Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2238 (14.5.1925)
- Date
- 1925-05-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«kr rQUMMIMSNTEL Spielbälle, Gummischuh® und Gummiwaren aller Art zu Fabrikspreisen! Wien, II. Bez., Taborstrassc Nr. 11 b — Telephon Nr. 47-0-86 SPIRMANN HOROWITZ lung Deutschlands wehrlos fortschwemmen mühte. Der Ärrschluß, so verständlich er vom nationalen Gesichtspunkt aus ist, kann auf dem Weg der Revolution nicht erreicht weräwri, er ist nur evolutionär, cntwicklungsmäßig denlbar, und der Lärm, der mit diesem Gedanken vollführt wird, ist deshalb unsinnig. Er hat aber bereits uno sofort die Wirkung gehabt, daß die kleine Entente unruhig wurde und, wie das hier am 7. Altai geschrieben wurde, das Anschlußveöbot erneuerte. Wie wollen die Wiener Demagogen über diele Barriere hinive^ommon? Die von den Chauvinisten vorbereitete Anpöbelung Bcnesch' ist kein taugliches Mittel, Sie kann nur — den Deutschen in Böhmen schaden. Die Art, mit welcher dieses Problem der deutschen Nation behandelt wird, grenzt schon an Gewissenlosig' feit. Die Propaganda, die sich großdeutsch nennt, ist in Wirklichkeit sehr kleindeutsch. Sie verschweigt geflissent* lich die sachlichen Schwierigkeiten, die in der ganzen Konfiguration Mitteleuropas liegen. Es besteht doch nicht nur Oesterreich allein. Der Anschluß wäre zunächst die Einkesselung der Tschecho-Slowakei, dann aber ihre Sprengung. Er wäre eine ungeheuerliche Verstärkung des Druckes auf Jugoslawien und Rumänien, und eine stets lebendige Bedrohung der polnischen Grenze. Ein ganzes Konvolut der dornigsten Fragen steckt hinter diesem so einfach scheinenden Wort, und es ist mehr als Leichtsinn, wenn diese Konsequenzen nicht klar dargestellt, wenn sie absichtlich verschwiegen werden. Es gibt keine polittsche, nationale, wirtschaftliche Frage, die für sich allein steht. Me sind von außen beeinflußt und wirken nach außen. Es ist wohl richtig, daß der Friedensvertrag ein verpfuschtes Werk ist urw .daß er entsetzliche Verhältnisse geschaffen hat. Aber er ist ein Friedensvertrag und die Korrektur seiner Fehler, wenn man willfeiner Gefährlichkeit, kann nur im Einvernehmen aller Völker auf einem neuen Friedenskongreß erfolgen. Die Voraussetzungen kann kein nationalistisches Getue, kein Hakenkreuzlär.m herbeiführen. Sie sind nur auf dem Boden des Völkerbundes zu erzielen, dem alle Staaten und alle Völker, auch die Volksminoritäten, angehören müssen. Wenn Deutschland, so wie dies Frankreich verlangt hat, in den Völkerbund eintritt, so kann es in diesem Rahmen mit ungleich größerer Aussicht auf Erfolg an der Lösung seines Problems arbeiten, weil es dort gleichberechtigt und gleichwertig auftritt. Der Erfolg ist mit friedlichen Mitteln zu erreichen und er ist die Aussöhnung. Dek deutsche Rationalismus, der alle anderen Nationalismen mit Zündstoff versorgt, will nicht den Frieden und nicht die Aussöhnung, die ihn überflüssig und inhaltslos machen würden. Das ist der Urgrund des Lärms, der in Oesterreich begönnen wurde und zu Beschlüssen der kleinen Entente geführt hat, die beweisen, daß sich Oesterreich neue Feirwschaften zugezogen hat. Das war *orauszufehen und gerade deshalb ist es eittgetreten. Benesch' Diener Besuch. Prag, 18. Mai. (Del.-Komip.) In politischen Kreisen, werden lebhafte Zweifel geäußert, ob die Ergckbmfse der Bukarefter Konferenz uud ihre angeblich umfreunÄliche Kommentieruing in Oesterreich eine Reise Doktor Benesch' nach Wien opportun erscheinen lassen. Es sei schwer anzunohmen, daß Sonderbes-pvechungen über ein beiderseitiges Entgegenkoimmsn in Zollfragen: möglich seien, nachdem die Konferenz der kleinen Entente den künftigen Entscheidungen des Völkerbundrates über die Wetterführung der österreichischen Sanierung gewisser- -maßen vorgegviffen hat. Für die Dfchecho^Dlowakei, handle es sich vor allem darum, die österreichische Initiative zu einer Wirtschaftsexpertise des Völkerbundes zn verzögern, oder endgültig auMschleben. ' „Rarodni Lisch" sieht es 'bereits als feststehend an, daß Dr. Benasch Ln absehbarer Zeit nicht nach Wien kommen wird. Herbert Samuels Abschiedsbesuche in de« Kolonien. R Jerusalem, 11. Mai. Oberkmnmissär Herbert S a- ,;i u e l macht bereits Abschiedsbesuche in dein Kolonien. Dieser Tage weilte er in Galiläa. In Sichron Jakob traf er mit Baron Edmond Rothschild und Sokolow zusammen. Dir Samuel -nahm an der feierlichen Eröffnung des Waisenhauses für die jüdischen Pogromwaifen aus der .Ukraine in Astvleh teil. In seiner Rede sprach er die Hoffnung und den Wunsch ans, daß die unglücklichen Pagromwaisen in dieser Anstalt zu wahren, arbeitenden Bewohnern des Landes werden erzogen-werden. Nahum Sokolow sagte in seiner Ansprache unter anderem: ,Me jüdische Gemeinschaft in Erez Israel hat die Nachvicht van Ihrem Rücktritt nach vollendeter fünfjähriger Amtstätigkeit als Oberkommissär mit dem Gefühl tiefsten aufrichtigsten Bedauerns zur Kenntnis genommen. Wir geben jedoch nicht die Hoffnung auf, daß Sie bald zu uns zurü ckkeh ren und gemeinsam mit uns an der HerbeiifÜhvung einer glücklichen Zukunft dieses Landes Mitarbeiter tzierden". , SKHettty Moriienziettuna.^ 14. Mal 1925 v Nr. ASS Aus krez Israel. £5.660 ögypt. Pfund AprilMnnahmen des fttttti Kajenickth. Der April brachte für den Jüdischen Nationalfonds wieder Erhöhung der Einnahmen. Die Sammlungen ergaben in diesem Monat den Detragvon 86.660 ägypt. Pfund gegen» Wer 11.047 äMt. Pfund lm gleichen Monat des Vorjahres. Die Gcsamteing-ngr vom 1. Oktober 1984 biß 80. April 1988 ergeben den Betrag von 133.707 ägypt. Pfund gegenüber 76.997 ägWt. Pfund in der gleichen Periode des vorigen Jahres. Uevevfühvung der Fuhne des palftstlnenff» fchen Batnillons nach Palästina. London, 12. Mai. Die Militärbehörde hat ihre Zustimmung dazu gegeben, daß die Fahne des 49. (palästinensischen) Bataillonnach Jerusalem überführt wird, m sie in einem öffentlichen Gebäude oder an getoeihter Stelle aufbowahrt werden soll. Der König hat das Dekret ,bereits unterzeichnet, und es ist vorgesehen, daß die Fahne zu Chanukkah in Jerusalem ein treffen soll. Befreiung einheimischer Baumwolle vom Zehnten. Zwecks Förderung der Bamnwollkultur hat die palästi» -nenisische Regierung laut einer soeben erlassenen Verfügung alle in Palästina geerntete Baumwolle für die Dauer von zwei Jahren von jeder Besteuerung befreit. Das gilt auch für die Baumwolle,- die berösts vor dieser Bekanntmachung angepflanzt wurde. Es handelt sich um den Zehnten, der von . allen landwirtschaftlichen Produkten zu entrichten ist. Bis vor kurzem betrug er 12,5 Prozent und wurde erst jüngst auf Grund der guten Ergebnisse des abgelaufenen Finanzjahres auf einen Satz von 10 Prozent ermäßigt. Anleihe des Keren Hajessod für eine Schule in Haifa. Die zionistische. Paläst-inaexekuttzve hat eine Anleihe von 1090 Pfund Sterling aus Mitteln des Keren Hajessod für die Errichtung eines Gelbäudes für die hebräische Elementarschule (Beth Sefer Ainami) in Haifa beschlossen. Amerikanische Juden in Haifa unter Führung von Frau Isaak Harris aus Boston, die großes Interesse an der Schule nehmen, haben sich bereit erklärt, weitere 3000 Pfund Sterling für das Gebäude aufzubringen und haben bereits 1000. Pfund Sterling auf diese Verpflichtung cingezahlt. Die Araber in Hebron für den jüdischen Arzt. Die Hadassäh in Jerusalem erhielt soeben eine dringende Eingabe der Araber in Hebron, worin ersucht wird, den Arzt der Hadassah, der von Hebron versetzt ivevden sollte, dort zu belassen. Tie Petition ist von 88 arabischen Einwohnern unterzeichnet, darunter - Schelks, Lehrer, Kaufleutc, Richter und angesehene Bürger. Die Petition lautet wie folgt: „Wir haben gehört, daß beabsichtigt ist, den' Arzt der jüdischen Gemeinde in Hebron, Dr. B r u ch i n, nach Jerusalem zu versetzen. Er hat sich >&ei allen Einwohnern der Stadt und ihrer Umgebung durch seine Fähigkeiten, seine Freundlichkeit und Sprachkenntnisse sehr beliebt gemacht, so daß er von 'den zählreichen Patienten, die von ihm geheilt wurden, sehr verehrt wird. Wir ersuchen daher im Namen der Menschlichkeit, Herrn Dr. Bruchin zu erlauben, auf seinem Posten zu verbleiben." Schocken in Erez Israel. Der Governor des bereit Kajemeth l'Jsrael, Mitglied des Finanz- und Wirtschaftsrates der Zionistischen Exekutive, Herr S. Sch o ck e n jun. aus Zwickau, weilt seit Mitte März in Erez Israel. Er hat eine Reihe von Untersuchungen wirtschaftpolitischer Art vorgenommen, deren Ergebnis 'den in Frage kommenden Stellen noch vor dem Kongreß vorgelegt werden soll. Die Ernte. Das landwirtschaftliche Departement der Palästinaexekntive unternimmt energische Schritte, um die Ernte 'der zionistischen Siedlungen im Emek und im Jovdantal zu retten, die durch den Mangel an Regen außerordentlich bedroht ist. Es ist die Anlage einer teiliveisen Bewässerung der Felder vorgesehen, durch die es den Siedlern möglich gemacht werden soll, trotz des Wassermangels Gemüse für eigenen Bedarf und für den Verkauf auf 'dem Markte zu ziehen und diese so für -dem. Ausfall an anderen Produkten schadlos zu halten. Auch wird erwogen, auf dem Nationalfondsboden in N-uris -mit seinen verschiedenen aus den Mitteln des Keren Hajessod errichteten Siedlungen eine großzügige Bewässerungsanlage durchzuführen nnd aus dies« Weise die landwirtschaftliche Produktion so weit wie möglich von 'den Schwankungen des R?« genfalles -unabhängig zu machen. Ae Bedeutung Palästinas für das Judentum. Eine Rede Golovejtschlks. Berlin, 12. Mai. In der am 19. d. in Berlin abgeha-ltenen Reichskonferenz des Verbandes vMdischer Organisationen in Deutschland hielt der frühere Minister für jüdische Angekgenihelteri Litauens, Dr. Max Solov e j t s ch i k, einen Bortrag über die gegenwärtige Lage der Judep in der Welt. Er führte ungefähr aus: Zwei , Mo-mente beherrschen jetzt die jüdische Wirklichkeit: die Weltreaktion und der wirtschaftliche Niedergang Europas. Diese Hattert zur Folge, daß die natiotw'lpMische Position der Inden in -den Ostländern erschüttert und sie aus ihren wirtschastücherl Ppfitkänert hinmlsgedrängt worden sind. Alle Länder mit A u g* nähme Palästinas sind der jüdischen Anwallderung WWM. Air Wh«. MW«« M WWW« Schuhe1 mit eingebautem „••fiOfi‘l-Gumml.Absatz fache des jüdischen LebenS, auch die bcdentüng'Mvllste Datsache des Mischen ideologischen und geistigen Seins. Die Tatsache des PalästiinaMsbaucs trifft den We ltau t is c nt i t i s nt u s ins Herz. Eine der wichtigsten Mufgäbert ist die Erziehung der kommende,n, Generation zu, produktiven Berufen; awfhören muß die IMerproduÄion äst IMllektüellstt Ekemmtsn. Wenn auch die - gegenwärtige Lage trostlos ist, so ist sie doch «nur trostlos für die einzetmn Teile des Volles; die Gesanrcheit befindet sich >dm -Ausstieg. Mit dem Aufbau Palästinas schließt die Golusgefchichte ab. Dort ist die Ruhe, dort wird das jüdische Problem und da- Problem dev Beziehung der; 'Inden, zur Menschheit gelöst. Anhaltender Beifall.) Aerrhenrrrgen deS Obevrrrbbiners von Frankreich. Paris, 12. Mai. (I. T. A.) Der vor -kurziem au- Pa>lä,stina zurückgekehrte Oberrabbiner von Frankreich, Dr. Israel Levi, äußerte sich in ernom ^interview mit dent I. T. A.-Bertreter in sehr o p t nm i st i s ch e r Weise -über die Lage in Palästina. Palästina, sagte der Oberra-bbi-ner, wird ja unmöAich die 17 Millionen Iudender ganzen -Welt anfnehmen können, aber es bildet sich dort ein jüdisches Zentrn m, es wachst dort eine neue starke Generation von Arbeitern und Bauern heran. Daß Hebräisch in Palästina eine llebendige Sprache ist, machte auf den Oberrabbiner einen tiefen Ei-ndvuck. Er freute-sich, daß auch in den Schulen dev Allranee Jftaeil-rte Hebräisch gelehrtwird. Er sei voll Hof.fnu>ng mit Bezstvg ausdie Zukimst Palästinas als nationales jüdisches Zentrum. Baron Sdmoad de Rothschild in PaWina eingettoffen. Jerusalem, 12. Mai. <J. T. A.) Baron Edmond dr> Rothschild, der Begründer und Förderer 'des -Mischen -iandwirtschastlichen Siedlnngswesrns in Palästina, ist änt 8. d. -an Bord -seiner Jacht in Geivn-t eingstvaffen, von >wo er -sich nach Palästina znm Besuche dev jüdischen Koloniest, begab. - - Dem Besuch des achlz-igjähvigen Philantihvopen -in Palästina wird inSbefondeve seitens der alten. Kolonisten .mit großer Fr ende entgegengsschm. Unter diesen Kolonisten l'in-d -mehrere, die sich noch 'des ersten Besuches des B-a-r-ons im Jahre 1883 ln Palästm-a entsinnen. Baron Edmond de Rothschild kam damals zu den Kolonisten mit offenen Händen, gab -lhmn L-and, Häuser und BetÄsbsMvtteil gu -leichten Gedingun-gon und begründete die Weinindustrie, -die schr bald zu dem EmpoEi'hen der Kolonien Rischon-'le-Zi-on, Rechöboth, Sichron Jaak-ob und anderer geführt hat. Damit isein Werk in Palästina auch nach feinem Ableben fortgesetzt werde, begründete Baron Cdmond de Rothschild vor mchr als cinonl. Jahre die Palestine Jewrsh Coloniis-ation Associati-on <Pic.i), deren Präsident sein Söhn, Baron James de Rothschild,'ist. Lord Mlner gestorben. London, 13. Mai. (Tel.-Komp.) Lord Miln er, der frühere Bi^ekönig von Indien, ist g e st o r b e n. Lord M i l n e r istderSchlafkrankheiterlegen. Ermordung eine» ßhaluz in Mchinew. Kischinew, 12. Mai. (I. T. A.) Der mil-itärische Befchls- Haber in Kischinew verbot -jede Art Maifeier und ordnete strenge Na-chfovichungen nach Kommunisten, .die angeblich rc^ volut-ionäre Pro-klamationen vechrei-teten, an. In der Rächt des 1. Mai patr-ouillierrci! Abteilungen der Politischen Polizei ist -den Gassen von Kiischiiww »md -durchsuchteir' die Passanten. Eine Patroui-lle -begegnete denr jungen Zionisten Bendik R e i ch i n, der dieser Tage nach Palästina -abveisen sollte, wo -f-ür ihn ein Onk-el ans Älm-er-ika ein Gru'ndstück von 12ö Drrmim in Balsouria arrgekau-ft hatte. Der junge Bvndik wurde zum Dt che »bleiben ausges-ordert; bevor er äbev noch Zeit fand, denc Befehle nachzukommon, wurde aus ihn geschossen. Er erläg wenige Minute») später seinen Berletzun-gen. In der Tasche des Erschossene»», der zeitlebens jeder kommunistischen Politik fernstand, wu-vden nun plötzlich nach seinem Tode komnm-nistische Proklamati-one»» gefunden. Die zi-oNistische Orga»tisation forderte die Behörde auf, eiste strenge Unterf u ch i» n g vinzuleiten u)ib verbürgte sich für die Loyalivtat des Erulordetru. Diesem Erstcche»» wurde nicht Folge gsleiste:. Tausende beßar-abische Juden nahmen an der Bestattung ' des Opfers polizeilicher Willkür iinib Provokation idl Der Deputierte Rabbi Zirelsoh-n hielt «inen ergreistude»». Nachruf. Die Angelege»cheit wird -noch das Par-l'amen't be-, Sie Pogrom-gnternationale. Verttn, 13. Mai. (Tvl.-Komp.) Nach einem WLüttchmn Tblegramul des «Berliner Tageblatts" steht die Gründung einer völkischen Internationale unmittelbar bevor. Etire zwischenstaatliche Konferenz der Nationalfozialisten. an der auch H i t.l e r sowie z w e i ü st e r r e i ch is ch e und zwei t s ch e ch o-slowakische Vertreter teil* nahniru, hat die Schaffung einer zwischenstaatlichen Reu* o r g a n i s a ti o n aller Nationalsozialisie«