Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2238 (14.5.1925)
- Date
- 1925-05-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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" u m ISLA Kr. W8_Wien, Domt-erstag_ Wiener Mnr:<*emelturi-. * NuSzeichnuna des Oberrabbinervon Rom. Aus Rom wird uns aemsldet: Oberräbiner Dr. Angel» Saeerdote, der gemerrvs-am mit idem italienischen Konsul in Jerusalem und dem Rabbiner Dante Latte8 in Vertretung der italienischen Regiemna an der Universitätserösffnung teWenommen hatte, wurde nach seiner Rückkehr aus Evqz Israel vom König zum Offizier des itailienischen 5dronenordens ernannt. E Das führende Hotel in Bad Ischl ist das bestrenommierte Grand Hotel Bauer. Staubfreie Lage im eigenen Waldpark. Vorzügliche Küche. Täglich Fünfuhrtee mit Tanz. Vorsaison —. Pension von 13 Schilling aufwärts. * Juden und Araber am Grabe des Rabbi Meir Baal haueß. Aus Jerusalem meldet I. T. A.: Mehr als 5000 Juden mtib etwa 2000 Araber versammelten sich an: 7 b., am Sterbetage des berühmten Rabbi Meir-Baal yaneß (Meir, der Wundertäter), an dessen Graibmal. In malerischer Prozession schritten die Pilger zum Grabmal. An der Prozession nahmen der Vizegouverneur des palästinensischen Norddistrikts, der inoslemitdsche Mufti, .zahlreiche arabische und süldische Notabeln sowie Touristen aus Europa und Amerika teil. Die jüdischen und arabischen Läden waren geschlossen. Am Abend wurden der Traditron gemäß in der Nähe -des Grabmals große Freüden- •teuer an-gezündet. Der große Tanuai Rabbi Msix Baal haueß lobte und wirkte im zweiten Jahrhundert. Sein Name ist in der garrzen jitldischen und auch in der arabischen Welt ungeheuer populär. Nach ihm find die Sammelbüchsen zur Unterstützung der palästinensischeik Anuen benannt. Sein Grabmail befmde't sich in Merom Lei Safed und ist ein Wallfahrtsort siir Juden und Araber. _ Vereine. Vorträge und Versammlungen. Wiener akademischerEsparautistenver- I e i n. Heute, 7 Uhr. im Hörsaal XVI der Wiener Universität,! vhilosovhischo Fakultät, KurSeröffnungSvortrag von Friedrich Wtlj Helm Alling über: ^Der Ursprung der Esperantoliteratur." —! Zionistische Frauenorganisation Prater.! SamSlaa. 8 Uhr abends, im Sektionsheim, 2. Bez., Jungstraße Nr. 8, VI. Kulturabend, bei dem Dr.'Josef Löwenherz; überr „Das jüdische Kulturzentrum in Palästina und dessen Ein-« fluß aus die nationale Entwicklung der Juden" sprechen wird. — ZionistischeFrauenorganisatioit. Heute. 4 Uhr nachmittags, Sitzung im Saale, l. Bez., Kärntnerstraße 28. — Zionistischen Bezirkssektion Favoriten. Heute Vortrag in den Nosensälen, 10. Bez., Favoritenstraße 89, über: „Probleme im Judentum." Referenten: Dr. N. M. G elb e r, Dr. Otto Abele 8 und D. N e b e n z a h l. — Z i onistischeBezirkssektionBrigtttenau. Heute um 8 Uhr abends im SektionSlokal (Ca56 Holpern), 20. Bez., Gaußplatz 11, dringende Präsidial- und Referentensttzung. Gäste willkommen. — Verband jüdischer Ingenieure und Techniker für denAufbauPalästinaS i n W i e n. Heute, 7 Uhr abends, 9. Bez., Türkenstraße 9, Vortrag von Ingenieur Hermann N o s e n z w e i g über: »Die Errichtung einer Glasindustrie in Palästin.a" Keren Kajemeth l'Jsrael (Jüdischer Nationalfonds). Heute «in halb 7 Uhr abends Sitzung der Landeskommission des Keren Kaj-emeth im Sitzungssaal-c, 1. Bez., Kävntnerstraße 23. Der neueste Palästinafilm sowie Bilder vom Gang au-nt Herzl-Gräb wird heute, 10 Uhr abends, im Maria-Dhevesten- Kino, 0. Bez., Mariahilferistraße 70, zun: Letzten Male vorgcführt. -Baglettvortrag: Gemeindevat Dr. Leopold Plaschkes. Wenige restliche Karten bei Bezivksvat M. Kohn, Mariahilferstraße 101, Tel. 2010, und an der Abonkasse. Die Wahrheit über Bulgarien. Durch Iden jüngst eusolgten makedonischen Mord im BurAhecrter ist die AufnrevksaimEeit der politischen- Kreise auf die Vorgänge in Bubga'rien -gelenkt worden. Im ZniMnmenihang mit dem Sofioter Prozeß gegen die Bombenattentäter wurden die Aktionen enthüllt, welche die in Bulgarien bestehenden revolutionären Elornente geigen das bestehende Regime nnd gegen die Staatsovdwuna zu unternehmen planten. Unser Mitarbeiter, Dr. Oskar Rosen seid, der soeben von einer Studienreise durch den Balkan zurückgokohrt ist, .rird Mittwoch den 2o. d., halb 8 Uhr abends, im m i t t l e r e n Kouzer tha u ss aa l unter dem Titel ,ß) i c Wahrheit übet Bulgarien" einen rem -informativen Vortrag halten, der emen Wori-schen Uoberblick über die gegen,wärtige Lage Bulgariens auch weltpolitisch geben wird. KarteMevkaus zu dieser interessanten Conference m der Tageskasse der Kvnzertdir-Mon Gut mann. Radroprograrrrni. Donnerstag den 14. Mai. 9 Uhr: Mavköbevicht. — 11 bis 1 Uhr: VormittagSmusik (Programm nach Ansagel. — 4 bis 6 Uhr: Nachmittagskonzert. Weber: Peter Schmoll, Ouvertüre; Lanner: Abendsterns, Walzer; Massenetr Phädra, Ouvertüre; Richter »sn. r Schwärmerei; Drdla r Ritornelle: Beethoven: Eroiea. 1. Satz; Brahms r Ungarische Tänze 5 und 6; Strauß: Glücklich ist, wer vergißt; Lehar: Die blaue Mazur; Formoso: Ti-Ta-To, Jnternrezzo. — '/,7 Uhr: Vortrag Dr. Lamberg (Rettungsgesellschaft) r Erste Hilfe. — 8 Uhr: Mignon, Oper von Ambroise Thomas (VolkSoper). Mm und Kunst. Da werden Primadonnen zu HtzSnen. Der Skandal in der Staatsoper. Wie veredelnd die Kunst wirkt, hat sich vorgestern auf der Bühne des Qperniiheatevs erwiesen. Ban, dem in Wagtier-Genüssetr schwelg-eudon Publikum unbe>merkt, hat sich ein wütender Primadonnentampf abgespielt. Während der Aufführungder ,/Walküre" spuckte Frau Wlaria O'lszewsika, die Darstellerin der Fvicka, auf die hinter den Kulissen stehende Frau Jeritza (SieglMde), olhne ihren Ginsatz zu verfehlen. Dafür verfehlte sie das Ziel nnd traf mit ihrem „Ausbruch der lochenden Gmpöruug", «wie sie nachträglich das Wurfgeschoß ,he,nannte, die nicht gemeinte Frau Kitte l. Frau OllSzewsika, die mimittolbar nach diesem feuchten Abenteuer thron kontraktlichen Urlaub antrat, hat der Presse durch ihren Advokaten eine GrAävung zu geschickt, in Molche r das -imrktvüichige Extompove ans das «provozierende Verhalten der Frau Jeritza zurückgeführt wird. Die Jeritza habe sich mit Frau Kittel und Frau Jovanowic irr den Soffitten häuslich niedergelassen und eine derart taute Unterhaltung geführt, >daß die Attentäterin höchst irritiert müd nervös gemacht wurde. Trotz dreimaliger Aufsordernlvg, durch laute Reden die Sängerin nicht zu stören, habe Frau Jeritza die Untevhailtung fortgesetzt. Frau OlszowÄa rief «ihr zu, sie könne nicht weitevsingen und müsse von der Szene abgohen, woraus die Jeritza geantwortet Mitteilungen anr^dem Publikum. Bureau: Ori|.,rut\ .. JVD tnü,iNUMiHiiiu/: Kultus* und Justiz-Talons und Barette erhalten Sie vorrätig oder nach Maas bei der bekannten Speslalfifftta RUDOLF GOLDSTEIN Grosses Lager feiner Stoffe fOr Messbestellungen TM. M ee, wiCfel, II. TABORSfRAUB S4 OwJ*gs 100.000 Menschen haben in der ersten Woche die Ausstellungen „doWÄ“ . „Der neue Haushalt“ im Messepalast Wien besichtigt. Vorträge und Kinovorführungen / Sportveranstaltungen Konzerte / Geöffnet an Wochentagen von 10 Unr, an Sonn- und Feiertagen von 9 Uhr bis abends. Eintrittspreis 8. 1.— s2i9 Permanenzkarte S. 12.— haben soll: ,-Gehen Sie halt ab!" Dann konnte Frau OlZzeiosika nicht mehr an sich halten — und. spuckte kräftig. Die Gegenseite stellt die Sache natürlich anders dar. Frau Jeritza habe sich oinwaMrei verhallten mW sich auch an donr Dialog, welcher mit Worten, wie: ,M i ll dschwein! Blöde Gans! Sie Dreck!" usw., gespickt war, nicht beteiligt, hingegen sei sie von einer Ohnmacht 'befallen toorden. Die Direktion der Staatsoper hat sofort „alle gebotenen Erhebungen" cingeleitet. , Die beiden Primadonnen werden demnächst zu gemeinsamen^ Gaiftspicl nach London verreisen. , Frau Olszewska entlassen. Abends Lvird amtlich mitgeteilt: Die Opernsängerin Frau Maria-Ollszewska hat durch ihr Verhallten lbei der Vorstellung «im der Staatsoper am 12. d. die Würde des Hauses und den A-nstand gegenüber den Mitgliedern und dom Publikum gröblich verletzt. Die Direktion Hat sich daher veranlaßt gesehen, Fraar Olszewska mitzuteilen, daß sie das Dienstverhältnis mit 13.-d. für ausge.llvst erklärt..* . ... .■ Cfinc Skandalaffäre in der Filmstadt. New-Dork, 13. -Mai. (Tel.-Komp.) Die Blätter berichtet: von einer ausi'ehemrregonden Skall-dalaffäre in der Filmstadt H >o l ll y w o o d bei Los Angeles. Die 24 Jahre alte FillnrschausPielerrn Justine -Vallse, eine Do-PPelgäugerin der'Filmdiva Pola Negr i, hat den Polizeibehörden geistandon, daß sie von einem Filmuntevnehnier engagiert worden sei, sich unter Abnützung ihrer . verblüffenden Aehnlichkeit mit Pola Negri in unzüchtigen Stellungen filmen zu lassen. Es bestand der Plan, mittels dieser skomipromittievondelt Filme eine gvoßmrgelegte Erpressung an Pola Negri vorzunehmen. Die Polizei verhaftete in Los Angole's vier Personen, die an diesem Erprefsungsimanöver mitgewirEt haben, sollen. „La Couturifere de Lunöville.44 (Gastspiel Madame Simone. — Ttadttheatcr.) Nur die ausgezeichnete Darstellung, die dieses Lnsts'piel durch die svanzösische Truppe erfuhr, machte die herzliche Anteilnahme des Wiener Publikums bei der gchrigen AnWhrung begreiflich. Dmn wir wollen doch nicht im Ernst ann-chinen, daß dielse Verwandlung eines Proviltzmädels in einen exotischen Kinostar nnd eine grande dame, daß dieses Lustspiell, das jeder Lust bar ist, -für die heutige fvanzöftsHe Bühne repräsentative Bede-uttmg hat. Die Frage drängt sich wirklich auf, warum bei einem Gastspiel, das unter dem Protektorat des Ministers für die Schönen Künste steht, wenn es auch zu Ende der Saisorr stattfindet, Stücke gewählt -werden, die nicht einmal den besseren Typus des „leichten Theaters" darstellen. Puiblikum und Schauspieler boten alle- Liebmstvürdigkeit aus, deren sie fähig waren, und fanden sich über dein Stück. Madame Simone und Marcel Berg ne als Träger der Hauptrollen wurden besonders herzlich begrüßt. g. k. Au« de« Aeaten». Bürgt b säte r. Morgen, Uhr abends, Doktor Guillotin". S t a a t s o v e r. Morgen, 7*8 Uhr abends. ,.D e r B nj a z z o" und das Ballett »Die Prinzessin von Tragant". Deutscher BvlkStbeater. Gegenwärtig wird mit Max P a l l e n b e r g als Argan M o l i ö r e S Komödie „Der eingebildete Kranke" einstudiert. Kleines Theater in der Anna gaffe. Mittwoch den 20. d. Uraufführung der Tragikomödie »Ja oder n e i»?" von Friedrich L i ch t n e k e r. Kammerspiele. Gisela W e r b e z t r k tritt nur. mehr bis Samstag den 16. d. in „F r a u Pick i n A u d i e n z" auf. Beginn y»8 Uhr abends. Ab Sonntag den 17. d.. geht „I a m a, die L a st e r g r u b e". das bis dahin als Nachtvorstellung gespielt wird, in Szene. Beginn V»8 Uhr abends. T h e a t e r a n d e r W i s n. Sonntag den 17. d. findet die BO. Aufführung von »Der O r l o w" statt. In der Rolle des Alex DoroschinSkt) wird ab Ätontag Karl B a ch m a n n mit Direktor Hubert Marischka alternieren. Seite 8 Fehltritt aus der Bühne. Aus Berlin wird gemeldet'. Bel der Premiere -der Oper „Der ferne Klang" -in der Swatsoper stürzte gestern der Dari-tonist Herbert Jansen Ivährcnd -der Schlußszene des zweiten Aktes so unglücklich die Treppe bi nab, daß er bewußtlos vom Platza getragen Werden mnßrc. Der Sänger hat einen heftigen Bluterguß am Be:>: erli-tten und wird mehrere Wochen an das Bc-tt gefesselt sein. Aktion und Reaktion. Infolge omcr Meldung des „Cor< rrera della Sera", daß ut Tirol jedes Auftreten' italienische r Künstler verboten worden sei und ein gleicher Bohkott in Deutschland propagiert werde, haben die Iaszisten und die Kriegsinvaliden von Bozen und Trient do>Nl^ Unterpräfeltmr von Bozen die sofortige Einstellung des G a st s p i e l c s de r W i e n er K ü n st ll e r i n B o z e n gefordert, das dort seit zwei Monaten mit großem Erfolge stattfindet, und dies als Protest gegen die steigende deutsche Propaganda für Südt-irol und alls Warn-una siir den dortigen Jrredenitism-us erklärt. Der Untcrprssekt hat dar o r d er ll n g st a t tg c ge b c n, so!daß das Gastspic: c-mgestellt wurde. _ Gerichtssaal. Sin Prozeß am de« verloreaea Welttrleg. „Der Weg zur Katastrophe." Einen interessanten Verlauf nahm gestern beim Strafte^ —rine vom Hofrat Dr. Höflmaher durchge- -c'Lü+fUiu o u l j u;, uuiu; gcgen den verantwortlichen Redakteur der Zeitschrift „Oesterrcichische Nachrichten", Dr. Robert Wolf, erhoben hatte. Gegenstand der in der Richtung der pflicht-gemäßen Obsorge erhobenen Klage bildeten zwei Artikel, die anfangs Jänner in der genannteit Zeitschrift -erschienen waren. In dem ersten Artikel unt-er der Ueb-erschrist „Ein christlichsozialer Abgeordneter als Lügner und Verleumder" wurde dem Dr. Barsch zunächst Gesinnungslumperei vorgtworfen, indem behauptet wurde, daß Dr. Barsch sich vor dem Nnrsturz in besonders a u sfallender Weise als k a i s c r t t e n betätigt habe, während er gleich nach dem Umsturz erklärt haben soll, daß er schon zur Zeit,^ als er während der Monarchie Offizier war, sich als Repllblikaner gefühlt und den republikanischen Geist in sich ausgenommen habe. Weiters wurde in dem Zlrtikel dom Dr. Barsch Vor-geworfen, daß er ein Lügner nnd Verleumder sei, weil er unter Berufung aus die von Conrad v. Hötzendorf publizierten Memoiren behauptet haben soll, daß die Offensive an der Piave nicht gescheitert tvärc, wenn nicht plötzlich der Kaiser und die Kaiserin den Befehl -gegeben hätten, nicht weiter vorzurücken. Weiters soll Dr. Barsch erklärt haben, daß der Krieg überhaupt nur verloren wurde, weil der Kaiser sich zu sehr von der Kaiserin, die ihrer Gesinnung nach Italienerin gewesen sein soll, habe be-einflussen lassen. Auch diese Behauptung wird als Lüge und Berleumduna bezeichnet. In einem zweiten Artikel unter der Ueber- Ö„Wer lügt, ist ein Lügner, wer verleumdet, ist ein Berber", wird dem Dr. Barsch ebenfalls unter Hinweis auf seine ange!blichen, in: ersten Artikel zitierten Behauptungen der Vorwurf der Lüge und Verleumdung gemacht. . Der angeklaate Redakteur, verteidigt voll Dr. Otto H i r s ch m a n n, hatte in der ersten Berharldsirng einen Wahrheitsbeweis sowohl für den Vorwurf der Gosinnun-gslmnperei als auch für -den Vorwur-f -der Lüge und Verleum-durrg angcboten. Der Kläger hatte dagegen behmchtet, daß er die Aeußerungen, wie sie in den inkrimsilierten Artikeln eilthaltcn waren, nicht gemacht habe, daß er sich insbesondere nicht auf die Memoiren des Hohendorf, sondern auf das von dem Sekretär Hohendorfs, dem Schriftsteller Nowak, herausgege-bene Werk unter -der Ue'berschrlst: „Der Weg zur Katastrophe" berufen -habe. Der Zeuge Georg Andrer, ein überzeugter Monarchist, gab an, daß der Kläger sich im Frieden als besonders kaisertreu betätigt habe. So habe, erklärte der Zeuge, wie er glaube, -Dr. Barsch anläßlich einer Fahnenweihe eines katholischen Burschenvereins in Langenzersdorf im 'Jahre 1912 die Festrede gchalten und dabei ein Hoch a u s b c u Kaiser auSgvbracht. — Richter: Ist Ihnen sonst noch was von einer besonders übermäßigen Kaisertrene des Klägers bekannt? — Ze-uge: Der Kläger selbst-hat mir einmal erzählt, daß er während-ves Krieges in der Offiziersm-ess-e mit dem Prinzen von Parma und änderen Aristokraten an einer Tafel gesessen sei nnd daß er sich in dieser netten Gesellschaft sehr wohl geMlt habe. — Richter: Wo ist da die Betätigung einer besonderen Kaisertreue? — Zeu ge: Er hat sich auch bet aller: möglichen Veraristaltungen sehr oevot über das Kais-erl>aus geäußert. — Richter: Wie es zur Zeit der Monarchie Pflicht eines jeden Staatsbürgers war. — Zeuge: Aber gleich nach dem Umstllrz hat sich der Kläger geäußert, daß er schon als Offizier die Stunde gesegnet habe, wo der Krieg zu Ende geihon wi-vd daß er schon als Offizier in des Kaisers Rock den vüpMikantschen Gefft in sich ausgenommen hat. — Richter: Hat Dr. Barsch sich geäußert, daß die Offensive an der Piavesvont deshalb gescheitert sei, tveil der Kaiser und die Kaiserin plötzlich den Befehl gegeben haben, nicht weiter vorznrücken? — Zeuge: Der Kläger hat sich wiederholt geäußert, daß an dem Zusammenbruch der Piavesront der Kaiser und die Kaiserin schuld seien, er hat sogar behauptet, daß er dies aus Schriften des Feldmavschalleutnants Hötzendorf genau weiß. Der Zeuge gab weiter an. daß Dr. Barscki nach dem Erscheinen des erste»: inkriminierten Artikels noch hinzugefügt habe: „Es geniert mich gar nicht, daß die Zeitung dies veröffentlicht, wenigstens weiß die Kaiserin Zita, wie ein christlichsozialer Ab» geordl^et-er jü'bcr sie denkt." eyen muRie nno m oer -ovroannunu uuu, u'qivbvcu in, .V»., rnd gewöhnliche Verbrecher im Lande bleiben dürfen. Er hübe avaus erwidert, daß Kaiser Karl nicht verbannt worde»: tvare, >enn er, wie es von ihm verlmvgt wurde, di-e Verzichtsr k l ä r u n g mif den Thron abgegeben hätte. Der Zeuge Ing. Otnrar Reisch gab an. daß Dr. Barsch t einer Sitzung der Frotttkämpferdereknigung vor etwa eininhalb Jahren eine Rede gehalten halbe, in welcher er dem Sinne nach die Schuld an der »nißglückte,: Offensive an -der ttavefront de«: Kaiser und der Kaiserin zuschriöb. Dr. Preßburger hob in seinem Plaidoy-er hervor, vaß )r. Barsch nichts anderes gesagt habe, als waß historisch urch Memoiren von autoritativer Seite bestätigt wurde. >aß Kaiserin Zita häufig die I n s p i r a t o r i n bei Enthlussen ihres Gatte,: war. sei a»»s verschiedenen Werke»:, aber ach aus den Erlebnissiu bekannt. Dr. Barsch habe nichts aneres gesagt, als dasjenige, was historisch wahr sei, v e r u ürgt urch Hötzendorf und durch seinen Pressechef. Der Berteidiger eantragte den Frcijprnä) seines Klienten. Dr. Barsch habe Übst auf eine seine Fragen zugegeben, daß er die Kaiserin sita als „italienische Bestie" bezeichnet habe, eine teußerllng. die gewiß als Verleul»:dn»:g ar:zusehe»: se». Der Richter verurteilte de»: Beschuldigten Wege»: B-ernach« . v ..HU.L."r-... e~.<.t- --iVvnv 5664