Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2241 (17.5.1925)
- Date
- 1925-05-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelle 4 Wien, Sonnig '_ ^reiberergesetz, sondern lediglich nach den Vorschriften der Gewerbeordn »:ng und der einschlägigen Bestimmungen zu ahnden sind. Es werden also künftighin solche Fälle nicht mehr den Gerichten, sondern den politischen Behörden (Magistrat als Gewetbebehörde ufw.) abgetreten werden. LurchMmng de» gnvaMm-Leschiiftigimgrgesr-er. Amtlich wird mitgeteilt: Nach § 1 -es JnvalidenbeschäftigungSgesetzes sind gewerbliche Betriebe aller Art, Bergwerlsbetriebe und Betriebe der staatlichen Monopolverwaltung, ferner land- und forstwirtschaftliche sowie alle sonst auf Gewinn oder Erwerb berechneten Betriebe verpflichtet, nach Maßgabe der übrigen Bestimmungen des Gesetzes auf 20 Arbeitnehmer (Angestellte und Arbeiter) mindestens einen Kriegsbeschädigten und auf je 25 weitere Arbeitnehmer mindestens einen weiteren Kriegsbeschädigten zu beschäftigen. DK Verordnung vom 6. Mai 1905 ordnet on, Laß alle der Beschäftigungspflicht unterliegenden Betriebe der zuständigen JnvalidenentschädigungÄommisiionen (in Wien der Magistratsabteilung 11) bis zum 15. Juni 1925 eine nach einem bestimmten Fragebogen zu verfassende Anzeige, Ln welcher alle für die Beschäftigungs- Pflicht maßgebenden Daten enthalten find, einzusenden haben. Der Haupwerband der Industrie Oesterreichs, alle wirtschaftlichen Organisationen sowie die Hauptstelle gewerblicher Arbeitgeberverbände wurden auf das Erscheinen dieser Verordnung aufmerksam gemacht und ihnen mitgeteilt, daß bei -er Staatsdruckerei in Wien, Rennweg 16 (Tel. Nr. 52-5-50, Klappe 20, Drucksortenverschleiß), Fragebogen mit betzgedrucktem Verordnungstext zu iha^n sind. Ae Personalvertretungswahleu bei der Post. Bei den am 14. d. beendeten Personalvertretungswahlen der Postangestellten erhielt die sozialdemokratische Postgewerkschaft 11.154, der -nichtsozialdemokratische Gewerkschaftsbund 5841 Stimmen. Die Sozialdemokraten bekommen im AerfonalanSschuß 8, ihre Gegner 4 Mandate. Die Lockerung de» Mleteugesetzer nicht aktuell Bei der jüngsten Vorsprache des Exekutivkomitees des 25er-ÄuÄschusies der Bundesangestellten beim Bundeskanzler Dr. Ramek, erklärte dieser, daß «me Abänderung des Gehaittsgesetzes und eine Erhöhung der Bezüge m nächster Zeit ganz unmöglich sei. SeWstverstänÄlich müßte aber bei einer einschneidenden Aenderung der Verhältnisse durch eine etwaige Lockerung des Mietengesetzes daran gedacht werden, für die Bundesangestellten Vorsorgen zu treffen; es fei jedoch die Frage momentan noch nicht aktuell. Donnerstag, den 21. Mat 1925 (Halbfeiertag) ist «rutttr wtflfffttftiftnmfh 8 C offbaue^ atfetttingstabtette» «dfühemittur Depot: Vpotheke „zum ASmifchen Kaiser" Wie«. 1. Bezirk Wolizetle Nr. LS Ae Hymne vor Sorkum. Aus Berlin wird berichtet: Der dritte Senat des preußischen BcrwaltungSgerichteS hat das im Jahre 1923 erlassene Verbot des Spielens der Borkum-Liedes wieder aufgehoben. DaS Licd kann also wieder gespielt weiden. Die Sieger sind der völkische Abgeordnete Major H e n n i n g und der Pastor Münchmeyer. Der Autor des Liedes ist, wie bei jedem echten, aus den Tiefen der Seele quellenden Volkslied, unbekannt. Wir lassen die Strophen hier folgen und es ist jedem die Möglichkeit gegeben, zu konstatieren, daß die Gemütstöne trefflich zum Ausdruck kommen. Der Sang der Borkumer Barden lautet'. Er herrscht im grünen Jnselland Ein echter deutscher Sinn, Drum alle, die uns stammverwandt, Zteh'n ftendig au ihm hin. An BortUmS Strand nur Deuffchtum gilt, Nur deutsch ist da» Panier, Wir halten rein den Ehrenschild Germanien» für und für. Doch werdirnahtmitplattenFüßen, NitNasenkrummundHaarenkrauS, DersvllnichtdetnenStrandgenießen, DermußhinauS, der muß hinaus. * 'Ne Luftfahrt, die von Norderney Hier eines TagS traf ein, Da war'n auch ,uns're Leit" dabei, Wie's anders, nicht könnt' sein. Doch als die man hier hat erblickt. Rief aller im Verein: Borkumbewahre deinen Strand, Nichts KoschreSlaßherein. Rebeckchen, MeyerundHerrLevy, Kehrt schnell nach Norderney nachHauS, Allhier auf BorkumS grüner Insel Blüht euch kein Glück, ihr müßt hinaus! * Doch naht die Zeit, da wir von hier Scheide» mit ftohem Sinn, So nimm von uns als letzten Gmß Roch diese Worte hin: Borkum der Nordsee schönste Zier BleibduvonJudenrein, LaßRosenthalundLevysoh« ZnNorderneyallein. Doch wer dir naht ufw. usw. DermußhinauS, dermußhinau S.' ' _ in Er I960 _ ygg, OP; Ae Schekelkampagne. Tcv vor einigen Tagen stattgefundLN« Deleglertenr« reichischen Lande Sorganffation hat den Beschluß gefaßt, Monat eine großzügige Schekelkaürpagne Abgesehen von der natürlichen Notwendigkeit, . irischen Grundlagen unserer Bewegung zu stärken, .hon auS der Tatsache, daß der diesjährige Kongreß stattfindet, für unsere LandeSorganffatton die Verpflichtung, am Kongreß in einer ihrer Tätigkeit lüto Größe entsprechenden Stärke vertreten zu sein. IN letzter Zeit hat sich in vielen Kreisen unserer Mitglieder die „üble" Gewohnheit eingebürgert, die Stärkung der organisatorischen Grundlagen /als überflüssig zu betrachten. Aus diese« Grund« allein wird auch in vielen zionfftffchen Kreisen die Werbearbeit für den Schekel geradezu vernachlässigt. Es erübrigt sich, aus die Nottvendigkeit des Schekels hiuzuweisen. Es fft zur Genüge bekannt, daß der Schekel nicht nur die finanzielle Grundlage für die Exekutive unserer Weltbewegung bildet, sondern eine Art Zählung sämtlicher Mitglieder der weltumspannenden Zionistischen Organisation bedeutet. Wenn auch im letzten Jahre eine geringe Anzahl von Schekalim verkauft wurde, so sind wir doch überzeugt, daß diase Erscheinung nicht auf eine Schwächung de8 zionistischen Gedankens oder auf eine Verminderung der WeiHekraft der Zionfftischen Organisation, sondern vor allem und in erster Linie auf die Vernachlässigung dieser Propagandaarbeit durch die zionistischen Mitglieder zurückzuführen ist. Gerade jetzt, wo durch die ungeheuren Leistungen unserer Ghaluzim in Ere; Israel und die Eröffnung der Universität im jüdischen Volke eine starke prozionistische Stimmung geschaffen wurde, ist eS unsere Pflicht, «ine großzügige Propaganda für den z i o n i st i s ch e n Gedanken zu inaugurieren und sie für eine Schekelaktiou auszunütz.-n. Wir 'stehen gegenwärtig an der Wende des Vierteljahrhmwerts des KongreßzionismuS und köniren mit Genugtuung auf den riesigen Fortschritt und Aufschwung des jüdischen RenarssaneegedankonS Hinweisen. Schon aus diesem Grunde allein ist es Pflicht aller zionfftischen aktiven Mitarbeiter, denen das weitere Bestehen der Organisation am Herzen liegt, ihre Energie nicht nur der Förderung der Palästinafonds, sondern auch der Erhaltung der Organisation zu widmen. Eines darf nicht vergessen werden. Die Zionfftffche Organisation bildet nach wie vor die Grundlage unddas Zentrum des Palästinaaufbauwerkes. Ohne Zionfftffche Or-, ganisation wären die jetzigen Leistungen in Erez Israel so gut wie unmöglich. Ohne die Ueberzeugung von der., Notwendigkeit einer starken selbständigen zionfftffchen VolkSorganffation ist eine Betätigung des Zionismus in Erez Israel ebenfalls unmöglich. | Werbet Abonnenten fürdie I I „Wiener Morgenzeitung" I Schekeltag Jeder Jude leiste »»»»»»«»»»»»» an diesem Tage seine» Schekel! mir. Jetzt schau wenigstens dazu, dich bei der Wahl deines Eheweibes tüchtiger zu erweisen." „Mein Entschluß ist gefaßt, Vater", erwiderte Feiwel, „in wenigen Tagen beginnt in der JeschWah das neue Semester. Oft habe ich an deine Zweifel an meinen Fähigkeiten gedacht. Ich bin heute so weit, zu wissen, wie wenig ich weiß. Ich gehe in eine größere tzeschiiwah und will dort bleiben, bis ich wiivdig befunden werde, die Lehre in Israel zu verbreiten. Dann werde ich mit Gottes Hilse auch ein Weib finden, das meiner Neigulng und meiner Würde entspricht .. " Als Feiwel von seinen Eltern Abschied nahm, u>m, wie er sagte, sich seine Hatavah, sein Rabbi natsdrplom zu holen, sagte Sure, ihren Sohn umarmi-end, unter Tränen: „Gott ist mein Zeuge, daß ich dich glücklich machen wollte. Tie reichsten Mädchen, Töchter angesehener Ettern, lagen dir förmlich zu Füßen. Sogar die Witwe nach dem berühmten Rabbi Ghajm Thrnauer hätte sich glücklich gefühlt, dir als Nachfolger ihres in Gott ruhenden Mannedie Erziehung ihrer drei Kinder anzuvertrauen. Aber gegen Gottes Ratschluß und den Eigensinn eines Schneidersohnes", sagte sie mit einem ZorueMick gegen ihren Mann, „kommt die klügste Mutter nicht aus. Nur um eines bitte ich dich, mein Kind: vergiß >nicht, daß du auserkoren warst, der Schwiegersohn Reb Mayer Ehrenreichs zu werden." Und Nute benützte die wenigen Minuten, die er vor Abgang'des Zuges mit Feiwel allein sein konnte, dazu, um seinem Sohn zuzuflüstern: „Sollte es dir schwer fallen, die .hatarah zu erlangen, so denke daran, daß dein Vater der 'beste Schneider unserer Stadt ist und glücklich gewesen wäre, wenn du einst die Werkstätte hättest übernehmen wollen. Daß du ein tüchtiger Schneider geworden wärst, weiß ich.. Der Zug setzte sich in Bewegung. Auf dem Heimweg platzte Sure heraus: „Nute, das eine sage ich dir schon fetzt: Wenn aus Feiwel ein Rabbiner wird, dann isi's Schluß mit der Hosenbügleroi! Aber wehe dir, wenn er kein Rabbiner wird.. Nute brummte bloß vor sich hin: ,/Herschl Katzef, der grobe Fleischhacker, Hat doch recht, wenn er sagt: Die Frau ist wie eine Hose, sie kann nur mit den« Riemtzitz am sichersten gehalten werden..." JIdlicher Verlag:. Nachdruck verbaten. Offenbarung und Verhüllung iu der Sprache. Von Chaim Nachman Bialik. Mit Genehmigung des Jüdischen Verlages bringen wir aus der demnächst im Verlage erscheinenden Sammlung „Essays" nachstehenden Aufsatz zun: Vorabdruck. Deutschen Lesern wird durch dieses neue Buch, zum ersten Male. Gelegenheit geboten, den größten HBräffchen Dichter Cp. N. Bialik als geistvollen Essavsten kennen zu lernen. Die in den „Essays" vereinigten Aussätze sind von Viktor KellnerMin ersten Male ms Deutsche übertragen. Die Menschen streuen an iebcm Tage, Absichtlich und in ihrer Einfalt, eine Fülle von Worten in den Wind miffamt ihren mannigfachen Verbindungen, und nur wenige von ihnen wisset: oder bringen sich zum Bewußtsein, was jene Worte in den Tagen ihrer Macht gewesen sind. Wie viele von den Worten kanren nur nach schweren GeburtStvehen, die viele Geschlechter lang währten, zur Welt; wie viele leuchteten jäh wie Blitze auf und erhellten in einen: Fluge eine ganze Wellt; durch wie viele zogen und wandert«» ganze Scharen lebender Seelen; die eine ging, die andere kam, und jede ließ Schatten und Duft hinter sich zurück; wie viele dienten als Gefäße für den feinen und überaus komplizierten Mechanismus tiefer Gedanken und erhabener Gefühle in ihren wunderbarste»: Verbindungen und Verknüpfungen. Es gibt Worte, die Gebirge Gottes, und Worte, die ein tiefer Abgrund sind. Mitunter ist in einem kleinen Wörtchen die Quintessenz eines Lebens aufbewahrt, di« ganze Unsterblichkeit der Seel« eines tiefgründigen Philosophischer: Systems, die Sunrnw einer ganzen Weltanschauung. Es gibt Worte, die zu ihrer Stunde Völker und Lander auf die Knie geworfen, Könige von ihrem Thron verjagt, die Grundfesten der Erde und des Himmels erbeben gemacht haben. Es tan: ein Tag, da diese Worte ihre Größe verloren und auf den Markt geworfen wurden; jetzt sind sie wohlseil geworden »vie Linse»: und die Menschen »verfen sie m leichtem Plaudern hiu und her. Ist das etwa verwunderlich'? Naturbegebenheiten muß man ruhig hinnehmen. So ist der Lauf der Welt: Worte steigen zur Größe empor und Worte sinken und »verdW profan. Wcserttlich ist: Du findest in der Sprache kein Wort so gering, daß cs nicht im Augenblick, da es geboren ward, eine mächtige und chrfurchtgebietende seelische Offenbarung gewesen wäre, ein gewaltiger und erhabener Sieg des Geistes. In dem Augenblick zum Beispiel, da «der erste Mensch stumm und starr blieb ob 'der Stimme des Donners — „die Stimme Gottes erschallt mit Macht, die Stimme Gottes mit Maijestät" — und daer auf feint Angesicht fiel, Staunen packte ihn und doll Schauder erzitterte er vor Gott, da brach aus seinen: Munde von selbst — wie man sagt, in Nachahmung der Stimme der Natur —- ein wildes Geräusch hervor, gleichend dem Brüllen eines Tieres, ähnlich den: Laute rr (er findet sich im Namen des Donners in vielen Sprachen); hat »licht dieser wilde Ruf seiner erstarrten Seele wahre Er'lösuirg gebracht? Hat in diesem Ruf, den: Widerhall einer Seele, die in allen Tiefen ihrer Abgründe erschüttert worden war, von der Gewalt der Schöpfung, von ihren Schauern, ihrem SiegeSjubel sich weniger offenbart als in einem geglückten Wort voll erhabenen Gehaltes, das einem der großen Seher in der Stunde der Entrückung gelang? Ist nicht in jenes geringe Geräusch, dem Keim des künftigen Wortes, ein Wun'de-rgewebe von Gefühlen des Urbeginnes eingebunden, von Gefühlen, stark in ihrer Neuheit und »nächtig >in ihrer Wildheit, wie Schauder, Furcht, Entsetzen, Demut, Begeisterung, Erwachen des Triebs sich zu behaupten, und andere dieser Art? Wen» dem so fft, ivar nicht auch der erste Mensch in diesem Augenblick ein erhabener Maler und Seher, der aus seiner Intuition heraus „die Frucht der Lippen" schuf, die treueste Wiedergabe lder tiefen u»ch wirren Erregungen seiner Seele, zu- »»nndest für ihn selbst? Und »vieviel tiefe Philosophie, wieviel göttliche Offenbarung ivar, »vie schon rin Golchrter hervovhob, in dem kleiner: Wörtchen „Ich", >das aus den: Munde des ersten Menschen kan:? Gleichivohl sehen wir, daß diese Worte und viele andere, die ihnen ähnlich sind, unmerkilch in die Sprache ausge-nolnrnen werden — wie wenn es nichts wäre. Die Seel« wird fast nicht mehr von ihnen berührt, ihr Kern fft aujgezehrt, ihre seelffche Kraft verliert oder verbirgt sich, und 'ihre Schalen, die aus dem Bereich des einzelnen in den der Allgenreiuheit gelvorfen wurden, sind in der Sprache noch vorhanden und finden,