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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-15 · Heft 2239 (15.5.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2239 (15.5.1925)
Date
1925-05-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wiener Moraerrzettung 15. Ma! 1925 Seite S Kr. 8239 Wien, Freitag +------- ( Die Abendsitzung -des Kongresses war einem drei- ''ständigen Referat Rykows über die Tätigkeit der Regremng gewidmet. Rykow charakterisierte die vevhältms- -maßige Stabilisierung des Kapitalismus und die gleichzeitige Stabilisierung des Sawjetvevbandes als das wichtigste Merkmal der jetzigen internationalen, Situation. Die Hoffnungen aus eine Erneuerung 'der Beziehungen anit Frankreich hätten sich nicht erfü l l t. Die Sowjetregiernng werde die Zarenschn-'lden nicht anerkennen und könne bestenfalls, -we-nn ihr 'materielle Hilfe gewahrt werde, einen Teil 'befahlen. Er konstatierte ferner,'daß, obwohl in den Vereinigten Staaten Strömungen für die Annäherung an den Sowjetverband bestehen, die amerikanische Regierung bisher nicht den Wunsch nach offiziellen Verhandlungen geäußert >hü'be. Das Verhältnis zu Polen könnte nach der Aeußevung RykoüvS besser sein. Ueber die baltische« Staaten sagte Rhkow, daß die beste Garantie für die Erhaltung ihrer Selbständigkeit die Nationalitätenpolitik der Sowjetvegierung soi, nicht aber ein gegen die Sowjets gerichteter Verband. ^Hinsichtlich der wirtschaftlichen 'Lage stellte er fest, daß der jetzige Zustand ziffernmäßig, dem Niveau vom November 1917 entspreche, wo die Sowjets die Macht ergriffen, doch seien Anzeichen des beginnenden Ausstieges bemerkbar.~ Barmat und Kutisker. Berlin, ll4. Mar. (Del.-,KomP.) Die für die Haftentilassung Julru's Barmats geforderte Kaution von 209.000 Mark ist bis heute nicht anfgebracht worden. Dies geht, Lvie das cht-Uhr-Abendblatt" erfährt, darauf zurück, daß sowohl die Brüder Julius und Henri Barmat sowie auch die seit Monaten aus der Haft entlassenen Sallomvn und Isaak Barmat und ihre Frauen jhv gesamtes Vermögen in eine bald nach der Verhaftung der Barmats gebildete Treuihandgesellschaft eingöbvacht haben. Die Kaution müßte also statt von der Familie von Freunden der Barmats aufgebracht werden. Julius Barmat hat unter ärztlicher Leitung die ersten Gehversuche seit seiner Uebevführung in die Charite unternommen. Er war aber lauinr mehrere 'Schritte gegangen,.als er sich nicht mehr aufrechterhalten konnte und der Länge nach hin siel. Bon einer Berhandlungssähigkeit Barmats, 'der Pen größten Teil des Tages völlig apathisch zubringt, kann augenblicklich keine Rede seirr. Die erste Anklage ,in der Ku trske r-Bavmat- Affäre ist nunmehr schoben worden, und zwar gegen den Kaufmann Michael Holzmann, durch den die ganzen Affären erst ins Rollen gekommen sind. Die Anklage gegen sHokzmann kautet aus Betrug und Betrugs- Versuch gegen Kutisker und die Züricher Firma Uebvüder Linke, ferner auf E r p r e s f u n g an Kutisker und aus aktive Bestechung der beiden Mitangeklagten^ des Regievungsrates Walter Bartels und des Krrm'malassisten-ben Karl Rothe. Für «den Prozeß ist die Ladung von 80 Zeugen, darunter auch KuMkers, in Aussicht genommen. . Briand kommt nicht «ach London. Berlin, 14. Mai. (Tel.-Komp.) Nach einem Londoner Telegramm der ,Mossischen Zeitung" verlautete heute in schr gut unterrichteten Politischen Kreisen, daß aus absehbare Zeit mit einer persönlichen Aussprache zwischen Briand und Chamberlain nicht zu rechnen sei. Das französische Kabinett ha'be der englischen Regierung zu verstehen gegeben, daß es mit dem bisherigen Verlaus der diplomatischen Verhandlungen zwischen London und Paris durchaus zufrieden sei und daß daher kein unmittelbarer Anlaß vorliege, eine m ü n dliche Aussprache der leitenden Staatsmänner herbeizuführen. * ~ _ t « i La» kifenbahnunglück im polnischen Korridor. Danzig, 14. Mai. <Wolff.) Das Schiedsgericht für den Durchgangsverkehr hat eine vorläufige Entscheidung gefällt, nach der der Zustand der Strecke an der 'Unfallstelle für den Unfall vour 1. Mar, soweit es sich heute noch übersehen läßt, nicht verantwortlich gemacht werden kann. Die eingehende Besichtigung der Schwellen ergab, daß sie aus brauchbarem Material bestanden, abgesehen von einzelnen morschen Teilen, die auch bei normaler Unterhaltung Vorkommen-. kisenbahnkataftroptze bei Moskau. 18 Personen tot, 30 verwundet. ' Berlin, 14. Mai. (Tel.-Komp.) Wie die „Bossrsche Zeitung" aus .Moskau meldet, ist der Moskau- Rigaer D-Zug gestern nachts unweit von Moskau entgleist. Ein Wagen der zweiten Klasse und ein Speisewagen wurden völlig zertrümmert. Dabei tvurden 18 Personen getötet und 30 verletzt. Unter den Passagieren befanden sich auch mehrere Reichsdeutsche Reisende. Ueber die Ursache der Katastrophe ist bisher noch nichts bekannt. ~ ... Kärnten gegen eine Anschlnbabsttmmnng. Dienstag abends fand im Klagenfurter Landhaus eine v o n allen Partei e n beschickte Besprechung statt, um über die Frage einer Abstimmung bezüglich de's Anschlusses an Deutschland schlüssig &u rvecheri. Unter Hinweis auf die Gefährlichkeit einer solchen Abstimmungim gegenwärtigen Zeitpunkt beschloß «man einstimmig, im Lande Kärnten sich an. einer A-n- EchlußabKi'mmung mk.i 4H bet^iligen, ln jedes JQd. Haus / in jede jfld. Familie gehört das grosse jüdische Monumentaituerk: S. M. DUBNOW \\ rELTGESCHICHTE des W JÜDISCHEN VOLKES In zehn Bänden // AutorUierte Ueberseizung aut dem Rusilschen unter Mitwirkung des Verfassers Der grosse Gelehrte S* H. Dubnow hat nach neuen wissenschaftlichen Gesichtspunkten und Methoden eine allgemeine Geschichte des jüdischen Volkes von seinen Anfängen bis auf die letzte Zeit entworfen, die sich würdig allen grossen Nationalgeschichten an die Seite reihen lässt. Das Werk ist berufen, in dieser für das jüdische Volk schicksalsschweren Zeit, jedem Juden das grosse Bild der Vergangenheit zu offenbaren und neue Wege in die Zukunft zu weisen. Die Geschichte von Dubnow behandelt mehr die soziologischen Verhältnisse und ergänzt so in vortrefflicher Weise das grosse Werk von Grätz, das mehr geistiges Schaffen und heldenmütiges Märtyrertum berücksichtigt ' Das Werk ist auf zehn Bände, die bis Ende des Jahres 1926 vollständig vörliegen werden, angelegt Soeben ist der erste Band, vornehm ausgestattet, erschienen und zum billigeren Subskriptionspreise von Ganzleinen (Gm, 12) S 20 // Halbleder (Gm, 15) S 25 zu beziehen Der Bezug des ersten Bandes verpflichtet zur Abnahme des ganzen Werkes, dessen Preis mit ungefähr (Gm. 120) 8 200, bezw. (Gm. 150) S 250 angenommen werden kann Boihliaiiillung R.Löwit Wien, I. Fleischmarkt Nr. 1 Leuthner spricht «och «Schste Woche. Im Mietouausschuß setzte geistern Abg. Leuthner .seine Obstruktionsrede fort. Er wird in der nächsten, am .Montag nachmittags stattfiNdenden Sitzung in “ seinen Ausführungen s-ortsahren. Ser Streit um die Derliindernng. Die Regierung wird ihre auf dev Ländev'konferenz unibestvittenen Vorlagen, die sie für Gens braucht cs sind dies die Ausdehnung «der Kontrolle des Obersten Rechnungshofes auf die Gebarung der Länder, das AbgabenvereircheUichungsgasetz nnid den Verzicht der Länder ans BcharvnngsbeischWsse bei den Finanzgefetzen —, noch im Lause dev ko'mmeindsn Woche im - NationaLmb eiwbvingen. Ueber die Berfassungs- und Verwabkungsresoringe setze hat sie geistern die Berhand? lungen mit den Großdeutschen abgeschlossen. Das erzielte Kompromiß wird aber am Mvnwg noch von den chriftlichsozialen Ländervevtretungen ibegulachtet werden müssen. Die Sozialdemokraten stehen Gewehr bei Fuß. Sie sind lim allgemeinen für die Berländer ung, wollen sich aber 'jetzt noch nicht exponieren, da -man ja ohnchin an sie wird hemntreten'Müssen, um die für die Verfassung'sgesetze notwendige Zweitzvittelmajo-rität im Natiomlrat zu erreichen.! Ser Mord im Bnrgiheater. Das Leichenbegängnis Pamzzas. - . iP Die föderalistische mazedonifcheOrgan i s a t i o n teilt uns mit, daß das Leichenbegängnis ihres Führers, des im Burgtheater erschossenen Todor Panizza, heute um 2 Uhr nachmittags von der Kapelle des allgemeinen Krankenhauses aus nach dem Zentralftiedhofe stattfinden wird. Ser Prozeß gegen den Mörder Lederer. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 14. Mai Heute erstatteten die Sachverständigen ihre Gutachten über den Befund der Leiche des von Gustav Lederer ermordeten Kodelka. Der Universitätsprofessor Dr. M i n i ch erklärte: Die Art, wie die Leiche zerstückelt wurde, wie sie anatomisch richtig auseinandergenommen wurde, Seifet von Intelligenz und Geschicklichkeit. Diese Arbeit war eine sehr schwere und beweist, daß der Angeklagte bei dieser Gelegenheit ganz ruhig gewesen sein mußte, um so mehr, als er keine Hilfe hatte. Für die Beschränktheit seiner geistigen Fähigkeiten liegen wohl äußere Anzeichen vor, so die abstehenden Ohren, di'e schmale, niedrige Stirn. Die Art seiner Verantwortung ist seiner gesellschaftlichen Stellung durchaus nicht entsprechend. . % Der Zeuge Oberleutnant Burkovies erzählte, wie er Gustav Lederer zum Geständnis gebracht habe. Sie befanden sich von halb 6 bis halb 8 Uhr im Zimmer, ohne daß der Oberleutnant im Sinne des erhaltenen Befehles auch nur ein Wort gesprochen hätte. Lederer war sehr unruhig. Er legte sich auf das Ruhebett. Plötzlich sagte er zu Burkovies: „Ich gebe dir den Rat, niemals in eine Frau allzusehr verliebt zu sein, vor allem aber keine schöne Frau zum Weib zu nehmen." Der Zeuge antwortete ihm hierauf, er hätte sich gleich gedacht, daß nicht Lederer, sondern seine Frau schuldig sei. Er habe diese Frau stets für hysterisch gehalten. Der Zeuge fragte unvermittelt: Hast du ihn getötet? Lederer antwortete dem Zeugeck hierauf: Ich habe ihn getötet, aber aus Notwehr. Lederer erzählte ihm nun, daß er Kodelka getötet habe, weil er in einem Nebenzimmer mit angehört habe, wie dieser an seine Frau unehrbare Zumutungen stellte. Zeuge führte zum Schlüsse aus, Lederer hätte ihm mitgeteilt, daß' seine Frau die Leichenteile in die beiden Koffer gepackt habe. Hierauf wurden nlehrere Gendarmen verhört, die ans gaben, daß Lederer einige Tage vor der Mordtat den Revolver in der Kanzlei der Csepeler Gendarmerie ausprob i e r r habe. Der Nachtwächter der Manfred-Weitz-Jabrik in Csepel sagt aus, daß er in der Nacht des 8. Jänner einen Offizier mit einer Frau am Donauufer angetroffen habe. Sie trugen drei große Lederkoffer bei sich. Der Offizier war gerade dabei, den Inhalt eines Koffers in die Donau zu werfen. Auf eine Anfrage des Nachtwächters, was sie da taten, habe die Frau geantwortet, daß ihr L i e b l i n g s h u n d von der Tramway überfahren worden sei und sic ihn jetzt in die Donau senke, um ihn nicht dem Schinder überlassen zu müssen. Aus die Frage, was in den beiden anderen Koffern sei, antworteten die beiden, daß dort Wäsche sei. Sie wollten die Taschen nicht öffnen und machten sich dann ans dem Staub. Der Polizist M e d g y e s gibt an, daß ihm am 9. Jänner nachmittags gemeldet wurde, anr Ufer des Donauarmes lagen menschliche Leichenteile. Die Verhandlung wird morgen fortgesetzt. Ser Seekrieg gegen den Alkohoi. Amerika durch die „trockene Flotte" blockiert. New-Aork, 14. Mar. (Tel.-Komp.) Der „trockenen Flotte" ist es gelungen, die Blockad -e der amerikanischen Küste gegen die Wkoholschmuggelsch-iffe effektiv zu gestalten. Seit einer Wochehat kein einziges Alkohols chm ugge lschiff die Blockade zu durchbrechen vermocht. 38 Fahrzeug der Zollbehörden haben etwa zwei Dutzend Schmuggelschiffe umzingelt, so daß, mit deren -baldiger Kaperung gerechnet «wird. Der Rest der Whiskyflotte hat die Flucht auf die hohe See ergriffen. , ' ' - Durch die effektive Blockade ist-die Situation der SchmuggelMffe schr kritisch geworden, da die MhiÄyflotte" zwar über Waffen, und Maschinengewehre, aber nicht über genügende Lebensmittel- und Wasserivorräte verfügt. Vo>n einzelnen SchmWgelschiffen' sind wiederholt Mannschaften in Booten zn den Fahrzeugen de-r Regiernngsflotte gerudert und haben den Antvag gestellt, man möge ihnen ein Faß Wasser gegen ein ebenso großes Faß Whisky austauschen. Jin den Kreisen der Soebehörden glaubt man daher, daß die Whi'Ähflot-te sich bald ergeb en wird. ' Sie erfolgreiche Malariabekiimpsung in PMftina. Der Genevaldireklov des iFnternaikionalon Gös-ulldheitZs depavtements Dr. F. F. Ruffel der Rockefeller- Stliftung, der im Februar dieses Jahves in Palästina die F-ortschrit-te in -der Bekämpfung der M-al-avi>a persönlich studierte, schreibt in einem an den Obmann des rnodizinischcn -Komitees des jüdischen Joint, Bevnard Flex-ner, gerichteton Brief über die Ergebnisse dicher seiner Studien. Einleitend weist Dv. Rüssel darauf hin, daß er das ganze chem-al-ige und heutige -MwlcrriagMet bereist und die Zentren zur Bokämpftmg dieser Krankheit ku Jerusalem^ Haifa und Acre besucht habe. Er führte dann werter aus: iJch bin zu dem Schluss« gekomnren, daß die Arbeit zur Bekämpfung der Malaria in Palästina in jeder Begiiehung volles Lob verdient. Sie wird mit den modernsten Mitteln und den geringsten Kosten geleitet. Dabei muß kn Betracht gezogen werden, daß es schwerer ist, die völlige Elimimevnng' der Malaria in einem,Lande wie Palästina zu erzielen, wo diese Krankheit schr ernst und fast allgemvin war, als zum Beispiel in unseren südlichen Staaten Amerikas, wo die Malaria nicht so vorherrschend und so schwerer Natur ist. Wird diese erfolgreiche Bekämpfungsarbeit in Palästina noch einige Jahve konsequent fovtgefü'hrt werden, so ist es auch vom wisseuschaftlichen Gesichtspunkte aus betrachtet als sicher anzunchmen, daß die Malaria kontrolliert und in allen Städten, «wo diese Arbeit durchgoführt wird,, möglich erweis« auch zum völligen Erlöschen gebracht werden wird Die Arbeitsmethode ist eine so gute und umsichtige, daß -ihr Wert sich van Jahr zu Jahr steigern wird, Wenn ich davon spreche, daß es noch einige -Jahve dauern kann, bis die Malaria aus Palästina verschwindet, iso >tne ich das im HiM-ick auf die Tatsache, daß gegenwärtig noch eine vechältnismäßig groß« Zahl von Bewohnern an chronischer Malaria leidet, zu derer Völliger Heilung eben m-chrere -Jalhre erforderlich sind. < Für mich waren diese Erfahrungen auch deHalb von großer Mchtigkeit, weil ich daran denke, daß die Tätigkeitsberichte über die Bekämpfung der Malaria in Palästina einen wichtigen Beitrag zur Literatur und. unserer Kenntnis über die Malaria im allgvmeinön bilden und daß diese Tätigkeit in Zukunft als ein Muster dafür dienen wird, wie die Malaria in Gebieten mit denselben Bedingungen, wie Palästma sie hat, am wirkungsvollsten bekämpft werden kann, , Auf meine Reise nach Palästina nahm ich ein Mitglied unseres Stabes in Roin, dessen Aufgabe das Studilrul dev Malaria in Jt-ckien ist, mit, damit dieser Arzt die Arbeit, in Palästma unmvttevbar studieren könne. . > Es wird Sie sicherlich a-ngonchm berühren, zu erfahren, daß die Malariakommiss-ion der Ge^un-dheils^ sektiou beim Völkerbund 'beschlossen hat, noch in desem Frühj-chr eine Inspektionsreise u-ach Siz-ilien. PaWtna» Syrien und vielleicht auch nach Spartien zu unternchmen, um die. M-cllariabskänrsvfnntzsar'beiten im Mittcklneeöbecken zu in<

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