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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-17 · Heft 2241 (17.5.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2241 (17.5.1925)
Date
1925-05-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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SErS Men, Sonntag Wiener MvegenzeltunA. 17. Mai 19So! Kr. mt GUMMISCHUHE. Spielbälle, Gummimantel und Gummi* waren aller Art zu Fabrikspreisen! SPIRMANN L HOROWITZ Wien, II. Bez., Taborstrasse Nr. 11 b — Telephon Nr. 47*0-86 Der neue Krieg. , -y. 2Ö i e n, 17. Mat. Franchet d'EfPerey, der Sieger von der Balkan-! front, fft nach Oran abgereist. Starke Militärtransporte i sind aus Marseille nach Nordafrika unterwegs, für die > Nachrichten aus Marokko ist die Zensur eingeführt , worden. Das Ministerium der Linken ist mitten in der; Reformarbeit genötigt, einen schlveren, verlustreichen Krieg zu führen. Es muß die marokkanische Kolonie verteidigen. Der Rückzug.der Spanier bis an die Küste hat die Grenze zwischen dem spanischen und dem französischen Gebiet entblößt. Arabische Stämme haben dies benützt, und aus den anfänglichen kleinen Plänkeleien im Marokkoprotektorat hat sich ein regelrechter Krieg entwickelt. Abd el Krint, der Führer der Aufständischen, verfügt zum Staunen aller Kolonialmächte über Flugzeuge und schwere Artillerie, und da sich unter seinen Reitern kaum Sachverständige in dieser Technik des Mordens befinden, so sind auch schon Meldungen ausgetaucht, daß russische und deutsche Offiziere auf diesem Terrain ihren Beruf gefunden haben. Diese Wendung der Geschicke war bereits im Winter des vergangenen Jahres vorausgesehen worden. Zu den schweren Schlägen, die dem spanischen Prestige zugefügt wurden, gesellten sich zu jener Zeit die noch immer nicht ganz aufgeklärten Ereignisse in Aegypten, die nach der Ermordung des Sirdars Lee Stack zu dem bekannten Ultimatum Englands und zum Sturz Zaglul Paschas führten. Damals trat Chamberlain seine kontinentale Reise an die mit der Dezembertagung des Völkerbundes in Rom begründet wurde. Er hatte längere Besprechungen mit Herriot, bei denen es sich um eine Auseinandersetzung über die möglichen Folgen der afrikanischen Vorgänge handelte. Zu festen Resultaten ist man nicht gekommen. Man kann dies daraus schließe«, .daß der arabische Einbruch, den General Liautey, den Eroberer und Kolonisator des fraglichen Gebietes, überrascht hat. Er 'hat drei starke Kolonnen ausbieten müssen, deren Front, nach Londoner Meldungen, von dem Gegner durchbrochen worden sein soll. Inzwischen hat auch eine diplomatische Aktion eingesetzt, die der gewesene französische Innenminister Malvy in Madrid einleitet und die gar keinen anderen Sinn haben kann als den, daß die für Spanien unhaltbar gewordene Position in den Presidios von französischen Kontingenten besetzt wird. Ob dieser provisorische Zustand zu einem definitiven werden kann, ist fraglich. Denn in diesem Falle erschiene Frankreich gegenüber von Gibraltar, was die englische Politik seit je zu vereiteln bemüht war. In diesem Zusammenhang gewinnen die Pariser Meldungen, die von einem bolschewikischen Attentat in Nordafrika sprechen, ihre besondere Bedeutung. Sicherlich sind in der gesamten Welt des Orients die Moskauer Emissäre fieberhaft tätig, um von hier aus Englands Stellung zu treffen. Dies würde sich selbstverständlich nicht auf England allein beschränken. Die ganze Front der Kolonialstaaten vom Himalaja bis zum Atlas käme ins Wanken und die weitere Entwicklung wäre das Abdrängen der europäischen Großstaaten von den Quellen ihres wirtschaftlichen Reichtums. Sicher ist, daß zunächst die islamisch-arabische Masse in Bewegung geraten ist, die in ihren. Zielen noch nicht geklärt ist, sich aber deutlich zunächst gegen England richtet, aber die anderen Kolonialstaaten nicht aus den Augen läßt. Spanien war der schwächste Punkt der europäischen Aufstellung. Ob sie aufgerollt wird und ob die Aktion sich über die französische Sphäre hinaus wird entwickeln können, das ist die große Frage, vor der die Kabinette stehen und in der sie zu einer klaren Stellung kommen müssen. Es ist nicht mehr so, daß nur ihre Autorität in Frage steht. Es steht viel mehr auf dem Spiele. Rußland arbeitet an der Mobilisierung der.„unterjochten Völker" und es ist die kommunistische Drachensaat, die im Orient aufgeht. Rußland solidarisiert sich mit diesen Völkern; die wahre Liebe ist das nicht, denn unter dem Maskenwort der Freiheit hat Rußland alle Völker im Machtbereich der roten Armee sich einverleibt. Es hat ihnen Sowjets gegeben, deren Leitung merkwürdigerweise immer mit irgend einem Fürstengeschlecht identisch ist, und zwar just mit dem, das in der gegebenen Zeit genug englisches Geld geschluckt hatte und sich nun nach russischer Subvention sehnte. Im Orient sind die Begriffe der nationalen Freiheit noch sehr-ungeklärt und primitiv und es ist begreiflich, daß die politisch und sozial noch sehr infantil empfindenden Massen die aus Moskau kommenden Parolen der Sozialisierung und Enteignung wörtlich aufzufassen bestrebt sind. Das ist die Gefahr für Europa, aber auch die Gefahr für Rußland und seine Satrapen. Im Augenblick freilich ist Europa matt gesetzt. Rußland hat mit Japan seinen Rückversicheruugsvertrag und ist aktionsfähig. Die europäischen Staaten sind von Eifersucht beseelt und können zu keiner. einheitlichen Auffassung kommen. Der Rausch des großen Krieges hat ihnen die Urteilskraft genommen. Sie haben den Orient in ihre Händel verstrickt und ihm den so unendlich einfachen Anfangsunterricht ihres Treibens erteilt. Sie verhindern die Pazifizierung der Welt, intrigieren bald mit-, bald gegeneinander und haben ganze Armeen von Abenteurern erzeugt, die überall hin gravitieren, wo geschossen und geplündert wird, Dörfer brennen und Menschen sterben. Es ist schon möglich, daß sich einige dieser Kondottieri nach Marokko durchgeschlagen haben und dort auf ihre Weise, verstärkt durch orientalischen Rassenhaß, ,das üben, was sie gelernt haben. Sie beweisen, daß das Wort von der europäischen Solidarität dummes Feiertagsgewäsch ist. Diese Einsicht ist sehr wichtig. _ Sie jüdische Wanderung. Die zweite Emigrationskonferenz einberufen. Berlin, 15. Mai. (I. T. A.) Das Präsidium des Vereinigten Komitees für jüdische Auswanderung (Emigrations direktorium) beschloß, die zweite allwcltliche jüdische Emigrationskonferenz für den 9. A u g u st d. I. nach Berlin einzuberufen. Die Krise, die im jüdischen Emigrat io nswesen zurzeit herrscht, bewog das Emigrationsdirektorium, von einer engeren Konferenz der ihm angeschlossenen Organisationen abznsehen, vielmehr der Tagung einen allgemeinen Charakter zu verleihen. Es besteht die Absicht, alle jüdischen Organisationen der Alten und der Neuen Welt, die sich direkt oder indirekt mit Emigrationsangelegenheiten befassen. zur Beschickung der Konferenz einzuladen. Von den amerikanischen Organisationen werden zum Beispiel außer der Emigranten-Hiissgesellschaft „Hias", die von jeher mit' dem Emigrationsdirektorium in enger Verbindung steht, und die erste Prager Emigrationskonferenz miteinberufen hat, das Emcrgency Committee, der Amerikanisch-Jüdische Kongreß, der Rat der jüdischen Frauen (Council of Jewish Women) und andere mehr eingeladen. Von europäischen Organisationen werden außer den mit „Emigdirect" zusammenarbeitenden Emigrationsgesellschaften auch die Jewish Colonisation Association (I. (£. A.), das Zentrale Palästinaamt, der Hilfsverein der Deutschen Juden und andere mehr zur Konferenz eingeladen. Das Programm der Konferenz enthält außer dem Tätigkeitsbericht und den Berichten der nord- und südamerikanischen Abordnungen des Emigrationsdirektoriums eine Reihe von Referaten über aktuelle Emigrationsfragen, wie zum Beispiel „Die Krisis in der jüdischen Emigration", „Emigration und Kolonisation", „Qualifizierte Emigration" (Ausbildung und Vorbereitung der Emigranten), „Polnische Tätigkeit auf dem Gebiete der Emigration", „Die Frage der Emigrationsbank", Organisations- und Budgetfragen" nsw. Während der Konferenz werden auch Ausschüsse arbeiten, die sich mP ganz konkreten und lausenden Aufgaben beschäftigen werden, wie zum Beispiel mit der Lage der zurückgebliebenen Emigranten in den Hafenstädten, mit der Möglichkeit einer Einwanderung in europäische Länder, mit der Frage einer einheitlichen Politik gegenüber den Schiffahrtsgesellschaften, mit Rechtsschutz, sanitäre und medizinische Hilfe nsw. Als Berichterstatter find bis jetzt vorgesehen die Herren Leo M o tz k i n. W. L a tz k y, I. D i j o u r, Jakob L e sich in sky, Dr. Brutzkus, Dr. Ben nathan (Berlin), Tr. Silberfarb (Warschau), I e f r o ii k i n (Paris), Dr. Schipper (Warschau) und andere mehr. Der Schriftsteller Jakob Lestschinsky wurde als Mitglied des Emigrationsdirektoriums kooptiert. Die jüdische Auswanderung aus Polen nach Argentinien. Warschau, 15. Mac (I. T. A.) Im polnischen A u ß e n m i n i st e r i n m fand eine Konferenz über Emigrationsnttgelegellheiten statt, in welcher der polnische Gesandte in Argentinien Mazurkiewicz über die jüdische Ans« Wanderung nach Argentinien, Uruguay, Chile und Paraguay referierte. Er sagte,, es bestehe in diesen Ländern kein besonderer Widerstand gegen jüdische Einwanderung, insofern sich die Einwanderer nicht allein in den Städten konzentrieren, fonberu sich auch der Landwirtschaft widmen. Perönen mit Initiative unb Geldmitteln haben auch große Möglichkeiten in Handel und Industrie; ebenso ist Bedarf nach Handwerkern in den Provinzstädten. Die argentinischen Behörden sind voll Lobes über die Leistungen der I. C. A.- Kolonien. Dir jüdischen Organisationen kommen den neuen Einwanderern freundlich entgegen. Znm Schluß betonte der Gesandte, die Behauptungen, daß sich insbesondere Juden mit Mädchenhandel in Argentinien abgeben, seien eine Legende, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Ter Vertreter der Zentralen Jüdischen Emigrationsgesellschaft in Polen, Herr L.' Alter, formulierte die jüdischen Forderungen mit Bezug auf eine Emigration nach Argentinien. Der polnische Gesandte versprach, für die Verwirklichung dieser Forderungen einzutreten. Schahei mit eingebautem „Banon“*Qummt>Absatz Set ttödjfte atMch'nationallstlsche Kongreß. Das Organ der nationalistisch - arabischen Partei in Erez Israel „Merat al Scherak" schreibt über .die Aufgaben des nächsten arabischen Koivgresses an leitender Stelle: „Tie futvbermenta«X*cn Fragen des Landes Alben das Mandat und die Balfou r-Deklaration. Diese beiden dürfen wir nicht anerkennen. DaS Hindert uns jedoch nicht an einer ge>meinsamen Arbeit dort, wo ihiefür die Möglichkeit besteht. Auch M e s o p o t a m i c u steht unter dem Mandat, -das hindert es jedoch nicht, »Hand in Hand mit der britischen Regierung zu gehen. Auch das O st--- j o r d a u g e b i e t steht unter dem Mandat, hat jedoch seine e 'i g e u e P o l i t i k, nach welcher es Handelt u nd geht. In Mesopotamien besteht eine geordnete Regierung und eine Volksvertretung und auch das Oistjovdangabiet hat eine geordnete Regierung, und wenn es auch noch keine gewählte DolksvertrebU'Ng Hat, so wird eS diese, wenn Allah will, in naher Zukunft 'besitzen. Was Hindert nun Erez Israel, dasselbe zu halben, ohne das Mandat und die Balfour-Deklaration anzuerkennen? Ist denn die - Anerkennung dieser beiden Qcmmnteit Dinge eine Bedingung sine qua non, unter welcher die Regierung die Bildung einer nationalen Regierung und einer Volksvertretung zubilligen will? Ist es denn unmöglich, Mandat und Balfour-Deklaration zu jenen Fragen zu reihen, die, wie znm Beispiel die Mofs ulfrage und die Frage der ottomanifchen Schuld, deren Lösung sü>r 'die Zeit nach der Friedenskonferenz von Lausanne verschoben wurde, erst mit der Zeit ihre Lösung finden können, ist es denn 'wirklich unmöglich, Aenderungen in die Gesetze von Erez Israel einzuführen, durch 'welche sowohl die Interessen der boitischen Regierung als auch diejenigen von Erez Israel gewahrt werden, ohne dabei das Mandat und die Balfour-Deklaration zu erwähnen? Das sind die Fragen, mit welchen der kommende Kongreß sich wird beschäftigen müssen. - Der Minister für Kolonien sagte uns, Ereg Israel sei ein arabisches Nationakheim und daß die Araber darinnen die entscheidende Mehrheit sind, in dom Maße, daß die Juden nicht die Möglichkeit haben, die Majorität zu bilden. Nun denn, ist Erez Israel 'ein arabisches Nationalheim undbilden >die Araber die Mehrheit darinnen, ist es dann, nicht die Pflicht des internationalen Gesetzes, di e He r r- ' schaft der Majorität -herzustellen, weshalb Äsöwürdigt die Regierung nicht die Forderungen der Araber und ignoriert sie? .Hat sie -den Juden versprochen, ihnen-in Erez Israel eine nationale Heimstätte zu errichten, was geht das die Araber an? Wir -haben ihnen nichts versprochen. W i r s i n d die Mehrheit, und da's Recht der Majorität ist es, die Herrschaft über das Land zu üben. Ueber Erez Israel geht jetzt eine unnatürliche Epoche, die in der Welt nicht ihresgleichen hat. Dis Juden -wandern in großer Zahl ins Land, der Bodenverkaufwird fortgesetzt. Die Judenkauften den Küstenstrich v o n A c c o bis Jaffa und von den Küsten Erez Israels ist nichts übrig geblieben als der Teil bei Gasa und auch dieser Teil wird bald an die Reihe kommen. Sie kauften einen großen Teil des Bodens im Norden,des Landes an und die .Bewegung des Bodenverkaufes dauert noch weiter an, jüdische Siedlungen werden mit großer Raschheit erbaut, ihre Zahl, reicht heute bereits an die hundert. In diesen Kolonien wahnen junge Menschen, erfüllt von le-idenschaftlichen Gefühlen-mit gestähltem Körper, welche die Kriege in Rußland, Oesterreich und PoIcn mi tgemach t habe n und denen der Tod nichts gilt. Die Juden führen ihre Kvloniisati-onsa-rbe.it nach militärischem S h st e m, Sie sind entschlossen, das - Land von allen Seiten zu umfassen, bis es für den Araber keinen Ausweg gibt. Die Araber sehen »das alles und fühlen -nicht die große Gefahr. Was haben wir nun zu tun? Das ist die Frage, mit der -sich -der kommende Kongreß wird befassen müssen. Der Kongreß muß sich mit unserer gegenwärtigen. Lage -beschäftigen und nach neuen Wogen suchen, die di« Gefahr von uns abwenden könnte. Neue Menschen müssen auf dem Kongreß erscheinen und -nicht jene, die wir immer auf der Tribüne zu sehen pflegen. Wir brauchen einen Kongreß, auf welchem das Sentiment Hinter den Verstand zurücktritt, -damit wir nicht eine Pölltik fortführen, von der wir nicht wissen, wohin sie uns führen wird. Wir brauchen einen Kongreß, der von einer großen Zahl junger Intellektueller beschickt ist» damit die Aufklärung unser Wegweiser in allen unseren Handlungen sei. 'Wichtig für alle Zionisten! Wichtig für alle Kongressdelegierten! Diskussion über die Fragen des 14. Zionistenkongresses In der Montagsausgabe der „W iener Morgenzeitungl«

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