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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-10 · Heft 2234 (10.5.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2234 (10.5.1925)
Date
1925-05-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Men, Sttutlog Skr. ML ovd Triestino / Triest fteanfffilAlfler Niuglir« . und WarmdtaiMl von TfktBfiT nach iiimitiimiimimiiimmiiittiiiiiiiimi fletypten, Türkei Dalmatien« Griechenland, Syrien« den Sehwarsen« Meer-Hflfen, Indien und dem fernen Daten Oeneralagentur: Wie n, I. Kärntner ring 6 jitt der Wohnung. Sie fühlte sich gesundheitlich sehr eilend, toas oft bettlägerig und wurde von Frau Bumbarow gepflegt. Als sich rum die Cavniviu halbwegs wieder wohl suhlte, hat sie ihre Mission Lrfüllen wollen. Sie -benützte heimtückisch das innige BerlhältNÄ, das Wischen ihr und der Schwägerin des Pani-za bestand, zur Ausführung ihres Moridplanes. Für die Woge wollte sie sich revanchieren, -indem sie die Freundin und ihre Familie ins Burgtheater gpr ,H«er Gyn ^-Ausführung Lud. Bei diesen« Anlaß sollte BaniM von «ihrer Hand sterben. Sw begründete auch bei den späteren Verhören die Wahl des Dheaters damit, daß sie sich nicht getraut hätte, Ltts der Straße oder irgendwo im ge- Pchloslsenein Raum ihr Rachewerk auszn- MH reu;, well sie wußte, daß Panizza und sein «Freund stets bewaffnet waren und daß eine Bewegung ihrerseits eine blutige Gegenaktion gut veranlassen. So war ihr die ,/Revanche" für die Pflege Höchst wMommen, um den Mordplan mit Aussicht auf GlMg ausgusühren. Sie kaufte die Loge im dritten Rang .Md dazu die zwei Logeusrtze zu dem Zweck, damit, wenn die Doge nicht so viel Personen fassen sollte, die Ueberschüssigen auf den Logensitzen Platz nehmen könnten, nur sie und Panizza »Nützten in dev Doge bleiben, und zwar nvüßte sie unbedingt hinter Panizza zu sitzen kommen, damit sie ihn, ohne GegerMMng zu befürchten, niedevschiehen könnte. Beinahe Ware jedoch diese Absicht gescheitert; denn Panizza und seine Frau wollten anfänglich überhaupt nicht ins Theater gehen. Die Cavniom mußte erst ihr Widerstreben bekämpfen, um auch das Ehepaar, an dessen Anwesenheit der Cavnieiu so viel gelegen war, dazu zu veranlasssn, mitKULomnwn. Auf dem erhöhten Sitz hinter Frau Panizza hatte die Gamiciu Platz genommen. Sie wartete - bis zur Szene des Schiffsunterganges, zogerst daun die Pistole und schoß meuchlings dem Panizza in das Hinterhaupt. __Wiens« Morftenzeituns Sie sah dann, wie er sich nach vorn neigte, und fühlte, wie ihr Frau Panizza, die sich nach dem Schuß umwendete, nach dem 2bvm griff; dann will sie, o h n e z u zielen und nur in der "Absicht ge-schossen haben, den Panizza allein zu treffen. Nach der Tat ist die Carnicin, mit der Pistole in der Hand, auf lden Logengang geeilt und hat nach der Polizei gerufen. Zn der verhängnisvollen Loge im dritten -Rang wurden bei einem Lökalaugenschei-n fünf ansgeschossene Hülsen gefunden. Ein Projektil lag i m Winkel der Loge, knapp an der Wand. Im Besitz der Carnicin wurde eine Ra st erklinge gefunden. Ms die Schüsse im Zuschauerraum gehört wurden, waren der Inspektionsibeamte Polizeirat Doktor Müller und der Bille-ttvur zur Loge geeilt und hatten einen Mann und eine Frauh l u t ü b e rst v ö m t aus der Loge, die auch voll Blut war, treten gesehen. Die Täterin, di>e auch als erste aus der Loge geeilt war, hatte der Billetteur Alois Ha mal an der Hand * gefaßt, die noch die Pistole hielt. Er hatte ihr die Hand niedergedrückt und ihr die Waffe entwunden. Er führte die Carnicin auch ins Inspektionszimmer, wo ihre erste Einvernahme erfolgte. T-ort gab sie zu, die Schüsse auf Panizza abgeseuert zu «haben, weil er „ein schlechter Mazedonier sei". Bei ihrer Eiuvernahme gab die Carnicin an, sie sei jetzt rumänische Staatsbürgerin und sei anr 19. Jänner nach Wien «lediglich irr der Absicht gekommen, um Panizza zu töten. Ihre Freundin Niagdalena, die anr 26. April erst geheiratet «hat, «führt jetzt auch den Namen Michajlovic. tf: Frau P a u izza war im Laufe des gestrigen Tages nicht einverualMsfähig; ihr Zustand ist immer noch «bedenklich. Der Zustand Bogatiuows hat sich hingegen etwas gebessert. Beide liegen auf der U n f a l l st a t i -o n des Allgemeirlen Krankenhauses. Bogatin«ow-Bogdanowiez und Ckaterina Panizza, die Witwe nach dom Todesopfer, haben grauenhafte Verletzungen erlitten. Frau Panizza war überhaupt gar nicht ei'nvern-shnmngsfähig. Ihre Zunge ist gelähmt nnd -muß erst genäht werden. Ihre Wunden sind: eine Einschußöffnung an der rechten oberen Partie der Wange mit Verletzung der rechten ZungeNhätste, ein Durchschuß des Mundballens mit Ausschuß in der Snbmaxillargegend und eine Schußwunde unter den« «linken Schlüsselbein. Me diese Verletzungen rühren von einer K u g e l «her, die ihren Laus von oiben nach unten nahm. Bogatinow-Bogdanowiez hat vier «Schußwunden. Trotz seiner schweren Verletzungen konnte Bogatiuow mit Erlaubnis der behandelnden Arzte vom Polizeirat C ur e l i ch in seiner Muttersprache einvernommen werden. Er gab an, daß er die Carnicin seit etwa fünf Jahren von Philippopel her kennt. Er wußte nur, daß sie deshalb nach Wien gekommen ist, um hier wegen eines Leidens behandelt zu werden. Als im Theater die Szene im dritten Akt den Schiffsuntergang darstellte, hörte Bogatiuow plötzlich eine Schußdetonation. Er hatte keine Ahnung, daß sio von seiner Loge herrühre und glaubte nichts anderes, als daß von der Bühne das Geräusch hevgekommen ist. Plötzlich verspürte er einen Schlag auf den Kopf; nun war ihm offenbar, daß in unmittelbarster Nähe geschossen worden ist; er glaubte 1,1. Mai 1923 Seite 3 zionistische Nezirtssektlo« Leopoldstadt. Morgen Montag, den 11. Mai 192?;. präzise 7*9 Uhr abends, im Cafö „Sächsischer Hof", H. Taborstraße 46 (Souterrain, Eingang Novaraga je 2) Vortrag des Hem» Mols Mhm Kongreß-Frage« Anschließend Diskilssion Eintritt frei ior Gäste willkommen aber, daß es von der Nachbarloge zur Linken geschehen sei. Er war sich dessen bewußt, «daß die Schüsse seiner Loge galten, und lehnte sich etwas zurück, um sich zu schützet,. Zu gleicher Zeit griff er nach der Pistole, die er in der hinteren Hosentasche trug. Ehe er aber von der Waffe Gebrauch machen und sie nur hervorziehen konnte, fühlte er wieder Schläge; diesmal an der rechten und linken Schillter. Zugleich sah er. wie sein Sitznachbar Todor Panizza mit dem blutigen .Sio^ auf die Logenbrüstung sank. Er wollte aufstehetl, um nach der Polizei zu rufen; indessen «war aber die Carnieiu zur Logentür geeilt und «hinansgegangen. Als er ihr folgen wollte, spürte er, wie die Carniciu die Tür von außen zuhielt. Gleich darauf hörte er Frau Panizza rufen: „Was machst du, Maueia...?!" In diesem Augenblick öffnete schon einMachebeamter die Logentür; die Carnicin war schon festgenommeu. Bogatiuow, der 27 Jahre zählt, hat einet» Reisepaß, der am 1. April d. I. in Belgrad ausgestellt ist. Auch die Carnicin wurde gestern von Hofrat W a h L und Kommissär Dr. Knoll wiederholt einvernommen. Sie blieb auch bei bcn späteren Verhören bei ihrerr Angaben, daß sie ausschließlich national-mazedonisch fühle n"^ keiner politischen Partei angehöre. Bei ihr fand man bloß 74 Schilling und «kein fremdes Geld. Die Pistole, mit der sie die Tat verübte, hat die Nummer 467.114. Der getötete Panizza verfügte über reichliche Geldmittel: außer 108 Schilling hatte er noch 1280 Dollar, 16.640 Dinar, 210 serbische Frauken und 1500 griechische Drachmen bei sich. Er hatte auch eine Gebettet t e mit 33 Perlen, wie sie die Türken zu tragen pflegen. Melpomene Carnicin dürfte schon int Laufe des morgigen Tages dem Landesgerichte eingeliesert werden. _ Die amerikanischen Getreidemiirkte. New-Aork, 9. Mai. Die Tendenz an den Getreide« markten der Union war heute ausgesprochen flau. Am hiesigen Platze büßten die Weizenpreise 5 bis 7 Cent und die Maispreise 27» Cent pro Bushels ein. In Chicago betrugen die Kursabschwächungen für Weizen 55/s bis 7 Cent, für Mais 2*'/. bis 25/s Cent, für Roggen 3 bis 47- Cent pro Bushels. Die Rückgänge in Winnipeg ereichten für Weizen 5* 3/4 bis 67/s Cent und für Mais 43/« bis 5 Cent pro Bushels. Budavester Fußball. Budapest, 9. Mai. (U. T.-K.-B.) Fußballmeister schaft 1. Klasse: V. A. C. gegen Vasas 2:1 (2:1) und Törekves gegen B. T. C. 2:2 (1:1). Feiwel Glückskind. Die Geschichte eines Lcbensfchirksals in drei Abschnitten.*) Bon Jakob Krausz. Des zweiten Abschuitis zweiter Teil« „Es ist eine sehr verwickelte Komplikation", sagt Nute Schneider. Der Schauplatz des Kampfes amt das Lebensschicksal von Fei'wel Glückskind Hab sich durch den Peinlichen Zwischenfall im junlgen Leibon. F^eda Ehvenveichs inichi unwesentlich erweitert. Wir müssen deshalb, um uns keiner Vernachlässigung unserer Wicht der genauen Berichterstattung schuldig zu machen, die zwei Schlachtsronten abstecken. Denn es «geht um einen regelrechten Kampf. Der Kampf ums Leben hat, «wie jeder Krieg, seine Strategie, in der es gar oft gleichfalls wen'ige-r aiirf die Schönheit der Mittel als auf die Ervingung des «Sieges ankommt. In dev Iudongasse genau so wie in dev Ehristenftadt, übemll, wo die Menschen so klein und die Kleinen so selbstisch sind. Die Hauphfvont in diesem nevvenanspannenden Kampf lag inach wie vor in der Itldengasse, aus welcher Feiw-el Mücksli-nd hervorgegang-en ist, und daÄ Hauptquartier befand sich in dem Hcvrffe, «wo Sure Mannsbild das Regiment führte. «Aber sie hatte es uichi «mehr so leicht wie bisher. In Foiwek revoltierte «der Iefchiwahbachur und Mts Schneider nreuterte. ,/Dich' «mtafC her, Feiweil", drang Sure hei ein-enr der KveuOerhöve «in ihren Schn, ,-miv, deiner Mutter, brauchst du nichts vorzrmmchon. Auch ein Ieschiwahbachur «ist kein Engels, besonders trenn er dveimckzivalnzig Jahre alt -ist. Wenn Frieda Ghvenvsich, die Dochtes des angesehensten Kaufmannes jener Gegend, sich dazu hevaMßt, zu er¬ *) Siehe Mkener Movgenzeitung" vom §6. April und 3. Mai. klären, daß sie Fsiwel Bocher, dem Schne des Nute Schneider, gegenüber schwach geworden ssi, so muß ich ihr das gllan'ben und ich du«lde einfach uicht, daß meiin Sohn in eirrem solchen Falle unelhvenshaft handle. Deine Pflicht ist, Fvieda uumnehv, und zwar so rasch als möglich, als legitimes Weib heimznführen. «Es ist ein Unglück geschehen, nnd ein sronmrsv Gelehrter, wie du einer gottlckb bist, darf eine besinnungslos begangen «Sünde nicht noch du-rch eine zweite, bewußte, Vevschärftln!" Und der brave Feiwel antwovtete: «,M ist das erstemal in meinem Leben, ßOfotte, daß ich dir den Gehorsam verweigern muß. Ich «bin unschuldig an dem Unglück des «beda«usvnswerten Mädchens und ihrer Ettern« und ich werde die Schma-ch, die es über «ihre Famitte und die Mnze Iuidengafse gebracht, nicht sühnen, lvenn ich die ^Schmach nun in unsere «Fa>milie verpflanze. Der gütige Gott, dev mich vor den Versuchungen dieses entaOeten jüdischen Kindes geschützt hat, «weiß, «daß ich frei von Schuld bin.. „Aber kein Mensch «weiß noch, «Was mit Frieda «vorgesallen ist", warf Sure unge«duldig ein. „Die Welt weiß herrte bloß, daß der reiche Ghvenreich extra hergelonmnen ist, um meine Einwilligung zu deiner BeÄoibnng mit seiner Tochter einzuholen. Weißt du, was das bedeutet? Der stolze Ehvenveich, dessen «ganzes Vermögen m«it dem glänzenden Geischäft einst seine Tochter er'ben «ivird, -macht die «weite Reife zu Nute Schneider, weil er sich den großen Geleihvten und srommien Talmndisten als Eidam sichern «will?.. Da's verstehst du nicht, mein «Sohn! Dein Geist schwebt immer «in -dm höheren Regionen, beschäftigt sich mit überirdischen Dingen und w-e-iß nicht, was auf der Erde vorgeht. Deshalb hat dir «Gott in seiner Gnad'e eine Mutter geschenkt, die dir die alltäglichen irdischeu Sorgen abninmtt. Die Werbung Ehrcnreichs um dich, nrein Söhn, ist ein uns-chätzbares Kapital, das «wir nicht von uns weisen S"t y." „Mutter, sei mir nicht böse", erwiderte jetzt Feiwel mit Entschied'e«uheit, „ich werde dir das Glück und die «Ehre, die Mechnteues «des «steinreichen Ehren reich zu werden, «nicht durch die verächtliche Sünde, die Metze eines hoffährtigen Christen sozusagen zu „koschern", erkaufen. Ich« heirate Frieda nicht..." „Also gut, «nein dumilnev Junge, aber ich Ve«vbi-et«e dir, die Dummheit so weit zu treiben, daß du «die Glückwürffche «der Leute, die vor Neid über «die «Ehre, die uns geworden ist, bevstell, zurückweiseist!" Auf dieses Ko«mpromiß mußte Feiwel schließlich eingehen. «AM die Aüs-ei-nan«dlersetzung mit ihvvm Mann Nute hat «sich Sure v«ie«l leichter arisgernal-t, als wie sie sich in der Tat gestaltet hat. ^Leider Gottes i«st Feiwel nicht «nur mein «Sohn", leitete sie den Angriff ein, „sondern auch der Sprosse vor: Nute «Schneider. Ich traue mich's gar ni.cht laut au-szusprechen, aber nranchesntal scheint es mir, daß teilt Hirn wie von Nadelstichen durchlöchert ist. Hast «Mt gehört, Nute, der dumme Junge sch«lägt die Hand -der reichen Frieda Ehrenreich ans?" Nute räusperte sich, als wollt-e er einen Anlauf zu einem mutigen Wort nehmen. Aber er «sagte vorerst: „Aus dir, Sure, spricht die besorgte Mutter, aus Fsiwel aber dev heilige Ta>l«m«u>d. Sag' mal, wenn du in einer rituellen Frage «Bedenken ha«st, «wirst dn dich danach richten, was dir Ehane Dechinasagerin sagt o«der nach dem Urteil des Rabbiners han«deln? Wenn der „fromme, große Tallmudist ReH -Feiwel entscheidet, die «Dache niit «der «Frieda Ehvenveich ist trefe, haben wir «kein Recht, «sie «für koscher zu erklären." -,Seh' dir da an, den grojzen Getchrien, «der Feiwel aus einmal geivovden ish", sagte Sure, Plötzlich aus der «Rolle fallend. «Also nein, Feiwel ist kein großer Gelehrter, kein

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