Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2231 (7.5.1925)
- Date
- 1925-05-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. ms Wien, Donnerstag Wiener Morgenzettims 7. M«i IM HM 8 berechtigt, mit der vom WMevbumd ernannten Kommission und mit dem Antragsteller m Verbindung zu treten, um die ErgaWumgen im Plane zu erwirken, die für das jüdische Volk eine Rotwendigkeit sind. Dies muß ofl&iex schnell geschehen, 'bevor es zu spät ist, Kein ««laß in einer Koalitionrkrlse. , Offiziell wirdas Bsstchen einer Koalitionsk rks e aL ge leugnet, und nach den gestrigen Beschlüssen der Gvoßdeutfchen und der Chriftlichfozialen scheint in der Regierungsmehrheit auch tatsächlich nicht die Absicht zu bsstchen, drei Wochen vor Genf über die Doktorfrage, ob der chvistl-ichfoziale Landeshauptmau-.l oder dev chvistllichsoziale Bundeskanzler die Ernennungsdelrete der Bezirkshcruptleute und der anderen Politischen Beamten in den Ländern ausfertigen soll, Dr. N a nt c k und Doktor Ah re r straucheln zu lassen. Es sicht ganz so aus, als ob die Großdeutschen wieder etwas für ihre Reklame tun wollten und davU!M haben sie wegen der für die heutige Ländevkonferenz vorbereiteten Vorlagen Dr. Raineks über die Reform der Ländervevwaltung ein gewaltiges Geschrei erhoben. Geistern waren sie schien wesentlich ruhiger und ihr parlamentarischer Verband billigte einhellig die Absicht der -Reglern u g, alle Bedingungen für die Erleichterung und 'spätere Aufhebung der Kontrolle zu schaffen. Der ablehnende Standpunkt der Großdeutschen in der Frage der Veränderung wird nur ganz schüchtern angedeutet. Die Drohungen der Herren D i n g h o f e r und Genossen waren also nicht besonders ernst zu nehmen und der chrisilichsoziale Parteivorstand konnte abends, u.achdem er von dem Beschluß der Großdeutschen verständigt worden war, seiner Meinung dcchin Ausdruck geben, daß es zwar zwischen den MchrhoitsParteien Meinungsverschiedenheiten gebe, daß aber deren Beseitigung im Wege der weiteren Verhandlungen z uversichtlich erwartet werden kann. Es sei daher kein Anlaß, von einer Koali ti o n skr is c zu sprechen, Benesch' Besuch in Wien verschoben. &ie Hakenkreuzler Planen Demonstrationen. Der tschechische Außenminister Dr. Benesch hat den sirr den 13. d. angekündigten Besuch in Wien aus >inn>erpolitischen Gründen verschoben. Bon der Wu>karester Konferenz der kleinen Entente wird Dr. Benesch sofort nach Prag zurückkchren und sich 'dann nach G e n f zur Sitzung' des Internationalen Arbeitsamtes des Völkerbundes begeben. Sein Besuch in Wien soll dann, wenn überhaupt, Ende dieses Monats stattfinden. Die „Deutschösterreichische Tageszeitung", das Tage'sorgan der Pogromisten, widmet gestern dem Minister Benesch einen Artikel, in dem sich die folgende, auch noch durch Sperrdruck auffallend gemachte Stelle findet: ,?Und wenn Außenminister Dr. Benesch bei seiner Ankunft am 14. d. hier in Wien von einer vieltausendköpfigen Menschenmenge mit Pfuirufen empfangen würde, so würde dadurch für ungestörte Ruhe i,u Mitteleuropa weit mehr getan sein, als wenn Außenminister Dr. Wiataja durch seine unerhörten Versuche, die An-- Mußbewegung zu bagatellisieren, alle zahlreichen Staaten geradezu alarmiert, die niemals eine Annäherung Oesterreichs an die Tschecho-Slowakei zugeben Wunen." Dies ist wohl eine sehr deutliche Ankündigung von Kundgebungen, und es ist möglich, daß Benesch' Besuch S Wien gänzlich unterMeibt. Zimmermans Reife nach Warschau. Generalkommissär Dr. Z i m m e r m a n wird sich zufolge einer Einladung der polnischen Regierung an: 16. d. nach Warschau begeben. Wie der Politischen Korrespondenz vom Goneralkommissaviat des Völkerbundes vritgeteilt wird, trägt diese Reise, die sich nur über wenige Tage erstreckt, einen rein privaten Charakter, nnd die Behauptung einer deutschen Zeitung, daß Generalkommissär Dr. Zimmerman diese Reise im Auftrag des Völkerbundes unternehme, entbehrt jeder Begründung. i Rutsch-polnische Verhandlungen In Wien. Wie die Politische Korrespondenz. meldet, haben gestern in Wien Verhandlungen zwischen Deutschland u n d Polen zur Regelung einiger die soziale Versicherung im ehemaligen oberschlcsischen- Abstimmungsgebiet betreffenden Fragen begonnen. Die Verhandlungen werden auf deutscher Seite von dem Gosaudten Herrn Dr. Eckardt, auf polnischer Seite von dem polnischen Generalkonsul in Beuchen, Herrn Szczepanski, geführt. Geordnete Liquidierung von Blumau. Vor kurzem hat der Ministerrat Richtlinien für die Verwaltung der stillgelegten Staatsfabrik B I unrau genehmigt und zwecks geordneter Liquidierung der Blumauex Vermögensschaften ein interministerielles Komitee nngesetzt, das unter Vorsitz des Ministerialrates Doktor Rücker die Blumaner Agerrden zu erledigen haben wird. Obwohl die Aussichten für eine Neuind n st r i a I islerung Blumaus nicht allzu aussichtsreich sind, durste doch wenigstens eine teilweise Wiede rb e l e b u ug gelingen. Es liegen beispielsiveise s e r i ö s e wc l e t o s f e r t e von I n d u st r i e l l e n vor, welche In Jade» Jüdische Hins In jed* JUcl. Familie gehött das große jüdische Monnmenialwerk: S.M.DÜBNOW WeltsescftlcMe ll« Jüdischen Volkes In zehn Bänden / Autorisierte Übersetzung au» dem Russischen unter Mitwirkung de» Verfasser». Der große Gelehrte S. M Lubnow hat nach neuen wissenschaftlichen Ge. sichtSpunlten und Metlioden «ine allgemeine Geschichte de» jüdischen Solle» von seinen Anfängen bi» auf die letzte Zeit entworfen, die sich würdig allen großen Natioiialgeschichteu an die Seite reihen läßt. Da» Werk ist vernsen, in dieser für da» jüdische Volk ichirksalSschmeren Zen. jedem Juden da» große Bild der Vergangenheit zu offenbaren und neue Wege in die Zukunft zu weisen. Die Geschichte von Dubnow behandelt mehr die soziologischen Verhältnisse und ergänzt so in vortrefflicher Weise da» große Werk von Grätz, da» mehr geislige» Schaffen und heldenmütige» Märtyrerlum be« rncksichtigt. Das Werk ist auf zehn Bände, die bi» Ende de» Jahre» 1926 vollständig vorliegen werden, angelegt. Soeben isi der erste Sand, vornehm ansgestattet, erschienen and zum billigeren Subskriptionspreise von Ganzleinen (Gm. 72) S 20 Halbleder (Gm. 15) S 25 zti beziehen. Der Bezug de» ersten Bande» verpflichtet zur Abnahme de» ganzen Werke», dessen Prei» mit ungefähr (Qm. 120) 8 200, bezw. (Om. 150) S 250 angenommen werden kann. j Buchhandlung R. L 8 W IT (Versandabteilung) Wien, I. FBelschmarkt 1 einzelne Objekte für die Installierung von Betrieben zu gewinnen trachten. Me Lage Witternigg. Im Micteugesetzansschuß sprach Abg. Witternigg gestern >ilu Fortsetzung seiner in der Mon!tagsitzung unterbrochen,er: Rede von 10 Uhr vormittas bis 1 Uhr nachmittags -und von 3 Uhr nachmittags bis 7 Uhr abends. Abg. Witternigg wird in «der morgigen Sitzung in feinen Ausführungen f o r t f a h r e n. Re Reform der Verwaltung. Ter Verfassungsausschuß hat gestern das Verwaltungsstrafgesetz und das Verwaltungsvoll st r e ck u n g s g c s e tz nach mehr als dreistündiger Debatte vollständig erledigt und damit seine Aufgabe, was die B e r w a I tungsresor m ^'betrifft, v o rläu f i g e r f.ül lt. Wer wird den Index berechnen? Amtlich wind mitgeteilt: Die Organisationen der Arbeitnehiner haben, wie öefonnt, ihre Vertreter aus der Judexkommission abberusen. Zur'Klärung der Frage hat d>as Ministerium für soziale Verwaltung für den 12. d. die große Parität i s ch e K o m m i f f i o >n einlt!erusen, die seinerzeit durch das Abbaugcsetz vom Jahve 1921 aus Anlaß des Abbaue's der Lebensmittelzuschüsfe eiNigesetzt wurde. Dieser Kommission obliegt es, allmonatlich Gutachten über die Verteuerung oder Verbilligung der Lebenskosten zu erstatten. Sie hat sein>erzeit den Geschtuß gefaßt, diese Gutachten irr der Form voin Lebeniskoistenindexziffern abzugeben, hat die M«Lhode.n hiefür bis ins einzelne fostgelegt und mit der Durchführung eine klein>erc Kommission. die sogenannte Jndexkommission, betraut, deren Bestand nunmehr gefährdet ist. Nun soll am 12. d. die Sachlage in der großen Konvmission beraten und insbesondere erörtert werden, ob und durch welche Organe künftig ein Lebenskosten index berechnet werden soll. Nach der Boschluhfasfung der Kommission wird die Reg!ieruug ihre tveiteren Verfügungen treffen. Sine einheitliche Lehrerkammer. Der Unterrichtsausschuß genehmigte gestern einen Antrag auf Schaffung einer einheitlichen Lehrerkam ur e r, die auch die Hochschulen umfaßt, mit möglichst selbständigen Sektionen. Das Bundesministerium fiir Unterricht wird aufgefordert, dem Ausschüsse eine diesbezügliche n e n e B o r l a g e zu unterbreiten. Ier 14. zionistenkongreß. Das Zionistische Äaudeskomitee teilt uus mit: Das Bureau des 14. Z!onisteuk.ongressis wird erst Eude Äffai eröffnet. Derzeit werden im Bllreau des Landeskomitees keinerlei Auskünste über Kongreßangelegelcheiten erteilt. Irr Weitverband der zionistischen Slndentenfchast. Die I. T. A meldet: Die Exekutive des Meltverbandes der zionistischen Studentenschaft hielt eine Sitzung in Wien ab mbd wählte den Präsidentell der österreichischen zionistischen Studentenuniou, Kurt Ossenberg er, zum Vorsitzenden der Weltexokutive. Die Exekutive beschloß, eine Aktion zugunsten der Ermöglichung der Unterbringung jüdischer Studenten in Ier ns al cm einznleiten. Re Kohlenkrife in Mhrisch-Sftra«. Mährisch-Ostrau, 6. Wkai. (Tschecho-slaw. Preß-iBur.) Die Absatzvevhältnisse auf den: K o h l e n ma r k t haben sich nicht geändert, und es besteht iu absehbarer Zeit k eine Hofs n u n g auf Besserung, da die ganze Kohlenindustrie in Europa von ciuer Krise betrolffeu i-st. Deshalb e u t l affe n im Ostran-Karwiuer Revier die Grubenverivaltungeu eiueu Teil der Belegschaft. Bisher wurden nu gauzeu Revier in der §kohlenindustrie gegen 2500 Arbeiter entlassen. In der zweiten Etappe sollen gegen 4000 Personen entlassen werden. Auch die Zahl der B e r gb e a nt tenschaft soll verringert werden. Die Gesamtzahl der Arbeiter betrug bisher ei'lva 40.000. Lee prenbisch'füdische Landesverband. Der Leiter dos preußisch-jüdischen Landesverbandes, .Herr Dr. Jsmar Freund, machte in einem Gespräch mit dem Berliner I. T. A.-Vcrtreter die folgenden Mitteilungen: Der Verband hat zunächst sein Budget zu bestimmen. Dazu bedarf es einer Klarlegung der Einkomme n s v e r h ä l t n i s s e jeder einzelnen Gemeint. Eine seiner wichtigsten und dringendsten Aufgaben ist die Unterstützung der leistungsschwachen Gemeind e u, die zum Teil schon g u s a nt meng eb r o ch e n sind, zum Teil zusammenbrechen .müssen, wenn ihnen nicht vom Landesverband Hilfe wird. Um die erforderlichen Unterlagen zu erhalten, sind seit langem entsprechende Fragebogen au sämtliche Gemeiuden versandt worden. In beträchtlichem Ausmaß stche-n jedoch dre Antwortetr noch aus. Wenn mau sich vergegenwärtigt, daß im Jahre 1923, als wir uns in der schlimmsten iIuslati-onsperiode tni>t einer Umfrage au die Gemeinden wandten — lediglich, um die Unterlagen für eine für sie erwirkte Hilfe des Reiches zu erlangen —, Hunderte und aber Hunderte von Gemeiuden die Antwort sch u l d ig b l i c b e n, dann wird man sich fragen müssen, ob es überhaupt möglich ist, auf diesem Wege zu brauch- -bärem Material zu kommen. Aus dieser Erwägung heraus glaubte man versuchen zu können, unter allen Umständetl die Unterstützung der staatlichen Stellen bei unserer Aujfklärungsarbeit zu sichern. Diese Bemühungen hatten Erfolg, und es darf damit gerechnet tverdcn, daß es möglich sein wird, dem Verbands'tag bei seinem .Zu^smnm ent ritt ein klares und erschöpfendes Bild der lvahren Verhältnisse in den jüdischen Gemeinden Preußens zu bieten. Als Tagungsort ist datz He-rrenhaus in Aussicht genommen. Da das Herrenhans in der dritten Jtlniwoche für eine Tagung des Staatsrates freigchalteu!verden muß, so wird der preußische Landesverlbaud vovaussick)tlich am Montag den 22. Juni zufamulentreten. Getrennte christliche «nd Wische Maifeiern in Warschau. Warschau, 5. Mai. (I. T. A.) Zu>m! evstenmal se'ü mehreren Jahren verlief die Maifeier -in Warschau ohne schwere antisemitische Störungen. Die pol. Nische sozialistische Partei beging ihre Maifeier, ohne daß sich Juden an ihr beteiligten. Es ist noch in Erinnerung, daß am 1. Mai vorigen Jahres die jüdis -ch e n T e i l n e h an e r an dem Demonstrationszuge v o n den F a s z i st e n aus dem Zuge hevauegeholt und schwer mißhaudelt wurden, ohne daß di-e christliche Arbeiterschaft sich ihrer angenommen hätte. Diesmal veranstalteten der jüdische Soziatistenbund, die linken unti die rechten Paale Zion je eine eigene Maifeier. Die Demonstration verlielf ohne Störung. Unter den demoulstrierenden Kommunisten wurden aber mehrere Inder und Ghriiften verhaftet. Einige hundert faszistisch« A k a d e m i k e r veranstalteten eine Gegendemonjstratioti mit den Losungen: Nieder mit den Jindenkommnnistetl! Nieder Palästina, es leben die Araber! Als dil Demonstranten versuchten, in das jüdische Biertel einzudringen, stellte sich ihnen Polizei entgegen und^ zerstreute sie. _ Hitler. München, 5. Mai. (I. T. A.) Der bayrische Landtag lehnte einen Antrag der Völkischen, irr welchem die Regierung ersucht wird, das über Hitler verhängte ^Verbot, in Versammlungen zu sprechen, anfzuheben, ab. Marffh «nv Aolicsantzi. Budapest, 6. Mai. Die Königliche Tafel verhandelte heut den Prozeß wegen des seinerzeit gegen das hauptstädtisch, Overettentheater verübten Attentates. * In erster Instanz warn M a r f f y, der seither wegen des gegen den Elisabethstädter Klub verübten Mordattentates zun Tode verurteilt wurde, und Ladislaus O k o l i c*s a n y i, der siä gegenwärtig wegen des an Amalie Leirer begangenen Raubmordes in Präventivhaft besinnet, freigesprochen worden Die Königliche Tafel hat das Urteil der ersten Instanz bestätigt Me Unruhen in Srnn. Oran, 6. Mai. (Havas.) Die Zwischenfälle in der Stadt dauern an. Hiebei wurden e i n i g e P e r s o n e n v e rletzt. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Re sasziftische Berfassnngsreform. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Rom, 6. Mai. Uebor den von der f a s z i st is ch e ir Ach t z e h u e r k o m mt i s s i o u ausgearbeiteten Entwurf einer Verfassungsrefvrm wird bekannt: Die neue Verfassung wird die Befugnisse der Krone uuveräudert beibehalten und -iait besonderen den Artikel 5 der Verfassung unverändert lassen, der detr König ermächtigt, Krieg zu erkläret^ und Frieden zu schließen. Auch die Ertl-eumtng des Senats durch detl König bleibt bostcheu. Bei einem Mißtrauetlsvotum in der Kam-mer tvird sich die Regierung au den Senat wenden können. Der Kanrmer wird das Recht getlommen, <rm Schlüsse jeder 'beliebigen Sitzung ein Vertrauensvotum für die Regierung zu ^beantragen. Die ztlkün-ftige Kam,mer wird uach dieseiti Entwurf aus 600 Abgeordneten bestehen, von denen die Hällfte nicht aus allgemeinen Wählen hervorgeht, sondern durch die Berufsverbände der Industrie, des Handels, der ALidwirtschaft und der Arbeiter getvählt tvird.