Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2236 (12.5.1925)
- Date
- 1925-05-12
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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« Nr. Wien, DienSttW Wiener MornenheUung. Beschrönkungen und Krleichterungen des Bavdenmgswesens. Nerwetfm« von N.m reutschen «nv 25.000 9oIen. - Ser Sude der LrSueukasel Sllir Irland. - SiurelsemllgUchkett für rechniter nach Nutzland. Vom Wanderungsdienst des Bundeskanzleramtes werden der Politischen Korrespondenz unter anderem nachstehende Mitteilungen über den ausländischen A r b e i t s m a r k t, die Aust enthaltsbe st immun gen und die A u sw andern ngS« bewegung zur Verfügung gestellt: . Auf Grund eines im August der Vorjahres abgeschlossenen deutsch-polnischen Abkommens werden die beiderseitigen Optanten aufgefovdert, das ihnen nunmehr fremde Staatsgebiet zu verlassen. Er handelt sich um eine Wanderbewegung, bei der rund 30.00V Deutsche aus Polen und zirka 36.000 Polen aus Deutschland zur Ausweisung gelangen. Der Bevölkerungszuwachs in Polen wird — ähnlich »vre in Italien — mit jährlich 460.000 Personen berechnet. Für mindestens 100.000 Landarbeiter, die trotz der Agrarreform keine Verwendung im Inland finden können, sucht Polen im Ausland ein Arbeitsfeld. Im Jahre 1924 sind rund 69.000 Arbeiter, hievon 29.000 Landarbeiter, nach Frankreich gegangen. Im Jahre 1925 fürste die Zahl der nach Frankreich Auswandernden die Höhe von 30.000 erreichen. Diese Zahlen geigen, wie groß trotzdem der Ueberflutz an Arbeitern bleibt. Zwischen der Tschecho-Slowakei und Frankreich wurde ein Vertrag auf Beistellung von 5500 slowakischen Landarbeitern, zwischen der Tschccho-Slowakei und Deutschland ein solcher ohne Begrenzung hinsichtlich der Anzahl, jedoch mit der Klausel abgeschlossen, daß eine Beistellung von Saisonarbeitern erst dann erfolgen kann, wenn der Bedarf Oesterreichs und Frankreichs gedeckt ist. Eingelaufenen Nachrichten zufolge sollen Oesterreicher, die auf Besuch in die Vereinigten Staaten fahren, ein Visum von höchstens sechs Monaten erhalten. Wie sehr man bestrebt ist, den von manchen versuchten, aber verbotenen Weg, iiber eine Besuchsfahrt dauernd in den Vereinigten Staaten zu bleiben, zu verrammeln, beweist folgender Vorfall: Ein naturalisierter Bürger aus Terre Haut, Jnd., hatte in Wien geheiratet, für seine Frau aber kein Einreisevisum erhalten. Da sie aber auf ihrem Paß noch unter ihrem früheren Namen ein Besuchsvisum besaß, wurde sie zugelassen. Obwohl der Mann gute Verbindungen in Washington hatte, mußte sie nach Ablauf der. Basuchssvist erst ausreisen, um als Gattin eines amerikanischen Bürgers wieder einreisen zu können. Nach dom Gesetze muß aber der Mann in den Vereinigten Staaten wohnen, um das Ansuchen um Zulassung seiner Frau außer der Quote stellen zu können. Er war daher nicht in der Lage, seine Frau nach Europa zu begleiten und sie wieder zurückzubringen, solange er nicht eine Erlaubnis >de8 Staatsdepartements hiezu besaß, da ihm sonst eine amerikanische Vertreiungsbchörde in Europa das Visum für die Frau nicht geben kann. Im jetzigen Fiskaljahr stehen die Deutschen mit 30.000 an der Spitze der Einwanderer in die Vereinigten Staaten, dann kommt Großbritannien mit 21.000. Keine Quote wurde bisher erschöpft. Bemerkenswert ist, daß Italien, das gegen die neuen EinwandevungSbeschränkun-gen Stellung nahm, bisher nicht einmal die Hälfte seiner Quote ausgenützt hat. New-Norker Meldungen zufolge soll sich die Regierung mit dem Gedanken tragen, die Einwandererstation auf Ellis Island aufzuh eben und ihre Aufgaben auf die einzelnen Abfahrts- Häfen zu verteilen, wo die Einwanderer auf ihre Gesundheit und Bildung durch amerikanische Bevollmächtigte geprüft werden sollen. Präsident Coolidge äußerte sich jüngst in einer Rede, daß die Erhaltung der amerikanische» Rasse es unbedingt erfordere, daß die Beschränkungen des Einwanderimgsgefetzes aufrecht bleiben, da sonst so viele Einwanderer ins Land kämen, daß die Vereinigten Staaten dies wirtschaftlich nicht ertragen könnten. Die Einwanderung nach Brasilien. Die brasilianische Bundesregierung hat ein Dekret erlassen, durch welches die Einwanderung geregelt wird. Die Einwanderung wird nur jenen Personen gestattet, die den zuständigen Behörden im Hafen oder an der Grenze die entsprechenden Personaldokuinente vorweisen können. Einwanderer, die diese Papiere nicht besitzen, müssen an Bord behalten oder zurückbeförderi werden. Ab 1. Juni ist die Einwanderung nur mehr über die Häfen Belem» Recife, S. Salvador, Victoria, Rio de Janeiro, SantoS, Paranayua, San Francisco und Rio Grande gestattet. Die in Rio de Janeiro eintreffenden Einwanderer müssen nach der Jlha de Flores gebracht werden, wo sie ärztlich untersucht und von der Polizei identifiziert werden. Der bloße Sichtvermerk einer englischen Konsuls öcveutet noch nicht die Eimeisemäglichklsit nach Großbritannien; über die tatsächliche Zulassung entscheidet der Einwandenmgsbeauite im Landungshafen. Bei Fehlen eiiieä Sichtvermerfeg erfolgt die sofortige Z u r ü ck w e i s ü n g; anderenfalls wird der Zweck der Einreise gründlich geprüft, wobei «ventuell Dokumente vorzuweisen sind. Di« Grülche. die zu einer Zurückweisung führen können, sind nach der Mienr Order"- Wttellosigkeit, Stellungsannahme ohne vorherig Erlaubnis des ArbeitSministeriums, Geisteskrankheit, mangelhafte körperliche Gesundheit, Vorbostrafung iuegen eines zur Auslieferung berechtigenden Verbrechens, Borliegen einer DeportatronSovder. Die Aufenthaltsdauer kann durch den EinwandenmgLoffizier begrenzt und dies im Paffe vermerkt werden. Ein Unterlassen dieser Vormerkung bedeutet aber keineswegs die Erlaubnis zum Bernden Aufenthalt. Ansuchen um Aufenthaltsverlängerung über den im Passe fixierten Dermin hinaus müssen beim Home Office eingebracht werden. Wer länger als erlaubt in England bleibt, kann bestraft und deportiert werden. Die italienische Monatspublikation deS AuSwanderungSgeneralkommissariäts bringt die Nachricht, daß die Regierung der Sowjetrepubliken beschlossen hat, ausländischen Technikern die Einreise zu gestatten, um die einheimische Industrie zu reorganisieren. Hauptsächlich soll es sich hierbei um Techniker des Textil-, des elektrotechnischen und des chemischen Faches handeln. Die britische Einwanderung in Australien. Zwischen der britischen und australischen Regierung wurde anfangs April ein Vertrag zur Gründung eines Geldfonds unterzeichnet, der, beginnend mit dem Jahre 1935, die Unterbringung von 460.000 Einwanderern aus allen Derlen des britischen Reiches innerhalb zehn Jahren in Australien gewährleisten soll. Die britische Regierung stellt für diesen Zweck 34 Millionen Pfund zur Verfügung. Sas Visum im Verkehr mit Seutschlaud. Das Scheitern der Münchner Konferenz über die.Aufhebung des Paßvisums im Reiseverkehr Mischen O e st e t r.e i ch und Deutschland ist auf das Verhalten der österreichischen Regierung zurückzuführ^n, welche einstimmig beschlossen hat, aus staatsfinanziellen Gründen nicht auf die Visumgebühr verzichten zu können. Dieser Ministerratsbeschluß trägt auch die Unterschriften der grotzdeutschen Kabinettslnitglieder Dr. Waber und Dr. Schür ff, die als gelernte Anschlußpolitiker in erster Linie verpflichtet gewesen wären, den Abbau der Beschränkungen des Verkehrs mit dem Deutschen Reiche zu fördern. Die Angelegenheit hat im Klub der Großdeutschen eine kleine Pal ast rev ölut io n hervorgerusen. Heute wollen die Großdeutschen .eine- .Sitzung, ihres. Abgeordnetenverbandes äbhalten und dort' ihre' Parteiminister interpellieren, warum sie für die Beibehaltung der Visagebühren gestimmt haben. Es wird verlangt werden, daß die Verhandl u n g e n mit Deutschland o h n e Verzu g wieder ausgenommen und im Sinne der Beseitigung der 'Visagebühren geführt - werden. Unter anderem ist die Anregung aufgetaucht, .den Etnnahmenentfall aus der Auflassung der Visagebühren durch eine entsprechende Erhöhung der Gebühren für die Ausstellung österreichischer Pässe wettzumachen. Eine wesentliche Herabsetzung der Visagebühren. Berlin, 11. Mai. (Wolfs.) In Deutschland und Oesterreich besieht in weiten Kreisen -der Wunsch, den gegenseitigen Verkehr von den Fesseln des Sichtvermerkzwanges zu befreien. Bei den Verhandlungen in München, bei denen eine endgültige Vereinbarung getroffen werden sollte, stellte sich jedoch heraus, daß in Oesterreich inzwischen Bedenken entstanden waren, ob auf die mit dem Visum verbundenen Gebühreneinnahmen - verzichtet werden könne. Die Verhandlungen sollen aber in absehbarer Zeit fortgesetzt werden und werden dann hoffentlich zu dem Ziele führen, den Verkehr zwischen Deutschland und Oesterreich völlig frei zu gestalten. Inzwischen wird schon insoferne eine Erleichterung eintveten, als bereits jetzt eine wesentliche Herabsetzung der Gebühren erfolgen soll. Sie »«korest« Konferenz. Bukarest, 11. Mai. (Tell-Kömp.) Nach Beendigung der offiziellen Beratungen der Konferenz der kleinen Entente begaben sich heute die drei Außenminister der Tschecho- Slowakoi, Jugoslawiens und Rumäniens nach der Besitzung des rumänischen Ministerpräsidenten Bratianu nach Fkorica, wo jedoch nur Fragen, die auf daS Verhältnis der drei Staaten zu einander Bezug haben, besprochen wurden. , Heute abends sind die Außenminister Dr. B e n e s ch und Dr. N i n c i e von Bukarest abgereist. Wie verlautet, wird der ffchecho-slowakische Außen>- minister Dr. B e n?. sch sich zwei Tage in Wien aufhalten, ehe er zur Teilnahme an der internationalen ArbeitSlonferenz nach Genf weiterreist. Dr. Benefch dürfte demnach am 13. oder 14. d. in Wien eintreffen. Mitteilungen aus dem Publikum. WI<Mt«k> sw haben < ■ ■% B U X e ft U: QfH,inmZiiariinipapHfJWP WM.inn.mnmw m Kultus- und Justiz-Ktlore und Barette erhalten Sie vorrätig oder nach Maas bei der bekannten Spezialfirma RUDOLF GOLDSTEIN ».«^-"'8- Grosses Lager feiner Stoffe für AUssbaiUüunge» mam*m » wübsmsmp «• tmm. _IS. gto 1925 _• Bühne und UM „«e Schlacht bei «aterkos? (Deutsches BolkStheater.) Max Pallenberg ist von Melchior Lenghel An» laß gegeben, einen „amerikanisierten" Ostjnden zu spielen. Ein großes Verdienst des Autors dieser sonst schwachen Filmposs«. Wie hat sich Herr Grün aus Rzeszow in den gewaltigen amerikanischen Hosen zurechtgefunden! Cr kann mit den Händen sprechen und sie doch in den Hosentaschen belassen. Wie die Hände in den Taschen hat der ganze springlebendige Mensch in der breit geschnittenen, weit wattierten Nckv-Dorker bürgerlichen Uniform genügend Spielraum und er nützt ihn weidlich aus. Ein Schulbeispiel, wie die amerikanische Schmelztiegelgswandnng als Panzerhemd gegen die Assimilation Wirkt. In diesen echt amerikanischen Sakkoanzug hat sich Herr Grün vor Amerika zurückgezogen. Eine mimische Behandlung des bekannten DisknssionÄhemas über die Grenzen jüdischer Anpassungsfähigkeit und AnpaffungÄust — zum Schreien in ihrer Dvastik und Treffsicherheit. Einen Mt lang. Dann ist man ermüdet und ist für den Possenwitz: Green spielt den Napoleon, damit der Film zu Ende gedreht werden kann, nicht mehr empfänglich. Der Spaß, sozusagen ein Rahmenstück für Pallenbergs AugeMickSsinMe, ist von Direktor Beer frisch inszeniert. Ausgezeichnet Anton Ed thof er als männlicher Filmstar und Emmy Schleinitz als Frau Grün. Gerda Maurus hat nicht ungestraft monatelang Revue gespielt. Für das Deutsche Volkstheater wird sich gepflegterer Konversationston empfehlen. Da kommt eS doch noch nicht bloß darauf an, wie man au«^ ficht, beziehungsweise Wie viel man sicht.., O. A. Wien« Künstler l« London. Triumph Erika Morinis in der Alberthall. — Jeritza und Mahr im Covent Garden. (Don uniskrem Berichterstatter.) Londo n, 4. Mai. Das gestrige Auftreten Frl. Morinis, die Vorteil« Hafter Weise alles, tvas an das Wunderkind erinnerte, sogar die Betonung des ,-Erika" in den Plakaten, aufgegeiben hat, war außerordentlich erfolgreich. Die englische Kritik ist von ihren Leistungen begeistert. Fräulein Morini wurde für ein zweites Konzert verpflichtet, welches Sonntag den 17. d. stattfindet. Weingartner, Piccaver und Morini haben für Oesterreich, was die^Sympachie Englands betrifft, nicht ’ zu unterschätzende Dienste^geleistet. Das Mitwirken von Frau Jeritza und Herrn Mahr in der «kommenden großen Opernsaison im Covenlgavden-Opernhaus wild sicher zur Verstärkung dieser Bewegung beitragen. Diese Saison wird sich nur auf Zwei Monate erstrecken und ein geradezu einzigartiges Ensemble der größten Sänger und Sängerinnen vereinigen. Außer Mavia Jeritza werden zum Beispiel an ,-großen" Primadonnen noch die dal Monte, angeblich nicht nur der beste Sopran Italiens, 'sondern der Welt, Sheridan, Lotte Lehmann und Elisabeth Schumann auftreton. Bruno Walter und Heger aus München werden die deutschen Opern, Sergio Failoni Antonio Votto die italienischen dirigieren. 43 „Stars" aus' aller Herren Ländern sind für die Darstellung von „Fliegender Holländer", ,^annhäuser", „Lohengrin", „Walküre", ,Mektra" und ,/Rosenkavalier", ferner für „Butterfly", „Lucia di Lammernwor", „Andre Chcnier", „Aida", „Giaconda", „Tosea", ,Lrova>tore" gewonnen. An Saimstagen und . Sonntagen wird keine Vorstellung gegeben werden. - Die Saison beginnt am 18. d. und schließt Mitte Juli, - also ganz englisch, da die große Welt der britischen Hauptstadt nur um diese Zeit daheim iverlt. Und nur die grob- Welt Londons kann die Preise der Sitze erschwingen.. d. v. A«r de» Amt««. Burgtheater. Morgen, 7 Uhr abends, „Wilhelm Teil". StaatSoper. Morgen, 7 Uhr abends, „D i e Königin v o n S a b a". DvutscheSVolkSth rate r. „DieSch lacht bei Waterloo" heute, ferner morgen, Samstag und Sonntag. Donnerstag spielt Pallenberg in „Der W a u w a u" und Freitag in „2 i l i o m*. Gegenwärtig wird MoliereS Komödie „Der eingebildeteKranke" mit Pallenbera als Argatt vorbereitet. Neues Wiener Stadttheater. Heute, zum ersten Male „La Couturi&re de Lun6vüle" („Die Näherin aus Luneville") von Alfted S a v o i r mit Madame Simone. R a i m u n d > T h e a t e r. Heute 100. Aufführung von „Antonia* mit SLri F e d ä k. Jeder Besucher erhält zur Erinnerung ein künstlerisch auSgeMrteS Gedenkblatt. Wiener KomödienhauS. Heute „Das Mädel vomAlfergrund*. Renaissaneebühne. Heute. */,8 Uhr abends, Erstaufführung der Komödie „Bon Tisch u n d B e t t" mit Charlotte Ander. _ Schließung des Modernen Theaters. Im Modernen Theater findet heute vorläuifia die letzte Vorstellung statt. Ab morgen übersiedelt die „Große Trommel" ins KomödienhauS. Jubiläumsausstellung des HagenbundeS, Sams mg wurde durch.den Bundespräsidenten Dr. Hainrsch in Anipesenheit zahlreicher offizieller Personlichketten die Jubiläumsausstellung des Hagenbundes eröffnet, die anläßlich des 26jähvigen Bestandes des Hagenbundes veranstältet wird. Die Ausstellung umfaßt außer Werken von Mitgliedern noch eine KollettivauSstelluna des 'bekannten Malers Ludwig Ferdinand Graf, ocr seit dem Bestände der Vereinigung deren Mitglied ist Jüdische Kunst in Jugoslawien. Vdan schreibt uns auS B j e l o v a r: Zwei junge jüdWe Künstler, der Maler Ing. Adolf W e l l l e r und der Bildhauer S. B e n k i l- Brill, veranstalteten hier eine Kollektivausstellung ihrer Werke, «reist lüdischer Sujets, die starken Anklang fand. Weilters Oelbilder „Attwarenhärrdler" und „Morgengeibet", ferner einige Tusch- und Rötelstudien sind ^besonders hervormheben. Unter de» Schöpfungen Benlil-BrillS ragten ein Bronzerelief und eine Gipsgroteske hervor. Eine große Anm b« »wch» «MM.