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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-17 · Heft 2241 (17.5.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2241 (17.5.1925)
Date
1925-05-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Kr. mt Dien, Honntag Wiener Moraenzeituns. 17. Mai 1925 Seite 8 DL« Zeit btt Opfer ist gekommen. Das KzÄutMrmitee und die Fraktionen sind gestern versammelt gewesen. Warum versammeln -sie sich nicht auch heute, um über diesen so wichtigen Gegenstand schlüssig zu werden? Der arabische Kongreß muß sofort zusammentreten." Aeodar Lesstag wird aemabregett. Berlin, 16. Mai. (Del-Komp.) Der Rektor und Senat der technischen Hochschule von Hannover halben an den Kultusminister das Verlangen gerichtet, dem Professor Vefimg die Vorlesungen ztt verbieten und 'den Lehrauftrag zu entziehen, weil Professor Lessing vor einem Monat, also vor der Wahl, im ,/Prager Tagblatt" einen abfälligen ßlrtikell über die Kandidatur Hindettburgs zürn Reichspräsidenten verößfenÄrcht hat. Ler Sämiger Streit für Polen entschieden. ' Haag, 16. Mai. (Tol.-Komp.) Der ständige intermÄanaLe Gerichtshof hat heute das Urteil in denr sogenannten Brief? asten st reit zwischen Polen und Danzig gefällt. Der Schiedsspruch des internationalen Gerichtshofes lautet dahin, da-ß die Entscheidung des Oberkammissärs des Völkerbundes, Generals H a f i n g, keim Rechtskraft habe und daß der polnische Postdienst berechtigt sei, innerhalb des Danziger Bezirkes B ri elf kästen aufzustellen, polnische Briefschaften, auch atcherhM der Räume des eigentlichen polnifchen Postdienistes in Danzig, einzusammeln und abzuliefern. Mr. Lamport über die polnisch-jüdische Ler- Madlgnng. Warschau, IS. Mai (A. T. A.) Mr. S. E. Lamport, der sich am 12. d. im Aeroplan nach Prag begab, erklärte dem I. T. A.-Vertveter, seine Konferenzen mit dem Ministerlpräsidenten Grabs ki, dem Außenminister Skrzynski, dom Handelsmi-nister K«Äron, dem Präsidenten des jüdischen Parlamentsklübs Dr. Reich und ondeven maßgebenden Persönlichkeiten hätten ihn von der Möglichkeit einer polnisch-jüdischen Verständigung überzeugt. Lamport setzte den Ministern auseinander, wie sehr Peißen gewinnen würde, wenn den Juden die Möglichkeit zur freien Entwicklung ihrer Energien gegeben werden würde. Der ,Moment" fragt, warnni die Mitglieder der Regierung mit denr Ausländer Lamport über, jüdische Fragen konferierten, nicht aber mit der parlamentarischen Repräsentanz der polnischen Jndenheit. Die Zeitung weist daruf hin, daß Lamport Mitglied des Anleihokonfortmnts in «Amerika ist. _ vor dem Streik im der Bodenkultm-Hochschule. An der Hochschule für Bodenkultur ist gestern keine Aenderung der Situation eingetreten. Die deutschnationalen Studenten befinden sich nach wie vor in streiklustiger Stimmung. Man darf auf die weitere Haltung des Rektors gespannt fein. Feiwel Glückskind. Die Geschichte eines Lebensschicksals in drei Abschnitten.*) Von Jakob Krmrsz. Schluß des zweiten Abschnittes. Mein Sohn, der gewesene zukünftige Schwiegersohn von Reh Mayer Ehrenreich." Frieda hatte ihre Drohung ausgeführt und ihrem jungen Leben an: zweiten Tage nach ihrer Anknnft in der Verbannung bei ihrer in einem enttegenen Komitat wohnhaften Dante ein jähes Ende bereitet. Irr jener Zeit, um das Ende des vorigen Jahrhunderts, gehörte es zu den unerläßlichen Requisiten eines als einwandfrei modern geltenden jungen Mädchens eine Giftphtole bei sich ztt haben. Man flirtete nui't dem Leben und liebäugelte mit dem Tode. Beides hemmungslos. Und dieser mörderische Fin-de-siecle-Maihit hat sich manches sonst wertvolle Opfer aus der Iudengasse geholt und dort Tragödien angerichtet, die der Führerlosigkeit der Wohl nicht mchr im politischen Ghetto geborenen, aber noch immer seelisch «u«Nd geistig unfreien jüdischen Jugend entsprungen sind. Frieda lvar eines dieser Opfer. Friedais Tod übte ans die zunächst Beteiligten die Wirkung der Erleichterung aus einer beklemmenden Lage aus. Ihre Gütern trauerten aufrichtig nur ihr Kind, das sie in blinder Elternliebe so vergöttert halten, daß es schließlich die Herrschaft über seine Ettern gewann und daran zugrunde ging. Die Trauer der Eheleute Ehren- «ich um ihre Tochter war ttutt so tiefer und nagte an ihrem Herzen um so schmerzhafter, als sie, ihrem SeWerhaAungstrieb nachgebend, das Geheimnis der tragischen Romantik des Lebens und Ablebens von Frieda in ihrem Herzen begvalben mußten. Eine Gefahr der Lüftung dieses furchtbaren Geheimnisses hatten die Ehrenreichs nicht zu fürchten. In der Indengasse wußte man nicht, «was im Hause Ghvenvöichs vorgefallen war, und ahnte vielleicht der eine oder andere etwas, so ivagte er es nicht auszuspvochen, denn Mayer Ehrenreich war ja noch am Leiben und nach wie vor der mächtigste und 'bei Iud' und Ghrist gleich angesehene Mann d^s Judenviertels. Auch vom Kasino hatte er keim Indiskretion zu fürchten. Die Gentry *) Siehe «Wiener Korgeuzeitung" vom 20. April, 3. und ft* Ma i. - HergeifeUt II unter Aufsicht de« berrabbiners S. Fürst: H Zur Herstellung von Suppen mit und ohne Einlagen, zur Verbesserung von Suppen, Saucen und Gemüsen Emigranten ans Riga nach Kanada. Berlin. 15. Mai. (I. T. A.) Das Emigrationsdirektorium zu Berlin erhielt vor kurzem eine telegraphische Mitteilung aus Riga, daß der dortige kanadische Konsul Instruktionen erhalten hätte, die Ausgabe von Visen auf Grund der neuer» Konzession eiuzustellen. Das Emigrationsdirektorium wandte sich telegraphisch an den jüdischen EinwandererhilfsvereiU und erhielt die Antwort, daß alle Schwierigkeiten in dieser Angelegenheit bereits beseitigt worden sind. Bessernng der österreichischen Handelsbilanz. Starke Verminderung des Bilanzpassivums in den ersten zwei Jahresmonaten. Nach den gestern veröffentlichten statistischen Ergebnissen des österreichischen Außenhandels für die ersten zwei Monate d. I. zeigt sich eine wesenMche Verminderung des Bilanzdefizits. Der Monatsdurchschnitt dos Bilanzpassivums beträgt nur 53,9 Millionen Schilling, während dieser Durchschnitt im Vorjahre 123 Millionen Schilling betrug. Das Defizit hat sich also um mehr als die Hälfte vermindert. Der Wert der Einfuhr in diesen zwei Monaten betrug 361,5 Millionen SchiNng, der Ausfuhrwert nur 263,7 Millionen Schilling. Den Haiuptposten des Passivums bildet die Einfuhr von Nahrungsmitteln, deren Wert 90,8 Millionen beträgt. Den Hauptposten der österreichischen Ausfuhr 'bildet der Export von Fertigwaren im Werte von 188,4 Millionen Schilling. legt großes GÄvicht auf Korrektheit und hat vor dem Ehrenkodex mehr Respekt als vor denn Gvangalium und den zehn Geboten. Das Kasino verabsäumte es daher nicht, feinem „außerordentlichen, fördernden Mitglieds, Herrn «Mayer Ehrcnreich", dqs tiefste Beileid auszufprechen. Am Abend der Beschlußfassung wurde sogar eine Art Leichenschmaus zum Anderrken an die „reizende Rose von Zion, die pikanteiste Csavdawrvtin" veranstaltet, bei dem, als die Treuer schon eiinen bedenMchen Siedegrad erreicht hatte, Stephan von Budahazh als „Hauptleidtragender" sich manche Sticheleien gefallen lassen mußte. Mayer Ehvenrerch nahm die Beileidskundgebung des Kasinos mit Würde entgegen und überhörte die Geschichte vom ulkigen Leichenschmaus, als sie Hm hinterb«ra«ch>t wurde. Auch von Feiwel und seiner Mutter, Sure Mannsbild, 'hatte Ehrenreich keinen Verrat des wahren Sachverhalts Ar fürchtell.. Er «)var Menschenkenner gen«ug, n»n zil wissen, daß die Mutter Feiwels ans ,/Pre«ftigegründ«LN" den Alnnd lhalten und aus d-em Abgang Friede,s siir ihre ZuknNftsMne Kapital schlagen wird. Sure Mannsbild hatte sich in der Tat in der durch den Selbstmord Friedas entstandenen nenen Situation rasch zurecht gefunden. Sie vergoß -unausgesetzt bittere Tränerr über den Verlu«st ihrer Schwiegertochter, die ein Musterbild eines züchtigen jüdischen Mädchens gewesen sei, in welchem «sich Schönheit, Reichtum, Frömmigkeit und Bildung zre einer Vollkommenheit vereinigt «hatten, die sie in aller Augen begehretts'wert evscheinen ließen. Bon Feiwel sprach sie jetztimmer nur als „vorr meinont Söhn, denr gewesenen zukünftigen Schwiegersohn des reichen Reb Mayer Ehvenveich". Diese neue Marke Fei'lvels hat sich als zugikräftig ertriefen. Wohl ihatte es inr Städtcheir selbst niemand sehr eilig, feine Tochter Feiwel anzübieten, desto mehr Anträge liefen von auswärts ein. Bei den wohlhabenderen Provinzjudeil hatte Fviw'öl historischen Wert eriha'lten; er war in ihren Augen niicht mehr der einfache Baichur, der Sohn von Nute Schneider, sondern der junge Mam:, den ein so gediegener Sachverständiger, wie Wtayer Ehrenreich, dev sich doch gewiß das Fernste leisten talin, erworbelt hatte. Die Schadchaninr, die geschäftigen Heimtsvermitkler, blieben auch nicht nrüßig, und so entstand eine fövnMche Lizitation unr Feiwel, wie bei einer Antiquitäterlauktion etwa um ein Bett gMnrPst wird, in welchem die Kaiserin Katharinavon Rußland. bei einenr ihrer Iagdausflüge angeblich geschlafen häbelt soll. Sure sichtete vor RmwMen io öeftcrwldj f Heute fiudeu «in Oberösterreich die Laudtags-lvaihleN statt. Die Christlichfozialen und die Großdeutschen kandidieren eine gemeinsame Liste, um den Sözialdemo- Iraten soviel als möglich Abbruch zu tun. Die «Nationalsozialisten und die chvistlichfoziale)! Arbeiter tun jedoch in dieser Einheitsfront nicht mit und haben eigene Liften eingereicht. Die heutige Wahl gilt als eine Art Pr obeabstimmnng für allgemeine Neuwahlen. « Sollten nämlich die öberösterreichischen Landtags'wa'hilen günstig für die bürgerliche Eitthaitsfront ausfallen, so ist mit Rücksicht auf die unbefriedigenden Acehrheitsverhältnisse im Nationalrat mit der eventltellen Ausschreibung der Neuwahl des National rat es für den Späth er b«ft dieses Jahres zu rechnen. Für die mildere Handhab»«« des Prristreibereigesetzes. Das Bundeskanzleramt hat aus 2lnlaß eines ihnr vor« gelegenelr Gnadengesuches vom 27. Jänner d. I. den unterstehenden Behörden folgendes eröffnet: Die Vorschrift des 8 9 des Preistreiboreigesetzes vom 9. März 1921 läßt inr Zusamimenhalt mit denr übrigen Inhalt dieses Gesetzes nnr die Au'slegung zu, daß nicht schon.jeder, der unbefugt ntit B e d a r f s g e g e n st ä rr'd e n Handel treibt, ohne weiteres den T a t ib e st a n d des S chl e i ch «h a n d e 1 s setz t. Die Verletzung einer den Verkehr mit «bestimmten Bedarfsgegenständen ergebenden Vorschrift ist bereits durch A u f l a s s u n g der Zwangswirtschaft gegenstandslos geworden. Es müßte, wenn «Schleichhandel angenommen werdeir «soll, auch das A u s b e n t e r i f ch e einer solchen Handlungsweise im konkreten Fall gegeben sein. Für diese Auslegung spricht nicht n u r - d e r materie l l e Zweck des Prslstreibereigesetzes int allgemeinen, der darin besteht, die Bevölkerung gegen Ansbeutrrng zu schützen, sondern auch der Umstand, L>aß im 8 9 des PreiStreitbereigesetze's der Schleichhandel ausdrücklich als ausbeuterische Handlung erklärt wird. Bei der Verhandlung des Preistreibereigesetzes hat «der Regierungsvertreter eine Erklärung in denr Sinne abgegeben, daß das -Gesetz nur solche Handlungeni mit Strafe bedrohen wollte, deren Strafwürdigkeit in ihrer Bedeutung für die Preisbildung oder für die Versorgung der Bevölkerung gelegen ist, nicht aber solche Handlungen, die bloß in Uebertretungen rein formaler Vorschriftetv lbestohen, die keinen anderen Zweck, haben als die verschiedenen Gewerberechte von einander abzugrenzen: Der Zweck des Gesetzes ist, «die Bevölkerung gegen Ausbeutung sowie gegen das Eindringen unberufener Elemente in fren Handel, nicht aber etwa die Kaufleute gegen die unbefugte Konkurrenz ihrer Mitbewerber zu schützen oder ihnen ihre gewevberechtlichen Privilegien zu garantieren. Dies wird den Bezirksibehövden zur Darnachachtung mit der Weisung mitgeteilt, daß Fälle von' Unbesugt.e«m Handel, «bei dem das Moment der Ausbeutung nicht gegeben ist, nicht nach dem Preis- und studierte die eingelassenen Angebote, schied einen Teil der Parteien von vortcherem ans und behielt sich für andere Bedenikzeit und die Einholung von Jnfornratiamir vor. „Sie «werden es begreifen, «meine Liebe," sagte Sure, als ihr eine Vermittlerin eine gute Partie antrug, „daß man sich die Leute erst anschauen muß, mit denen sich unsereins verschwägern soll. Mein Sohn hat Gott sei «Dank, eine schöne Vergangenheit, die er sich nicht verscherzen darf." Wohl' halt Nute Schneider ab und' zu schüchtern seine wavmnde «Stimme zu erheben und die Befürchtung auszufprecheu. geiwagt, «daß Sure so «lia«nge mit «ihrer Wahl «einer Schwiegertochter zögern werde, bis der Zauber dei einstigen! Vevb«mdung mit May«er Ehrenveich in Nichts zerrinnen werde, aber Sure schwe'l«gte, wie berauscht, io dem «Gefühl ihrer Macht, durch ihr Wort das Schicks«al nicht nur ihres Sohnes, sondern einer Anzahl von «Mädchen, die sich nach de«m Glück sehnten, Feiwels Bestloiterin fürs ganze Leben zu fein, entscheiden zu können. Feiwel Wist wurde nicht viel mn seine Meiml«ng oder Ätvigung gefragt. Er verbra«chte seine «Zeit mit Lernen und Studieren, schien sich wenig um «die Geschäfte seiner Alutter tzu kürnmern. Seiner Mutter gegermber «blieb er das verschlossene, unteü.oürfige Kind. Hingegen begriff er immer mehr und «mehr, wie bedauernswert die Stellung sein-es Vaters, Nute Schneiders, au der Seite der Mutter, Sure Adan'nsbisd war. Selbst ein «Schwächling, -fühlte er sich «immer nuhr zu seinein schwache)! Vater hingezogen. Nute feiuevfeits war stolz auf das Vertrauen seines Söhnes, a»r «befielt großer Gelehrsamkeit er wohl nicht glaubte, «befiett Ruhm ihm jedoch Fren«de bereitete. „Unsere Mutter, soll leben", sagte Nute bet einer «dieser vevtraulichen Uitterrednugeu. „hat ihr Eigenarten. Sie will sicherlich das Beste für dich, aber ich fürchte sehr, daß dabei was Schlechtes oder Unvernünstiges heva«uskommt. Ich «werde dir einett gutett Rat geben, mein Kind! Die Ehe ist genau so ein Beruf, wie jeder andere. Wert«« ich bet meinen Bekannten Umschau halte, so komme «ich «darauf, daß wer in feinem Beruf tüchtig ist, als Ehont«a>ml nicht zur Geltung kommt. Man kamt irur in einent Beruf Großes, Tüchtiges leisten, aber nicht in utohrerelt ans ein«n)äl. Tüchtige «Ndänner sind PantoffeHe'ldett, ihre Untüchtigkeit außerhalb ihres Gebietes zeigt sich am «besten darin, daß sie sich ein herrschsüchiiges Weib zur Frau nehmen. Wärest du nach meinem Wunsch ein größer Schneider gaword-en, so wäre es dir sicher so ergangen, wie

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