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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-08 · Heft 2232 (8.5.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2232 (8.5.1925)
Date
1925-05-08
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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jfff, S232 _ Dien, ftrettofl Mitteilungen nus_öem PublUnm. ynadartu iiabant Bureau: Orljj.üram. _ ' IVP Wlen.mn.Skodagasse ia/2 Verminderung von ungefähr 2 Prozent aus und be-. trügt 214^ Millionen. Der Börseindex weist eine Senkung von 1124 anfangs März auf 1037 Ende April auf. Diese Indexziffer ist die niedrigste fett der Stabilisierung der Krone. Im Durchschnitt sind die Kurse um 25 Prozent niedriger als im September 1922. Der Großhandelspreisindex ist von 20.548 auf £0.058 gefunken. , Bo« der LSnderkonsereni. Henke tritt die Ländevkonferenz zusammen. Die christliichsozialen Ländervertreter 'hielten eine Vorkonferenz ab, in der sich volle Einigkeit über die vorgelegten Gesetzentwürfe betreffend die Einführung einer Kontrolle der Länder durch den Rechnungshof, den Entfall de's Beharrungsbeschlusses 'bei Länderäbgabegesetzen, die S t e u e r v e r e i n h e i t l i-- chung, die Frage der Inlkraftsetzuirg der noch nicht durchgeführten Artikel der Bundesverfassung und über die Ueberlassung von BerwaAungsagenden an die Länder ergab. Ebenso wurde hinsichtlich der Bedeckung der Mittel für die Uebernahme dieser BerwaltungStätigkeit durch die Länder Einigkeit erzielt. Die versammelten chrisilichsozialen Mitglieder der Ländevkonferenz befaßten sich auch eingehend mit den Bedenken, die gegen die sogenannte Berländerung der Verwaltung geltend gemacht worden sind. Es trat dabei mit Uvbsrzeugung hervor, daß den anderen Ländern jem Befugnisse nicht voventhalten 'werden können, welche die S t a d t W i e n znn: Großteil bereits besitzt. Wieweit die Beratungen in der Ländevkonferenz gelangen werden, hangt in weitem Maße davon ab, ob die Konferenz sich auf die detaillierte Beratung, der vorliegenden Entwürfe einläßt. Da diesbezüglich cmsgearbeitete Texte vovliegen, so kann bei eingehender Behandlung des ganzen. Materials mit einer vollständigen Erledigung am 'morgigen Verhandlungstage kaum gerechnet werden. Man wird also wahrscheinlich die von den Großdeutschen »bestrittenen Materien vorläufig unerledigt lassen. Ae Sünde wider da« Blnt. Wader läßt Dinier einreisen. Me die Korrespondenz Hevwei berichtet, ist der haken- -reuKevische Buchfchreiber Dr. Artur Dinter aus Lhürin- ■gen in Wien emgetvoiffen, augMich zu dom Zweck, um in einer Hakenkreuzlerverfammlung, die heute in der Katharmenhalle in Meidling stattsindot, einen Vertrag über Rassen schütz zu halten, den er in seinem Buch ,-Die Sünde wider das Blut" behandelt hat. Dieser Dinter ist in einem im Vorjahr durchgeführten Prozeß als ein typischer Hinterlandsheld entlarvt tvorden. Seine Hauptlforce ist die Ucbertvagung der arischen Anschauung ans das sexuelle Gebiet. Daß man diesen Dummlkoipif einreisen läßt, während Erich Mühsam sorngchalten wird, ist charakteristisch für den Waber-Staat. „Jon Ml von de« grünen Hofen." Musikalische Komödie von Walter.Braunfels. (Erstaufführung im Operntheater.) Während Walter Braunsels in seiner Oper „Die Dögol" die Aristophanische Komödie in ein romantisches Nirgendwo-Land und in zeitlose Fernen verlegte, wölbt sich über seiner neuen Oper ein ewig blauer südlicher Theater- Himmel. Sie spielt vm Lande der Carmen und des Corregidor in der Zeit des Delasquez und verdankt ihre Entstehung einem: Draum von Gabriel Tellez, dem Freunde ruld literarischen Schüler Lope de Vegas. Tellez — mit fciucnt Dichternamen Tirso de Mol in a—, ein spanischer Mönch, der den Diesseitssreuden nicht abgeneigt war, brachte bekanntlich als erster den Don-Juan-Stoff auf die Bühne und schuf unter anderen Lustspielen auch den berühmten „Don Gil de las calzas Verdes", dir ja auch ß>eit Don-Iuan-Stoff variiert: Donna Iuana, die verlassene 'Geliebte des Don Gil, der sie uw der reichen Ines willen verläßt, folgt ihm irr Männerrock und grünen Hosen nach Madrid und macht ihm dort, als ein zweiter mit ihm rivalisierender Don Gil, solange «die Nebenbuhlerin und andere Frauen abspenstig, bis er müde uud ^'uig zu seiner .Iuana zurückstndet. So einfach ist nun freilich die BülhtteNhaMung nicht! Denn so harmlos die Mittelchen, so verschlungen sind die Wege dieses trotz aller Leichtfertigkeit artigen Doppelspieles, das von immer neuen Liebeständeleien umrankt, ja fast überwuchert wird. Mit wechselndem Gelingen hat es Braunfels versucht, als sein eigener Textdichter den Wirrwarr der Handlung den Erfordernissen seiner Mlusik dienstbar zu nrachen, welche uWömein reich, ja fast allzu reich au musikalisch hochiivertiger Substanz ist. Die geschlossene Form der guten alten Oper herrscht vor, anmutige Arien, Ariosos, Duette, Terzette — «ines schöner als das andere — und kuusivolle Ensembles fliehen in breiter Melodik dahin, fremde Elenlente, wie Arietten der alten -Italiener Pergolesi und Domenico Paradies, auch alte Laute »musik, sind sinnig der «-'igeneik Musik dienstbar gemacht, prächtige -lebendige ZivischLuspiele bringen gleichsam Pshchblogische Retvofpektivrn. Verweisen wir auf den retzvMn Gesang des Savoy- Wiener Msraenzettung. k!n Wiener Advokat in Rumiinleaverscholleu. Das Schicksal des Rechtsanwaltes Dr. Egon Schönhot. Der Wiener Rechtsanwalt Dr. Egon S ch ö n h o f hatte sich, wir berichtet, vor einigen Tagen als Verteidiger in einem Kommutlistenprozeß nachBnkarest begeben. Durch die Mitteilung eines Prager Rechtsanwalts, der als Verteidiger nicht zugelassen worden war, wurde man auf da- Schicksal der Wiener Anwalt» aufmerksam gemacht, welcher verhaftet und verschleppt worden sein sollte. Dokor S ch ö n h o f hätte, wenn er nicht zugelassen worden wäre, bereits wieder nach Wien zurückgekehrt sein müssen. Dr. Valentin R o s e«f e l d hat nun beim Ministerium des Asußere» wegen des Verbleibens des Dr. S ch 3 n h o f interveniert und ersucht, daß das Ministerium durch die österreichische Gesandtschaft in Bukarest wegen des Schicksals des Rechtsanwalts Nachfragen lassen solle. Auf Grund dieser ministeriellen Intervention hat nun gestern das Bundeskanzleramt die Kanzlei Dr. Rosenfeld verständigt, daß Dr. SchSnhof nach Mitteilung des Ministeriums des Aeußeren von Bukarest am 30. April unter Eskorte zur Rückbeförderung an die rumänische Grenze gestellt worden ist. Ueber sein weiters Schicksal ist hier keine Mitteilung eingetroffen. Dr. Schönhof hätte schon langst wieder in Wien sein müssen. _ Selbstmordversuch der Sachter Sielnitz'. Duüapost» 7. Mai. (Tel.-Komp.) Wie „Az Eft" aus S z a t m a r meldet, hat die Tochter Jakob R e i n i tz', Fanni R e i n i tz, vorgestern Selbstmord durch Erhängen begehen wollen. Der Selbstmordversuch wurde rechtzeitig bemerkt und das Mädchen gerettet. Fanni Reinitz wollte sich aus Gram Über die Taten ihres Vaters das Leben nehmen. Las Schachturnier in Baden-Baden. Baden-Baden» 7. Mai. (Wolff.) Beim großen Schachineisterturnier wußte der 19jährige T o r r e aus Mexiko den Wiener Großmeister G r ü n f e l'd in ein unentrinnbares Mattnetz zu locken und besiegte ihn im 13. Zuge. Es handelt sich hiebei um eine der kürzesten und bewundernswertesten Partien der Schachgeschichte. 16. Runde: S p i e l m a n n gewann eine Wiener Partie gegen Themas in 47 Zügen. Bogoljubow verlor gegen ZI a t e s nach 7b Zügen. Grünfeld verlor eine holländische Partie gegen T o r r e nach 13 Zügen. Carl gewann eine englische Partie gegen Te Kolste nach 32 Zügen. R e m i s wurden die Partien R u b i n st e i n gegen Tarrasch, Tartakower gegen Solle, Roselli gegen Aljechin. Abgebrochen wurden die Partten M i e s e s gegen Reti, Rabinowitsch gegen T r e y b a l und Marshall gegen R i e m z o w i t s ch. Sämisch war spielfrei. Die Sttanb-guwelea. llebergabc au die Lady Samuel. Ans Jerusalem wird uns 'berichten Eine Sa'nunlrurg prachtvoller Juwelen, -die Fra,» Nathan S t ra u ß der aimer ikanifch-ziouiftischen Franenorglmisatwn Hadafsüh gefchen»kt hat, wurde vor: eiitcc Anzahl, Mitglieder dieser Organisation um den Preis von 10.000 Dollar, die als Reservefonds für die Hadassth diene» sollen, erwerben und Lady Herbert Samuel zu»l Geschenk grmuchr. Die UrberrerchnnH dieser Jnwclen an die Frau des High Eomm:'ss:.r»erS. die jüngst in Anwesenheit einer großen avd-enknaben, ans das prächtige Trinklied, aus das launige Gezanke zwischen Vater und Tochter, denen sich Donna Clara als 'lustige Dritte 51t einen: humorvollen Terzett zugcfcllt. Es steckt überharlpt viel Geist und Charakteristik in Braunscls' Musik. Da ist der .urkomische Alte mit seinem Fünfviertelmotiv, dje flatterhafte Tochter, die mit ihren Koloraturen« tändelt, ihr würdig tuender, gleichsam aus Stelzen musizierender Bräutigam, die in ihrer Musik wie in ihren Gefühlen hin- und hergeworfene Donna Clara und gar der drastische Diener Caramanchell, ein echtes .Hausmöbel der alten ,^7'perä Bufsa", die sich erst im letzten Finale völlig dur.chri.ntzt. Mit großer Sorgfalt sind die Bolksiszenen und spaniischon Tänze — all die Boleros, Sarabanden und Seguedillas — rhythmisch und klanglich gestaltet, wie ja übechaupt das Orchester ivahre Kabinettstücke kammermusÄailischer Feinkunst bietet. Freilich — trotz allen spanischen Kolorits! — kann und will Braunsils' Musik ihren deutschen Charakter niemals verleugnen. Wohl kennt sie die Landschaft der Carmen, die Wege des Don Juan und des Figaro, doch immer wieder zieht es sie zur deutschen komischen Oper von Cornelius, der schon im schwungvollen Hornchema der prächtigen Ouvertüre den Ton altgibt, und zu Hermann Goetz, mit dessen widerspeisitiger Katharina die liebende Donna Iuana ,musikalisch wahlvevwaM ist. Durch und durch deutsch ist vor allem die Melodik: Sie steigt nicht immer wie bei Mozart oder Ädossmi leicht und froh zu lichten Höhen empor, sondern sie. wird von den Schwergewichten der Begleitsti-mmen und der reichen Mordik und Instrumentation oft genug auf dom Erdboden festgehalten. So nennt Braunfels sein Werk nicht ganz mit Recht „uiusikalische Konrödie". denn die Heiterkeit de's „Don Gil" kann .uni seiner Vornehul'heit nicht gleichen Schritt lhalten. Mohr Teilvpo und lveniger Gewicht, mehr Urwüchsigkeit und Unterhaltung urcd weniger Gründlichkeit! möchte man nicht nur Walter Braunsols, sondern auch man# anderen Lusispieltomponisten, vor allem den deutschen, zurufeu. Mit den Rossinis und Mozarts ist es ja vorbei, mtb selbst Hugo Wolf ist in feinem spanischen „Gorregidor" weit reicher in seiner Lyrik als in seiner Komik. So birgt auch der „Don Gil/^ vorwiegend lyrische Kosibarkeiten, doch auch das Dramatische ist gegenüber den Vögeln vertieft, WM auch durch arge LÜNM gchemWt» _8. Mai 1025___Seite 6 Zahl von Lcr Hadassah ftailfanb, die anläßlich» >er Universitätsseler nach Jrrusalom gekommen waren, goü Gelegenheit zu ebner eindrucksvollen Ehrung. Ursprünglich war geplant, daß die Juwelen in Jerusalem bleiben und von der jedesmaligen „ersten Dame des Landes" getragen toerden sollten. Später aber wurde der Plan dcchin aibge^ ändert, daß man den Schmuck zu einer persönlichen Gabe für Lady Samuel bestimmte, „der ersten Frau inl modevnen Israel, durch die die Prophezeiung der Propheten verwirklicht wurde." Lady Samuül hat angskündigt, daß sie einen Weg suchen wird, wm die Juwelen einer zlonisttschen Körperschaft zur Verfügung zu stellen. Wien, 8. Moi. * Das Wetter. Der Mai bessert sich. Gestern gab es einen prachtvollen Frühlingstag. Die Voraussage meldet noch keine Aenoerung, halt aber Gewitterbildung für nicht ausgeschlossen. * Rückgängige Fleisrwreise. Infolge des reichlichen Anbotes und der warmen Wittevumg sind 'im Großhandel der roß markt halle die Preise für Rindfleisch neuerlich unl 10 bis 20 Groschen, für Rindibratenfleisch um 20 Groschen, für Kallibsieisch um 20 Groschen pro Kilogramm zurückgegangen. Die Kleinhandelspreise Weiden von diesen Preisermäßigungen noch völlig unberührt. Auf dm Gvünwaremnärkben gchcu die Preise für Sallat und Spinat tveiter zurück. $unu ersten Male in der Saison kam aus dem Naschmarkt auch Gävtnergrundsalat zum Verkauf, der sich allerdings wesentlich teuerer stellt als der ungarische Grundsalat. Für 30 Stuck wurde ein Preis vor: 4 Schilling gefordert. Niederösterreichisch er Spargel kommt bereits in großen Mengen auf die Märkte, kostet aber noch immer Z bis SchMng pro Kilogramm. Die Butter- und Eierpreisc sind archalterid unverändert. * Der Fremdenverkehr im April. Im April l. I. sind in Wie:: insgesamt 39.816 Fremde angekommcn. Von den Fremden waren 12.910 Oesterreicher. * Uebersiedlung der Wirtschaftspolizei. Die Anttsräume der wirtschaftspolizeilichen Abteilung befinden sich nunmehr im Gebäude der Poüzeidirektion, 9. Bez., Rossauerlände 8, im ersten Stock. Auskünfte werden im Z:mmer Nr. 67 erteilt. * Betrug an der Pester Kultusgemeinde. Aus Budapest ist der 25jährige Privatbeamte Josef B e c s k y, zu Marburg geboren, nach Veruntreuung von mehr als 100 Atillionen ungarischer Kronen zum Nachteile der Budapester israelitischen Kultusaemeinde durchgegangen. Er ivar mit dem Inkasso der Verpsiegsgebuhren für das Gemeindespital betraut und hat die eingehobenen Gelder nicht abgeführt. * Ein verschwundener Lehrling. Der 17jährige Kürschnerlchrlina Egon Hermann wird seit dem 4. d. aus der elterlichen Wohnung, 5. Bez., Stolberggasse 21, Tür 20, vermißt. * Wieder ein Wehrmannselbstmord. Mittwoch abends um halb 7 Uhr hat sich in der Kaserne in der Troststraße der dort kasernierte Feldjäger Rudolf Flor, am 3. November 1899 zu Eger geboren, nach Wien zuständig, in der Konrpagniekanzlcl mrt seinem Dienstgewehr durch einer: Schuß getötet. Nach erneu: Abschiedsbries ist Verschuldung die Ursache der Tat. * Die Lebensmüden. Die 40jährige Bankbeamtin Leopoldine Bauer wurde Mittwoch abends in ihrer Wohnung rn der'Penzingerstraße in dem mit Leuchtgas erfüllten Zimmer tot aufgesunden. — Mittwoch um 2 Uhr nachmittags wurde der 35jähriae Privatbeamte Karl Ozasek in seiner Wohnung in Floridsdorf erhängt ausgefunden. Er hat wegen Familienzwistes Selbstmord verübt. — Gestern früh wurde tn: Schweizcrgarten an einem Baume ein etwa 60- bis 65jähriger sehr defekt aussehender Mann erhängt tot aufgefunden. * Wettbewerb für den Bau eines jüdischen Gesundheitshauses in Kowuo. Die Gesellschaft für Geiumoheiitsischutz unter den Juden ,/Ose" veramstaM oinen Wvttbewerlb zur Erlangung von Entwürfen für ein jüdisches GchumÄheitshcrus ill Kowno (Litauen), dessen Evbcrunng die ,FIe"Mc»sell- »scha'st beaNsichtiat. Bedingungen und Un-tärlagsn sind bei der Gesellschaft ,/)> e" in Berlin. W. 07, Frebenstraße 4, foivic bei dem Komitee der lito»u>ischen „Ose"-Gesellschaft in Kvwrro, Meirenieg—ve 6, echältlich. Byaunfels' Madrid liegt nicht am Man^anaves, sondern an einem klaren deutschen Wässerchen, »und das Wölk :n »der Schenke und die tanzenden Bauern trinken wohl nicht seurigen ,/Dpamer", scmdern nur deutsches Düumbier. Die Musik ist lveder aus leichtfertigem, heißblütigem Tencherarnent de's Südens, noch aus romanischer Grazie, geboren, sondern ans der tiefen Empfindung eines sch»lverblütigen deutscher: Künstlers, 'welche die musikalische Komödie vevnlensch'licht und veredelt. ,M gibt", so meint Nietzsche, der Schätzer des gallrschon Esprit, „Me: Arten vorr Genies: eines, welches vor allem zeugt und zeugen rvill, und eir: anderes, welches sich gern bvsvuchter: läßt un»d gebiert." Als ein derartiger genialer Tondichter, der sich gern befrrtchten läßt — nicht nur von Wagner un»d der deutschen komischen Oper, sondern auch von Mozartscher Nielodik, Straußscher Mordik us»w. —, doch immerh-ir: ir: seinen: „Don Gil" Inniges und Eigenartiges geschaffen hat, -nntß BraunM, der hervorragende Könner, in unserer ün'ftlerisch verarmten Uebergangszeit besonders hoch eingeschätzt werden. Die von Direktor Schalk geleitete Aufführung des Qperutheaters war zu wenig auf lustspielmäßig bewegtes Tempo ^bedacht. Mit den munteren Silhouetten in der Schenke und den: plätschernden Springbrunnen — auch sonst gab es sehr schöne Bühnenbilder, die Rollers Meisterhand und Turnau's einfallsreiche Regie verrieten — allein ist es nicht getan, vor allem verlangt „Don Gil" Bewegurrg im Orchester und auf lder Bühne. Zu phlegmaüsch und biirgerlich sang Frau Lehu:aun mit chver wundevschör:en Stinune die Donna Iuana, ganz liebendes, hingebungsvolles Weib und durchaus kein Dorr Juan. 2l»uch ihr Partner «Herr Gail los gostaltete den Don Manuel zu saMos, und Frau Rajdl als Ines schien imsicher in der Dolvgebung. Recht drollig Herr Norbert als Don Pedro, sehr gut Fräulein Anday^ rurd ganz prachtvoll Herr M a y r in seiner Leporello-Rolle. Auch die Herren Renner'und Arnold, Madi n, Wern igk und Wolken und die hübsche Stimme von % Schneider als Savoyardenknabe bewährten sich im Enscmbü.'. Ter Komponist, der wiederholt hervorgerufsn wurde, erhielte mit der hochbedentsamen Nrri^rr einen lebhaften wohlvechienten Erfolg. Erlvm Fellir, 22791479

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