe* österreichischen Wirtschaft anrät, wird dies sofort als Ein« Mischung in die innevösterveichrsche WirtschaftsangelegeNK Heien angesehen. Doch gemach! England hat sich in dieseul Falle gar nicht eingemischt. Keime englische Stimme has sich irgendwann in diesem Sinne Höven lassen.^ Die De< duktion aus der englischen Argumentation anläßlichi del Diskussion der österreichischen Diskonterhöhung vor gwej Monaten ist ziemlich weit hergeholt. Doch gerade in diesAt Begründung zeigt sich die echte österreichische Bureankratie^ Man muß die Aufmerksamkeit der miseva Plebs alblienkew Zugeben, daß eine weitere Kurssenlkung zu befürchten ser geht nicht recht an. Also wirft man bas Wort, ,Mnglland" unter die Men>ge. Die Berechinung war ganz gut. Diq Börse hat angebissen. In der Berzweiflung der GeischäftÄ losigkeit hat sie wiirklich ihrer Erregung iilber England iy kräftigen Worten Luft gemacht. Es war doch die einzig^ Gelegenheit, um endlich einmal in diesen stieren jZeiteü stärker mit den Händen agieren zu können. Man weiß wirklich nicht recht, soll man über die Schlauheit des einell oder die Naivität des anderen lachen?, / Die Besserung der österreichischen Wirischaftsvevhältttisse< ,In den letzten Wochen hörte man wieder über dl« Lebensfähigkeit Oesterreichs debattieren^ „Anschlnßj allj Deutschland" war der Rettnngsruf der einen, „engere Wirtschaftsverbinidun-g mit den Donaustaaten" daß Losungswort der anderen. J-n Oesterreich liebt rwvq Schlagworte. Es ist dazu keine Gehivnarbsit notwendige Abgeleierte Litaneien lassen sich leicht Nachreden. Seit di>t Inflationswelle über Oesterreich hinweggegangen, Hai eine merkivürdige Mentalität die österreichischen Mrtt schaftsfaktoren besessen. Ihr Inhalt ist: Oesterreich kann sich unbedingt nicht helfen. Es muß zugrunde gehen. Eine Mentalität des Pauperismus, die fin den semerzeitigenl Bettelgängen ihre Wurzeln haben dürfte und ihre Unter« sÄtzung in der Eigenheit der Oesterreichev findet, unbedingt alles und jedes kritisieren zu müssen. Sei dem wie auch immer. Es ist richtig, Oesterreich hat eine furchtbare Krise. durchgeiMcht. Es ist nicht die erste und lckrd nicht dief letzte sein. Doch in Oesterreich ist man gewöhnt, sich für den Mittelpunkt der europäischen Wirtschaft zu halten und Wirtschaftsvorgänge in den Nachbarstaaten nicht zu achten. Wäre dies der Fall, so käme man Vielleicht zu ganlz anderen. Resultaten. Denn schließlich ächzen unter der Krise ebenso wie Oesterreich die Wirtschaften dev Nach» lharstaaten. Vielleicht sind «in manchem dieser «GMete die Bexhältuisse noch krasser. Doch daMex wich hinweggegangen. Mittlerweile bessern sich tatsächlich die üsterveichii scheu Wirtschaftsverhältnisse. Wer die Gerichte des Gen nevalkomnrissärs Dr. Zimmerman genau liest Md die. Zählen verfolgt, kann diese Bessemng leW echennen«

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