Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2229 (5.5.1925)
- Date
- 1925-05-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 2929 Wen. DienMg Mnrftenzettuna. .D Mm ib n m In Wien «L«VL» lSi«L»«lL4sL r Sttwger Rückgang der Arbeltrlosigkeit. In Wien tvaren om 1. d. 88.731 (davon 29.657 weibliche) Arbeitsuchende bei den Arbeitsnachweisstellen zur Vermittlung vorgemerkt, von Venen 74.387 (davon 23.978 weibliche) im Bezüge der Arbeitslosenunterstützung gestanden -sind. Der Stand der unterstützten Arbeitslosen zeigt gegenüber dem Stande vom 15. April eine A b na hm e um 2670. Unter den A n g e st e l l t e n ist der Stand der Nnter- Istutzten um 390 auf 12.294 g e st i eg e n, was noch immer auf die Auswirkung der Entlassungen bei den Banken und auch auf die schlechtere Beschäftigung im Handel zurückznführen ist; dagegen zeigt sich in der I n d u st r i e eine geringe Besserung. - Reue SchMnanotrn. Endlich wieder Tausender. Die neuen Hundertschillingnvten sehen den Zohnschilling- «eoten zum Verwechseln ähnlich und dürften bald wieder aus dein Verkehr gezogen und durch neue, gefälliger ausgestattete Noten ersetzt werden. Obwohl die Nationalbank die Ausgabe der auf Schilling lautenden vorhandenen Notcnsericn sortseht, bereitet sie bereits eine ganz neue Serie von Schillingnoten von 10 bis 1000 Schilling vor. Für die Entwürfe wird schon in den nächsten Tagen ein Preisausschreiben veröffentlicht werden. Zunächst wird aber noch der vorhandene Vorrat an Schillingscheinen ausgcgeben. Am 11. d. werden die Tanscndschllliugnoten sowie die mit dein roten Uöb erdrück „E i n Schilling" versehenen Zchntausendkronennoten zur Ausgabe gelangen. Noch vor dem Sommer.werden dann die Noten zu 20 und zu 5 Schilling in Umlauf gesetzt werden. Aushebung der DirrMnarstrase des Direktors M heim. Gestern fand im Sitzungssaal des Unterrichts Ministeriums Unter dein Vorsitz des Sektionschefs Dr. Maurus die B erufnngsverhaud'lnng in der Disziplinarangelegenheit des Direktors Wilhelm vom Akademischen Gymnasium statt. Anlaß zur Einleitung des Disziplinarverfahrens gab wie bekannt, der Selbstmord des Oktavaners Dhonras Schwarz, der wegen eines dummen Scherzes von der Anstalt ansgestoßen worden war./Direktor Wilhelm wurde von der Disziplinarkommission des Stadtschulrates seinerzeit wegen formaler Fehler in der Ansetzung und Leitung der Verhandlung und bei der Führung des Protokolls zu Avancementsverlust und zu einer Verkürzung in der Zeit Vorrückung verurteilt. Die Mitangeklagten Professoren Doktor Gläser und Dr. Hausner wurden lediglich mit einer Rüge Ibestraft.»Dl>e gestrige Berufungsverhandlung wurde geheim durchgeführt. Die Kommission hat das Urteil der ersten Instanz aufgehoben. In der Begründung wird erklärt, daß das Verhalten des Direktors des Akademischen Gymnasiums nicht als ein Vergehen gegen die Disziplinarordnung, sondern nur als eine geringfügige O r d n u n g swidrigkeit in drei Fällen qualifiziert werden könne. Staatliche Prüsungskommisfionen ssirMermtto Um dem Unterricht in Esperanto eine legale Grundlage zu geben und eine weitere Ausbreitung zu ficherll, hat das ÜuivrrichtAmini'steri.mu eine PrüfungSvovschvift für das Lehramt der Welthilfssprache Esperanto an öffentlichen .mittleren Lehranstalten und für den Nachweis der Kenntnis des Esperanto erlassen. In der: allgemeinen Bestinlmnngcn dieser P r üfungs Vorschrift wird festgesetzt, daß zur Vornahme der Lehrbefählgnngsprüsun>gen sowie der Prüfungen zum Nachweis der Kenntnis des Esperanto eigene Prüfung s k o m m'.i s s i o u c u cvuamtt werden. Der Direktor, erforderlichenfalls mtä; ein Direktorstellvertreter sowie die übrigen Mitglieder, der Kommissionen lverden vom Minister für Unterricht aus die Dauer von drei Jahren ernannt. Die P rüfu n ge.ns finden in der Regel zweimal im Jahre, int Frühjahr nnd im.Herbst, statt und ftitb öffentlich. Die Prüfungen teilen sich in mündliche und schriftliche. Die einzelnen Teilprüfnngeu werdet: mit der: Noten sehr gut, galt, genügend und nicht gellügend bewertet. Das Gesamtergebnis wird in drei Gruppen gewertet: „Mit Auszeichnung befähigt (beziehungsweise bestanden)", ' „befähigt (bezw. bestanden), oder „nichtbefähigt (bezw. nicht bestandeni)".Im Falle eines ungünstigen Prüfnngserfolges können Wiederholungsprüfmlgell nach einem halben oder eil:ein Jahre bewilligt werden. Sie Vorgänge in Brümmz?. Der Attentatsprvzeß. Sofia, 3. Niai. (Bnlg. DÄ.-Ag.) Ill der heruigeu Verhandlung sagte der Zeuge Stoitschto w, der einen gewissen Kole schkow, ehvcu der Mttverschvorenen, e rinordet hatte, mn zu vechindern, daß er selb st verraten werde, aus, daß Koleschkow von einer Organisation, der die Führer der Bauernpartei Petrini und Gr a t s ch a r o w - angehörteu. große Geldbeträge erhalten habe. Stoitschkolv gab an, daß er mit eitler Truppe in Verbindung. gestanden sei, die ein A t t e n t a t gegen das S o b r anje ausführen sollte, und zwar während einer gehe i ni e >u‘ Sitz n n g der Regiernngsniehrheit, nm nn^ Aendernng des Reginles herbeizuführen. Der Anschlag sollte demnächst zur Tal werden. Der .'senge M a s l a r s k i, der Beziehungen mit Gratscharow und Petrini unterhielt, bestätigte die Absicht eines soschell Anschlages, der mit einer Höllennl a s ch > n e hätte ansgeführt werden sollen. Ter Verteidiger F r i d m a n n s, der Rechtsanwalt Taboiow, hat die Vertretung seines Klienten niedergelcgt. Neue Todesopfer. Sofia, 4. Mai. (Bu-lg. Tcl.-Ag.) Von bcn Opfern des AncntAes in der Kathedrale sind Oberstleutnant der Reserve N i k o l a j c w und Sanitätsoberst Dr. T a nt s che w ihren Verletznin'cn erlege n. Da im ganzen Lande Rllhe ll n d O r d ll u n g herrschen. haben die Militärbehörden von Sofia die Polizeistunde vorr heute an aus 9 Uhr abends verlängert. In Pchilippoxel ist es den Behörden gelungen, ein aararkoin-.nnnistisches V e r s ch w ö r e r k o m i 1 ee zu entdecken. Es wurdell nl e h r e r e B e r h a f t.u nge it vorgenommen. Der Verschwörer A g o w. ein e-henialiger Flieger, der ein Vertrauensmann Stamblltijskis gelveseu ist, wurde in Philippvpcl verhaftet llnd, als er zu fliehen versuchre, getötet. Der Bombenwerfer Resz - wieder ans freiem Faß. Budapest, 4. Mai. Der in der Bombcnassäre des Elisabethstädtertkilbs kompromittierte Karl Nesz, gegen den die Polizei Samstag einen Steckbrief erlassen hatte, hat sich inzwischen freiwillig bei der Polizei gemeldet. Er teilte mit, daß ihn die Militärbehörde nur deshalb gestlcht habe, weil sie ihn als Zeugen vernehmen wollte. Nesz wurde nach beendetenr Verhör auf freiem Fuß gesetzt. _ Arabische Sektierer. London, 4. Mai. tRemer.) „Daily Mail" nieldet ans I e r ll sä l e m, zwei Fami'l'ien Äu Torfe A lila t (?), die sich geweigert hatten-, sich eitler neuen religiösen Sekte anznschließen, seien verbrannt worden. Militär sei gegen die fanatische Menge eillgeschritten. Hievbei seien 39 P e r- 1 o u e n getötet unb 27 vet-wundet luovbciT. Sowietrußland reformiert. Anrufung der Privatinitiative. Moskau, 2. Mai. Die russische Delegrap'henagLNittlr meldet: Zu dem am 8. Mai stattfindenden allrussischen. So»v>jetkongreß bringt die RegierlUlg einige Aenderungen und E r g ä n; n n <j eit z n r Verfass n n g ein. Es soll unter anderem in die Bersassnng eine neue Bestimnmng ausgenommen werden, durch die einzelnen a>n slv ä r i i g e n u n d S o w j c t b ü r g e r n sowie V e rcinignngen die Möglichkeit gegeben wird, znr Förderung der Produktiven Kräfte des Lx^rdes die Privatinitiative im wirtscha!ftii>chen Leben der Republik zu ergreifen. Ein Geschäft mit Harryman. Berlin, 3. Mai. Die russische Mangank o n z e s s i o n, über welche seit acht Monaten mit Harr yman in Nviv-Aork veriha-ndalt wird, ist nunmehr definitiv der Firma Harrhman zugefallen, und zlvar als Monopol für die Ansbcuinng der 'kaukasischen Manganvovkom'men' c-inschlieWch dem Ausfuhvmonopvl. Harrynian wird der Sowseiregierillig eine G a r a n t i es u nl m c '1)9 11 einer M i l l i o n D o l l a r zahlen und einen Vorschuß in gleicher Höhe ti-uif die Abgaben leisten. Der Seim lehnt alle Wischen Schulantrüge ab. Mit den Stimmen der Sozialdemokraten. Warschau, 2. Mai. (F. T. A.). Im Verlause der letzteri Erziohnngedebatte im Sojnl traten der Deputierte Prilntzki (Jüdische Volkspartei) und die Mitglieder des jüdischell Parlamelltsktub I. G r ü n b a ll -m und Rabbiner L e w i n mit Anträgen hervor. Abgeordneter Prilntzki lv-andte sich scharf gegen die Regierung, die nur m i t den e x t v e m c u o r t h o d o x e u I u d c n eine Verständigung sucht, weil diese in dell mchtjüdischon Fächern polnisch als Nuterrichtssprache wünschen. Im Odämen der jüdischen Demokratie Protestiere er gegen die Begl'urstignng des 1 l e r \ k a l e n E h e d e r. Abgeovdnetor Grünbaum sagte, es sei unerhört, daß die Regierung die jüdische Bevölkerung alleill für die Erzichllllg der Jugend sorgen läßt, lvobei die Juden tv i e a l l c andere n B ü r g e r Stenern zahlen. Für die drei Millionen Inden >m Polen hätte die Regierung 38 Millionen Zloty zu Erziehnngszlvecken ansgeben nmssen, in der Wirklichkeit gibt sie nicht einmak 21 Milbionen aus. Die Regierung läßt i m A n Stande verbreiten, daß an den Hochschlllen ein N n itt e r u s c l a it s u s n i ch t b est e h t und daß die jüdischen 'Studenten 25 Prozent der Gesamthörerschaft ausmachen. Das trifft zum Teil auf die ph'ilosvphischen und juridischen Fakultäten zu, dagegen besteht a n d e n m e d i z \ n l s ch e n n n d technische n F a k u l täten ei n st r e n g e r N n m e r n s e l a n s n s. An der Warschauer medizinischen Fakultät wurden im Jahre 1924 im ganzen 19 Inden ansaenommen, das ist noch viel iv e n i g e r als zu den Zeile n d e s Zarismus. Der Redner beantragte die Einslelln>ng von 2,500.000 Zloty für jüdische 2 ch u! e n und 220.000 Zloty für j ü d i s ch e L e h r e r b i l v n n g s a n st alte» in das Budget. Abgeordneter Rabbiner Lewin verteidigte die Fnstitution des EHeber, ans die d i e O r t h o d o r e u nicht verzichten können, stn Polen existieren 20!)0 Chädarim, in welchen mehr als 100.000 K inder unterrichtet werden. Für die jüdischen Lehrfächer sorgen wir selbör, wir wollen aber, daß unsere Kinder die polnische Sprache und die polnische Geschichte lernen. Die Ausgaben hierfür m n s s e n n s d i e R c g i c r n n g e r« st a t t c it. In der Seim-Ditznng vom 29. April, in welcher über das Budget abgcstimmt wurde, wurden sämtliche Anträge der jüdischen Abgeordneten abgelehnt. Gegen die Anträge stintmten auch die T o z i a l d c in o k r a t c n Der Krieg in Marokko. Auf das französische Gebiet übcrgcgriffen. London, 4. Mai. (Reuter.) Der Berichterstatter der „Times" drahtet ans Rabats die spanischen Truppen hätten sich n a ch d e r K ü st e zur ü ck g e z o g e n. Dadurch sei es möglich geworden, daß 2l 6 d c l K r i m in die französische Zolle eindrang. Er befinde sich jetzt tatsächlich mit Frankreich im Kriege. Es wäre unklug, zu versuchen, die Tatsache zu verheimlichen, daß die Lage anfangs der vergangenen Woche ent st gewesen sei. Seit Mittwoch habe die Besorgnis jedoch nachgelassen. Drei Kolonnen operierten jetzt gegen die Riflente und ihre Anhänger. Auf der gesamten Front seien 18 Bataillone Infanterie. 16 Schi.vadronell Kavallerie und 12 Batterien Artillerie tätig. Die Gesamtzahl der Riflente betrage ungefähr 4000 Mann, doch sollen sich i n n e r h a l b der s p a n i s. ch e n Zone in der Nähe der Grenze noch weitere 4000 Mann in Reserve 'befinden. Abends wird von Havas gemeldet: Die französischen Truppen haben an der Nordfrollt die Zugänge nach Audllk in scharfem Angriff gesäulbert und den Feind vollständig g e s ch l« g e n. Dieser hat niehr als 50 Tote, zahlreiche Gefangene und beträchtliches Kriegsmaterial auf dem Kampffelde zurückgelassell. Die französischen Verlustsind sehr gering. Der Wahnsinn de« Prinzen Georg von Serbien. Er ist grob und beleidigt die Minister. Belgrad, 4. Rcai. (Avala.) Ueber die Krankheit n n d d i e Hebe r sied l n n g des Prinzen Georg erfahren die Blätter, daß I s o l i e r u n g s m a ß n a h m e n bereits im Jahre 1912 in Aussicht genommen worden waren. Damals sollte der Prinz tot Ni sch Aufenthalt nehmen, doch man Verzichtete auf diese Niaßnahme in der Hoffnung, daß sich sein Gesnndhe>itsznstand bessern werde. Er lM sich jedoch seither verschlimmert, lvas ans zahlreichen E x z e n >t r i z i t ä t e n hervorgeht, die zuweilen solche Dimensionen ainnehmen, daß es unmöglich war, für ihn Dienstpersonal zu finden. Auch sein großes Be- «n e h m e n und seine wiederholten Bete i d t g u n g e. n v o n M i t g l i e d e r n d e r R e g i e r u n g bewe isen s e i n e n Gei st e s z n ft a n d, der übrigens ständig von SpeziaVisten beobachtet wurde,, so in der letzten Zeit auch von dem Pariser Spezialarzt Dr. R u b i n o v i c. Einige Politiker, die int p o l >i k -i s ch cn Sc b e it feilt e at E r s o l g hatten, haben den psychischen Zustand des Prinzen Georg ansgebeukek. Am die angesichts der stets wachsendelt Aufregung des Prinzen möglichen >nuheilvollen Folgen zu verhüten, mußte man zu der Maßnahme der Isolierung -und der ständigen U c b erwa ch n n g greifen und den Prinzen einer Behänd'tnngsweise unterwerselt, wie sic durch seinen Gesundheitszustand erfordert wird. Gestern abends ist Prinz Georg in Begleitung eines Arztes auf die Staatsdomäne Belle übersi'lhrt worden, wo er die für seinen Gesund^ heitsznstand nötige Ruhe und ärztliche Fürsorge genieße lvird. Wie sie Hetzen! Reventlows Märchen. Die am 2. d. erschienene Nummer des vom Grasen Ernst zu R e v e n t l o w herausgegebenen „R e i ch srv a r t" schreibt unter der Uebcrschrift: „D i e I u d e n nach der Wahl": „Die Juden wußten, warum sie sich die Sache etwas kosten ließen. Ihre gekaufte und beeiuflußte Gefolgschaft wußte es nicht . . . Im linntittelbaren Anschluß an den unter solchen Verhältilissen mit Sicherlheil erhofften Erfolg sollte dann «in Gese^ elllgebracht werden, das durch hohe Strafelt und andere Ansnahmcbestim- Mllngen sich gegen a >l l e A e n ß e r it n g e n des „A it t is e m i t i s m n s" richten sollte. Dieses Gesetz s o l l t e eim Ergänzung des bestehendell „Gesetzes znm Schutze der Republik" werden. So erklärt sich die ungehenre Leidenschaft, mit der die Juden für die Wghl des „erprobten und erfolgreichen Staatsmannes" Nkarx eintreten. Man kann nicht bezlveifeln. daß unter einer AiArp-Präsidentschaft das jüdisch«