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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-05 · Heft 2229 (5.5.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2229 (5.5.1925)
Date
1925-05-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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OM L Wien, DimÄvg ---- — - -.--.- ■ Alfred Z ch lt ft c r. der die Atoiiuiiirth' Akademie und die Cainbri-dge-Universikät bei der Eröffnungsfeier der Jerusalemer Universität vertreten liatte. Mcizmann und Gokolow. Die Verhandlungen mit der Agudah. London, 3. Bäii. Präsident W e i z m a u n ift am 2£. April aus Ercz Israel hierher zurückgeschrt. Herr Z o kvlo w verblei dt nach einige Wochen in Palästina pun Zweck einer eingehenden Prüfung der güsamten Mischen Arbeit. Die Konferenzen mit der Agudah werden (wie wir bereits am Sonntag mittciltcn) am Mittwoch «beginnen. Gegenstand der Beratung ist hauptsächlich die Frage des Eintrittes der Agudah in die Iewish Agency. Die Vertreter der Agudah sind: Herr Dr. Pinchas K o h u aus Wien, der Vorsitzende der politischen Executive Herr Jakob R o s e n h e i m, Rabbi H o r o «w i tz aus I erusalem, Herr S. Guggenhcim aus Basel, Herr I. Holländer aus Frankfurt a. M., der neulich als Führer der Agudah-Abordnuug in Palästina weilte, der Sekretär der politischen Executive der Agudah. Mr. H. A. Goodman, London. Eine Rede J-ulian Marks. Boston, 2. Mai. (I. T. A.) Richter Julian W. Mack, der frühere Präsident der Zionistischen Organisarion Amerikas, der nach der Spaltung der Landesorgauisatiou aus der Konferenz in Clcveland im Jahre 1921 zur Brandois-Gruppe überging, ist dieser Tage zum ersten Male seit dieser Spaltung in einer z i o n i-st isehen Versammlung in Boston als Redner ausgetreten. Er erklärte, er glaube noch immer an den Zionismus und seine Verwirklichung. Tie in den Vereinigten Maaten, sagte er weiter, leben gegenwärtig in guten Verhältnissen; es ist nun die Frage, ob sie «weitsichtig genug sind, an die Zukunft zu denken, ob sie sich der Pflicht gegen ihre Nachkommen bewußt sind. In derselben Versammlung hielt auch der Gouverneur Fu«ller eine Ansprache, in der er aussührte: Die Angen der Welt wenden sich wieder nach Zion, wo auf dem Berge Skopus durch die Eröffnung der Universität eine neue Epoche jüdischer Geistestätigkeit begönnert hat. Maat und Bevölkerung von Massachusetts beglückwünschen das jüdische Volk zu dieser Errnugen-- «chaft itnd sprechen ihm zu seinen Bestrebungen in Palästina ihre Sympathie aus. In der Versammlung avurde ein Brief -des früherert Präsidcuten der Harvard-Universität, D. Charles W. Eliot, verlesen, in welchem es heißt: „Die jüdische Rasse hat ungeachtet des Lebens in der Zerstreuung und der überall erlittenen Verfolgungen stets eine hohe Stufe geistiger und weltlicher Kultur erreicht. In vielen Generationen war die Erziehung unter den Juden aus einer weit höheren Stufe als unter beit Christen. In der I e r u s a l c m e r Universität wird alte und neue jüdische Wissenschaft gelehrt werden. Es wird die Zeit kommen, da diese Hochschule in allen Wissenschaften nnd Künsten Großes leisten wird. Diejenigen Länder, in denen die Inden am freiesten und glücklichsten Idjen, müssen die notwendigen Lasten der Jerusalemer Universität tragen. Amerika -muh voranqehen. Eine Rede des Präsidenten koolidge. Washington, 4. Mai. (Wolfs.) Bei der Grundsteinlegung zum jüdischen Gemeindehaus hielt Präsident Coolidge ei-ne Ansprache, in «der er die Verdienste der Juden um Amerika lobend -hervorhob und hinzusügte: Trotz aller Erfahrungen 'bringe man den Juden weiter Haß und Neid entgegen, woraus sich wieder innere Mreirigkeiteu und internationale Verwicklung c n ergeben. Erziehung it n b A us kl ä r u n g würben jedoch die Stärke dieser Empfindungen brechen und die Vernunft werde die Oberhand gewinnen. Großer Sieg der französischen Demokratie. Paris, 4. Mvi. Die aus der Provurz gemeldeten Wahlresultate lassen einen viel bedeutenderen Sieg des Linkskartells erkennen, als nach den ersten gemeldeten Ziffern ertvartet wurde. Bon 99 Provinzgemeinden haben die Wahlen in den Gemeinderat in 52 eine Mehrheit der Linken ergeben und nur in 17 eine Mehrheit des nationalen Blocks. In 21 Gemeinden sind Stichwahlen erforderlich, deren Aussichten in 14 Gemeinden für das Links kartell günstiger sind. Bon bekannten Persönlichkeiten erscheinen bisher geivählt die Senatoren de M o n z i e, Ä l o tz, C l e m e n t e l, der frühere Landwirtschastsminister Cheron, der durch die Sachlieferungsverhandlungen mit Deutschland bekannte Senator L u b e r s a e, ferner der Direktor bcr „Ere Rondelle" Dubarry und der Vizepräsident der Kammer Bouilleux-Lafont. Präsident Doumergue hat sich heute nach dem Schlosse Rambouillet, der Sommerresidenz der französischen Präsidenten, begeben, wo er die P a r l a m e n t sf e r t c it verbringen wird. Palnleve erlrankt. Paris, 4. Mai. iH-avas.) Miuisterpräsibeut Pain- 1 e ve, der au einer Erkältung leidet, wird zwei Tage das Zirmner hüten «müssen. Wiener Morüen-eitung. 6. Mai 1888 Bodenreform in Ungarn. Woher Horthp seine Hellen versorgt. Wbr h'ibcn wiederhckt über die affenfuittoßc er noch nicht fünfzig Elgon-tu>m r>eO indcuseiudlichc Tendenz der sogenannten Bodenreform der H o r t h y -R e g i c r u n g berichtet. Wie auf allen Gebieten tobt sich auch auf dem Gebiete der Bodenreform die Judenfeindilichkeit mit der größten Grausamkeit gegen die kleinen jüdischen Landwirte aus, die seit Jahrzehnten ihren kleinen Besitz »pitau so persönlich bearbeiten wie die an«deren kleinen Ballern. Auf diese jüdischen Zwergbesitze hat die ungarische Regierung eine förmliche Vernichtungsjagd veranstaltet und es ist d c m chr istl i ch na t i o na le n K >u r 8 auch gelungen, eine boträchtliche Anzahl jüdischer Fa in i lim ihres bescheidenen Bodenbe-sitzcs von 5 bis 7 Joch zu -berauben. Mit einigen der krassesten Fälle des Besitzraubcs hatte sich dieser Tage, wie uns aus Budapest «berichtet wird, das Landesger i cht für Bode u regulier ung als Appellgericht zu befassen. Es handelte sich um den Rekurs der jüdischen Kleinbauern in Kantorjanos, einer kleinen Dorfgemeinde, deren eine .Hälfte zu Rumänien und die andere zu Ungarn gehört. Diese Mischen Landwirte sind schon seit Jahrzehnten. gewöhnliche Feldarbeiter und liaben sich durch Sparsamkeit und Entbehrungen das Geld beiseite legen können, um sich je einen Acker von -wenigen Joch zu erwerben, von dem eine sechs- 'bis achtköpfige Faiililie leben sollte. Als daun der chrrstlichllatiollale Kurs die Bodenreglllierungskom Missionenauch auf die Gemeinde Kantorjanos losließ, fanden diese es wohl in -Ordnung, daß in der Gemarkkung der Gemeinde der 5000-Foch-«Besitz der Familie Mau dH lllrangetastet weiter 'bestehe, requirierten jedoch die Zw erg besitze der Inden in einer nächtlichen Sitzung, ohne die -betroffenen jüdischen Bauern anzn hören. Zluu Vorwaude für diese unmenschliche Maßnahme diente die nnivachre Behauptung, daß die gemaßregelten ,Juden nicht ausschließlich von der Bearbeitung i'hres Bodenbesitzes leben und auch vom Gesichtspunkte des Patriotismus nicht vertraucnsivüvdig wären. Demgegenüber lesen wir im Rekurs der ungeil des Rechtsraubes Beschwerde flihrenden Juden: Adolf V^eißbrnnu, der größte „Gutsbesitzer" unter ihnen, 'mußte aus seinem Besitz von ach tu u dzwanz ig Joch heraus. Er weist an der Hand amtlicher Dokumente nach, daß er schon seit zehn Jahren keilt Gewerbe ausnbt. Seinen- Besitz hat er vor dreißig Ja'hren getauft. Einer seiner Söhne ist als Artillevievberleutnant im Kriege gefallen. Die Requirierung des Besitzes wurde damit begründet, Besitzers ist. Die Brüder Armin, Ludwig und Hermann Schwarz lmrrden äuS ihrem gemeinsam verwalteten Besitz von je zwölf Joch hiitausgeworfcn, lvekl ihr Vater, Ignaz Schwarz, vor Jahren einen GaisthauShetrie>b führte. Die Gemeindevorstehung bestätigte jedoch, daß die dvei Brüder sich niemals mit anderem als der Bodenbswirtschaftung beschäftigten, als Bauern arbeiteten und auch chrerr Besitz aus den Ersparnissen ihres Taglohnes als Fcldarbeiter bei beu großen <hruudbe.sitze.rn gekau.ft halben, Die Brüder Schtvarz sind ungarische Staatsbürger, haben den Krieg an der Front mitgemacht und dienten auch zwei Jahre lang in der National" a r m e c. La»lt All-ssage des Qrtsgeistlicheil «Hot sich die Familie Schwarz sowohl während der Revollttion als auch zur Zeit der Proletarievdiktatur pa t r i o t i i rli verhalteil. Der Frau Martin Fried wurde der Besitz von siebe ne illhakb Joch requiriert. Ihr Mann ist 60prozentiger Kriegs-invalide. Koloman Rosen selb si'chrt au, daß ihm sein Be sitz von 7,8 Joch Boden wegge-nommen «wurde, weil er wiederholt «dabe-i «betreten wurde, wie er „auf eineui Karren Zimtschken seilbot". „Ich «weiß nicht" — sagt MosmijÄd «entrüstet in -seiner Rekursschvift — „seit «wann es einen AuHMießunOgrund bildet, daß ich früher e-iuinal .lls elender armer Teufel -gewagt «habe, zu .Herbstzc-iten auch Zwetschken feil' zllbi-eten. Aber selbst zu jener Zeit habe ich mich ihall-ptsächlich als Fcldarbeiter. fortgbbracht. Ich bin, wie amtlich erwiesen ist, seit dreißig Jahren Bauer. Ich 'habe genau -so gepflügt, gesät, gegraben und genläht wie jeder andere Feldarbeiter. Unseren kleinen Besitz bearbeiten wir felbft. Als ich vor «längerer -Zeit um eine» lGeiwerbeschein ansuchte, wlivde ich mit der Begründung abgewiesen, daß ich nlich mit Fel-davbeit und Landwirös>chaft 'beschäftige." Dieselbe Behandlung erfuhren 'Abrahaim «Au-spitz (acht Joch), Ignaz Blau (neun Joch), Ignaz Großberger und Josef Großberger (je gehn Joch), die alle Nachweisen, -daß sie seit 'Jahrzeihnten Landwirtschafl 'betreiben. Das Larrdesgericht für Bodenreguliernng «hat, toie nicht aüdcrs zu -erwarten 'war, alle Rekurse verworfen und «der 'heilige Boden der Migarischen Hälfte voll lidaluvr« janos ist judenrein geworden. Die acht jüdischell Familien mit 69 «Fci-m'ilienmitgliedern müssen zunr Wanderstab greifen. Der Boden fällt an Horthys Helden. Dr. Simmerma» bleibt. Gestern tauchte die Meldung <mf, daß bereits imt September das Bureau des Generalk-omnrissärs Dr. Zimmerm a n bis -auf einen kl-eiileu Rest a b g e b a u t und Doktor Zimmerman selbst nur mehr eiuige Mona t e, elwa bis März llächsten Jahres, in Wien v e r «b l e i b e n werde. An unterrichteter Melle ist von derartigen Wsichten des Völkerbundes nichts bekannt. Voraussetzimg für die Einstellung der Tätigkeit -des Generalkommissärs wäre die vom Bölkcvbnnd selbst bestätigte Beendigung der Sanierung. Diese Voraussetzung ist aber bis nun nicht gegeben. Der Septemberakkord stellte nur in Aussicht, daß die Kontrolle g e m i l dert werberc würde, wenn 'eine Reihe von Bedingungen dlirch Oesterreich erfüllt «würde. Zu diesen gehören unter anderen die Goldb-i la n z e n- Vorlage, die Kommcrzialisierllng der Bundesforste und der Sälinen, bi-c ‘ Neuauftei l u n g der S t e u e r q u e >1 l e n; w i s ch e u B u n d und- L ä nd e v n, die A b.s ch a f f u n g der D o p P e l v e r w a lt il ll g i il 2 c n B n n d e s l ä n d e r n lind die U e b e ri r a g u il g d e r K o ll i r o l l e über die L ä n d e r gebar u n g a n «d e ll O b e r st e n R e ch ll u n g s h o f. Voll dlewu Bedingungen ist bis jetzt aal ch ll i cht c i n e e r- I ii l l t wordeli. Üeber das G o l b-6 i I a u; ellge s e tz wird lloch immer mit den Interessenten verhandelt unb im günstigsten Falle wird es Ende Mai vor beu Nationavat gebracht werden könnell. Die Revision der Adgabenteilung ist nach wie vor ein Streitobjekt zwischell dem Fillanzrniniftemiim -luld der Gemeinde Wien. Nebcr die hauptsächlich die Verländerliugsfrage bem-hrendelr Bedillgungen ist es zwar gelungen, iln christlichs-oziateil Lager eine einhellige 'Auffassung ber^ustetteil. Wie sich «aiber die Länderkonferen; zu diesem intern christlichsvzialell Nebereiutommen stellt, bleibt noch aozuivartell. Die Regierung hat übrigens selbst die -2 a il i c r u r> g sf r a g e ovri der >v i r l s ch a f t l i ch e u Seit e augrschnitten, da ne sich ja selbst von. der WirtsckMftsexpertlse des Bölkerblilides erst jene Auregltngell verspricht, deren Dnrchfühnlugi allch die ivirtschaftliche Erstell; Oesterreichs verbürgen köllntell. .iul Seplcnlber war in Genf vo,l einer All'fhebuug der Völkerbundkoutrolle llicht die Rede und auch das. K o u t r o l l k o m i t e c des Völkerbundes, das dieser Tage in Pa r i s den Bericht des Generaler 'unissärs Doktor s',!!rulierulai,:über die Ergebnisse des öu.'rreichischen Sanierllugslv'rkes curgegennahill, wird wohl kaum All-träge betreffend die-Aushebung der Kontrolle stellet' tönlven. Gerade der Umstand, -daß 'das Komitee seine «Beva-i-ungen beendet«, ohne über -feine Beschlüsse etwas zu verlautbaren. dürfte den Anlaß zu den oben zitierten Gerüchten gegeben haben. Die österreichische Regierung ist Vevnmtlich schon in Kenntnis der Beschlüsse des Kontr>ollko«mi-tees, hüllt sich aber in Stillschweigen, vielleicht, «weil das, was Dr. Zi-nimermau aus Paris mitgebracht hat, für sie minder erfreulich ist. Es heißt au'ch, daß der Generalk-omm-issär 'bei seinen Pariser Besprechungen andere Dinge zu hören' bekam als «sie den Wiener Regierungskrersen angenehm wären. Bon den ursprünglichen Vereinbarungen mit dem Bölkerbund hafte ir noch manche unerfüllt aus. Die vorgoschriebene Ziffer der abzubauenden BU'ndesangetstellten ist -nicht erreicht. Die Autonom-iebeftrebungen der Länder imd manche Vorkommnisse in -der Verwaltung werden im Airlslande nicht so gedeutet, als ob man in Oesterreich tatsächlich -in dem vorgezeichneten Atvhmen des Normalbudgets sein Auslangen fm'den wolle. Für die dauernde Mabi-lisierung der österreichischen Staatsl.virt-schaft ist umungängliche Voraussetzung, daß au'ch das Budget pro 1926 sich innerhailb der Ziffern des Norinalbll'dgets hält. Der Bund-esvorans-chlag für 1926 wird kaum vor »Herbst im Nation«trat eingebvacht werden und selt-st seine Botierung würde die Kontrolle des Vökker>bundes nicht entbehrlich machen, auch wenn alle übrigeir Voraussetzungen erfüllt wären. Denn die Ueberwa chu ng des Zinsen^ nnd Tilgungsdienste s der V ö l k e r b u n d a n l e i h e wird immer. noch dllrch einen Bertranensmann der Gesellschaft der Natiomn erfolgen müssen. Eine Einschränkung der KontrollbeisugniS wäre immerhin denkbar und nach restloser Erfüllung der erwähuten Bomussetzungen auch ein Mbait des für die Koittrolle nötigen Apparates. Wann dieser Zeitpunkt gekoinmen sein wird, steht lwch dahin. Vielleicht wird es auch Dr. Zimmevlnan dann vorziehen, seine Kräfte einer größeren Ausgabe zu widmen. Oesterreich wird sich aber noch s e h r i n t e n s i v beruühen müssen, um in der Junitagnng des Völkerbundes günstig abzuschneiden. Die Anf- 'häblmg der Kontrolle ist noch sta r ke Z nkunstsmu j? f Witternigg spricht weiter. '3fu der gestrigen Sitzung des Mietengesetz ans« s ch u s s e s setzte Abgeordneter W i t t e r n i g g seine in« der letzten Sitzung unterbrochene Rede fort. Witternigg wird auch iu der morgigen Sitzung des Ausschusses in seiMN. AusfühnuWn fortfahreP.

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