Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2233 (9.5.1925)
- Date
- 1925-05-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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[feien: LS flrosiyl Wietl: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle fTrafik) monatl. 5 Schilling Strassen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Go 1 dschntied, I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho* Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Naeluahltra4en bei Preiserhöhungen Vorbehalten 9lr. 2233 das mühelose Parkett»GlanzmHiel Erhälilldh ln allen einfdtltgtgen Getauten Wiener orgemettnng I Preis 20 nl England: Mon. 4 Schilling, Italien: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170Lei, Bulgarien: Mon.IOOLewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 9 Redaktion, Administration: Wien, Il.Taborstr.l Telephone: 44-0-38,43-3*19 Ab 6 Uhr: 21-102. 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Me«. Samstag. 9. Mai 1925 Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. gahrgang Feinste Wuritwaren VmlT«» I «WEPO*. Wien,111. HeumiirRt6 l ^VORZÜQLICHBN schwarzen und welssen 1» II l/AIIEE nn,40Prozent I “““Ersparnis an Kaffeebohnen __ erreichen Kaffeehäuser, Bars,Hotels etc. ||| mit der « nETERNA-EXPRESS-KAFFEEMASCHIN&‘ GEFIAWERKE A.G., WIEN,1 Ae Wahlen in Frankreich. —y. Wien. 9. Mai. Der Ausfall der Gemeinderatswahlen in Frankreich war eine große Ueberraschung. Das Linkskartell, die Vereinigung der demokratischen Parteien, errang einen ansehnlichen Sieg und konnte den Nachweis et* dringen, daß es sich nach wie vor auf die Mehrheit .der Nation stützen kann. Dies ist deshalb sehr wichtig, weil die Wahlen unmittelbar nach dem Kabinettswechsel erfolgten. Die Regierung Painleves steht auf dem gleichen Programm wie Herriot und die Auswechslung der wichtigsten Ressorts war nur eine Maßregel der Personalakte. Prinzipiell ist keine Aenderung geschehen. Die Rechte, die schon froher Hoffnungen voll war, rüstete zu einem neuen Angriff und die äußeren Vorgänge schienen ihr günstig: Die Kommunisten gewährternaüch in Frankreich der Reaktion ihre freüMiche Hilfe. Sie hieben in Deutschland die Wahl Hindenburgs' zum Reichspräswenten erzielt, in Bulgarien den Terror der Gegenrevolution verstärkt. Weshalb sollen sie in Frankreich anders sein? Ihr Ueberfall auf. die „patriotische Jugend", die faszistische Leibgarde des Chauvinisten Taittinger, hate vier Burschen das Leben gekostet und die Grabreden der Millevand und Poincare waren ein Schwur der Rache an der demokratischen Linken. Trotzdem bestätigte die Wählerschaft am letzten Sonntag die feste Einhaltung des Kurses, den genau vor einem Jahre, am 11. Mai, der Sieg Herriots eingeleitet hatte. Diese Tatsache wird sehr stark in die Zukunft wirken. Denn aus den Gemeindovertretern wird der Senat ergänzt, die Körperschaft, die den Kampf gegen Herriot aufgenommen hatte. Frankreich will keinen Bolschewismus und keinen Faszismus. Das ist der Sinn dieser Wahlen, die ein schöner Erfolg des demokratischen und parlamentarischen Gedankens sind. Das französische Volk hatte einen von diametralen Ausgangspunkten kommenden Angriff auf das Prinzip der Volksvertretung abzuwehren. Der Kommunismus ist in seinem Endeffekt genau der gleiche politische Schädling wie der Rechtsradikalismus.' Beide streben die Herrschaft einer Klasse an und beide stehen auf dem Boden des absolutesten Absolutismus, dessen Herrschaft sie nicht mit der Macht der Idee, sondern mit der Brutalität der Waffe sichern wollen. Sie erkennen selbst sehr klar die geistige Leere ihres Programmes. Beide haben auf nichts anderes hinzuweisen als auf Rußland und auf Ungarn. Was in diesen beiden Staaten geschehen ist und noch geschieht, hat mit einer politischen Entwicklung herzlich wenig zu tun. Rußland beginnt langsam den Rückweg und versucht sogar so etwas wie ein Wahlrecht. Ungarn ist Horthy und dasbesagt genug, sicherlich so viel, daß das magyarische Beispiel nirgends zur Nachahmung verlockt. Das Programm der beiden Antipoden, der Exaltados von links und rechts, lautet einfach: Wir sind gegen alles. Und weil mit solchem Prinzip doch wieder nur Exaltados zu fesseln sind, müssen die beiden Systeme mit der Gewalt, mit der Spionage und mit der im Großen betriebenen Vergiftung arbeiten. Das ist in Frankreich so geübt worden und dagegen hat sich der gute Verstand der Wähler mit Erfolg gewehrt. Bei diesen Wahlen hat sich auch der immerhin neue Umstand gezeigt, daß die Fragen der äußeren kin Attentat im Burgtheater. Ni« bulgarischer Rachealt. — 8in Mann tot, zwei Personen schwer verletzt. Während der gestrigen Aufführung von „P e e r G y nt " im Bnrgtheater kam es zu einer Schreckensszene, welche durch ein Revolverattentat in einer Loge des dritten Ranges verursacht wurde. Das Attentat hat eine Bulgarin namens Menei aCaranaeeiu verübt, die sechs Schüsse auf ihren in der nämlichen Loge sitzenden Landsmann Dimitrivie Arnautovie abgab. Arnautovie wurde getötet. Zwei zur Gesellschaft gehörige Damen wurden schwer verletzt. Die Attentäterin wurde verhaftet. * Ein Augenzeuge berichtete uns über den sensationellen Vorfall: Auf der Bühne wurde gegen viertel 11 Uhr abends die Schisfsszene gespielt, als hintereinander zahlreiche Schüsse ertönten. Das Publikum glaubte, daß.die Schüsse auf der Bühne abgegeben wurden und zur Aufführung gehören. Als die Szene des im Sturm untergehenden Schiffes, auf welchem Peer GH nt in seine Heimat zurückkehrt, beendetwar, traten einige Schauspieler vor die Rampe und wiesen auf eine auf der rechten. Seite des Hauses gelegene Loge des dritten Ranges hin, aus welcher Schmerz e n s s ch r e i e laut wurden, die bis dahin durch das Getöse auf der Bühne übertönt worden waren. Die Vorstellung wurde unterbrochen, zahlreiche Besucher verließen fluchtartig das Theater, der größte Teil des sehr zahlreichen Publikums bewahrte aber Ruhe. Nach einer Pause von zehn Minuten wurde die Aufführung fortgesetzt. Die Verletzten, ein Herr und zwei Damen, waren inzwischen aus der Loge fortgetragen worden, die Attentäterin wurde auf das I n s p e k t i o n s z i w m e r gebracht, ebenso zwei weitere Insassen der Loge, eine Frau, deren Kleid mit Blut befleckt war, und ein unverletzter Mann. Der von den Schüssen Getroffene, dem das Attentat galt, starb wenige Minuten später, die verletzten Frauen wurden von der Rettungsgesellschast übernommen. Unser Gewährsmann wohnte der ersten Einvernahme der Attentäterin bei. Sie heißt Men eia Carnaeciu, ist, wie sämtliche Insassen der Loge Bulgarin, wies ihren bulgarischen Paß vor und erklärte in völliger Fassung, sie habe Dimitrivie Arnautovie töten wollen, weil er ein schlechter Mazedonier war. In gebrochenem Deutsch schilderte sie den Hergang des Attentats und bedauerte, auch andere Personen verletzt zu haben. , Die Schüsse waren zu einer Zeit abgegeben worden, in welcher auf der Bühne im Gang des Stückes Lärm herrschte, so daß die Detonationen entweder unbemerkt bleiben mutzten oder nicht weiter auffallen konnten, In der Szene auf der Bühne Wurde in diesem Moment gemäß der Vorschrift des Dichters ebenfalls geschossen. Aus diesem Umstand kann man vielleicht schließen, daß zumindest der Zeitpunkt des Attentats vorher gut überlegt war. Die in der Loge befindlichen Personen wurden zur weiteren Einvernahme zum Stadtkommissariat überstellt. Der unverletzt gebliebene Herr befand sich in schwerster Erregung und brach in Tränen aus. Er ist der deutschen Sprache nicht mächtig. * Spät abends wird uns zu dem Attentat im Burg» theater noch gemeldet: Die ganze Tat stellt sich als ein wohl vorbereitetes politisches Attentat dar. Die Täterin, die unmittelbar nach den Schüssen von einem Billeteur aus der Loge geführt wurde, war nicht erregt und zeigte keine Spur von Reue. Sie gibt an, Mancia Carnaeciu zu heißen und aus Bulgarien zu stammen. Sie ist anfangs Jänner aus Sofia nach Wien gekommen. Der von ihr Getötete ist der 34 jährige angebliche Kaufmann Dimitri Arnautovie, ein Bulgare, der hier in Wien im Hotel Mariahilf wohnte. Die verletzte Frau ist seine Gattin Katharina Arnautovie. Der zweite Mann, der schwer verletzt wurde, ist der 'bulgarische Kaufmann Janni B o g a t i n o f s, der Schwager des ermordeten Arnautovie. Frau Carnaeciu behauptete - zunächst, sie sei nach Wien gekommen, um. hier einen Arzt, zu konsultieren. Das mit ihr gestaltete sich sehr schwierig, da sie sehr 's ch ItS) 'f beut sch spricht. Um eine Verständigung mit ihx herzustellen-, wurde sie von dem Kommissär in kroatischer Sprache einvernomMen. Sie gab schließlich an, sie habe das Theater aufgesucht, weil sie wußte, daß Arnautovie der Vorstellung beiwohnen werde. Sie habe ihn tot e n wollen, weil er vor langen Jahren i n S o f i a zwei gute Mazedonier.>rmordct.'habe. Sie habe diese Tat rächen wollen, weil sie. einen der Getöteten sehr gut gekannt habe. ' Das Theater hat sie zum Schauplatz ihrer Rache gewählt, weil sie in dem Hotel öder auf der. Straße keinen Morh begehen wollte. Arnautovie sei immer von vielen Bekannten begleitet gewesen, so daß sie an einem anderen Orte als dem Theater selbst nicht ihres Lebens oder der fosofortigen Rache sicher gewesen.wäre. ■ Es bestehen schwerwiegende'.Momente dafür, daß die Namen aller in die Schreckenstat verwickelten Personen falsch angegeben wurden. Alle verfügen über Pässe, die erst vor ganz kurzer Zeit ausgestellt worden sind. Die Nachricht von der Tat verbreitete sich in Wien sehr rasch und rief überall das größte Aufsehen hervor. Im Theater selbst hatten nur die der Loge zunächst Sitzenden dje Hilferufe und Schüsse vernommen und den Feuerschein der Schüsse gesehen. Die Rettungsgesellschaft, die sofort berufen wurde, konnte bei dem angeblichen Arnautovie nur mehr den Tod feststellen. Sein Schwager ist schwer verletzt, die Gattin hat eine bedenkliche Wunde an der Brust. Die Einvernähme der Mörderin ' dauert zur Stunde — halb 2 Uhr nachts — noch an. Her bulgariche Kommunistenprozeß. Die Anträge des Staatsanwalts. Sofia, 8. Mtai. (Bulg. Tel.-Ag.) Im Prozeß wegen des Attentats in der Kathedrale hielt -heute der Staatsanwalt sein Plaidoyer. Im ersten Teil seiner Rede stellte er auf Grund zahlreicher Schriftstücke, namentlich von Schreiben der Komintern, von Instruktionen sowie der Zeugenaussagen fest, daß die gesamte Tätigkeit der Politik in der Agitation den Vorrang hgtten. In allen Presseäußerungen und in den Wahlreden wurde betont, daß die Gefährdung des Franken mit der verfehlten nationalistischen Rachepolitik Poincares zusammenhänge und daß alle Schwierigkeiten der Links- Regierung aus dieser Quelle stammten. Das Kabinett Herriot hat im Verein mit England Großes geleistet, um zu einer Beseitigung des .deutschen Konfliktes und zu einer Entlastung von dem aufreibenden europäischen Streit zu kommen. Es hat die Annahme des Dawes- Planes dnrchgesetzt, den ja auch Hindenburg und sein Block gerne annehmen werden. Deshalb sind die Gemeindewahlen ein sehr deutliches Vertrauensvotum für die demokratische Republik und sie Iverden auch überall so verstanden werden. Sie sind eine Niederlage der Reaktion, die umso stärker wirkt, als eine Woche vorher sich Hakenkreuzler und Kommunisten zum Sturz der deutschen Republik verbunden hatten. Frühjahrs-Neuheiten ln Domen- und Herrenstoffen zu sehr billigen Preisen bei ii Schiffmann II. 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