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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-17 · Heft 2241 (17.5.1925) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2241 (17.5.1925)
Date
1925-05-17
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. SAL Men, Gonnidg Wiener Moem-näertung. 17. Mai 1925 HrM- .himmter, fchKch sich in das Haus -des Rabbiners, weckte Hn auS mitternächtlichem Schlummer und «Mhlte ihm hastig, was geschehen sei. Der Rabbiner weckte noch einige GemeindeNtesten. Man versah sich mit Schaufeln und Krampen und eilte ans den Friedhof. Der Grabsteinwurde auSgehoben, auf «inen Wagen gelegt und eiligst in ein sicheres Versteck gebracht. An die Stelle des Grabsteines wurde ein einfacher Holzpflock gesteckt. Kaum -waren die nächtlichen Besucher des Friedhofes in ihre Häuser zurückgokehrt, als auch schon der Fürst mit den Seinen daher kam, um den Grabstein zu sehen. Wie groß war sein Erstaunen, als er einen armseligen, nackten Holzpflock vorfand. Der ganze Zorn, dessen seine fürstliche Seele fähig war, entlud sich auf Prießlinger, den er Lügner und Betrüger schalt. Da gab es Augenrollen, Fußstampfen, Jluchworte und zum Schlüße eine schallende Ohrfeige. Das ist die Sage vom Pflock des Märtyrers. Die Seufzer, die dabei getan, die Tränen die dabei geflossen, sind langst verhaucht und verronnen. i Ser gute Auf, Welchen sich das ibesiihekawnte Warenhaus Brüder Schiss« tu a it n, 2. Bez., Taborstraße 48, im Lauf seines langjährigen Bestandes erworben hat, ist damrr begründet, daß drc zahlreichen Kunden sich von der Konkurrenzlosigkcll der Warenomigebote irr Qualität, Haltbarkeit und Preis überzeugt hoben. Das stete Anwachsen des Kundenkreises ist der beste Beweis für die außerordentliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens, das von dem allgemein geschätzten Fachmann, Herrn Max SchPmcmn, mustergültig geleimt wird. Insbesondere die minderbemittelten Kreise des konfumievenden Publikums, welche sich in den Ausgaben für Garderobe und Ausstattung ihres d Heimes notgedrungen beschränken müssen, kommen bei Einkäufen im Warenhaus Brüder Schisifmann in jeder Beziehung auf ihre Rechnung. Für Frühsehrs, und Sommerbedarf findet sich eine überaus reichhaltige Auswahl -in allerneuesten Modestofsen fiir Damer. und Herren. Vorzüglich assortiert ist auch das Lager in Ehiiffonen, Weben, GrM, Leinen, fertiger Leibwäsche und Modeartikeln aller Art. Vom einfachsten bis zum feimsten Genre sind alle Stvumpfuud Wirkwaren vertreten. Doppiche, Vorhänge, Bettdecken in allen Preislagen. Besuch für jedermann lohnend. Totschlag auf der Schmelz. El« Wehrmann ersticht einen Zivilisten. ' Gestern abends hat sich auf der Schmelz eine Bluttat ereignet, die ein Todesopfer gefordert hat. Ein Wehrmann hat einen Zivilisten erstochen. Der Tote ist der 23jährige Selchergchbffe Karl Ratiborsky, Schanzstraße 47, wohnhaft. Der Totschläger ist der 1902 zu Wien geborene ledige Kanonier des Artillerie-Regiments Kaiserebersdorf, 3. Abteilung, Batterie 8. Er gab an, aus Notwehr gehandelt zu haben. Er war an dem Hause Schanzstraße 47 vorbeigekommen itittfo hatte aus Spaß an das Fenster der ebenerdig gelegenen Wohnung deS RaWorsty, den er aber nicht gekannt hat, angeNopft. Dann warmer einige Schritte woitevgvgangen, Äs von rückwärts ihn Ratiborsky nachgelaufen kam, auf ihrr losfprang und ihn am Halse zu würgen begann. In seiner Notwehr hatte der Kanonier dann seine Seitenwa-ffe gezogen und dem Gegner in Abwehr zwei Bajonettstiche versetzt, von denen der eine in die linke Bvustseite drang, während der zweite die Schlagader öffnete. Der Totschläger wurde dem Kommissariat Schmelz überstellt. 3BB Mitteilungen aus dem Publikum. Möbelfabrik J. Spira Feine °'° «III. l». MM««« l—t Wohnungseinrichtungen (Ecke Karl Sehweighoiergasse ma Schmerzen rheumatischer, gichtischer und nervöser Art im« Hervorragend bewährt auch bei Schmerzen ln den Gelenken und Gliedern Vrobepackiuig ln allen Apotheken , ..... j Wieder xu heben! Orig.irani. Zlgarettenpapler JOB Bureau: WlBD, VIII. 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Gedruckte» Jnventar-BerzeichniS mit Schätzungen erliegt in der Wohnung und beim Äktion-leiter Albert «ende Wien, 1. «ärntnerstraße 4, Telephon 76*8.78, n Sämtlich, zur Versteigerung aelangenden Obsefte gehöre» zum ll Inventar der Wohnung: kein ftemdeS Stück wurde hiuzugefugt. 1} Set Pensionist. ' Es gibt /nicht viele Vovstellimgen, die wir einer so gründlichen Revision unterziehen müßten, wie die Vorstellung: Pensionist. Der Pensionist in Friedenszeiten — ach! was für ein gemütlicher, 'behäbiger und behaglicher alter Herr ist er doch gewesen! Gr hatte feine -vierzig oder fünfundvierzig Dienstjchre hinter sich, iwenn er die „volle" erreicht hatte, und genoß darum auch, mochte seine Tätigkeit im Aufkleben von Briefmarken oder in der Betreuung des wichtigsten AmtsressortS bestanden haben, das friedlich-stille Glück, seine Lebensarbeit geleistet zu -haben. Der Pensionist von heute ist fast immer ein Mann, von dem man nicht nur höflichkettshalber sagt, er sei „in den besten Jahren^, sondern 'der wirklich noch im Zenich seiner Arbeitskraft steht, der-den Kopf voll Refovmpläne, das Herz voll heißen Wollens für seine Arbeit hat. Er hatte noch nicht abgeschlossen mit feinem Schaffen, als ihn die Sichel des Abbaues traf, und darum ist er von Bitterkeit und Zorn erfüllt, ohnmächtigem Zorn, der sich nicht austoben darf und ,jbo& Herz benagt". Nicht was er geleistet hat in feinem Beruf steht ihm vor Augen, er denkt nur immer daran, was er noch leisten wollte und noch leisten könnte. Hilflos und ohnmächliig. muß der Pensionist zusehen, wie sein Werk anderen Händen übertragen wird, Händen, die oftmals plump und derb hineingreifen und zerstören, iwas er mühsam aufgelbaut. Zur inneren Unzufriedenheit gesellt sich die Sorge um den Alltag. Auch -der Pensionist ,/ilten Stils" war ein scharfer und genauer Rechner, mußte es sein. So hoch waren in Alt-Osterreich die Ruhegehalte der Beamten, der Lehrer,, der Eisenbahner nicht bemessen, >daß man „weite Sprünge" damit machen konnte. Aber danach stand dem Alten ja auch-der Sinn nicht. Man zog nach Graz oder litt; ein anderes Städtchen, siedelte sich lin der billigen „Vorstadt" an und lebte) nicht gerade üppig, aber in sicherer Behaglichkeit. Freilich war jedem Heller von vorneherefn seine Bestimmung zugewiesen, war Zins, Essen, Bekleidung, Arzt und Apotheke, Kuraufenthalt und Zigarrenverbrauch sorgfältig im /^Voranschlag" aufgenommen, der auch immer noch die Rubrik ,Mentuelles" enthielt. Aber die Kinder «waren langst flügge geworden, die Zeit der großen Reisen, der lebhaften Geselligkeit, des leidenschafilichen Theaterinteresses, die Zeit der schäumenden Lebensfreude war ja ohnehin vorbei — imn becheidet sich leichter mit siebzig als mit furchig Jahren. Und da der Pensionist „sein Bestimmtes" hatte, konnte er fast immer damit sein Auslangen finden. Pensionisten, die gezwungen waren, Schulden zu machen, haben früher jedenfalls zu den Ausnahmen gehört. Früher konnte nran vonr Ruhegehalt bescheiden leben, jetzt kann man es fctft nie, Da heißt es, sich auf die Suche nach einer neuen Stellung machen. Der verdiente Beamte, der beliebte Lehrer, der erfahrene Betriebsleiter wandert von einem Bekannten zum anlderen, erzählt immer wieder feine Geschichte und muß immer wieder von neuem das gut gemeinte: Nein, wie ist denn das nur möglich! mitanhören. Und die Klage, daß jetzt „leider so gar -eine Chance" sich bietet. Zu Hause aber wartet die Frau mit Ungeduld auf eine „Ent- Lyoner Seidenbaus MORITZ KRAUSZJun. WIBNI, KohimesseraasM 7 Neue« System i Ab Montag, 18. Mai Detail verkauf zu original Kngref «Pralsaa I iHfilAl? In Mn taj&ajiaitLlu^i

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