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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-08 · Heft 2232 (8.5.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2232 (8.5.1925)
Date
1925-05-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 ' Dien, Freitag Herbert Samuel. ' Jerusalem, 6. Mai. (I. T. A.) Der Oberkommissär Dir 'Herbert Samuel empfing den Rabbiner I. L. Zlotnik aus Kanada, der Hm die Grüße der kanadischen Judenheit überbrachte. Der Oberkommissär sprach ■ntit Enthusiasmus über die von den Juden in Palästina geleistete Arbeit und war insbesondere voll Lobes über das landwirtschaftliche Aufbauwerk im Tale Iezreel. Sir Herbert Samuel erwähnte, daß er am 30. Juni d. I. seinen Posten als Oberkommissär Palästinas verläßt und bemerkte in Verbindung damit, dies werde nur eine Unterbrechung seiner Arbeit i n Palästina, nicht aber ein Ende seiner Arbeit für Palästina bedeuten. Sir Herbert übergab Rabbi Zlotnik ein Schreiben an die kanadische In den heit, in welchem es unter anderer» heißt: „Als ich vor fünf Jahren nach Palästina kam, war ich hinsichtlich der Möglichkeiten des indischen Nationalheims hoffnungsvoll; jetzt, da ich -»»ich anschicke, Palästina -yu verlassen, kann ich sagen, daß ich nicht nur hoffe, sondern e: nc n endgültigen Erfolg erwarte." Ile Anti-Balfour-Kundgebungen in Iamarlur. Jerusalem, 6. Mai. (I. T. A.) Ter französische Konsul in Jerusalem lehnte die Vidievnng der Pässe einer Abordnung palästinensischer Araber, die .sich nach Syrien begeben wollten, um den Veranstaltern der Anti-Bchfour-Kundgebung ihre Sympathie auSzudrücken, ab. W-ie aus Damaskus gemeldet wird, sind 5 4 Arab e r, die sich an der Kundgebung gegen Balfour führend beteiligten, dom Gericht übergaben worden. PMftlna und die Lttomauische Staatsschuld. Jerusalem, 6. Mai. (I. T. A.) Nach einer soeben erhaltenen Mitteilung hat die Kommission des Völker- 'b u n d e s, die mit der Regelung der Frage der ottomanifchcn Staatsschuld betraut ist, die Festsetzung der von P a I ä st i n a, Transjovdanien, Syrien, Libanon und Mesopotanlieu zwecks Tilgung der -Schuld zu zahlenden Summen bis zur endgültigen -Festsetzung der Grenzen zwischen der Türkei und diesen Ländern verschoben. Die Agudah «ad die Zewlsß Agency. London, 6. Mai. Der AgudaMhrer Rabbi Isaak A!eir L e v i n, ein Schwiegersohn des „Gerer Rebbe", erklärte irr einem Gespräch mit dem Londoner I. T. A.-> Vertreter: Der Hauptstrom der Auswanderer aus Pokep geht nach Palästina. Dies nicht allein darum, well Amerika verschlossen ist, sondern auch darum, weil d i e Liebe zu Palästina unter der polnischen Judenheit stets sehr stark war. Dieser Umstand hat die Auseinandersetzung zwischen Agudas Jisvoel und der Zionistischen Organisation in der Frage der Zertifikate für Palästina ins Rollen gebracht. Es ist wichtig, daß die Jewish Agency zu einer Vertretung des gesamten jüdischen Volkes erweitert wird. Ein sehr großer Teil der nach Palästina strebenden Juden Polens gehört der zionistischen Bewegung nicht an. Dennoch haben sich die Führer der; i o n i st i s ch e n Weltbewegung überzeugen können, daß ihnen das jüdische Volk hinsichtlich der Einwanderung nach Palästina voll es Vertrauen schenke Aber in manchen Zentren sind die maßgebenden Personen der Patästinaämter, die für die "Ausgabe -der Zertifikate in Betracht kommen, zu sehr -Partermenschen, die Mchtzronvsten 'benachteiligen (?). Deshalb müßten in der Frage der Zertifikate für Palästina die Agudas Jisvoel und andere Mische Organisationen ein Won mitzureden haben. Biele -der nach Palästina auswandernden Agudisten sind tvohlhabende Geschäftsleute, die zur industriellen Entwicklung de's Landes sehr viel beitragen können. Es ist 311 wünschen, daß die Erweiterung der Jewish Agency sehr bald vor sich geht. Die Agudas Jisvoel wird mit dabei sein, unter der Bedingung, daß r e l i g i ö s e F r a- 6 e n nichr einem Mehrheitsbeschluß unterliegen oder, ibesftr gesagt, daß der Wirkungskreis der Jowish Agency den rein wirtschaftlichen Ausbau Palästinas u>msaßt und die religiösen sowie kulturellen Angelegenheiten dem Wirkungskreis der emzel-ntzn Gruppen überlassen bleiben. Zusammenschluß amerikanischer Jugendorganisalionen für den Ausbau PalWua». Rew-Aork, 6. Mal <>J, T, St.) Am 30. April mutte, wie schon kurz berichtet, in New-York eine Konferenz der jüdischen Jugendorganisationen Amerikas eröffnet, die das Ziel verfolgt, einen Zusammenschluß aller Organisationen für den Aufbau Palästinas herbeizuführen. Erschienen waren' Vertreter der folgenden neun Organisationen: Juug-Judcch, Jung-Hadassah. Jung-Misrachi, Jung-Jsrael, Menoroh, Jugendvereiu Poale Zion, Haschomer .Hazair, Hechaluz und Jugendliga der vereinigten Synagogen Anrerikas. Den Vorsitz führte Miß Hsnviette S z o l d. Die Konferenz beschloß, einen permanenten Rat der Jugend einzusetzeil. der das Ziel verfolgen soll, die Propaganda und die Tätigkeit zugunsten der Erlösung des Palästmabodens durch den Jüdischen Natronalfonds zu intensivieren. Ferner wurde beschlössen, einen ständigen intimen Kontakt mir den C'haluzim zu unterhalten. Jede Organisation verpflichtete sich, eine gewisse Summe jährlich für die Arbeit d. r Chalustm aufzu'brinHon, " _Mlener Moraenzeltünft._ Sie Wischen Arbeiterorganisationen Amerikas für die »aüeidende» Juden Lfteurapa». New-Aork, 6. Mai. (I. T. A.) Auf Initiative des gegenwärtig mit der Abordnung der jüdischen Welthrifskonftrenz in Amerika weilenden Mitgliedes des preußischen Landtages Dr. Oskar Cohn wurde hier eine Konferenz voit Vertretern jüdischer Arbeiterorganisati.onen Amerikas abgehalteu. Die Konferenz-beschloß, angesichts der Liguidieruug der .Hilfstätigkeit des Joint Di st r i b ut i o n C o m m ittees eine iniensive Hilft tätig 'eit zugnifiten der notleidenden Judenheit O st e u r o p a s aufzu nehmen und die bisher zersplitterten Aktionen zu vereinheitlichen. Am 10. d. wird in New-Aork eine Konferenz aller jüdischen Arbeiterführer und Vertreter der jüdischen radikalen Organisationen in den Vereinigten Staaten und Kanada beginnen. Diese Konferenz wird über die Einzelheiten der Hilfstätigkeit zu beraten haben. Vertreter der größten jüdischen Arbeiterorganisationen in den Vereinigten Staaten, wie United Jewish Labour Organisatrons, Jewish Wovkmens Cirole, National Workers Association, Jewish Socialist Association, Jewish Socialist Labour Party Poale Zion, International Ladies' Garrnent Workers Union und Amalgamated Cloth: ng Workers Union, sowie eine Anzahl jüdischer Führer erließen einen Aufruf znr Intensivierung der jüdischen Hilfttätigkeit. Oskar Cohn schlägt vor, daß alle organisierten jüdische:: Arbeiter je einen Stundenlohn ihren leidenden Genossen in Osteuropa widmen; dies würde eine Summe von anderthalb Millionen Dollar dem Hilftwerk zu führen. Las Zenttum bleibt fest. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin» 7. Mai. In dem Organ des Zentrums, der „Germania", wird heute erklärt, für das Zentrum liege keine V e r a n l a f s u n g vor, auch nur ein Jota von seiner bisherigen Politik preiszugeben. Das Zentrum werde n i ch t n a ch rechts gehen, so wenig wie es nach links gegangen sei, sondern es werde warten, bis auch die Rechte die Lehren aus der Vergangenheit und anden gegebenen Machtverhältnissen ziehe und sich wieder der Mitte nähere. Vor dem Zusammenschluß mit d e r R e ch t e n müsse das Zentruin, von anderem abgesehen, auch schon deshalb zurückschrecken, weil der schwerindustrielle Flügel der Deutschnationalen zwar geneigt zu sein scheine, seinen Frieden mit der Republik und der Außenpolitik z u m a ch e n, die von W i r t b und Marx inauguriert wurde, aber nicht den Argwohn zerstreuen könne, daß die Aufrichtung oder noch festere Fundierung einer Kapitalsherrschaft im Rahmen der Republik ihm sehr erwünscht wäre kaillauk' Aeuerpläne. cEigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 7. Mai. Finanzminister Ca illaux wird SamStag dem Ministerrat über die Finanzlage berichten und ihm die bereits vorbereiteten neuen Steuerpläne sowie einen Budgetentwurf für das Jahr 1926 unterbreite». Ueber die Steuerpläne Caillaux' verlautet, daß sie eine Erhöhung der Steueransätze für mobile Werte sowie die Gleichstellung der landwirtschaftlichen mit anderen Krediten vorsehen. Das Budget pro 1926 wird eine ft r e n g e Sparpolitik verfolgen. Das an der-Börse verbreitete Gerücht, daß auf Grund eines neuen Abkommens zwischen dem Finanzministerium und der Bank von Frankreich eine Inflation bevorstehe, das schon zu einer Hausse in ausländischen Valuten geführt hatte, wird heute dementiert. We Spaltung der Senfer Waffenkonferenz? London, 7. Mai. (Wolfs.) Die ,,Morning Post" berichtet auS Genf Über Anzeichen einer Spaltung auf der Waffenhandelskonferenz. Keine der Großmächte scheine in diesen Fragen bereit zu sein, hervorzutreten und ih r e K arte n auf den T i s.ch z u w e r f e n. Nicht nur Amerika, sondern auch andere große tvaffenerzeugende Staaten seien allem abgeneigt, was das Gedeihen ihrer Waffe ntndu st rie beeinträchtigen würde. Die Konferenz weise bereits Anzeichen einer Spaltung in verschiedene Gruppen auf und nur leidenschaftliche Apostel dieser Sache wagen, einen glücklichen Abschluß vorauszusagen. Sveßla znMgekehrt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") Prag, 7. Mai. Ministerpräsident S v e h l a ist heute von seinem Kuraufenthalt im Süderl z u r ü ck g e k e h r t. Die Aerzte erklären seinen Gesundheitszustand füt sehr z u« frieden stellend, empfehle» ihm aber noch Schonung, so daß der Ministerpräsident sein Amt vorläufig nicht wieder übernehmen wird. Amnndfe« vor der Abfahrt. Oslo, 7. Mai. (Tel.-Komp.) A m u n d s e » teilt heute sunkeiltelegraphisch mit, daß er, wenn nicht noch in letzter Minute die Wetterlage sich verschlechtern sollte, nunmehr zum eigentlichen Probeflug aufsteigeu und auf dem Eise au der Nordwestküste von Spitzbergen landen wird. Die „Fram" hat bereits einen Landungsplatz ausfindig gemacht. ES herrschen 19 Grad Kälte. Schilrff bei »rtand. Paris, 7. Mai. (.Havas.) Außenminister Briand har heute nachmittags den österreichischen Handelsmiutster Dr. Schürff empfangen, der in Begleitung des NerrLl,Mche» Gesandten E i ch h o f f erschiene» war. 9. m 1625 ZK. MS See Prozeß gegen Suftav Lederer. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 7. Mai. Am 12. d. beginnt vor teft. Honved-Obergericht die Hauptverhandlung im Mordprozesse gegen den Gendarmerie-Oberleutnant Gustav Ledere r, dem Mörder des Selchermeisters KodeIka. Die Verhandlung dürfte voraussichtlich vier bis fünf Tage dauern. 45 Zeuge» sind vorgeladen. Die Anklageschrift der Gendarmerie-Anivaltschaft erhebt gegen Gustav Lederer die Anklage auf Raubmord und beantragt gegen ihn den Tod durch den Strang und die Ausstoßung aus der Armee. Gustav Lederer wird im Lause der Verhandlung vor dcnr Honvcdgericht m i t s e i n e r F r a u konfrontiert werden, welche er der Anstiftung zu dem Verbrechen bezichtigt. Frau Gustav Ledeper hat, seitdenl sie in Kenntnis ist, daß ihr Mann die Hauptschuld an: Verbrechen auf sie zu schieben benliiht ist, im Gefängnis in der Markogasse wiederholt Tobsuchtsanfälle erlitten. -Der Verteidiger der Frau Gustav Lederer erhielt dieser Tage einen Brief des Wiener Psychiaters, Professors Dr. Wagncr-Jauregg, worin dieser bezeugt, daß Frau Gustav Lederer im Jahve 1904 und 1910 auf der Wiener psychiatrischen Klinik wegen schwerer Hysterie in Behandlung stand. Dieser Brief Wagner - Jaureggs steht im Gegensatz mit dem Gutachten der Budapester Gcrichtspsychiater, die der Ansicht sind, daß Frau Lederer nicht nervenkrank und vollkommen zurechnungsfähig ist. Der Strafprozeß gegen Frau Lederer wird E n d e Juni vor dem Budapester Strafgericht zur Verhandlung kommen. Statt krsparungen — eine Erhöhung der Personallasten. Der 28. Monatsbericht Dr. Zimmermans. Wohl wegen der Pariser Tagung des Kontvollkoinütees des Völkerbundes erscheint der diesmalige Monatsbericht des Generalkommissärs Dr. Zi-mmerm a n, der die Zeit vom 15. März bis 15. April umfaßei was verspätet. Der Bericht konstatiert einleitend beachtenswerte Fortschritte in der Durchführung der Genfer Vereinbarung von: September 1924. Als solche zählt er die Verabschiedung des Budgets, die Einführung des freien Deviseuverkchrs, die A:rge,stellte nab ba uu ovelle und die .Herabsetzung der Kövper-? schaftssteuer auf. Die wirtschaftliche Lage ist — wie es iveiter heißt — noch immer wenig 'befried: g c n d. Der Geueralkoumüssär würdigte die Hindernisse. welchen der Handel tu Mitteleuropa begegnet, er unterließ es aber in seinen Berichten doch nie, darzulegen, daß es neben diesen Apachen, die sich der alleinigen Einflußnahn:,e Oesterreichs entziehen, auch andere gibt, die zu beherrschen in seiner Macht liegen. Er verwies aus die schweren Lasten, welche die Produktion 'bedrücken, deren Erleichterung um so notivendiger ist, als gerade die im Ausland auftauchenden Schwierigkeitei: es lkötig umchen, die Koukurreuzfahigkeit autf den ausländischen Märkten durch Verbilligung der Gestehungskosten und Erhöhung der Arbei'tsi n t e n s i t ä t zu erreiche::. In Besprechung der Richtlinien für den Bea mtenab'bau cvklärt der Generalkommissär, daß das System des neuen Abbaugesetzes nicht geeignet sei, besondere Ersparungen herbeizuführen. Es sei sogar möglich, daß di« Pevsonallasten statt Ersparungen sogar eine Erhöhung auflveisen lvevde::. In der Berichtsperiode wurden 187 Bundesangestellte äbgeibaut, insgesamt bis jetzt 73.719 Personen. Wie aus den: Bericht der belgischen Sachverständigen hervorgeht, wird auf dem Gobiet der Post-, T e l e g r a p h e n- :> n d Telephonve r Walt u n g noch ein weiterer Abbau möglich sein. Die übrigen Sachvevständigen sind übrigens hittsichNch der von ihnen überprüften Ressorts zu dem gleichon Schluß geko'iN'N:eu. Bei aller Anerk'.nnung der österreichischen Post- und TelegraphsnverwaltUlNg machen die beiden belgischem Experten auf eine beträchtliche Hypertrophie des Beamtenkörpers, u n g e n ü g e n d e T a g e Ä a r b e i t, n: a n g e l n d s Kontrolle der Arbeit und häufiges Fernblei b e r: der B c a nt te it w e g e n Krankheit nsw. aüsmeriksam. Sie schlagen eine Reihe von Refornten vor, dank welche,:: es möglich sein würde, ohne höhere Tarife die Post- und Tctegraphenverwa.lt.ung instand zu setzen, in die Staatskasse sehr beachtenswerte Ei nn a h m e u it bersch ü s s e äbzuführen. Das A:: l e i h e t onto wies am 81. März ein Aktivsaldo von 42,845.000 Dollar auf. Wie im Vorjahre hat der GoneraMommissär den laudwirtschaftlichen Genossenschafter: einen Du ngm itte lk r e d i t von 150.600 Dollar gewährt. Der Betrag der laufen,dc»: S ta a t s a u s gab e n in ben ersten Monate::. -des Jahres überschreitet die für diese Periode ausgesetzten Beträge des Normalbudgets beträchtlich. Die Lage der Nationalbant ist durch ein mäßiges Ansteigen des Gold- und Teoiscuschätzes cl)arakterisiert, die Gesauttzivkulation erhöhte sich an: 7. April aus 8 2 3,6 M^l l i o ne n Schill in g, die Schuld des Staates ptfytot'ma'tfarft weist eine neue

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