Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2233 (9.5.1925)
- Date
- 1925-05-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, SamStag Wiener Mokstrmrlkuna. wlftitf I. BÖaendorferskr. 2 / Femspr. 51027 u.57125 HYGIENE-AUSSTELLUNG, KOil 34 Geschäftsstellen ln: °"' *TÄtfÄ“Z.rÄ5l —' Durchführung von Versicherungen auf Tägliches Krankengeld Operationskode n- und Spltalsverpfflegskostenersatz Freie Aerztewahl gehevnvrtv koudmnnistifchon Organisationen direkt von Moskau geleitet worden sei, dessen- Befehle streng dnrchgosührt wurden. Nach einem Hinweis auf die Teilnahme der Kommunisten an den Ereignissen im September 1923 zum Sturze der Regierung erklärte der Staats- Anwalt, von diesen! Augenblick an fei in der pseudorevolutionären Taktik eine Aenderung eingetreten, indem msn sich zu isolierten Terrorakten entschlossen habe, wie Morde, Bandenüberfälle auf Gren.zdörfer usw., wobei die Anhänger der agrarkommiunistischen Einheitsfront sich mitbeteiligt haben. Zwischen den früheren Mordtaten, dem Ueberfall auf den König «nd der Erosion in der Kathedrale, die daS 'Signal zu einem allgemeinen Ansturm geben sollte, bestehe ein unauflöslicher Zusammenhang. Der Staatsanwalt legte sodann die von einem geheimen elfgliedrigen Komitee der kommunistischen Partei geleitete Verschwörertätigkeit dar. Der allgemeine Plan sei dahingogangen, einen Zustand der Unsicherheit zu erhalten und im gegebenen Augenblick, und zwar am 15. April, wie aus zahlreichen Dokumenten hewovgehe, eine allgemeine Aktion zu versuchen. Jim zweiten Teil seiner Ausführungen beleuchtete der Staatsanwalt hauptsächlich den aktiven Anteil des Angeklagten Fridman an den Arbeiten des geheimen kommunistischen Komitees, dessen Befehle und Beschlüsse er den untergeordneten Organen übermittelt habe. Was die Bombenexplosion in der Kathedrale -betreffe, sei sie das Ergebnis der vereinigten Bemühungen der bei- -den geheimen kommunistischen und agrarischen Organisationen gewesen. Auch die Verantwortung für die Bandenübevfälle auf Dörfer in der Grenzzone und für das Attentat gegen den König falle den agrar-kommunistischen O rganisationen zur Last. Der Staatsanwalt stellte schließlich den Antrag, über Fridnran und den Sakriftan Zagorskh wegen Vorbereitung und Durchführung des Attentats in der Kathedrale sowie über K o o w und D a s k a l o w wegen Hehlerei und Teilnahme an uu- < gesetzlichen Organisationen die Todesstrafe, über Kamburow wegen Hehlerei eine Strafe von acht I ahren Gefängn is zu verhängen. Jüdische Lvfer der Sofioter Katastrophe. Sofia, 7. Mai. (I. T. A.) Unter den Opfern der Zerstörung der Kathedrale in Sofia befindet sich, wie nunmehr Mannt wird, auch eine Anzahl Juden, die als Gäste -der Trauerfeier -beiwohnten. Getötet wurden: Rosa Tadjer, Albert Israel, Morse Levy, die vierzehnjährige Rosa Deutsch und /Frau Buea Primo. All diese wurden auf dem jüdischen Friedhof zu Sofia mit großen Ehren bestattet. Außerdem zählt die jüdische Gemeinde zahlreiche Verwundete. Der Godächtnisfeier für.die Toten in der Synagoge wohnten ein Vertreter des Königs sowie Mitglieder der Regierung bei. Ae Mkneralschfitze des Loten Meeres. r ' London, 8. Mai. (Woliff.) Den Blattern zufolge ist das britische Kolonialamt bereit, Llingebote im Namen der Regierung von Palästina für Ausbeutung der Minerälvorräte des Toten Meeres entgegenzunehmen. Das Tote Meer enthalte nach diesen Meldungen ungefähr 30 Milliarden Tonnen gemischte Salze, wovon möglicher- .weife anderthalb Milliarden Tonnen Chlorkalium seren. Die ,Miener Morgenzeitung" hat in ihrer Beilage „Das neue Palästina" am 27. April eine eingehende Studie Karl Elschners über die Möglichkeiten der chemischen Industrie am Toten Mver veröffentlicht. Sie Gemeloderatswahleu in Lel-Awiw. ' R. Jerusalem, 7. -Mai. Die nach heftigem Wahlkampf durchgeführten Wahlen für den Gemeinderat von Tel- A w i w ergaben das folgende Resultat: Gewählt wurden insgesamt 43 Gemeinde röte. Gewählt erscheinen: 15 Arbeiter, 4 Hausbesitzer, 4 Vertreter der Mieter- Vereinigung, 4 Gephavdim, 4 Jemeniten, 4 Mi'srachisten, 4 Kandidaten der nationalen Liste und 4 Kandidaten anderer Listen, _ Ier Kampf gegen den Pabrwang. München. 9. Mai. (Wolfs.) Heute beginnen hier die Verhandlungen mit Oesterreich über die Mfhebrmg des Sichtvermertzwanges. Zum Schutze gegen Ansteckungen Bestes Schutz- und Desinfektionsmittel für Freuen Beseitigt üble Oerficbe Die gestrige Länderkonferenz hat nur insoferne eine Klärung der Situation gebracht, als nunmehr feststeht, daß vor der diesmaligen Tagung des Völkerbundes die B e rlänberuugs- und BerfaffungSfrage kaum mehr wird aufgerollt werden können. Die Regierung hatte bekanntlich unter anderem für die Länderkonferenz eine Novelle zunr Verfassungsübergangsgesetz vorbereitet, durch die das Recht der Landeshauptleute festgelegt werden sollte, die politischen Beamten in den Bundesländern, die bisher der Zcntralregierung unterstanden, selbst zu ernennen. Tiefe Vorlage bildete den Zankapfel zwischen Großdeutschen und Ehristlichsozialen, und die ersteren hatten sogar wagen dieser geplanten „Politisierung der Beamtenschaft" ihren Austritt aus der RagierungSkoalition angedrohi. Nach dem Verlauf der gestrigen Länderkonferenz und den Parteienbera- Inngen, die vor- und nachher stattfanden, kann vorderhand von dieser Novelle zum Verfassungsübergangsgesetz nicht die Rede sein, es entfällt sohin auch der unmittelbare A n l a ß für e r n e K r i fe in der Regierungskoalition. Allerdings sind die ursprünglichen Voraussetzungen für das Kabinett Ramel-Ahrer, das von den revoltierenden LandeShauptleitten in den Sattel gehoben wurde, in dem Augenblick nicht mehr vorhanden, wenn es sich für den Standpunkt der Zentralsten entscheidet. Die Situation ist aber für die Regierung Ramek auch aus einem anderen Grunde ungemütlich geworden. Von den sogenannten Genfer Vorlagen ist nämlich nach de»! gegenwärtigen Stand der Dinge die parlamentarische Erledigung nur jener Gesetze gesichert, welche den V e r - z ich t der L ä n d e r a u f B e h a r r u n g s b e f ch lü f f e bei Steuergesetzen und die Ausdehnung der Kontrolle des Obersten Rechnungshofes auf die Gebarung der Länder beinhalten. Gegen die Abgäbentoilungsnovelle erheben die Sozialdemokraten Einspruch und die vom Völkerbund verlangte Beseitigung der Doppelverwaltung in den Ländern stößt auf den Widerspruch der Großdeutschen. Mehr alsdie oberwähnten zwei unbedeutenden Gesetze wird also Dr. Ramek nach Genf nicht mikbringen können. Das ist sehr wenig, jedenfalls zu wenig, um eine Milderung oder gar eine Aufhebung der Kontrolle zu erreichen. Nach der Länderkonferenz schwirrten neue Krise ng e r ü ch te auf, die sich noch verstärkten, als bekannt wurde, daß am Nachmittag der Bundeskanzler selbst die Mehrheitsparteien zu einer Besprechung eingeladen hatte, an der auch Doktor Seipel teilnahm. Um diese Zeit hatten die meisten Landeshauptleute bereits unverrichteter Dinge Men verlassen. 6hte Selmrede de« Abg. Grfinbonm Warschau, 7. März. (I. T. A.) Während der Beratung über den Etat des Jnnenniinisterimns im polnischen Sejm erklärte der Deputierte Grünba u m in einer groß angelegten Rede, daß die jüdische Bevölkerung in ,Polen meist bei der Polizei keinen Schutz findet, im Gegenteil, oft unternimmt die Polizei provokatorische Maßnahmen, wie H a u 's f uchunge >n u a ch k o m m u n i st ischer Literatarr bei Rabbinern. Während der Exzesse in Lodz und in Grszybow. am 2. Februar ivar Polrzeischntz überhaupt nicht zu erlangen. Pogrom- Hetzer, wie Jäsza Chomiec, dem Unterschlagung von Parteigeldern nachgewiesen wurde, dürfen sich ungestört betätigen. Das Verbot der jüdischen- Sprache in öffentlichen Versammlungen verstößt gegen die Verfassung. Die Anordnung, daß Wochen- und Jahrmärkte au Sab bat tagen st a t t z u f in de n haben, ist ein Attentat gegen die wirtschaftliche Existenz der Judenschaft. Der Kampf gegen die jüdischen K a n fk e u t e und Klei n handle r hat dem Lande keinen Nutzen gebracht, der Bauer wird durch die Ausschaltung des jüdischen Handels geschädigt. Deputierter Gvünbaum erklärte, die jüdifchen Deputierten werden gegen den Etat sti-mmem. Mische Teilnahme an der interparlamentarischen Handelrkonferenz. Rom, 6. Mai. (I. T. A.) Dieser Tage fand, wie berichtet, in Rom die interpc-rla in c u t a r i s ch e H o n v e l skonferenz statt. Lnigi Luzzatti, der einstige Premierminister Italiens, wurde zuim Ehrenpräsidenten der Konferenz gewWt. Wogen seines leidenden Zustandes war er jedoch, verhindert, die Konferenz zu Leiten, weswegen sich die Delegierten der vertretenen 44 Parlanwnte in das Haus Lnzzcittis 'begäben, nm ihn im Namen ihrer Länder zu begrüßen. Zum Präsidenten der Konferenz wurde der jüdische Senator Angela Pavia (Italien) gewählt. Das Raserat über internationale Eifenbahntonvention hielt der jüdische italienische Senator Ancona, dessen Vorschläge einstimmig a-ngenomnren wurden. Auch unter den Delegationen der anderen Parlamente waren Inden vertreten. Qegen übermässige Schweissbildung Ai« Zusatz zu Bädern .\ngenehm riechend Nur in edelgrünen Originalflaschen Es wird nun der Versuch gemacht lverden, die parlamentarische Verabschiedung der noch restlichen Genfer Vorlagen im Wege von Verhandlungen mit den Natianalratspai teien sicherzustellen. Ser SSkicher Artikel Ramek». Zu dem in der „Neuen Züricher Zeitung" vom 6. d. erschienenen Artikel, der vont Bundeskanzler Dr. Ramek gezeichnet war, wird auf Grund telegraphischer Anfrage in Zürich und neuer Erhebuttgen amtlich mitgeteilt: Am 25. Jänner d. I. wendete sich in einem Briefe auS Rom ein skandinavischer Schriftsteller an den Bllndeskanzler mit der Bitte um eine Aeußerung über die politisch-wirtschaftlichen Verhältnisse Oesterreichs. Dem Bundeskanzleramt war nicht bekannt, daß diese Aeußerungen für einen Wdruck in «dem genannten Schweizer Blatte bestimmt waren, und in dem kurzen telegraphischen Auszuge, der in die Wiener Presse gelangte, konnte tttit Rücksicht auf den inzwischen verflossenen längeren Zeitraum der tatsächliche Gedankengang nicht wieder erkannt werden. Don dieser Feststellung ivurde die „Neue Züricher Zeitung" verständigt. Reben Lage Wittemigg. Int Mietenausschuß beendete gestern endlich Abg» ordneter Witternigg seine Obstruktionsrede, die er über sieben Sitzungen dieses Ausschusses ausgedehnt hatte. Gestern empfahl er sich selbst als Kandidaten für die Obmannstelle und begründete seinen Vorschlag sehr eingehend. Er wurde hierbei vom Vorsitzenden Präsidenten Miklas zur Sache gerufen. Daraufhin protestierten die sozialdemokratischen AuSschußmitglieder gegen die Unterbrechung durch den Vorsitzenden. Abg. Rieger erklärte, die Redner seien nicht verpflichtet, bloß über den von den Mehcheitsparteien vorgeschlagenen Obmann Dr. Kienböck zu sprechen, sondern sie könnten über jebeS beliebige Ausschußmitglied reden und untersuchen, ob es sich für die Qbmannstelle eigne. Abg. Leuthner sekundierte seinem Parteigenossen Rieger. Präsident Miklas erklärte nun, er werde zählen, wie oft er den Redner noch zur Sache rufen müsse und dann das Nötige verfügen. Nun schlugen die Sozialdemokraten mit den Fäusten auf den Beratungstisch und erklärten, der Wortentzug für Witternigg würde den K r i e g sfall bedeuten. Abg. Rieger rief: ,Menn Sie so anfangen, wird es mit dem Ausschuß bald aus sein!" Schließlich ließ der Präsident Miklas Mtternigg gewähren und dieser sprach bis 6 Uhr abends weiter. Seine Rede, die er mit ^halblauter Stimme murmelte, dauerte insgesamt 40 Stunden. m i s s i o n des Marineministers Th a o >n de R ev e l angenonunen und den Ministerpräsidenten M n sf o T t ni .mit der interimistischen Leitung des Marine-ministerinms betraut. Horthtz« wichtigster Funttionär. Budapest, 8. Mai. (Tel.-Kornp.) Ter .Justizminister hat heute den ersten He'nker'sgehilsen .Karl Gold zum Scharfrichter ernannt. Karl G o l d, der als Nachfolger des verstorbenen Scharfrichters Michael .B a!l i dieses Amt antritt, wird >den Titel eines „S t a a t s h e n k e r s von Ungar n" führen. Gold steht im Alter von 65 Jahren und hat unter Michael Bali und noch früher nnter dcnr Scharfrichter Kozarek bei insgesamt 308 gesetzmäßigen Hinrichtungen assistiert. Besonders stark «war KaÄ Gold rrnmittelbar nach dem Sturz «der Räteregierimg beschäftigt. Karl Gold hat in einer KoMwveuz um >den 'Henkersposten unter 22 Bewerbern den Sieg davomgetragen. «hrlftlichnationale Phnntnfie. Budapest, 8. Mai. (Tel.-Kornp.) Heute »tittagS erschien ans >der Oberst ad cha u<P t ma n ns ch af t die 24jährige Trafikant i n Etelka Koller und erstattete die Anzeige, daß vorgestern nachmittags zwei junge Männer sie aus ihrer Trafik in der Praterstraße entführt, in ein Auitomobil geworfen nnd in die Ofner Berge verschleppt hätten. Hier versuchten die beiden Entfiihrer von Etelka Koller, die nebenamtlich nn Parteisekretäriat der christlichen Kommnn alp arte, angestellt ist, allerhand Geheimnisse über den Vermögensstand der christlichen Kourminnalpartei und ähnliche Jnsomnationen wahlpoMischer Natur zn erpressen. Als sie nicht gestand, rissen sie die beiden jungen Männer zn Boden, verprügelten sie und ließen sie auf offener Landstraße mit mehrfachen Verletzungen liegen. Die Anzeige erregte auf der ÖbevstadchMptmannschaft großes Aussehen, da man es für ausgefchloffen hält, daß in Budapest bei Hellem Tageslicht ein Mensch im Automobil entführt werden könne. Die Polizei leitete Recherchen ein, deren Ergebnis noch nicht feststcht. Man ist aber geneigt zn glauben, daß die Anzeige der Etelka Koller cuff pül rer Phantasie bericht oder dem jungen Mädchen von politischen Hintermännern eingeblasen wurde, um die Gegner der christlichen Kommnnalpartei bei den bevorstehenden Mnnisipalwcchlen zu diskreditieren, . Setze S 9. Mal 1925 Nr. SM KRANKENSCHUTZ Allgemeine Krankenversicherungsanstalt Reue Kriseugerüchte. Sine Konteren» beim Bundeskanzler. USMWW>«lS>MWI>W>WMWR»WWl>>WWW>MW>MWWWWggMMM>>^MeMNMU>W>WMWW>MNM>0M>M>W>!MWWlMW>M>>WWW>WWIWWMMWWRM Mnfiolinis Sieg über den Marlneminifter. Rom, 8. Mai. (Stefan!.) Ter König hat die D e-