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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-16 · Heft 2240 (16.5.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2240 (16.5.1925)
Date
1925-05-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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M. ZM Men, GamSlas" Hollaadiiruie 14 So» Kongreß der Septzardim. Wie wir -tvisderlholt Iberichteten, streben die schhardisHen Juden, die ihanpLsaWich -in den orientalischen und OMl-Mudevu zevstrent leben, die Schaffung einer g ejweinsame-rr Organisation an, nm einerseits in den Reihen der sephardischen Juden eine gesunde national- Mische Erziehung und Polstüve jüdische Arbeit zu fördern und andererseits die s-ephavdisch-en Juden für eine intenstveve Mitarbeit an dem Aufbau von Erez Israel zu organisieren. Bisher besteht in Erez Israel ein vovbereitendeS Komitee M einen Weltkongreß der sephar- -ifchen Juden, dessen Sitz in Erez Israel -ist und dem runter anderen Dr. I. Levi, I. Mejuchas, A. A-l- -naria angehoren und außerdem eine Organisation Waluzei Hamisrxrch (Chaluzim des Orients). In einer Konferenz, welche vor einigen Tagen zwischen den Vertretern dieser beiden sephardischen Organisationen und Nahmn Sokolow fta-ttfand, wurde mitgeteilt, wie itttä aM Jerusalem berichtet wird, daß -das vorbereitende Komitee Delegationen in die Lander, in denen isePhaMsche Juden in größerer Zahl wohnen, entsenden will, um für die genannten Ziele Propaganda zu machen. Sie verlangten zu diesem Zweck eine Subvention aus den Mittel» der Zionistischen Weltorganisation. Da jedoch das vorbereitende Komitee sich dessen bewußt ist, daß ein großer Dell der durch die sephavdische Bewegung -entistchenden Fragen nur durch den zionistischen Kongreß eine befriedigende Lösung finden kann, ftnb sie bestrebt, bei dem kommenden zionistischen Kongreß durch eine große Zahl von sephardischen Delegierten ihre Wünsche zur Geltung zu bringen. Behufs Festsetzung der Forderungen -wird einige Tage vor Eröffnung des'zionistischen Kongresses -in Wien eine Kon.ferenz sämtlicher sephardischer Ko-ngreßdelegierter aus allen Ländern stattfinden, in welcher die dem Kongreß vorzulegenden Beschlußanträge her sephardischen' Juden festgesetzt werden sollen. So ko low nahm die Mitteilungen des vorbeveiten- Äm Komitees mit Befriedigung gm Kenntnis und versprach, ihre Wünsche, soweit ste budgetär sich als erfüllbar ßPweisM sollteH Mch besten Kräften KU nnterMtzen. Ae amerikanW.jAirfche MitMgkeit für tzoropa. New-Aork, M Mai. (I. T. A.) Das vor kurzem ge- Wdete Komitee amerikanischer Juden für Hilfe an die no-t- KeÄtznden «Juden Osteuropas hat soeiben an alle jüdischen Organisationen und Gemeinden Amerikas einen Appell gerichtet, zu der am 24. d. in Ne-Wi-Aork beginnenden Konferenz Delegierte zu entsenden. Diese Koniferenz wird ganz den Problemen der -notleidenden und bedrückten Juden Osteuropas undder Hilfeleistung für sie gewidmet sein. In de-m von Mr. Nathan Strauß' -und- Dr. Stephan S. Wise unterschriebenen Ausruf wird betont, daß die Wiederaufnahme der amevika-n-ischHüdis-chen Hilfstätigleit Mr die Juden Osteuropas -eine der dringendsten Ausgaben der Jetztzeit «ist. ,^Es -ist offenbar", heißt es in dem lAnfvus, >,daß die von den amerikanischen Inden im Kriege begonnene Hilfstätigkeit zu früh aufgehört Hat; noch leiden zahlreiche unserer Brüder unsagbare Not. Unsere Brüder in Europa spannen ihre Kräfte an, um selbst zu. helfen, wo Hilfe nvittut; allein die W'rrtschast'skatastrophc, Unter der sie leiden, setzt ihnen Grenzen. Sie haben sich nun an uns mit der Bitte um Hilfe gewendet. Wir dürfen diese Bitte nicht unerhört lassen. Wir können uns der auf uns ruhenden Verantwortung nicht antzichen; wir müssen die durch Auflösung der im Kriege gegründeten HiHsorganisation unterbrochene Tätigkeit auss neue'aufnehmen. Wir müssen den Hun-devttausenden notleidenden Männern, Frauen und Kindern i-n Osteuropa zu Hilfe eilen, da sie sonst dam Untergang geweiht sind." Dem provisorischen Hilfskomitee gehören unter. anderen die folgenden Herren an: Richter Jüli-a-n W. M a ck, der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas Louis Lipskh, der Großmeister des Unabhängigen Ordens Brich Scholom Adolf Stern, ferner Ra?M Doktor Josef Silverman, Dr. Julius Gold-inan, Frederick Brown, Dr. I. A. Rongh, Louis Borhau's, Richter Hugo P a m, Dr. Harry F r i e d e n Wald Wd Rabbi B. L. Levinthall." Lar Ende der amerikanlschm Mittelftandrhllse in Wien. Abreise des Kapitäns Richardson. Wie die Politische Korrespondenz erfährt, ist ütapitän Gardner Richardson, der bekannte Leiter der Abteilung des Commonwealth Fund für Oesterdeich, gestern vöm Bundespräsidenten empfangen worden, um sich vor seiner Rückreise nach Amerika von ihnr zu verabschieden. Mt dem Scheiden Richatdsons tritt die a m erila nii|ch-öst er r-erchis che Mitte Iff a-ndsh il,s>e, die als Nachfolgerin dev American Relief Administration im ganzen Lande noch außerordentlich viel Gutes getan bat, in L i a u id i e x u n a. Kapitän _Wiener Movgenzertung._ Richardson -war fast sechs Jahre in -Oesterreich tätig und mit seinem Namen verbinden sich die außerordentlichen Leistungen der amerikanischen Ausspsisung österreichischer Sch uIkinder und die vielgestaltige Hilfe für den Mittelstand. Der Dundesprästdent dankte den: scheidenden Kapitän mit überaus herzlichen Worten und überreichte ihm als Zeichen feiner Anerkennung das goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Oesterreich. _ Set Malische einfnhrzoll auf Mensche«. Im Bundesrat,'wo gestern die in den letzten Nationalratssitzungen beschlossenen Gesetze genehmigt wurden, kam der Tiroler Bundesrat Dr. S t e i d l e auf die Verhandlungen betreffend die Aufhebung des Paßvisums zwischen Oesterreich und dem Deutschen Reiche zu sprechen und bat den Minister für Aeußeres um Aufklärung schon deshalb, weil weite Kreise der Bevölkerung das P a ßv isum nur.als einen leidigen fiskalischen Einfuhrzoll aus Menschen auffassen. Minister Dr. M a t a j a erwiderte, daß die Regierung aus die finanzielle Seite der Frage Bedacht nehmen müssen. Die Tatsache, daß die Sichtvermerksgebühren im Budget mit einer Summe von 56 Milliarden eingestellt sind, zwinge die Regierung zu einer gewissen Vorsicht. Sie ist daher bemüht, einen Weg zu finden, um schon jetzt oder wenigstens in kurzer Zeit die dem Reiseverkehr cntgegenstehenden Schwierigkeiten zu beseitigen, ohne diese Budgetpost gegenwärtig schon in Gefahr zu bringest. Es handelt sich dabei nur um eine Uebergangsmaßnähme. Die Verhandlungen in M ü n ch e n wurden nicht abgebrochen, sie werden vielmehr fortgesetzt werden. Um aber schon im gegenwärtigen Augenblick einen Beweis unseres guten Willens zu erbringen, werde der Minister dem Ministerrat den Antrag unterbreiten, daß die österreichischen Sichtvermerksgevühren dem Deutschen Reiche gegenüber a u f d e n früheren Satz ermäßigt werden. Die Regierung tvird dahin wirken, daß die Verhandlungen mit dem Deutschen Reiche fortgesetzt und einvernehmlich zu einem gedeihlichen Resultate gebracht werden, Malversationen bei der Rewag. Die Newag, die Niederüsterreichische Wassev'kraft- Aktiengesellschast, deren Großaktionäre die Länder Wien und Niederü-sterreich und die Stadt -Wie-ner-Nenstadt sind, hat gegen den früheren Direktor des Unternehnt-ens Wunderer, -der sich Malversationen i n der Höhe von 1.800,000.066 Kronen zuschulden kommen ließ, durch die Vertreter der beiden Bundesländer Wien und 'Niederöfterreich, Gemeinderat Prof. Frankel und Landeshauptmann Dr. Buresch, die Strafanzeige beim Landetzgericht in Wien erstattet. -U-eber die Newag waren in der letzten Zeit sehr beunruhigende Gerüchte verbreitet und auch der hohe Strompreis war vielfach, Gegenstand heftiger Kritik ge- -wes-en. Alle -diese Umstände haben nun dazugeführt, daß der Verwaltu-ngsrat sich bernWgt sah, reinen Tisch zu machen. Der gestrigen BevwaltunyÄatssttzung lag ein Schreiben des bisherigen Präsidenten August Segur, des früheren Finanzministers, vor, in dem er seine Mandate in der Newag und damit auch seine Präsiden tenstell« zurücklegte. Segur hat sich bereits vor einigen Tagen infolge Verschlechterung seines Zustandes auf längeren Urlaub begeben. Die Neuwahl wurde sofort vorgonomrnen und Landeshauptmann Dr. Bure.sch emKmWig zum Präsidenten der Newag gewählt, ____; eine Beihilfe für Sie auroefteuerten Arbeitslose«. Um feine Position gegenüber den Sozialdemokraten zu erleichtern, hat Dr. Ramel und sein Kabinett eine sogenannte zwischenlaufige Lösung der Frage des Wetterbezuges der außerordentlichen Notstandsunterstützung für die mit 1. Juni ausgesteuerten Arbeitslosen vorgeschlagen, die von den Sozialdemokraten akzeptiert worden ist. In der gestrigen Sitzung des Ausschusses für soziale Verwaltung gab Minister Dr. R e s ch die Erklärung ab, daß die Unterstützung für Ausgesteuerte in Form einer Beihilfe in der Höhe von 90*/, der Arbeitslosenunter st ü tz u » g an die nach der XIV. Novelle zum ArbeitSlosenversicherungSgesetz Ausgesteuerten erfolgen werde, und zwar im Bereiche der industriellen Bezirkskommissionen der Stadt Wien und der Stadt Graz und der ArbeitSlosenämter Dt ü r z z u s ch l a g, Leoben, K n i t t e l f e l d, Wiener-Neustadt, Nennkirchen, Wöllersdorf, P o tte ndo rf, So llen au. St. Beit a. d. Tr., S t. P ö l t e«, W e l s, S t e y r und L i n z. Dte Bedeckung erfolgt durch die R e s e r v e n d e r s o g e n a n n t e n K t nderversicherung. Im übrigen werde er diesen Plan dem heute zusanlmentretenden Beirat zur Arbeitslosenversicherung vorlegen. Abg. Domes begrüßt die Erklärungen des Arintsters als einen Erfolg der Arbeitslosen. Es geht aber nicht an, sich von Woche zn Woche mit dem Problem der Arbeitslosen zu beschäftigen. Die Erklärungen des Attnister Dr. R e s ch wurden vom Ausschüsse z u r K v n n t n i s g e n o m m e n. Der Nationalrat hielt gestern eineZwauzigminut e n s i tz u n g ab, in der das niederösterreichis ch e S ch u l e r r t ch t u n g s g e s e tz, ein Kärntner Schulgesetz und das internationale Uebereinkommen betreffend den Eisenbahn-, P e r s o »e n- und Gepäcksverkehr sowie betreffend den Etsen bahn frachtverkehr o h n e D e b a t t e a n g e n o m m e n wurden. Nächste Sitzuna Freituna den 2s. d.« 8 llbr nachmittaaL. ' 16. Mai 1925 SM 8 heilt. GICHT RHEUMA ISCHIAS Zum sofortigen Kurgebrauch: Thermia-Palace mit allen Bädern im Hause. Prima Komfort. Für Mittelstand Hotels mit Pension zu Kc 45.—. — Von Wien 4 Stundern direkter Zug. A«sk.:PrftyaN'B«reau,lX.,Alserftr.zL,rel.rv.8.S8 Daselbst Schlamm für Vorkuren zu Hause erhöh««» der Arbeitslosenversicherung«, beitriige. Da die Reserven der Urbeitslosenvechcheruntz a n f g e z e h r t sind und in de-n ersten vier Monaten dieses Jahres aus den Zuwendungen an die Arbeitslo-sc-n! ein Desizitvon57 Milliarden entstanden ist, schlägt das Ministerimn für soziale Berwaltuug -die Erhöhung der Beiträge der Arbeiter und Unternehmer für Ae Arbeitslosenversicherung u M 5 0 P r ozent de's -bisherigen Ausmaßes vor. Herabsetzung der Fremdenzimmerabgabe. Wiener Landtag und Gemeinderat. In der gestrigen Sitzung des Wiener Landtages wurde die seit langem angekündigte Herabsetzung der Fremdenzimmerabgabe beschlossen. Die Steuerbegünstigung beträgt einFünftelder bisherigen Sätze und wird in den Monaten Mai bis August, fallweise über Beschluß des Stadtsenates gewährt. Ferner wurde beschlossen, die Steuerfreiheit auf Neubauten, die bis 31. Dezember 1926 sertiggestellt wer-' den, auszudehnen. Die folgende Sitzung des Gemeinderates war hauptsächlich der bevorstehenden Betriebseröffnung der Stadtbahn gewidmet. Vizebürgermeister Emmerling referierte über den F a h r p r e i s auf der elektrifizierten Stadtbahn, der, wie berichtet, 30 Groschen betragen wird. Nach halb 10 Uhr abends wird der Preis 45 Groschen betragen, doch entfällt an Sonn- und Feiertagen der Abendtarif. Der christlichsoziale Gemeinderat Scholz beantragte die einheitliche Festsetzung des Fahrpreises mit 20 Groschen und die unbeschränkte Umsteigemöglichkeit aus die Straßenbahn. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurde der Stadtbahntarif unter Ablehnung der Oppositionsanträge angenommen und. hie .Sitzung gegen Mitternacht geschloffen. .M_;_' fk- Sie Rabbiner und die Tempel. Ein Boptrng über theoretische Maschinenlehre. Der Professor der Wiener Technischen Hochschule Doktor Karl Kobes, der über theoretische Maschinenlehre liest, fühlte sich vo^estern in seinem Vortrag durch einen auf der Straße trompetenden Jungen zu einem Exkurs auf das politische Gebiet veranlaßt, der übrigens nicht sein erster ist. Da einer der Hörer dem Jungen „Halt's Maul!" zurief, knüpfte der Professor an dijese Aeußerung an: - ' „Ja, das Maul halten! Es sollen manche Leute das Maul nicht so weit aufreitzen, das wäre gut. Da schimpfen die sogenannten Freidenker über die Kirche und die Psasfen, sie zerren diese erhabene Institution in den. Kot. Ich bin zwar kein Klerikaler und Schwarzer, aber wenn ich irgend Gelegenheit habe, sehe ich mir ein H o Ä a m t an. Es macht immer durch seine Farbenpracht und sein Kerzenlicht einen tiefen Eindruck auf mich. Uno dtzese tiefe Symbolik, die darin liegt! Die Idioten, die diese Symbolik, wenn Gott gleichsam aus Erden weilt, nicht verstehen, sollen das Maul halten. Ueber die Rabbiner und oie jüd-schen Kirchen schimpft aber keiner. Ja es sind eben Freidenker, die von einer gewissen Rasse und Richtung beeinflußt find! Ueberhaupt diese Leute, die „Nie wieder Krieg!" schreien. Ein solches Land hat k e 4 n e D a s e i n sberechtigung. Ein degeneriiertes Land des Blödsinns ist es. Man sieht das anr deutlichsten am Militär. Wenn ich irgend wo hinkomme, sehe ich mir nur zwei Dinge an: Die Kirche und das Militär. Wie die ausseyen, so steht es mi>t dem Volke. Wo werden heute so herrliche Kirchen gebaut wie früher? Heute schafft man Bordelle, sonst nichts. Und das Militär? Da hätten Sie das Militär in Budapest, Serbien und Bulgarien sehen sollen, wie die Wache im Stechschritt marschiert. Da kann man Disziplin, Eilnigkeit, männliche Tugend und Tapferkeit lernen. Da herrscht ein nationaler Zug, nicht wie bei unserer Wehrmacht, so . . . so . . . D a s i st z u m B r e ch e n. So ist es überall, wo internationale pazifistische Ideen herrschen. Es ist immer gerauft worden und muß immer gerauft werden, genau so wie beijni einzelnen. Wer nicht mehr rauft, i st senil. Die Freidenker aber, mit dem Stiefmütterchen im Knopfloch, schreien: /Nie wieder Krieg! Wo Pazifistentum herrscht, ist Degeneration." Der Professor fügte noch hinzu, man dürfe das weitererzählen. Wenn Hm aber jemand kommt, wird er ihli „schon hübsch senkrecht an die gegenüberliegende Wand projizieren. (Stürmischer Beifall. Redner wird beglückwünscht.) Gin Streik um den Numerus elausus. An der Hochschule für Bodenkultur. * >. w Vorgestern hat die arische Hörerschaft der Hochschule für Bodenkultur in einer dreistündigen Versammlung beschlossen, ab Montag in einen achttägigen Streik zu treten, falls nicht die im Atärz diieses Jahres verfügte Aufhebung der Ausschlußbestimmung für ausländische, jüdische Hörer wieder rückgängig gemacht werde. Dev Beschluß wurde dem Professorenk.oilegium in folgendem Schreiben zur Kenntnis gebracht:

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