Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2237 (13.5.1925)
- Date
- 1925-05-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- SMi f -' Men. T-" £~-:— ..... /Männern hat dagegen die Sterblichksir nicht äbgenEnen» in '^tamnchen AlterAlassen ist sie sogar ein wenig gestiegen. In London hat die Krebssterblichkeit der Freuen abgenomtat e n» Me ber Männer zeigt nnr geringe Schwankungen gegen» Wer der früheren Zeit, Ae Abstnduugsgelder an die Habsburger. Prag, 12. Mai. (Tsch. P.-B.) Die RachfÄgestaatvn fvuvdcn «durch die Fviedensverträge verpflicht^ für die Staatsgüter und die Besitze von Angehörigem des ehemaligen Herrscherhauses Abfindungssummen zu zahlen. Die Berhandlungen zwischen den tschecho - slowakischen SchätzungSkommisiären, die vor zwei Jahren begannen, haben, wie die „Tribuna" meldet, zu einem Kompromiß geführt. Die tsch echo-slowakisch e RepuL'I ik hat sich «bereit «Wärt, eine Summe von 144 Millionen Goldkronen zu Kahlen, wobei sie mit einem UmvechniungsFurs van sechs rechnet der aber noch .nicht fcststehL Auch amt den -urryariLcherr Expertem kam cs zu einer Vereinbarung bezüglich der Güter in der Slowakei und ht KavpathoruHland. Man einigte sich ans eine Summe von 38 Millionen Goldkronen. Bei einem Umrechnungskurs van -sechs würde die Tschecho-Slawakei 1092 MAvonen Kranen zu zahlen haben, In zwei Monaten soll die Botschaiftevkonserenz die endgültige Envschoidung treffen, '! Konferenz der Rottrrnze, Im Festsaale der Burg wurde Montag abends ein Empfang abgehalten, dem auch der Bundespräsident Doktor Harnisch beiwohnte. Der Präsident des Oesterreichischen Roten Kreuzes, Dr. Wladimir Beck, begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, unter denen sich die ausländischen Teilnehmer der Konferenz, Vertreter der Regierung, der Ministerien und Behörden befanden. In der ersten Kommission wurde über „Organisation und Propaganda" diskutiert. Der deutsche Delegierte, Regierungsrat Grünneisen, erklärte, die Propaganda sei die wichtigste Pflicht des Rotkreuzes, damit in allen Staaten die Masse für die Idee gewonnen werde, ohne die an eine Verwirklichung des Friedensprogrammes nicht' zu denken sei. In der zweiten Kommission wurde vor allem das berühmte Projekt Ciraolo diskutiert, das eine Art Versicherung der Staaten gegen Massenkatastrophen darstellt. Ein eingehendes Referat über diese Notstandshilfe erstattete Herr v. N o u g e t von der Liga der Rotkrcuzgesellschaften. (In der „Wiener Morgenzeitung" vom 7. d. hat Senator Dr. Ringel in einem längeren Artikel den Vorschlag Ciraolos besprochen und dessen Plan ergänzt. Div Red.) In der dritten Kommission wurde über hygienische Fragen, namentlich der Zentralisierung der freiwilligen Sanitäten mit dem Rotkreuz und durch das Rotkreuz beraten. In der vierten Kommission wurden in Anwesenheit zahlreicher Pflegerinnen der meisten europäischen Staaten übersichtliche Referate über den Stand des Pflegerinnenwesens gehalten. ' . ■,«, -fi: i in jedes jfid. Hans, in jede jlld. Familie gehört das grosse jüdische Monumentalwerk s s. M. DUBNOW \\ /ELTGESCHICHTE des W JÜDISCHEN VOLKES In zehn ÖÄnden // Autorisierte Uebersefcrang aas dem Rassischen unter Mitwirkung des Verfassers Der grosse Gelehrte S. M. Dubnow hat nach neuen wissenschaftlichen Gesichtspunkten und Methoden eine allgemeine Geschichte des jüdischen Volkes von seinen Anfängen bis auf die letzte Zeit entworfen, die sich würdig allen grossen Natlonalgeschichten an die Seite reihen lässt. Das Werk ist berufen, in dieser für das jüdische Volk schicksalsschweren Zeit, jedem Juden das grosse Bild der Vergangenheit zu offenbaren und neue Wege in die Zukunft zu weisen. Die Geschichte von Dubnow behandelt mehr die soziologischen Verhältnisse und ergänzt so in vortrefflicher Weise das grosse Werk von Grätz, das mehr geistiges Schaffen und heldenmütiges Märtyrertum berücksichtigt Das Werk ist auf zehn Bände, die bis Ende des Jahres 1926 vollständig vorliegen weiden, angelegt Soeben ist der erste Band» vornehm ausgestattet, erschienen und zum billigeren Subskriptionspreis• von Ganzleinen (Gm, 72) S20 fl Halbleder (Gm, 15) S2S zu beziehen Der Bezug des ersten Bandes verpflichtet zur Abnahme des ganzen Werkes, dessen Preis mit ungefähr (Gm. 120) 8 200, bezw. (Gm. ISO) 8 290 angenommen werden kann BoMlBO!R.löwit(Vl! Wl«n, I. Flnlachmarkt Nr« 1 Diener Msr-enzeitung. IS. Md! 1925 Nr. SM Das Mrberpaar Lederer. (Sultan Lever« vor dem MMkgerlcht. — Ae Frau als Seugln Aus Bndapest wird uns berichtet: Gestern -begann der «Prozeß gegen den Oberleutnant Gustav Lederer, der vor drei Monaten den Selchermeisber Kodelka mit Hilfe feiner Frau ermordet und ausgeraubt und die zerstückelte Leiche dann in die Donau geworfen hat. Kodelka war mit Wissen ihres Mannes der Geliebte der Frau Leiderer, die eine recht stürmische Vergangenheit besaß und die sich i>m Einverständnis nnt ihrem Manne die Zärtlichkeiten des Kodolka ausgiebig bezahlen ließ. Der Mord echalgte nach einer LiebeSszcne, nach 'der der Liebhaber in der Wohnung Lederers cingeiichlnmmer.t war. Nachdem die Mordtat entdeckt wurde, kam es zum Vorschein, daß Lederer eine der Stützen des weißen Regimes und Mitglied der berüchtigten Pronay- Datachements war und tot den ersten «Monaten der Konterrevolution unter unglaublichen Grausamierton in TranSdarmbien viele Leute hin richten ließ. In der Voruntersuchung versuch ten Mann und Frau, sich gegenseitig auf Kasten des anderen zu entlasten. Jur Besitze des Ermordeten besandeu sich 70 M i l l i o n e n. Diese sowie den Schmuck des Toten hatte Lederer an sich gonommm. Der Prozeß findet vor dem Militärgerichte statt. Er dürste -fünf Tage dauern. Doositzender ist Oberst Apathy. Gestern begann das verhör mit Lederer. Auf die Frage, ob er sich schuldig suhle, sagt Lederer: -Ich suhle mich schuldig, aber nicht an dem Raubmord. Im weiteren Verlauf der Verhandlung sucht Lederer den Anschein zu erwecken, daß er sich an keinerlei Einzelheiten erinnere, daß er die Tat in einem Unterbcwußt» ffein, aus Eifersucht begangen «ha'be. Auf die weiteren Fragen des VechandlungSlerterS sagte Lederer, daß er sich an nichts erinnere. Er wolle keine Unwahrheit sagen, ihm sei alles gleichgültig, ex sei -daraus vorbereitet, daß man ihn morgen auishänge. — Vors.: .Hat Ihre Frau versucht, Sie zu irgend ettvas zu verleiten? Lederer starrte nach dieser Frage in die Lust, er weiß keine Antwort. Dann sagte er: Ich habe ihn erschossen. —. Vors.: Haben Sie die Zerstückelung der Leiche vovge- Wagen oder haben Sie der Frau geholfen? — Lederer: Ich erinnere mich nicht daran. Auf die Frage des BechandlwngsilciterS, was mit dem Gelbe Kodelkas geschehen sei, sogt Lederer, seine Frau habe ihm erzählt, daß Kodelika ihr eineir Heiratsantrag gemacht und ihr 70 Millionen zur Verwahrung übergeben habe. Lederer erzählt sodann die Vorgänge am Weihnachtsabend. Seine Frau wollte Kodelka vergiften und gab eine große Quantität Opium in seinen Likör. Nachdem Kodelka den LAör auSgetrnnkvn hatte,, klagte er über Kopsschmerzeil und zog sich mit Frau Lederer in dos Schlafzimmer zurück. Nach burzer Zeit tont, bic Frau wieder in das Zimmer und sagte ihrem Mann: Kodelka ist auf ewig eirrgeschlafeii/ Nach der Pause wird Frau Lederer hereingeführt. Oberst Apathy macht sie aufmerksam, daß sie nicht verpflichtet sei, gegen ihren Mann auszusagen. — Frau Lederer. Ich will die Wahrheit sagen. Frau Lederer macht ihre Angaben in deutscher Sprache. Bei der Angabe ihres Nationales sogt sie, sie hätte ihren Mann als Äassierita in Pretzburg kennen gelernt, aber sei viel anständiger gewesen, als sie geschildert wurde. Vors.: In Ihrem Geburtszeugnis steht, daß Ihr Vater Oberingenieur war. Ist das richtig? — Frau Lederer: Ich habe das Zeugnis gefälscht. Mein Vater war das u n e h e l i d) c Kind eines englischen Lords. Sie erzählt dann die Geschichte der Bekanntschaft mit Kodelka. Ihr Mann war im Jahre 1921 VerpflegSoffizier im Pronay-Detachement und hatte damals Fleischverrechnungen mit dem Selchermeister Kodelka. Er ist öfter in die Wohnung gekommen, als ihr Gatte in der Provinz weilte und benahm sich ungebührlich, was dann ihr Gatte bemerkt habe. Cr konnte jedoch Kodelka gegenüber nicht energisch auftreten. Kodelka hat dann später verschiedene Selchwaren zum Geschenk gebracht. Schließlich kam er täglich. Einmal hat er Geld vorgezeigt und gesagt, daß das alles ihr gehöre. — Bors.: Wie war die Opiumgeschichte zu Weihnachten? Frau Lederer: Was mein Mann sagt, ist vollkommen um wahr. Seit fünfzehn Jahren liebe ich diesen Mann wie w a h nsinnüg, wie kann er mich so verdächtigen! Er weiß nicht, was er tut. — Vors.: Ihr Mann behauptet, daß Sie Opium in den Likör getan rmd dadurch Kodelka eingeschläfert hätten. Die Zeugin stellt das entschieden in Abrede. — Vors.: Kodelka ist damals in der Frühe weggegangen. — Zeugin: Nein, es war 2 Uhr. — Vors.: Woher hat er also diese Wunde aus seinem linken Arm gehabt? — Zeugin: Er ist damals abends betrunken zn uns gekommen und an irgend etwas angestoßen. — Vors.: Ihr Mann bekennt, daß er dann die Schlagader Kodelkas mit einem Rasiermesser verletzt hat. — Fran Lederer stellt das in Abrede und erzählt, am Abend des 7. Jänner habe Kodelka bei ihnen genachtmahlt und die Ansicht geärlßert, bei ihnen zu übernachten. Sie habe ihren Mann gebeten, er solle dies nicht zulaffen. Sodann sei sie in die Küche gegangen, um ein Fußbad für ihren Mann herzurichten. Da habe sie einen dumpfenKnall gehört und im nächsten Augenblick sei ihr Mann in die Kürw» gekommen und habe ihr gesagt: „Ich habe ihn erschösse«.* Er habe ihr dann den Befehl gegeben, die Blutspuren wegzuwaschen, was ich auch getan habe. Sie leugnet, ihrem Manne bei der Zerstückelung der Leiche behilflich gewesen zu sein. Der Mord im »mgtheater. Einvernahme der Frau Parrizza. Das Befinden der Gattin «des ermordeten Tcdor Pa Nizza, Frau Ekaterina Pa Nizza, die lobensgofährlich verwundet aus der Unfallstation damcderbiegt, hat -sich wieder geibessert, so daß «begründete Aussicht a n.s ihre G-enesn n g besteht. Gestern wurde die Iran im Spital abermals von Polizeirat Dr. Curelich einvernommon. Sie sollte über den Verlauf des Theaterabends bis zum Attentat berichten, Frau Panizza kann schon häbbwogs, wenn auch Mit Mache, sprechen. Sie erzählte, daß Mencia Carniciu sie -und den Gatten zum Besuch der „Peer Gynt"-Aulf>sÄhrmvg eingeladen hat. Nach anfänglicher Weigerung hatte sich «das Ehepaar zn-m Besuch des Theaters entschlossen. Sie waren mit bem Ehepaar Bumbarow und B o g a t i n o w zu sechst in der Lage. Da die Lage sich als zu Kein erwies, sollte ein Teil der Gesellschaft in der gogen>übcrlivgeriden Loge Platz nehmen. Meneia Earnicm weigerte sich, in die andere Loge zu gehen unb wies daraus hin, daß sie sich allein -in der Lage fürchten würde. Daraufhin begab sich zuerst Fran Bumbarow und dann Bumbarow salbst in die Lage. Bis zumvierten Akt folgten die Insassen der Loge den Vorgängen omf der Bühne. Plötzlich hörte Frau Panizza Schüsse fallen. Sie wendete sich nach ihrem Gaten um und sah, wie e r v o v nüber sank. Indem sie sich umwendete, ohne der Mencia überhaupt in den Arm zu fallen, schoß die Carm'ein auch aus sie. Ausdrücklich stellt eS Frau Pau'izza m Abrede, daß sie der Mörderin hätte in den Arm fallen können; sie sah aber, wie das Mädchen auch auf Bogatinow schoß. Sie war begreistichevwsise ganz entsetzt und sah noch, wie die Carniriu aus der Loge flüchtete und Bogatinow ihr folgte. Frau PaniM fügte hinzu, sie hätte niemals auch nur geahnt, daß die Carniriu etwas Böses gegen ihren Mann im Schilde führte. MS die Carmen: gleich nach den Schüssen blitzschnell aus der Loge eilte und die Türe hinter sich schloß, bemerkte die Frau, daß sich Bagatirww erhöh, um -ihr nachzuoilen, daß er aber gleich zurücksant, offenbar, wie es ihr schien, von eurer Ohnmacht befallen. -Frau Panizza hob das nach vorne gesunkene Haupt ihres zu Tode getroffenen Gatten, um ein Lebenszeichen wahrzunehmen, Allein das Haupt sank kraftlos auf die LogenbrÜstung. _ Vas graubraune «eblrgsvleh. Bella, die Kuh des BundrSprüsidenten. Nach einer Aufstellung des Kontrollorganes des Zucht« tzeMndw. für das graubraune .GMgWch« G r a z, hat die Kuh „Bella" aus dem Besitze des Bundespräsidenten Doktor Hainrsch in Jauern bei Spital am Semmering, in der Zeit vom 7. Mai 1924 bis 6. Mai d. I., also innerhalb eines Jahres, 10.165 Liter Milch mit' einem Fettgehalt von 3,8 Prozent gegeben, was eijner täglichen Durchschnittsleistung von 27,75 Litern entspricht. Dieser Erfolg ist umso größer, als die Kuh während der halben Zeit des Jahres auf der Weide bei ganz geringem Zuschuß von Kraftfutter gehalten wurde, und koulmt den Rekordlei st ungen der hervorragendsten Kühe Europas ungefähr gleich. Kappe und »and. Obergermanen und Rudolfiner. Das Cafe Eiles in der Josefstädterstraße war am Sarnstag der Schauplatz einer Sludentenasfäre. Nach der Rheinlandsseier betraten acht Mitglieder der katholischen deutschen Studentenverbindung „Rudolf!na" das Lokal, wurden aber von einigen Mitgliedern der Burschenschaft „Obergermania" aufgesordert, Mütze und Band abzulegeu oder das Kaffeehaus zu verlassen, da es ihr, der Obergermanen, Stammlokal sowie jenes der Burschenschaft ,.S i l e s i a" sei. Die „Rudolfinen" ertoibevteu hierauf, daß sie die Abzeichen nicht ablegen, das Lokal ohnehin bald Erlassen werden. Als nun einige Mitglieder der „Rlldolfina" schon bei der Tür waren, tvurde es plötzlich im Kaffeehaus s S n st e r, und diesen Umstand benützten die Obergermanen, die „Rudolfinen" aus dem Kasfeehause hinauszndrängen. ^Werden und »ergehe«. Lebe» und Tod/ Ein Vortrag Hermann Kayserlings. Unter dem Titel „Werden und Vergehen, Leben und Tod^ hi-ost .vorgestern -der berühmte deutsche Schriftsteller und Philosoph Graf Hermann Kays erlin g, der Begründer der „Schule der Weisheit" in Darmstadt, einen zweistündigen, nicht immer ganz leicht faßlichen Vortrag. Um das Leben W0 den Tod richtig zu verstehen, so führte der Redner aus. D es zweckmäßig, ein Bild zum Vergleiche heranzuziehen. Kein anderer Begriff ist hiefür so geeignet, wie die Musik. Wie daS Leben, so besteht auch der Ton aus fortwährendem Werden und Vergehen. Wie kein Leben dem anderen gleicht, so ist auch kein Ton mit dem anderen identisch. Nur has unmittelbare Erleben macht Ton uud Leben verständlich. Die geschriebene Partitln', also nichtgehöt'te Töne, ist einem nicht erlebten Leben zu vergleiche«. So wie bei der Musik Form und Inhalt ein nottvendiges Ganzes bilden, so bildeir auch Sinn und Ausdruck des Lebens, eine Einheijt. Und noch, ein TertiM kML«ge 9156